70. Handke 70

Peter Handke ist schwer zu ertragen. In seinem Fall ist das eine Qualität. In seiner Konzentration auf das Einfache, Natürliche, Stille könnte er als Vorbild für eine nicht am Konsum, sondern am originären Denken orientierte Existenzweise dienen. (…)

Handke ist einer der wenigen wirklichen Individualisten, die wir haben, und nicht bloß einer, der sich originell ausstaffiert. An ihm kann man ablesen, wie anstrengend das ist, wie viel Rücksichtslosigkeit und Beharrlichkeit man dafür braucht – und das in einer Gesellschaft, in der Individualismus täglich gefeiert wird. Seine Sensibilität erzeugt ihre eigenen Sensationen. Das genügt. / Jörg Magenau, taz 6.12.

Eine Demokratie sollte so auch mit Handkes dingmetaphysischer Politik umgehen. Goethe war für Napoleon. Das war damals mehr als politisch unkorrekt, es war geradezu schon Landesverrat. Voltaire verhaftet man nicht, und Voltaire zerrt man auch nicht vor die Wohlfahrtsausschüsse der politischen Korrektion. Das Getümmel um den Heine-Preis und vieles andere dieser Art ist unwürdig gewesen. / Stephan Wackwitz, taz 6.12.

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