83. Schwere Kost

Die Gedichte des jüdischen Lyrikers Paul Celan (1920-1970) sind schwere Kost

wieso quälen sie sich nur so? Wer keinen Saumagen verträgt, kann ja was Leichteres essen, bloß mal metaphorisch. Natürlich paßt das nicht auf Celan; schon weil er Jude ist…

sind schwere Kost: Seine berühmte „Todesfuge“ thematisiert den Mord an den europäischen Juden durch die Nationalsozialisten.

Ach so, deshalb. Wir dachten schon, die Gedichte sind so schwer. Es ist nur das unangenehme Thema. Irgendwie schwermütig:

Seine Lyrik hat die Schwermut eines Menschen, der seine Eltern im Holocaust verlor und als Zwangsarbeiter in rumänischen Arbeitslagern war.

(Nein, ich kommentiere jetzt nicht alles in diesem Gesülze. Alles nicht!) Es gibt ja auch ein bißchen Licht:

Doch wer Celan oft und aufmerksam liest, entdeckt in seinen Versen nicht nur Leid, sondern auch Liebe.

Ja ja, schön! Auch andere quälen sich und werden dafür belohnt:

Der Schauspieler Ben Becker hat dies getan: Er vertiefte sich in Celans Gedichtband „Mohn und Gedächtnis“, erkundete dessen Vita bis in die Liebesbriefe Ingeborg Bachmanns. Herausgekommen ist ein gemeinsames Programm mit dem in Buenos Aires geborenen Klezmer-Klarinettisten Giora Feidman: „Zweistimmig – Hommage an Paul Celan“.

Er vertiefte sich, erkundete und las sogar. Erkannte also in diesem Leben nicht nur Leid, sondern auch die Liebe. Alles wird gut!

Zitate aus: Evangelischer Pressedienst. Landesdienst Ost.

Ich brauch jetzt Poesie.

Könnte von Bobrowski sein („Wo Liebe nicht ist, sprich das Wort nicht aus“), von Celan („Käme, käme ein Mensch…“), die erste Assoziation kam aber von Unica Zürn:

»ich weiß nicht, wie man die liebe macht«

wie ich weiß, »macht« man die liebe nicht.
sie weint bei einem wachslicht im dach.
ach, sie waechst im lichten, im winde bei
nacht. sie wacht im weichen bilde, im eis
des niemals, im bitten: wache, wie ich. ich
weiss, wie ich macht man die liebe nicht.«

(1959)

2 Comments on “83. Schwere Kost

  1. hab’s vor par stunden, zum glück nur par minuten, die darbietung, zufällig im radio gehört: celan crahstest dummie.
    hätt dem Benni B. die Bibel nicht gereicht und was sonst so alles veranstaltet?
    dann noch die stimme in der studoioberarbeitung noch so auf tiefe bass frequnezen gelegt & getrimmt !
    na, dafür kratzt dann die berühmteste klezmer klarinette auf.
    aber: könnte mir vorstellen, dass eine geisse schicht, eher jung und in solchen sachen uniwssend ode runvertraut, darauf ansprechen könnte … stoff für dann auch pop ikonisierung & posterkultur gäbe es da schon genügend (inkl. dann auch dunklen endogenen bereiche bzw. momente), da macht auch die seriöse – nicht nur die auswerwählte & berufene – forschung einen anstands oder respekts bogen drum oder eher drüber, nicht nur um das poetische frühwerk …
    (auch gut dem briefwechsel, auch abgenbrochenen usw., mit freunden und förderen entnehmbar – sldo nicht nur die gescholtene Gr. 47 )

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