Kategorie: Deutschland

Berliner Klein-Ode

Zwei Kultouristinnen vor dem Palast der Republik hielten das Bauwerk für historisch und schick. Doch die goldenen Fenster und der Vergangenheit Gespenster werden bald aus dem Stadtbild gekickt. Berliner Morgenpost 3.7.02 [und hopp, die Parlamentarier gehorchen!]

Gert Neumann 60

Der erste Text von Gert Neumann , den ich las, war ein Gedicht (in der von Bernd Jentzsch herausgegebenen Anthologie „auswahl 68“). Brücke genug, um den ansonsten fast nur mit Prosa hervorgetretenen Autor hier einzurücken. Zum runden Geburtstag brachte die FAZ (2.7.) eine Gratulation… Continue Reading „Gert Neumann 60“

Desinteressierte Kritik, starke Lyrik

Wäre die deutschsprachige Literaturkritik so gut wie ihr Ruf, hätte sie merken können, dass es eine enorm starke Lyrik gibt, seit Jahren, dass das oft junge Autoren waren und noch sind, dass es in der Lyrik im Vergleich zu den durch die aufgeregten Heißluftaggregate… Continue Reading „Desinteressierte Kritik, starke Lyrik“

Reizstrom in Aspik

Hier schaltet sich ein kurzer Text ein, der mit „Silvesterpolen“ überschrieben ist. Er schildert die Begegnung mit einem Gedicht, „das ich noch nicht kenne, vielleicht auch niemals schreiben werde.“ Die Erinnerung an diesen Silvesterbesuch auf Usedom 1993/94, wo es plötzlich so deutlich nach DDR… Continue Reading „Reizstrom in Aspik“

Ror Wolf 70

Man kann Ror Wolfs Bücher überall aufschlagen: Die Welt wird besser! Man lauscht der Loreley, verführerisch singt sie durchaus im Lexikonstil, man lauscht mit oder ohne Sinn und Verstand, ohne Widerstand. / Brigitte Kronauer, FR 29.6.02 – Weitere Gratulationen: Süddeutsche 29.6. (Ijoma Mangold) /… Continue Reading „Ror Wolf 70“

Kleine Sensationen des Alltags

«Sagen Sie, hält hier jemand einen Teebeutel / ins Licht oder wie darf ich mir diesen / bernsteinfarbenen Abend erklären?» Wer empfänglich ist für neue Farbnuancen des Himmels, wen ein plötzlicher Geruchseinbruch interessiert, wer eine verführerisch schöne Ode an einen Bahnhof lesen möchte oder… Continue Reading „Kleine Sensationen des Alltags“

Erfindung der Antike

Für Hölderlin liegen die Dinge nicht mehr so einfach. Klassizistische Gewissheit wird in den Anfangsversen seines Gesangs «Der Einzige» transformiert zur existenziellen Selbstbefragung: «Was ist es, das / An die alten seligen Küsten / Mich fesselt, dass ich mehr noch / Sie liebe, als… Continue Reading „Erfindung der Antike“

Inge Müller

Mit dem Band „Wenn ich schon sterben muß“ wurde 1985 einer breiteren Öffentlichkeit klar, dass Inge Müller eine der bedeutendsten Lyrikerinnen deutscher Sprache ist. Das klingt pathetisch, wird aber von der neuen Aufbau-Ausgabe nachdrücklich belegt. Auch Kenner ihres poetischen Werks werden da neue Texte… Continue Reading „Inge Müller“

Menschen umblättern … in Klings Speicher

Thomas Klings zuletzt erschienener Band, die Essaysammlung Botenstoffe, weist bereits daraufhin, dass Kling im Austausch von Informationen einen wesentlichen Bestandteil der Poesie begreift. Hermes, der „Botenstoffe verteilt“ und dabei als „geistesgegenwärtiger Grenzüberschreiter“ gilt, spielt eine zentrale Rolle im poetischen Gelände Klings. Am unbedingten Gebrauchswert… Continue Reading „Menschen umblättern … in Klings Speicher“

Jürgen Becker

Im Kölner Stadtanzeiger (20.6.02**) ein Foto von Thomas Kling vor der Raketenstation Hombroich und das Gedicht „menhirreihen“ – Am 22.6.02 gratuliert das Blatt dem Dichter Jürgen Becker und seiner Frau zum 70. Geburtstag. – In der FAZ würdigt Walter Hinck die beiden Jubilare. (22.6.02)

Borchardts steile Maßgeblichkeit

Eine Rede in Heidelberg über «Die neue Poesie und die alte Menschheit» (1911) «ist als Erklärung gemeint und soll Scheidungen bewirken; mit dem lumpigen Begriff der Neuromantik soll ein Ende gemacht werden und das kann nur geschehen, wenn wir im Zusammenhange begründen, in welchem… Continue Reading „Borchardts steile Maßgeblichkeit“

Rüdiger Schütt

Rüdiger Schütt: Dichter gibt es nur im Himmel. Leben und Werk von Hans Leip . Biographie und Briefedition 1893-1948. Verlag Dölling und Galitz, Hamburg 2002. 499 S., Fr. 44.30. / NZZ 15.6.02

Unterm Schutt

Immerhin ist es mit diesem Band möglich, Inge Müllers Werk präziser zu sichten und vor Überschätzungen zu warnen. Gewiss, die «lyrische Autobiographie» ( Wulf Kirsten ), die sie sich in den Nachkriegsjahren abrang, beeindruckt noch heute. In oft frappierender «Kunstlosigkeit», wie es die Literarhistorikerin… Continue Reading „Unterm Schutt“

Der pakistanische Lyriker

Aftab Husain ist in die Mühlen des Konflikts zwischen Indien und Pakistan geraten. Husain, geboren 1962, hält sich als Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung in Deutschland auf. „O! Träumer, wie ich werdet auch ihr zerschmettert werden, werdet auch ihr besiegt darniederliegen / Denn Träume haben ihren… Continue Reading „Der pakistanische Lyriker“

Erklärte Nacht

HANS-HERBERT RÄKEL bespricht in der Süddeutschen vom 10.6.02 DURS GRÜNBEIN: Erklärte Nacht. Gedichte. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002. 148 Seiten, 18 Euro