Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Josepha von Hoffinger (auch Josefine, Josefa; * 8. November 1820 in Wien; † 25. September 1868 auf Schloss Altmannsdorf, heute Wien) An Schiller. O laß den Lorbeer dem olympschen Gotte, Dir aber ziemt der Männer Eichenkranz; Verhöhnen mag man dich mit seichtem Spotte, Du… Continue Reading „An Schiller.“
wien, zärtlich Von Heidi Pataki (* 2. November 1940 in Wien; † 25. April 2006) das schlagstockerl das lenkwafferl das bomberl das kaffeetscherl das stacheldrahterl das betonbunkerl das hakenkreuzerl das knöderl das stahlhelmerl das kameraterl das wolfshunterl das achterl das massengraberl das lagerl das… Continue Reading „knöderl & hakenkreuzerl“
Ilse Aichinger (* 1. November 1921 in Wien; † 11. November 2016 ebenda) Briefwechsel Wenn die Post nachts käme und der Mond schöbe die Kränkungen unter die Tür: Sie erschienen wie Engel in ihren weißen Gewändern und stünden still im Flur. Aus: Ilse Aichinger:… Continue Reading „Briefwechsel“
Egon Schiele (* 12. Juni 1890 Tulln, Niederösterreich, † 31. Oktober 1918 Wien) Musik beim Ertrinken In Momenten jochte der schwarze Fluß meine ganzen Kräfte, ich sah die kleinen Wasser groß und die sanften Ufer steil und hoch. Drehend rang ich und hörte die… Continue Reading „Musik beim Ertrinken“
1953 oder 1954 bekam Brecht den ersten Gedichtband der jungen Dichterin Ingeborg Bachmann geschenkt. Er las mit Bleistift und machte daraus durch radikale Kürzung „eigene“, der lakonischen Art seines Spätwerks entsprechende Gedichte. Aus: Gerhard Wolf, Wortlaut Wortbruch Wortlust. Dialog mit Dichtung. Leipzig: Reclam, 1988, S.… Continue Reading „Brecht bearbeitet Bachmann“
Margret Kreidl HAUSMANTEL Ich stehe vor einem Haus, barfuß. Meine Füße sind schmutzig. Ich schlüpfe aus meinem Mantel und mache die Eingangstür auf. Der Flur ist hell erleuchtet. Im Spiegel sehe ich mein Gesicht. Ich habe blaue Augen. Nein, meine Augen sind braun. Es… Continue Reading „Hausmantel“
Margret Kreidl HEILANSTALT Liebe Schwester, es ist Donnerstag und kalt. Ich träume jede Nacht vom Veilchenwald. Der Herr Doktor sagt, ich bin in einer Heilanstalt, weil mein Klopffleisch heiß ist, gelb ist, alt. Ich hätte gern Besuch und dich recht bald. Einfache Erklärung: Margarete… Continue Reading „Heilanstalt“
Evelyn Schlag sonett nun lässt ein girlie sich die junge scham vernieten und auf den dächern wächst das moos so jäh. die kids halten schritt wenn beschleuniger wüten. was sehr dringlich wird bekommt ein zeit-dossier. eine neue generation von smartphones liegt pro jahr auf… Continue Reading „Sonett“
Marie von Ebner-Eschenbach (* 13. September 1830 auf Schloss Zdislawitz bei Kremsier in Mähren als Marie Dubský von Třebomyslice; † 12. März 1916 in Wien) Sankt Peter und der Blaustrumpf Ein Weiblein klopft an’s Himmelsthor, Sankt Peter öffnet, guckt hervor: – »Wer bist denn… Continue Reading „Blaustrumpf“
Ernst Jandl calypso ich was not yet in brasilien nach brasilien wulld ich laik du go wer de wimen arr so ander so quait ander denn anderwo ich was not yet in brasilien nach brasilien wulld ich laik du go als ich anderschdehn mange… Continue Reading „calypso“
Alma Johanna Koenig Brennende Sehnsucht dir ins Blut, brennenden Traum in deine Nacht! Brennende Wollust‚ hochentfacht, in deine Seele, die nun ruht: Tröpfelndes Gift in deinen Trank, fressende Krankheit dir ins Mark, lähmender Zauber, urweltstark, dich zu versehren, lebenslang! Täglich dies Lustermüdetsein, nächtlich Gesicht,… Continue Reading „Brennende Sehnsucht dir ins Blut“
Ernst Jandl bibliothek die vielen buchstaben die nicht aus ihren wörtern können die vielen wörter die nicht aus ihren sätzen können die vielen sätze die nicht aus ihren büchern können die vielen bücher mit dem vielen staub darauf die gute putzfrau mit dem staubwedel… Continue Reading „bibliothek“
Christine Busta (* 23. April 1915 in Wien; † 3. Dezember 1987 ebenda) Cordelia Ich weiß nicht, ob es gut war, daß ich schwieg: wen Ekel stumm macht, wer’s verschmäht hat, sich zu wehren, ist schuldig, wenn sie Schritt für Schritt das Recht verkehren;… Continue Reading „Cordelia“
HERTHA KRÄFTNER (* 26. April 1928 in Wien; † 13. November 1951 ebenda) Die grausamen Morgen Die Morgen sind wie Schwertstreiche durch die schwarzen und grünen Pflanzen der Nacht. Wenn ihre vollen Schäfte rauschend niederbrechen, verrinnen die süßen Düfte und die bitteren Säfte, und… Continue Reading „Die grausamen Morgen“
Richard Beer-Hofmann (* 11. Juli 1866 in Wien; † 26. September 1945 in New York) Aus: Richard Beer-Hofmann: Schlaflied für Mirjam: Lyrik, Prosa, Pantomime (Große Richard-Beer-Hofmann-Ausgabe, Bd. 1). Hrsg. Michael M. Schardt. Igel Verlag, 2011, S. 56
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