Poetopie

wir – was für Leute waren das nochmal?

Hansjürgen Bulkowski

Neunter Dezember

Ulrich Koch

NEUNTER DEZEMBER

Das vollkommene Gedicht ist eine Landkarte
in einer menschenleeren Gegend.
Ich halte sie in Händen und blicke von oben
aus der Vogelperspektive
herab.
Dort, sehe ich, stehe ich
lesend.
Es ist ganz einfach.
Dann gehst auch du hinein
und wirst nie mehr hinausfinden.

ENTWURF FÜR EINE NEUE DICHTUNG

Sándor Weöres

ENTWURF FÜR EINE NEUE DICHTUNG

Auf die Gedichte von Tamas Szentjóby, Dezsö Tandori, Imre Oravecz und anderer unserer jungen Dichter, herzlich

„Das Merkmal eines Verses ist der Sinn.”
Wozu, gestattet, dann noch ein Gedicht?
In Prosa packst du jeden Inhalt leichter,
Präzisern Ausdruck finden die Ideen.
Womöglich ist der Vers gemacht, daß Schüler
Die reimgeschmückte Lehre leichter pauken?
Ergreift er uns am lockren Westenknopf
Und tönt: Dieses alles gilt’s zu wissen!
Vor solcher Dichtung lauf ich fort
In Stille und Musik, ein Narr zu bleiben.

„Das Merkmal eines Verses ist die Form.”
Der reine Klang, das saubere Karee:
Zum Sterben öd: Bist du imstande, János
Kiss, Károly Szász zu lesen? Arany
Schrieb mit Fehlern, Petöfi desgleichen.
Doch jene: über Glaubenseifer, linde
Lüfte, saubere Moral und Vaterland,
Von Vogelsang umrahmt allüberall.
Am rechten Platze alles: Metrum, Reim,
Akzent; die reinste Form und ungenießbar.

Wenn Inhalt nicht, nicht Form, was dann?
Ein guter Vers ist Leben wie ein Apfel.
Beschau ich ihn, gibt er den Blick zurück,
Sagt anderes dem Hungrigen, dem Satten,
Ist anders hoch am Ast, im Korb, im Mund.
Beschloßner Inhalt, feste Formen sind
Ihm fremd. Er lebt nur und macht leben.
Noch tiefern Sinn erfuhr er nicht und will
Er gar nicht wissen. Ein Sinn und tausend
Sind in ihm, wenn wir ihn sehen, fühlen, essen.

Übertragen von Richard Pietraß

Aus: Poesiealbum 135. Sándor Weöres. Auswahl Paul Kárpáti. Berlin: Neues Leben, 1978

Ständerle

Seitdem die Kerm richtig groß begangen wird, gibt es den Kirchweih-Generaler. Das ist eine Kirchweihzeitung, in der alle „Ständerle“ – kurze Gedichte – bei den Wirtsleuten, der mit spitzer Feder verfasste Prolog und Geschichten aus dem Leben der Gärtner niedergeschrieben sind. Der erste Generaler wurde 1949 herausgebracht. Seit fast 70 Jahren druckt ihn die Kitzinger Druckerei Kummor. Inzwischen liefert Kummor-Seniorchef Siegfried Herrmann den Etwashäusern schon seit Jahrzehnten jährlich 1500 druckfrische Exemplare. Der Verkauf trägt seit Jahrzehnten zur Finanzierung des Umzugs bei. Den Prolog für die Premieren-Ausgabe schrieb Hannes Hirth. Emil Engelbrecht verlas ihn in seiner Eigenschaft als Polizeidiener mit Pickelhaube auf dem Kopf und servierte die Ständerle gleich dazu. / inFranken.de


Aus: Band 6 von Trübners deutsches Wörterbuch. Walter de Gruyter, 1955

Macht die Nacht die Farben aus

Felix Philipp Ingold

Vorspruch

Macht die Nacht die Farben aus,
dann ist es wieder Zeit und sind die Farben eins.
(aus dem Notizbuch eines Malers, anonym, 1942)

Ein Ah! ist der Anfang von allem und heisst
soviel wie Schra… wie Schwarz. Soviel wie nichts. Drin
gehn die Farben unter wenn die Nacht sie dimmt
und … da! … schon sind sie enthalten. Schon bedeuten sie
die ganze Finsternis. Behaupten sich wabernd
in ihrer Sinnlosigkeit. Was übrigens auch für die Vokale
gilt. Für Eh! das nichts von dieser Schwärze
weiss. Für Iii! das s-si-sirenengleich die Morgenröte
auf die Spitze treibt. Für Uh! das ewig grünt und
Oh! das jedem Blau des Himmels gilt. Doch das Ende
von allem ist dann wie immer der morgige Tag
der nur einfach alles Heutige zum Gestrigen macht.

Aus: Felix Philipp Ingold: Niemals keine Nachtmusik. Gedichte. Klagenfurt und Gaz: Ritter, 2017, S. 7

Wo das abstrakte Wort

Richard Anders

Wort 

Wo das abstrakte Wort grenzenlos  in Duft-
frische übergeht,endet auch die Macht dei-
nes nach Asche  süchtigen Zunders,  dessen 
selbstverzehrende Glut fruchtlos ist. Mach 
dir nichts vor: Der Widerschein deines Au-
todafés in Leserköpfen hindert diese nicht 
daran, im Heu, das noch nicht trocken ist,
mit  steifen  Nasen  und  nassen   Mündern
übereinander herzufallen.

Aus: Richard Anders: Verscherzte Trümpfe. Prosa. Mit Zeichnungen von Horst Hussel. Berlin: Edition Galrev, 1993, S. 75

Der Kritiker

Jede Zeit hat ihre eigenen neuen Kritiker. Der ungarische Dichter Sándor Weöres (1913-1989) hatte diese:

Politico-Epidemia

Heutzutage gilt das Gedicht, wie ein Parteibuch:
  nach eingestandenen Prinzipien fragt der neue Kritiker.
 Denn, was ist schon wesentlich am Gedicht? der >Standpunkt<, der    >Aktionsbereich<‚ 
   zumindest urteilt er danach, der neue Kritiker. 
Ein Grundsatz soll dir vom Halse hängen, wie dem Hund die Hundemarke, 
   sonst nimmt er dich hopp, wie ein Hundefänger, der neue Kritiker. 
Und willst du ohne Stallgestank streunen, allein: 
   schreit er >ein l'art pour l'art Dichter!< der neue Kritiker.

Aus: Sándor Weöres: der von ungern. Gedichte und fünf Zeichnungen. Aus dem Ungarischen übersetzt von Barbara Frischmuth und Robert Stauffer. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1969, S. 9

Ältere, älteste

Die Anthologie, deren Beilagen ich gestern vorstellte, ist auch in sich sehr ergiebig:

Liederdichtung und Spruchweisheit der alten Hellenen. In Übertragungen von Oberstudienrat Lorenz Straub. Berlin u. Stuttgart: W. Spemann, o.J. [1908]

Ergiebig für die Suche nach ältesten Exemplaren aller möglicher Gattungen und Formen. Viel Material zum Beispiel für die Beschäftigung mit Monostichen.

Der erste Abschnitt bringt Homer und die Homeriden. Hesiod und die Lehrdichtung. Aus dem vorletzten Teilkapitel drei „Monostichen“ (ich setze es zunächst in Anführungsstriche, weil es vom modernen Herausgeber aus größeren Werken Herausgezogenes ist (a) oder von antiken Zeugen Zitiertes (b, c).

a)

Armut blödet den Geist, Reichtum gibt sichere Keckheit.

(Hesiod, Werke und Tage 319)

b)

Orpheus (?)

Mitläufer.

Thyrsosträger genug, und der Gottesbegeisterten wenig!

c)

Pigres

Ein Vielwisser.

Viel zwar wusste der Mann; doch wusst' er es alles nicht richtig.

Die Überschriften bei b und c sind natürlich editorische Zutat.

Kurze Kommentare zu Alter und Erfindungen.

Hesiod ist natürlich mit Homer der Erste und Erfinder von fast allem, was wir über die ältesten Griechen wissen. Man nimmt an, daß er um 700 v.u.Z. lebte, also gut 100 Jahre vor Sappho. Homers und Hesiods Form ist der Hexameter. Man muß wohl davon ausgehen, daß ihren Werken jahrhundertelange Übung vorausging.

Orpheus ist noch stärker als die beiden eine mythische Figur. Sein Vater ist der (ebenfalls mythische) thrakische König Oiagros, seine Mutter die Muse Kalliope. Ein Jahrhundert kann man da nicht angeben. Interessant ist aber, daß er bei Homer und Hesiod nicht erwähnt wird. Die älteste bekannte Erwähnung scheint von dem Dichter Ibykos zu stammen – er sagt nur in zwei Wörtern, daß sein Name berühmt ist. Von Pindar wissen wir die Namen der Eltern. (Es gibt jedoch auch andere Berichte, nach denen Apollo selber als Vater gilt). Die meisten antiken Quellen akzeptieren seine Existenz, wenige, darunter aber Aristoteles, bezweifeln, daß es ihn wirklich gab. Das Fragment b scheint den Dionysuskult oder zumindest seine Adepten zu kritisieren. Verständlich scheint es auch heute noch, unmittelbar und auch ohne mythische Bezüge.

Pigres ist schon eher historisch und auch deutlich später. Wir sind etwa 200 Jahre nach Hesiod. In der Zwischenzeit liegen Archilochos, Alkaios, Sappho, zu den heroischen Dichtungen in Hexametern sind individuellere, der Lebenswirklichkeit der Menschen nähere gekommen – das Distichon erlaubt es, dem hexametrischen Höhenflug etwas Skepsis beizugesellen, vieles kommt uns unmittelbar „modern“ vor. Noch näher am modernen, reflexiven, skeptischen Menschen ist der Jambus, mit dem man auch mal, wie bei Archilochos, den Heldenkult lächerlich machen oder über den Steuereintreiber schimpfen kann. Und dann die lyrischen Strophen bei Alkaios und Sappho…

Pigres hat das nicht erfunden. Aber offenbar hat er sich dieser Erfindungen der Vorfahren bedient. Er soll die Ilias „bearbeitet“ haben, indem er zwischen die Hexameter jeweils Pentameter einfügte, was elegische Verse ergibt. Schade, wenn wir das Ganze hätten,  könnten wir besser beurteilen, inwiefern das elegische Versmaß den heroischen Mythos unterläuft. Vielleicht ist es kein Zufall, daß die älteren heroischen (staatstragenden) Dichtungen komplett überkommen sind, während die modernen, individuellen, skeptischen und alltagsnahen späteren nur in kleinen Fragmenten überliefert sind? Umberto Ecos Fiktion die Komödie betreffend könnte auch auf Sappho, Archilochos oder Pigres passen.

Pigres jedenfalls ist einer der Erfinder. Er war offenbar der erste, der den jambischen Trimeter einführte.

Bücher mit Lesespuren

Antiquare leben von alten Büchern, die sie weiterverkaufen. Einmal traf ich einen, der verkaufte mir die Erstausgabe von Goethes Faust spottbillig. Ich hab ihn nicht gefragt warum, ich hab schnell bezahlt. Ich nehme an, er hat die Abnutzungsspuren stark preismindernd verrechnet. Es war schon fast abgeschrieben. Ich weiß nicht, ob er sein Geschäft noch hat.

Ich liebe alte Bücher. Was ich grad lese, ist von 1908, Vorbesitzer haben keine Namen hineingeschrieben, es gibt nur wenige sehr behutsame Bleistiftnotizen (Lebensdaten wenig bekannter griechischer Dichter), ein paar Lesezeichen und zwei beiliegende, gefaltete A4-Zettel. Einmal in Handschrift und einmal mit Schreibmaschine stehn darauf dieselben sieben Sapphofragmente „aus den Übertragungen von Ernst Morwitz“. Hier zwei von den drei Seiten in Fotokopie. Morwitz gehörte zum Freundeskreis Stefan Georges. 1936 konnten noch in Nazideutschland seine Sapphoübertragungen bei Bondi erscheinen. 1935 war er wegen seiner jüdischen Herkunft als Beamter entlassen worden. 1938 verließ er Deutschland und ging in die USA. Die Abschriften eine Art Konterbande.

wirst zwischen Blinden schwirren

Dirk Uwe Hansens zweite Version, die Nach-Dichtung, von Fragment Voigt 55, mit dem unsere kleine Sapphoserie begonnen hatte:

Frg. 55 Voigt

Tot wirst du sein und begraben, wird keiner sich
deiner erinnern, hier, denn die Rosen
der Musen sind dir nichts.
Durchsichtig, dort, in den Hades geweht
wirst zwischen Blinden schwirren.

Aus: Sappho. Scherben – Skizzen. Übersetzungen und Nachdichtungen von Dirk Uwe Hansen.  Potsdam: udo degener verlag, 2012

Chronik – November 2017

(Wird laufend ergänzt)

Viele Preise wurden vergeben, in Deutschland wird weiter über Gomringer, naja: geredet, Gedichte von Charles Bukowski aus dem Nachlaß wurden so verfälscht, daß man von Zensur reden muß, und Ende November wurde bei einem amerikanischen Rundfunksender über Nacht und so gut wie unbemerkt ein Archiv mit tausenden Gedichten und Kalenderdaten gelöscht.

  • 2. November. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron antwortet mit einem 21zeiligen Gedicht auf das Gedicht einer 13jährigen Engländerin über den Eiffelturm, das sie an den Elyséepalast geschickt hatte. Mehr
  • 2.-12. November. „Radikale Jüdische Kulturtage“ im Berliner Maxim-Gorki-Theater. Organisator Max Czollek erzählt in der Jüdischen Allgemeinen, wie es sich für Juden in Deutschland anfühlt, immer auf Antisemitismus, Schoa und Israel reduziert zu werden.
  • 3. November. Anlässlich des 130. Geburtsjahrs von Georg Trakl ging der mit 8.000 Euro dotierte Georg-Trakl-Preis für Lyrik 2017 an den in Südtirol geborenen deutschsprachigen Schriftsteller Oswald Egger. Mehr
  • 6. November. Der Liedermacher und Lyriker Wolf Biermann wurde in Berlin vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) mit der „Goldenen Victoria” für sein Lebenswerk geehrt. Damit werde „sein außergewöhnlicher Weg als Musiker und seine Auflehnung gegen politisches Unrecht“ gewürdigt. / BZ
  • 6. November. Charles Bukowski hat tausende Gedichte geschrieben. Viele wurden in Nachlaßbänden publiziert. Wie jetzt bekannt wurde, nicht nur umfänglich redigiert, was man ahnte, sondern von den Herausgebern übel umgeschrieben und verfälscht. Daß Hinweise auf Trinken, Drogen, Sex und Wahnsinn getilgt wurden, hatte schon Michael Philipps in seinem Blog erwähnt. Ein Gedicht von 1992 heißt im Original “stone tiger, frozen sea” (Steintiger, gefrorene See),  in der „Nachlaßpublikation“ lautet der Titel:  “like a dolphin” (Wie ein Delphin) – im ganzen Gedicht blieben nur zwei Zeilen unverändert stehen. / Mehr
  • 7. November. Kunst und die Macht der Worte. Debatte anlässlich des Gedichts „avenidas“ von Eugen Gomringer an der ASH-Fassade / Podiumsdiskussion
    An dem Gedicht „avenidas“ auf der Fassade der Alice Salomon Hochschule Berlin hat sich eine bundesweite Debatte über Kunstfreiheit, Demokratien und asymmetrische Geschlechterverhältnisse entfacht. Die Hochschule lud gemeinsam mit dem Haus für Poesie zu der Podiumsdiskussion ein.
    Die Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer:
    – Barbara Köhler, Autorin, Alice Salomon Poetik Preisträgerin 2017
    – Dr. Andrea Roedig, Publizistin, Herausgeberin „Wespennest“
    – Prof. Dr. Bettina Völter, Prorektorin für Forschung und
    Kooperationen an der Alice Salomon Hochschule Berlin
    – Dr. Thomas Wohlfahrt, Leiter des Hauses für Poesie
    Moderation: Claudia Kramatschek, Literaturkritikerin, Berlin
  • 8. November. Verleihung der von der Stadt Innsbruck gestifteten Hilde-Zach-Literaturstipendien an Ann-Kathrin Ast und Martin Fritz. „Die 1986 in Speyer geborene und in Innsbruck lebende Ast schreibt Lyrik, Prosa und Szenisches – und veröffentlichte zahlreiche Texte in Anthologien, etwa in der Reihe „Lyrik von Jetzt“. (…) Ast erhält das mit 7000 Euro dotierte Hauptstipendium. Das Förderstipendium in Höhe von 3000 Euro geht an den Innsbrucker Autor Martin Fritz. Fritz wurde bereits mehrfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Großen Literaturstipendium des Landes Tirol. 2013 veröffentlichte er den Lyrikband „intrinsische süßigkeiten“.“ (Tiroler Tageszeitung)
  • 8. November. Der Comedy-Schriftsteller Torsten Sträter wird mit dem Deutschen Kabarettpreis in der Sparte Kleinkunst ausgezeichnet. In der Sparte Chanson/Lied/Musik wird der Musik-Kabarettist Marco Tschirpke ausgezeichnet. Dessen Lyrik widme sich „intelligent und immer charmant“ den Sonderlichkeiten des Lebens, urteilten die Juroren. Der Förderpreis der Stadt Mainz geht … nach Österreich, an die Poetry-Slammerin Lisa Eckhart. Mehr
  • 9. November. Gewinner des 6. Nordhessischen Autorenpreises: Marko Scholz (1. Preis für Omnia, Gedicht), Thomas Beckmann (2. Preis für Schlammzeit, Kurzgeschichte), Malte Abraham (3. Preis für Alles in Ocker, Kurzgeschichte) und Martin Piekar (Sonderpreis Lyrik für Antiterror Podcast).. „Dass alle Preisträger männlichen Geschlechts sind, hat die Jury und uns erstaunt – da aber der komplette Lese- und Auswahlprozess ohne Kenntnis der AutorInnen stattfand, ist es nun, wie es ist.“ Mehr
  • 10. November Verleihung des Andreas-Gryphius-Preises in Düsseldorf an die Eislinger Schriftstellerin Tina Stroheker (Stuttgarter Nachrichen)
  • 15. November. Vom 15. November an können alle Mitglieder der [Alice Schmidt] Hochschule zwei Wochen lang online über Vorschläge abstimmen, wie die Fassade [auf der bisher ein Gomringergedicht steht] neu gestaltet werden könnte. Die Vorschläge sind das Ergebnis eines Ideenwettbewerbs, an dem die Studierenden teilnehmen konnten. Die zwei Vorschläge mit den meisten Stimmen werden dem Akademischen Rat vorgelegt – zudem ein Vorschlag der Hochschulleitung. Welche Konzepte zur Wahl stehen, ist noch nicht bekannt. Im Januar entscheidet der Rat dann, welcher Vorschlag Grundlage für eine Neugestaltung wird. Mehr
  • 17.November Übergabe des vom Deutschen Literaturfonds vergebenen, mit 20 000 Euro dotierten Kranichsteiner Literaturpreises an Nico Bleutge. In der Begründung der Jury, der Maike Albath, Wilfried F. Schoeller und Christine Wahl angehören, heißt es: Nico Bleutge erhält den Kranichsteiner Literaturpreis 2017 für sein bisher vier Bände umfassendes lyrisches Werk  unter besonderem Augenmerk auf die neueste Sammlung nachts leuchten die schiffe. Bleutge versteht sich auf eine poetische Erkundung vornehmlich von Licht und Wasser, auf die Verwandlung poetischer Romantik ins Gebrauchsformat von Industriezonen, Stückverkehr und Transportmonstern. Das Wetterleuchten auf globalen Wegen mischt sich mit Seelenechos aus der Kindheit, das Zitatgemurmel fremder Stimmen mit eindrücklichen eigenen Bildern. Nico Bleutge arbeitet an einer poetischen Übung im Lauschen und Memorieren, an einer modernen Erfahrungsseelenkunde, die sich auch der Technik und dem Gestaltwandel der sprachlichen Bilder öffnet.Für den Kranichsteiner Literaturförderpreis nominierte die diesjährige Jury Theresia Enzensberger, Maren Kames und Simon Strauß. Alle drei Kandidaten werden sich am 17. November um 11:30 Uhr in einer öffentlichen Lesung in der Justus­-Liebig-Schule in Darmstadt um den mit 5.000 Euro dotierten Preis der Fachjury bewerben. Mit ihren jeweils noch unveröffentlichten Textauszügen stellen sie sich gleichzeitig dem Urteil ei­ner Schülerjury. Diese vergibt, unabhängig von der Entscheidung der Fachjury, einen Preis in Höhe von 1.000 Euro.Die Jury hat weiterhin zwei Aufenthaltsstipendien des Deutschen Literaturfonds vergeben:Das 10-wöchige Aufenthaltsstipendium im Deutschen Haus der New York University erhält in diesem Jahr der in Eberstalzell (Österreich) lebende Autor Reinhard Kaiser-Mühlecker.Das ebenfalls 10-wöchige London-Stipendium an der Queen Mary University sprach die Jury Karl-Heinz-Ott zu, der in Wittnau lebt.Alle Preise werden am 17. November um 19 Uhr in einer öffentlichen Veranstaltung im Theater Moller Haus in Darm­stadt überreicht.
  • 23. November. In Kairo wurde Gamal Abdel Hakim nach dem Konter-Terrorismus-Gesetz zu 5 Jahren Haft verurteilt, weil er ein Exemplar von Karl Marx‘ Buch Lohn, Preis und Profit besaß. Ein paar Tage vorher, am 19., durchsuchte das Innenministerium das Dar Merit Publishing House, das junge Autoren verlegt. Ein Volontär wurde verhaftet, weil er „unregistrierte Bücher“ besaß und verkaufte. Mehrere Buchhandlungen und Bibliotheken wurden in den vergangenen Monaten geschlossen, darunter El Balad (“Das Land”), ein linke Buchhandlung, die von Kaios Literaten frequentiert wurde. / The Atlantic
  • 24. November: Die deutsche Lyrikerin und Übersetzerin Dagmara Kraus erhält den Basler Lyrikpreis 2018. Die mit 10.000 Franken dotierte Auszeichnung wird jährlich an Dichterinnen und Dichter verliehen, «deren Werk sich durch Innovationskraft und durch den Mut zu konsequentem und eigenwilligem Arbeiten mit Sprache auszeichnet», schrieb das Literaturhaus Basel am Freitag in einem Communiqué. Die Preisverleihung findet im Rahmen des 15. Internationalen Lyrikfestivals Basel am Samstag, 27. Januar, statt.
  • 25. November: Der Lyrikpreis Mondseeland geht an Daniela Seel. Aus der Begründung der Jury: „Daniela Seels Gedichte zeichnen sich durch eine bildreiche Sprache aus, die die Beziehung des Ich zur Welt und zur eigenen Existenz einem radikalen Zweifel unterzieht. Aus diesem Zweifel, dem rebellischen Kern von Seels Gedichten, geht eine neue, eigene Wirklichkeit hervor, die sich durch die Musikalität, die Intensität und die märchenhaften Züge ihrer Sprache mitteilt.“ Der Preis ist mit 7500,- Euro dotiert. Die Jury-Sitzung fand am 25. November 2017 statt, die Preisverleihung erfolgt voraussichtlich Anfang Januar. Jury: Ilma Rakusa (Zürich), Hans Höller (Salzburg), Steffen Popp (Berlin) und Anton Thuswaldner (Salzburg).
  • 28. November: Verleihung des mit 12.000 Euro dotierten Klopstockpreises (Landesliteraturpreis Sachsen-Anhalt) in Quedlinburg an Thomas Melle. Der Klopstock-Förderpreis (3.000 Euro) geht an Marco Organo für seinen Debütband „Dorfschönheit“. / Hier und hier.
  • 29. November. Reinhard Jirgl, Büchnerpreisträger des Jahres 2010, hat beschlossen, sich gänzlich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. So stand es, fast unbemerkt, am Rande eines «Zeit»-Gesprächs mit dem Hanser-Verleger Jo Lendle. Er wolle dorthin zurückkehren, wo er vor Jahrzehnten begonnen habe: zum reinen «Selbstgespräch». Ein Schreiben nur noch für die Schublade. / Paul Jandl, Neue Zürcher Zeitung
  • 29. November: Der amerikanische Radiosender NPR beendet die Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Garrison Keillor, nachdem ihm eine frühere Mitarbeiterin „unangemessenes Verhalten“ vorgeworfen hatte. Keillor moderierte seit 1974 u.a. die Sendung “A Prairie Home Companion”. Beendet und mit sofortiger Wirkung aus den Archiven gelöscht wurde auch die 1993 gestartete tägliche Sendung „The Writers Almanac“ mit kalendarischen Notizen und einem Gedicht, die u.a. von der Poetry Foundation gesponsort wurde und auch als Podcast weite Verbreitung fand. Bereits 2005 war die Sendung kurzzeitig aus dem Programm genommen worden mit der Begründung, einige der vorgetragenen Gedichte seien „unanständigen“ (indecent) Inhalts. Nach zahlreichen Protesten hatte man sie wieder aufgenommen.

Unsterbliche Aphrodite

Aus Dirk Uwe Hansen: Sappho. Scherben – Skizzen

Frg. 1 Voigt

Unsterbliche Aphrodite auf dem bunten Thron
Tochter des Zeus, listenreiche, ich bitte dich:
nicht mit Sorgen und Kummer bedränge
Herrin, mein Herz.
Sondern komm her, wenn du schon einmal von anderswo
mein Rufen gehört hast von fern,
deines Vaters Haus verlassen,
das goldene, und kamst;
den Wagen hattest du angespannt, schöne Spatzen
zogen dich über die schwarze Erde,
flatterten heftig mit den Flügeln, vom Himmel herab
durch die Mitte des Äthers
kamen sie schnell. Du, Selige,
lächeltest mit unsterblichem Antlitz und
fragtest, was ich schon wieder habe, warum ich
schon wieder rufe,
und was ich mir am meisten wünsche, dass es geschehe,
mit rasendem Herzen: „Welche soll ich überreden?
... in Freundschaft mit dir? Welche,
Sappho, tut dir etwas Böses?
Und wenn sie dich auch flieht, bald wird sie dich verfolgen,
wenn sie deine Geschenke nicht nimmt, bald wird sie welche machen,
wenn sie nicht liebt, wird sie bald lieben,
auch wenn sie nicht will.“
Komm auch jetzt zu mir, aus der schweren
Sorge erlöse mich, was auch immer mein Herz wünscht,
dass es mir geschehe, vollende es, du selbst
sei meine Kampfgenossin.
Alle Farben der Welt hast du,
gerissene Tochter des Zeus,
Aphrodite, auf deinem Thron,
hast du auch früher schon
vor dem Haus deines Vaters dem goldenen
Wagen die Sperlinge vorge
spannt und schwirrten im hohen Bogen,
schnell kopfüber hinab zu mir.
Und du mit deinem
Göttergesicht:
was ich schon wieder
wollte, wolltest du
wissen: „Wer ist es diesmal? Welche
soll ich dir schenken?“
Das wärs,
was ich mir wünsche:
Komm! Bleib!
an meiner Seite.

Aus: Sappho. Scherben – Skizzen. Übersetzungen und Nachdichtungen von Dirk Uwe Hansen.  Potsdam: udo degener verlag, 2012

Chronik – Oktober 2017

Im Oktober Preise, Preise und Festivals, nichts Neues in der Sache Gomringer-ASH (oder doch?), ein Skandal um Herta Müller in Belgrad, viel Jan Wagner und 25 Jahre Zeitschrift „Das Gedicht“, Hán Nôm in Vietnam, Leonard Cohen… und nicht zu vergessen: Gedichte in den Wahlurnen (in Island!).

(Wird noch eine Zeitlang laufend ergänzt)

  • 1. Oktober. Das Heine-Haus vergibt den mit 5000 Euro dotierten „PoesieDebütpreis Düsseldorf“ an die 33-jährige Maren Kames. Über ihren ersten Gedichtband „Halb Taube halb Pfau“ schreibt die Jury: „Mit ihrem Debüt erweist sich Maren Kames als neue poetische Stimme eigener Prägung, die Präzision und Lust am Sprachspiel zu verbinden weiß.“ Kurz zuvor war sie mit dem mit 8.000 Euro dotierten Anna Seghers-Preis 2017 der Anna Seghers-Stiftung ausgezeichnet worden. Mehr
  • 1. Oktober. “I take words from anywhere,” says Amineh Abou Kerech, moments after winning the 2017 Betjeman poetry prize for 10- to 13-year-olds last week. “I take them from songs and films, from what I see on the computer or the television. And I put them all together.” / Guardian
  • 2. Oktober. Neue Mainzer Stadtschreiberin gewählt: Anna Katharina Hahn ist die 34. Trägerin des Literaturpreises von ZDF, 3sat und der Stadt Mainz. 2012 erhielt sie den Wolfgang-Koeppen-Preis der Stadt Greifswald. mehr
  • Julian Randall erhält den  Cave Canem Poetry Prize 2017, mit dem „hervorragende Manuskripte von schwarzen Dichtern afrikanischer Abstammung“ ausgezeichnet werden. Sein prämiertes Manuskript “Refuse” handelt von seiner Identität und der Unsichtbarkeit, mit der er aufgewachsen ist. / The DM online
  • 3. Oktober. Der kabylische Dichter Lounis Aït Menguellet wird Doktor h.c. an der Universität Mouloud-Mammeri in Tizi Ouzou (Algerien) / Les temps d’Algerie
  • lit.COLOGNE SPEZIAL 2017 vom 3. bis 15. Oktober https://www.litcologne.de 
  • 10th IPLF — International Istanbul Poetry and Literature Festival 3. – 7. Oktober
  • 5. Oktober.  Der Literaturnobelpreis 2017 geht an Kazuo Ishiguro. Der britische Schriftsteller japanischer Herkunft habe Romane von großer emotionaler Kraft geschrieben, begründete die Schwedische Akademie ihre Wahl.
  • 6. Oktober. Die Stiftung Preußische Seehandlung hat auf Beschluss ihrer Preisjury die Schriftstellerin Marion Poschmann mit dem Berliner Literaturpreis 2018 ausgezeichnet. Die Autorin nimmt die mit dem Preis verbundene Berufung der Freien Universität Berlin auf die Gastprofessur für deutschsprachige Poetik im Sommersemester 2018 an. Der mit 30.000 Euro dotierte Berliner Literaturpreis zeichnet Autoren aus, die mit ihrem literarischen Werk in den Gattungen Erzählende und Dramatische Literatur sowie Lyrik einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur geleistet haben. Mit der Preisvergabe geht das Angebot einer Berufung auf die Gastprofessur für deutschsprachige Poetik am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin einher. Mehr
  • 6. Oktober. Der mit 1500 Euro dotierte Spiegelungen-Preis für Lyrik geht 2017 an den in Berlin lebenden Dichter, Essayisten und Übersetzer Lothar Quinkenstein. Seine Gedichte erweisen ihn als lyrisch versierten, in der Tradition mittel- und ostmitteleuropäischer Literatur der letzten drei Jahrhunderte verwurzelten Spurensucher, der in Lektüren, Landschaften und Mitmenschen die Schmerzzeichen bis heute nicht vergangener Geschichte aufzuspüren weiß. Den mit 3000 Euro dotierten Sonderpreis zum Spiegelungen-Preis für Lyrik erhält 2017 die rumänische Dichterin Nora Iuga. Mehr
  • 8. Oktober. Die letzten Gedichte, an denen Leonard Cohen noch wenige Tage vor seinem Tod gearbeitet hat, sollen im Oktober kommenden Jahres veröffentlicht werden. Der Band „The Flame“ werde neben den bislang unveröffentlichten Gedichten auch einige Prosatexte, Illustrationen und die Liedtexte seiner letzten drei Musikalben vereinen, erklärte Cohens früherer Manager Robert Kory am Freitag. swissinfoGulf Times
  • Frankfurter Buchmesse 2017 – 11.-15.Oktober. Lesefest: Open BooksLyrikbuchhandlung in der Galerie Bernhard Knaus Fine Art, Niddastraße 84. – Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse verlieh der Deutsche Literaurfonds am 12. Oktober Christiane Körner den  Paul-Celan-Preis für herausragende Übersetzungen.
  • Vom 13. bis 22. Oktober Göttinger Literaturherbst
  • 14. Oktober 13th Annual Belfast Poetry Festival
  • Am 15. Oktober lief die Einsendungsfrist für Vorschläge zur Umgestaltung der Südfassade der Alice Salomon Hochschule in Berlin-Hellersdorf ab. Damit war der Akademische Senat der ASH einem Vorschlag des AStA gefolgt, der vorsieht, „das Gedicht [von Eugen Gomringer] zu entfernen und durch ein basisdemokratisches Auswahlverfahren neuzugestalten“. Über Ergebnisse des Verfahrens wurde vorerst nichts bekannt.
  • 19.-22. Oktober das mobile lateinamerikanische Poesiefestival Latinale
  • 19. Oktober. Die deutsch-japanische Schriftstellerin Yoko Tawada wird für ihre Verdienste um die deutsche Sprache mit der Carl-Zuckmayer-Medaille 2018 des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Neben der Medaille erhält die Autorin ein 30-Liter-Fass Nackenheimer Wein. Mehr
  • 19. bis 21. Oktober Elfte österreichische Poetry-Slam-Meisterschaften in Wien
  • 20. Oktober. Wolfgang Wondratschek, der „übergangene Dichter“, erhält in Wien den von dem deutschen Unternehmensberater, Investor und Mäzen Helmut Maier gestifteten „Alternativen Büchnerpreis“. Maier habe es sich vorgenommen, die Hälfte seines Vermögens in die Förderung der Literatur zu stecken (Wondratschek: „Was ist mit der anderen Hälfte?“) / Standard. Mehr: Wondratscheks Dankrede
  • Der Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster 2018 geht an die Münchner Schriftstellerin Sandra Hoffmann. Sie wird für ihren aktuellen Prosaband „Paula“ ausgezeichnet, in dem sie eine autobiografisch geprägte Familiengeschichte erzählt. Mehr
  • 21. Oktober: Saskia Warzecha und David Krause erhalten den Lyrikpreis München. Im Finale lasen außerdem Ruxandra Chişe, Dirk Uwe Hansen und Nancy Hünger. Jury: Birgit Kreipe, Swantje Lichtenstein, José F.A. Oliver. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert, gestiftet vom Online-Magazin signaturen.de (Bericht: http://www.lyrikpreis-muenchen.de/bericht-4.html).
  • 21. Oktober. Pablo Neruda und kein Ende. Im Auftrag der chilenischen Justiz hat eine internationale Expertenkommission bekräftigt, daß der chilenische Dichter, der kurz nach dem Staatsstreich General Pinochets starb, nicht an Prostatakrebs gestorben ist, wie es der amtliche Totenschein sagt. Das sei zu 100% auszuschließen. Sein persönlicher Sekretär Manuel Araya hatte behauptet, der Dichter sei ermordet worden. / RTL.fr
  • 22.-29. Oktober: 62. Internationale Belgrader Buchmesse. Internationaler Ehrengast ist die deutsche Schriftstellerin Herta Müller. Zum Abschluß gab es einen Eklat, als sie gefragt wurde, ob sie heute noch zur Unterstützung des NATO-Einsatzes gegen Serbien in den 90er Jahren stehe. Sie bejahte, weil sie „glaube, es war so viel passiert, und man hatte dem Kosovo und Bosnien so viel Leid angetan, und es war dieser schlimme Nationalismus, an dem auch, glaube ich, die orthodoxe Kirche sehr stark mitgemischt hat.“  Es gab Buhrufe, Zuschauer verließen den Saal. In den nächsten Tagen überschwemmt eine Welle der Empörung das Land. „«Ich hätte sie sofort zurückgeschickt, mit all ihren Büchern», sagt der Schriftsteller Dragisa Pavlovic. (…) Der international bekannte serbische Regisseur und Musiker Emir Kusturica schlug in die gleiche Kerbe. «Sie hätte besser zu einer Militärparade oder zur Automobilmesse als zur Buchmesse eingeladen werden sollen», denn «Alfred Nobel hätte sich im Grabe umgedreht». Und: «Wenn es Gerechtigkeit gäbe, hätte der Nobelpreis 2009 nicht ihr, sondern dem grössten lebenden österreichischen Schriftsteller Peter Handke überreicht werden müssen.» Handke hatte seit Mitte der 90er Jahre mit seinen proserbischen Äusserungen die Politik- und Literaturszene bewegt.“ (NZZ)
  • Jan Wagner nimmt im Wintersemester 2017/2018 die „Poetikdozentur: junge Autoren“ der Hochschule RheinMain und der Landeshauptstadt Wiesbaden wahr. Die Vorlesungen finden bis zum 7. Februar statt. Mehr
  • Die Zukunft der Poesie. Internationales Lyrik-Colloquium in Benediktbeuern 24. Oktober 2017. Autoren, Kulturjournalisten und Literaturvermittler diskutieren, in welche Richtung sich die Lyrik als Königsgattung der Literatur entwickelt. Thema sind auch die Möglichkeiten der Vermittlung von Lyrik. Das Colloquium leiten Dr. Norbert Göttler, Heimatpfleger des Bezirks Oberbayern, und Anton G. Leitner, Herausgeber der Zeitschrift „Das Gedicht“.
  • 25. Oktober. Demonstration für Menschenrechte von 20 Poeten, die ab 16 Uhr auf dem Münchner Marienplatz aus ihren Werken vorlesen. (Eine Veranstaltung im Rahmen des 25. Jubiläums der Zeitschrift „Das Gedicht“) Mehr
  • 25. Oktober. Der 92jährige Dichter Eugen Gomringer nimmt im Gespräch mit dem Deutschlandfunk Stellung zu der Forderung Hellersdorfer Studierender, sein Gedicht Avenidas von der Giebelwand der Hochschule zu entfernen. „Heute kommt es mir vor wie der Vorgang einer Säuberung, weil die eine ganze Lyrikreihe eigentlich wegsäubern wollen oder ein Stück Kunst und Lyrik wegsäubern wollen – auch ein Stück Freiheit nehmen natürlich.“ Mehr
  • 25. Oktober. Beim Nationalen Festival der Amazigh-(Berber-)Poesie, das vom 20.-24. Oktober im algerischen Illizi stattfand und bei dem etwa 30 Dichter verschiedener Mundarten der Berbersprache teilnahmen, gewann die Lyrikerin El-Adjla Boughedad den ersten Preis. Die nächsten Plätze belegten Saâdia Benamara (Oran), Jimmy Amazighi (Batna), Abdallah Kaïri (Tamanrasset) und Salah Tirichine (Ghardaia). Mehr
  • 26.-29. Oktober Premiere des Lyrikfestivals Silbentanz in Bad Ischl
  • Am 26. Oktober fand am Indian Institute of Technology in Madras (Indien) ein Symposium mit Schwerpunkt auf zeitgenössische Tamilautorinnen statt. Diskutiert werden Themen wie „Was bedeutet es heute, Autorin zu sein“ und „Den Körper schreiben“. / Outlook India
  • 7th edition of 100 Thousand Poets for Change in Mumbai (founded in 2011 by American poet Michael Rothenberg and Mumbai-based poet Menka Shivdasani). The 2017 programme included Cappuccino Readings, hosted by Anjali Purohit (October 26); Smeetha Bhoumik’s Woman Empowered (October 27). and Vibha Rani’s AVITOKO Room Theatre (October 28). On Sunday morning (11 a.m. onwards), an event for children by Rati Dady Wadia will feature poems by schoolchildren in Mumbai, representing various schools and organisations such as Writers’ Bug, Fun ki Pathshala and Young Writers’ Nook. This year, a second book of poetry by children in Mumbai will be launched. The first, The Music of the Spheres, featuring poems written specifically for 100TPC Mumbai, was released in 2015, spearheaded by Ms. Wadia. More
  • Das erste Helgoländer Lesefestival bietet vom 26. bis 28. Oktober Literatur an ungewöhnlichen Orten. Zehn Autoren werden erwartet. Sie präsentieren Werke, die einen Bezug zu Deutschlands einziger Hochseeinsel haben. / Hamburger Abendblatt
  • 27.Oktober. In Hanoi findet eine feierliche Veranstaltung zum 25. Jahrestag der Gründung des „Clubs der Poesie auf Chinesisch, Vietnamesisch und Französisch“ (Club de poésie en chinois, vietnamien et français) statt. Gegründet wurde er 1992 als Hán Nôm-Club (Hán Nôm ist die vietnamesische Bezeichnung für die beiden  Sprachen und Schriften des alten Vietnam, Chinesisch und Vietnamesisch). Ursprüngliches Ziel des Vereins war es, das gewaltige literarische Erbe in den beiden traditionellen Schriften zu bewahren – das Land hatte in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts auf eine lateinische Schrift mit diakritischen Zeichen umgestellt. Mehr
  • 28. Oktober. Auf der Herbsttagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung wurde Jan Wagner mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis gilt als die höchste deutsche Literaturauszeichnung. Die deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zeichnet einen Lyriker aus – so heißt es in der Begründung der Jury – dessen poetische Sprachkunst unser Denken und unsere Wahrnehmung der Welt  in neugierigen und sensiblen Erkundungen des Kleinen und Einzelnen mit einer wachen Aufmerksamkeit für die Phänomene der Lebens – wie der Zeitgeschichte schärft. Die Laudatio hielt der Schriftsteller und Übersetzer Aris Fioretos. – / DLF
  • Auf der Tagung der Darmstädter Akademie wurde Ernst Osterkamp als Nachfolger von Heinrich Detering neuer Akademiepräsident. – Jens Bisky erhielt den mit 20.000 Euro dotierten Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay als „eine der verlässlichsten Stimmen in den Debatten der Gegenwart“, denn: „Seine stilistische Brillanz und weltläufige Aufmerksamkeit werden moderiert von Besonnenheit.“ Die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger bekam den mit 20.000 Euro dotierten Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa. – Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/28739248 ©2017
  • 28. Oktober. Vorgezogene Parlamentswahl in Island. „Viele Wähler haben bei der Parlamentswahl in Island kleine politische Gedichte mit in die Wahlurnen gesteckt. Sie habe am Samstag handgeschriebene Zettel mit Vierzeilern in den Kisten gefunden, sagte die Leiterin des nordwestlichen Wahlbezirks dem isländischen Rundfunk RUV. Anonyme Poesie in der Wahlkabine hat auf der Insel im Nordatlantik demnach bereits Tradition. Die Gedichte seien unterschiedlich gut gewesen, meinte die Wahlleiterin.“ Mehr
  • Der neue Meister im deutschsprachigen Poetry Slam heißt Alex Burkhard. Der Bühnendichter aus München setzte sich am 29.10. im Finale gegen Fabian Navarro und Yannick Sellmann in der ausverkauften Staatsoper in Hannover durch. 110 Poetinnen und Poeten aus Deutschland, der Schweiz und Österreich hatten sich für die Meisterschaften in Hannover qualifiziert. / Abendzeitung

Pleiadengedicht

Heute Dirk Uwe Hansens Doppelfassung des „Pleiadengedichts“. Obwohl es nicht einmal sicher ist, ob es wirklich von Sappho stammt, ist es heute eins ihrer bekanntesten Gedichte. Überliefert ist es ohne Nennung eines Autornamens in einem antiken Metrikhandbuch. In einer Anthologie aus dem 15. Jahrhundert wird es erstmals Sappho zugeschrieben. – Ist es ein Überbleibsel eines längeren Gedichts oder vielleicht doch ein – uns modern anmutendes – Kurzgedicht?

Frg. 168b Voigt

Untergegangen ist der Mond
 und die Pleiaden. Mitte der
 Nacht, vorüber geht die Stunde
 ich aber schlafe allein.
Unter der Mond gegangen
 gegangen Pleiaden aus
 aus die Stunde geblieben
 geblieben wieder allein

Aus: Sappho. Scherben – Skizzen. Übersetzungen und Nachdichtungen von Dirk Uwe Hansen.  Potsdam: udo degener verlag, 2012

Nekrolog – Oktober 2017

Gestorben im Oktober

  • Am 1. Oktober František (Jorge) Listopad, tschechisch-portugiesischer Schriftsteller (95)
  • Am 1. Oktober Pierluigi Cappello, italienischer Lyriker (50)
  • Am 1. Oktober Philippe Rahmy, 52, Schweizer Schriftsteller (Schweizer Literaturpreis 2017) Mehr (frz.)
  • Am 2. Oktober Gaspar Jesús Azcorra Alejos (75), mexikanischer Schriftsteller
  • Am 3. Oktober Hussein Kahwaji, tunesischer Dichter (57) Mehr (frz.)
  • Am 4. Oktober Jerry J. Ross, 84, amerikanischer Liedermacher und Producer
  • Am 7. Oktober Wjatscheslaw Iwanow (Вячеслав Иванов, Viatcheslav Vsevolodovitch Ivanov), russisch-sowjetischer Linguist, Lyriker und Philosoph (88)
  • Am 7. Oktober Gao Mang (高莽, 91), chinesischer Schriftsteller, Übersetzer aus dem Russischen (Puschkin, Lermontow, Bunin, Majakowski, Achmatowa) und Englischen (Kerouac)
  • Am 10. Oktober Pentti Holappa, finnischer Schriftsteller (90)
  • Am 10. Oktober Kassim Ahmad, 84, malaysischer Schriftsteller und Politiker
  • Am 12. Oktober Stanislaw Kusnezow (Кузнецов, Станислав Александрович, 62), russisch-sowjetischer Lyriker
  • Am 13. Oktober Henn-Kaarel Hellat, estnischer Kritiker und Schriftsteller (85)
  • Am 14. Oktober Richard Wilbur, 96, amerikanischer Lyriker, Pulitzer Prize winner 1957, 1989, Poet laureate 1987/88 Boston Globe | Welt
  • Am 14. Oktober Rainer Klis, deutscher Schriftsteller (62)
  • Am 14. Divino Anticristo (64), eigtl. José Onofre Pizarro Caravantes (* Santiago de Chile, 12. Mai 1953), auch Isabelísima oder König von Mazedonien , chilenischer Schriftsteller, Obdachloser mehr (span.)
  • Am 15. Hervé Prudon, französischer Schriftsteller und Journalist (66)
  • Am 15. Oktober Eduard Skobelew (Эдуард Марцінавіч Скобелеў) (81), weißrussischer Schriftsteller
  • Am 17. Oktober Mahomed Atabajew (79), russisch-sowjetischer dagestanischer Schriftsteller
  • Am 17. Oktober Boris Berger (52, * Lwów, ging nach Moskau, später nach Deutschland, wo er starb), ukrainischer, russländischer und deutscher Künstler, Lyriker und Publizist
  • Am 18. Oktober Ross Chambers, australisch-amerikanische Literaturtheoretikerin (84)
  • Am 18. Arsenio González (86), spanischer Lyriker, Dramatiker und Schauspieler
  • Am 19. Oktober Jacques Flamand (82), frankokanadische Schriftsteller
  • Am 20. Oktober Thomas Vogel, deutscher Schriftsteller und Journalist (70)
  • Am 20.Oktober Fay Chiang, 65, amerikanische Lyrikerin und visuelle Künstlerin
  • Am 21. Oktober Marcus Accioly, brasilianischer Dichter (74)
  • Am 23. Oktober Lupo Hernández Rueda (87), dominikanischer Anwalt und Lyriker
  • Am 24. Oktober Harry Almela (64), venezolanischer Schriftsteller
  • Am 24. Oktober Walentina Telegina (72), russisch-sowjetische Lyrikerin
  • Am 25. Oktober Silvia Bovenschen, deutsche Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Essayistin (71)
  • Am 25. Oktober Saúl Schkolnik (88), chilenischer Schriftsteller, Architekt und Philosoph
  • Am 26. Oktober Juan José Ayuso (77), dominikanische Schriftsteller
  • Am 27. Oktober Milan Nápravník, tschechischer Schriftsteller und Künstler (86)
  • Am 28. Oktober Josaphat-Robert Large, haitianischer Dichter (74, Prix littéraire des Caraïbes 2003)
  • Am 29. Oktober Xose Manuel Carballo (73), spanischer Schriftsteller
  • Am 30. Oktober Alfred Heizmann, deutscher Lehrer, badischer Mundartdichter und Fasnachtsredner (68)