120. Lieber von Hartz IV gestützt als von der Kulturstiftung gefördert

Am 9. Februar schrieb der hallesche Schriftsteller Wilhelm Bartsch einen Brief an die Direktorin der Kunststiftung Sachsen-Anhalt, Manon Bursian. Ein Schreiben, das sich solcherart zusammen fassen lässt: Die Stiftung diene sich selbst mehr als den Künstlern. Der Umgangston sei beleidigend. Kurzum: Lieber von Hartz IV gestützt als von dieser Stiftung gefördert. Den Brief verteilte der 60-Jährige zeitgleich an das Kultusministerium und an die MZ. Angemerkt sei: Der Brief erreichte die Redaktion vor den vorläufigen Prüfergebnissen des Landesrechnungshofes zur Stiftung.

Wilhelm Bartsch ist einer der bedeutendsten und kulturell am meisten engagierten Schriftsteller Mitteldeutschlands. Es gibt keinen zweiten Autor, der über Jahrzehnte in solcher Qualität und Hingabe der Region und ihrem literarischen Nachwuchs gedient hat. Bartsch ist zudem Träger des Landesliteraturpreises. Wenn er also feststellt, dass das Job-Center für ihn die bessere Kunstförderung leiste als die Stiftung, ist das eine Ansage. / Christian Eger, Mitteldeutsche Zeitung

Offener Brief: Sehr geehrte Frau Bursian

6 Comments on “120. Lieber von Hartz IV gestützt als von der Kulturstiftung gefördert

  1. http://poemie.jimdo.com/presse/hartz4-skandal-2004/

    mein essay wurde aus gegebenem anlass mitsamt meines kommentars auf jimdo übernommen und darf gerne von dort auszugsweise zitiert werden unter angabe/verlinkung der orginalquelle! der dornröschenschlaf in deutschland geht weiter, die westföhnwelle sitzt im ausland noch perfekt, die merklineisenbahn rumpelt im inland noch immer und die 1.mai-demo tut ihr übriges… ALLE MACHEN BRAV, WAS ERWARTET WIRD (AUCH ICH) – HELAAF HELAAF HELAAF!!!

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  2. ja, auch hartz4 macht weiter. alles macht weiter… nachdem ich selbst 2004 respektlose sprüche auf dem amt ertragen mußte, engagierte ich mich in der kulturpartei (meine parteireden sind noch immer im netz lesbar: http://www.NEUROPOLITIK.de ), die aber leider nicht genügend gewählt wurde. stattdessen übernahmen die großen parteien von unseren statuten das „innovative“ element für ihre neuen programme (man erinnere sich, wie sowohl CDU als auch SPD in ihren „krisen“ plötzlich „kultur“ REIN THEORETISCH als mehrwert „erkannten“, um ihre programme nach hundert jahren zu überarbeiten – welch eine elitäre, staatskunstvergoldende heuchlerei gegenüber der gesellschaftskritisch-kreativen gesamtszene!!!!) – ansonsten säße ich jetzt im berliner senat (weil ich damals als landesvorsitzender spitzenkandidat war), und ich schwöre, die kunstwelt sähe dann HEUTE GANZ ANDERS aus 😉 hier die essayistische verarbeitung meines hartz-frustes 2004 mit dem einleitenden zitat der damaligen beamtin… inzwischen werde ich seit einigen jahren von meinen wechselnden fallmanagern (ja, nun hat man dank hartz4 als künstler sogar einen kostenlosen manager!) sehr individuell, respektvoll und kompetent beraten, hatte zwischenzeitlich einen „passenden“ nebenjob und sogar eine jobcenter-finanzierte ausbildung, die ich aber leider -wie ja bekannt ist- aufgrund einer im wahrsten sinne „nervtötenden“ krankheit abbrechen mußte. als künstler bin ich entschieden FÜR DAS „BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN“ als einzigen ausweg aus der schikane der kreativen masse, die sich NICHT in ihrer eckkneipe besäuft sondern TROTZ widriger umstände aus „innerer notwendigkeit“ (kandinsky) IMMER WEITER MACHT! faulheit ist nur eine sache der einfallslosen! der begriff arbeit sollte nicht nur bei künstlern sondern auch bei jedem beamten und jedem politiker mit dem begriff VISION verbunden werden (siehe dazu http://www.NEUROSOZIOLOGE.de ), aber das ist natürlich naive zukunftsmusik…

    „Das soll wirklich keine SCHIKANE sein, aber der STEUERZAHLER kann schließlich nicht für Ihr PRIVATVERGNÜGEN aufkommen! Suchen Sie sich einen JOB und machen Sie Ihre KUNST dann in der FREIZEIT – und alles ist gut…“
    [O-Ton-Zitat: Neue Sozialamtangestellte, Brave New Cologne, Sommer 2004]

    AUSZUG AUS:
    http://knk.punapau.dyndns.org/publisher/site/knk/public/obj/page.php?obj=2855

    Tom de Toys, 7.12.04, 17-21 Uhr, betr.: Hartz 100
    KLEINER SKANDAL – WARUM WIR WEITERMACHEN
    („PRIVATVERGNÜGEN“ CONTRA „HYPNOTISCHER ZOMBIßMUS“)

    (…) Seltsamerweise (an)erkennen unsere Politiker und andere wohlhabende Personenkreise offensichtlich so wenig den GESELLSCHAFTLICH GEMACHTEN (=erfundenen!) Zusammenhang zwischen AUFWAND & ARMUT „ihrer“ Künstler, daß es ihnen noch nicht einmal peinlich ist, sich mit den Erfindungen und Errungenschaften einiger „auserwählter“ Schein-Stellvertreter zu schmücken. Vielleicht glauben sie wirklich, daß das „wichtige“ innovative, kreative Potenzial automatisch identisch sein müßte mit Bekanntheitsgrad, Ruhm, Starkult, Medienrummel, Preisen, Stipendien und was sonst noch zur modernen Egomanie gehört. Wer sich aber nur 1 klitzekleinen Schritt in den ECHTEN UNDERGROUND wagt, wer sich also nach Feierabend nicht in seiner Villa abschottet und nur TV glotzt sondern einmal RAUS geht, wirklich raus in die real-existente Subkultur-Szene, der wird überrascht sein, WIE VIELE UNBEKANNTE kritische Geister hochinteressante fragile Aktionen und Projekte trotz maßlos unwürdiger Lebensumstände realisieren, weil das kleinlaute Kapitulieren für einen Künstler noch selbstzerstörerischer ist als die ganze Selbstausbeutung im Dienste spiritueller Wahrheiten und der Fortentwicklung ästhetischer Prozesse. So manch karrieregeile Sozialamtangestellte muß sich dabei zwar einbilden, daß Kunst per se ein „Privatvergnügen“ sei, weil sie sich sonst beim Verwechseln der Begriffe Einnahmen und Einkommen enorm schämen müßte, wenn sie sich blind dafür macht, daß AUSGABEN für Recherche, (Be-)Werbung(en), permanente Promotion, akute Presse, Material, Arbeitszeit, Anfahrtskosten, gesundheitliche Folgenbekämpfung und und und: …so wie bei jeder normalen Firma mit den Einnahmen verrechnet werden müssen, um ein eventuelles reales Einkommen zu definieren. (…)

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  3. Pingback: grammatik des aufenthalts « Richters Blog

  4. Hallo, wie sich die Bilder und Zustände gleichen! Erstaunlich. Wir hier kämpfen gegen dieselben Mühlen. Ist es gestattet, aus Artikel und Brief zu zitieren?

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