Die sowjetrussische Version des Problems. Die tonangebenden Kritiker warfen Majakowski vor, seine Verse seien nicht "volkstümlich" und den Massen unverständlich. 1927 veröffentlichte er dieses Gedicht. In der fünfbändigen Werkausgabe im DDR-Verlag Volk und Welt, Band 1: Gedichte (1966) fehlt es. Auch da gabs zu viele Mittler, die sich auf den Schlips getreten fühlten. Heute gibts die auch, aber ihre Lösung ist einfacher. Majakowski? Lesen sie nicht. Deutsche Fassung von Karl Dedecius aus: Wladimir Majakowskij: Gedichte. Stuttgart: Reclam 1971, S. 50ff. [leider entfernt wordpress die "Treppen", die bei mir im Entwurf zu sehen sind. Also dauert das Formatieren noch etwas länger.] "Die Masse versteht nicht" Zwischen Schriftsteller .......................und Leser ................................stellen die Mittler sich und der Geschmack .................der Mittler ............................ist äußerst durchschnittlich. Diese .....Mittelmäßigen ..................aus der Vermittlerzone sitzen zuhauf .............in Kritik ......................und Redaktionen. Wohin .....dein Gedanke .................auch immer liefe, so einer betrachtet ...................alles ........................träge: "Ich ....bin ein Mensch ..................ganz anderer Begriffe; Ich weiß, .........schon der alte Nadson, ...............................mein Kollege... Arbeiter ........lieben nicht ....................Zeilen, die kahl." (Und Assejew ............deckt noch ......................diese Adjunkte!) "Und Satzzeichen? .................Punkte .......................sind ein Muttermal. Sie ...kürzen den Vers, ...................verschwenden die Punkte. Genosse Majakowskij, ....................bei normalen Intervallen könnt' ich ..........pro Zeile ...................zwei Groschen mehr zahlen." Er erzählt mir ..............Legenden ......................aus uralten Quellen, läßt seinen Vortrag ...................vier Stunden dauern, und zu allem ............sagt ................der trostlos Intellektuelle: "Sie ....werden nicht verstanden ...........................von den Arbeitern und Bauern." Den Autor .........hat Schuldbewußtsein .............................vernichtet. Dabei bekam ...........sein kompetenter Kritikaster Bauern ......nur vor dem Krieg .......................zu Gesichte, als er im Dorf ..............bei Kalbshaxe rastete. Und Arbeiter ............hat er noch minder getroffen – zufällig ........zwei ............bei der Wasserkatastrophe. Sie standen auf der Brücke ..........................und sahen ...................................gelassen wie die Eisschollen trieben ...........................und die Wassermassen. Der Kritiker kannte, ....................um das zu betonen, zwei Exemplare ..............von vielen Millionen. Was ist schon dabei: ....................Knochen und Häute... Leute sind Leute! Und abends ..........beim Tee, ...................da prahlte der Pfau: Ich ...kenne ........die Arbeiterklasse genau. Ich ...las hinter ihrem Schweigen .............................die Seele: nichts von Verfall ..................und keine Querelen. Wer wird denn .............gelesen ....................von dieser Klasse? Doch nur ein Gogol, ...................doch nur die Klassik. Und Bauern? ...........Genauso. ..................Und gar nicht anders. Ich weiß noch, wie früher, .........................im Lenz auf dem Lande..." Solches Geschwätz .................auf unserm ...........................Parnasse ersetzt bei uns oft ...................die Kenntnis ...............................der Masse. Veraltete Muster ................müssen beweisen die Kunst des Worts, ...................des Pinsels, ...............................des Meißels. Flinke Talente ..............fluten ....................in Mengen: wie Rosen, ..........Kosen ...............und Gitarrenklänge. Ich bitte .........die Schreiber ......................mit angstnassen Augen, sich nicht ..........Armeleutekunst ........................aus Daumen zu saugen. Es kapiert ganz gut ...................die führende Klasse die Kunst, ..........nicht schlechter als eure Kaste. Tragt hohe Kultur .................in unsere ..........................Lande, statt nur .........zu bedauern! Gut Buch ........tut not ...............und es wird verstanden: von euch ........und mir, ................von Arbeitern .............................und Bauern. Anm.: Nadson: russischer Lyriker (1862-1887) Assejew, Nikolai: sowjetischer Lyriker, Schüler Majakowskis. In dem Gedicht "Jubiläumsverse" schreibt Majakowski: "Da ist zwar noch Assejew, unser Kläuschen. Der kann was. Hat die Spannweite von mir. Doch ach, man muß verdienen, denn man hat im Häuschen Familie, wenn auch klein, man sorgt doch für." [Formatierung wird später vervollständigt, M.G.) «МАССАМ НЕПОНЯТНО» Между писателем ...............и читателем ..........................стоят ..........................посредники, и вкус ......у посредника ..................самый ..................средненький. Weiterlesen
KRItischePOetik (Desiderat)
KRIPO ist kein stahlbad
KRIPO reimt haubentaucher auf verbraucherschutzradikale und kettenraucher auf
karzinthome
KRIPO ist (schein)antagonismus von kulturarbeit und kulturellem kapital
KRIPO is the french word for shit
KRIPO sucht schwule jüdische kommunistinnen in palästina
KRIPO ist spd-herrenmenschNEMESIS
KRIPO is a waste of facism
KRIPO west nicht
KRIPO isst gern auswärts
KRIPO ist faustpakt mit fingerkreuz und fingersex mit anfasssen
KRIPO saugt bluthegel
KRIPO hat auch viel derrida gelesen
KRIPO + grundrisse = konsonanz / noise
KRIPO ist was hinten rauskommt
KRIPO will eine einzige karotte + die funktion der kartoffel
KRIPO ist zu wenig
KRIPO spornt die bundesregierung zu mehr innovation an
KRIPO ist alternativlos
KRIPO fetischisiert die fetischkritik
KRIPO freut sich darüber, dass es gelungen ist, bin laden zu töten
KRIPO möchte mit ihnen über gott sprechen
KRIPO hat kein image-problem, KRIPO ist ein image-problem
KRIPO vergreift sich nicht im ton, KRIPO vergreift sich am klassenfeind
KRIPO vermietet crackhuren an die würdenträger des literaturbetriebs und finanziert lyrik-camps in afghanistan
KRIPO hätte über »nutten zur literatur« gelacht
KRIPO hat ein ( ) / kein ( ) misogynieproblem
KRIPO schämt sich höchstens fremd
KRIPO pflegt kein privates stalingrad
KRIPO ist nicht ulrich wickert und wird nicht erneut vater
KRIPO hat schlechte zähne und verbreitet deckseuchen
KRIPO ist nah am Realen und deshalb kaum auszuhalten
Dennis Büscher-Ulbrich
aus: karawa.net #004
Grönland, Paraguay, Afghanistan und das innere Afrika fehlen (reisen da keine deutschen Dichter hin, die mal was nachschlagen müssen?). Karte der Klicks auf die Lyrikzeitung seit 25.2. 2012.
An der Spitze die deutschsprachigen Länder:
| Country | Views |
|---|---|
| 155.787 | |
| 9.242 | |
| 4.870 |
Unten diese mit je einem Klick:
Côte d’Ivoire1
Syrian Arab Republic1
Sri Lanka1
Qatar1
Botswana1
Nicaragua1
Kyrgyzstan1
Jordan1
Togo1
Guadeloupe1
Oman1
Also mach ich weiter! Die Welt, sozusagen, wartet.
«Zürich liest»
25.–28.10.
Theater Neumarkt, Probebühne Chorgasse, Zürich
27. Oktober 2012, ab 18 Uhr
Verse! Verse!
Dichterinnen und Dichter aus der deutschsprachigen Schweiz, die sich regelmässig zu von Svenja Herrmann, Johanna Lier und Ingrid Fichtner initiierten Gesprächen «Rund ums Gedicht» treffen, stellen einen Abend lang ihre Lyrik vor: Ingeborg Kaiser, Elisabeth Wandeler-Deck, Heike Fiedler, Dragica Rajcic, Florian Vetsch, Gabriele Markus, Claudia Storz, Wanda Schmid, Thilo Krause, Brigitta Klaas-Meilier, Leta Semadeni, Rolf Hermann, Nathalie Schmid, Sascha Garzetti und Zsuzsanna Gahse.
Literatur & Kunst vergibt den 1. Zürcher Lyrik-Preis
Preisverleihung mit Apéro. Die Juroren Ingrid Isermann, Charles Linsmayer und Sabine Naef übergeben die Preise mit je einer kurzen Laudatio. Infos zum 1. Zürcher Lyrik-Preis auf http://www.literaturundkunst.net. 1. Preis: 1 Übernachtung im Hotel Dolder Grand mit Frühstücksbuffet für 2 Personen; 2. Preis: Freiflug in Europa mit Helvetic Airways für zwei Personen; 3. Preis: Fahrt Zürich-Paris mit dem TGV Lyria, 1. Klasse. Weiter gibt es Bücher-Gutscheine von Orell Füssli zu gewinnen.
Orell Füssli Buchhandlung Kramhof
Füsslistrasse 4, 8002 Zürich
Datum: 27.10.2012
Beginn: 17.00
Im Frankfurter Literaturhaus sprach Durs Grünbein mit der Literaturkritikerin Insa Wilke über seinen neuen Lyrik-, nein, Gedichtband, denn: „Die Lyra ist zerbrochen, die Lyrik ist gestern gestorben.“ Der Prosa prophezeite der Dichter aus Berlin eine große Zukunft als Ergründerin der menschlichen Psyche – vor allem dem gängigen Familienroman, nach dem ihn Hausherr Hauke Hückstädt gefragt hatte. Für ihn aber sei der Vers die Vertiefungsform schlechthin. / Claudia Schülke, FAZ
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BRUCE ANDREWS / CHARLES BERNSTEIN / DENNIS BÜSCHER-ULBRICH / RICHARD DURAJ / CHRISTIAN FILIPS / MARA GENSCHEL / FRIEDRICH HÖLDERLIN / FRANCES KRUK / NORBERT LANGE / SWANTJE LICHTENSTEIN / BRIGITTE OLESCHINSKI / TIBOR SCHNEIDER / MARTIN SCHÜTTLER / PHILIPP STADELMAIER / HANS THILL / ULJANA WOLF
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HERAUSGEGEBEN VON TOBIAS AMSLINGER / NORBERT LANGE / LÉONCE W. LUPETTE
UNTER DER SCHIRMHERRSCHAFT DER LYRIKKNAPPSCHAFT SCHÖNEBERG
Münster. – Der diesjährige Literaturförderpreis der GWK-Gesellschaft für Westfälische Kulturarbeit, Münster, geht an den Lyriker Christoph Wenzel für seine unveröffentlichten Gedichte aus „matte wetter“. Die renommierte Auszeichnung für herausragende Nachwuchsautoren aus Westfalen-Lippe ist mit 4.000 Euro und der Aufnahme in ein mehrjähriges Förderprogramm der GWK dotiert.
Christoph Wenzel wurde 1979 in Hamm geboren und lebt als freier Autor und Herausgeber in Aachen. Der Lyriker, so die Juroren Norbert Wehr, Jan Valk und Martin Kordic, sei ein poetischer Archäologe der westfälischen Landschaft. Seine souverän gearbeiteten, konzentriert-reduzierten, dennoch zugänglichen Gedichte entwerfen ungewöhnliche Perspektiven auf den Alltag etwa im Ruhrgebiet und hätten einen ganz eigenen Ton.
Der Literaturpreis wird zusammen mit den GWK-Förderpreisen für Kunst und Musik am 17. November 2012 um 19.00 Uhr in den Flottmann-Hallen in Herne verliehen. Die Preisverleihung ist öffentlich. Infos auch unter: www.gwk-online.de
Mittwoch gegen 22:30 Uhr vorgetragen von Norbert Lange im Greifswalder Koeppenhaus. Jetzt bei karawa.net #004.
Charles Bernstein liest an der »New School for Social Research« in New York, im Rahmen eines Marketing-Events anlässlich des Erscheinens von The Best American Poetry 2008. David Lehman ist der Herausgeber der Reihe Best American Poetry; Robert Polito ist der Leiter des Literaturprogramms der New School.
Sehr geehrter Vorstandsvorsitzender Herr Dr. Lehman, sehr geehrter Schriftführer Herr Dr. Polito, erlesene Lyriker und Leser, mein Damen und Herren — Ich bedaure die Festlichkeiten des heutigen Abends mit einer wichtigen Mitteilung unterbrechen zu müssen. Wie Sie wissen, verstopft das Überangebot illiquider, insolventer und in der Krise befindlicher Gedichte die literarischen Arterien der westlichen Welt. Diese hochverschuldeten Gedichte drohen nun auch andere Bereiche des Literatursektors zu infizieren und schließlich unsere Kulturindustrie insgesamt ins Wanken zu bringen.
Die Troika der kulturellen Elite hat sich versammelt, um eine massive Lyrikübernahme bekannt zu geben: kreditgestützte und ungedeckte Gedichte, Poesie-Derivate, säumige und Subprime-Gedichte werden durch den größten Lyrik-Rettungsschirm seit der viktorianischen Epoche aus dem Umlauf genommen. Es ist unsere Überzeugung, dass dies ein umfassender und richtiger Plan ist, um den Druck von unseren literarischen Institutionen und Märkten zu nehmen.
Lassen wir uns nicht täuschen: die neoliberal-konservativen Grundlagen unserer Lyrik sind solide. Das Problem ist nicht die Lyrik, sondern sind die Gedichte. Die Krise ist herbeigeführt worden durch die Ausweitung der Lyrikschulden — von Gedichten, die unkontrolliert am Markt zirkulieren und infolge ihrer Schwierigkeit, Inkompetenz oder Belanglosigkeit wirtschaftlichen Schaden verursachen.
Illiquide Lyrikanlagen unterbrechen den für unsere Literatur so lebenswichtigen Phantasiefluss. Wenn das Literatursystem arbeitet, wie es sollte, fließen Lyrikanlagen von und zu Lesern und Autoren, um einen produktiven Teil des kulturellen Feldes zu bilden. Wenn aber weiterhin toxische Lyrikpapiere das System blockieren, könnte diese Vergiftung des Literaturmarkts unsere kulturellen Institutionen irreparabel beschädigen.
Wie wir wissen, haben nachlässige Kompositionsverfahren und Schreibpraxen seit Beginn des Modernismus zu verantwortungslosen Lyrikern und verantwortungslosen Lesern geführt. Einfach gesagt: Zu viele Lyriker haben Werke verfasst, die keine verlässliche Ausrichtung besitzen. Wir sehen heute, wie sich das auf die Lyrik auswirkt, mit einem massiven Vertrauensverlust von Seiten der Leser. Was als Problem bonitätsschwacher Lyrik auf unregulierten Lyrik-Websites begann, hat auf andere, stabilere Literaturmagazine und -verlage übergegriffen und entscheidend zu einem Überschuß von Lyrikinventaren beigetragen, die verantwortungsvolle Gedichte im Wert gedrückt haben.
Die Risiken, die von Lyrikern eingegangen wurden, waren zu groß; eine tiefgreifende ästhetische Fahrlässigkeit. Die Zeit der Dekadenz muss und wird ein Ende nehmen. Mit der obligatorischen Aufsicht und Regulierung von Kompositionsverfahren und Veröffentlichungspraxen.
Es ist unser fester Glaube, dass unser Kultursektor – sind diese Gedichte erst aus dem Umlauf genommen – sich erholen wird und Leser das Vertrauen in die amerikanische Literatur zurückgewinnen werden. Wir schätzen, dass für eine erfolgreiche Übernahme alle nach 1904 geschriebenen Gedichte aus dem Umlauf genommen werden müssen.
Dies wird ein Neuanfang sein, die neue Morgendämmerung eines neuen Tages. Wenn Leser nicht länger Gefahr laufen, von illiquiden Gedichten überwältigt zu werden, können wir eine literarische Kultur mit einer soliden ästhetischen Basis schaffen.
Mein Name ist Charles Bernstein und ich stehe hinter dieser Mitteilung.
Vgl. L&Poe #137, 30.9. 2008: Regulierung. – Mehr
Die Lyrikerin Nora Gomringer dichtet für das SZ-Magazin, schreibt das SZ-Magazin. So beginnt es: Erkläre mir, Muse, die Männer,
„Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch.“ Aus dem Satz Adornos spricht die tiefe moralische Erschütterung, die eine ganze Generation Intellektueller und Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg prägte. Felicitas Frischmuth (1930-2009) war Adorno-Schülerin, hatte den Krieg als Mädchen in Berlin erlebt, ihren Vater verloren, bevor sie ihr Leben dem Schreiben widmete. Frischmuth verstand Adornos Satz offenbar nicht als Diktum. Und doch ist ihr Werk von jenem grundlegenden Gefühl der Erschütterung geprägt. „Die Kunst hat die Aufgabe, Chaos in die bestehende Ordnung zu bringen“, ist ein weiterer Aphorismus Adornos. Genau das tat Frischmuth mit ihrer Lyrik, die inhaltlich wie formal Kausalitäten und vermeintliche Gewissheiten in Frage stellt: „erleben ist nicht erleben ist das Erlebte / das nicht Erlebte ist erlebt.“ (aus dem ersten Gedichtband „Papiertraum“ von 1977). / Johannes Kloth, Saarbrücker Zeitung
Lesereihe für neue Lyrik
Die junge Lyrikszene floriert, wir stellen ihre spannendsten Vertreter vor; Dichter/innen einer Generation, die einen die Angst vorm Neuen fürchten lehren – drei Stimmen auf dem Papier eines Abends.
1. 11. 2012, 20 Uhr
Kulturzentrum Einstein, Einsteinstr. 42, München
Es lesen: Daniela Seel (Berlin) – Martina Hefter (Leipzig) – Andrea Heuser (München)
Moderation: Walter Fabian Schmidt und Tristan Marquardt
Mit einer Ausstellung von Andreas Chwatal und einer Installation von Tillmann Severin
… Bayern:
Einer der führenden deutschen Lyrikverlage (Anton Leitner Verlag) hat Enderles Gedicht „Wenn Bäume reden könnten“ als eines der herausragendsten der letzten drei Jahre in die Jubiläumsausgabe zu seinem 20-jährigen Bestehen aufgenommen und es zugleich zu einem der „besten Gedichte für die nächsten 20 Jahre“ gekürt. Ein lyrischer Pluspunkt für Manfred Enderle, und ein wichtiger Baustein zur Festigung seines dichterischen Rufes über pilzfachliche Qualitäten hinaus. / Augsburger Allgemeine
Naja. Führend in Bayern vielleicht. Wenn es sich die Bayern gefallen lassen wollen. Führende deutsche (wenn wir Schweiz und Österreich beiseitelassen wollen) Lyrikverlage sind Kookbooks und Luxbooks, Frank, Schöffling, Lyrikedition 2000, Poetenladen, Fixpoetry und ein paar andere, von den großen Verlagen spielt wohl nur noch Suhrkamp in dieser Liga, und es kämen noch viele kleinere und junge Verlage an die Reihe, aber Leitner? Vielleicht in Bayern (s.o.).
Die Zeitschrift „Das Gedicht“ war anfangs ziemlich gut und nützlich und ist immer noch sehr erfolgreich. Seit sie sich lautstark zum „Zentralorgan der Realpoesie“ ausruft, ist sie endgültig und auf dem besten Wege, zunehmend seriöse Beiträger zu verprellen. Immerhin habe sie sich nach eigenen Angaben besonders am Anfang auch der „komplexen Lyrik“ gewidmet, bis sie „sich mehr und mehr … zum klaren poetischen Ausdruck hinbewegte“ (Leitner im Editorial). Matthias Politycki spricht noch deutlicher von einer „tendenziell hermetischen Lyrik“, wie sie insbesondere in den ersten Ausgaben „gut“ vertreten sei. Ein Blick in das Gesamtverzeichnis, wer ist gemeint (in Klammern die Nummer der Hefte, in denen sie vertreten waren unter den bislang 20, kleine Auswahl): Kurt Aebli (3), Arnfrid Astel (5), Jürgen Becker (3), Thomas Böhme (4, 8), Volker Braun (5), Franz Josef Czernin (3, 5, 8), Michael Donhauser (3, 5), Gerhard Falkner (6), Rolf Haufs (4), Norbert Hummelt (8), Wulf Kirsten (4), Thomas Kling (7), Marion Poschmann (12) usw. Wenn das die blutleere, hermetische, akademische, „krautige“, „verquaste“, komplexe und unlesbare (irreale) Lyrik ist, die sie dort nicht mehr haben wollen, dann wird es wohl Zeit, mein Abo zu beenden.
Soweit die Zeitschrift. Was die übrige Produktion des Anton Leitner Verlages betrifft, so ist die alles andere als führend. Allenfalls regional von Belang. Führend in Bayern? (siehe oben)
Im Rahmen der EZB-Kulturtage führte Denis Cointes Performance „Die Dichte“ im Schauspiel Frankfurt ein Gedicht Marie NDiayes auf. Die Autorin nahm daran teil.
Ist der inszenierte Text „Y penser sans cesse“ („Unablässig daran denken“) ein Gedicht? Gewiss – er besteht ja aus freien Versen hoher Qualität und fügt sich als erzählendes Langgedicht in eine lange Tradition. Doch hat die Prix-Goncourt-Trägerin NDiaye ihn eigens für die Performance verfasst. Da NDiaye zudem auf der Bühne vorliest, steht „Die Dichte“ einer Autoren- oder szenischen Lesung nahe; hinzu kommen zwei Musiker mit ihrem bedächtigen Beitrag und Performer Cointe. Unter Projektionen Berliner S-Bahn-Fahrten lassen sie das Sprachkunstwerk erzählen, das sich sein eigenes Genre schafft: zwischen mündlicher Dichtung und Postdramatik, purer Lyrik und Poetry Slam. / Marcus Hladek, Frankfurter Neue Presse
Marie Ndiaye wurde 1967 in Frankreich geboren. 2009 erhielt sie als erste schwarze Autorin den Prix Goncourt für ihren Roman Trois femmes puissantes (deutsche Ausgabe Drei starke Frauen, Suhrkamp Verlag, Berlin 2010). Das Buch erlebte eine Gesamtauflage von 440.000 Exemplaren. Mit der Wahl von Nicolas Sarkozy zum Staatspräsidenten zog Marie NDiaye mit ihrer Familie nach Berlin. Nur in der französischen Wikipedia steht diese Passage:
In einem Interview in Les Inrockuptibles vom 30.8.2009 erklärte sie über das Frankreich Sarkozys: „Ich finde dieses Frankreich monströs. (…) Wir haben uns gleich nach den Wahlen entschlossen, nach Berlin zu ziehen, hauptsächlich wegen Sarkozys, selbst wenn das snobistisch klingen mag. Ich finde diese Atmosphäre von Überwachung und Vulgarität verachtenswert… Besson, Hortefeux, all diese Menschen finde ich empörend. „
Sie fügte hinzu: „Ich erinnere mich an einen Satz von Marguerite Duras, der im Kern ein bisschen albern ist, aber den ich liebe, auch wenn ich ihn nicht auf meine Kappe nehme, sie sagte: „Die Rechte, das ist der Tod.“ Für mich repräsentieren diese Menschen eine Form des Todes, der Verdummung des Denkens, der verweigerten Differenzierung. Natürlich ist auch Angela Merkel eine Frau der Rechten, aber sie hat nichts mit der Rechten Sarkozys gemein: sie hat eine Moral, die der französischen Rechten fehlt.“*
* ) Interessanterweise übersetzt Googles Übersetzer das gleiche Wort droite, rechts, Rechte, dreimal anders, erst Right, dann richtig, dann Recht: „Right, c ‚ist der Tod. … Und selbst wenn Angela Merkel eine Frau ist richtig, es hat nichts mit dem Recht der Sarkozy zu tun: Es hat ein moralisches Recht hat kein Französisch.“
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