Persisches Pärchen

Heute vor 15 Jahren starb der Dichter Thomas Kling. Hier ein Gedicht aus der Anthologie „Selbstzeugnisse. Sechsmal Gedichte“, die 1985 in der Eremitenpresse Düsseldorf erschien. Das Gedicht wurde 1986 in den ersten „eigentlichen“ eigenen Band „Erprobung herzstärkender Mittel“ aufgenommen.

PERSISCHES PÄRCHEN

der halbsichtbare handschenkel unterm
beiseitegeschobenen blumenkleid; aus
dem geb lümten ärmel die schenkelhand,
halbsichtbar. der halbgeöffnete hand
rücken mit haaren liegt auf der per
sischen innenseite ihres halbgeöffneten
schenkels, seine hand (nicht beiseite
geschoben) also in ihrer vollends g
öffneten schenkelfläche, in behaarungs
nähe. der gemeinsame blick. ihrer behaarten
äugen (geöffnet, braun): ihre persische
augenbetrachtung!
                 & das seismische zittern
des betrachters, nicht wahr, wie wespen
fleisch, wie welpen, auf der suche (fieber)
nach behaarten haaren, während das beben
des beiseitegeschobenen, geöffneten paars
letztendlich nicht verzeichenbar ist. und
flugs auf die sprachdüse oder -drüse des
betr ach ters gedrückt, die augenblicklich
(oder -scheinlich) die Interjektion ‘ah‘
absondert

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