140. Brandenburgischer Lyrik-Literaturpreis

Uwe Carow hat den Brandenburgischen Lyrik-Literaturpreis gewonnnen. Wer am Samstag zur Preisvergabe des Literaturkollegiums Brandenburg in den Treffpunkt Freizeit aufbrach, ließ sich auf eine Zeitreise ein. (…)

Den Preisträger dieser regionalen lyrischen Bestandsaufnahme hatte im Vorfeld eine fünfköpfige Jury aus 35 anonymen Einsendern erwählt, die sich zuvor mit Gedichten zum Thema „Ungesehen, ungehört, ungesagt“ um den mit 500 Euro dotierten Preis beworben hatten. Die Laudation auf Uwe Carow hielt traditionell die im Vorjahr Ausgezeichnete: Hanna Haupt beschrieb Carows Lyrik als „Das an der Verzweiflung Verzweifelnde“ und meinte „einen Menschen hinter diesen Worten atmen zu hören“. / Märkische Allgemeine

139. Frühe Sprachkunst und Mord

„Führe mich, Alter, nur immer in deinen geschnörkelten Frühlings-Garten! Noch duftet und taut frisch und gewürzig sein Flor.“ besingt Mörike den Dichter  und Thomas Neumann schreibt auf literaturkritik.de „Und so ist es denn vor allem die leichte, poetische Sprache, die man an mancher Stelle seines Werkes – und auch im vorliegenden Band – in Vollendung finden kann. Seine Virtuosität hat in der deutschen Sprache keinen Vorgänger. Er beschäftigt sich mit der Natur, schreibt poetische Verse über Naturschönheit und zeichnet grüne Idyllen mit Worten. Dass dies in einer Zeit passiert, wo die Frühaufklärung gerade das Mikroskop und andere moderne technische Errungenschaften entdeckt, erscheint zwar zuerst anachronistisch, weist aber in der sprachlichen Gestaltungsdichte letztendlich über seine Zeit hinaus.“ Ich verstehe nicht, warum die Erfindung des Mikroskops Brockes Idyllen alt aussehen ließe, man denke die Hainbund- Voßidyllik kommt erst noch, zu schweigen von der Romantik. Oder, schon eher richtig, wenn auch von Vorurteilen „organischen Fortschritts“ geprägt, Brockes wäre zu früh? Aber was soll das Mikroskop dann dabei. Überhaupt: Als Brockes zu schreiben beginnt, ist das Mikroskop 100 Jahre alt … Also er ist ungefähr Zeitgenosse dieser Erfindung wie wir Zeitgenossen der Erfindung des Tonfilms sind. Alles weitere hier

138. Ernst Meister: Der Lyriker als Maler

Das Museum für Westfälische Literatur zeigt in der Ausstellung „Ernst Meister: Der Lyriker als Maler“ vom 22. November 2012 bis 3. März 2013 Aquarelle, Farbstift- und Pastellkreidezeichnungen, gerahmt von Handschriften und Fotografien des Künstlers.

Literatur und bildende Kunst – Ernst Meister fühlte sich in beiden Disziplinen zu Hause. Das verbindet den Büchner-Preisträger etwa mit Hermann Hesse oder Günter Grass. Über drei Jahrzehnte war der Lyriker auch als Maler tätig. Ernst Meister hat ein grafisches Werk geschaffen, das über 1000 Arbeiten auf Papier umfasst. „Seine eigene künstlerische Handschrift bildete sich aus verschiedenen Einflüssen und Freundschaften mit anderen Malern wie etwa Hans Kaiser oder Emil Schumacher“, so Dr. Hermann Arnhold, Direktor des LWL-Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Münster. Ernst Meister, dem 1979 posthum der Georg-Büchner-Preis verliehen wurde, hat sich seit den 1950er Jahren mit den aktuellen Tendenzen der Zeit auseinander gesetzt – sowohl lyrisch als auch bildnerisch.

Meisters Bilder stehen für sich und sind keine Illustrationen seiner Gedichte. „Dennoch ist es spannend, Verbindungen und Unterschiede zwischen Ernst Meister, dem Lyriker und Ernst Meister, dem Maler zu suchen und auch zu finden.“, begründet Prof. Dr. Walter Gödden, wissenschaftlicher Leiter des Museums für Westfälische Literatur, die Entscheidung, Meisters bildnerisches Werk auch im Literaturmuseum in den Fokus zu stellen. Die Spontanität, in der seine Bilder entstanden sind, steht beispielsweise in starkem Kontrast zu der Entstehung seines schriftstellerischen Schaffens: in der Lyrik hat immer ein längerer Prozess der Reduktion stattgefunden.

Ernst Meister selbst sah die Gemeinsamkeit in seinem lyrischen und seinem bildnerischen Werk in der Motivation zu beginnen: „Das Malen bedeutet den Umgang mit Farben, mit dem Stift; und das Substantielle daran ist natürlich der Entwurf, der aufgrund des ersten Einfalls entspringt. Und in diesem ersten Einfall, jetzt beim Malen sowie beim Schreiben, reizt es mich, einen ersten Strich zu machen.“

Die Ausstellung im Museum für Westfälische Literatur zeigt 21 seiner malerischen Arbeiten. „Im Ausstellungsraum des Literaturmuseums können Meisters Bilder ihre ganz besondere Wirkung entfalten“, sagt Dr. Tanja Pirsig-Marshall, Kuratorin für die Klassische Moderne am LWL-Landesmuseum in Münster. Sie hat die Ausstellung und das Bestandsverzeichnis der Zeichnungen und Aquarelle erarbeitet.

Eine Ausstellung des LWL-Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Münster in Zusammenarbeit mit dem Museum für Westfälische Literatur.

Mehr: www.kulturgut-nottbeck.de

Foto: LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte

 

Museum für Westfälische Literatur – Kulturgut Haus Nottbeck

Landrat-Predeick-Allee 1

59302 Oelde-Stromberg

 

Öffnungszeiten:

Dienstag – Freitag: 14.00 – 18.00 Uhr

Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00 – 18.00 Uhr

137. Affirmation / gebrochen

„Nicht von Arbeitern ist hier die Rede“, wie es in Höllerers Langgedicht „Die Stimme von Blake“ in der „Randnummer“ heißt, nicht „von Industrie und Proletariat, es ist die / Rede von jungen Technikern, die // mit dem flippenden Geräusch einer angeblichen / Nichtanstrengung die Sicht / verändern und eine / dahinstreichende Zeit“. Die Welt der Programmierer beginnt ihre Bewohner zu konditionieren und ruft nach Verweigerung; „die scharfe Linie der Affirmation / gebrochen / und dann die Versuchsanordnung / dem Phantastischen Benennbares abzugewinnen / durch / auf ja-und-nein-Futter / abgerichtete / Insekten“.

Gräfs Hang zur Kanonisierung, der den Dichter zwischen amerikanischen Beat Poets und Rolf Dieter Brinkmann ansiedelt, und Bresemanns Neigung, aus Höllerers sprachanalytischer Kybernetik noch einmal Subversionsfunken zu schlagen, mögen zwei Seiten derselben Sache sein. Das überraschende Interesse am Dichter Höllerer dürfte ansonsten aber weiterhin der seltenen Dreieinigkeit von Schriftsteller, Literaturwissenschaftler an der Technischen Universität und Erfinder des „Literarischen Colloquiums“ am Wannsee geschuldet sein.

/ Gregor Dotzauer, Tagesspiegel

  • Randnummer Nr. 5, 8,00 Euro + 1,40 Euro Versand; 256 Seiten
  • Sprache im technischen Zeitalter Nr. 203, Oktober 2012

136. Cover Story

100 Jahre alt ist die Zeitschrift Poetry. In den ersten zehn Jahren wurde sie die führende Lyrikzeitschrift in englischer Sprache. Die Zeitschrift entdeckte Gwendolyn Brooks, James Merrill und John Ashbery. T. S. Eliots „Love Song of J. Alfred Prufrock“ erschien hier wie Beiträge von Ezra Pound, H.D., Robert Frost, Langston Hughes, Edna St. Vincent Millay, Marianne Moore, William Butler Yeats, Rabindranath Tagore, William Carlos Williams, Joyce Kilmer, Carl Sandburg, Charlotte Wilder, Robert Creeley, Wallace Stevens, Basil Bunting, Yone Noguchi, Carl Rakosi, Dorothy Richardson, Peter Viereck, Louis Zukofsky, Charles Reznikoff, E.E. Cummings, Frank O’Hara, Allen Ginsberg, Ernest Hemingway, James Joyce, Gertrude Stein und Tennessee Williams.

Heute hat sie eine Auflage von 30.000 Stück und druckt 300 Gedichte im Jahr, die sie aus 100,000 Einsendungen auswählen kann. Eine mehrfache Einsenderin, die immer abgelehnt wurde, Ruth Lilly, schenkte der Zeitschrift vor 9 Jahren 200 Millionen Dollar.

Zum Jubiläum hier ein Essay von Paul F. Gehl über die typographische Geschichte der Zeitschrift. 

 

(Zahlen und Namen von Wikipedia)

135. Keine Trostpflaster

Der Lyriker Matthias Kehle liebt Mehrdeutigkeiten, die zum Denken anhalten. Das Gedicht „Kiesgrube“ beginnt mit den Worten: „Hier bauen sie auf Sand“. Wer auf Sand baut, hat gewöhnlich gute Gründe anzunehmen, dass seine Absichten scheitern müssen. Hier aber ist von einem Betrieb die Rede, der im wörtlichen Sinn auf Sand baut. Ein anderes Gedicht beginnt so: „Ein Weg über / Toteis leichteres Gehen“. Als Fachbegriff der Glaziologie bezeichnet Toteis Gletscherteile, die mit dem aktiven Gletscher nicht mehr verbunden sind, sich nicht mehr bewegen, ein infolge Klimaerwärmung vermehrt auftretendes Phänomen. Wir wohnen einer Gebirgswanderung bei, doch in der sprachlichen Vergegenwärtigung scheint ein Hof zusätzlicher Bedeutungen auf, die die Szene ins Sinnbildliche heben. Die anklingende Redefigur des über Leichen Gehens spielt auf die Hybris des Umweltsünders Mensch an. „Wann reißt die Zunge ab? / „Ganz oben bleibt noch Eis / für’s nächste Jahrhundert“. So lesen wir, wenig beruhigt. (…)

Kehles Gedichte wollen keine Trostpflaster für die Wunden des Daseins sein. Sie sind selbst „ein Moment ohne Unterschlupf“. Wer sie liest, dem ist der Fluchtweg in die literarische Idylle versperrt. / Hans-Dieter Fronz, Badische Zeitung 24.11.

Matthias Kehle: Scherbenballett. Gedichte. Verlag Klöpfer & Meyer, Tübingen 2012. 124 Seiten, 15 Euro.

134. Russische klassische Moderne

Im eben zitierten Artikel spricht Olga Martynova über vergessene Autoren der klassischen russischen Moderne, von denen zur Zeit viele in Deutschland erstmals oder wieder gedruckt werden. Ich zitiere bloß mal, was sie über Lyriker darunter schreibt:

Die Novelle … ist Michail Kusmin (1872–1936) gewidmet, einem der wichtigsten und bis heute einflussreichen Lyriker der klassischen Moderne. Im Leningrad der zwanziger und dreissiger Jahre versammelte er jüngere Künstler um sich, die nicht der sozialistisch realistischen Ästhetik folgen wollten, darunter auch Wsewolod Petrow, den künftigen renommierten Kunsthistoriker. (…)

Und es gibt immer noch vieles, das der Entdeckung harrt. Die Dichterin Anna Radlowa (1892–1949) etwa, die wie Wsewolod Petrow nach der Revolution zum Kreis von Michail Kusmin gehörte. Sergei Prokofjew beschreibt in seinem Tagebuch, wie er Kusmin im Haus von Anna Radlowa und ihrem Mann, dem berühmten Regisseur Sergei Radlow, traf und sich angesichts der ärmlichen Kleidung des Dichters für seinen Pariser Mantel mit seidenem Futter zu schämen begann. Radlowa schrieb Ende der dreissiger Jahre «Powest über Tatarinova», das von der rätselhaftesten aller russischen Sekten, den Kastraten, erzählt. (…) Das Ehepaar Radlow gelangte im Zweiten Weltkrieg aus dem von der Wehrmacht besetzten Nordkaukasus nach Deutschland. Es kam nach dem Krieg freiwillig zurück, wurde der Kollaboration mit dem Feind bezichtigt und ins Straflager geschickt, wo Radlowa 1949 starb. Ihre Werkausgabe erschien erst 1997.

Und ihr Fazit:

Noch immer steht der russische Realismus des 19. Jahrhunderts hoch im Kurs, doch lohnt es sich, den Blick zu wenden, um zu erkennen, dass in der russischen Sprache eine zweite, ganz andere, aber nicht weniger grossartige Klassik existiert.

/ NZZ 24.11.

133. Den heutigen Deutschen

Deshalb bin ich sehr vorsichtig, wenn politischer Protest durch schlechte Kunst ausgedrückt wird. Das war auch so bei der heute vergessenen und vor einigen Jahren gefeierten Lyrikerin Alina Wituchnowskaja, die wegen Drogen festgenommen wurde, was weltweite Proteste hervorrief. Das führte dazu, dass erstens ihre durch nichts interessanten Gedichte erschienen und zweitens eine nationalbolschewistische und neofaschistische Aktivistin mancherorts als Heldin gefeiert wurde. Prilepin kommentierte ihren Erfolg so: «Riskante Schlussfolgerung: Den heutigen Deutschen sind die russischen Faschisten (ästhetisch!) näher als die Antistalinisten, die man gründlich satthat.» Solche Komplimente erntet man, wenn man ohne Verstand und Kenntnis Urteile über Kultur und Politik eines fremden Landes abgibt. / Olga Martynova, NZZ

132. Versteckspiel

Inzwischen hat Jan Wagner als Stipendiat der Villa Massimo längere Zeit in Rom verbracht – und uns ein weiteres trickreiches Versteckspiel beschert. In seinem neuen Gedichtband mit dem merkwürdig schönen Titel «Die Eulenhasser in den Hallenhäusern» stellt er uns als Herausgeber drei verborgene Lyriker vor. Alter Egos allesamt. Aus den Tiefen der Imaginationskraft geborene und zugleich mit souveränem Witz konstruierte Existenzen.

In ihrer eigenen Herkunft, ihrem Lebenswerk und ihrem Scheitern so selbstsicher verankert, als hätten sie leibhaftig gelebt. Nicht nur ihre Verse, welche durch raffinierte pseudoakademische Kommentare beglaubigt werden, auch ihre mit empathischer Akribie erfundenen Biografien stehen mit Realität erheischender Ironie für das ebenso eigenständige wie eigenwillige Schaffen dieses Dreigestirns ein. Aber auch für die feine Selbstironie ihres Schöpfers, der sich durch seine Geschöpfe zuweilen selber an der Nase nimmt. / Andreas Langenbacher, NZZ

Jan Wagner: Die Eulenhasser in den Hallenhäusern. Drei Verborgene. Gedichte. Hanser Berlin, Berlin 2012. 125 S., Fr. 24.90.

131. Auch im Napa County

„Ich war dabei, als die Lyrik im Napatal aufblühte, in den 70er und 80er Jahren, und dann langsam buchstäblich zum Stillstand kam“, sagte Leonore Wilson, die Botschafterin für Lyrik und künstlerische Literatur im County.* „Kaffeehäuser wollten keine Lesungen mehr, Buchhandlungen auch nicht. Die Dichter verstreuten sich – schreibend und überwinternd im Privatraum ihrer Wohnungen. / Napa Valley Register

*) Sie ist Poet laureate ihres Bezirks im Napatal, Kalifornien. Immerhin halten sich nicht nur die Union sondern auch die Bundesstaaten und viele Städte „ihre“ Dichter. Mit einer echten Funktion für die Literatur, nicht wie unsere Stadt- und Talschreiber. Weiß aber nicht genau ob angemessen bezahlt oder ausgebeutet-ehrenamtlich.

130. Wie beim Griechen

Mit den Gedichten von Durs Grünbein ist das immer so eine Sache: Zu viel davon, und man fühlt sich wie nach einem Besuch beim Griechen um die Ecke, wo man die gemischte Grillplatte für zwei Personen verzehrt hat – allerdings allein. Schwer liegen die lyrischen Kalorienbomben im Magen, dazu kommt ein leicht papierner Nachgeschmack. Gegen das Sodbrennen hilft eigentlich nur eine lakonische Zeile von Günter Eich: »Zuviel Abendland, verdächtig.« / Christof Siemes, Die Zeit

Durs Grünbein: Koloss im Nebel
Gedichte; Suhrkamp Verlag, Berlin 2012; 226 S., 25,00 €

129. Bayerische Amazone

„Frauen waren Menschen zweiter Klasse und dahinten, im Bayerischen Wald, noch mehr, und da hat sich die Emerenz Meier mit ihrer ganz geringen Schulbildung hingesetzt und beschlossen, sie wird Dichterin. Das muss man sich mal vorstellen. Das war wahrscheinlich ein Skandal, eine Sensation, die Leute haben sie bestimmt ausgelacht. Die Eltern haben es ihr ja verboten und sie hat es trotzdem getan, ist trotzdem dabei geblieben und einfach strikt ihren Weg gegangen“, sagt Michaela Karl, Autorin des Buches „Bayerische Amazonen“. / BR

  • 16. Landshuter Literaturtage „Emerenz Meier und die Auswanderung nach Amerika“, noch bis 28. November 2012 .
  • „Emerenz Meier – Gesammelte Werke“, Herausgegeben von Hans Göttler, sind im Morsak Verlag erschienen.
  • Michaela Karl: „Bayerische Amazonen: Zwölf Frauenporträts aus zwei Jahrhunderten“ ist im Piper Verlag erschienen.

128. Ein Sonett aus 10 hoch 14

Nach Raymond Queneau : 100.000 Milliarden Gedichte

Deutsch von Ludwig Harig

Zusammengestellt am 9.11. im Seminar Experimentelle Literatur / Learning by doing

Die statistische Wahrscheinlichkeit daß jemand dieses Gedicht schon einmal gesehen hat ist verschwindend gering. Auch nicht der Autor (der ist tot) oder Übersetzer (der lebt!). Eine Weltpremiere!

 

Wenn sich der Eine um die Andere bemüht
Seitdem daß Lord Elgin die Nüstern ließ verdrecken
Die Toga die er trägt ist keineswegs splendid
Und alles kommt und zeigt dir schließlich das Verrecken

Erinnert Freunde euch an dieses Friesenried
Aus lauter Albernheit den Mann vom Land zu schrecken
Erfroren sind wir fast und nackt im Eisgebiet
Nicht jedem steht der Sinn nach dem verbalen Schrecken

Vom Ganges krächzt der Lord zum Malabarenstrand
Man salzt den Haifisch ein, man zündet Räucherbrand
Und Sokrates gilt noch im Tod als Stachelschwein

Ach Bruder ich versteh dein Quasseln manchesmal
Man transportiert den Schutt Gerümpel Piedestal
Sobald die Glocke schweigt mit ihren Bimmelein.

127. Die famosen „Lietzenlieder“

Das Selbstporträt des Dichters als Vineta-Forscher und meckerndes Blässhuhn wird in großartigen Elegien im Ton von Hölderlin und Rilke vorgetragen.

Die famosen „Lietzenlieder“ bilden im neuen Band einen Sonetten-Zyklus, in dem Berliner und Brandenburger Gewässer und ihre Vogelarten als Ort poetischer Selbstvergewisserung aufgerufen werden. In einer Elegie des Zyklus „Lust, Umgang, Sprache“, einer zwischen Pathos und Selbstironie, hohem Ton und Schnoddrigkeit changierenden Selberlebensbeschreibung, taucht der „Eisenhans“ auf, ein „wilder Mann“ aus den Märchen der Gebrüder Grimm, der seine Verfolger und Rivalen auf den Grund eines Tümpels zieht. / Michael Braun, Tagesspiegel

Uwe Kolbe:
Lietzenlieder.
Gedichte. S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 2012. 112 S., 16,99 €.

126. Jeder Tag ein Gedicht

Der deutsche Lyrikkalender 2013 · Jeder Tag ein Gedicht  – lange drauf gewartet, aber jetzt ist er ja da – und zwar in der nunmehr 9. Ausgabe mit 365 Gedichten von mehr als 300 Autoren. Shafiq Naz, der Herausgeber, garantiert, wie in jeder Ausgabe, eine reichhaltige Auswahl klassischer, moderner und zeitgenössischer Gedichte unterschiedlichster Epochen, Stilrichtungen und Stimmen: Gedichte zum Lachen, Gedichte zum Weinen, Gedichte zum Reflektieren und Diskutieren. Erstmals sind zahlreiche Gedichte mit Kommentaren zeitgenössischer Autoren versehen, was dem Kalender zusätzliche Lebendigkeit verleiht.

Der deutsche Lyrikkalender · Jeder Tag ein Gedicht · mit Gedichten von ABRAHAM A SANCTA CLARA (1644-1709) WILLI ACHTEN (1958) HANS ADLER (1880-1957) WOLF VON AICHELBURG (1912-1994) ANDREAS ALTMANN (1963) MICHAEL ARENZ (1954) MICHAEL AUGUSTIN (1953) ROSE AUSLÄNDER (1901-1988) KURT BARTSCH (1937-2010) INGEBORG BACHMANN (1926-1973) WOLFGANG BÄCHLER (1925-2007) KERSTIN BECKER (1969) FRANZ JOACHIM BEHNISCH (1920-1983) ULRICH JOHANNES BEIL (1957) HANS BENDER (1919) GOTTFRIED BENN (1886-1956) EVA-MARIA BERG (1949) ULRICH BERGMANN (1945) JÖRG BERNIG (1964) BEPPO BEYERL (1955) WOLF BIERMANN (1936) RUDOLF GEORG BINDING (1867-1938) HORST BINGEL (1933-2008) NICO BLEUTGE (1972) PAUL BOLDT (1885-1921) JOHANNES BOBROWSKI (1917-1965) MIRKO BONNÉ (1965) ELISABETH BORCHERS (1926) WOLFGANG BORCHERT (1921-1947) NICOLAS BORN (1937-1979) IRÈNE BOURQUIN (1950) BERTOLT BRECHT (1898-1956) MARKUS BREIDENICH (1972) CLEMENS BRENTANO (1778-1842) THEO BREUER (1956) ROLF DIETER BRINKMANN (1940-1975) JÜRGEN BRÔCAN (1965) BARTHOLD HEINRICH BROCKES (1680-1747) ELIZABETH BARRETT BROWNING (1806-1861) HELWIG BRUNNER (1967) WERNER BUCHER (1938) JOSEPH BUHL (1948) WILHELM BUSCH (1832-1908) CHRISTINE BUSTA (1915-1987) GEORG BYDLINSKI (1956) PAUL CELAN (1920-1970) ADELBERT VON CHAMISSO (1781-1838) MANFRED CHOBOT (1947) KARL OTTO CONRADY ( (1926) ANN COTTEN (1982) CRAUSS. (1971) KLAUS PETER DENCKER (1941) FRITZ DEPPERT (1932) STEFAN DÖRING (1954) DOMINIK DOMBROWSKI (1964) HILDE DOMIN (1909-2006) NIKOLAUS DOMINIK (1951) JUTTA DORNHEIM (1936) ULRIKE DRAESNER (1962) ALEX DREPPEC (1968) ANNETTE VON DROSTE-HÜLSHOFF (1797-1848) CLEMENS EICH (1954-1998) GÜNTER EICH (1907-1972) JOSEPH VON EICHENDORFF (1788-1857) FRIEDRICH EISENLOHR (1889-1954) CARL-CHRISTIAN ELZE (1974) PETER ENGEL (1940) HANS MAGNUS ENZENSBERGER (1929) MANFRED ENZENSPERGER (1952) ELKE ERB (1938) PETER ETTL (1954) KARL ETTLINGER (1882-1939) JOLANDA FÄH (1956) TOBIAS FALBERG (1976) BRIGITTE FALKNER (1959) GERALD FIEBIG (1973) CHRISTIAN FILIPS (1981) JULIETTA FIX (1957) PAUL FLEMING (1609-1640) THEODOR FONTANE (1819-1898) ERICH FRIED (1921-1988) WALTER HELMUT FRITZ (1929-2010) BRIGITTE FUCHS (1951) GÜNTER BRUNO FUCHS (1928-1977) CLAUDIA GABLER (1970) SILKE GALLA (1974) MARJANA GAPONENKO (1981) PETER GEHRISCH (1942) SYLVIA GEIST (1963) MARA GENSCHEL (1982) STEFAN GEORGE (1868-1933) ROBERT GERNHARDT (1937-2006) ERIC GIEBEL (1965) JOHANN WILHELM LUDWIG GLEIM (1719-1803) MATTHIAS GÖRITZ (1969) JOHANN WOLFGANG GOETHE (1749-1832) YVAN GOLL (1891-1950) EUGEN GOMRINGER (1925) NORA GOMRINGER (1980) DIETER M. GRÄF (1960) GÜNTER GRASS (1927) UWE GRESSMANN (1933-1969) FRANZ GRILLPARZER (1791-1872) KLAUS GROTH (1819-1899) DURS GRÜNBEIN (1962) ANDREAS GRYPHIUS (1616-1664) KAROLINE VON GÜNDERRODE (1780-1806) JOHANN CHRISTIAN GÜNTHER (1695-1723) HANNS VON GUMPPENBERG (1866-1928) ALEXANDER GUMZ (1974) HANS GYSI (1953) HAFIS (1320-1389) LIVINGSTONE HAHN  * ULLA HAHN (1946) JÜRG HALTER (1980) DIETER HANS (1952) CAROLINE HARTGE (1966) HARALD HARTUNG (1932) JOHANN PETER HEBEL (1760-1826) MARTINA HEFTER (1965) MORITZ HEIMANN (1868-1925) HEINRICH HEINE (1797-1856) HANS-JÜRGEN HEISE (1930) HELMUT HEISSENBÜTTEL (1921-1996) GUY HELMINGER (1963) KERSTIN HENSEL (1961) HERMANN HESSE (1877-1962) STEFAN HEUER (1971) GEORG HEYM (1887-1912) ALFRED WALTER HEYMEL (1878-1914) FRANZ HODJAK (1944) FRIEDRICH HÖLDERLIN (1770-1843) HEINRICH HOFFMANN VON FALLERSLEBEN (1798-1874) CHRISTIAN HOFMANN VON HOFMANNSWALDAU (1616-1679) HUGO VON HOFMANNSTHAL (1874-1929) ARNO HOLZ (1863-1929) PETER HUCHEL (1903-1981) MICHAEL HÜTTENBERGER (1955) NORBERT HUMMELT (1962) KLÁRA HURKOVÁ (1962) MAX HUWYLER (1931) HENDRIK JACKSON (1971) ERNST JANDL (1925-2000) ANGELIKA JANZ (1952) GERALD JATZEK (1956) MATHIAS JESCHKE (1963) ERICH JOOSS (1946)

Die zweite Hälfte dieser dankenswerterweise von Theo Breuer zusammengestellten Liste lesen Sie bei KUNO.