all die toten albanier meines surfbretts
dada, punk und sinnregime (1982 – 1990)
29. Mai bis 30. Juli 2010
Zur Eröffnung der Ausstellung am Freitag, dem 28. Mai um 19 Uhr, lädt der Beigeordnete für Jugend, Schule, Soziales und kulturelle Bildung der Stadt Halle (Saale), Herr Tobias Kogge, Sie und Ihre Freunde herzlich ein.
Eröffnung mit Peter Wawerzinek (Berlin), „Gedenkminute“
und Jan Möser (Halle) an der Gitarre.
Kuratoren Moritz Götze und Peter Lang
In Zusammenarbeit mit Heinz Havemeister und Tom Riebe.
Besonderer Dank gilt den Eltern Elisabeth und Günther Holst.
Herzlicher Dank geht an Peter Wawerzinek, alle Leihgeber, Unterstützer, Freunde und Freundinnen.
Stadtmuseum Halle, Galerie
Große Märkerstraße 10
06108 Halle (Saale)
Di. bis So. 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr
montags geschlossen
Tel. 0345 / 221 3030Anläßlich der Ausstellung erscheinen zwei Bücher im Hasenverlag Halle. (www.hasenverlag.de) In Vorbereitung ist ein umfangreiches Materialbuch.
Am 06. Mai war es wieder soweit: Studierende des Innsbrucker Germanistik-Instituts verließen gemeinsam mit Prof. Wolfgang Wiesmüller, Prof. Sieglinde Klettenhammer (FB Neuere deutsche Literaturwissenschaft) und Dr. Ruth Esterhammer (FB Angewandte Literaturwissenschaft) Seminarräume und Bibliothek und machten sich auf den Weg nach Meran zur Vergabe des Meraner Lyrikpreises 2010 / uibk 25.5.
So heißt eine Veranstaltung im Rahmen des Frankfurter Literaturm-Festivals
Mi 26. Mai 18.00 Uhr
Moderation Christian Metz (Goethe-Universität Frankfurt)
Poesie und Liebe sind auch in der Gegenwart ein Paar und führen ein unerschöpfliches Gespräch über die immer selben Fragen. Gut, dass sich vor einiger Zeit die in Berlin lebende Autorin Monika Rinck in dieses Gespräch eingeschaltet hat. Mit ihren Gedichtbänden „Verzückte Distanzen“ (2004), „zum fernbleiben der umarmung“ (2007) sowie mit ihrem Essay „Ah, das Love-Ding!“ (2006) denkt Monika Rinck Liebe und Literatur neu. Dabei schreibt sie so „poetisch, ironisch, assoziativ und atemberaubend originell“, dass wohl nicht nur der Literaturkritiker Denis Scheck die Lektüre ihrer Bücher „wie einen schönen Abend in einer Lounge“* empfindet. Rincks Arbeit beschränkt sich jedoch keineswegs auf das „Love-Ding“. Als poetische Archivarin der Gegenwart führt sie seit 1996 ihr „Begriffsstudio“, und ihr enzyklopädischer Lyrikband „Rincks Ding- und Tierleben“ (2009) sorgt für jene „Helle Verwirrung“, die er im Titel trägt.
Ort OpernTurm, 18. OG, Tishman Speyer, Bockenheimer Landstraße 2–4
Eintritt 4 Euro
Anfahrt U6/7 (Alte Oper), alle S-Bahnen außer S7 (Taunusanlage)
Außerdem im Programm Prosa von Lutz Seiler und Ulrike Draesner und:
Do 27.5. 18.00 OpernTurm, 18. OG
Junge Poetik Matthias Göritz
*) schön, poetisch, atemberaubend usw., ja doch! Aber Lounge?? Ach geht mir!
Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht der 2005 komplett im Westen Kanadas gedrehte Film urban electronic poetry. Der Film verschmilzt die Gedichte deutschsprachiger AutorInnen der Gegenwart zu mehreren möglichen urbanen Geschichten.
In einem ausgewogen dramaturgischen Rhythmus werden die Autoren Thorsten Nesch, Stan Lafleur und Kersten Flenter Gedichte live performen sowie ausgewählte Sequenzen aus dem Film zeigen.
Termin: 03.06.2010 Veranstaltungsort: Spielraum in der Wohngemeinschaft, Richard-Wagner-Str. 39, 50674 Köln. Einlass: Ab 19:30 Beginn: 20:00 Uhr, Eintritt: 9 Euro Austritt: Frei
Veranstalter: Das Wortreich
Weitere Infos hier.
Amerikanische Bezüge fehlen bei Lessing und Lasker-Schüler, aber zugestehen muss man, dass die strikt alphabetische Ordnung der Exponate kuriose Nachbarschaften stiftet: Ein Typoskript Ingeborg Bachmanns kommt neben Walter Benjamins erster Reinschrift der «Berliner Kindheit um 1900» zu liegen; ein Zettelkasten Hans Blumenbergs, der einen Blick auf Einträge zum Stichwort «Amerika» gewährt, steht zwischen Gottfried Benns auf eine Speisekarte getipptem Gedicht «Astern» und Rudolf Borchardts Übertragung eines Poems von Edna St. Vincent Millay. Gerade Borchardt ist ein interessanter Fall, denn der auf Europas Kultur stolze Schriftsteller hatte grosse Lyrik in Amerika für unmöglich gehalten. Millays Gedichte belehrten ihn eines Besseren. / Joachim Güntner, NZZ 26.5.
«Deutscher Geist. Ein amerikanischer Traum». Literaturmuseum der Moderne, Marbach am Neckar. Bis 3. Oktober. Zur Ausstellung ist ein «Marbacher Magazin» erschienen, zweisprachig deutsch/englisch.
(Die von David Wellbery und Ernst Osterkamp kuratierte Ausstellung war eigentlich für Amerikaner gedacht, aber die Finanzkrise durchkreuzte den Plan. Wir sehen alles ein. Gerade mußten wir den armen Banken mit paar hundert Milliarden aufhelfen, worauf die prompt wieder Milliardengewinne machen, indem sie fröhlich weiterzocken, da capo ad finem. Da kann man nicht gleich paar tausend Euro für Lyrik ausgeben – klar doch!)
Ich sage noch ein Wort für die ausgesuchtesten Ohren: was ich eigentlich von der Musik will. Dass sie heiter und tief ist, wie ein Nachmittag im Oktober. Dass sie eigen, ausgelassen, zärtlich, ein kleines süsses Weib von Niedertracht und Anmuth ist … ich werde nie zulassen, dass ein Deutscher wissen könne, was Musik ist. Was man deutsche Musiker nennt, die grössten voran, sind Ausländer, Slaven, Croaten, Italiäner, Niederländer – oder Juden; im andren Falle Deutsche der starken Rasse, ausgestorbene Deutsche, wie Heinrich Schütz, Bach und Händel. Ich selbst bin immer noch Pole genug, um gegen Chopin den Rest der Musik hinzugeben: ich nehme, aus drei Gründen, Wagner’s Siegfried-Idyll aus, vielleicht auch Liszt, der die vornehmen Orchester-Accente vor allen Musikern voraus hat; zuletzt noch Alles, was jenseits der Alpen gewachsen ist – diesseits… Ich würde Rossini nicht zu missen wissen, noch weniger meinen Süden in der Musik, die Musik meines Venediger maëstro Pietro Gasti. Und wenn ich jenseits der Alpen sage, sage ich eigentlich nur Venedig. Wenn ich ein andres Wort für Musik suche, so finde ich immer nur das Wort Venedig. Ich weiss keinen Unterschied zwischen Thränen und Musik zu machen, ich weiss das Glück, den Süden nicht ohne Schauder von Furchtsamkeit zu denken.
An der Brücke stand
jüngst ich in brauner Nacht.
Fernher kam Gesang:
goldener Tropfen quoll’s
über die zitternde Fläche weg.
Gondeln, Lichter, Musik
trunken schwamm’s in die Dämmrung hinaus …
Meine Seele, ein Saitenspiel,
sang sich, unsichtbar berührt,
heimlich ein Gondellied dazu,
zitternd vor bunter Seligkeit.
– Hörte Jemand ihr zu? …
Friedrich Nietzsche, Ecce Homo (1908): Warum ich so klug bin. 7
CHICAGO — The Poetry Foundation, publisher of Poetrymagazine, is pleased to announce that Poetry’s editors have embarked on a new international collaboration. In partnership with the online magazine and archive Poetry International Web(PIW), the editors of Poetry will be responsible for editing content on the global platform’s USA page. While providingPoetry an opportunity to present the best contemporary American poetry to a global audience, the Poetry and PIWalliance simultaneously allows the magazine to share a virtual space with its international counterparts.
Poetry International Web (www.poetryinternational.org), a site which hosts over 2,400 visitors per day, offers the work of contemporary poets from over 40 countries, including Japan, Morocco, and the Ukraine. Over 20 of these countries maintain their own domains, as in the case of Poetry, which has just begun maintaining the site’s USA domain. Poetry International Web creates a truly international destination for poetry readers to discover news, essays, interviews and discussion, but above all poems. Offered both in the original language and in English translation, Poetry International Web seeks to make good poetry—from as many countries as possible—available to an international readership.
Poetry’s first USA issue on PIW highlights contemporary poets W.S. DiPiero, Ange Mlinko, and Atsuro Riley.
Poet, critic and essayist W.S. Di Piero spent the first 21 years of his life in South Philadelphia before moving to his current home in the Bay area. He travelled to Italy on a Fulbright scholarship in 1972, where he began working as a translator. He has since completed the translations from the Italian for collections written by Giacomo Leopardi, Sandro Penna, Leonardo Sinisgalli and Euripides, as well as many short pieces that have appeared in various literary journals.
A regular contributor to the Nation, Ange Mlinko is the author of two books, Matinées (Zoland Books, 1999) and Starred Wire(Coffee House Press, 2005). She was born in Philadelphia, and currently lives in Beirut. Her poems are about urban life, about language and its failings, about the things we see and do not see. The New Yorker praised her “unique sense of humor and mystery.”
Atsuro Riley grew up in South Carolina and lives in California. His heavily stressed, percussive, consonant-rich, free-verse poems conjure up the elemental images of the lives of people inhabiting a specific, acutely portrayed landscape. His poems are dense with impressions, voices and glimpses of people who have experienced the Vietnam War, rural life, and the South.
L´ AMOUR, L´ AMOUR.
Kurzatmige Rentner in einem Pornokino
Verfolgten ohne rechten Glauben
Die schlecht gefilmten Spiele zweier lasziver Paare;
Eine Handlung gab es nicht.
Da hast du, so dachte ich, das Gesicht der Liebe,
Ihr urechtes Gesicht.
Die einen sind verführerisch; sie verführen immer,
Die anderen schwimmen so mit.
Es gibt weder Schicksal noch Treue,
Nur Körper, die einander begehren.
Ohne jede Zuneigung und vor allem ohne Mitleid,
Man spielt und man zerreißt.
Manche sind verführerisch und daher viel geliebt;
Sie dürfen den Orgasmus erleben.
Doch so viele andere sind müde und haben keinerlei Geheimnis,
Nicht mal Phantasien mehr;
Nur noch Einsamkeit, vertieft durch
Die schamlose Freude der Frauen;
Nur noch eine Gewissheit: »Das ist nicht für mich«,
Ein unscheinbares kleines Drama.
Im Sterben werden sie, das ist sicher, recht ernüchtert sein,
Von poetischen Illusionen befreit;
Sie werden die Kunst des Selbsthasses gründlich beherrschen,
Ganz automatisch.
Ich wende mich an alle, die nie jemand geliebt hat,
Die nie zu gefallen wussten;
Ich wende mich an die, die im befreiten Sex nicht vorkommen,
Im rohen Sinnengenuss.
Fürchtet euch nicht, Freunde, da verpasst ihr kaum etwas:
Die Liebe gibt es nirgendwo.
Das hier ist nur ein grausames Spiel, und ihr seid die Opfer;
Ein Spiel für Spezialisten nur.
L´ AMOUR, L´ AMOUR.
Dans un ciné porno, des retraités poussifs
Contemplaient, sans y croire,
Les ébats mal filmés de deux couples lascifs;
Il n’y avait pas d’histoire.
Et voila, me disais-je, le visage de l’amour,
L’authentique visage.
Certains sont seduisants; ils seduisent toujours,
Et les autres surnagent.
Il n’y a pas de destin ni de fidélité,
Mais des corps qui s’attirent.
Sans nul attachement et surtout sans pitié,
On joue et on déchire.
Certains sont seduisants et partant tres aimés;
Ils connaîtront l’orgasme.
Mais tant d’autres sont las et n’ont rien à cacher,
Même plus de fantasmes;
Juste une solitude aggravée par la joie
Impudique des femmes;
Juste une certitude: «Cela n’est pas pour moi»,
Un obscur petit drame.
Ils mourront c’est certain un peu désabusés,
Sans illusions lyriques;
Ils pratiqueront à fond l’art de se mépriser,
Ce sera mécanique.
Je m’adresse a tous ceux qu’on n’a jamais aimés,
Qui n’ont jamais su plaire;
Je m’adresse aux absents du sexe liberé,
Du plaisir ordinaire.
Ne craignez rien, amis, votre perte est minimé:
Nulle part l’amour n’existe.
C’est juste un jeu cruel dont vous êtes les victimes;
Un jeu de spécialistes.
Aus: Michel Houellebecq: Suche nach Glück. Gedichte. Frz.-Dt. Übertragen von Hinrich Schmidt-Henkel. Köln: DuMont 2000, S. 34-37
Neue FIXative bei fixpoetry.com:
+ FIXativ
„Ein Lied wie ein Gedicht“ eine Interpretation des Gedichtes „Dirindina la malcontenta“ – ein altes Schlaflied aus der Toskana von Frank Milautzcki
++ FIXativ
Gedicht: RATINGER HOF, ZETTBEH (3) von Thomas Kling mit einer Interpretation von Frieder von Ammon – Poetische Psychonautik: Thomas Kling über zum Beispiel den Ratinger Hof
+++ FIXativ
Ursula Homann interpretiert Mascha Kaléko und ihre Lieder „Der Fremde“
++++ FIXativ
Das X als Elementargedicht, das Gedicht „Für das X“ von Christine Marendon, interpretiert von Arne Rautenberg
(Der Originaltitel des toskanischen Volkslieds, „Dirindina la malcontenta“, bringt mir via Wort eine amüsante Erinnerung herauf. Als Student befleißigte ich mich auch des Gedichteschreibens, und so kam ich ins Gespräch mit Dr. Dr. Reinhard Weisbach, Lyriker und Multiwissenschaftler und in Sachen Lyrikgeschichte Anhänger einer harten „Heine-Weerth-Weinert-Linie“ als alleinseligmachende Tradition für die sozialistische Lyrik. Ich freilich mochte Heine, gewiß, aber las lieber Benn, Stramm oder Cummings. Er spürte meine Unzufriedenheit, ich weiß nicht ob aus meinem Bartgesicht oder meinen Texten, und wollte mir helfen. In einem Gespräch, das von Alkohol nicht frei war, setzte er mir die historischen Wurzeln meiner Unzufriedenheit auseinander. Sie lagen im 19. Jahrhundert, französische Intellektuelle waren unzufrieden, sie waren malcontents. Die Unzufriedenheit kam von der Malkontenz. So war das erklärt. M.G.)
Es gibt Gedanken, die aus anderen Gedanken hervorgehen. Einige Menschen überraschen uns. Sie ziehen ein weißes Kaninchen nach dem anderen aus dem Zylinder. Das läßt an die russische Puppe Matrjoschka denken. Man kann sie öffnen. Dann erscheint eine weitere Puppe. Das setzt sich fort, wobei die Puppen immer kleiner werden.
Erst ging es mir nur um ein Bei-Spiel
Zum leeren Strom sagte ich: Frei-NIL
Die Nebenabsicht nannte ich: Bei-Ziel
Mein pencil wog so schwer wie ein Blei-Stiel
Walser, Robert kam aus dem Schweiz-Biel
In Kiel zwei Ringer übten den Freistil
bis einer der beiden vom Kai fiel.
(Wilhelm Fink, Hamburg)
(Dieser Briefmappenfund schlüpft in meine Anthologie, Rubrik Wortfest. Beste Grüße nach Hamburg. Michael Gratz)
Und sogar einem Ereignis wie einer Fussball-WM vermochte sie überraschende Seiten abzugewinnen, die weit über das Toreschiessen hinausgehen: «Fussball-Weltmeisterschaft,/ Urahne, Grossvater, Vater und Kind/ am Fernsehkasten versammelt sind./ Schön leer die Landschaft,/ unterwegs nur der Wind,/ und ein Einzelgänger, der bannt,/ dass auch die Erde ein Ball,/ gejagt und gestossen von Unbekannt,/ ein Ball, der in der Zeit/ durch ein allen verborgenes/ Tor gelangt.»
Die Einzelgängerin Erika Burkart besass so etwas wie einen zweiten Blick: Mensch, Natur, Welt gleichzeitig von innen und aussen zu sehen. Sich ihren Gedichten auszusetzen lohnt sich. / Hans J. Ammann, Bieler Tagblatt
Sechs Jahre später demonstriert sie nun in den neun Zyklen von «Geistersehen», dass Naturdichtung immer nur Distanznahme sein kann und mitnichten das mystische Einssein mit den Dingen stiftet. «Was uns die Sicht verbarg», so formuliert in schöner Paradoxie das Gedicht «Imponderabilien», «war das Sichtbare; und wir / kontemplierten das Ding aus Dunst.» An den klassischen Topoi der Naturpoesie – Bäume, Wind, Wolken, Wasser – wird der Versuch unternommen, das Sichtbare in seiner Fragwürdigkeit zu erfassen. In anderen Kapiteln erkundet der poetische Blick Gemälde und Fotografien, die Bildprogramme der modernen Kunst. Oder er tastet sich an den «winzigen Reservaten romantischer Sehnsucht» entlang, am «Blühbemühen» von Bäumen und Blumen. Auch profane Erscheinungen in Industrielandschaften werden thematisiert, wie der Duisburger Hafen oder die Panoramaplattform eines Fernsehturms.
Aufregend und faszinierend werden diese Gedichte, wenn sie ihre Wahrnehmungsexerzitien und ihre Erkundungen von Naturstoffen in klassischen Formen reflektieren. Insbesondere dem Sonett hat Poschmann neue Energien zugeführt. Das lyrische Ich tritt darin zurück hinter der mächtigen Präsenz der Dinge. In den «Vanitasgedanken am Tag» träumt sich dieses Ich hinein in die Erscheinungen des Diversen: «wär ich ein Knusperhaus, ein weher Fiebertraum, / wär ich ein Kirmesplatz mit einem Autoskooter, / wär ich ein Krippenspiel, wär ich ein Ego-Shooter, / ein Dinosaurus-Park, ein grüner Plüschtier-Flaum; // Modellbau schneebesprüht. die Kunststofftannen steif / in Talkum, Bullrich-Salz, in Glasdiamantin. / mesmerisierter Wind. die Reifenspur darin. / Stadtlichter glühwurmgross. ein Rest Kometenschweif. // das Baukastenprinzip moderner Wohneinheiten / negierte mein Gesicht, entzog mir alle Seiten, / als sei ich nur noch Ort. kaum Ort, nicht Ort genug: // Berührungsenergie, Beschwörungsmaterial, / geheimes Futteral für halbe Rituale, / Identifikation mit Flüstern und Entzug.»
Marion Poschmann hat der zeitgenössischen Dichtung die Erfahrungsnaivität ausgetrieben. / Michael Braun, NZZ 25.5.
Marion Poschmann: Geistersehen. Gedichte. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 2010. 126 S., Fr. 30.90.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
We are sometimes amazed by how well the visually impaired navigate the world, but like the rest of us, they have found a way to do what interests them. Here Jan Mordenski of Michigan describes her mother, absorbed in crocheting.
Crochet
Even after darkness closed her eyes
my mother could crochet.
Her hands would walk the rows of wool
turning, bending, to a woolen music.
The dye lots were registered in memory:
appleskin, chocolate, porcelain pan,
the stitches remembered like faded rhymes:
pineapple, sunflower, window pane, shell.
Tied to our lives those past years
by merely a soft colored yarn,
she’d sit for hours, her dark lips
moving as if reciting prayers,
coaching the sighted hands.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©1995 by Jan Mordenski, and reprinted from “Quiet Music: A Plainsong Reader,” Plainsong Press, 1995, by permission of Jan Mordenski and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Literaturfrühling in Leipzig, und alle kommen. DAS „Spezialorgan für Lyrik und ihre Poetologie“, die von Urs Engeler herausgegebene Zeitschrift „Zwischen den Zeilen“ ist gleich mit allen Autoren der aktuellen Nummer dabei: Konstantin Ames, Michael Fiedler, Andrea Heuser, Kerstin Preiwuß, Bertram Reinecke und Daniela Seel lesen Gedichte, Norbert Lange moderiert: wenn das kein Gipfeltreffen jüngster Lyrik ist!
Und es gibt viel mehr. Norbert Lange und Susanna Mewe übersetzen die amerikanischen Lyriker Kevin Prufer und George Oppen und geben Einblick in ihre Werkstatt. Ulf Stolterfoht stellt Cowboylyrik vor (auch bei Engeler!) und Andreas Reimann liest einen Essay über Georg Maurer, (nicht nur) seinen legendären Lehrer. Meistens ist Musik, manchmal auch Bildende Kunst dabei. Leipzig scheint zwei, drei Reisen wert. Lesen Sie das vollständige Programm hier unten.
19. Sächsischer Literaturfrühling
Do 27. Mai, 19.00 Uhr
Kulturwirtschaft „Waldfrieden“, Bornaische Straße 56
Thomas Renker liest „Dass Du mir bleibst“
Musik: Lutz Heinrich (Eisenheinrich).
Gemeinsam mit Heike May bringt der Autor seine einfühlsamen Verse auf die Bühne. Anschließend geben Heike May und Lutz Heinrich ein Konzert.
Sa 29. Mai, 20.00 Uhr
Galerie KUB, Kantstraße 18
Urs Engelers „Zwischen den Zeilen“
Mit Daniela Seel, Andrea Heuser, Michael Fiedler, Bertram Reinecke, Konstantin Ames, Kerstin Preiwuß
Moderation: Norbert Lange
Musik: Diana Moehrke, Aiko Herrmann
Eintritt: 4/2 Euro.
Die Jahresschrift des Schweizer Kultverlegers Urs Engeler hat sich zu dem Spezialorgan für Lyrik und ihre Poetologie entwickelt. „Die nach wie vor beste deutschsprachige Lyrik-Zeitschrift“ lobt Michael Braun im Saarländischen Rundfunk anlässlich des aktuellen Hefts. Wir führen alle Autoren dieser Nummer in Leipzig zusammen. Gemeinsam Lyrik lesen und über Poesie nachdenken werden so unter anderem die Verlegerin Daniela Seel, mit ihrem Verlag „KOOKbooks“ selber eine der ersten Adressen für zeitgenössische Lyrik, der aktuelle open-mike-Preisträger Konstantin Ames und die Münchner Schriftstellerin Andrea Heuser. Diana Moehrke und Aiko Herrmann bearbeiten einzelne Texte musikalisch.
An der Nachricht #108 gefiel mir, wie Surrealismus und Trotzkismus (nicht überraschend) mit Pfingsten (überraschend) zusammenpassen. Eine fröhliche Vielstimmigkeit aus Morgenland, geeignet, uns mit aus dem Westen reimportierten Stimmen in unserer Sonntagszeitungsruhe von Bildweltfas zu stören. Natürlich unmerklich – wir sind harthörig. Surrealismus und Schlimmeres, hach, gibts ja in Deutschland nicht, außer in faßlichen Portiönchen. Hier ein ägyptisches Beispiel (in der Kunst gibt es keine Ausländer):
Georges Henein
Fabel für eine lange Kindheit
Die Sprache ist das Gegenteil des WORTES. Ich meine, die Sprache dient seit Dutzenden von Jahrhunderten dazu, die vom WORT verursachten Schäden wieder zu heilen.
Das WORT hat eins gemeinsam mit dem Fingernagel, ist es nämlich einmal ins Fleisch eingewachsen, wird es unerträglich.
Sind der Freude die Türen verschlossen, die Städte in Quarantäne, die Schnauze plump und der Blick inspiriert, bedeutet die Fleischwerdung den äußersten Grad von Bösartigkeit, nämlich Weltflucht.
Überall, wo das fleischgewordene WORT herrscht, schämen sich die Menschen ihres Fleisches. Es fällt ihnen schwer, noch einige Rülpser Überraschungsfleisch mit sich herumzutragen (man ist doch immer einer Erektion ausgeliefert, nicht wahr…!). Das Ekzem der Reue flößt ihnen irgendeine stinkende Brühe ein. Sie sind bereit, das Leben billig abzustoßen, wie die Verrückten Golgatha zu spielen, nur um das WORT zu mästen. Übrigens ist das die Zeit, wo sich die Löwen über die Geheimnisse der menschlichen Rasse ernsthaft Gedanken machen.
Sobald ihm nach Fleischwerdung ist, schwingt sich das WORT empor. Die Offenbarung ist die rhetorische Form des Alpinismus. Die Namen dieser Luftkurorte sind bekannt: Sinai, Berchtesgaden, der Ölberg. Ihre Höhenlage ist verschieden, aber eins ist sicher: auf die „gute neue Mär“ folgt unweigerlich ein sagenhaftes Gemetzel. Wenn sich das WORT auch nur ein bißchen von seiner Höhe herabläßt, wenn die Geschichte auch nur ein bißchen im Flachland gemacht wird, lassen die Menschen das Grimassenschneiden wenigstens teilweise bleiben. Sie entdecken ganz einfach die Sprache aufs neue. Die Sprache als Ausdrucksweise der menschlichen Freizeit. Die Sprache als Kunst, klare, genießbare Dinge auszudrücken. Beispiel: die Hostie ist WORT. Das Steak ist Sprache. Und wenn man nach Hinweisen sucht, die das heimliche Lächeln des Schicksals bekräftigen, schlage ich folgendes vor: Niemand ist jemals auf den Gedanken verfallen, zu sagen: „Ich habe Lust auf eine gute Hostie.“
Übers. Brigitte Weidmann
In: Das surrealistische Gedicht. Hrsg. von Heribert Becker, Édouard Jaguer und Petr Král. Dritte, korrigierte und erweiterte Auflage. Zweitausendeins / Museum Bochum, Frankfurt am Main 2000. 1888 S., S. 559-561.
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