Jewtuschenko 70

„Jewtuschenko – das ist eine ganze Epoche“, hat der Liedermacher Bulat Okudschawa gesagt, und meinte damit jene „Sechziger“, die in Russland eine Zeit und eine Generation gleichermaßen bezeichnen. Jewtuschenko funktionierte für beide wie ein Medium: Er moderierte zwischen Macht und Ohnmacht, Ost und West. Ein einfacher Russe, der von der Schule geflogen war, füllte mit Liebesgedichten Stadien wie die Beatles und wurde sogar in Paris hofiert – die New York Times nannte ihn später den „besten lebenden Lyriker der Welt“. Seine wohldosierten Provokationen absorbierten die revolutionären Fantasien des trotzigen, apathischen Russland, denn er tat jenen winzigen Schritt abseits der Norm, von dem alle träumten, den aber kein anderer überlebt hätte. Jewtuschenko genoss ihn. Im „Wolfspass“ beschreibt er die Zensur als Basar: Dieses Parteilob gegen jenes Körnchen Wahrheit; „Babij Jar“, seine berühmte Philippika gegen den Antisemitismus, durfte nur flankiert von zwei Kuba-Hymnen erscheinen. / SZ 18.7.03

Weitere Artikel: FAZ 18.7.03 / Märkische Allgemeine 18.7.03 / Die Welt 18.7.03 / Berliner Zeitung 18.7.03 / Philadelphia Inquirer 20.7.03

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