Nacht im August

Heute ein Augustgedicht des katalanischen Lyrikers Màrius Torres, ausgewählt und übersetzt von Àxel Sanjosé

Màrius Torres

NIT D’AGOST


     Ara, la nit s’acosta 
     tant, al fons del meu cor,
que el seu somriure sembla una resposta
—una resposta que digués: Estem d’acord—.
     Però la ment ignora
     a què em respon així...
—Oh, calla, dolça nit enganyadora;
no és cert que ara de tot em diries que sí?—
Nacht im August       

     Jetzt kommt die Nacht  
     meinem Herzensgrund so nah,
dass ihr Lächeln eine Antwort scheint
– eine Antwort die etwa lautet: Abgemacht –.
     Aber der Kopf weiß nicht,
     worauf sie Antwort gibt …
– Ach schweig, süße Nacht, so trügerisch;
du würdest doch jetzt zu allem ja sagen, nicht? –

Màrius Torres (30.8.1910–29.12.1942) war ein katalanischer Lyriker.

Er stammte aus einer bürgerlichen Familie in der Bezirkshauptstadt Lleida; der Vater war Abgeordneter im katalanischen Parlament. Nach seinem Schulabschluss studierte Torres Medizin in Barcelona. Er interessierte sich schon früh für Literatur und schrieb in der Schul- und Studienzeit erste Stücke.

1935 erkrankte er an Tuberkulose und kam in das Puigdolena bei Sant Quirze de Safaja (Provinz Barcelona), das er bis zu seinem Tod nicht mehr verlassen sollte. Hier vertiefte er seine Beschäftigung mit Literatur und schrieb den größten Teil seines poetischen Œuvres. Er lernte Mercè Figueres kennen, eine Mitpatientin, der er die Gedichtfolge „Cançons a Mahalta“ widmete, die zu seinen berühmtesten Werken gehören. Über sie begegnete er dem Schriftsteller Joan Sales, zu dem eine enge Freundschaft entstand; Sales besorgte posthum die erste (und lange Zeit einzige) Ausgabe seiner Gedichte.

Màrius Torres wird als Postsymbolist bezeichnet, was meiner Ansicht nach, jenseits des Etikettierungszwangs, recht treffend ist. Er ist kein Treiber der Moderne, sondern ein eher kontemplativer Betrachter des Werdens und Vergehens, der seine eigene Vergänglichkeit deutlich spürte und thematisierte. Zugleich setzte er mit seiner Lyrik einen Kontrapunkt zur trostlosen, schäbigen Wirklichkeit der Bürgerkriegszeit und des beginnenden Franquismus. Ende der 1960er Jahre wurde Màrius Torres von einer breiteren Leserschaft im katalanischsprachigen Raum entdeckt.

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