Erster August ist Jandltag.
sommerlied
wir sind die menschen auf den wiesen
bald sind wir menschen unter den wiesen
und werden wiesen, und werden wald
das wird ein heiterer landaufenthalt
Aus: Ernst Jandl: dingfest. gedichte. mit einem nachwort von hans mayer. Darmstadt und Neuwied: Luchterhand Verlag, 1973, Seite 53. (Von diesem Band der Sammlung Luchterhand erschienen bis 1983 6 Auflagen, sagt die Österreichische Nationalbibliothek. Es muß aber auch 1990 noch nachgedruckt worden sein – mein Exemplar trägt das Copyright 1983 und 1990. Erwerben konnte ich es 1991 in einer Buchhandlung in Essen, die das gesamte literarische Programm von Luchterhand verhökerte, ich glaube 3 Mark pro Stück, wenn man mindestens 10 abnahm, 2 Mark 50. Ich kaufte ja alleine mehr als 10 Bände von Jandl, ich hatte Nachholbedarf.
Petöfi ist ein Asteroid mit der Nummer 4483. Sonst ein Dichter mit dem Vornamen Sándor (1. Januar 1823 Kiskőrös [Taufdatum] – 31. Juli 1849 Weißkirch bei Schäßburg, heute Rumänien)
Vorbemerkung d. Hrsg.: Sollten einige Thema und Sprache zu wenig zeitgemäß finden, so muß ich ihnen gestehen: ich kann nicht anders. An einem Sommertage läßt sich ja fast jede Sangart hören, und die Natur, wovon es her ist, nimmts auch wieder.
Die Dichter des 19. Jahrhunderts
Deutsch von Martin Remané
Kein Sänger sollte in die Saiten
ohne Besinnen greifen heut,
denn hohe Pflichten zu erfüllen
hat der Poet in dieser Zeit!
Wer nur von seiner eignen Freude,
vom eignen Schmerz sich fühlt bewegt,
ist nicht vonnöten und tut besser,
wenn er die Laute niederlegt.
Wir irren heute in der Wüste
wie einst das Volk von Israel,
doch Moses, der der Feuersäule
Jehovas folgte, ging nicht fehl.
Uns hat der Schöpfer heut den Dichter
als Fackel für den Weg gesandt,
als Führer, der das Volk geleite
ins heilige, Gelobte Land.
So führt das Volk voran, ihr Dichter,
durch Feuer, Flut und Wüstensand!
Fluch dem, der sinken läßt die Fahne
und wegwirft gar mit feiger Hand!
Fluch allen, die sich ferne halten
aus Trägheit und Bequemlichkeit,
im sichren Schatten ruhn, indessen
das Volk nur Mühe kennt und Leid.
Falsche Propheten gibt’s, die sagen:
„Legt doch die Waffen aus der Hand!
Was ihr ersehnt, ist längst errungen!
Ihr lebt schon im Gelobten Land!“
Doch Lüge ist’s! Seht die Millionen,
die tot sich rackern rings im Feld
und mühsam nur ihr Leben fristen,
von Durst und Hunger stets gequält!
Erst dann, wenn jeder gleichberechtigt
Platz nehmen darf am Tisch der Welt,
erst dann, wenn jeder gleichermaßen
sein Teil vom Überfluß erhält,
wenn durch die Fenster aller Hütten
das Licht der Bildung Einzug fand,
erst dann ist’s Zeit für uns zu rasten,
erreicht ist das Gelobte Land.
Solange darf’s nicht Ruhe geben,
kein Ende unseres Gerichts!
Lohnt unsre Opfer, unsre Mühe
die Welt dereinst uns auch durch nichts,
der Tod wird unsre Augen küssen,
selig sinkt unser Leib hinab
und schläft mit ruhigem Gewissen
im wohlverdienten, stillen Grab.
Heute ein Sommergedicht von Georg Weerth (17. Februar 1822 Detmold – 30. Juli 1856 Havanna, Kuba).
Weerth beteiligt sich an revolutionären Umtrieben in Paris und in Deutschland. Nach dem Scheitern der Revolution rächte sich das Establishment und sperrte ihn unter einem Vorwand für fünf Jahre ein.
In lauen Sommernächten,
Wo alles wundersam,
Da war es, daß wir zechten
Bis daß der Morgen kam.
Ein Wetterleuchten zuckte
Bisweilen übern Rhein;
Das stille Mondlicht blickte
In unsre Becher hinein.
Es sang mit süßem Schalle
Im tiefen Stromestal
Die schöne Nachtigalle
Von ihrer Liebesqual.
Und um die Berge flogen
Die Nebel wunderbar:
Als käme angezogen
Eine luftige Geisterschar.
Die Lindenzweige rauschten
Um unsern Tisch herum:
Wir horchten und wir lauschten
Und wurden still und stumm.
Wohl halb im Traume blickten
Wir in den grünen Rhein;
Und bückten uns und nickten
Und schlummerten endlich ein.
Von Erich Kästner (23. Februar 1899 Dresden – 29. Juli 1974 München) das siebte seiner dreizehn Monatsgedichte, eindeutig ein Sommergedicht.
Der Juli
Still ruht die Stadt. Es wogt die Flur.
Die Menschheit geht auf Reisen
oder wandert sehr oder wandelt nur.
Und die Bauern vermieten die Natur
zu sehenswerten Preisen.
Sie vermieten den Himmel, den Sand am Meer,
die Platzmusik der Ortsfeuerwehr
und den Blick auf die Kuh auf der Wiese.
Limousinen rasen hin und her
und finden und finden den Weg nicht mehr
zum Verlorenen Paradiese.
Im Feld wächst Brot. Und es wachsen dort
auch die künftigen Brötchen und Brezeln.
Eidechsen zucken von Ort zu Ort.
Und die Wolken führen Regen an Bord
und den spitzen Blitz und das Donnerwort.
Der Mensch treibt Berg- und Wassersport
und hält nicht viel von Rätseln.
Er hält die Welt für ein Bilderbuch
mit Ansichtskartenserien.
Die Landschaft belächelt den lauten Besuch.
Sie weiß Bescheid.
Sie weiß, die Zeit
überdauert sogar die Ferien.
Sie weiß auch: Einen Steinwurf schon
von hier beginnt das Märchen.
Verborgen im Korn, auf zerdrücktem Mohn,
ruht ein zerzaustes Pärchen.
Hier steigt kein Preis, hier sinkt kein Lohn.
Hier steigen und sinken die Lerchen.
Das Mädchen schläft entzückten Gesichts.
Die Bienen summen zufrieden.
Der Jüngling heißt, immer noch, Taugenichts.
Er tritt durch das Gitter des Schattens und Lichts
in den Wald und zieht, durch den Schluß
des Gedichts,
wie in alten Zeiten gen Süden.
Eine Goetheparodie von Clemens Brentano, der heute vor 175 Jahren, am 28. Juli 1842, starb.
Es saß der Meister vom Stuhle,
Gar frech im eignen Kot,
Wer wagt sich zu dem Pfuhle,
Es tun ihm Prügel not,
Wer schmeißt mich über und über,
Wer bläst das Licht mir aus,
Wer giebt mir Nasenstüber,
Wer schickt mich recht nach Haus.
Und kömmt er einst zum Sterben,
So stirbt sein ganzes Reich,
Die Frösche all verderben,
Krepiert er in dem Teich.
Er saß einst an der Saale,
Nun sitzt er auf dem Sand,
Und hat bei seinem Mahle
Die Esel all zur Hand.
Da sitzt er, keiner frecher,
Und platzet fast vor Wut,
Und reicht den giftigen Becher
Sich selbst und seiner Brut.
Wir sehn ihn platzen, sinken
Und stinken in eigner Schmer,
Laßt ihn nur aus sich stinken,
Dann stinkt es nimmer mehr.
Das ist natürlich eine Goetheparodie – „Es war ein König in Thule“. Persifliert als „Meister vom Stuhle“ wird aber nicht der Geheimrat, sondern ein politischer Gegner, ein Professor namens Theodor Heinrich Schmalz, der sich während der napoleonischen Besetzung im „Demagogenstreit“ als Denunziant antinapoleonischer Umtriebe hervortat. Das Gedicht wurde erstmals 1968 veröffentlicht – weit über 100 Jahre nach dem Tod des Dichters, ein Literaturskandal, der noch größer wird, wenn man mitbedenkt, daß nicht nur einzelne Texte, sondern ein beträchtliches Konvolut von Texten des berühmten Romantikers damals noch nicht oder nur in verstümmelter Form veröffentlicht war – was ohne Zutun und Nichttun der Germanistik nicht möglich gewesen wäre. (Schmalz kam 1809 aus Halle – daher im Gedicht die Saale – nach Berlin – „nun sitzt er auf dem Sand“, – wo er nämlich Rektor der Berliner Universität wurde.)
Der am 27. Juli 1870 in Paris geborene britische Schriftsteller Hilaire Belloc befaßte sich mit ernsten Dingen wie Politik (vier Jahre war er Abgeordneter im britischen Parlament), Kapitalismus (hinter dem er eine jüdische Verschwörung vermutete), Bolschewismus (jüdische Verschwörung), Krieg (er verlor in beiden Weltkriegen je einen Sohn), Katholizismus (den unterstützte er) usw. und veröffentlichte über 100 Bücher. Überlebt hat er hauptsächlich mit humoristischen kleinen Gedichten wie diesem unübersetzbaren*:
When I am dead, I hope it may be said:
His sins were scarlet, but his books were read.
*) Google übersetzt buchstaben-, aber nicht sinngetreu so:
Wenn ich tot bin, hoffe ich, dass es gesagt werden kann:
Seine Sünden waren scharlachrot, aber seine Bücher wurden gelesen.
Zum heutigen Geburtstag von Antonio Machado (26.7.1875) schickt Àxel Sanjosé eine Übersetzung seiner „allerberühmtesten Verse“. Das freut mich und manche Gedichtleser bestimmt auch. Deshalb heute ein zweites Gedicht, hier Machado mit seinem Kommentar:
die ausgangslage ist klar: achtsilber (bei männlicher kadenz, hier also in den geraden zeilen: siebensilber) angeordnet in der romance-form, also: nicht-reimende zeilen abwechselnd mit assonant, also lediglich durch übereinstimmung des betonten vokals reimende zeilen, hier auf [a]: nada más / andar / atrás / mirar / en la mar. dass de facto más/atrás und ebenso andar/mirar/mar reine (konsonante) reime sind, ist eher zufällig, liegt daran, dass es im spanischen einen haufen wörter mit diesen endungen gibt.
für das deutsche habe ich mich für folgendes entschieden: die ohnehin recht lose reimstruktur gebe ich durch abwechselne weibliche und männliche kadenz wieder (was auch der spanischen prosodie entspricht), ansonsten erlaube ich den zeilen entweder vierhebig trochäisch oder dreihebig daktylisch zu sein, was in meinen ohren durchaus geht. das wars dann schon.
Caminante, son tus huellas
el camino, y nada más;
caminante, no hay camino,
se hace camino al andar.
Al andar se hace camino,
y al volver la vista atrás
se ve la senda que nunca
se ha de volver a pisar.
Caminante, no hay camino,
sino estelas en la mar.
Wanderer, hier deine Spuren
sind der Weg, ansonsten nichts;
Wanderer, ’s gibt keine Wege,
Wege macht man nur beim Gehn.
Nur beim Gehn macht man die Wege
und wirfst du den Blick zurück,
siehst du den Pfad, den du niemals
je wieder betreten wirst.
Wanderer, ’s gibt keine Wege,
außer Kielwasser im Meer.
ps: statt „Wanderer, ’s gibt keine Wege“ (Z. 3 u. 9) geht metrisch auch „Wand’rer, es gibt keine Wege“. wenn geschrieben, finde ich letzteres besser, gesprochen ersteres.
Karoline von Günderrode nahm sich am 26. Juli 1806 in Winkel im Rheingau das Leben.
Liebst du das Dunkel
mündliche Improvisation,
niedergeschrieben von Bettina Brentano
Liebst du das Dunkel
Tauigter Nächte?
Graut dir der Morgen,
Starrst du ins Spätrot,
Seufzest beim Mahle,
Stößest den Becher
Weg von den Lippen?
Liebst du nicht Jagdlust,
Reizet dich Ruhm nicht,
Schlachtgetümmel?
Welken die Blumen
Schneller am Busen,
Drängt sich das Blut dir
Pochend zum Herzen?
Und noch ein Sommer- und Kußgedicht.
Max Dauthendey
Die Herzensfrau
Der Mittag liegt mit mir im Gras,
Die Wolken ziehn tiefblaue Straß,
Die Welt ist grün und weiß und blau,
Zu mir setzt sich die Herzensfrau.
„Rot,“ spricht sie, „ist die ganze Welt,
Wenn man zum Kuß den Mund hinhält.“
aus: Singsangbuch. Liebeslieder (1907)
Max Dauthendey wurde am 25.Juli 1867, heute vor 150 Jahren, in Würzburg geboren. Er begann zu dichten, bereiste die ganze Welt, der 1. Weltkrieg „überrascht“ ihn auf der indonesischen Insel Java und verhindert die Heimkehr. Am 29. August 1918 stirbt er in Malang /Java an Malaria.
Während der Sommerpause finden Sie in der Lyrikzeitung jeden Tag ein Sommergedicht. (Sommergedichte können vom Sommer handeln, müssen aber nicht. Es reicht, sie im Sommer zu lesen.)
Frank Wedekind
An einen Jüngling
Jüngling, laß dich nicht gelüsten
Nach des Paradieses Äpfeln;
Von den straffsten Mädchenbrüsten
Wird dir nichts als Kummer tröpfeln.
Wagst du dich heran und findst du
Lust an diesen weißen Teufeln,
Armer Freund, wie bald beginnst du
Selbst von Traurigkeit zu träufeln.
Just die Kühnsten, Elegantsten
Werden früh zu müden Krüppeln,
Und die einst am flottsten tanzten,
Müssen lahm zur Grube trippeln.
Frank Wedekind wurde am 24.7.1864 in Hannover geboren, er starb 1918.
Während der Sommerzeit finden Sie in der Lyrikzeitung jeden Tag ein Sommergedicht. (Sommergedichte können vom Sommer handeln, müssen aber nicht. Es reicht, sie im Sommer zu lesen.)
Carl Meinhof aus Hinterpommern war der erste deutsche Afrikanist mit Lehrstuhl (Hamburg 1909). Er wurde am 23. Juli 1857 in Barzwitz bei Rügenwalde geboren und starb am 11. Februar 1944 in Greifswald. Beerdigt ist er auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg.
Ein Lied aus Togo aus seinem Band Die Dichtung der Afrikaner, Berlin 1911, S. 160. Ein Gedicht mit Funktion, man singt es, wenn man über böse Nachrede zu klagen hat, vielleicht hilfts (einem selber bestimmt!).
Übel-, Übel-, Übeltäter,
Neider, Neider, Neidhammel,
Übeltäter besingen Leute,
Macht Platz und seht ihnen zu!
Übeltäter besingen Leute,
Übeltäter haben mich besungen.
Schwätzer, Schwätzer, Schwätzer,
Schwätzweib, Schwätzweib,
Die Schwätzer haben mich ins Gerede gebracht,
Macht Platz, seht ihnen zu!
Die Schwätzer haben mich besungen;
Fallet über sie her, kommt mir zur Hilfe!
Leider hört Meinhof hier auf mit dem Kommentar: „Den Schluß lasse ich als gar zu afrikanisch weg.“ Vermutlich meint er, daß es den wilhelminischen Sittencodex verletzen würde. Im nächsten Satz heißt es: „Die meisten Somalischimpflieder sind von entschlossenster Obscönität“.
Während der Sommerzeit finden Sie in der Lyrikzeitung jeden Tag ein Sommergedicht. (Sommergedichte können vom Sommer handeln, müssen aber nicht. Es reicht, sie im Sommer zu lesen.)
Detlev von Liliencron
Am Strande
(Aus »Gedichte«, 1889)
Der lange Junitag war heiß gewesen. Ich saß im Garten einer Fischerhütte, Wo schlicht auf Beeten, zierlich eingerahmt Von Muscheln, Buchs und glatten Kieselsteinen, Der Goldlack blüht, und Tulpen, Mohn und Rosen In bäurisch buntem Durcheinander prunken. Es war die Nacht schon im Begriff dem Tage Die Riegel vorzuschieben; stiller ward Im Umkreis alles; Schwalben jagten sich In hoher Luft; und aus der Nähe schlug Ans Ohr das Rollen auf der Kegelbahn. Im Gutenacht der Sonne blinkerten Die Scheiben kleiner Häuser auf der Insel, Die jenseit lag, wie blanke Messingplatten. Den Strom hinab glitt feierlich und stumm, Gleich einer Königin, voll hoher Würde, Ein Riesenschiff, auf dessen Vorderdeck Die Menschen Kopf an Kopf versammelt stehn. Sie alle winken ihre letzten Grüße Den letzten Streifen ihrer Heimat zu. In manchen Bart mag nun die Mannesträne, So selten sonst, unaufgehalten tropfen. In manches Herz, das längst im Sturz und Stoß Der Lebenswellen hart und starr geworden, Klingt einmal noch ein altes Kinderlied. Doch vorwärts, vorwärts ins gelobte Land! Die Pflicht befiehlt zu leben und zu kämpfen, Befiehlt dem einen, für sein Weib zu sorgen, Und für sich selbst dem andern. Jeder so Hat seiner Ketten schwere Last zu tragen, Die, allzuschwer, ihn in die Tiefe zieht. Geboren werden, leiden dann und sterben, Es zeigt das Leben doch nur scharfe Scherben. Vielleicht? Vielleicht auch jetzt gelingt es nicht, Auf fremdem Erdenraum, mit letzter Kraft, Ein oft geträumtes, großes Glück zu finden. Das Glück heißt Gold, und Gold heißt ruhig leben: Vom sichern Sitze des Amphitheaters In die Arena lächelnd niederschaun, Wo, dichtgeschart, der Mob zerrissen wird Vom Tigertier der Armut und der Schulden... Das Schiff ist längst getaucht in tiefe Dunkel. Bleischwere Stille gräbt sich in den Strom, Indessen auf der Kegelbahn im Dorf Beim Schein der Lampe noch die Gäste zechen. In gleichen Zwischenräumen bellt ein Hund, Und eine Wiege knarrt im Nachbarhause.
Liliencron starb am 22.7.1909 in Alt-Rahlstedt bei Hamburg.
Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,
seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound. Mit der heutigen Ausgabe geht L&Poe in die Sommerpause*. Heute mit: Simone Scharbert. Julia Hartwig †. Aufrufe an die Bürger, nochmal Jan Wagner, nochmal Hamacher, Rumi, female body poetry – und manches andere. Lesen! (Übrigens: Verschiedene Serien, wie: Shakespeares Sonette, sowie die Zeitschriftenreviews gehen nach der Sommerpause weiter) Bis dahin jeden Tag um 6 ein Gedicht.
Die Themen in dieser Ausgabe
Simone Scharbert
Die polnische Dichterin Julia Hartwig ist im Alter von 95 Jahren gestorben.
Das hat der Schriftstellerverband SPP mitgeteilt. Sie starb wenige Wochen vor ihrem 96. Geburtstag im US-Bundesstaat Pennsylvania. Hartwig war am 14. August 1921 in Lublin im heutigen Osten Polens zur Welt gekommen. Sie war mit dem Lyriker Artur Miedzyrzecki verheiratet, der 1996 starb.
(…) Polens Präsident Duda würdigte Hartwigs Unterstützung für die demokratische Opposition vor der Wende von 1989. In einer Mitteilung seines Büros hieß es: „Als eine edle Person, die empfindsam war für die Schönheit und das Gute, hat sie immer die geistige Freiheit verteidigt.“ / DLF
Meldungen und Nachrufe: Radio Poland (engl.) / Salzburg 24 / Gazeta Wyborcza (poln.)
In den Räumen des Pressezentrums jedoch finden sich rätselhafte Verse in englischer, russischer und deutscher Sprache an der Wand:
Bürger!
Das Haus steht, der Verstand ist klar, der Wille fest – ihr gefallt mir!
Dmitry Aleksanych
Citizens!
I see you, I see you and am not surprised by anything!
Dmitry Aleksanych
Die Textzeilen stammen aus einem Gedichtzyklus des russischen Konzeptkünstlers Dmitrij Alexandrowitsch Prigow: „Aufrufe an die Bürger“ aus dem Jahr 1986. Prigov (1940-2007) lebte in Moskau und publizierte im Samisdat; kollektive „Spontan“-Aktionen im öffentlichen Raum, mitunter von langer Hand vorbereitet, sorgten für Aufregung und stifteten kleine Spielräume gegen die scheinbare Allmacht des Staates und der Partei – in der Sprache wie im wirklichen Leben. Denn auch nach dem Ende des Stalinismus lebte die Idee weiter, dass mit den Mitteln der Sprache alle „Elemente“ der Gesellschaft zu Trägern der sozialistischen Utopie geformt werden müssten. Den Sozialismus in seinem Lauf halten bekanntlich weder Ochs noch Esel auf. / Mehr Prigow in Wort und Bild in Marie Luise Knotts Kolumne Tagtigall
Drei Synchronsätze aus einer Ankündigung beim Perlentaucher:
Wir leben heute in Europa in der besten aller Kulturen, meint der Freiburger Philosophieprofessor Andreas Urs Sommer in der NZZ. In Deutschland ist die Zahl der von Genitalverstümmelungbedrohten Mädchen gestiegen, berichtet die SZ. Frauen in Kultur und allen Medien sind mit ihrem Status höchst unzufrieden.
Der Klopstock-Preis für neue Literatur des Landes Sachsen-Anhalt geht in diesem Jahr an den Autor Thomas Melle. Wie das Kulturministerium am Dienstag mitteilte, wird Melle für seinen autobiographischen Roman „Die Welt im Rücken“ ausgezeichnet. Darin schildert der 1975 in Bonn geborene Schriftsteller persönliche Erfahrungen mit seiner manisch-depressiven Erkrankung.
In der Begründung der Jury heißt es, Melle sei ein Sprachkünstler, der die Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz erkunde und schonungslos von sich erzähle. Der Klopstock-Preis für neue Literatur ist mit 12.000 Euro dotiert. …
Den Klopstock-Förderpreis des Landes Sachsen-Anhalt erhält der im Geiseltal aufgewachsene Schriftsteller Marco Organo für seinen Debüt-Band „Dorfschönheit“. Die Jury lobte, aus dem Buch spreche jemand, dem es um Wahrhaftigkeit gehe. Von dem Dichter Organo werde noch viel zu lesen sein. Beide Preise werden am 28. November in Quedlinburg überreicht.
***
Wie die Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim am Dienstag mitteilte, wird Melle Stadtschreiber des Frankfurter Stadtteils. Der mit 20.000 Euro dotierte Preis werde am 1. September verliehen. Mit der Auszeichnung ist ein kostenloses Wohnrecht für ein Jahr im Stadtschreiberhaus verbunden.
/ MDR
Jetzt also auch noch der Georg-Büchner-Preis. So ganz überraschend war das nicht: Jan Wagner ist der am meisten ausgezeichnete deutschsprachige Lyriker seit Durs Grünbein. Und das gewiss nicht zu Unrecht und keineswegs unverdient. Denn seine Gedichte nehmen staunenswerte, oft abseitige Lebewesen, Dinge und Situationen unter die Sprachlupe. / Bernd Blaschke bei literaturkritik.de über
Frieder von Ammon (Hg.): Jan Wagner. text+kritik Heft 210.
edition text & kritik, München 2016.
103 Seiten, 24,00 EUR.
ISBN-13: 9783869164687
Eine der Lieblingsbeschäftigungen von Wikipedia-Amts- und Würdenträgern ist das Stellen und Exekutieren von Löschanträgen. Aktuell traf es Armin Steigenberger. Ingredienzien solcher Schlachten sind Ausdrücke wie:
Löschantrag, enzyklopädische Relevanz, Relevanzkriterien, hinzu kommen Abkürzungen wie WP:IK (offenbar Wikipedia-Interessenkonflikt)
Dieser Kommentar erschien am 12. Juli:
{{Löschantragstext|tag=12|monat=Juli|jahr=2017|titel=Armin Steigenberger|text=Die enzyklopädische Relevanz dieses Autoren erschließt sich mir nicht. Hinzu kommt ein [[WP:IK]] der einstellenden WP-Autorin dazu. Ich kann in keinem Punkt die Erfüllung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Relevanzkriterien#Autoren einschlägigen RK] erkennen, weder als Autor, Moderator, Mitherausgeber, noch als Architekt. Daher bitte ich um eine sachliche Dikussion, bei welcher allein die Relevanz der Person geklärt werden soll. –[[Benutzer:Label5|Label5]]<sub> ([[Benutzer Diskussion:Label5|L5]])</sub> 14:56, 12. Jul. 2017 (CEST)}}
Zwar wurde der Einspruch schnell als unbegründet abgewiesen; aber erfahrungsgemäß ziehen sich solche Schlachten hin. Wir beobachten weiter.
Tschechische Lyriker haben heutzutage große Probleme, dass ihre Gedichte überhaupt erscheinen. Wie ist Ihre Erfahrung aus Österreich?
„Wahrscheinlich vergleichbar schwierig. Das ist wirklich ein großes Problem für Lyriker. Manche Verlage scheuen sich einfach davor, Lyrik zu publizieren, nicht nur, weil sie denken, es verkaufe sich nicht, sondern auch dass sich kein Lektor dafür zuständig und kompetent fühlt, ein Gedichtmanuskript überhaupt zu bewerten – ob es jetzt gut oder schlecht ist. Das sei eine schwierige Frage, wie ich von vielen Verlagen und Lektoren gehört habe.“
/ Radio Prag befragte die österreichische Lyrikerin Lydia Steinbacher
„Tyrannen mögen Dichter nicht. Es heißt immer: Niemand liest Gedichte! Wenn niemand Gedichte liest, warum ist es dann so gefährlich? Es heißt: Gedichte verkaufen sich nicht. Das kann man auch positiv sehen: Dichtung ist nicht käuflich! Gedichte sind immer eine Zone der Bewusstwerdung, eine Zone für Rebellion gewesen – Gedichte schreiben war immer gefährlich.“ / Die amerikanische Lyrikerin Ellen Hinsley, DLF
Ellen Hinsey: „Des Menschen Element“. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Uta Gosmann sowie mit einem Nachwort von Robert Chandler. Bd. 29 der Reihe „Spurensicherung“ des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Matthes & Seitz, Berlin 2017. 156 Seiten, 26 Euro.
Aus dem Nachruf von Alexandru Bulucz auf den Komparatisten Werner Hamacher im Tagesspiegel:
Seine Komparatistik sollte als „Koryphäenfach“ wieder der Germanistik eingegliedert werden. Denn es wurde eine Überlegenheit der Nationalphilologie Germanistik über die Transnationalphilologie Komparatistik angenommen. Das war absurd. Auf universitätspolitischer Ebene war das Argument verständlich, weil es um Drittmittel und Partikularinteressen ging. Und doch sah sich Hamacher an diesem existenziellen Punkt der Frankfurter Komparatistik auf die Texte seiner Lehrer und Freunde zurückgeworfen. Er reihte sich noch einmal in die Linie einer Strömung ein, deren utopisches Potenzial unverkennbar ist: „Freie (das heißt freie) Universität“ (Szondi), „Die unbedingte Universität“ (Derrida), „Freistätte“ (Hamacher). Eine Provokation, die sich langsam, aber sicher in die Wirklichkeit hineinkippelt, steht am Anfang seiner Ausführungen: „Es ist nicht mehr gesichert, dass es Universitäten gibt.“ Dieser im Alter (wie sein Pariser Lehrer, der Philosoph Jacques Derrida) weißhaarige Querkopf war vielen unangenehm: Er wusste zu viel, er konnte zu viel, er war zu eigenständig, und er war bereit, für seine Eigenständigkeit zu kämpfen.
Wie kann es sein, daß Rumi, ein islamischer mystischer Dichter, der im heutigen Afghanistan geboren wurde, Imam in Aleppo war und 1273 starb, zu einem der meistverkauften Dichtern in den Vereinigten Staaten wurde? Die Antwort ist einfach: Wie bei westlichen Autoren wie Shakespeare werden Rumis Schriften regelmäßig über Twitter, Facebook , Instagram oder auch kombiniert mit der Musik von Coldplay geteilt. / Slate.fr
sprengt die Grenzen fachphilosophischer Reflexion. Es bewegt sich in einer intellektuellen „Sonderwelt“, die vom barocken Trauerspiel über die französische Literatur und Philosophie des 19. Jahrhunderts bis zur jüdischen Theologie und marxistischen Theorie reicht. Benjamin war davon überzeugt, dass dogmatisch-philosophische Systeme das Eigentliche der menschlichen Existenz verfehlen. Er interessierte sich weniger für Hegels triumphalen Weltgeist – „den Sieger der Geschichte“ -, sondern mehr für allegorische Gestalten wie „das bucklicht Männlein, den Lumpensammler, und den Engel“. Sie stehen für das Randständige, Absonderliche der Existenz, für die Rehabilitierung des Nebensächlichen und für die Hoffnung auf die Erlösung durch den Engel der Geschichte, von dem der jüdische Messianismus kündet. / Mehr
Many of her poems are taught in colleges across Tamil Nadu and have been translated into English, Malayalam, Kannada, Hindi and German. The much appreciated short film Kannadi Meen, was based on her poem Appavin Nyabagamaradhi. She was featured in the well-received documentary film SheWrite, which featured three other Tamil poets. In 2009, she organised a poets’ protest against the violence against Tamils in Sri Lanka, which saw participation by many poets. She is currently working on a book on Dalit life.
Having recently returned from a fellowship in Germany, Sukirtharani did a candid interview in which she opened up about her childhood, her Dalit identity in poetry and the Dalit woman who are learning to fight back.
Two extracts from the interview with Indian poet Sukirtharani:
How young were you when you had your first encounter with inequality?
When I was studying in class 2, there was an incident that I can never forget. A girl in my class gave me a coconut candy. I wanted to return her kindness so I bought her a sweet the next day. When I gave it to her, she tossed my hand away. At that moment I was both confused and hurt, and found out much later why she behaved so. The girl belonged to a so-called upper caste. Those days, children of such community were told not to mingle with the Dalit children. They were told, “Don’t talk to them, don’t encourage them and don’t share anything with them”.
So that awareness of caste at such a tender age must have hit you like a ton of bricks.
It still hurts me. It was my first experience of prejudice.
In the book Iravu Mirugam(animal of the night), you explore caste and Dalit identity through your body. Masturbation is a release and a challenge to a power that says women should never do it. Shame turns into pride. You map Dalit history using the female body. Every experience of oppression was directly physical and the body carried it. How were you able to do so?
Yes, there weren’t many poems about it, nor did people read such writings in the 1990s. I started reading a lot of translated poems, from Kamala Das and Taslima Nasreen to some African poets. It gave me an understanding of how it feels to be deprived of rights as a woman. The poems of Kutty Revathi (a Tamil feminist poet) have inspired me. That’s where the idea of feminism kicked off. Most members of our society perceive feminism with scorn. Despite that, I wanted to write about it more. / The Wire
Am 22. Juli 1209 nahmen die Kreuzritter die südfranzösische Stadt Béziers ein, die eine Hochburg der Katharer (Albigenser) war, und töteten die gesamte Bevölkerung – etwa 20.000 Menschen. Der vom Papst ausgelöste Kreuzzug führte zum Untergang der Katharer und zum Anschluß Okzitaniens an Frankreich. Lenau: Die Albigenser.
Geboren 1800: Jakob Lorber, österreichischer Schriftsteller und Mystiker, „Schreibknecht Gottes“, 1849: Emma Lazarus, amerikanische Dichterin. Ihr bekanntestes Gedicht ist „The New Colossus“ (1883), das im Podest der Freiheitsstature eingraviert ist. Es feiert Amerika als Land der Immigranten. 1859: Maria Janitschek, österreichische Schriftstellerin, 1898: Stephen Vincent Benét, amerikanischer Lyriker, 1917: Jurij Chěžka, sorbischer Dichter, 1926: Wolfgang Iser, deutscher Literaturwissenschaftler
Gestorben 1909: Detlev von Liliencron, deutscher Dichter, 1916: James Whitcomb Riley, amerikanischer Schriftsteller, 1958: Michail Soschtschenko, russischer Schriftsteller, 1960: Wolf von Niebelschütz, deutscher Schriftsteller, 1967: Carl Sandburg, amerikanischer Lyriker, 2000: Carmen Martín Gaite, spanische Schriftstellerin, 2012: Miguel Arteche Salinas, chilenischer Schriftsteller
Am 23. Juli 1215: Friedrich II. (1194-1250) wird in Aachen zum zweiten Mal zum deutschen König gekrönt. Damit erlangt das Geschlecht der Staufer erneut die Herrschaft im Hl. Römischen Reich Deutscher Nation. An seinem Hof in Sizilien wurde das Sonett erfunden. – 1847: Das Preußische Judengesetz gewährt den Juden Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit.
Geboren 1777: Philipp Otto Runge, deutscher Maler, 1911: Hildegard Emmel, deutsche Germanistin. Nachdem ein Versuch in Hamburg zu habilitieren nicht geglückt war, siedelte sie in den Ostteil des Landes über und war ab 1950 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Goethe-Wörterbuch an der Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin. 1951 schloss sie ihre Habilitation an der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock erfolgreich ab. Zunächst lehrte sie in Rostock, 1956 wurde sie an die Universität Greifswald berufen. Emmel verließ Greifswald 1958 aufgrund politischer Probleme wegen „bürgerlicher“ Positionen. Eine neue Professur bekam sie nicht. Ab 1960 arbeitete sie in Bielefeld, danach lebte und arbeitete sie vorwiegend im Ausland, u. a. in Norwegen, Finnland, Türkei und zuletzt den Vereinigten Staaten. Nach ihrer Pensionierung zog sie 1981 nach Bern. Am 15. November 1991 erhielt sie als verspätete Wiedergutmachung den Ehrendoktortitel der Universität Greifswald. 1914: George (György) Tábori, ungarischer Schriftsteller und Thaterregisseur, 1938: Götz George, deutscher Schauspieler
Gestorben 1562: Götz von Berlichingen, der Ritter „mit der eisernen Hand“. Mit dem Satz „Sag ihm, er kann mich am Arsch lecken“ geht er via Goethe in die Literaturgeschichte ein. 1942 Nikola Wapzarow, bulgarischer Dichter, 1957 Giuseppe Tomasi di Lampedusa, italienischer Schriftsteller, 1989: Donald Barthelme, amerikanischer Schriftsteller, 2011: Amy Winehouse, britische Sängerin
Am 24. Juli ist Simón-Bolívar-Tag in Ekuador, Venezuela, Kolombien und Bolivien.
Geboren 1783: Simón Bolívar, südamerikanischer Unabhängigkeitskämpfer, 1802: Alexandre Dumas der Ältere, französischer Schriftsteller, 1840: Abraham Goldfaden, ukrainischer Komponist, jiddischer Volksdichter, 1864: Frank Wedekind („Ich hab meine Tante geschlachtet“), 1878: Edward Plunkett, irischer Schriftsteller, 1895: Robert Graves, britischer Schriftsteller, 1896: Hermann Kasack, deutscher Schriftsteller, 1900: Zelda Fitzgerald, amerikanische Schriftstellerin
Gestorben 1655: Friedrich von Logau, deutscher Dichter, 1906: Ferdinand von Saar, österreichischer Schriftsteller, 1908: Vicente Acosta, salvadorianischer Lyriker, 1927: Akutagawa Ryunosuke, japanischer Dichter, 1969: Witold Gombrowicz, polnischer Schriftsteller, 1977: Emil Botta, rumänischer Schauspieler und Lyriker, 2000 Ahmad Schamlu, persischer Lyriker, 1991: Isaac Bashevis Singer polnisch-amerikanischer Schriftsteller, einziger jiddischer Träger des Nobelpreises für Literatur (1978)
Der 25. Juli ist St. Jakobus. „Ist Jacobus am Ort, ziehn die Störche bald fort.“ – Eröffnung der Bayreuther Festspiele.
Geboren 1165: Ibn Arabi, andalusischer Sufimystiker, Dichter und Philosoph,1556: George Peele, englischer Dichter, 1683: Pieter Langendijk, niederländischer Dichter, 1756: Elizabeth Hamilton, britische Dichterin, 1798: Albert Knapp, deutscher Dichter, 1848: Ottokar Kernstock, österreichischer Dichter, 1867: Max Dauthendey, deutscher Schriftsteller, 1884: Rafael Arévalo Martínez, guatemaltekischer Schriftsteller, 1901: Ruth Krauss, amerikanische Schriftstellerin, 1905 Elias Canetti, deutschsprachiger Schriftsteller aus Bulgarien
Gestorben 1679: Johann Sebastian Mitternacht, deutscher Theologe und Schriftsteller, 1794: André Chénier, französischer Schriftsteller, 1822: Ignác Cornova, italienischer Priester und Dichter, 1826: Kondrati Rylejew, russischer Dichter, 1834: Samuel Taylor Coleridge, englischer Dichter, 1929: Matti Aikio, norwegischer Dichter, 1950: Elisabeth Langgässer, deutsche Schriftstellerin, 1966: Frank O’Hara, amerikanischer Lyriker, 1969: Witold Gombrowicz, polnischer Schriftsteller, 1980: Wladimir Wyssozki, russischer Dichter und Sänger, 2002: Abdel Rahman Badawi, ägyptischer Dichter und Philosoph, 2015: Dieter Kühn, deutscher Schriftsteller
Der 26.Juli ist St. Annentag. „Ist Sankt Anna erst vorbei, kommt der Morgen kühl herbei“ (Werden wir sehn). – 1656: Der Maler Rembrandt van Rijn ist pleite. – 1887: In Warschau erscheint erstmals die Broschüre »Internationale Sprache« von Ludwik Lejzer Zamenhof unter dem Pseudonym Dr. Esperanto. – 1957: Der Verleger und Emigrant Walter Janka wird in der DDR wegen „konterrevolutionärer Verschwörung“ zu fünf Jahren Zuchthaus mit verschärfter Einzelhaft verurteilt.
Geboren 1856 George Bernard Shaw, irischer Dramatiker, Pazifist, Nobelpreis für Literatur 1925, 1861: Wascha-Pschawela, georgischer Schriftsteller, 1865: Rajanikanta Sen, indischer Dichter und Komponist, 1875: Antonio Machado, spanischer Lyriker, 1875: Carl Gustav Jung, Schweizer Psychiater und Psychotherapeut, 1893 George Grosz, deutscher und amerikanischer Künstler, Dadaist, 1894: Aldous Huxley, britischer Schriftsteller, 1907: André Frénaud, französischer Lyriker, 1922: Chairil Anwar, indonesischer Dichter, 1925: Ana María Matute, spanische Schriftstellerin, 1925: Hans Bergel, deutscher Schriftsteller aus Siebenbürgen, 1928: Ibn-e-Safi, indisch-pakistanischer Schriftsteller, 1938: J.J. Cale, amerikanischer Musiker, 1939: Jun Henmi, japanischer Schriftsteller, 1943 Mick Jagger, britischer Musiker
Gestorben 1680: John Wilmot, Earl of Rochester, englischer Dichter, 1806: Karoline von Günderode, 1925: Gottlob Frege, deutscher Mathematiker und Philosoph, 1940: Kurt Kluge, deutscher Maler, Bildhauer und Dichter, 1941: Benjamin Whorf, amerikanischer Linguist, 1967: Milán Füst, ungarischer Lyriker, 2007: Lars Forssell, schwedischer Schriftsteller, 2013: Rolf Haufs, deutscher Schriftsteller
Der 27. Juli ist Siebenschläfer nach dem offiziellen römischen Märtyrerkalender. Wer mit dem Wetter am 27. Juni nicht zufrieden war, kann immer noch konvertieren. Die Märtyrer aus Ephesos oder einem anderen Ort, die sich an diesem oder einem anderen Tag um das Jahr 250 oder in einem anderen Jahrhundert in einer Höhle versteckten, um 300 (oder auch mehr oder weniger) Jahre später zu erwachen, werden nach byzantinischem Kalender gleich zweimal geehrt, am 4. August (griechisch-orthodox) und 22. Oktober (Ostkirche). Im Katholischen wird der Sieben Schläfer in der Regel am 27. Juni gedacht. Ausnahmen von der Regel bilden die Bistümer Regensburg (12. September) sowie Aquileia, Salzburg und Passau (13. September). Noch verwickelter wird alles, wenn man den Koran und seine Auslegungen hinzuzieht. – Am 27. Juli 1794 wird Maximilien Robespierre verhaftet, nachdem er über 17.000 „Feinde der Revolution“ exekutieren ließ. Am nächsten Tag wird er hingerichtet (genau 254 Jahre nach Oliver Cromwell).
Geboren 1450: Jakob Wimpheling, deutscher Schriftsteller, 1777: Thomas Campbell, schottischer Dichter, 1784: Denis Dawydow, russischer General und Husarenpoet, 1835: Giosué Carducci, italienischer Dichter, Nobelpreis für Literatur 1906), 1848: Hans Hoffmann, Pommerndichter, 1870 Hilaire Belloc, britischer Schriftsteller, 1883: Maeda Yūgure, japanischer Lyriker, 1884 Max Brod, 1884: Ernst Bertram, deutscher Germanist und Schriftsteller, 1884: Zenzl Mühsam, 1909: Hilde Domin, deutsche Lyrikerin, 1910: Rajzel Zychlinski, polnisch-amerikanische jiddischsprachige Dichterin, 1914: August Sang, estnischer Dichter, 1929: Jean Baudrillard, französischer Philosoph, 1939: Michael Longley, nordirischer Dichter, 1940: Pina Bausch deutsche Tänzerin und Choreografin, 1940: Lothar Herbst, polnischer Dichter
Gestorben 1841: Michail Lermontow, russischer Dichter, 1873: Fjodor Tjutschew, russischer Dichter, 1946: Gertrude Stein, amerikanische Schriftstellerin, 1954: Rainer Maria Gerhardt, deutscher Schriftsteller, Verleger und Übersetzer, 1962: Richard Aldington, englischer Schriftsteller, 2009: Peter Horst Neumann, deutscher Lyriker und Literaturwissenschaftler
Am 28. Juli
Geboren 1458: Jacopo Sannazaro, italienischer Dichter, 1758: Maximilien de Robespierre, Jakobiner, 1804: Ludwig Feuerbach, Philosoph, Religionskritiker, 1844: Gerard Manley Hopkins, englischer Dichter, 1874: Alice Duer Miller, US-amerikanische Schriftstellerin und Feministin, 1887: Marcel Duchamp, französischer und amerikanischer Künstler (130. Geburtstag), 1909: Malcolm Lowry, englischer Schriftsteller, 1917: Gloria Fuertes, spanische Dichterin, 1927: John Ashbery, amerikanischer Dichter, 1978: Kārlis Vērdiņš, lettischer Dichter
Gestorben 1695: Cyrano de Bergerac, französischer Schriftsteller („beim siebten Verse stech ich“, 1741: Antonio Vivaldi, 1750: Johann Sebastian Bachs, 1842 Clemens Brentano, deutscher Dichter, 1915: Hans Ehrenbaum-Degele „gefallen“ am Narew, 1998: Zbigniew Herbert, polnischer Dichter, 2001: Ahmed Sofa, bangladeschischer Dichter
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Am 29. und 30. Juli The New York City POETRY FESTIVAL, Governors Island
Am 29. Juli 1605 Simon Dach *, 1874 August Stramm *, 1889 Karl Otten *, 1925 Mikis Theodorakis *, 1927 Harry Mulisch * (90. Geburtstag), 1974 Erich Kästner †, 1983 Luis Buñuel †, 2007 Ingmar Bergman †
Am 30. Juli 1784 Denis Diderot †, 1818 Emily Brontë *, 1856 Georg Weerth †, 1905 Stanley Kunitz *, 1922 Hansgeorg Stengel *
Am 31. Juli 1784 Denis Diderot †, 1843 Peter Rosegger *, 1849 Sandor Petöfi †, 1933 Cees Nooteboom *, 1952 Clara Viebig * („Eifeldichterin“, 65. Todestag)
Am 1. August 1819 Herman Melville *, 1925 Ernst Jandl *, 1954 Kim Addonizio *, 1969 Miquel Labordeta, spanischer Lyriker †
Am 2. August 1924 James Baldwin *, 1997 William S. Burroughs †
Am 3. August 1839 Dorothea Schlegel †, 1913 1913 Bartomeu Rosselló-Pòrcel, katalanischer Lyriker *, 1924 Joseph Conrad †, 1884 Juri Tendrjakow †, 2008 Alexander Solshenizyn †
Am 4. August 1792 Percy Bysshe Shelley *, 1859 Knut Hamsun *, 1875 Hans Christian Andersen †, 1883 René Schickele *, 1890 Erich Weinert *, 1904 Witold Gombrowicz *, 1941 Mihály Babits †, 1962 Jáchym Topol *, 1971 Georg Maurer †, 1959 Blanca Andreu, spanische Lyrikerin *, 1977 Ernst Bloch † , 1985 Rosa Leveroni, katalanische Lyrikerin †
Am 5. August 1889 Conrad Aiken *, 1984 Rudolf Hagelstange †, 1990 Ivan Blatný †
Am 6. August 1637 Ben Jonson †, 1651 François Fénelon *, 1705 Johann Beer †, 1809 Alfred Tennyson *, 1901: Paula Banholzer (Bie), 1916: Ernst Schwarz, österreichischer Sinologe , 1926: Christa Reinig , 1969 Theodor Adorno †, 1988: Francis Ponge †, 1995: Walter Werner †
Am 7. August 1876 Mata Hari *, 1883 Joachim Ringelnatz *, 1921 Aleksandr Blok †, 1941 Rabindranath Tagore †
Am 8. August 117 Kaiser Trajan †, 1884 Sara Teasdale *, 1926 Ernst Hauschka *, 1929 Rose Nyland *
Am 9. August 1922 Philip Larkin *, 1939 Sergej Tretjakow †, 1962 Hermann Hesse †
Am 10. August 1878 Alfred Döblin *, 1895 Michail Sostschenko *, 1912 Jorge Amado *, 1932 Slang †, 1953 Mark Doty *
Am 11. August 1883 Ernst Stadler *, 1892 Hugh MacDiarmid *, 1897 Louise Bogan*, 2002 Jiří Kolář †, 2006 Mazisi Kunene †
Die Nacht des 12. August erlangte traurigen Ruhm als „Nacht der ermordeten Dichter“. 1952 ließ Josef Stalin mehr als in Dutzend jüdische Intellektuelle hinrichten, darunter die jiddischen Dichter Perez Markisch, Dovid Bergelson, Dovid Hofstein, Izik Feffer und Leib Kwitko.
Am 12. August 1827 William Blake † (an diesem Tag 1803: William Blake verjagt einen betrunkenen Soldaten aus seinem Garten. Die Anklage wegen Aufruhr und tätlicher Bedrohung wird im Januar 1804 fallengelassen), 1935 Karl Mickel *
Vom 12.-28. August Edinburgh International Book Festival
Am 13. August 1802 Nikolaus Lenau *, 1961 absichtslos eine Mauer gebaut
Am 14. August 1928 Klabund †, 1956 Bertolt Brecht †, 1976 Werner Bräunig †, 2004 Czesław Miłosz †
Am 15. August 1740 Matthias Claudius *, 1771 Walter Scott *, 1901 Hans Lorbeer *
Am 16. August 1900 Eça de Queiroz †
Am 17. August 1676 Grimmelshausen †, 1876 Theodor Däubler *, 1922 Paul Wiens *
wüsste so gern, was mich bewegt
Hansjürgen Bulkowski
Am 20. Juli 1916 „fiel“ der junge Dichter Reinhard Sorge auf dem „Schlachtfeld“ in Frankreich. Hier ein Auszug aus dem Minidrama „Zarathustra. Eine Impression“ vom 1911:
JUNGER KÜNSTLER:
Himmel und Hölle! Ich werde die ganze Sippschaft lehren, dies Buch zu begreifen. Geben Sie nur acht! . . .
MUSIKER:
Keine Dummheiten, mein Freund, keine Dummheiten! . . .
(Der junge Künstler rasch ab durch eine zweiflügelige Tür inmitten der Hinterwand. Mäzen niest stark.)
SCHULMEISTER:
Gesundheit! Haben Sie sich erkältet, Bester? Wie? Ein wenig zugig, das Buch. Nicht wahr? Gesundheit!
MÄZEN:
Danke, danke! Es war nur eine Fliege, die kitzelte . . .
SCHULMEISTER:
Verstehe. Verstehe.
(Der zweite Student hält mit Wandern inne.)
LIBERALER:
Ich gelte allgemein für liberal; Sie wissen das, meine Herren. Ich sage Ihnen: dieses Buch ist das Äußerste. Es ist furchtbar gefährlich. Es wäre feige oder dumm, das zu leugnen. Es ist gefährlicher als alle Bücher der Aufklärung, selbst die schmutzigsten, selbst die wissenschaftlichsten!
SCHULMEISTER:
Warum gerade?
LIBERALER:
Es hat wieder die Pietät eingefangen. Es preist wieder das Gebet; es kennt Abstände, Ritus, Himmel. Ich sage Ihnen: höchst gefährlich! Es kennt Kulte.
(Draußen fällt ein Schuß.)
Am 19. Juli 1819 wurde Gottfried Keller geboren. Heute kein Gedicht, sondern der Anfang des Novellenzyklus „Das Sinngedicht“.
Erstes Kapitel
Ein Naturforscher entdeckt ein Verfahren und reitet über Land, dasselbe zu prüfen
Vor etwa fünfundzwanzig Jahren, als die Naturwissenschaften eben wieder auf einem höchsten Gipfel standen, obgleich das Gesetz der natürlichen Zuchtwahl noch nicht bekannt war, öffnete Herr Reinhart eines Tages seine Fensterläden und ließ den Morgenglanz, der hinter den Bergen hervorkam, in sein Arbeitsgemach, und mit dem Frühgolde wehte eine frische Sommermorgenluft daher und bewegte kräftig die schweren Vorhänge und die schattigen Haare des Mannes.
Der junge Tagesschein erleuchtete die Studierstube eines Doctor Faustus, aber durchaus ins Moderne, Bequeme und Zierliche übersetzt. Statt der malerischen Esse, der ungeheuerlichen Kolben und Kessel gab es da nur feine Spirituslampen und leichte Glasröhren, Porzellanschalen und Fläschchen mit geschliffenem Verschlusse, angefüllt mit Trockenem und Flüssigem aller Art, mit Säuren, Salzen und Kristallen. Die Tische waren bedeckt mit geognostischen Karten, Mineralien und hölzernen Feldspatmodellen; Schichten gelehrter Jahrbücher in allen Sprachen belasteten Stühle und Diwans, und auf den Spiegeltischchen glänzten physikalische Instrumente in blankem Messing. Kein ausgestopftes Monstrum hing an räucherigem Gewölbe, sondern bescheiden hockte ein lebendiger Frosch in einem Glase und harrte seines Stündleins, und selbst das übliche Menschengerippe in der dunklen Ecke fehlte, wogegen eine Reihe von Menschen- und Tierschädeln so weiss und appetitilich aussah, daß sie eher den Nippsachen eines Stutzers glichen als dem unheimlichen Hokuspokus eines alten Laboranten. Statt bestaubter Herbarien sah man einige feine Bogen mit Zeichnungen von Pflanzengeweben, statt schweinslederner Folianten englische Prachtwerke in gepreßter Leinwand.
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