1000 Jahre Zensur-Tradition

Wie traditionell es zugeht in diesen islamischen Ländern, erzählt der irakische Verleger Khalid Al-Maaly in einem Vorblick auf den Arabien-Schwerpunkt der nächsten Buchmesse. 65 Prozent der Araber sind Analphabeten, und Verleger sehen sich nach wie vor willkürlichen Zensurmaßnahmen ausgesetzt. „In diesen Gesellschaften ist es nicht verwunderlich, dass vermeintliche Leser es vorziehen, sich Kassettenprediger anzuhören, die Zauberei als Lösung für die Probleme ihrer Schäfchen anbieten. Oft erlebe ich auf Buchmessen, dass ein Besucher ein Buch, das er für gotteslästerlich hält, zu verstecken versucht, um das Übel, das seiner Meinung nach von diesem Buch ausgeht, von anderen fernzuhalten. Manchmal muss man sich Drohungen anhören, weil ein bestimmtes Buch weiterhin zum Verkauf angeboten wird. Die Äußerung eines prominenten religiösen Führers ist nur ein weiterer Beweis für die Verbreitung der Unwissenheit und Hinterhältigkeit.“/ FAZ 14.10.03

 

(Kommentar aus: Perlentaucher 14.10.03)
Auszug:

Bei diesen willkürlichen Zensurmaßnahmen kann ich als Verleger nicht wissen, warum etwa die Kurzgeschichten von Ingeborg Bachmann in diesem oder jenem arabischen Land verboten sind oder die Kurzgeschichten von Rainer Maria Rilke oder die Gedichte Gottfried Benns. Die Werke von Karl Marx werden erlaubt, aber das Werk eines arabischen Dichters aus dem achten Jahrhundert nicht. In mehreren arabischen Ländern stehen beispielsweise die erhaltenen Gedichte eines Dichters, der in Bagdad im Jahr 922 gekreuzigt und dessen Asche in den Tigris geworfen wurde, auf dem Index (Mystikers al-Halladsch).

 

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