Schwester des Dichters

Sophie Tieck, auch Sophie Bernhardi oder Sophie von Knorring (* 28. Februar 1775 in Berlin; † 1. Oktober 1833 in Reval)

“Sie hat gewiß herrliche Geistesanlagen; aber Leidenschaftlichkeit und Ehrgeiz haben, wie es mir scheint, ihre Seele sehr zerrüttet.” (Darüber sind die Dichter erhaben.) So schrieb der Dichter Friedrich Schlegel am 12. Mai 1813 an den Dichter Ludwig Tieck über dessen Schwester Sophie Tieck, zwei Dichtermänner unter sich

„Es ist tröstlich, daß ich mir einbilde, als schrieb’ ich an einen theuren Freund, der mich durchaus versteht, an dessen Herz ich diese Blätter niederlege, da ich doch nur für mich schreibe, weil es mir wohl thut, manche Gefühle und Gedanken meiner Seele auszusprechen! Und ist es nicht seltsam, daß der Mensch eine so eigene Oekonomie und einen so lächerlichen Stolz besitzt, daß es ihm unmöglich ist zu denken, er könne etwas ohne Zweck und Absicht thun? der edlere Mensch kann nichts für sich thun, es wird ihm alles nur etwas in Beziehung auf andere, und selbst bei jedem kleinen Aufsatz liegt im Hintergrunde der Seele der Gedanken an einen etwanigen Leser, und wenn wir es selbst so weit bis nach unserm Tode hinaus schieben sollten. Es ist eine so kindliche liebenswürdige Eitelkeit, zu glauben, daß, wenn selbst die Hand, die diese Worte schrieb, schon in Staub zerfallen ist, daß sie dann noch belehren und nützen. (…)

Wollte der Mensch nicht der Zeit voran eilen, wäre er mit dem Worte Liebe nicht bekannt, so würde einen jeden die Empfindung rühren und keine einzige Stelle keines einzigen Dichters würde auf seine Empfindung anwendbar seyn; denn es würde für jeden eine eigene Liebe entstehen, und es würde vielleicht jeder als ein eigener Dichter auftreten. Das Beispiel der bisherigen Dichter rechtfertigt mich. Ist nicht jedes Liebe so verschieden, daß auch nicht eine Strophe von dem Liede des einen in das des andern hineingetragen werden könnte. Von den Dichtern, die Liebe, Wein und Braten besingen, ist nicht die Rede; ihnen schmekt keins auf die wahre, das heißt auf die ihnen natürliche Art, und darum sprechen sie so schlecht von allen.

So wie keine Blume ohne Farbe gedacht werden kann, so ist kein Mensch ohne Poesie und sie mangelt nur denen, die sie durch die Poesie verbreiten, oder vielmehr sie mangelt ihnen doch nicht, sondern es ist nur, als wenn man den Blumen die Farbe durch Scheidewasser auszieht. Sehr viele Blumen stehn nun geruchlos und in unscheinbaren Farben da, und dies ist die grössere Anzahl unter den Menschen, möchte ich sie diejenigen nennen, die ihre innere Poesie nicht mittheilen können; allen ist es nicht gegeben, durch einen süssen Duft die vorübergehenden zu erfreuen.“

(Aus Lebensansicht von Sophie B. In: Athenäum. Dritten Bandes Zweites Stück, 1800)

„Liebster Bruder

Warum schreibst du mir den nicht? Bist du etwa böse über manche Schwierigkeit die ich dir geschrieben habe? Vergib mir das ich bitte dich recht sehr darum und strafe mich nicht so hart. Es ist nun schon die dritte Woche und ich habe noch keinen Brief von dir ich bitte dich laß mich nicht länger warten. Oder bist du etwa krank oder hast du mich so ganz vergessen? Siehst du wie mich so viele Besorgnisse quälen. …..Wen nun auch meine Briefe in einem Anfal von Empfindelei geschrieben sind so ist das ja wohl verzeihlich. Du weist ja nicht welche Veranlassung ich dazu gehabt habe. Wie kanst du das 40 Meilen von mir beurtheilen…..“

(Zitat aus einer Handschrift vom 24.12.1792)

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