60. Literaturkunde

Sitzung einer Lyrikpreisjury. Die siebenköpfige Jury steht vor der Aufgabe, aus über 20 Büchern – jeder der Juroren nominierte etwa 5 Bücher – an zwei Tagen das eine auszusuchen, das den Preis kriegt. Wie vorgehen? Erst mal reduzieren. Jeder Titel der nicht wenigstens 2 Stimmen bekommt fliegt raus. Das scheint in Ordnung. Wenn ein Juror ein Buch vorgeschlagen hat, das alle sechs andern nicht für preiswürdig halten, muß es nicht weiter diskutiert werden. Zwei oder drei Autoren ostdeutscher oder rumäniendeutscher Provenienz werden nur von mir und meinem Freund Peter Geist benannt, das reicht für die nächste Runde.

Am Abend im Restaurant sagt die große Kritikerin einer großstädtischen Zeitung zu Peter und mir: „Ich würde Ihnen empfehlen, mehr Bücher westdeutscher Autoren zu lesen.“ Am nächsten Tag stimmt sie für einen ostdeutschen Autor, den das großstädtische Feuilleton lieber hat als jene zwei oder drei andern. Ich stimme, da die von mir präferierte, in den Vereinigten Staaten geborene, in Berlin lebende Österreicherin nicht mehr dabei ist, für eine rheinländische Autorin. Was nichts beweist als daß es genau so war.

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