Mundart kann alles

Der Berner Autor und Spoken-Word-Performer Guy Krneta hat Kurt Marti in seiner Schulzeit kennen gelernt und besucht den Dichter, der im Januar 95 Jahre alt wurde, seit Jahren regelmässig. Im Hörbuch «Rosa Loui» – eine Liveaufnahme eines im September 2014 in Bern aufgeführten Programms – rezitiert Krneta zwanzig Texte von Kurt Marti und «variiert» sie, schreibt sie fort, formt sie um zu etwasNeuem.

Er tue das «auf hinreissende Weise, mit Liebe und Empathie, Furor und Understatement», urteilte die «NZZ am Sonntag». Was die gesamte Spoken-Word-Szene, zu der teilweise auch Halters frühere Auftritte und Alben als Kutti MC gezählt werden können, Kurt Marti verdankt, hat Guy Krneta aus Anlass von Martis 95. Geburtstag in der «Berner Zeitung» in Erinnerung gerufen. Mundart könne alles ausdrücken, hielt Marti schon 1964 fest, auch Fremdwörter sollten nicht tabu sein, und es sei an der Zeit, auch in der Mundartdichtung literarische Techniken wie Expressionismus, Dadaismus, Surrealismus und konkrete Poesie anzuwenden. Damit habe Kurt Marti, so Krneta, der Literatur «viele Türen aufgemacht». / Helmut Dworschak, Landbote

Förderpreise

Die Lyrikerin Ivette Vivien Kunkel (Jahrgang 1979) und der Lyriker Arnold Maxwill (Jahrgang 1984) erhalten 2016 den Förderpreis der Stadt Dortmund für junge Künstlerinnen und Künstler in der Sparte Literatur.

Der Preis wird seit dem Jahr 1978 im biennalen Rhythmus in wechselnden Kunstsparten verliehen und ist mit 7500 Euro dotiert. Die Jury unter dem Vorsitz von Bürgermeisterin Birgit Jörder entschied in ihrer Sitzung am Mittwoch, 6. Juli 2016, den Preis zwischen beiden Schriftstellern aufzuteilen. Verliehen wird er am Sonntag, 11. Dezember 2016, 11 Uhr im Rathaus.

Zur Jury gehörten die Schriftsteller Jörg Albrecht und Bettina Gundermann – beide ebenfalls ehemalige Förderpreisträger der Stadt – sowie Prof. Dr. Walter Grünzweig (Professor für amerikanische Literatur und Kultur an der TU Dortmund) und Schriftsteller Ralf Thenior, außerdem als Ratsvertreter Brigitte Thiel, Barbara Brunsing und Dr. Jürgen Eigenbrod. Der Jury lagen 15 Bewerbungen für den Förderpreis vor.

In der Begründung der Jury heißt es zu Ivette Vivien Kunkel:

„Mit ,beizeiten’ hat Ivette Vivien Kunkel einen Gedichtband vorgelegt, der schmal an Seiten ist und umso reicher an Poesie. Die Mittel, die sie nutzt, kommen leicht daher, verschieben das Alltägliche manchmal nur um ein Mü – und schon ist es anschaulich und komplex zugleich. Für diese Lyrik, die präzise, mit feinem Ohr für den Fluss der Sprache arbeitet, erhält Ivette Vivien Kunkel den Förderpreis.“

Ivette Vivien Kunkels Lyrikband „beizeiten“ wurde 2015 im vorsatzverlag veröffentlicht. Sie gewann bereits mehrere Literaturpreise, darunter 2004 den Dortmunder LesArt-Preis für junge Autoren. Sie war Stipendiatin des 13. Klagenfurter Literaturkurses bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur und Stadtschreiberin der Stadt Otterndorf. Seit 2014 ist sie freie Mitarbeiterin im literaturhaus.dortmund.

Die Begründung zu Arnold Maxwill:

„In seinen Gedichtzyklen zeigt sich Arnold Maxwill als ein Wanderer durch das Ruhrgebiet, der mit genauem Blick und großer Liebe zum Detail Landschaften zum Leben erweckt. Es sind dies nicht die ,schönen Gegenden’, denen seine Aufmerksamkeit gilt, sondern die trostlosen, vergessenen Orte, die Randbezirke, Ruderalflächen und terrains vagues. Mit der Genauigkeit seiner Schilderungen wird der Autor zum Schöpfer einer poetischen Heimatkunde.“

Arnold Maxwill studierte Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte in Wien und Münster. Er arbeitet als Lektor, Lyriker und Literaturwissenschaftler in Dortmund. Er veröffentlichte seine Gedichte in mehreren Gedichtbänden und war mehrfach Finalist beim internationalen Lyrik-Wettbewerb „Open Mike“ der Literaturwerkstatt Berlin. / Stadt Dortmund

Digest 27.-30.6.

In Hausach

„Ich bin beseelt von dem heutigen Nachmittag“, schwärmte dann auch José F. A. Oliver als Macher des Leselenzes. Das Publikum sei Zeuge „von Literatur der Welt und Weltliteratur“ geworden. Mit beeindruckender und junger deutscher Lyrik ging der sehr schöne Poetik-Marathon auf die Zielgerade. (…)

„Ich beginne mit der Theorie des Waldes, die ich erstmals den Praktikern im Schwarzwald vorstelle“, eröffnete Tim Holland seine Lesung. Leicht und ohne Schnörkel las er: „Vollwertiger Wald ist umbaumter Raum; wer am Fluss sitzt sollte mit Steinen werfen; Wasser gibt es wie Sand am Meer; vor lauter Lichtung sieht man den Wald nicht mehr.“

Die tiefgreifende Erkenntnis: „Der Maulwurf sieht nur mit den Händen gut – das wiesentliche ist für den Maulwurf unsichtbar“ amüsierte das Publikum. Für die abschließende Erkenntnis: „Wald ist die neue Weltordnung“ gab es viel Applaus.

Der glänzende Schlusspunkt dieses Leseblocks im tagfüllenden Format „Vom poetischen Wort“ oblag Dagmara Kraus, deren Texte durch ihren Leserhythmus einen besonderen Klang bekamen. / Christine Störr, Schwarzwälder Bote

Umtriebe in Zürich

Die Frankfurter Rundschau meldet, daß ein Redakteur der „Neuen Zürcher Zeitung“ vor 65 Jahren über die Veranstaltung mit drei DDR-Dichtern im Lokal „Zur Eintracht“ berichtete – nicht für seine Zeitung, sondern für den Nachrichtendienst der Züricher Stadtpolizei, der ihn wiederum an die Schweizerische Bundesanwaltschaft weiterleitete.

Der erste Eintrag in den Überwachungsakten der Bundesanwaltschaft über Johannes R. Becher etwa stammte bereits vom Dezember 1919. Das damalige Politische Department der Schweiz hatte einen Vermerk über den „kommunistisch eingestellten Schriftsteller“ verfasst.

Anlass war seine Erwähnung in einer Korrespondenz, die der Schweizerischen Gesandtschaft in Berlin vom preußischen Staatskommissär für öffentliche Ordnung zugegangen war. Bis 1935 entstanden dann noch weitere Berichte über Becher. Darin ging es etwa um zwei Gerichtsverfahren, die in Deutschland 1925 und 1927 gegen den Dichter „wegen Vorbereitung zum Hochverrat und wegen Veröffentlichung revolutionärer und gotteslästerlicher Schriften durchgeführt“ wurden, sowie um seine Mitgliedschaft im „Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller“. 1947 wurde in den Akten vermerkt, dass sich Becher während der Nazizeit in Moskau aufgehalten habe und als „Vertrauensmann“ der Russen gelte.

Auch in Stephan Hermlin vermuteten die Behörden in Bern stets einen kommunistischen Umstürzler. Hermlin, der eigentlich Rudolf Leder hieß und aus einer jüdischen Familie stammte, hatte sich schon frühzeitig den Kommunisten angeschlossen. 1936 ging er ins Ausland, sieben Jahre später floh er in die Schweiz. Dort steckten ihn die Behörden bis Kriegsende ins Internierungslager bei Wallisellen.

Arnold Zweig hingegen, 1951 längst ein hochberühmter Schriftsteller („Der Streit um den Sergeanten Grischa“, „Erziehung vor Verdun“), war den im Berner Bundesarchiv überlieferten Akten zufolge für die Schweizer Staatsschützer ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Über den jüdischen Dichter und Pazifisten vermerkte die Züricher Stadtpolizei lediglich, er sei ein kommunistischer Schriftsteller, „welcher in der kryptokommunistischen Friedensbewegung eine maßgebende Rolle spielt“.

(…) Wie die Akten belegen, wurden die drei Schriftsteller während ihres Schweiz-Aufenthaltes bis ins Hotel hinein observiert, auch über ihre Gesprächspartner sind Vermerke gefertigt worden. Anfang Juli 1951 reisten die drei Autoren schließlich unbehelligt in die DDR zurück.

Becher kam danach bis zu seinem Tod 1958 nicht mehr in die Schweiz. Hermlin hingegen reiste öfter ein, auch zu Lesungen. Ab den 70er Jahren machte er zudem regelmäßig Urlaub mit der Familie im Sommerhaus von Verlegerfreund Klaus Wagenbach im Tessin. Jeder Aufenthalt Hermlins, das lässt sich im Bundesarchiv in Bern nachlesen, wurde vom Schweizer Staatsschutz sorgsam überwacht und in den Akten protokolliert.

Auch Arnold Zweig, dessen Sohn Adam in Zürich lebte, kehrte noch ein paar Mal zu Urlaubsaufenthalten in die Schweiz zurück. Den Akten zufolge soll sich der bereits schwerkranke Schriftsteller nach dem niedergeschlagenen Aufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR sogar mit dem Gedanken einer Übersiedlung in die Schweiz getragen haben. Doch die eidgenössischen Behörden lehnten das ab – „aus Überfremdungsgründen“ und weil es sich bei Zweig um einen „bekannten linksgerichteten Schriftsteller“ handele. „Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Dr. Thomas Mann, Kilchberg, als Referenz angegeben wird“, heißt es in einem Vermerk der Züricher Stadtpolizei.

Ein Gedicht darf alles

Die Siebenbürgische Zeitung sprach mit Horst Samson:

Sind Sie ein politischer Dichter? Soll bzw. darf Poesie politisch sein?

Dichtung ist allein schon durch ihre Existenz und gesellschaftliche Präsenz ein Politikum. Ich bin in meinem Schreiben der Welt und mir zugewandt und reibe mich als Subjekt an den mich umgebenden, prägenden, inspirierenden auch provozierenden Zuständen und an der grundsätzlichen Verfasstheit unseres Lebens. Wenn wir der Vokabel Politik nicht Agitation, Propaganda, Reklame subsummieren, dann bin ich auch ein politischer Dichter. Prof. Johann Holzer aus Inns­bruck, der einen exzellenten Aufsatz über mein Buch „La Victoire. Ein Poem“ geschrieben hat, ein großes poetisches, aber auch ein dezidiert politisches Buch, bringt in diesem Zusammenhang unter anderem Heinrich Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“ ins Spiel. Das hat mich nicht nur gefreut, sondern auch stark bewegt. Die Bewunderung für den Meister des politischen Gedichtes versuchte ich ja nicht von ungefähr auch schon im Titel meines Buches anklingen zu lassen: „Ein Poem“. Zur Frage also, ob Poesie politisch sein dürfe, ein eindeutiges Ja. Warum auch nicht? Es sollte aber nicht plakativ, billig oder flach sein, etwa wie das von Günter Grass als Gedicht deklarierte agitatorische Pamphlet „Was gesagt werden muss“. Trotz des Agitprop aber bleibt gültig: Ein Gedicht darf alles, es ist frei, frei zu sein, wie es ist. Alles andere ist nachrangig.

Vietnam-amerikanische Schriftsteller gegen Marginalisierung

Linh Dinh, geboren 1963 in Saigon, kam mit 11 nach Philadelphia. Entfremdung und Gewalt waren seine ersten Erfahrungen in der neuen Heimat. Er berichtet über die Frustrationen beim Versuch, die oft ignorierten Stimmen aus Vietnam zu Gehör zu bringen. „Es gibt eine Faszination für den nordvietnamesischen Soldaten und eine komplette Ignoranz, wenn nicht Verachtung für den südvietnamesischen. Aber so ist das Schicksal des Verlierers.“ In der amerikanischen Kultur, in Filmen wie Apocalypse Now, Full Metal Jacket  und Platoon, kommen Vietnamesen nur als gesichtslose Nullen vor, die GIs durch den Dschungel jagen. / Southeast Asia Globe

Ich, Bertolt Brecht

… bisher kannte man drei Gedichte von Brecht, die mit diesen Worten beginnen. Nun wurde ein weiteres entdeckt und in der Akademiezeitschrift „Sinn und Form“ erstveröffentlicht: Es ist die Urform der später erschienenen Gedichte. Brecht schrieb es im Sommer 1918, im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs, als er vom Kriegsdienst befreit war und angesichts des Elends in Europa seine Empörung ausdrücken wollte: „Von Kind an eher scheu als frech,/ich, der ich Wohlleben gewohnt war,/noch beinah nichts vom Leben litt/eh’r wie ein rohes Ei geschont war/beschwere ich mich dennoch hiermit.“ / Die Presse

Gestorben

Die irische Autorin Leland Bardwell starb im Alter von 94 Jahren. Sie veröffentlichte Romane, Gedichtbände, Theaterstücke und Kurzgeschichten. 1975 gründete sie mit Eiléan Ní Chuilleanáin, Pearse Hutchinson und Macdara Woods die Zeitschrift Cyphers. / Irish Times

Jandl in London

Er hatte das Publikum auf mitunter beängstigende Weise in der Hand. In der Royal Albert Hall in London hat Ernst Jandl am 11. Juni 1965 mit ein paar Beatpoeten den Saal gerockt und dabei selbst Allen Ginsberg die Show gestohlen. Jandl donnerte seine „ode an N“ durch den Saal, ein Gedicht, das den Namen Napoleon auseinandernimmt und wieder zusammensetzt, eine Art Kriegsgetrommel, auf das das Auditorium begeistert eingestiegen ist, ein Höhepunkt der Londoner „Wholly Communion“, bevor Jandl wieder dorthin zurückkehrte, wo er sein Geld verdiente. Als Lehrer für Englisch an ein Wiener Gymnasium. / Paul Jandl, Die Welt

Ernst Jandl, „Werke in sechs Bänden“ (herausgegeben von Klaus Siblewski. Luchterhand, 3712 S., 99 €)

Digest 22.-26.6.

Ich muß das Netz grobmaschiger machen, sonst komm ich nie nach. Heute 5 auf 1 Streich.

Kein Zweifel

Er heißt Zweifel, hat aber keinen. Emily Dickinson ist die überschätzteste Dichterin Amerikas. Die berühmteste, kargste, freudloseste sowie deprimierendste. Sie schrieb karge Gedichte, in denen sie eine leere, freudlose Welt beschreibt. Sie war der Proto-Emo. Ihre Fans sind meist weiblich. „Vielleicht, dachte ich früher, habe ich das falsche Geschlecht und kann deshalb diese empfindsame Weiblichkeit nicht schätzen. Oder ich bin zu jung – wer will mit 20 schon Gedichte über Entsagung und Todeserwartung lesen? Doch es hat sich nichts geändert. Ich ahne immer noch nichts, wenn ich ein Gedicht von Dickinson lese. Wahrscheinlich haben die melancholische Jungfer und ich das Heu einfach nicht auf derselben Bühne.“ Na und so weiter (Tagesanzeiger). Jetzt brauch ich ein Gedicht:

To make a prairie it takes a clover and one bee,
One clover, and a bee.
And revery.
The revery alone will do,
If bees are few.

Gunhild Kübler übersetzt:

Für eine Wiese braucht es Klee und Bienen,
Je eins von ihnen,
Und Träumerei.
Die Träumerei tut’s auch allein,
Bei wenig Bienen.

Über Gedichte und Politik darf halt jeder schwätzen wie ihm der Schnabel gewachsen ist.

Beat Brechbühl

Unermüdlich ist er auch mit 76. Beat Brechbühl gibt in seinem Waldgut-Verlag im Eisenwerk Frauenfeld handverlesene Bücher heraus: Lyrik und Prosa aus der Schweiz und aus fremden Ländern. Unterm selben Dach setzt er die Umschläge in Blei, von Hand also. Und druckt sie auf seiner Presse, ebenso von Hand. Denn Beat Brechbühl liebt und hegt die Schwarze Kunst. Kein Wunder – er hat Schriftsetzer gelernt, bevor er zu schreiben begann: erst Gedichte in «Spiele um Pan», den Roman um den Träumer und Querulanten «Kneuss», und später erfreute er die Kinderherzen mit den «Geschichten vom Schnüff». / Dieter Langhart, St. Galler Tagblatt

Martin Piekar

Früher, in den „Bastard“-Gedichten, da hat er seine Wut poetisiert: „Meine Gedichte waren unruhig, laut, brutal.“ Die neuen Gedichte, die Gedichte, die er für seinen bald erscheinenden zweiten Band vorbereitet, die seien anders: „Ich habe zuletzt sehr viel T. S. Eliot gelesen“, sagt er. Vielleicht habe das etwas abgefärbt. Doch über Vorbilder, über Idole zu sprechen, das fällt Piekar nicht leicht. Einerseits, weil es so viele Dichter gibt, die er liest und liebt. Andererseits: „Meine Gedichte entstehen dadurch, dass ich in dieser Gesellschaft verwurzelt bin. Sie können nur hier und jetzt entstehen.“ Und genau das, dieses Hier und dieses Jetzt, dieses Gegenwärtige, das trägt die Gedichte von Piekar. Sie sind dunkel und schwer, nachdenklich und nahbar. „Sie sind keine Gesellschaftskritik. Das ist mir zu billig. Sie sind Beobachtungen, zu allem möglichen.“ Piekar blickt auf die Welt und wirft seine Worte drüber. / Frankfurter Neue Presse

Vergesst es

Einer der künstlerischen Beiträge bestand darin, dass eine riesige Maschine genau den Tisch zerstörte, an dessen exaktem Abbild anschließend gelesen wurde. Die Botschaft: Vergesst es, die Lyrik als etwas anzusehen, das angeblich keiner versteht. Es geht nicht um die Präsentation prämierter Bücher, aus denen an einem Tisch mit Sprudel und Lampe, vorgelesen wird. Ihre Macher begreifen die „lyrischen Ichs“ insgesamt als Performance, in der auch das Publikum eine Rolle spielt, anstatt von der Bühne herab mit Dichterworten beschallt zu werden.

Die Lesung ist damit ein Ort des Austauschs, in disziplinärer und sozialer Hinsicht. Worte schaffen Räume – und umgekehrt. Nach der Veranstaltung bleibt das Publikum oft noch stundenlang da, um über Literatur zu quatschen. „Textwerkstätten“ setzen das im Wohnzimmer von Zapfs und Bayerstorfers Apartment in Neuhausen fort. „Wenn man sich ansonsten nur drei Mal im Jahr zu den lyrischen Ichs sieht, verläuft sich das“, sagt Zapf. Die Gastgeber schreiben und diskutieren auch selbst eifrig mit – wenn es sein muss bis um vier Uhr morgens, während die Ersten schon zwischen Stapeln von Zetteln schlafen. / Philipp Bovermann, Süddeutsche Zeitung

Prix Halaly

Das Kulturbüro der ägyptischen Botschaft in Paris übergab den zum vierten Mal verliehenen Halaly-Lyrikpreis an den kongolesischen Lyriker Huppert Malanda (Republik Kongo-Brazzaville). Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert und erinnert an den Stifter und Mäzen Fathy Abdelfattah Halaly, der im Januar diesen Jahres gestorben ist. / adiac-congo.com

 

Chicago

The most famous poem in Chicago’s history — Carl Sandburg’s appropriately named „Chicago“ and published in a book also appropriately named „Chicago Poems“ — celebrates a centennial anniversary this year. / dnainfo.com

Gedächtnis und Bewahrer

Er ist der wohl beste Kenner der deutschsprachigen Literatur der Bukowina, dem Grenzraum zwischen Mittel- und Südost- und Osteuropa, und hat für seine vielfältige geleistete Arbeit im September 2015 in Berlin den Georg-Dehio-Kulturpreis verliehen bekommen. In der Begründung der Preis-Jury hieß es: „Der Literaturprofessor Peter Rychlo wurde zum lebendigen Gedächtnis und Bewahrer der längst untergegangenen deutschsprachigen Literaturlandschaft Bukowina, indem er das Interesse und die Erinnerung an die deutsche und deutsch-jüdische Literatur seiner Wirkungsstätte wach hielt und innovativ in eine moderne und multikulturelle Ukraine überführte.“ / Badische Zeitung

Der Bad Krozinger Kreis und die West-Ost-Gesellschaft Südbaden laden für kommenden Sonntag, 10. Juli, 10.15 Uhr, zu einem Vortrag von Peter Rychlo unter dem Titel „Der leise, der deutsche, der schmerzliche Reim – deutschjüdische Lyrik“ ins Josefshaus, Basler Straße 1 in Bad Krozingen, ein.

Zeitgenössische Sprachkultur zwischen Kalauer und Dichtung

Aus einem Beitrag von Felix Philipp Ingold, Neue Zürcher Zeitung 8.7.

Begriffe wie „Grexit“ oder „Brexit“, neuerdings auch schon „Frexit“, „Dexit“ und „Nexit“ sind als aktuelle Trendwörter in aller Mund – man hört sie als Kampfparolen bei Demonstrationen, man sieht sie dick ausgemalt auf Transparenten, sie gehören in der Alltagssprache wie auch in der Publizistik zu den meistgebrauchten Neologismen der jüngsten Zeit, und dies keineswegs bloss im Deutschen.

Die hybriden Neubildungen zeichnen sich nicht zuletzt dadurch aus, dass sie gleichzeitig in mehrere Nationalsprachen eingegangen sind: Ob deutsch, dänisch oder russisch – sie werden überall in fast identischer Aussprache und stets in gleicher Bedeutung verwendet. (…)

Dass das hintersinnige Wortspiel in der zeitgenössischen Werbetechnik weithin auf höchstem Niveau praktiziert wird, ist vielfach belegt und kann von jedermann in vielen Bereichen der Alltagswelt mitvollzogen werden: Produktwerbung, Eventprogramme, Medientitel, Rubrikbezeichnungen, Werknamen, Textüberschriften, Schlagzeilen bieten dafür eine Fülle von Beispielmaterial. Ausser mit Gleichklang und Kontamination wird mit Wortzerstückelung operiert, mit der Umstellung von Buchstaben oder Silben, mit Alliterationen und Reimen, zunehmend auch mit der Vermengung von nationalsprachlichen und fremdsprachigen Elementen vorwiegend englischer, lateinischer, altgriechischer Herkunft. Exemplarisch sind Einzelbegriffe, Sachbezeichnungen, Slogans oder Werktitel wie „Inwastement“ (für Investment), „Quizzenswert“ (für wissenswert), „Sexpertin“ (für Sexexpertin), „Shakespeak“ (App für Shakespeare-Zitate), „Crowd und Rügen“ (für Kraut und Rüben), „Gnomeo und Julia“ (Computerspiel), „Baron Trumphausen“ (für Lügenbaron Münchhausen, über Donald Trump), „Wir sind eins“ (d. i. ARD 1), „Ei love Ostern“ (TV-Sendung, Ei ist lautidentisch mit engl. „I“, ich), „Joints are a Gift for Young People“ (deutscher Buchtitel, Gleichklang und Bedeutungsgegensatz von engl. „gift“, Gabe, und deutsch „Gift“). Usw.

Dass selbst die seriöse Publizistik das amüsante Sprachspiel pflegt, wo es eigentlich bloss um objektive Informationsvermittlung ginge, ist heute ebenfalls eine alltägliche Lektüreerfahrung. Für Leser dieses Blatts sei darauf hingewiesen, dass die NZZ regelmässig mit mehr oder minder ausgeklügelten Sprachspielen auf Inhalte unterschiedlichster Art abhebt. Davon zeugen jüngste Texttitel wie „Die Schlachten der Schlichten“, „Mann für alle Felle“, „Wer Kayne, der kann“, „Von Krankfurt nach Mainhattan“, „Die Nackten und die Quoten“, „Namen nenne man“ (Palindrom) u.a. – Nennenswert sind im übrigen einige wiederkehrende Kolumnentitel, darunter „In jeder Beziehung“ (über Beziehungsprobleme, die in jeder Beziehung, d.h. in jeder Hinsicht von Belang sind); „Alles, was Recht ist“ (aktuelle Rechtsfragen, über die zu reden recht und billig ist); „Laut und Luise“ (für laut und leise, mit Anspielung auf Ernst Jandls gleichlautenden Werktitel); und besonders ingeniös: „In medias ras“ – Titel einer Medienkolumne, mit Anspielung auf die lateinische Redewendung „in medias res“, wobei der vermeintliche Druckfehler („ras“ für res) das Kürzel des Verfassers (Rainer Stadler) und damit eine verkappte Signatur ergibt.

Die hier nur unzureichend dokumentierten Verfahren wortspielerischer Techniken, die für weite Bereiche der heutigen internationalen Sprachkultur charakteristisch, wenn nicht prägend geworden sind, gehörten ursprünglich dem Bereich der Poesie an. Für die Gebrauchssprache und auch für die konventionelle Erzählliteratur hatten sie keine merkliche Relevanz. Fast ist man versucht, von „gesunkenem Kulturgut“ zu reden, wenn man feststellt, mit welcher Selbstverständlichkeit heutzutage auch in durchaus kunstfernen Zusammenhängen höchst anspruchsvolle dichterische Verfahren brillant gehandhabt werden, während gleichzeitig – selbst bei der professionellen Literaturkritik – die Bereitschaft abnimmt, sich des angeblich „schwierigen“ Genres der Lyrik anzunehmen.

Die Tatsache, dass komplexe Werbetexte und Wortwitze problemlos verstanden werden, Gedichte jedoch mehrheitlich als hermetisch, selbstbezüglich und uncool gelten, hat einen ganz einfachen Grund: Die Kalauereien der Werbung wie der politischen Rhetorik und generell der Spassgesellschaft unterstehen einer vorbestimmten Intention und sind immer nur auf eine, ebenfalls vorbestimmte Bedeutung angelegt, derweil die Dichtung (und vorab die starke, die „schwierige“ Dichtung) stets mehrere Lesarten zulässt, dabei aber den Leser in die Pflicht nimmt, ihn zu produktivem Verstehen und damit zu eigener Sinnbildung herausfordert. Das zielgerichtete Wortspiel, das seine Bedeutung, wenn nicht gar seinen Zweck unverkennbar herausstellt, erfüllt eine Funktion, macht aber keinen Sinn.

Methode Schittko

Die Gratwanderung, die Clemens Schittko mit seinem literarischen Gestus stets hinlegt, ist nicht, wie fälschlich angenommen werden kann, die Erich Fried’sche zwischen langweiligem Automatismus der Form und relevantem Thema. Die Gratwanderung ist vielmehr die zwischen dem Gelächter und dem Entsetzen, die auftreten, wenn sich ein bestimmtes Bündel Sprach- oder Empfindungsmaterial unhintergehbar als fundamental Scheiße herausstellt (und zwar eben: dazu gebracht wird, sich selbst so zu entpuppen).

Man mag einwenden: Buchstäblich alles, was manisch noch und noch und noch weiter runterdekliniert wird, wird dazu gebracht werden können, sich selbst zu widersprechen, Widerspruchsfreiheit wär da ja gleich noch gruseliger … Wir dürfen annehmen, dass Schittko dem sogar zustimmen dürfte (ich werde ihn fragen, und im Falle einer abschlägigen Antwort ein Erratum nachreichen); und dürfen aber darüber hinaus durchaus finden, dass die Methode Schittko, wenn sie sich wie hier gegen Zumutungen wie die Hartz-IV-Gesetzgebung, die Entfremdung im Allgemeinen und die fröhliche Akzeptanz massenhaften Elends wendet, unbedingt willkommen ist. / Stefan Schmitzer, Fixpoetry

Clemens Schittko
Weiter im Text
Ritter Verlag
2016 · 152 Seiten · 13,90 Euro
ISBN: 978-3-85415-534-8

Maulelaunenmanual

Heutzutage wird viel gejammert, aber selten geklagt. Der kunstvolle Klagegesang ist anderen Zeiten, anderen Kulturen vorbehalten. Sieht man einmal von Friedrich Rückerts „Kindertotenliedern“ ab, führt das Genre im deutschsprachigen Raum eine Randexistenz. Wobei „Sprache“ als syntaktisches Gefüge für den Klagegesang ohnehin erst einmal zweitrangig ist; es geht vor allem um die Lautlichkeit, um tönende Vokalreihen. Hugo Ball machte das einst in seiner „Totenklage“ anschaulich: „tru-ü / tro-u-ü o-a-o-ü /mo-auwa“.

Hundert Jahre nach Hugo Ball legt nun die 1981 in Breslau geborene Dagmara Kraus ihr „wehbuch“ vor, das einerseits ein ganzes „maulelaunenmanual“ beinhaltet, ein umfängliches Verzeichnis von Klagelauten („omoi“, „papai mu au“, „alälä! alälä! alälä!“) und sich andererseits in eine imaginäre Hochzeit der Totenklage zurückversetzt: „wäre ich im alten ägypten in die arbeiterklasse geboren / und früh verwaist, hätten mich die heimvormundinnen / von sais und saft el-hanna gleich ins berufsleben geschickt / fünfjährig hätte ich die dürren ärmchen um ein paar / schonend entdarmte staatsleichen gerungen, ein klagebalg / unter klagebälgern.“ / Tobias Lehmkuhl, Süddeutsche Zeitung

Dagmara Kraus: wehbuch (undichte prosage). Roughbook, Berlin und Schupfart2016. 110 Seiten, 10 Euro.

Forward Prize: Gedichte aus dem Zeitalter der Migration

Mag sein, daß die Hälfte der britischen Wähler Angst vor „Überfremdung“ hegt (hah: erst ein Empire errichten und dann wundern wenn die alle kommen). Wenn man sie über Lyrik abstimmen ließe, kämen vielleicht 99% heraus, na und? Was alle sagen, muß ja nicht für mich gelten, oder?

In Großbritannien wurde die Shortlist des Forward-Lyrikpreises veröffentlicht. Der Guardian schreibt, „sehr dynamische“ Finalisten zeigten grönländische, kreolische, schottische und kurdische Einflüsse. (Mancher erinnert sich aus dem Deutschunterricht, daß Johann Wolfgang Goethe vor 200 Jahren nicht in die patriotischen Franzosenfresserchöre einstimmen konnte und das Zeitalter der Weltliteratur ausrief. Vielleicht voreilig, wie gegenwärtige Entwicklungen in ganz Europa zeigen; aber was einmal in der Welt ist, kann immer wieder aufgerufen werden. Wir schaffen das!) Der Guardian spricht von „Gedichten aus dem Zeitalter der Migration“.

Der mit £15,000 dotierte Forwardpreis will „den besten Gedichtband“ des Vorjahres auszeichnen. Sprecherin Malika Booker sagte, die im Wettbewerb vertretenen Autoren seien eine Herausforderung an das was wir von Lyrik und ebenso an das was wir von der englischen Sprache wissen. (Nix korrekter Sprachgebrauch, werte Jury!). Booker, Schriftstellerin und Spoken word-Künstlerin, sagte, die britische Lyrik erlebe eine aufregende Phase. „Soviele Dichter dehnen jetzt die Sprache aus und bringen so vieles ihrer eigenen Erfahrung ein. Viele Gedichte handeln von Sprache und Raum. (…) Sie geben Einblick in die englische Sprache, zeigen wie sie sich ausdehnt und von anderen Sprachen aufnimmt. Die Gedichte, die wir gesichtet haben, reflektieren das.“

Sprecher von mehr als 300 Sprachen leben heute in Großbritannien. Viele Dichter hätten ein starkes Gefühl dafür, daß sie von andersher stammten. Sie mußten sich zwischen Sprachen und Dialekten zurechtfinden, das merkt man ihren Gedichten an. William Sieghart, der Begründer des Preises, meinte, vielleicht sei Lyrik heute das Genre des Zeitalters der Migration. Wenn man nicht alles mit sich tragen könne, könne man immer ein Gedicht im Kopf behalten.

Die kurdische Autorin Choman Hardi, die 1993 nach Großbritannien kam, erzählt in ihren Gedichten von den Überlebenden des Massakers an Kurden in Irak unter Saddam Hussein. Der aus Trinidad stammende Vahni Capildeo untersucht die Entfremdung der Ausgewanderten. Zitat: “My having had a patria, a fatherland, to leave, did not occur to me until I was forced to invent one.” Booker sagte, hier würden auch Grenzen zwischen Gattungen, zwischen Lyrik und Prosa eingerissen. Nancy Campbells Band Disko Bay handelt von Grönland, Harry Giles von den Orkneys.

Unter den 15 Nominierten sind 11 Frauen.

Neben dem Hauptpreis gibt es den mit £5,000 dotierten Felix Dennis-Preis für den besten Debütband und den Forward Prize für das beste Einzelgedicht (£1,000).

The Forward Prize for Best Collection (£15,000)
Vahni Capildeo – Measures of Expatriation (Carcanet)
Ian Duhig – The Blind Road-Maker (Picador Poetry)
Choman Hardi – Considering the Women (Bloodaxe Books)
Alice Oswald – Falling Awake (Cape Poetry)
Denise Riley – Say Something Back (Picador Poetry)

The Felix Dennis Prize for Best First Collection (£5,000)
Nancy Campbell – Disko Bay (Enitharmon Press)
Ron Carey – DISTANCE (Revival Press)
Harry Giles – Tonguit (Freight Books)
Ruby Robinson – Every Little Sound (Liverpool University Press)
Tiphanie Yanique – Wife (Peepal Tree Press)

The Forward Prize for Best Single Poem (£1,000)
Sasha Dugdale – Joy (PN Review)
David Harsent – from Salt (Poetry London)
Solmaz Sharif – Force Visibility (Granta magazine)
Melissa Lee-Houghton – i am very precious (Prac Crit)
Rachel Hadas – Roosevelt Hospital Blues (Times Literary Supplement)

Preis-Digest

Auch wenn die Zeitung ruht, gehen die Nachrichten weiter. Brentano und Menantes schafften es in die News, nicht aber diese:

Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis für Anne Weber

Der mit 10.000 Euro dotierte Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis der Stiftung des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes (Stiftung ME Saar), der Stadt Sulzbach und des Saarländischen Rundfunks geht im Jahr 2016 an die deutsche Übersetzerin und Autorin Anne Weber.

Die Begründung der Jury lautet:

„Anne Weber bedient sich der französischen Sprache beinahe wie einer Muttersprache: nicht nur verfasst sie ihre eigenen Romane ganz selbstverständlich in zwei Sprachen, übersetzt sich also gewissermaßen selbst, sondern überträgt auch mit äußerster Behutsamkeit deutsche Autoren wie Peter Handke, Wilhelm Genazino oder Sibylle Lewitscharoff ins Französische. Ihre Übertragungen in eine Sprache, die bei aller Aneignung eine Nicht-Muttersprache bleibt, zeugen gerade deshalb von größter Sorgfalt im Umgang mit beiden Sprachen und einem tiefen Respekt gegenüber der französischen Version. Das macht die französische Lektüre eines kleinteiligen lyrischen Texts wie Handkes „Une année dite au sortir de la nuit“/“Ein Jahr aus der Nacht gesprochen“ ebenso wie die der Romane Genazinos zu einer wahren Sinnenfreude.“ / SR

Büchnerpreis für Marcel Beyer

Der Schriftsteller Marcel Beyer bekommt den Georg-Büchner-Preis 2016. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung mit. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis wird am 5. November in Darmstadt verliehen werden.

„Ob Gedicht oder Roman, zeitdiagnostischer Essay oder Opernlibretto, für Marcel Beyer ist Sprache immer auch Erkundung“, begründet die Jury die Entscheidung. Beyer habe mit seiner Arbeit deutsche Vergangenheit vergegenwärtigt. Seine Texte seien „kühn und zart, erkenntnisreich und unbestechlich“.

Der 1965 in Tailfingen (Baden-Württemberg) geborene Beyer gab von 1989 bis 2000 gemeinsam mit Karl Riha die Reihe Vergessene Autoren der Moderne heraus. Sein Debüt als Romanautor hatte er 1991 mit Das Menschenfleisch, im selben Jahr erschienen Gedichte unter dem Titel Walkmännin. / Die Zeit

Shortlist des Premio Strega Europeo

Im Rahmen des internationalen Festivals „Letterature“ der Stadt Rom und in Hommage an die vielseitige und reiche Kultur des alten Kontinents und ihre enge Verbindung mit Italien übergibt, am Dienstag, den 5. Juli 2016 um 21 Uhr ,die Fondazione Bellonci, in Zusammenarbeit mit dem internationalen Festival der Stadt Rom „Letterature“ und der italienischen Vertretung der EU Kommission zum dritten Mal den Strega Europeo.

Die europäische Sonderkategorie des bedeutenden italienischen Literaturpreises wurde 2014 dank der italienischen EU-Ratspräsidentschaft eingeführt. Im Rennen um den Preis 2016 sind wieder fünf Autorinnen und Autoren, die in ihren Herkunftsländern wichtige literarische Preise erhalten haben und in jüngerer Zeit übersetzt und in Italien veröffentlicht wurden. (…)

Die fünf Autoren der Shortlist, ausgewählt durch die Direktionen der Fondazione Bellonci und der Casa delle Letterature, sind: Mircea Cărtărescu (Rumänien); Annie Ernaux (Frankreich); Kerry Hudson (Großbritannien, Schottland); Ricardo Menéndez Salmón (Spanien) und Ralf Rothmann (Deutschland) mit Morire in primavera (Originaltitel: Im Frühling sterben), übersetzt von R. Cravero, Neri Pozza 2016. / European News

Außerdem: Shortlist des Forward Prize veröffentlicht (Einzelmeldung folgt)

Bodensee-Literaturpreis für Peter Salomon

Den traditionsreichen, seit 1954 bestehenden Bodensee-Literaturpreis der Stadt Überlingen, der alle zwei Jahre vergeben wird, erhält dieses Jahr der Lyriker, Prosaist, Essayist, Literaturkritiker und Übersetzer Peter Salomon für sein bisheriges Gesamtwerk, teilt Kulturreferent Michael Brunner mit. (…)

Salomon sei 1974 Mitbegründer und Mitherausgeber der Konstanzer Literaturzeitschrift Univers gewesen, die bis 1981 bestand, und ist seit 1992 Herausgeber der Reihe Replik, in der er vorwiegend Expressionisten „aus dem Abseits der Moderne“ porträtiert. Peter Salomon wird den Literaturpreis am 9. Oktober im Kursaal von Oberbürgermeisterin Sabine Becker entgegennehmen. Die Laudatio hält der St. Galler Literaturwissenschaftler und Dozent Mario Andreotti. / Südkurier

Scharfe Gedichte

Erik Lindner schreibt Gedichte wie andere Fotos machen.

„Aber das Bild, das ich sehe, ist nicht das Bild, das du siehst, wenn du meine Gedichte liest. Und ich denke, das ist es, worum es in meinen Arbeiten geht. Ich will ein klares Bild schaffen, wie ein Foto. Das will ich untersuchen: Wie scharf bekomme ich das Bild? Ich denke, Gedichte sind oft unscharf. Aber wenn man ein Bild ans nächste reiht, kann man darauf hoffen, dass beim Leser ein kurzer Film abläuft.“ / DLR

Lyrikpreis München 2016, zweite Vorrunde

Die Abendjury der zweiten Vorrunde am 4. Juli –
Markus Hallinger, Florian Kessler (für die verhinderte
Dagmar Leupold) und Sophie Reyer – hat für das Finale
im Herbst nominiert:

Daniel Bayerstorfer (München)
Sibylla Vričić Hausmann (Leipzig)

Wir gratulieren herzlich!

Damit stehen für das Finale bis jetzt fest:

Daniel Bayerstorfer (München)
Arnold Maxwill (Dortmund)
Christian Schloyer (Nürnberg)
Sibylla Vričić Hausmann (Leipzig)


/ lyrikpreis münchen