“Do they have trees in Korea? Do the children eat out of garbage/ cans?/
We had a dalmation/ We rode the train on weekends from Seoul to So-Sah where we/ grew grapes”
In provocative poems such as “Into Such Assembly,” Myung Mi Kim makes us at once aware of a heartbreaking divide between the Korea of her memory and of others’ impressions. The new critical anthology of essays by Kelsey Street Press, “Nests and Strangers: On Asian American Women Poets,” records such unspoken narratives of an invisible Asian America in a range of women’s voices. The groundbreaking collection engages episodes of modern poetry by Nellie Wong, Mei-mei Berssenbrugge, Myung Mi Kim and Bhanu Kapil, delving into their moving lyricism with keen attention to detail. / Daily Californian
Wie BBC Persisch meldet und Mitglieder sozialer Netzwerke übersetzten, ist der bekannte iranische Dichter Mohammad Ali Sepanlou (geb. 20. November 1940 in Teheran) am 11. Mail in Teheran gestorben. Er war Mitbegründer des Schriftstellerverbands von Iran und Herausgeber der Zeitschrift des Verbands. Unter dem Schahregime und danach der Mullahführung kämpfte er gegen die Zensur in seinem Land.
Nachruf: Iranjournal
Ulf Stolterfoht, der bekannteste und umtriebigste Aktivist der experimentellen Poesie in Deutschland, hat ein religiöses Buch wider Willen geschrieben. Diese Feststellung ist für die Apologeten der reinen Lehre des experimentellen Gedichts sicher ein Sakrileg ersten Ranges. Und der Autor selber, das darf man unterstellen, wird über eine solche Lesart seines langen Gedichts „neu-jerusalem“, die von einer gewissermaßen unfreiwilligen Sakralisierung des poetischen Stoffs ausgeht, nicht sonderlich glücklich sein. Hat er doch an vielen Stellen seines Gedichts die einschlägigen Warntafeln aufgestellt und reichlich ironische Konterbande eingestreut, um eine naive Rezeption abzuwehren und die religiösen Strahlungen des Stoffs im Zaum zu halten.
Erst kürzlich hat ein kluger Exeget seiner Gedichte noch einmal die Prämissen jedweder Stolterfoht-Interpretation zusammengefasst. Stolterfohts Dichtung, so resümierte Daniel Graf in „Sprache im technischen Zeitalter“ (Heft 212, 2o14), interessiere sich vorwiegend für die instabilen Verhältnisse zwischen den Wörtern und ihren Bedeutungen; und sie arbeite stetig an einer Auflösung aller festen semantischen Bindungen. Für den Dichter sei es ein großes Sprach-vergnügen, den Transformationen und Kollisionen der Wörter bei ihrer Übersetzung in eine andere Sprache zuzusehen und auch aus Zufallseffekten Poesie zu generieren. Und auch Stolterfoht selbst hat schon häufiger gefragt, ob „Fehler-haftigkeit womöglich eine Existenzbedingung“ für die Poesie darstellt. All diese sprachkritischen Überlegungen passen aber nicht so recht zu „neu-jerusalem“. / Michael Braun, Signaturen
Ulf Stolterfoht: neu-jerusalem. Gedicht. Kookbooks Verlag, Berlin 2015. 104 Seiten, 19,90 Euro.
Burg Ranis | Lyrik im Konzert präsentiert in diesem Jahr eine Mischung einzigartiger lyrischer Persönlichkeiten.
Seit Jahren dichtet Thomas Kunst um sein Leben. Liebe ist bei ihm nicht sachlich, Zorn nicht wohltemperiert. Er schreibt von Obsessionen, Süchten, Sehnsüchten, er lauscht dem Dasein die Musik ab, schiefe Töne, weiche Töne. Sein Werk ist inzwischen so umfassend, dass die Edition Azur in diesem Jahr ein Best-of-Buch publizieren wird.
Dominik Dombrowski wurde von seinem Dichterkollegen José F.A. Oliver passend als „Road-Melancholiker“ bezeichnet. „Finissage“, sein erster Gedichtband, handelte von den letzten Dingen, dem kurzen Leben zwischen Nightlife und ewiger Nacht. Er war Stadtschreiber in Hausach und hat soeben sein zweites Buch „Fremdbestäubung“ veröffentlicht.
Romina Nikolic gehört zu den aufstrebenden Lyrikerinnen in Thüringen. Für Ihre Arbeit wurde sie bereits mit dem Walter-Dexel-Stipendium ausgezeichnet.
13.06.2015 18:00 Uhr
Burg Ranis, Ranis
Die Erinnerung an den Eckernförder Dichter und Lyriker Wilhelm Lehmann ist lebendig. Das zeigte der Freitagabend, als auf Einladung der Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft viele Gäste zum Ratssaal kamen. Die Eckernförder Literaturgesellschaft stellte diesmal – und im bereits 11. Jahr ihres Bestehens – wieder eine geglückte Verbindung her: Die wertschätzende Erinnerung an den „Sohn der Stadt“ und sein Werk, dazu Beispiele der heutigen, aktuellen Literatur in Deutschland.
Die bisher ausgewählten drei Preisträger des Wilhelm-Lehmann-Preises (Jan Wagner, Nico Bleutge und Ann Cotton) haben mit dem Dichter Lehmann im weiteren Sinn vieles gemeinsam: Die Nähe zu Natur und Landschaft, dazu die intensive Freude an der Schönheit der Sprache. Der Vorstand der Literaturgesellschaft lud die bisherigen Preisträger zur aktuellen Tagung ein. Jan Wagner und Nico Bleutge konnten nach Eckernförde kommen, und jeder von ihnen brachte eine junge Dichterin, Lyrikerin mit. Jan Wagner wurde begleitet von Ulrike Almut Sandig. Die vierte im Bunde war Kerstin Preiwuß. / Eckernförder Zeitung
Ausverkauft in Münster.Die Westfälischen Nachrichten berichten:
Lyriker Thomas Kunst (Leipzig) begeistert mit trockenem Humor, unprätentiöser Erscheinung im orangen Kapuzenshirt und Coolness. Sein Text von der Suche eines Mannes, der so lange am Strand neben einer Frau herläuft, „bis wir uns lieben“, bleibt im Kopf, bringt Seele und Zwerchfell in Bewegung, auch weil Kunst in seinen Sonetten exzellent erzählt. Seine Pointen zünden. Es gibt Zwischenapplaus, wird herzhaft gelacht. „Ich brauche das Englische, wenn mir auf Deutsch nichts mehr einfällt.“
(…)
Poesiepreis-Träger Charles Bernstein aus Philadelphia an der Ostküste Amerikas spuckt furios Geräusche, Buchstaben, Worte und Slogans aus, wie ein frisch erwachter Vulkan. Selbstironie inklusive: „In Münster bin ich ein protestantischer Dichter.“ Mundfaul reagiert er allerdings auf Fragen. Vier Übersetzer und das Übersetzerkollektiv „Versatorium“ präsentieren mit ihm lieber seine Übersetzungen in einer Performance. Ein schmaler Grad zwischen Kunst und Gaga-Ulk.
Einige irritierte Zuschauer gehen – mit Kommentaren wie „Alles Anarchisten“ und „Zu amerikanisch“.
Bernstein und zwei Übersetzungsteams wurden am Sonntag mit dem Preis für Internationale Poesie der Stadt Münster geehrt. Jurymitglied Urs Allemann brauchte viele Fremdwörter, um in der Feierstunde im Erbdrostenhof das Werk des 1950 in New York geborenen Bernstein zu beschreiben. Der Poet ist eben besonders: Er produziert schräge Lyrik, vom Dadaismus, der die konventionelle Kunst ablehnt, angeregte Lautgedichte und Text-Montagen.
Mit ihm zeichne die Jury einen der „verantwortungslosen Lyriker“ aus, deren Werke keine verlässliche Ästhetik besäßen, meinte Allemann begeistert. „Dass diese ästhetische Fahrlässigkeit auf Bernsteins Übersetzer ansteckend wirkt, ist nicht verwunderlich“, sagte das Jurymitglied.
(…)
Urkunde und Preisgeld – Autor und Übersetzer teilen sich 15 500 Euro – gab es von Oberbürgermeister Markus Lewe. Der philosophierte: „Auch wenn wir alle in einer Sprache sprechen würden, verstehen würden wir uns doch nicht immer.“ / Die Glocke
„Alle haben mich angespuckt, vom 14. Lebensjahr an“, klagte Dino Campana in einem Brief. Doch sofort ergänzte er: „Ich hoffe, irgendeiner wird mich am Ende anstechen. Wisset aber, dass ihr keine Eiterbeule anstecht, sondern den höchsten Alchimisten, der aus dem Schmerz Blut gewonnen hat! Hurra! Ich will stechen und gestochen werden!“ (…)
Im Gegensatz zur Dekadenz des damals berühmten Gabriele d’Annunzio, den Dino Campana verabscheute, setzte der Lyriker aus Marradi auf „leise, reine und ehrlich empfundene“ Dichtung, „die sich im Inneren vollzieht und die von Visionen, transzendenten Wahrnehmungen und mystisch archaischen Zügen bestimmt wird“ (Monika Antes). Den Wert dieser Dichtung erkannten viele Italiener erst Jahrzehnte nach Campanas Tod – heute gilt Campana vor allem in Italien als einer der bedeutendsten Avantgardisten des beginnenden 20. Jahrhunderts. / Sabine Lange, NDR
Der Schweizer Komponist Beat Furrer schrieb eine Oper um den italienischen Dichter Dino Campana (1885-1932), der Eugenio Montale, Giuseppe Ungaretti, Cesare Pavese oder Pier Paolo Pasolini inspirierte. Die Oper, «la bianca notte», wurde am Sonntag in Hamburg uraufgeführt.
Wenn Campanas Sprache mit Straffungen und Dehnungen der Zeit arbeitet, um stille Freiräume mit figurativen Fragmenten oder vehementen Ausbrüchen zu füllen, so reichen sich Campanas sprachklangliche Verwandlungen und Furrers «Metamorphosen des Klanges» (Ender) die Hand.
Dies offenbart auch Furrers neue Oper, wobei allein schon die Biografie Campanas viel Stoff für ein Musiktheater bietet – ein Leben zwischen Entfremdung und Flucht. Vor 130 Jahren in Marradi bei Faenza in der Emilia-Romagna geboren, wird Campana von der Mutter abgelehnt, was starke Aggressionen gegen sie weckt. Im Dorf früh als skurriler, ja verrückter Sonderling belächelt oder gar angefeindet, wechseln sich ab 1906 Fluchtversuche in den Norden Italiens und die Schweiz mit Einweisungen in «Nervenheilanstalten» ab – unterbrochen von einem kurzen Aufenthalt in Südamerika. 1918 wird Campana offiziell für geisteskrank erklärt, 1932 stirbt er in der Klinik Castel Pulci bei Florenz. / Marco Frei, NZZ
Wladimir Majakowskis oftmals beschworene «Tragik» besteht keineswegs darin, dass er sein einzigartiges Talent an die parteiliche Rhetorik verschwendet hat, vielmehr darin, dass er sein Dichter- und Künstlertum niemals ganz zu unterdrücken vermochte. Dies wird man nun in vielen bisher unbekannten Einzelheiten endlich verifizieren können: Vor kurzem sind in Sankt Petersburg die ersten drei Lieferungen einer neuen, auf zwanzig Bände geplanten Werkedition herausgekommen. / Philipp Ingold, NZZ
An einer der intensivsten Stellen variiert Beyer Inger Christensens Formel «es gibt» aus dem Gedicht «Alphabet» über zwei Seiten hinweg: «Es gibt Badezimmer und Bahnhöfe und Offiziere und Teppiche. / Heideggerbücher und Glastischchen und Fernsehstudios und Männer in grünkarierten Hemden gibt es. / Linienbusse gibt es. / Linienflugzeuge und Privatmaschinen und Purser und Schneekatzen. / Katzen. / Katzenbücher. / Grinsekatzen. / [. . .] / Es gibt Kaninchen, wie es Kaninchenbaue gibt. / Und Kaninchenvisagen.» Es ist der Inbegriff einer Realitätsformel, mit der Beyer und Christensen arbeiten. Ein schöneres Beispiel für die Kraft der Imagination lässt sich kaum denken.
/ Nico Bleutge in der NZZ über Marcel Beyers Göttinger Poetikvorlesungen
Marcel Beyer: XX. Lichtenberg-Poetikvorlesungen. Wallstein-Verlag, Göttingen 2015. 78 S., Fr. 18.90.
Der Titel des stattlichen Gedichtbandes „Das Imaginäre und unsere Anwesenheit darin“ von Horst Samson, ediert 2014 beim getreuen Verleger südosteuropäischer Literatur Traian Pop in Ludwigsburg, hat mich ins Grübeln gebracht. Sind wir im Imaginären anwesend oder ist das Imaginäre in uns präsent? Wohl beides, zwei Seiten einer Medaille. Bei Horst Samson muss man auf der Hut sein, denn er stellt Wörter und deren gängige Bedeutung in ganz unerwartete, erstaunliche Zusammenhänge, gedanklich und emotional. Dies gehört gewiss zur Eigenart der Dichtung überhaupt. Doch die lyrischen Texte des in der Bărăgan-Deportation geborenen, im Banat aufgewachsenen Dichters – er ist durch seine Lehrerausbildung und Familie auch Siebenbürgen eng verbunden – sprechen den Leser an durch einen originellen Sprachstil und eigenständig frische poetische Bilder, Vergleiche und Metaphern.
(…) Der Begriff eines „poetischen Chronisten der Auswanderung“ ist hier weiter zu fassen. Dem Dichter geht es nicht so sehr um die Spiegelung des historischen Vorgangs, sondern um dessen Hintergründe und zerstörerische Wirkung auf das Leben der betroffenen Menschen, mit denen er sich identifiziert. An Protest-Gedichte im engeren Sinn – wie jene gegen Willkür und Gewalt in der kommunistischen Diktatur, gegen das Unwesen des Geheimdienstes – fügen sich Verse über Schuld und Verrat. Selbst Bilder der Landschaft und Dinge des Alltags werden zu Zeichen der bedrückenden Innenwelt des Dichters, selbst in thematisch so verschiedenen Gedichten wie „Bei den Sonnenblumen“ oder „Nachruf auf meine Schreibmaschine“: „Sie wusste alles über mich (…) und schrieb/ meine verkorkste Biographie mit, die Historie/ der Familie, Krieg, Deportation, Erniedrigungen (…)/ Doch ich wusste, kein Wort, kein Wort/ würde sie verraten (…)“. / Walter Engel, Siebenbürgische Zeitung
jetzt, tief im eigenen Leib spürst du nicht die Zeit – nur den lautlosen Rhythmus des Herzschlags
Hansjürgen Bulkowski
Junge Menschen, die von der realen Welt angewidert sind, lesen Gedichte. Schauspielschülerinnen, die Blumen an ihrem Fahrrad befestigen, Kleider aus den Fünfzigerjahren tragen und zu Recht nichts mit den imaginären „anderen Menschen“ zu tun haben wollen, lesen Gedichte.
Ich hatte als junger Mensch Borcherts Zeilen „Ich möchte Leuchtturm sein in Nacht und Wind, für Dorsch und Stint, für jedes Boot, und bin doch selbst ein Schiff in Not“ auf eine Leinwand geschrieben und fühlte mich verstanden. Ich war ein Basho-Fangirl und konnte einige Hunderte seiner Texte auswendig – „Auf blattlosem Ast Sitzt allein eine Krähe; Herbstlicher Abend“.
Herbst war immer, die Welt ein feindlicher Ort, der auf mich nicht einmal wartete. Das war die Zeit der Gedichte, und später, denke ich, kommt sie wieder. Wenn es die Welt dann noch gibt und mich, werde ich Gedichte lesen und die Welt begreifen, also mich.
Vermutlich wäre das Leben besser auszuhalten, wenn sich alle, mich selbst eingeschlossen, nur noch mit Kunst beschäftigen würden. Flucht in Schönheit. Rote Samtvorhänge, das leise Absingen von Schubert-Liedern oder das Hören von einem der besten Dichter unserer Zeit, Sido. Dem leisen Betrachten von Ballett-Dvds. / Sybille Berg in ihrer Spiegel-Kolumne
Professor Swianiewicz, einer der wenigen Überlebenden, beschreibt eine Szenerie aus dem Frühjahr 1940 (…): „Ein Kordon von NKWD-Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett hatte den Zug umgeben. Ein kleiner Bus mit weiß angemalten Scheiben fuhr rückwärts an einen Zugwaggon heran. 30 Personen stiegen ein, dann fuhr er über die Straße in den Wald. Nach einer halben Stunde kam der Bus leer zurück, die nächste Gruppe von 30 Mann bestieg ihn.“
Währenddessen wurde auch in den Smolensker Kellern des NKWD im Akkord gemordet, wobei sich hier besonders der mit zahlreichen Verdienstorden ausgezeichnete Major Wassili Blochin hervortat, der zuvor bereits den Schriftsteller Isaak Babel und den Theaterregisseur Wsewolod Meyerhold eigenhändig erschossen hatte. Blochin war befehlsgemäß aus Moskau angereist, mit einem Koffer voll deutscher Walther-Pistolen; pro Tag brachte er 250 bis 300 Polen um. / Marko Martin, Die Welt
Thomas Urban: Katyn 1940. Geschichte eines Verbrechens. C.H. Beck, 2015
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