»Den speisest du, den du, den ich.«

Die Drei

Drei Reiter nach verlorner Schlacht,
Wie reiten sie so sacht, so sacht!

Aus tiefen Wunden quillt das Blut,
Es spürt das Roß die warme Flut.

Vom Sattel tropft das Blut, vom Zaum,
Und spült hinunter Staub und Schaum.

Die Rosse schreiten sanft und weich,
Sonst flöss‘ das Blut zu rasch, zu reich.

Die Reiter reiten dicht gesellt,
Und einer sich am andern hält.

Sie sehn sich traurig ins Gesicht,
Und einer um den andern spricht:

»Mir blüht daheim die schönste Maid,
Drum tut mein früher Tod mir leid.«

»Hab‘ Haus und Hof und grünen Wald,
Und sterben muß ich hier so bald!«

»Den Blick hab‘ ich in Gottes Welt,
Sonst nichts, doch schwer mir’s Sterben fällt.«

Und lauernd auf den Todesritt
Ziehn durch die Luft drei Geier mit.

Sie teilen kreischend unter sich:
»Den speisest du, den du, den ich.«

Nikolaus Lenau (13. August 1802 Csatád, Ungarn, heute Lenauheim (Schadat), Rumänien – 22. August 1850 Oberdöbling)

Das Lineament erfüllter Gier

Drei kurze Stücke aus Notizbüchern von William Blake, der am 12. August 1827 starb.

Was ists das Männer von den Fraun begehren?
Das Lineament begierigen Gewährens.
Was ists das die Fraun von Männern begehren?
Das Lineament begierigen Gewährens.

**

Von einer Frau erwünscht ich mir
Was man bei Huren immer find´t
Das Lineament erfüllter Gier.

**

Wenn Mann und Frau erst
Ehlich vereint sind
Sieht Er nach ob Ihre Knie
Zusammgeleimt sind.

Linie, Lineament (Federstrich) war ein wichtiges Element auch seines bildnerischen Werks. Hier die Originaltexte:

What is it men in women do require? –
The lineaments of gratified desire.
What is it women do in men require? –
The lineaments of gratified desire.

(Notizbuch um 1791/92)

In a wife I would desire
What in whores is always found –
The lineaments of gratified desire.

(Notizbuch um 1791/92)

WHEN a man has married a wife, he finds out whether
Her knees and elbows are only glued together.

(Notizbuch, um 1804 – In der ersten Ausgabe, die ich benutzte, vierzeilige Fassung mit geringen Abweichungen)

Übersetzungen M.G.

Die Lampe

Sara Teasdale (1884 – 1933)

THE LAMP

IF I can bear your love like a lamp before me,
 When I go down the long steep Road of Darkness,
 I shall not fear the everlasting shadows,
  Nor cry in terror.

If I can find out God, then I shall find Him,
 If none can find Him, then I shall sleep soundly,
 Knowing how well on earth your love sufficed me,
  A lamp in darkness.

Aus: Sara Teasdale, Love Songs (1917)

Die Lampe

Kann ich deine Liebe als Lampe führen,
 Lange dunkle Wege hinab, dann fürcht’ ich
 Nicht die immerwährenden Schatten, werd’ nicht
  Weinen im Schrecken.

Kann ich Gott dort finden, so treff’ ich Ihn wohl,
 Kann Ihn niemand finden, so schlaf’ ich ruhig,
 Wissend deine Liebe genügte mir als
  Lampe im Dunkel.

Übers. Christoph Georg Rohrbach

Wer lieben wil / mus nicht so blöde seyn

HJer hab ich nun mein sehnliches Verlangen :
hier liegt mein Lieb / hier ligt mein ander ich :
hier giebt das Glück sich selbst gefangen mich[1] :
hier mag ich nun mein Lieb vielmahl umfangen : ¶
hier mag ich nun auch küssen seine Wangen :
Cupido hört mein Klagen inniglich /
und wil nun auch so hülffreich zeigen sich ;
Nun mag ich wohl mit meinem Glücke prangen ;
die Venus zeigt mir iezt ein guhtes Ziel /
ich wil nur selbst / nicht was ich gerne wil ;
O Blödigkeit[2] / du must nur von mir weichen !
weil[3] du hir bist / wärt meine grosse Pein ;
Wer lieben wil / mus nicht so blöde seyn /
sonst kan er nicht der Liebe Lohn erreichen.

Sibylla Schwarz (1621-1638)

Die Dichterin Sibylla Schwarz starb am 31. Juli 1638 in Greifswald. In den meisten protestantischen Ländern galt damals noch der julianische Kalender. In Wien, Rom, Paris usw. schrieb man da schon den 10. August. Welcher Kalender auch immer: Heute vor 379 Jahren starb Sibylla Schwarz im 17. Jahr ihres Lebens. 3 Tage später, am 3. August alten, 13. August neuen Stils wurde sie in der Nikolaikirche ihrer Heimatstadt beigesetzt.

[1] mir
[2] Schüchternheit
[3] solange

 

Nahant

Sara Teasdale (1884 – 1933)

NAHANT

BOWED as an elm under the weight of its beauty,
 So earth is bowed, under her weight of splendor,
 Molten sea, richness of leaves and the burnished
  Bronze of sea-grasses.

Clefts in the cliff shelter the purple sand-peas
 And chicory flowers bluer than the ocean
 Flinging its foam high, white fire in sunshine,
  Jewels of water.

Joyous thunder of blown waves on the ledges,
 Make me forget war and the dark war-sorrow—
 Against the sky a sentry paces the sea-cliff
  Slim in his khaki.

Aus: Sara Teasdale, Flame and Shadow (1920)

Nahant

Wie eine Ulme gebogen unter der Last ihrer Schönheit,
 Ist auch die Erde gebogen, unter der Last ihrer Pracht,
 Ehernes Meer, Blätterreichtum und das polierte
  Bronzene Seegras.

Die Klüfte der Klippen schützen die Strand-Platterbse
 Und Zichorieblüten blauer als der Ozean der seinen
 Schaum emporschleudert, weißes Feuer im Sonnenlicht,
  Wasserjuwelen.

Freudiges Donnern der Wellenschläge am Felsen
 Lässt mich den Krieg vergessen und dessen Sorgen –
 Am Horizont durchschreitet ein Wachmann die Klippen
  Schwindend in Khaki.

Übers. Christoph Georg Rohrbach

Wilde Astern

Als ich einem Freund erzählte, daß ich für den Lyrikkalender Sara Teasdale plane, sagte er: Christoph Rohrbach hat etwas von ihr übersetzt. Da war ich doch verblüfft angesichts der fast nicht vorhandenen Rezeption in Deutschland. Da leben wir in derselben Stadt und lesen dieselbe unbekannte Dichterin, ohne voneinander zu wissen. Christoph Rohrbach war so freundlich, mir einige Texte zu überlassen, und so startet mein Lyrikkalender eine kleine Stele für Sara Teasdale. Heute:

WILD ASTERS

IN the spring I asked the daisies
  If his words were true,
 And the clever, clear-eyed daisies
  Always knew.

Now the fields are brown and barren,
  Bitter autumn blows,
 And of all the stupid asters
  Not one knows.

Aus: Sara Teasdale, Love Songs (1917)

Wilde Astern

Im Frühjahr frug ich das Tausendschön:
  „Sind seine Worte wahr?“
 Dem cleveren, klugen Tausendschön
  war die Antwort klar.

Nun sind Felder braun und brach,
  Strenger Herbstwind peitscht,
 und von all den blöden Astern
  weiß keine Bescheid.

Übers. CGR

Christoph Rohrbach schrieb dazu:

Sie geriet in Vergessenheit, blieb aber einflussreich für nachfolgende Dichter und Dichterinnen wie Sylvia Plath. Diese Texte nennt sie „songs“ und meint damit Lieder im Sinne Heinrich Heines, den sie bereits als junge Frau aus dem Deutschen ins Englische übertrug und der ein erster großer Einfluss werden sollte.

Morgen mehr.

Wird sich nicht ändern

„It Will Not Change“

It will not change now
After so many years;
Life has not broken it
With parting or tears;
Death will not alter it,
It will live on
In all my songs for you
When I am gone.

Prosaübersetzung:

Es wird sich nun nicht ändern
nach so vielen Jahren;
Das Leben hat es nicht zerbrochen
durch Abschied oder Tränen;
Der Tod wird es nicht ändern,
Es wird weiterleben
in all meinen Liedern für dich
wenn ich nicht mehr da bin.

Sara Teasdale (8. August 1884 St. Louis – 29. Januar 1933 New York City)

Aus dem Band „Flame and Shadow“ (1920)

Die amerikanische Dichterin Sara Trevor Teasdale scheint durch alle oder fast alle Raster der deutschen Rezeption gefallen zu sein. Vielleicht waren ihre Gedichte zu „einfach“?

1907 erschien ihr erster Gedichtband. Sie gehörte zur Redaktion der in Chicago erscheinenden Zeitschrift „Poetry“. 1918 erhielt sie den Vorläufer des Pulitzerpreises für den Gedichtband „Love Songs“. Einen deutschen Wikieintrag gibts, aber der konzentriert sich auf ihr privates Schicksal (unglückliche Ehe, Selbstmord). In keiner meiner relativ vielen Anthologien amerikanischer Lyrik kann ich sie finden, nicht einmal in den auf Autorinnen spezialisierten.

Röschen

Joachim Ringelnatz

(7. August 1883 Wurzen – 17. November 1934 Berlin)

Ein Liebesnachts-Wörtchen

Ja – – ja! – -ja!! – – ja!!! – –
Du hast so süße Höschen.
Nun sind wir allein. Und es ist Nacht.
Ach hätte ich Dir doch ein Röschen
Mitgebracht.

Aus: Joachim Ringelnatz: Gedichte dreier Jahre. Berlin: Ernst Rowohlt, 1932, S. 39

Hört weg!

Christa Reinig

(6. August 1926 Berlin – 30. September 2008 München)

HÖRT WEG!

kein wort soll mehr von aufbau sein
kein wort mehr von arbeit und altersrente
hört weg – ihr helden – ich rede allein
für asoziale elemente

für arbeiter die nicht mehr arbeiten wollen
für die stromer und wüsten matrosen
für die sträflinge und heimatlosen
für die zigeuner und träumer und liebestollen

für huren in häusern mit schwülen ampeln
für selbstmörder aus zerstörungslust
und für die betrunknen die unbewußt
ein stück von einem stern zertrampeln

ich rede wie die irren reden
für mich allein und für die andern blinden
für alle die in diesem leben
nicht mehr nach hause finden

Emily Brontë

Heute ohne gegebenen Anlaß ein Gedicht meiner Lieblings-Brontë. Emily Brontë wurde am 30. Juli 1818 in Thornton, Yorkshire geboren, sie starb jung am 19. Dezember 1848 in Haworth, Yorkshire. Wuthering Heights, Sturmhöhe, ist ein großartiger Roman. Hier ein kleines Gedicht von ihr.

Was it with the fields of green,
Blowing flower and budding tree,
With the summer heaven serene,
That thou didst visit me?

No; ’twas not the flowery plain;
No; ’twas not the fragrant air:
Summer skies will come again,
But thou wilt not be there.

War es mit den grünen Feldern,
Blühenden Blumen und Knospenden Bäumen,
Mit dem heiteren Sommerhimmel,
Daß du mich besuchtest?

Nein; es war nicht die blumige Wiese;
Nein; es war nicht die duftende Luft:
Sommerhimmel kommen wieder,
Doch du wirst nicht dort sein.

Aus: Emily Brontë: Gedichte/Poems 2. Deutsch von Elsbeth Ort. München: Popa, 1988, S. 26f

Ein deutscher Dichter gallisch-alemannischen Geblüts

René Schickele (1883-1940)

Sonnenuntergang

Ich stieg vom Keller
Bis unters Dach,
Immer heller
war das Gemach,
Die Stadt, sonst verdrossen,
Hob Kuppeln aus Gold,
Es glühten die Gossen
Wie Adern von Gold.

Die Felder brandeten,
Meer in Meer,
Vögel landeten,
Von Feuer schwer,
Auf Korallenwipfeln.
Schauer von Licht
Liefen ernsten Gipfeln
Übers Gesicht …

Den Turm besteigend
Sah ich die Welt
Der Nacht sich neigend
Von Lust erhellt,
Mit einem Lächeln,
das schimmernd stund,
Ein Flammenfächeln,
Um ihren Mund,

Wie Frauen der Wonnen,
Sie liegen enthüllt,
Noch lange versonnen
Gedenken erfüllt.

Aus: Menschheitsdämmerung. Symphonie jüngster Dichtung. Hrsg. Kurt Pinthus. Berlin: Rowohlt, 1920, S. 120

Ich füge die von ihm selbst verfaßte Biografie aus dem Anhang der Anthologie hinzu, weil sie ewig aktuell bleibt in ihrer Verachtung der um ihre Identität bemühten Knechtsseelen:

R E N É S C H I C K E L E. Geboren am 4. August 1883. Gymnasium: Zabern und Straßburg. Universitäten: Straßburg, München, Paris. Reisen durch ganz Europa westlich der Elbe, Griechenland, Palästina, Ägypten, Indien. Wo ich gerade bin, ist es immer am schönsten. Jetzt in einem Schweizer Fischerdorf am Bodensee.

Ich bin ein deutscher Dichter, gallisch-alemannischen Geblüts, das in den Formen der deutschen Sprache austreibt, ein Fall wie Gottfried von Straßburg auch — dreifache Verbeugung vor dem unerreichbaren Ahnen! — den doch auch keiner zu „annektieren“ und zu „desannektieren“ gedenkt.
Gestern deutscher, heute französischer Staatsangehöriger: ich pfeife darauf. Es gibt Menschen (und dazu gehören die meisten meiner Landsleute), die sich sogar ihre Henker aussuchen wollen. Soweit geht mein ästhetisches Gewissen nicht. Was kümmerts mich, wohin die Eroberer ihren Fußball schieben! Für mich gehören Grenzverschiebungen wie alle andern nationalen
Transaktionen zum Börsenspiel. Ich hin nicht daran beteiligt, sie gehn mich nichts an. Weil ich es mit solchen Ketzereien ernst genommen habe von jeher und gar erst im Krieg, stehe ich in schlechtem Ruf beim livrierten Gesindel diesseits wie jenseits des Rheins. Die Psychologen darunter enthüllen mich jahraus jahrein als einen „unsichern Kantonisten“, obwohl ich nie abgeleugnet habe. Gott erhalte mir meine Unsicherheit!

Immerhin gehöre ich zur deutschen Literatur, die ich — wie sich allmählich zeigt: mit Recht — für eine größere Realität ansehe, als die gepanzerten, pulvergeladenen, geschliffenen und schaumlügenden Äußerungen der deutschen Öffentlichkeit. Keiner meiner Kameraden wird mich durch meine Schuld verlieren. Und begänne der Krieg von neuem, und welche Militarismen einander auch ablösen mögen. Ich weiß: Der Mensch, bisher das traurigste der Tiere, hat seine Lage erkannt, und nichts wird ihn hindern, für seine Befreiung einen Ruck zu tun, wie die Geschichte noch keinen vermerkt hat.

Aus: Ebd. S. 296f

Merlin

Weil das Volk seine Reden alle wieder erfuhr, und jener Mann ihn auf die Probe zu stellen gedachte, beschloß Merlin, nun nicht mehr so offen zu sprechen, sondern alle seine Sprüche und Worte wurden nun dunkler und man verstand sie erst, nachdem sie eingetroffen.

Aus: Sammlung romantischer Dichtungen des Mittelalters. Aus gedruckten und handschriftlichen Quellen. Herausgegeben von Friedrich Schlegel. Junius, Leipzig 1804. Band 1: Geschichte des Zauberers Merlin. (Histoire de la vie, miracles, enchentements et prophecies de Merlin. Erstausgabe: 3 Bände, Paris 1498), S. 140

Das Buch ist ein Werk von Dorothea Schlegel. Es erschien wie ihr einziger Roman  ohne Namensnennung der Autorin/Übersetzerin als von ihrem Ehemann Friedrich Schlegel herausgeben. Brendel Mendelssohn alias Dorothea (von) Schlegel, geborene Mendelssohn, geschiedene Veit, war die Tochter des Philosophen Moses Mendelssohn (1729–1786). Nach der Scheidung nannte sie sich Dorothea und lebte im Kreis der Jenaer Frühromantiker mit Friedrich Schlegel zusammen, den sie 1804 in Paris heiratete. Sie wurde am  24. Oktober 1764 in Berlin geboren und starb am  3. August 1839 in Frankfurt am Main.

Seite aus dem Buch (Googlescan als visuelle Poesie)

Hier gibt es Bücher von Dorothea Schlegel zum Herunterladen.

Dänholmer Dichterstreit

Dänholm ist eine kleine Insel zwischen Stralsund und der großen Insel Rügen. Vor 15 Jahren beobachtete ich dort in einer trostlosen Bushaltstelle einen Dichterwettstreit zwischen rechten (Nazis) und linken („Zecken“) Jugendlichen in Gestalt zweier als Graffiti an die Wände geschriebenen Vierzeiler. Dieses Stück politischer Volksdichtung sei das heutige Sommergedicht.

A

Zecken sind schwul
Zecken haben ne Fratze
schneidt‘ euch die Haare,
werdet zur Glatze

B

Hitler ist tot
Nazis sind krank
färbt euch die Haare
werdet zum Punk

Finde fünf Unterschiede!

In meiner Anthologie, in der ich ein paar Jahre vor Gründung der Lyrikzeitung Gedichte veröffentlichte, gab es die Rubriken:

(Die Namen sind Farben der damaligen Apple-Farbpalette). Heute: Zement.

Finde heraus, warum Text Nummer 1 nach Heinrich Heine klingt (Auszug aus dem Gedicht Himmelfahrt), Text Nummer 2 aber nach einer aus NPD- oder anderen völkischen Kreisen kommenden Hetzschrift! Eine Übung zur Medien- und Textkritik.

1

Man hört Pantoffelgeschlappe jetzund,
Auch klirrt es wie ein Schlüsselbund,
Und aus einem Gitterfenster am Tor
Sankt Peters Antlitz schaut hervor.

Er spricht: »Es kommen die Vagabunde,
Zigeuner, Polacken und Lumpenhunde,
Die Tagediebe, die Hottentotten –
Sie kommen einzeln und in Rotten,
Und wollen in den Himmel hinein
Und Engel werden und selig sein.
Holla! Holla! Für Galgengesichter
Von eurer Art, für solches Gelichter
Sind nicht erbaut die himmlischen Hallen –
Ihr seid dem leidigen Satan verfallen.
Fort, fort von hier! und trollt euch schnelle
Zum schwarzen Pfuhle der ewigen Hölle.«

So brummt der Alte, doch kann er nicht
Im Polterton verharren, er spricht
Gutmütig am Ende die tröstenden Worte:
»Du arme Seele, zu jener Sorte
Halunken scheinst du nicht zu gehören –
Nu! Nu! Ich will deinen Wunsch gewähren,
Weil heute mein Geburtstag just
Und mich erweicht barmherzige Lust –
(…)

2

Von diesem Text gibt es keine autorisierte Fassung. Hier drei von mehreren im Netz kursierenden, jeweils mit „Anmoderation“:

Heinrich Heine sagte mal—
Türken,Inder,Hottentotten sind sympathische alle drei,
wenn sie leben,lieben,lachen fern von hier in der Türkei.
Doch wenn sie in hellen Scharen,wie die Maden in dem Speck,
in Europa nisten wollen—ist die Sympathie schnell weg

politikforen.net 10.12.2014

Heinrich Heine dichtete 1840: „Türken, Inder, Hottentotten, sind sympathisch alle drei, wenn sie leben, lieben, lachen fern von hier in der Türkei. Doch wenn sie in hellen Scharen, wie die Maden in dem Speck, in Europa nisten wollen, ist die Sympathie schnell weg!“

Quelle: Plenarprotokoll 4/130, Sächsischer Landtag, 4. Wahlperiode Freitag, 23. Januar 2009 (NPD-Abgeordneter Jürgen Gansel)

Islamische Massenimmigration: Ahnte Heinrich Heine, was auf Europa zukommen wird? Heinrich Heine 1840:

Türken, Inder, Hottentotten
sind sympathisch alle drei,
wenn sie leben, lieben, lachen
fern von hier in der Türkei.

Doch wenn sie in hellen Scharen,
wie die Maden in dem Speck,
in Europa nisten wollen,
ist die Sympathie schnell weg.

Michael Mannheimer Blog 20.10. 2013

 

Batzal

Gleich noch einmal Ernst Jandl, etwas zum Thema „Die Lyrik als Ausdruck“:

HOHES UND NIEDRIGES

aus aian orphischn oaschloch
druckts es maunchmoe a batzal
nemtsas glei auf de zungen
olle lyrik gheat gsungen

Die ersten drei Verse sind durch eine Zäsur vom vierten Vers geschieden. Erst mit diesem stellt sich die Mehrdeutigkeit des Gebrauchs von batzal heraus: daß sich dieses Wort hier nicht ausschließlich auf ein Stück weichen Exkrements bezieht, sondern auch auf Lyrisches. Vielleicht sind also das batzal und die lyrik von Anfang an identisch, oder im Zuge der Handlung verwandelt sich das batzal ins Gedicht oder das Gedicht ins batzal.

Was – wenn denn irgendetwas Bestimmtes – geschehen müßte, damit die angesprochenen Besitzer eines orphischn oaschlochs, also wohl die Lyriker selbst, die Identität oder die Verwandlung des batzals oder des Gedichtes hervorrufen können, bleibt ungesagt, dafür wird es getan: Die Aufforderung selbst ist – weil sie ein, nein, weil sie dieses Gedicht ist – das, was geschehen muß, um das batzal zum Gedicht oder das Gedicht zum batzal zu machen oder das eine in das andere zu verwandeln.

Aus Johann Georg Lughofer (Hrsg.): Ernst Jandl, Praesens Verlag, 2011 (Mehr)

Batzal, überhaupt ein polylinguales Wort

  • Österr. Häufchen: a Batzal Schlåg, Senf, Zwifä, Vogel-, …
  • Hebr. בָּצָל batzal Zwiebel
  • am. Slang Generally a guy with blonde hair in a fraternity. Also tends to be from the midwest, and go to a Big 10 university. You can just look at him and know what he is…a batzal