Gerard Manley Hopkins

[Achtung: Extrem-Bildung!:]

Genuß und Gotteserfahrung

Das eigenwillige Klangbild ist ein Hauptmerkmal der Dichtungen von Gerard Manley Hopkins (1844-1889). Weniger bekannt ist jedoch, dass es von den strengen Gesetzen walisischer Verskunst inspiriert und beeinflusst wurde. …

Wie stark die Lieblichkeit des hügeligen Clwyd Valley Hopkins gedrängt haben muss, sein Gelübde zu brechen und zur Dichtung zurückzukehren, kann man seinen Tagebucheintragungen aus jenen ersten Monaten in Wales entnehmen. Die lyrischen Naturbeschreibungen, zu denen ihn die walisische Landschaft beflügelt, fallen, obwohl in Prosa, durch betonte Rhythmisierung und Musikalität auf und nehmen bereits den «new rhythm» voraus, zu dem ihm die walisische Prosodie wichtige formale Impulse für seine späteren Sonette geben wird:

A lovely sunset of rosy juices and creams and combs; the combs I mean scattered floating bats or rafts or racks above, the creams, the strew and bed of the sunset, passing north and south or rather north only into grey marestail and brush along the horizon to the hills. …

Im klassischen cynghanedd groes werden alle Konsonanten der ersten Zeilenhälfte in der gleichen Ordnung in der zweiten Zeilenhälfte wiederholt. Ein absolut reines Beispiel dafür ist in Hopkins‘ Dichtung nicht gefunden worden, aber die Abweichungen bewegen sich im erlaubten Rahmen:

«Of the Yore-flood, of the year’s fall» («The Wreck of the Deutschland»): Die Konsonantenfolge ist f, th, y, f, l (d) / f, th, y, (s), f, l mit den zwei fremden Elementen d und s. …
Die Lautmalerei als Genuss, und dieser Genuss wiederum ein Mittel zur Gotteserfahrung; für den Jesuiten und Dichter Hopkins bedeuteten die Anwendung von cynghanedd und das Spielen mit seinen Variationen einen möglichen Weg aus dem Dilemma zwischen Askese und sinnlicher Freude am Wort als bedeutungstragendem Klang. / Alexandra Lavizzari, NZZ 29.11.03

Hier Hopkins´ Gedichte (mit Wortliste und Konkordanz!).
Vgl. auch das – ja – legendäre Doppelheft „Dichter als Übersetzer“ der Lyrikzeitschrift „Zwischen den Zeilen“, 7/8-1996 (Urs Engeler), in dem ein Gedicht Hopkins´ wahrhaft polylingual präsentiert wurde:

Gerald Manley Hopkins

repeat that, repeat

Repeat that, repeat,
Cuckoo, bird, and open ear wells, heart springs, delightfully sweet,
With a ballad, with a ballad, a rebound
Off trundled timber and scoops of the hillside ground hollow hollow hollow ground:
The whole landscape flushes on a sudden at a sound.

(In ZdZ 7/8: Übersetzungen von Felix Philipp Ingold,
Oskar Pastior, Joachim Sartoruis, Raoul Schrott, Schuldt und Frederic C. Hosenkeel sowie eine Lektüre dieser Übersetzungen durch Hans-Jost Frey)

Außerdem in der Sonnabend- NZZ: Ein Gedicht des irakischen Lyrikers Saadi Yussuf: Schloß Helsingör.

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