51. Mike-Blogger

Elena Philipp bloggt über Yevgeniy Breyger:

Yevgeniy Breyger “Gedichte”

Es wassert und wuchert, scheuert und schuppt, früchtet und flickt: Üppig bestückt Yevgeij Breyger seine See- und Angelstücke mit verbalen Bildern.

ehemals standsicher

eine böschung, kaum vorzustellen: / geflutet, eignet sich vorzüglich / zum sammeln von schwemmgut, / kriecht das aus allen ecken. / ich erforsche täglich die küste, / ein breitgelegenes wirrsal, / gebe etlichem einen begriff. / neulich habe ich eine lilie / zum kompass gefaltet, fortan / trage ich ihn kühn vor mir her.”

Gelegentlich dunkle Bilder tauchen auf, etwa das “gekerbte projektil”*. Angler- und Fischereiwortschatz wellt auf und ab. Die Texte scheinen über den Zyklus hinweg zu korrespondieren: Steht in einem Gedicht eine “obstschale / reif gefüllt”, finden sich im nächsten “früchte allerlei”; “algen” werden als “rhodophyta” botanisch präzisiert. Der Eindruck: genau komponiert.

Über Sascha Kokot:

Kalt ist die Welt dieser Gedichte. Menschen am Rand der Zivilisation: Sie asphaltieren, was die Tektonik über den Winter wieder zerklüften wird, warten auf den Wetterumschwung, zur Untätigkeit verdammt, sprengen tief im Bauch der Berge und wandeln auf Routen, die der Körper noch kennt, deren Sinn und Ziel der Verstand aber nicht mehr begreift. Ein “du” entrümpelt und räumt sich leer, ein anderes oder dasselbe “du” erfährt den Riss zwischen Ich und Welt:

“ irgendwann greift es dir / fest in den eigenen Körper / trennt dich ab / bis du fremd vor dem stehst / was dir lange Rückhalt war / du hilflos darin plündern gehst / aber nicht erkennst wie alles / zusammenzusetzen ist / was dir verschütt ging”

Multiple Kältetode, nur gelegentlich ein Wärmeschub. Atmosphärisch zwischen Roland Emmerich und Derek Walcott (“Things do not explode / They fail, they fade.”).  Spröde, vielschichtig, schön.

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Solches „embedded“ Blogging gefällt mir, weil es a) überhaupt Informationen und b) konkretere als feuilletonüblich liefert. Mal sehn was noch kommt.

* ein gekerbtes projektil ist ein projektil mit kerben. wie dunkel es ist, hängt vmtl. vom material ab. m.g.

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