Afrikanische Literaturen

„Afrika-Literatur“ gibt es nicht. Der Kontinent hat vielmehr zahllose Literaturen hervorgebracht. Die allerdings haben es schwer, hierzulande Leser zu finden. Doch warum eigentlich?

Sollten Sie über Afrika schreiben wollen, möge Ihnen ein Rat ans Herz gelegt werden:

„Behandeln Sie Afrika so, als wäre es ein Land. Es ist darin heiß, mit staubigen, hügeligen Graslandschaften, riesigen Tierherden und langen dünnen hungernden Menschen.“

Haben Sie dies verinnerlicht, dann sind Sie bereit für den kritischen Text des kenianischen Autors Binyavanga Wainaina. Vor zehn Jahren erschien er unter dem Titel „How To Write About Africa“ in der einflussreichen Literaturzeitschrift „Granta“. / Arlette-Louise Ndakoze, DLR

Poetopie

am Horizont schießen Blitze aus der Erde und schlagen ein in den Himmel

Hansjürgen Bulkowski

Leuchttürme und Labore

„Akzente“, „Merkur“ und „Sinn und Form“ sind seit Jahrzehnten die Leuchttürme der Zeitschriftenszene, „Schreibheft“, „Wespennest“, „Die Horen“ und „Literatur und Kritik“ sind kaum weniger etabliert. Daneben gibt es trotz der zunehmenden Konkurrenz im Netz eine große Zahl von Zeitschriften, die sich der Literatur in all ihren Formen widmen, oft mit viel Liebe und wenig Geld, dafür schön gestaltet. Sie sind Versuchslabore, Salons, Schaukästen und manchmal auch nur Textfriedhöfe. / Sabine Scholl und Thomas Geiger präsentieren ihre Favoriten unter den Literaturzeitschriften

Hölderlinpreis (Bad Homburg) für Christoph Peters

Der Schriftsteller Christoph Peters erhält den mit 20.000 Euro dotieren Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg. Oberbürgermeister Alexander Hetjes überreicht die Auszeichnung am Sonntag, 12. Juni, 11 Uhr, in der Englischen Kirche. Laudator wird Vorjahrespreisträger Michael Kleeberg sein. Der mit 7.500 Euro dotierte Förderpreis geht an Per Leo. / Bad Homburg

Miłosz Festival in Cracow

The relationship between the poet and the reader is the core of Miłosz Festival, which originated from the tradition of meetings of the poets of the East and West. The festival gives opportunity to ask about artistic inspirations, but it is also an occasion to listen to poets reading their own creations.

Among the guests: Breyten Breytenbach, Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki, Ashur Etwebi, Jerzy Kronhold, Piotr Matywiecki, Agnieszka Mirahina, Przemysław Owczarek, Tadeusz Pióro, Joanna Roszak, Olga Sedakova, Kacper Bartczak, Stefan Hertmans, Barbara Klicka, Aldona Kopkiewicz, Bartłomiej Majzel, Michael Ondaatje, Piotr Przybyła, Julia Szychowiak, Adonis, Zdzisław Jaskuła

/ New Eastern Europe

Klopstockpreis für Kolbe, Förderpreis für Spyra

Der Quedlinburger Autor Michael Spyra wird mit dem mit 3 000 Euro dotierten Klopstock-Förderpreis des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet. Er ist einer von zwei Preisträgern. Den Klopstockpreis und 12 000 Euro bekommt der in Berlin geborene und heute in Hamburg lebende Schriftsteller Uwe Kolbe. Offiziell überreicht werden die Preise, wie es in einer Mitteilung des Ministeriums für Kultur heißt, am 2. Oktober im Rahmen der Abschlussveranstaltung der Landesliteraturtage im Theater in Stendal. / Mehr

Auffallendes Wesen

Unica Zürn: Krankenakte Karl-Bonhoeffer-Heilstätten

12.10. 1960 Der geschiedene Ehemann der Pat. sprach heute vor und berichtete (…). Als Ref. seine damalige Frau kennengelernt habe, sei sie schon ein auffallendes Wesen gewesen. Ihr Hang habe immer nach Höherem gestanden. Besondere Vorliebe habe sie für die Schriftstellerei gehabt.

Aus: Unica Zürn, Gesamtausgabe Bd. 4.3: Anmerkungen, Briefe, Dokumente. 1999, S. 296

Lyrikmarkt

Sa 11.06.2016 – 15:00 Uhr

  1. poesiefestival berlin

Lesungen, Livemusik und ein Bastel- und Spielprogramm für Kinder tragen zu einem regen Markttreiben bei. Verlage, Antiquariate und Buchhandlungen laden ein zum Schmökern und Stöbern in poetischen Neuerscheinungen, Fundstücken und Raritäten.

15:00 – 21:00 Lesungen im Buchengarten
Annelie Axén | Hinemoana Baker | Timo Berger | Sean Bonney | Josepha Conrad | Daniel Falb | Anja Golob | Eberhard Häfner | Ilia Kitup | Birgit Kreipe | Els Moors | Steffen Popp | Tim Holland | Marion Poschmann | Kristin Schulz | Steven Zultanski | Asmus Trautsch | Mathias Traxler | Matvei Yankelevich
Moderation: Aurélie Maurin FRA Übersetzerin, Herausgeberin | Alexander Filyuta DEU Übersetzer

Ab 15:30 ZEBRA-Poesiefilmclub: Kein schöner Land
Studio
Die Literaturwerkstatt Berlin/Haus für Poesie präsentiert auch auf dem 17. poesiefestival berlin Kurzfilme, die auf Gedichten basieren. Passend zum Thema des Festivals hat sie aus ihrem großen Archiv Poesiefilme ausgewählt, die sich mit Flucht und aktuellen Konflikten befassen.
Moderation: Thomas Zandegiacomo Del Bel DEU Medienwissenschaftler

Ab 19 Uhr Konzerte in der Studiobühne
Kofelgschroa
Kitty Solaris mit Band
Der Nino aus Wien mit Band

Poetische Publikationen
APHAIA VERLAG, Antiquariat Ballon + Wurm, außer.dem, BELLA triste, Brueterich Press, Bücherbunker Berlin, edition AZUR, Edition Rugerup, Elfenbein Verlag, Gutleut-Verlag, Hanser Verlag + Hanser Berlin, hochroth Verlag, Horlemann Verlag und die Edition Voss, kookbooks, Literarische Buchhandlung Der Zauberberg, Luchterhand Literaturverlag, luxbooks, Matthias Wagner Antiquariat, parasitenpresse, Park. Zeitschrift für neue Literatur, Poesiealbum / Märkischer Verlag, poetenladen verlag, Propeller Verlag, randnummer, Reinecke & Voß, roughbooks, Russky Gulliver, Saint George’s Bookshop, SINN UND FORM, Sommergras, STILL, Suhrkamp und Insel Verlag, Translit, Ugly Duckling Presse, Verlag C. H. Beck, Verlag Das Wunderhorn, Verlag Hans Schiler, Verlag Peter Engstler, Verlagshaus Berlin

Projektleitung: Alexander Gumz | Matthias Kniep |
Thomas Zandegiacomo Del Bel

Leseecke 15

FullSizeRenderLeseecke ist eine Rubrik, die sich der Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde an 154 Tagen (mit Zwischenraum, um durchzuschaun) mir jeweils eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts). Zur Originalschreibweise: u / v und i / j sind fast regellos austauschbar, liue lies live, ioy lies joy.
Sonette 15-21 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.

15

WHen I consider euery thing that growes 
Holds in perfection but a little moment.
That this huge stage presenteth nought but showes
Whereon the Stars in secret influence comment.
When I perceiue that men as plants increase,
Cheared and checkt euen by the selfe-same skie:
Vaunt in their youthfull sap, at height decrease,
And were their braue state out of memory.
Then the conceit of this inconstant stay,
Sets you most rich in youth before my sight,
Where wastfull time debateth with decay
To change your day of youth to sullied night,
    And all in war with Time for loue of you
    As he takes from you, I ingraft you new.

Plessow schreibt in seinem Kommentar: „Sonett 15 führt den Dichter ein, zusammen mit der Scheinwelt der Bühne als Ort der Handlung: Where wastefull time debateth with decay … I engraft you new.

Einige Anmerkungen zum Text:

1 consider ursprüngl. = look at, erst die zweite Zeile wendet die Bedeutung in die heute geläufige

nought naught (nichts) – V. 3 führt das geläufige Konzept der Welt als Bühne ein

4 influence auch im wörtlichen Sinne von etwas, das von den Sternen herab“fließt“ und uns beein“flußt“

Cheared cheerèd (zweisilbig gesprochen, schwebende Betonung) damals in der Bedeutung: ermutigt

7 vaunt sich brüsten

conceit Gedanke, Konzept (zugleich abgeleitet von der italienischen Form concetto eine spezielle Form bildlichen Ausdrucks in der Literatur des 16./17. Jahrhunderts – hier passend im Sinne weit hergeholter Vergleiche) inconstant stay Vergänglichkeit

12 sullied schmutzige

13 in war weniger verbreitete Variante von at war; hier offenbar gebraucht als Gegensatz zu in love

14 ingraft engraft (belebe, pfropfe auf)

 

Deutsche Fassung von Max J. Wolff (1903):

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„Risse“

In der neuen Ausgabe der Rostocker „Risse“ (Heft Nr. 36 mit dem Schwerpunktthema: Schweigen) Teil 1 eines Essays von Bertram Reinecke über „Das Jahr der Lyrik in der Kritik. Parteiische Thesen und kritische Ausschweifungen“ (Fortsetzung im nächsten Heft). Ich zitiere einen Passus über Jan Wagner:

Seinen vorherigen Band Die Eulenhasser in den Hallenhäusern habe ich mit größtem Interesse studiert. In dem Buch erfindet er gleich drei Alter Ego, drei fiktive Dichter, zu denen teils eigens von ihm miterfundene Literaturwissenschaftler Vorworte und Kommentare verfassen. Dazu gibt es auch ein zwar mit Jan Wagner gezeichnetes Vorwort, das streng genommen ein weiteres Alter Ego enthält, denn es behauptet hier, drei Dichter der Vergessenheit zu entreißen, die er in Wirklichkeit erschuf. Diese Anordnung lässt sich als köstliche Spielerei für findige Leser auffassen. Sie ist aber mehr: Allein die gelehrten Kommentare decouvrieren, ohne direkt auf Lustigkeit oder Pointen abzuzielen, literaturwissenschaftliche Lesegepflogenheiten. (Teils etwa sinkt ihnen der Autor zum Stichwortgeber für feine Bildungsanekdoten herab.) Dass sie an einem erfundenen Gegenstand quasi leerlaufen, zwingt dazu, sie als das zu sehen, was sie, gern unter dem Gestus wissenschaftlicher Autorität verborgen, auch sind: ein Set von etablierten Gewohnheiten. (…)

Wagners Regentonnenvariationen mögen ein guter Band sein, er mag vielleicht sogar insgesamt mehr „gelungene“ Gedichte enthalten, ist allerdings für seine Leser ohne größere Überraschungen. Stimmung und Tonlage bewegen sich mit leichten Verschiebungen im bewährten Wagneruniversum. Die Eulenhasser in den Hallenhäusern zielt weiter und birgt überraschendere Ergebnisse. Um es mit Ulf Stolterfoht (der sich freilich zu ganz anderen Texten äußert) zu sagen, es geht um einen Einspruch gegen das falsche Gelingen in einer Zeit allgemeinen Gelingens auf hohem Niveau (Münchner Rede zur Poesie, 11.11.2015). Ein Gedicht wird interessanter, wenn es eine Aufgabe findet, an der es auch scheitern kann. Wagner stellt sich zu guter Letzt aber auch noch auf eine andere Weise zur Disposition: Weil er in den pseudogermanistischen Kommentaren seinen ganzen Erfindungsreichtum präsentiert, quasi den Hallraum ausschreitet, zeigt er, in welchen möglichen Diskursen und Weiterführungsräumen er seine Lyrik denkt, während die Lyrikkritik immer wieder suggeriert, ihre Kriterien würden nicht aus Umgangsformen mit Gedichten entwachsen, sondern die Maßstäbe fielen irgendwie unveränderlich vom Himmel. In der Kritik kam der Eulenhasserband deshalb kaum über ein distanziertes „Ja, aber“-Lob hinaus, auch wenn die meisten Kritiker einräumten, dass sie den Band eigentlich sehr gern gelesen hätten.

Weiter im Heft (Auswahl): Gedichte von Kurt Scharf, Tobias Reußwig, Christoph Rohrbach, André Hatting, Prosa von Jürgen Landt, Kritiken zu Ulf Stolterfoht, Siegfried Pitschmann, Sascha Reh und Frank Witzel.

Warum er Englisch dichtet

Der Dichter Charles Simic kam als 16-Jähriger mit seiner Familie aus Jugoslawien in die Vereinigten Staaten. Bereits ein Jahr später begann er, Gedichte auf Englisch zu schreiben. Vor allem um Mädchen zu beeindrucken, wie er sagt. Mit diesem Argument begegnet er auch denen, die ihm vorwerfen, er habe als Dichter seine serbische Muttersprache aufgeben:

„Ihnen erwidere ich dann: Tja, tut mir leid. Mir liegt eben viel daran, mit den Menschen zu kommunizieren, mit denen ich lebe. Insbesondere den jungen Damen meine Aufwartung zu machen. Ich kann ja nicht sagen: Edna, schau mal, ich habe hier ein wundervolles Gedicht geschrieben. Es ist in Serbisch, aber du kannst mir glauben, es ist voller Liebe für dich.“ / DLR

Wochendigest 5

Unveröffentlichte Kurzgedichte

Ein Band mit unveröffentlichten Kurzgedichten des bengalischen Dichters Rabindranath Tagore  (1861-1941) wird erstmals in Buchform veröffentlicht. Tagore schrieb diese Gedichte beim Autogrammgeben. Das Buch ‘Knockings at my heart’ enthält etwa 80 solchen Autogramm-Gedichte. Es sind sehr kurze Gedichte, beeinflußt von der Präzision, Tiefe, Kraft und Intensität japanischer Haiku. / Indian Express

Verteidigungsrede der Miss Turkey

[Die wegen Beleidigung des Staatspräüsidenten verurteilte ehemalige türkische Schönheitskönigin Merve] Büyüksaraç sagte nach Angaben der Zeitung „Hürriyet“, sie habe den Text „lustig“ gefunden. Sie habe weder etwas gestohlen, noch habe sie jemanden getötet, sagte die Beschuldigte. Sie frage sich, welcher anderer Politiker so viele seiner eigenen Landsleute vor Gericht bringe. „Cumhuriyet“-Chefredakteur Can Dündar, der inzwischen selbst zu fast sechsjährige Haft verurteilt wurde, kommentierte mit Blick auf die zahlreichen Prozesse gegen Medienvertreter und Kritiker in der Türkei jüngst, inzwischen gehöre es im Präsaidentenpalast offenbar zum guten Ton, Kritiker vor Gericht zu stellen. / Wiener Zeitung

Poetry Slam in Namibia und Deutschland

„Das Gedicht erfährt durch ‚Poetry Slam‘ derzeit einen enormen kulturellen Wandel in Deutschland, da es wieder näher an die Lebenswirklichkeit junger Leute herankommt“, so Pfeiler. So wie in Windhoek füllen die Veranstaltungen auch in Deutschland die Säle. In Bochum können gut und gerne schon einmal 1000 Zuhörer zusammenkommen. „Ich denke, es ist für viele ein Reiz, sich genau das anzuschauen, was man sich selbst nicht zutraut: Vor einem Riesen-Publikum minutenlange Zeilen eines einstudierten Gedichtes oder einer Kurzgeschichte auf Punktladung hin zu präsentieren“, erklärt die 39-Jährige. Es seien eben die „Popstars der Lyrik“.

1000 Leute sind für Windhoeker Verhältnisse (noch) Zukunftsmusik. Doch das Interesse der Leute, andere an ihren Problemen, Freuden oder Traurigkeit teilhaben zu lassen, werde immer größer. „Oft wird beispielsweise über Feminismus, Gewalt an Frauen und Geschlechtergleichheit gesprochen. Es stehen Frauen auf der Bühne, die ihrer Wut freien Lauf lassen“, so Don Stevenson von „SpokenWord Namibia“. Natürlich sei einiges sehr klischeehaft, doch es gebe durchaus sehr talentierte Dichter, die mit ihren Werken an ihre Grenzen gehen und das Publikum fesseln. / Allgemeine Zeitung

Konrad-Bayer-Hommage

Fritsch erarbeitete an der Volksbühne einige Konrad-Bayer-Abende, dann hat er dem Avantgardisten diese orgiastische Hommage gewidmet. Die Sprache ist für den Lautpoeten Bayer, welcher der Wiener Gruppe angehörte, optisches und akustisches Material, ja ein erotisch aufgeladener Fetisch. Er zerlegt die Sätze in Worte, die Worte in Buchstaben. Daraus konstruiert er Abfolgen, die einen Sinn nur erahnen lassen.

«argumentation vor der bewusstseinsschwelle» heisst eines der «aufgeführten» Lautgedichte: «an der der für den u und an der dass trotz des von keinem eine einzig der ist ist das eines ein (. . .)». Das Sprachmaterial – es sind etwa ein Dutzend Texte von Bayer – lädt Fritsch mit neuer Sinnhaftigkeit auf. Er erweckt die Buchstaben zu einem surrealen und synästhetischen Lautkunstwerk. Der Bilderbogen will so gar nicht zu Bayers Stimmung passen. Der Schriftsteller hatte sich, gepeinigt von Selbstzweifeln und verletzt von der Jurykritik bei der Gruppe 47, im Alter von nur 32 Jahren in Wien das Leben genommen. / Katja Baigger, NZZ

17. Poesiefestival Berlin

Das 17. Poesiefestival Berlin vom 3. bis 11. Juni steht unter dem Motto „Kein schöner Land“ und stellt sich so drängenden Fragen wie: Was ist das für eine Welt, in der wir leben und leben werden? Mit Blick auf die Schieflagen der Welt eröffnen 150 Dichter sowie Künstler aus 37 Ländern neue Perpektiven – durch Lesungen, Performances und Konzerte. / Ein Überblick

Das Programm

Wochendigest 4

Poetry on the road

Der 1978 auf Jamaika geborene und in England lebende Kei Miller kartografiert in seiner fein durchrhythmisierten Lyrik die Karibikinsel, die vielen als Paradies gelte, was jedoch „Bullshit“ sei. Mit warmem Timbre und brillanter Modulation unterstreicht er, wie die der mündliche Vortrag die Ausdruckskraft von Gedichten zu multiplizieren vermag. Ein negatives Gegenbeispiel bietet direkt danach der österreichische Universalliterat Raoul Schrott, der seine Lyrik in einer schwermütigen Lesung teilweise geradezu vernuschelt. Allein das letzte Gedicht des 52-Jährigen – über das Grab eines eritreischen Flüchtlings in Libyen – vermag zu berühren. Doch da sind die ihm zur Verfügung stehenden zwölf Minuten bereits um und mit Wiglaf Droste kehrt die Satire ein. / kreiszeitung.de

(Mehr zu Poetry on the road bei Radio Bremen)

Wunder

Der bekannte Weßlinger Autor und Verleger Anton G. Leitner hat mit seiner Zeitschrift „Das Gedicht“ deutschsprachige Literaturgeschichte geschrieben.

schreibt Wolfgang Prochaska aus Weßling in der Süddeutschen Zeitung:

Einmal im Jahr, meist im Frühherbst, geschieht ein großes Wunder. Dann erscheint die Literaturzeitschrift „Das Gedicht“.

Wie ein Wunder fürwahr klingt seine Kunde:

Dass Lyrik plötzlich in den Buchhandlungen und in den Verlagen weniger stiefmütterlich als früher behandelt wird, ist auch dem Weßlinger zu verdanken.

Preis der Frankophonie

Der in französischer Sprache schreibende Lyriker Ziad Medoukh, Direotor der Französischabteilung der Al-Aqsa-Universität Gaza (Palästina) gewann den erstmals ausgeschriebenen Preis für frankophone Literatur des Wettbewerbes Europoésie 2016. 200 Autoren aus 40 Ländern beteiligten sich. Ziad Medoukh hat 4 Gedichtbände über Gaza und Palästina veröffentlicht, drei in Frankreich und einen in Quebec. / Palestine.solidarité

Elegie (1)

Die Subversion dieses kurzen Gedichts dürfte den DDR-Zensoren damals entgangen sein. Zeit für eine Wiederentdeckung des ostdeutschen Poeten und Ökonomen Karl Mickel.

JAN VOLKER RÖHNERT, Frankfurter Anthologie 27.5.

Kleiner philologischer Nachtrag

„Zwischen null Uhr und null Uhr ist unsere Zeit“ endet das Gedicht in der in der FAZ-Anthologie vorgetragenen Fassung (Abschrift nach der Hörfassung). Im Erstdruck in dem Gedichtband „Vita nova mea. Mein neues Leben“, Berlin u. Weimar: Aufbau Verlag, 1966, steht: „Zwischen 12.00 und 0.00 ist unsre Zeit“. Fan Volker Röhnert bezieht sich auf die ein Jahr später erschienene Lizenzausgabe bei Rowohlt, die mir nicht vorliegt. Ich sehe in der Werkausgabe nach, der erste Band, „Schriften I. Gedichte 1957-1974“, Halle-Leipzig: Mitteldt. Verlag, 1990, sagt: „die Sammlungen Vita nova mea und Eisenzeit folgen den Erstdrucken.“ Tun sie aber nicht, wie nicht nur dieses kleine Beispiel zeigt. Fassung der Werkausgabe: „Von Mittnacht zu Null Uhr ist unsre Zeit“.