Letztes Gedicht

Jörg Sundermeier schreibt bei Jungle World einen Nachruf auf Günter Grass und geht darin besonders auf eins der letzten Gedichte des Autors ein,

der unter dem Titel »Was nicht geschrieben wurde« ein Gedicht über Subhash Chandra Bose abliefert, »dessen Strophenfall die schwarze Göttin Kali diktierte«.

Bose, den man auch »Netaji«, also »Führer«, oder, so behauptet es Grass, »Führerlein« nannte, bildete mit Hilfe der Nazis um 1942 eine »Indische Legion«, die formell der Waffen-SS unterstellt war. In Kalkutta, wo Grass sich mehrfach aufhielt (was er in seinem schrecklichen Buch »Zunge zeigen« auch in Text und Bild dokumentierte), wird Bose sehr verehrt. Grass nun, schreibt Grass, wollte ihm ein Theaterstück oder einen Roman widmen, sammelte immer wieder Material dafür, aber: »Daraus wurde nichts. Doch immer noch tickt, was nie zu Papier kam.« (In diesem letzten Satz ist Grassens Sprachkunst zur Gänze enthalten). So blieb es bei dem Langgedicht »Netajis Weltreise«. Darin wird Boses Leben nacherzählt und Gandhi als Widerpart und »dürrer Guru« beschrieben: Boses Reisen durch die Welt und nach Deutschland, die Briten (»die khakifarbenen Herrn«) und der Kampf gegen ihre »wohlgenährten Bataillone«, dann schließlich Boses mutmaßlicher Tod im August 1945. Da »war Japans Sonne schon im Pazifik versunken,/weil atomare Pilze, zwei,/bewiesen hatten, wie total/der Zukunft Zukunft heißen wird.« Das Gedicht schließt mit Mahnung und Warnung: »Doch heut noch lebt er in Bengalen als Legende./Erzählt und auch besungen wird/das Wunder seiner Wiederkehr./Denn frisch geblieben ist der Wahn,/der ihn weltweit getrieben,/Stets sucht er Auslauf, findet neue Bahn.«

Somit ist Grass, der als Lyriker debütierte, mit einem Gedicht abgetreten.

Das Gedicht erschien in »Freipass. Schriften der Günter und Ute Grass Stiftung«, Band 1, herausgegeben von Volker Neuhaus, Per Øhrgaard und Jörg-Philipp Thomsa.

Deutsche Buchpreise

Deutsche Buchpreise gehen gewöhnlich an dicke Romane. Normalerweise handeln sie von Familien und von dem, was diese Familien mit den Nationalsozialisten oder in der DDR erlebt haben, bestenfalls mit ihrer Fremdheit in dem, was Roland Koch weiland „Leitkultur“ nannte, um eine Landtagswahl zu gewinnen. Umso ungewöhnlicher ist, dass der Preis der Leipziger Buchmesse in diesem Jahr erstmals an einen Lyrikband ging, nämlich an Jan Wagners Regentonnenvariationen. Tatsächlich ist der 1971 geborene Wagner unter den Lyrikern der Gegenwart kein Unbekannter, sondern hat für seine Bände seit dem 2001 erschienenen Debüt Probebohrung im Himmel bereits etliches Lob und einiges an Preisen eingefahren. Dabei liegt er durchaus im Trend einer Gedichtkunst, die sich von dem verabschiedet hat, was Robert Gernhardt 1990 das „mürrische Parlando“ der seinerzeitigen Gegenwartslyrik nannte. Deren form- und farblose Zeilen wirkten in ihrer Pathosverweigerung häufig wie in Stücke beliebiger Länge gehackte Prosasätze.

Stattdessen hat sich eine Art von Dichtung durchgesetzt, die sich wieder traditionellen Gedichtformen und dem Reim annähert, ohne diese aber unverändert zu reproduzieren, als hätte es keine Nachkriegslyrik gegeben. Das Ergebnis sind Gedichte, die beinahe Sonette sind, gewöhnliche wie ungewöhnliche Reime, die sich mit Assonanzen und Konsonanzen mischen. Doch wo Durs Grünbein staatstragend und bierernst dichtet, wo Raoul Schrott antike Vorbilder nach eigenem Gusto zurechtbiegt, zeichnet Jan Wagners Verse häufig eine bewundernswerte Leichtigkeit im Umgang mit der Tradition aus. Ein spielerischer Unterton, der aber – anders als Gernhardt – nicht die deutliche Pointe sucht, die dann auch einmal auf Kosten des lyrischen Ichs geht, sondern einfach die Worte als Material verwendet, aus dem er Bilder baut.

So gesehen, sind Wagners Regentonnenvariationen die neueste Folge einer gelungenen Serie – die sechste nach dem bislang letzten Band Die Eulenhasser in den Hallenhäusern (2012), in dem er sich als Herausgeber dreier „vergessener“ (fiktiver) Dichter tarnte. Und wie bereits in früheren Bänden gibt es deutliche thematische Schwerpunkte. Der Titel lässt an Gartenidyllen à la Hermann Hesse denken, und tatsächlich stehen Tiere und Pflanzen im Mittelpunkt vieler Gedichte – Esel, Morcheln, Schwalben, Maulbeeren. Wagners Blick idyllisiert sie aber nicht, sondern sie sind vor allem Anlässe für eine genaue Beobachtung, die über das körperliche Objekt hinausführt. (…)

Aber nicht alle Kritiker sind auf Wagners Lyrik gut zu sprechen. Eine „Eingeweideschau“ nannte Georg Diez die Regentonnenvariationen auf „Spiegel Online“: „Hier feiert jemand das ganz, ganz Kleine, das Superprivatistische, die Landlust und Versenkung, Verklärung, Verkitschung der Natur.“ Wagners Gedichte als Weltflucht zu denunzieren, funktioniert aber nur dann, wenn man übersieht, worauf die in ihnen beobachteten Dinge verweisen. Ebenso gut könnte man Stilllebenmalern des 17. Jahrhunderts vorwerfen, sie hätten ihre Energie an das Abpinseln von Blumen, Lebensmitteln und Totenschädeln verschwendet, während um sie herum der Dreißigjährige Krieg tobte.

Literatur ist zudem weder per se Verweigerung der Wirklichkeit noch deren pflichtgemäße Aufarbeitung, die zufällig zwischen Buchdeckeln statt im ZDF-Dokudrama stattfindet, sondern ein Gefäß, in dem gleichermaßen Raum für Sprachartistik wie für die Reflexion gesellschaftlicher Veränderungen ist. Wer von Wagners Lyrik oder der Prosa Peter Handkes eine demokratisch geläuterte Variante des sozialistischen Realismus einfordert, liegt ebenso daneben wie jemand, der meint, Literatur müsse sich immer und überall der Aufnahme politischer Themen verweigern. Bestenfalls kann sie ohnehin beides, wie Peter Weiss‘ Ästhetik des Widerstands, wie Dietmar Daths Für immer in Honig oder die Romane Irmtraud Morgners beweisen. Diese Beispiele zeigen aber auch, worauf Diez hinauswill: auf eine Kritik am deutschen Gegenwartsroman, genauer, auf die Preisverleihungspolitik deutscher Jurys im Hinblick auf diesen. Eine solche Kritik an einem Lyrikband festzumachen, ist ein Kategorienfehler und ebenso wohlfeil, wie den pauschalen Niedergang der Literatur anhand der lieblos dahingeranzten Stapelware bei den Thalias und Hugendubels dieser Welt auszumachen. Wenn man die Regentonnenvariationen schon vereinnahmen will, dann doch wohl für die Hoffnung, dass die Preisrichter in Leipzig und anderswo sich in Zukunft für ein viel weiteres Spektrum öffnen – dass sie nicht nur verkaufsträchtige Romane prämieren, sondern verstärkt auch Erzählbände, Essays und eben Lyrik. Allein dafür hätte sich die Diskussion um Wagners Gedichtband gelohnt. / Stefan Höppner, literaturkritik.de

Jan Wagner: Regentonnenvariationen. Gedichte.
Hanser Berlin, Berlin 2014.
104 Seiten, 15,00 EUR.
ISBN-13: 9783446246461

Babelsprech: Lyrik von jetzt

22 junge Dichterinnen und Dichter aus vier Ländern trafen sich vom 9. – 12.4.2015 in Bern zur 2. Babelsprech – Konferenz.
Sie diskutierten über Positionen und Entwicklungen aktueller Lyrik, hörten Gastvorträge, verfassten und besprachen eigene Lyrik, und lasen an zwei Abenden im Rahmen von „Aprillen – Berner Lesefest“.

Babelsprech ist eine Initiative zur Entwicklung und Stärkung junger deutschsprachiger Lyrik und hat eine breit angelegte Diskussion über die Möglichkeiten junger deutschsprachiger Lyrik zum Ziel, sowie die bessere Vernetzung junger Dichter und Dichterinnen in deutschsprachigen Ländern und die Stärkung der öffentlichen Wahrnehmung .

Im September 2013 trafen sich erstmalig junge deutschsprachige Dichterinnen und Dichter aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Italien zu einer Konferenz in Lana, Südtirol. Aus diesem ersten Babelsprech – Treffen hat sich eine Bewegung entwickelt, die AutorInnen arbeiten seither länderübergreifend zusammen, eine zentrale Rolle spielt hier das Forum www.babelsprech.org. Auf dem Portal vernetzen sich die AutorInnen, diskutieren über Lyrik und präsentieren ihre eigenen Texte.

Das Resultat der Konferenzen und künstlerischen Zusammenarbeit ist die Anthologie «Lyrik von Jetzt 3», die im kommenden Herbst im Wallstein Verlag erscheint, und die die Stimmen der nächsten Generation deutschsprachiger Dichtung versammelt, die in den nächsten Jahren von Bedeutung sein werden.

Babelsprech ist eine Initiative der Literaturwerkstatt Berlin und des Literaturhauses Wien, in Kooperation mit Literatur Lana, Kaufleuten Zürich, dem Robert Walser-Zentrum, Aprillen – Berner Lesefest sowie dem Wallstein Verlag.

Das Projekt wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes (Deutschland), vom Bundeskanzleramt Österreich, Sektion Kunst, von Pro Helvetia – Schweizer Kulturstiftung, sowie von der Kulturstiftung Liechtenstein.

Babelsprech-Konferenz 2015 in Bern fand statt in Zusammenarbeit mit der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V., mit der freundlichen Unterstützung der Thüringer Staatskanzlei sowie der Kulturverwaltung des Landes Berlin, des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, des Ministeriums für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein, sowie der Stadt und des Kantons Bern.

Ingolds Einzeiler

Jene geben sich als Muttersöhne aus und werden schwer und übergross und leben noch ein Weilchen weiter.

Felix Philipp Ingold

Gute Zeit für Lyrik?

Peter Voß fragt Jan Wagner
Gute Zeiten für Lyrik?
Jan Wagner ist Lyriker, Sprachspieler und Naturbeobachter. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ sieht in ihm „einen der virtuosesten Lyriker, die wir gegenwärtig haben“. In seinen Gedichtbänden widmet er sich den kleinen alltäglichen Dingen und wurde dafür jüngst mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. 
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Die Größe dieser Gedichte

Was Welt ist, findet bei Schultens ihren Ausdruck, und zwar dort, wo sie uns am entfremdetsten zu sein scheint.

Der, ich sag mal, „lyrische Skandal“, ohne den die Größe dieser Gedichte nicht wäre, besteht nun aber darin, daß jedes Gebilde für sich von enormer Schönheit ist. Zu der gehört, bis auf wenige Ausnahmen, ihre stilistische Vollkommenheit. In dieser Weise, für Kunstwerke der Gegenwart, ist mir das bisher allein bei Ligeti begegnet: Es wird, quasi, von Anfang an nicht mehr experimentiert. Das sind keine Versuche; selbst von hohem „Talent“ – nur! – zu sprechen, wäre eine Blasphemie. Und dabei haben wir es nicht etwa mit einer „hauptberuflichen“ Dichterin zu tun, sondern einer Frau, die ziemlich hart und entschieden nicht nur im „Alltags“beruf, dem einer Managerin, „ihren Mann“ „steht“ (:! ah! diese verräterischen Idiome!), sondern überdies alleinerziehende Mutter eines kleinen Kindes ist. Doch, das gehört hierher. Denn es sagt etwas über lebenswirkliche Widersprüche, die solche Lyrik wahrscheinlich erst möglich machen, ihre conditio sind: über persönlich harte, heftige Bedingungen:

wer hat mein zittern mit nur einem schnitt
der quantenscharfen kante von mir abgetrennt
und war nicht seele darin die jetzt schwebt

/ Alban Nikolai Herbst, Die Dschungel Anderswelt (aus Volltext 4/2015)

Katharina Schultens
gorgos portfolio 
64 Seiten
>>>> kookbooks 2014

Poetische Schöpfungsgeschichte

Die große Suchbewegung Dorothea Grünzweigs, eine der beachtenswertesten deutschen Dichterinnen, die seit über 25 Jahren in Finnland lebt und mit leiser Zurückhaltung auftritt, also selten im hiesigen Literaturbetrieb, geht mit einer ihr eigenen kraftvollen Ruhe weiter. Imgleichen Zuge,wie sie sich entfalten, verdichten ihre sprachlichen Möglichkeiten sich in Form einer poetischen Landgewinnung – oder besser noch: einer hingebungsvollen Landverschenkung, kaum dass in Versen, Worten und Lauten inmitten des Sprachflusses entdeckt ist, was so zuvor nicht da war.

(…)

Auch der Name des neuen Bandes „Kaamos Kosmos“ lädt ein zur poetologischen Meditation über die Kraftfelder des Grünzweig’schen Sprach- und also Weltraums, und man gerät in der Konstellation der beiden Worte fast schon hinein in eine poetische Schöpfungsgeschichte: Denn lauscht man dem samischen Wort „kaamos“ nach, das die Polarnacht als „kurze Zeit“ (vermutlich des Lichts) bezeichnet und im winterlichen Alltag der Finnen große lebenspraktische Wichtigkeit besitzt, wird auch jener dunkle Raum erahnbar, noch schweigsam, noch ungestaltet, noch ungeordnet, in dem auch das Wort Chaos nicht allzu fern echot; und wie es klanglich bereits hinüberfließt und dann eindringt in das Wort „Kosmos“ – aus dem einen heraus kann erst ein wohlgeordneter Kosmos entstehen und im Lichte seiner Schönheit erkannt werden. Nicht voller und gegenwärtiger kann die üppige Pracht sein: Waldwildnis, Schnee und Eis, Füchse und Maiglöckchen, Trauerschnäpper, Chatrooms und Schmerztabletten.

In dieser sprachlich konkreten Experimentalanordnung wird ein umfassend sprach-metaphysisches Prinzip anschaulich und hörbar, welches als Poeto-Osmose bezeichnet werden könnte und die 75 Gedichte des Bandes wunderbar ernst und heiter, so unverstellt wie intim durchatmet; ein Prinzip, das die fundamentale Eigenschaft von Sprache und Schweigen als Welt(an)verwandlung zwischen den buchstäblichen und symbolischen Grenzen von A bis O auf organische Weise versinnbildlicht. „wollens nicht wissen/ die fließende welle als lebensraum/ nur in die anschauung kommen/ ins wasser spüren seine gegenwart“ und dort sich entgrenzen „zurück ins element/ zurück zum fluss uns ihm einverleiben/ zu ihm gehören uns in ihm verlieren“.

(…) Ihr hoher Ton ist jeder pseudoesoterischen Spiritualität und falschem Pathos unverdächtig. Vielmehr knüpft sie an frühromantische Traditionen eines Novalis an, sucht im Sprachspielerischen auch eine Befreiung vom erhabenen Überbau, lauscht den Kirchen- und Kinderliedern, den theologischen Zitaten ebenso wie der Alltagssprache die körperlichen Quellgründe ab. Besonders das heimatgebende Fremde der finnischen Sprache offenbart die für Grünzweig elementare Kraft des Lautlichen, ihre fruchtbare Produktivität, wo plötzlich geschwisterliche Beziehungen entstehen zum Deutschen oder zum schwäbischen Dialekt der gebürtigen Korntalerin. / Andreas Kohm, Badische Zeitung 14.2.

Dorothea Grünzweig: Kaamos Kosmos.
Gedichte Wallstein Verlag, Göttingen
2014. 144 Seiten, 19,90 Euro.

American Life in Poetry: Column 518

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

Several years ago, Judith Kitchen and I published an anthology of poems about birds, and since then I keep finding ones I wished we’d known about at the time. Here’s one by Barbara Ellen Sorensen, who lives in Colorado.

Pelican

Under warm New Mexico sun,
we watched the pelican place
himself down among the mallards
as if he had been there all along,
as if they were expecting the large,
cumbersome body, the ungainliness.
And he, sensing his own unsightly
appearance, tucked his head close
to his body and took on the smooth
insouciance of a swan.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright © 2013 by Barbara Ellen Sorensen from her most recent book of poems Compositions of the Dead Playing Flutes, (Able Muse Press, 2013). Poem reprinted by permission of Barbara Ellen Sorensen and the publisher. Introduction copyright © 2015 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

Pulitzer Prizes 2015

The 2015 Pulitzer Prize Winners

Poetry

For a distinguished volume of original verse by an American author, Ten thousand dollars ($10,000).

Awarded to „Digest,“ by Gregory Pardlo (Four Way Books), clear-voiced poems that bring readers the news from 21st Century America, rich with thought, ideas and histories public and private.

Digest
By Gregory Pardlo
Four Way Books

From Epicurus to Sam Cook, the Daily News to Roots, Digest draws from the present and the past to form an intellectual, American identity. In poems that forge their own styles and strategies, we experience dialogues between the written word and other art forms. Within this dialogue we hear Ben Jonson, we meet police K-9s, and we find children negotiating a sense of the world through a father’s eyes and through their own.

— from the publisher

Gregory Pardlo’s first book, Totem, received the American Poetry Review/ Honickman Prize in 2007. His poems have appeared in American Poetry Review, Boston Review, The Nation, Ploughshares, Tin House, as well as anthologies including Angles of Ascent, the Norton Anthology of Contemporary African American Poetry, and two editions of Best American Poetry. He is the recipient of a New York Foundation for the Arts Fellowship and a fellowship for translation from the National Endowment for the Arts. An associate editor of Callaloo, he is currently a teaching fellow in Undergraduate Writing at Columbia University.

Finalists

Also nominated as finalists in this category were: „Reel to Reel,“ by Alan Shapiro (University of Chicago Press), finely crafted poems with a composure that cannot conceal the troubled terrain they traverse; and „Compass Rose,“ by Arthur Sze (Copper Canyon Press), a collection in which the poet uses capacious intelligence and lyrical power to offer a dazzling picture of our inter-connected world.

Jury

Bonnie Costello, professor of English and American literature, Boston University (Chair)
Cornelius Eady, professor of literature and writing, University of Missouri, Columbia
David Orr, poetry columnist, The New York Times

Books, Drama and Music

FICTION – „All the Light We Cannot See“ by Anthony Doerr (Scribner)

DRAMA – „Between Riverside and Crazy“ by Stephen Adly Guirgis

HISTORY – „Encounters at the Heart of the World: A History of the Mandan People “ by Elizabeth A. Fenn (Hill and Wang)

BIOGRAPHY – „The Pope and Mussolini: The Secret History of Pius XI and the Rise of Fascism in Europe“ by David I. Kertzer (Random House)

GENERAL NONFICTION – „The Sixth Extinction: An Unnatural History“ by Elizabeth Kolbert (Henry Holt)

MUSIC – „Anthracite Fields“ by Julia Wolfe (G. Schirmer, Inc.)

More

Berliner Hörspielfestival

Der britische Komponist Dom Bouffard wählt für sein Hörstück »WW1« (hr 2015; Ursendung Mi., 21 Uhr, hr 2 Kultur) Lyrik aus der Zeit des Ersten Weltkriegs als Bezugspunkt und bettet die Gedichte in seine Komposition ein.

(…)

Ein bewegendes Zeugnis der Notwendigkeit von Kunst gerade unter den schlimmsten und menschenverachtendsten Umständen stellt »›Mein Herz schlägt zurück‹ – Die Lange Nacht der Gedichte aus Ravensbrück« (DKultur 2013; Sa., 0 Uhr, DKultur & 23 Uhr, DLF) dar, zusammengestellt von Jürgen Nendza und Eduard Hoffmann. (…) Um armenische Literaturgeschichte geht es in Daniel Guthmanns und Stepan Gantralyans Feature »›Und es brennt mein Herz tagelang‹ – Der armenische Dichter Jeghische Tscharenz« (NDR/SWR 2015; Sa., 18 Uhr, DKultur) … / Rafik Will, junge Welt

Fußnote zum Verständnis der Zeitungsmeldung: „Um armenische Literaturgeschichte“ ist sehr allgemein ausgedrückt. Die „allgemeine“ Geschichte hat auch den armenischen Dichter nicht ausgelassen. Geboren 1897 in Kars, das seit 1878 zum Russischen Reich gehörte und 1921 an die Türkei „fiel“. „Fallen“ ist ein vielseitig verwendbares Propagandawort. Über den Russisch-Türkischen Krieg von 1877/78 schreibt „Der Große Ploetz“ (Ausgabe 1998): „Rußland erhält in Asien Teile Armeniens mit Kars, Ardahan und Batum, in Europa den 1856 verlorenen Teil von Bessarabien,für den Rumänien mit der Dobrudsha (…) entschädigt wird.“ Das DDR-Pendant „Weltgeschichte in Daten“ (1973): „Rußland erhält das 1856 verlorene Gebiet zurück und annektiert Kars und Batum.“

Im Zusammenhang mit dem Völkermord an den Armeniern in der Türkei meldete er sich als Freiwilliger zur russischen Armee. Er schrieb über den Krieg und den Mord an seinem Volk. „Im Juni 1937 wurde Jeghische Tscharenz im Zuge des Großen Terrors verhaftet. Am 27. November 1937 kam er im Gefängnis des NKWD ‚unter ungeklärten Umständen‘ zu Tode.“ (Wikipedia). Das DDR-Lexikon „Literaturen der Völker der Sowjetunion“ von 1967 (laut Widmung mir von meinem besten Schulfreund geschenkt „zur Erinnerung an Deinen 18. Geburtstag“, ach ja!) verschweigt die Umstände seines Todes, das heißt es deutet sie lediglich an in der Unvollständigkeit der Lebensdaten: „1897 Karsa – 1937“. Wahrscheinlich konnte ich das 1967 noch nicht entziffern, dazu brauchte es etliche Jahre des Selbststudiums nicht in der DDR veröffentlichter Schriften. Nur eine düstere Andeutung im Lexikon: „In den letzten Gedichten T.‘ zeigt sich eine nihilist. Einstellung zur armen. Geschichte.“ Der Nihilismus wird vernichtet, die Welt wird positiv.

Ohrenreize

In einem Essay zur „Poetologie des Alltagslebens“ sprach Peter Rühmkorf von den Ohrenreizen, „nach deren Pfeifenton wir tanzen“, und erörterte jene Stilmittel, derer sich seine liedhaften Gedichte, genauso aber auch seine Briefe bedienen, insofern „gewisse Silbenwiederholungen, Zweiklänge, Reime und gelegentlich auch bloße Assonanzen einen heimlichen Schwingboden unserer Seele in Bewegung setzen“. Rühmkorfs Briefe an Reich-Ranicki sind gespickt mit lockenden Zurufen, Wortbildungen für den heimlichen Schwingboden : „Alfanzereien“, „Nonplusgehtnichtmehr“, „Kritikalien“, „Hauchestförmiges“, „Millimü“, „Leckerfetzigkeiten“, „Ffffchchchcht“, „Tollitäten“. / Volker Breidecker, Süddeutsche Zeitung 13.4.

Jan Kuhlbrodt ist ein Autor

…, der Grenzen nicht mühsam überschreitet, sondern sie gleich ignoriert. Die Grenze zwischen Lyrik und Prosa ohnehin, aber auch die zwischen Fußnoten und Haupttext, Historiographie, Fiktion und Autobiographie. Und auch vor Buchdeckeln macht er nicht Halt: Ob Kuhlbrodt Blogeinträge schreibt, Rezensionen, Reden, Erzählungen, Lyrik: immer greifen die Texte in andere, anderswo erschienene hinein und verzahnen sich miteinander, nicht zuletzt durch die in allen Texten neben dem Autor Jan Kuhlbrodt präsenten Person Jan Kuhlbrodt. So entsteht ein vielfältiges Ganzes. Sicher ist dabei, auf welchen Wegen und in welchen Gangarten auch immer die Leser mit diesem Autor unterwegs sind, dass der Weg früher oder später am Leipziger Völkerschlachtdenkmal vorbeiführt, dem Bauwerk, an dem Kuhlbrodt immer wieder und immer wieder neu das Verhältnis von Eigenem und Fremden, Geschichte und Gegenwart durchspielt.

Nicht anders verhält es sich mit dem soeben erschienen Band „Kaiseralbum“ (Völkerschlachtdenkmal: S. 28 FN 43), einem Band, der ebenso Teil dieses vielfältigen Gesamtwerkes wie auch sein Spiegel im Kleinen ist. Denn es sind in der Tat vielfältige Texte, die hier versammelt werden: Wir reisen im 13. Jh. mit Kaiser Friedrich durch Europa, gehen im 20. Jh. mit Kuhlbrodt auf eine Bildungsreise nach Rom, besuchen Chemnitz, Frankfurt und natürlich Leipzig (oder besser: die Umgebung von Leipzig), drei Orte, die für die Biographie des Autors von entscheidender Bedeutung sind. / Dirk Uwe Hansen, Signaturen

Jan Kuhlbrodt: Kaiseralbum. Berlin (Verlagshaus J. Frank) 2015. 100 Seiten. 13,90 Euro.

Trotz ist auch Trost

Zum Beispiel begegnet das lyrische Ich auf einer Hiddenseefähre dem Görlitzer Mystiker Jakob Böhme. Und wie Böhme sucht Sielaff in seinen Texten die Signaturen.

Ein solches Vorgehen erfordert Mut, weil es sich dem Diskurs der Gegenwart entgegenstellt. Denn das Gegenwärtige, das sich selbst überhöht, ist ein Ausschlussphänomen. Trotzig formuliert also der Dichter:

Will nach euch werfen mein kaputt zerbrochnes Glas
Ihr sollt nicht glauben, dass ich hätte nicht gestört.

So endet das Dritte Lied der 13 Lieder des Prinzen.

Diese trotzige Haltung wird im Band nicht überlagernd, aber ist als Grund spürbar. Als wollte das lyrische Ich, nichts aufgeben, keinen Gedanken, kein Gemälde, kein Lied, nur weil wir annehmen, es herrsche die Zeit. Trotz ist auch Trost.

Im ersten Zyklus des Bandes spielt Sielaff mit dem Reim, aber es ist kein Spiel, das allein seiner Rehabilitation dient. Manche Reime ergeben sich in den Rhythmus der Texte, auch nahtlos in die Semantik. Manche aber wirken auch wie Störgeräusche, wie etwas, dass sich gegen die Vereinheitlichung im Gleichklang stemmt. Das wirkt zum Teil irritierend, aber immer auch anregend. / Jan Kuhlbrodt, Signaturen

Volker Sielaff: Glossar des Prinzen. Gedichte. Wiesbaden (luxbooks) 2015. 120 Seiten. 19,80 Euro.

Gestorben

Einer der größten tunesischen Dichter, Ahmed Loghmani, starb am Sonntag, d. 19.4., im Alter von 92 Jahren. Sein erster Gedichtband, „cœur sur une lèvre“ (Herz auf einer Zunge), 1966, gilt als bedeutender Beitrag zur Poesie in klassischem Arabisch. Beim Sturz seines Gönners 1987 fiel er in Ungnade, und der Dichter, der für seine Oden auf Präsident Habib Bourgiba bekannt wurde, zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück.

/ tunivisions.net