121. Büchertische

bei Lesungen sind eine gute Erfindung – wessen auch immer, es gibt sie. Einmal gelang es mir, vom Büchertisch in einem Raum der Universität Greifswald fast das – bis dahin veröffentlichte – Gesamtwerk der Autorin und Künstlerin Angelika Janz zu erwerben, die es im Gefolge der „Wende“ von West nach äußerst Nordost verschlagen hatte. Der Grundstock ließ sich peu à peu ausbauen – langsam und stetig. Am Büchertisch kann eine Sammlung anfangen.

Einmal, noch ein paar Jahre früher, kaufte ich beim Lyrikertreffen in Münster (ebendie Wende hatte mich besuchsweise in entgegengesetzte Richtung geführt) dem jungen Dichter Marcel Beyer zwei Broschüren ab: Kleine Zahnpasta. Gedichte 1987-1989. Paris: dead language press 1989 und Walkmännin. Gedichte 1988 / 1989. o.O. o.J. Es war 1991, sein Sprung zu Suhrkamp war gelungen oder im Gange. Auch daraus wurde eine Sammlung und, ja, auch er landete im Osten, nur ein bißchen zentraler (näher an den Zentralen).

Letztens gab es eine feine Lesung (80. Lyrik im Koeppenhaus) im Greifswalder Koeppenhaus. Silke Peters, Judith Zander, Andreas Altmann und Jan Wagner lasen vor kleinem aber interessiertem Publikum Gedichte. Von Judith Zander gab es nur die frisch oder wie gesagt wurde gar noch nicht erschienene Anthologie „Unter der Folie aus Luft“, Texte des Literarischen März 16, Frankfurt/ Main: Brandes & Apsel 2009. Darin 11 Gedichte der Autorin, die einen der zwei Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise erhielt. Die Autorin stammt aus Anklam in Vorpommern, kam nach einem abgebrochenen Studium in Greifswald nach Leipzig und ans dortige Literaturinstitut und erfreut sich zur Zeit eines hoffentlich nicht zu knappen Stipendiums in Lübeck. Sonst wohnt sie in oder ist auf dem Sprung nach Berlin.

Bäumchen wechsle dich scheint angesagt. Jan Wagner kam aus Hamburg nach Berlin, Silke Peters aus Rostock wenigstens ein Stück gen Osten (via Greifswald nach Stralsund), und Andreas Altmann aus Sachsen nach Norden: Berlin. (Nur ich bleibe im Osten; aber nein: der Sachse Altmann enttarnte mich an der Sprachmelodie als „aus Sachsen-Anhalt“, was stimmt. Stamme aus Merseburg, ganz nah an Leipzig, aber dazwischen gibts eine Sprachgrenze, die der Kenner bemerkt. Darauf haben wir mitsammen ein oder anderen baltischen Schnaps getrunken. Der Dom schwankte beim Heimweg.)

Auf dem Büchertisch lag von Silke Peters nichts und von Jan Wagner wenig, das mir fehlte. Das war immerhin das wunderbare LyrikHeft 8 aus der Sonnenberg-Presse Chemnitz und Kemberg: Handsatz, Handpressendruck, Fadenheftung, Farbholzschnitte von Andrea Lange und Acrylstiche von Bettina Haller. Ein Gedicht von einem Buch von Gedichten. In der Reihe gibt es auch ein Heft von Altmann, aber „gibt es“ gibts nicht. Die Reihe ist immer so gut wie vergriffen, anscheinend ohne in Buchhandlungen zu liegen. Dafür gibt es ja die Büchertische. Germanistikstudenten hätten, wenn sie gekommen wären, für wenig Geld den Grundstock einer Sammlung bilden können. (Und ich hab meine kleine Altmann-Sammlung auf einen Schlag vervierfacht um zwei Bücher aus dem wunderbaren Verlag Kowalke & Co und eins von dem ebenfalls hoch zu lobenden Rimbaud Verlag)

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