Ada und Minka und Marta

Fráňa Šrámek

(* 19. Januar 1877 in Sobotka; † 1. Juli 1952 in Prag)

ADA, MINKA, MARTA

Blutiger Tau an gelblichen Blüten,
es krümmt sich der Pfad, drei Mädchen nahn,
bloßfüßige Mädchen, die Wangen erglühten,
der Tau beleckt sie, der Tau spritzt sie an;
das Herz in den Händen, der Rock weht im Winde,
wie liefen wir alle drei so geschwinde
Ada und Minka und Marta.

Mütterchen weinte und kämmte die Haare,
Mütterchen weinte gern.
Wo schwandet ihr hin, meine jungen Jahre —
Mütterchen sang so gern . . .
Wie sich die Welt dreht, schaut, Mädchen, euch um,
nichts werden genießen, wenn sie so dumm,
Ada und Minka und Marta.

Wegriche blau am Straßenrand klagen,
wie von purpurnen Bannern ist die Stadt dunstumschienen,
o laßt euch, Mädchen, lasset euch tragen,
die Weisen gehn trinken, gehn wir mit ihnen —
das Haupt sinkt nach hinten, euch packt ein Beklemmen,
wer wird euch morgen die Haare kämmen,
Ada und Minka und Marta . . .?

Gebrechliche Gläschen Trinksprüche schrien —
es lebe die Flasche, hoch das Gewissen!
Das Bett ist aus Rosen, die Lumpen werft hin,
das Bett ist aus Dornen, wir wollen küssen . . .
Die Liebe ist heilig und groß, wie sie sagen,
wie wollt im Kote zu ihr euch hinwagen,
Ada und Minka und Marta . . .?

Die Menschen sind fremd und schlüpfrig die Gassen,
wer gestern euch nah war, schämt sich schon heute.
Etwas ist geschehen, doch wer will es fassen?
Wie schwer ist das Leben unter den Leuten.
Die Schönheit der Mittnacht weckt mittags nur Grausen,
Herze, wo irrst du, wo magst du hausen?
Ada und Minka und Marta . . .!

Die Nächte sind kühl, vergebliches Pochen.
In euern Fähnchen, friert ihr nicht, Kinder?
Das letzte Gäßchen blind kommt gekrochen.
Das Lämmchen Gottes entsündigt die Sünder!
Der Fluß stöhnt drunten, das Lamm will nicht sprechen,
Schreie von Wölfen das Dunkel durchbrechen —
O Ada, Minka und Marta . . .!

Ein blutroter Traum kehrt wieder und wieder,
die heiseren Stimmen, noch können sie singen.
Du trunkener Bursche, wärm‘ mir die Glieder,
fest, sakra! Der Wollust will Vivat ich bringen!
Herr Schutzmann, wißt nur: hier sind gefallen
die alles geopfert, die schönsten von allen,
Ada und Minka und Marta.

Ich geh durch die Zelle, die mit Dornen beladen.
Drei trunkene Stimmen den Raum überschwemmen:
Du törichter Dichter von Gottes Gnaden,
o neig‘ dich, mit güldenem Kamm uns zu kämmen,
euren Weg in der Mitte, schön weiß in der Mitte,
wie wenn der Kamm durchs Haar deiner Herzliebsten glitte,
kämm’ Ada, Minka und Marta . . .!

Deutsch von Otto Pick. Aus: Jüngste tschechische Lyrik. Eine Anthologie. (Die Aktions-Lyrik). Berlin-Wilmersdorf: Die Aktion (Franz Pfemfert), 1916, S. 94f.

Ada, Minka, Marta
Fráňa Šrámek

„Ada, Minka, Marta – mají hlad.“
Napsáno na dveřích cely č. 15 na policejním ředitelství pražském.*

Na žlutých květech krvavá rosa,
pěšinka zrádně se stáčí,
děvčátka tři jdou, děvčátka bosá,
rosa se lísá, rosa je smáčí,
srdce je na dlani, sukénka vichří,
to jsme se rozběhla děvčátka my tři,
Ada a Minka a Marta.

Maminka s pláčem přičísla vlasy,
maminka plakala ráda,
kam jste se poděly, mladé mé časy –
maminka zpívala ráda,
koukejte, holky, jak se svět houpá,
houbičky užije, když bude hloupá
Ada a Minka a Marta.

Čekanky modré žalují u cest,
město vlá v dálce rudými dýmy,
dejte se, holky, dejte se unést,
chytří jdou upít se, půjdeme s nimi –
hlava se zvrátila, zvroucněly hlasy,
kdo jen vám ráno učesá vlasy,
Ado a Minko a Marto . . .?

Křehoučké sklínky přípitek vzkřikly –
láhev a svědomí, vivat a vivat!
lůžko je z růží, my se už svlíkly,
lůžko je z trnů, my chceme líbat,
láska je velká prý, láska je svatá,
jak k ní však dojíti pro tolik bláta
Ado a Minko a Marto . . . ?

Dlažba je kluzká a lidé cizí,
včerejší známí, ti se dnes stydí.
Něco se stalo, však souvislost mizí.
A je tak těžko žít uprostřed lidí.
Půlnoční krása v poledne děsí,
srdce, kam zašlo jsi, srdce, oh, kde jsi?
Ado má, Minko a Marto . . . !

Prostydly noci, marně se klepá.
Není vám, děťátka, v hadérkách zima?
Ulička poslední, ulička slepá.
Beránek boží, ten hříchy snímá!
Řeka lká dole, beránek mlčí,
ze tmy jen klapají čelisti vlčí –
Ado má, Minko a Marto . . .!

Z minula vrací se sen jeden rudý,
chraptivým hlasem lze ještě zpívat.
Ty, hochu opilý, zahřej mi údy,
sakra, tož zmáčkni mne, rozkoši, vivat!
Vy, pane strážníku, vy aspoň vězte:
Daly vše. Padly. Bývaly hezké
Ada a Minka a Marta.

Celou já chodím: trní a hloží.
Opilé, hrozné tři blábolí hlasy:
Básníku hloupý, z milosti boží,
hřebenem zlatým učeš nám vlasy,
pěšinku uprostřed, pěšinku bílou,
jako bys česal bílou svou milou,
Adu češ, Minku a Martu . . .!

*) „Ada, Minka, Marta – sie haben Hunger.“ Geschrieben an der Tür der Zelle Nr. 15 im Prager Polizeipräsidium.

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