86. Schattenseiten

Peter Bürger, engagierter Heimatforscher aus Düsseldorf, macht sich für die Umbennung von Straßennamen stark. Die WAZ sprach mit ihm:

Ich beschäftige mich seit 27 Jahren mit sauerländischer Regionalforschung. Was ich in den Archiven entdeckt habe, war oft eine braune Sauce, vor allem was die Heimatdichtung betrifft. Mein Credo ist dabei, dass wir einerseits die schöne Lyrik vermitteln müssen, wie etwa bei Christine Koch, aber auch die Schattenseite.

In welcher Form?
Zum Beispiel habe ich in einem Dossier sämtliche fragwürdige Dichtungen von Christine Koch – wie das seit 1990 bekannte Gedicht zur Schuleinweihung in Stockum – dokumentiert. Allerdings gehörte Christine Koch nie der NSDAP an. Auch das Führer-Lob hörte nach 1936 auf. Und, ganz wichtig für mich, sie hat nie einen Hauch von Antisemitismus gezeigt und sich für das Menschenrecht von Minderheiten stark gemacht.

Kommen wir auf die drei Sunderner Straßen. Was ist mit Georg Nellius?
Schon vor 1933 war er Kopf der rechten Republikfeinde im Heimatbund. Seine glühenden Hitler-Hymnen habe ich für die Kommunalpolitiker und – öffentlich zugänglich – für die Stadtbibliothek in Sundern kopiert. Seine plattdeutsche Messe bleibt eine Pioniertat. Aber das ist kein Argument, dieses NSDAP-Mitglied mit hochkarätiger NS-Kulturfunktion heute noch auf einem Straßenschild zu zeigen.

Was ist mit Karl Wagenfeld?
Dieser Dichter hat den Nazis Brücken in die katholische Heimatwelt Westfalens gebaut. Er war schon vor 1933 nationalistischer Kriegshetzer und Rassist. Er rückte Juden in die Nähe Satans und sympathisierte mit der Vorstellung von „minderwertigem Leben“. Nach Hitlers Machtantritt war er über Nacht NSDAP-Mann. Das Dritte Reich galt ihm als Erfüllung seiner Lebensträume. Viele Kommunen haben ja schon die Konsequenzen daraus gezogen und Straßen umbenannt.

Wie stehen sie zu Maria Kahle?
Diese völkische Pseudokatholikin predigte schon bald nach 1920 Judenhass und fanatische Hitlerverehrung. Sie war führende Kriegspropagandistin der Nazis und geistige Mittäterin der Verbrechen im Ostfeldzug. Der Fall kann eindeutiger nicht sein. Eine Kahle-Straße ist eine Schande für jeden Ort.

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