132. Am 4. April starb der Kieler Dichter Klavki

Vor Monaten, am 4. April starb der Kieler Dichter Klavki im Alter von 36 Jahren. Die Nachricht kam nicht zu mir. Erst jetzt erhielt ich die Todesnachricht in einem Artikel der Kieler Nachrichten vom 7.4., den mir Ron Winkler zuschickt. Obwohl ich Texte von ihm auf CD hören konnte, findet sich keine Nachricht über ihn im L&Poe-Archiv – das bedeutet, daß ich trotz ausgedehnter Recherchen keine Nachrichten gefunden habe; und daß zu meinem bundes- und weltweiten Korrespondentennetz niemand aus Kiel oder z.B. Rostock (wo er ein Stipendium bekam) gehört. Hier die nachgetragene Meldung:

Sein Markenzeichen aus dieser Zeit, die grüne Trainingsjacke, sein „Slam-Kostüm“, legte Oliver Eufinger bald darauf ab, aber das Mikro nicht aus der Hand. Seine ersten Bücher waren folgerichtig zwei Hörbücher (erschienen bei assembleART.com) sowie immer wieder Klangmontagen aus seinem stetig wachsenden, ja wuchernden Fundus hunderter Gedichte und lyrischer Prosa. Er blieb einer, der die Sprache aus der Schrift befreien wollte, vom bloß geschriebenen zum geschrienen Wort.

Zusammen mit dem Künstler Marcus Meyer erfand er „Schrift im Land“, riesige Leuchtbuchstaben, die an der Autobahn nach Kiel, dann auch im Rahmen der Kulturaktionen gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm die Nacht buchstäblich poetisch erhellten. Es folgten die Projekte „Take a Poem“, aphoristische Gedichte und Wortsplitter auf kleinen Kärtchen, zum Mitnehmen ausgelegt in Kneipen oder einfach irgendwo „liegen gelassen“, und „Poesie im Alltag“, rund 300 Texttafeln, mit denen er im Oktober 2008 die Kiel-Linie zur Lesemeile machte. / Jörg Meyer, Kieler Nachrichten 7.4.


3 Comments on “132. Am 4. April starb der Kieler Dichter Klavki

  1. „irgendwann fiel ihr auf, dass sie vergessen hatte, an ihn zu denken.
    seit wochen schon.
    seit monaten.

    „die entfernung wird nichts ändern an unserer nähe.“

    das stand auf dem kleinen zettel,
    den sie in ihrer brieftasche immer bei sich trug.
    „nur gleichgültigkeit wird mein tod sein.“

    das hatte er immer gesagt.
    und nun also doch:
    das verlöschende bewusstsein.

    dabei wollte sie anfangs jeden morgen den tag damit beginnen,
    indem sie seinen namen schrieb und dabei an ihn dachte.

    nach anderthalb jahren ließ sie es zum ersten mal sein…

    die ewigkeit der toten dauert so lang /
    solange man sich ihrer erinnern wird /

    windige währung /
    es vergeht kein tag /
    an dem nicht einer /
    seine ewigkeit verliert“

    Die ausbleibende Reaktionsfreudigkeit ist bitter. Ah pardon. Ich meinte menschlich.

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  2. Klavki, Dein Tod ist nur eine Pause In einem Gedicht. Heute
    wärst Du 39 Jahre alt geworden. Aber Du weißt ja: es gibt überhaupt kein bewohnbares Alter…
    Wir nahmen es dennoch zum Anlass, ein paar Deiner Texte in unseren Mündern
    aufleben zu lassen und dann, über den Rauchfängen des Krematoriums
    werden wir uns wiederfinden.

    Aber:
    Wer riecht uns jetzt das Meer zu Ende?

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  3. „Irgendjemand wird den Anfang machen, an allen Türen vorbeigehen und weitergehen durch das Bild, hinaus in den Raum – zum Fliegen, hoch in den Lüften ausruhend, und in jedem Augenblick ein Klang sein, im Klarsten allen Weinens, und auf Menschenhaut trommeln, wuchern ohne Lärm und mit falscher Fingerzahl und gurgelnder Augensprache die Zerbrechlichkeit der Welt besingen…“

    Klavki, geben wir doch endlich brüllend zu
    dass wir nicht einverstanden sind
    mit dem Tod.

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