In der Großen Sowjetenzyklopädie hieß es 1934 über ihn: „Er versuchte, sich über das Getümmel der sozialen Kämpfe auf den Gipfel bürgerlicher Kultur zu erheben. Für ihn ist der Sozialismus nur eine Rauchwolke hinter dem Nebel der Theorien und eine Epoche, in der Leute einander ‚verdächtigen’.“ Im gleichen Jahr rief Stalin den sozialistischen Realismus als verbindliche Doktrin für alle Künstler des Staates aus. …
Endgültig in Ungnade fiel Pasternak, als er 1957 den systemkritischen Roman „Doktor Schiwago“ nach Ablehnung durch heimatliche Verlage bei Feltrinelli in Mailand herausbrachte. … Die Stimmung schaukelte sich extrem auf. Vor Pasternaks Haus scharten sich Demonstranten. Auf ihren Schildern stand: „Judas raus!“ Komsomol-Chef Wladimir Semitschastny forderte radikal die Ausweisung des „Feindes“ aus Russland: „Dieser Mann spuckt in das Gesicht unseres Volkes. Ein Schwein scheißt nie dorthin, wo es isst und niemals dorthin, wo es schläft. Man kann Pasternak nicht einmal mit einem Schwein vergleichen, denn ein Schwein würde nie das tun, was er getan hat.“ / Märkische Allgemeine
Biographische Info, Märkische Allgemeine
Argentinien, der Ehrengast der kommenden Frankfurter Buchmesse, stellt sich vor. Oder VOLKER BREIDECKER tut es in der Süddeutschen Zeitung vom 20.5.:
Ihr Ort mag zwar an der Peripherie der Welt liegen, doch nirgendwo ist man Europa aus der Ferne näher – und in der Nähe ferner – als in Buenos Aires. Und schließlich gilt, wozu der Lyriker Daniel Samoilovich im Gespräch rät: Man kann die Weltkarte ja auch schlicht einmal umdrehen. Das lässt viel Raum für Literatur.
Deutsch, Slowenisch, Kroatisch, Englisch, Italienisch, Spanisch und Französisch: In diesen 7 Sprachen findet man die neuen Gedichte des Kärntner Autors Janko Ferk. „10 x 7“, das ergibt 70 Gedichte – oder sind es doch nur 10? Janko Ferk, der selbst auf Deutsch und Slowenisch schreibt, hat für seinen neuen Lyrikband in den zusätzlichen Übersetzern und Übersetzerinnen kongeniale Mitautoren gefunden – ist doch das Übertragen von Lyrik immer auch ein Neuschöpfen! / Ö1
Ein Verlags- und Kulturzentrum aus Rom zu Gast in Berlin
Lesung in deutscher und italienischer Sprache mit Ausstellungseröffnung
Samstag, 29. Mai 2010, 19.30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Mit den Lyrikern Giulio Marzaioli, Michele Zaffarano, Giuliano Mesa sowie dem Direktor von La Camera Verde, Giovanni Andrea Semerano, dem Herausgeber der Lyrik-Reihe felix, Marco Giovenale, und den Übersetzerinnen Elisabetta Mengaldo und Angela Sanmann
Die italienischen Lyriker Giulio Marzaioli, Michele Zaffarano und Giuliano Mesa präsentieren eine Auswahl ihrer poetischen Texte, die sich als experimentelle Suche nach poetischen Ausdrucksformen jenseits traditioneller Gattungsgrenzen verstehen. Ihre Arbeiten sind in der von Marco Giovenale herausgegebenen Reihe felix im Verlag La Camera Verde erschienen.
Neben den Autoren tragen die Übersetzerinnen Angela Sanmann und Elisabetta Mengaldo die eigens für die Lesung angefertigten deutschen Fassungen vor. Außerdem führen sie ein Gespräch mit dem Verleger Andrea Semerano über die Ursprünge und die Perspektiven seines Verlages (in italienischer und deutscher Sprache). Ein zweisprachiges Heft mit den Texten liegt kostenlos aus.
Zugleich: Eröffnung der Foto-Ausstellung von Christian Sanmann berlin. (un)gleichzeitiges zu Gedichten von Angela Sanmann. Der dazugehörige zweisprachige Foto-Lyrikband berliNO allo stesso tempo wurde 2009 bei der Camera Verde veröffentlicht.
Giulio Marzaioli (geb. 1972 in Florenz) lebt in Rom. Er hat neben Gedichten und Prosastücken auch Texte fürs Theater, für Videoinstallationen und zu Fotographien verfasst. Seine Arbeiten wurden in italienischen und ausländischen Zeitschriften, Anthologien und Kunstbüchern veröffentlicht. Seit etwa zehn Jahren arbeitet er mit dem Kulturzentrum La Camera Verde zusammen, bei dem er folgende Titel publiziert hat: Metropolitano, Riflesso, La stanza (Rizoma Tarkovski), Figure di reato, Cavare marmo (Fotoband), La valigia, moduli di prima fase.
Giuliano Mesa (geb. 1957 in Salvaterra in der Emilia Romagna) ist Lyriker, Kritiker und Übersetzer. Neben seinen Gedichtbänden (Auswahl): Schedario (Geiger, 1978), Improvviso e dopo (Anterem, 1997), Nuovola neve (Edizioni d’if, 2003) sind viele seiner Texte in italienischen und ausländischen Zeitschriften erschienen. Zusammenarbeit mit dem Komponist Agostino Di Scipio und dem Videokünstler Matias Guerre für das Werk Tiresia, das lyrische Texte mit elektronischer Musik und Videoinstallationen verbindet. In der Edition der Camera Verde liegen u.a. die Titel 1, 6, 7, Domande. Da Samuel Beckett und Quatr’ in dialèt vor.
Michele Zaffarano, 1970 in Mailand geboren, lebt und arbeitet in Rom. Im Verlag der Camera Verde wurden neben seinen eigenen Texten auch folgende Übersetzungen aus dem Französischen veröffentlicht: Poesie I e Poesie II (Isidore Ducasse), Erodiade (Gustave Flaubert), La saggezza umana (Voltaire). Außerdem sind seine Texte in der Anthologie Prosa in prosa (Le Lettere, 2009) vertreten sowie in zahlreichen Zeitschriften. M. Zaffarano leitet die Reihe chapbooks für zeitgenössische Lyrik des Mailänder Verlags Arcipelago. Zudem ist er Mitbegründer der Internetforums gammm.org für experimentelle Literatur.
Elisabetta Mengaldo, 1977 in Padua (Italien) geboren, lebt in Berlin und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin für deutsche Literatur an der Universität Greifswald. Sie hat eine Dissertation über Georg Trakls Lyrik und Aspekte ihrer Textgenese geschrieben, die in Italien erschienen ist („L’ultimo oro di stelle cadute“. Strutture e genesi testuale della lirica di Trakl, Pisa, Pacini, 2009). Außerdem hat sie verschiedene literaturwissenschaftliche Werke übersetzt und Aufsätze sowohl in deutscher als auch in italienischer Sprache über Friedrich Nietzsche, Georg Trakl und Theodor W. Adorno veröffentlicht.
Angela Sanmann, 1980 in Iserlohn geboren, arbeitet als Übersetzerin und Lyrikerin. Zur Zeit promoviert sie in Berlin und Nantes zu Übersetzungen französischer Lyrik nach 1945. Ihr Gedichtband berlin.(un)gleichzeitiges / berliNO allo stesso tempo ist 2009 bei La Camera Verde in Rom erschienen (mit Fotos von Christian Sanmann). 2007 erschien ihre Übersetzung von Bernard Noëls Monolog La Langue d’Anna bei Matthes & Seitz unter dem Titel Anna – nicht die, die ihr denkt.
Eine gemeinsame Veranstaltung von der Lettrétage und dem Italienischen Kulturinstitut Berlin.
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Lettrétage
Methfesselstr. 23-25
10965 Berlin
Tel. (+49.30) 692.45.38
info@lettretage.de
http://www.lettretage.de
http://www.myspace.com/lettretage
U-Bahn: Platz der Luftbrücke (U6), Mehringdamm (U7)
Im Rahmen eines Freiwilligen Kulturellen Jahres an der KZ-Gedenkstätte beschäftigte sich Lisa Herbst mit der Bedeutung von Lyrik und Musik in den Konzentrationslagern. Einige Ergebnisse ihrer Recherchen wird sie nun einem interessierten Publikum vorstellen. / Neue Nordhäuser Zeitung
Mittwoch, 2.6., 19 Uhr
Die von der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen e.V. geförderte Veranstaltung findet im Kinosaal des Museumsgebäudes der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora statt. Der Eintritt ist frei.
Das poesiefestival berlin setzt die Reihe e.poesie am 7.6.2010 mit zwei Uraufführungen und zwei Deutschen Erstaufführungen fort.
Zum dritten Mal transformiert e.poesie den Eigenklang der Poesie in neue akustische Räume. Am 7. Juni 2010 präsentiert das poesiefestival berlin eine eigene Auftragsproduktion sowie Arbeiten von Gästen des Berliner Künstlerprogramms des DAAD der Sparten Literatur und Musik, die auf unterschiedliche Weise die Übergänge von Sprache in Klang, von Klang in Sprache ausloten.
Die Uraufführung der vom poesiefestival berlin selbst in Auftrag gegebenen, audiovisuellen Poesie-Performance „Constellations“ von Mario Verandi erforscht die Möglichkeiten einer neuen, intermedialen Präsentationsform von Lyrik. Die Performance arbeitet sowohl mit fixierten, auskomponierten Elementen wie mit improvisatorischem Material. Als Grundlage dienen vier Gedichte von Monika Rinck. Die Konstellationen des Kosmos, der Gestirne und Planeten spielen ebenso eine Rolle wie die Konstellationen der Sprache selbst. Dabei steht insbesondere Walter Benjamins Begriff der „ewigen Konstellation“ Pate: „Die Ideen verhalten sich zu den Dingen wie die Sternbilder zu den Sternen. Das besagt zunächst: sie sind weder deren Begriffe noch deren Gesetze. (…) Die Ideen sind ewige Konstellationen und indem die Elemente als Punkte in derartigen Konstellationen erfasst werden, sind die Phänomene mitgeteilt und gerettet zugleich“ (Walter Benjamin, Ursprung des deutschen Trauerspiels).
Der argentinische Komponist Marcelo Toledo befasst sich in seiner „Logomaquia“ mit einem Text der rumänischen Dichterin Nora Iuga. Der kurze Auszug aus Iugas jüngstem Roman Hai să furăm pepeni („Lass uns Wassermelonen stehlen“) ist nicht nur Inspirationsquelle für die musikalische Atmosphäre des Stücks, sondern dient auch ganz konkret – durch die Dichterin selbst gesprochen – als elektroakustisches Klangmaterial.
Von Frédéric Pattar kommt das neue Werk „tresse-ébresztés“ für Gitarre und Violoncello zur Uraufführung, dem Texte des ungarischen Dichters István Kemény zugrunde liegen. Und der in Berlin lebende Stimmband-Artist David Moss (BKP-Gast 1991) unternimmt in seiner neuen Arbeit „HYPERGLYPHYX“ den Versuch, aus dem weltweit flottierenden und nicht stillzustellenden informationellen Codegebrabbel mithilfe von Textfragmenten aus Büchern von Kafka, Melville und Steven Pinker sprechend und singend Puls und Rhythmus unserer prälogischen Proto-Sprache zu rekonstruieren.
Nach einer Pause von fünf Jahren, in der er Prosa schrieb, kehrt Mandelstam im Oktober 1930 zur Lyrik zurück. Der Band „Nouveaux poèmes 1930-1934″ versammelt in einer Neuübersetzung durch Christiane Pighetti (nach der von Henri Abril) die Gedichte jener Periode, die mit der Verbannung nach Woronesh endet – darunter das schicksalhafte Epigramm, das zur Verhaftung 1934 führt.
Die Sammlung schließt mit einem Liebesgedicht vom Februar 1934 – einem der schönsten in russischer Sprache –, dessen Intensität das tragische Geschick Mandelstams spiegelt: „A tes tendres pieds nus d’aller nus sur le verre/d’aller nus sur le verre et le sable sanglant./ Mais à moi en ton nom, cierge noir, de brûler,/ cierge noir, de brûler, et ne pouvoir prier.“* / Monique Petillon, Le Monde 27.5.
*) Das Gedicht fehlt in dem Band „Mitternacht in Moskau. Die Moskauer Hefte. Gedichte 1930-1934“, der 1986 bei Ammann und 1990 als Fischer Taschenbuch erschien. In der Ausgabe des Oberbaum Verlags, Ossip Mandelstam: Wie ein Lied aus Palästina. Gedichte Briefe Dokumente, 1992, lautet es in der Übersetzung von Kay Borowsky / Lydia Titowa: „Deine schmalen Schultern werden die Peitschen röten, / die Peitschen röten, wird der Frost ertöten. // Deine Kinderhände werden Bügeleisen heben, / Bügeleisen heben und Stricke weben. // Deine zarten Füße werden nackt über Glas gehn, / über Glas gehn, wo Blutwinde wehn. // Und ich werd brennen für dich – schwarzes Kerzenlicht, / schwarzes Kerzenlicht, beten darf ich nicht.“
Nouveaux poèmes 1930-1934, d’Ossip Mandelstam. Traduit du russe et présenté par Christiane Pighetti, Allia, 76 p., 6,10 €.
Mandelstam in L&Poe:
Claudio Pizarro liest ein Gedicht von Pablo Neruda
Peruaner reagieren sauer. Eine große peruanische Zeitung warf Pizarro vor, damit die Peruaner zu demütigen, die nicht zur Fifa-Fußball-WM dürfen – im Gegensatz zu den Chilenen. Mehr hier.
Vortrag und Lesung von Angelika Janz
(Autorin und Bildende Künstlerin)
Zu der LXVIII.|68.Veranstaltung
der Reihe Personen Projekte Perspektiven
Freitag, den 4. Juni 2010 um 20 Uhr
laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein
Fragment als Haltung.
NACH LAGE DER DINGE GIBT ES VERSCHIEBUNGEN. VERWANDTES TRENNT SICH VOM PLAN, PARALLELLAUFENDES WÄCHST ZUSAMMEN. DIE TÄUSCHUNG ENTLARVT, WAS FEHLER BENANNT HABEN. EIN SATZ KRÄUSELT SICH BILDHAFT SCHÖN, JA, EIN WORT,
ZUR LAGE DER DINGE EIN PAARMAL GEWENDET, EIN TRÜMMER, EIN GRUND, EIN STÜCK, DARAUF BAUT SICH DIE REGEL, DAS SPIEL.
Das schreibt Angelika Janz, das Konzept ihrer „Veranstaltung“, einer Text / Bild Montage, skizzierend. Es wird um ihren Text „Fragment als Haltung“ gehen, den sie – wie auch eine Auswahl ihrer Poems – lesen wird. Ihre Bilder, ihre visuelle Poesie werden als Großprojektion präsent sein. Und in einem Gespräch wird die Autorin und Bildende Künstlerin darauf eingehen, wie und warum sie mehrperspektivisch, auch interdisziplinär arbeitet
Kurzvita: Angelika Janz als Autorin, Bildende Künstlerin und Kunstpädagogin tätig.
Die studierte Germanistin, Kunsthistorikerin und Philosophin war Gründungsmitglied der Jazzband TRILEMMA und mehr als 20 Jahre Mitarbeiterin am Museum Folkwang in Essen. In Essen hatte sie auch – zwischen 1983 und 1993 – ein städtisches Atelier. 1993 siedelte sie von West nach Ost. (Mecklenburg-Vorpommern). Hier organisierte sie Schreib- und Hörspielwerkstätten, baute Jugend- clubs, Kultur- und Kunstwerkstätten auf dem Land auf und organisierte Kulturfestivals wie POLNISCHE WOCHE, TANZTENDENZEN und das FESTIVAL NORDISCHER KLANG IN GREIFSWALD. 2005 gründete sie DIE KINDERAKADEMIE IM LÄNDLICHEN RAUM.
Angelika Janz zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen der deutschen Visuellen Poesie.
Nicht nur der experimentelle Umgang mit der Literatur, auch die Verbindung von Wort und Bild durch Bildtextcollagen gehört zum Oeuvre der Künstlerin. Neben Einzelpublikationen ist sie mit zahlreichen Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien vertreten. Darüber hinaus ist ihre Lyrik in die polnische Sprache übertragen worden. Ihre Gedichte, Hörspiele, Aktionen, Performances und Ausstellungen sind mit einer Reihe von Preisen bedacht worden: u.a. erhielt sie 1981 – den nur einmal vergebenen Preis für Experimentelle Literatur der Stadt Düsseldorf. Sie entwickelte 1979 den „FRAGMENTTEXT“, der jetzt fester Lehrstoff am Greifswalder Germanistischen Institut ist.
2008 erhielt sie für ihr außerordentliches Engagement den DEUTSCHEN LOKALEN NACHHALTIGKEITSPREIS der DEUTSCHEN UMWELTHILFE in Leipzig.
Literatur (Auswahl)
1991 Corridor, Fragmentgedichte, Verlag Scherrer & Schmidt, Köln; 1995 Ein interessantes Frühstück das im Trend zu liegen gehen lernt, Fragmentgedichte von Deut zu Deutung, experimentelle Texte, Hrsg. von Karl Riha, Siegen; 1996 „Schräge Intention“, edition ch, Hrsg. Franzobel, Wien;
2002 „orten vernähte alphabetien“, Lyrik und Prosa, Verlag Wiecker Bote, Greifswald;
Anthologien u.a.: 2002 Anthologie Poetische Sprachspiele vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Hrsg. Klaus Peter Dencker, Reclam Stuttgart; 2006 Jahrbuch der Lyrik, S.Fischer-Verlag;
2009 „An Deutschland gedacht“, Verlag Ralf Liebe, Weilerswist und „Versnetze“ ebda.;
2010 Stimmenwechsel, Klartext Verlag Essen.
Seit 2006 Arbeit an einer Poetologie zum Fragment(gedicht)
Links u.a:
Atelierhaus -Alte Schule- Äbtissinsteig 6 45276 Essen-Steele
Tel.+Fax 0201/515592 – E-Mail doris.schoettler-boll@atelierhaus-essen.de – http://www.atelierhaus-essen.de
KUNSTRAUM – ALTE SCHULE – e.V.
Wir danken dem Kulturbüro der Stadt Essen und den Freunden des Atelierhauses
für die freundliche Unterstützung dieser Veranstaltungsreihe.
Seit 10 Jahren findet in Jamaica „Calabash“ statt, ein internationales Lyrikfestival mit hervorragenden Gästen. In diesem Jahr lesen 8 Dichter, darunter Sudeep Sen and Matthew Shenoda. Am kommenden Wochenende findet das Fest statt. „Mit Sen, einem der begabtesten und gefeiertsten jungen Dichter Indiens, und Matthew Shenoda, einem ägyptisch-amerikanischen Dichter haben wir umwerfende (?? „bashical“, das Wort war mir unbekannt und googole dictionary auch) Autoren, raffiniert, ehrgeizig, engagiert und ganz einfach gut“, sagt der Programmdirektor Kwame Dawes. / Jamaica Observer
Die Bettstatt ist ihr zentraler Lebensmittelpunkt und Arbeitsplatz geworden. Hier schläft, liest und schreibt sie. Der ununterbrochene innere Monolog diffundiert in ihre Träume und Halbschlaf-Phantasien. Im Gegenzug träumt sie von Worten und Formulierungen, die sie beim Aufwachen an Ort und Stelle niederschreibt. Träume und Erinnerungen – oft an die Kindheit oder Erlebnisse mit Ernst Jandl –, Lektüre und Geschriebenes wachsen so täglich dichter zusammen. Morgens wacht sie auf dem von Papierfetzen bedeckten Betttuch auf, oder sie findet dort einen grünen Filzstift, der dem Laken seine Spuren eingeschrieben hat.
Dieses reine Geistesleben allein im Denken und Schreiben wird durch die drastischen Beschreibungen des körperlichen Alterungsprozesses konterkariert und durch anarchisch eingestreute Blumenmotive und Naturfragmente poetisch torpediert. / MICHAELA SCHMITZ, Rheinischer Merkur Nr. 21, 27.05.2010
Friederike Mayröcker: ich bin in der Anstalt. Fusznoten zu einem nichtgeschriebenen Werk. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 2010. 190 Seiten, 19,80 Euro.
Einmal, im Frühsommer 1990, verramschten die Greifswalder Buchhändler ihren letzten in der DDR erschienenen Gedichtband „Kastanienallee“ – ein wahrhaft bibliophiles Buch – für 1 Mark der DDR. Sie brauchten Platz für die vielen bunten Bücher, die bald kommen sollten für die harte D-Mark. Immerhin gab es da, zum letzten Mal, Bücher von Elke Erb in Greifswalder Buchhandlungen.
Einmal schrieb sie ein Gedicht mit der Zeile: „Und Greifswalds Vogel ist Greif“.
Einmal sprach ich mit ihr nach einer Lesung im St. Spiritus. Sie versprach mir die Liste der Abweichungen in dem Band „Winkelzüge“ zu schicken. Sie drohte: es werde anstrengend sein, mit ihr über ihre Arbeit zu sprechen.
Sie schickte die Liste nicht, oder schrieb ich ihr nicht. Die Anstrengung fiel aus.
Einmal begann der Greifswalder Verein pom-lit.de einige Monate lang jede Sitzung mit Verlesung eines Gedichts von Elke Erb.
Einmal hielt sie mich im Saal des Koeppenhauses für den einzigen, der ihre Gedichte nicht verstand. Vielleicht hatte sie recht, für den einen Teil der Vermutung. Einmal trug ich einen Koffer fast mit ihrem Gesamtwerk durch die Stadt.
Heute, morgen, wenn Sie nach Greifswald kommen, hängt „Das aktuelle Elke-Erb-Gedicht“ an meiner Tür im Institut für Deutsche Philologie. Wenn Sie mehr wissen wollen, müssen Sie klopfen.
Apropos Kanonerweiterung / -sprengung. Eine Stimme aus Amerika:
Our collection of classic poems of war and remembrance includes works by Li Po, William Shakespeare, Alfred Lord Tennyson, E.B. Browning, Herman Melville, Stephen Crane, Walt Whitman, Thomas Hardy, John McCrae, Carl Sandburg, Wilfrid Owen, Alan Seeger, Robert Frost, Siegfried Sassoon, William Butler Yeats, Thomas McGrath
Bei: about.com.poetry
Darin
| Nefarious War | |
| Li Po (Li Bai, Li-Tai-bo) (c. 750) | |
Translated from the Chinese by Shigeyoshi Obata Last year we fought by the head-stream of the So-Kan, The barbarian does man-slaughter for plowing; … (Mehr) |
titelt die Zeit (nicht von heute. sondern die vorige, die verlorene Zeit. Ich hab sie aber noch und lese erst jetzt.) Aber rennt das nicht offene Türen ein? Jeder Germanistikstudent weiß das doch. Genauso sicher wie er später, wenn er Lehrer wird, den Schulkanon von Autoren, Werken und kanonischen Klischees reproduzieren wird, oder? Haben wir, haben die Schüler dadurch gewonnen, daß sie nicht mehr Horaz, manchenorts nicht mehr Goethe lesen, aber dafür andere Bücher auf die gleiche, schon im Hinblick auf die Prüfungen kanonisierte, kanonisches Wissen erzeugende Weise? Nein, im Gegenteil. Das behindert und verhindert entdeckendes Lesen. Und was wäre der manchmal sogenannte Qualitätsjournalismus ohne das kanonische Wissen, welche Namen zu nennen, zu welcher Preisverleihung zu fahren lohnt. Ach, ihr seid doch viel enger, viel mehr auf eine von euch selber zum Kanon erhobene schmale Basis orientiert als noch vor 15, 20 Jahren. Ich glaube euch nicht.
(Aber lese euch doch, man hofft ja stets.)
Zeit schreibt:
Gibt es Klassiker, die sich überholt haben? Ist Weltliteratur völlig unabhängig von Moden, Zeiten und Geschmack? Junge deutsche Autoren unter 35 prüfen den Literaturkanon.
Die befragten jungen deutschen Autoren sind Steffen Popp (Grass’ Rättin? Ab auf den Dachboden), Thomas Klupp (Döblins Franz Biberkopf? Lebt nicht!), Clemens Setz (Bachmann? Kaum zu ertragen), Uljana Wolf (Free Kafka now! From the Graben! Free shipping if you order what andere Kunden hier geordert haben.), Paul Brodowsky (Hemingway? Da ist mir zu viel Schweiß), Thomas von Steinaecker (Raymond Carver? Literatur ist mehr als Verkürzung), Tilman Rammstedt (Max Frischs Montauk? Eitles Geraune), Nora Bossong (Brecht? Gedichte, die Lehrer lieben), Leif Randt (Handke? Fühlt sich soft an), Finn-Ole Heinrich (Effi Briest? Dann lieber Punk), Kevin Vennemann (Martin Walser, Böll, Koeppen, Borchert, Grass, Benn …), Daniela Danz (Ich möchte den Kanon nicht entrümpeln. Es soll alles darin bleiben. Wir haben ja das gegenteilige Problem: Wir beschränken uns im kulturellen Bereich immer mehr auf Weniges, das für herausragend gehalten wird.), Susanne Heinrich (Clemens Meyer, du vielleicht?).
Allein wegen dieser Namen und ihrer oft erfrischenden Sätze lohnt die Lektüre. Wenn mir jetzt jemand nachweist, daß die Zeitung oder irgendeine andere die Bücher dieser Autoren alle auch besprochen hat, zitiere, falsch: ziehe ich den Hut. (Hab ohnehin keinen).
Aufgabe des Künstlers sei es, das Geheimnis zu vergrößern, sagte der Maler Francis Bacon. Er hätte damit Oswald Egger meinen können, wenn dieser dichtet: „Ein Lenzen mit Firnrinde auf / dieser reif-vereisten / Moosweide. / Ich säe / Basiliskenkraut / in Kurven / und viele Furchen“. Dieser bäuerliche Tätigkeitsbericht durchzieht auch das soeben erschienene Buch „Die ganze Zeit“. Tirolische Flurnamen, süd- oder oberdeutsche Phänomene wie „Wucht-Gumpen“ werden von Zeitangaben jäh unterbrochen und strukturiert. Es ist immer wieder ein Erlebnis, den Autor selbst lesen zu hören, zu hören, wie er scheinbar zufällig einsetzt, wie er Pausen setzt und das soeben Gesagte mal selbstironisch, mal sprichworthaft nachflackern lässt: „Ich habe ein / Streifenfell / vergoldet, mit / Knöpfchen besetzt“. …
„Mein Leben war eine Feuer-Lilie, die auf Heu blüht“: Eine Feuerlilie betritt als erste das Feld von 742 Seiten. Feuerrot ist auch das Buch, das in einer Auflage von 2500 Exemplaren erscheint, mit einem labyrinthischen grünen Fadenmuster auf dem Leineneinband: Poesie, die trotz ihrer 1200 Gramm wunderbar in der Hand liegt. Sie verheißt ein echtes Abenteuer, wenn man sich auf sie einlässt.
Für sein ungeheures Vorhaben, die Zeit in ihrer Gänze mit den Mitteln der Poesie zu erfassen, beziehungsweise sich diesem Desiderat zu stellen, hat sich Egger des Geleitschutzes zweier prominenter Stewards oder Platzanweiser versichert: Ein Ausschnitt aus den „Confessiones“, den „Bekenntnissen“ des Augustinus führt in das Werk ein. Egger übersetzte selbst die Passagen aus dem Lateinischen neu, in denen Augustinus die Zeit als menschliches Bewusstseinsphänomen definierte. Gut siebenhundert Seiten später weist der spätantike römische Philosoph Boëthius den Weg wieder hinaus. „Wenn wir deshalb den Dingen treffende Namen beilegen wollen“, schrieb Boëthius, „so wollen wir sagen, dass Gott ewig, die Welt aber dauernd ist.“ / KATRIN HILLGRUBER, FR 27.5.
Oswald Egger: Die ganze Zeit. Suhrkamp Verlag, Berlin 2010, 742 Seiten, 44,80 Euro.
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