Kommunikation über Bande

Ise war eine japanische Dichterin, die im späten 9. und frühen 10. Jahrhundert lebte. 178 ihrer Gedichte sind in kaiserlichen Anthologien überliefert. Das folgende hat eine lange Überschrift, die gewisse biographische Informationen liefert. Es „verrät“ sich aber nur über Bande. Es spricht über einen Berg. Nur wer die Überlieferung kennt, versteht es als Einladung. Hier zuerst ihr Gedicht, dann das Antwortgedicht des Eingeladenen. Beide Gedichte kommunizieren über ein drittes, das Briefpartnern und Lesern bekannt war. Die lesende und dichtende Gesellschaft hatte ihren Klatsch, aber sie spielten intertextuelle Spiele.

Ise:

Nachdem sie sich von Nakahira, mit dem sie vertraut gewesen war, entfremdet hatte, ging sie zu ihrem Vater in die Provinz Yamato und sandte Nakahira diese Verse

Du, Berg Miwa, wie
kannst du warten und warten
und weißt doch, soviel
Jahre auch vergehen, kein
Gast wird je sich dir nahen.

Nakahira:

Und säß sie versteckt
auf Yoshinos Bergen im
fern, fernen China!
Überallhin würd ich ihr
folgen, meiner Geliebten!

Aus: Sechsunddreißig Dichterinnen des Alten Japan. Höfische Dichtkunst der Heian- und Kamakura-Perode. 9. bis 13. Jahrhundert. Köln: DuMont Buchverlag. In Zusammenarbeit mit der New York Public Library, 1992 (2L)

 

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