Herbst 1914

Otokar Fischer

Herbst 1914

Wie Blätter auf verwaisten Boden fallen,
so fallt, ihr Brüder, tot zum Schollengrund;
aus allen Kehlen stumme Schreie hallen,
mit einem Fluch schließt sich so mancher Mund.

Laub sinkt zur Witwenerde müd und müder,
und in die wehe Brust fällt Trän auf Trän
um euch, die in der Ferne ihr, o Brüder,
irgendwo sterben müßt – wofür? für wen?

Durch welke Blätter höhnt ein Windgerassel.
Zu ihm, für den jung euer Leben schloß,
ersticken wir in einem stummen Hasse.
In Liebe doch zu dem, der auf euch schoß.

Übersetzt von Otto E. Babler

Aus: Die Sonnenuhr. Tschechische Lyrik aus 11 Jahrhunderten. Teil 3: 1900-1950. Hrsg. Ludvík Kundera. Leipzig: Reclam, 1987, S. 92

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: