Braut-Lied

Johann Balthasar Schupp

(auch Schuppius, Pseudonyme: Antenor, Ambrosius Mellilambius, * 1. März 1610 in Gießen; † 26. Oktober 1661 in Hamburg)

Braut-Lied : Gerichtet auff der Frantzosen Sprich-Wort: Contentement passe richesse, Dem … Herrn Heinrich Mäven Handels-Mann in Hamburg … Als er … sich zum andern mahl in den Ehe-Stand begab Mit … Anna Sann / Johann Balthasar Schupp. – [Online-Ausg.]. – [S.l.], 1657

Braut-Lied
 Welches kan gesungen werden
 Nach H. Simon Dachens: Wol
 dem / der sich nur lest genügen / etc.
 Oder
 Nach H. Mart. Opitzen: Wol dem /
 der weit von hohen Dingen / sein Fuß
 setzt auff der Einfalt Bahn / etc.
                 1.
 WOl dem / dem GOTT ein Weib bescheret /
  Das züchtig fromm und Tugendreich /
Das jhn als jhren Herren ehret /
  Und seinem Sinn gerecht und gleich!
  Ein ander liebe was er wil ;
  Ich halte von Vergnügung viel.
                  2.
 Was hilft es / viel von Gütern sagen.
  Die uns ein reiches Weib gebracht /
 Und sich dabey mit Sorgen plagen /
  Weil sie nicht sind in unsrer Macht?
  Ein ander liebe was er wil ;
  Ich halte von Vergnügung viel.
                 3.
 Von reichen Freunden und Verwanten
  Viel pralen / ist ein blosser Schein.
 Viel besser ist es bey Bekandten /
  Die uns am Stande gleiche seyn.
  Ein ander liebe was er wil ;
  Ich halte von Vergnügung viel.
                  4.
 Ein Weib von treflichem Geschlechte /
  Da man auff grosse Freundschaft sieht /
 Macht dich zum Sclaven und zum Knechte /
  Und sie ist Mann im Hauß-Gebiet.
  Ein ander liebe was er wil ;
  Ich halte von Vergnügung viel.
                  5.
 Wiltu auff äußre Schönheit sehen /
  Daran die Welt den Narren frist?
 Wie le[i]cht / wie bald kan es geschehen /
  Daß sie dahin gefallen ist?
  Ein ander liebe was er wil ;
  Ich halte von Vergnügung viel.
                  6.
 Ist sie geneigt* zu neuen Trachten?
  So mustu stets zum Kramer gehn /
 Das Volck mag sieden / braten / schlachten /
  Fürs Putzen läst sie alles stehn.
  Ein ander liebe was er wil ;
  Ich halte von Vergnügung viel.
                  7.
 Ist sie beredt? so mustu wissen /
  Daß nichts / als Schnacken / ihr gefällt.
 Wird jhr ein Quer-Wort vorgeschmissen?
  So siehstu / wie sie beist und bellt!
  Ein ander liebe was er wil ;
  Ich halte von Vergnügung viel.
                  8.
 Dem aber so das Glücke füget /
  Das er im Ehstand findet Ruh /
 Der kan im Hertzen seyn vergnüget;
  Schickt ihm gleich GOTT ein Cretze zu.
  Ein ander liebe was er wil ;
  Ich halte von Vergnügung viel.
                 9.
 Sein Trost / Erquickung und Vertrawen /
  Nechst GOTT / ist nur auff das gericht /
 Daß er sein liebes Weib kan schawen /
  Wie sie bereit jhr Ampt und Pflicht /
  Ein ander liebe was er wil ;
  Ich halte von Vergnügung viel.
                  10.
 Drumb / welchen GOTT ein Weib bescheret /
  Das züchtig fromm und tugendreich /
 Das ihn / als ihren Herren ehret /
  Und seinem Sinn gerecht und gleich:
  Der hat / man sage was man wil /
  Trost / Friede / Lust / Vergnügung viel.
  • im Druck: geneiget

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