19. „Dieser Lyriker hat angerufen“

„Ja, dieser Lyriker hat auch wieder angerufen. Dieser Lentz. Ja, ja, ja. Ich finde diese Lyrik nicht sehr gut, jedenfalls nicht für die Frankfurter Anthologie.“

Marcel Reich-Ranicki im Zeit-Gespräch zum 90. Geburtstag, Die Zeit 22, S. 63.

Um die Frankfurter Anthologie geht es auch im Zusammenhang mit Ulla Berkéwicz. MRR:

„Was hat mir diese Frau angetan! Sie wollte die Frankfurter Anthologie nicht mehr im Insel-Verlag haben. 33 Bände sind erschienen. Verrückt.“

10 Comments on “19. „Dieser Lyriker hat angerufen“

  1. der lentz ist aber auch ein schmieriger typ, so wie der hin und wieder im tv rüberkommt. und da wundert es uns auch nicht, dass der winklerron, der ja in der lyrikbetrienshierarchie noch zwei, drei sprossen unter lentz steht, ihn oben indirekt verteidigt. nach oben wird gebuckelt, nach unten getreten. es ist doch immer dasselbe.

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  2. MUß ich hinzufügen, daß ich vieles sehr schätze, was MRR verabscheut, und manches weniger schätze, was er sehr hoch hebt? Nein, muß ich nicht, aber hab schon. Aber wir beide, MRR und ICH, schätzen auch manches gleich hoch; Goethe oder Heine zB. (Auf die Gefahr, damit schon wieder mancheN zu verprellen)

    (Und, übrigens; Sie schrieben: „nichts für ungut“: aber klar doch! also: klar nein, nichts!)

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    • „(Und, übrigens; Sie schrieben: „nichts für ungut“: aber klar doch! also: klar nein, nichts!)“

      yupp! Lg 😉

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  3. Das war ein wirklich kruder Kommentar von Reich-Ranicki, so völlig unvermittelt geäußert. Aber eben auch interessant, wenn man die Figur RR und ihre kritikerische und mediale Ausprägung durch den Satz vibrieren lässt. Das Genervte und Apodiktische, verbunden mit der so typischen Als-ob-Fundiertheit. Menschlich allzumenschlich, mit Theatergeste. Das machte die Äußerung auch für mich amüsant. Und was den von dir als „Kommentar“ bezeichneten Lakonismus als Teil eines möglichen „Bashings“ angeht: niemand hat sich hier mit wem abgesprochen.
    Die Abbildung des Zitats aus der ZEIT hier in der lyrikzeitung ist sicher etwas Zweischneidiges, aber der Bezug zum Gegenstand ist gegeben, also: why not?
    Zu einer Zeitung gehört auch Boulevard.

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  4. “ trägt die alten bildungbürgerlichen Machtstrukturen ins Netz.“ ???

    oder nicht eher: zitiert sie? Ich jedenfalls wüßte nicht, daß ich mich jemals anders als kritisch oder ironisch auf den alten Herrn berufen hätte. Weder Lentz- noch Berkéwicz-Bashing. Lesen Sie in der Zeitung, was er weiter zur Suhrkampchefin sagt. Neinnein, nicht mein Sprachrohr. Ich zitiere aber gern, was halt da ist. Kann das Lentz oder Suhrkamp schaden? Ich denke nein.

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    • nein, schaden wird es ihnen nicht, ich möchte auch nicht Suhrkamp verteidigen, aber nichts für ungut, ich konnte Ihre Haltung am Zitat nicht ablesen. Ich konnte nicht wissen, dass Sie das ironisch meinen. Ich schätze Ihre Arbeit allgemein sehr, aber so eine Meldung – der ja auch gestern noch ein Kommentar zu Lentz in einem früheren Artikel vorausging, so dass man schon das Gefühl haben konnte, hier ist die Gefahr der Kumulation gegeben – ich weiß einfach nicht so recht, ob sie der Sache um die es doch zuerst gehen soll, nämlich der Kunst, so naiv das nun klingen mag, gut tut.

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      • und was mir eben noch beim Staubsaugen durch den Kopf ging: ist es also so, dass ich von vornherein eigentlich die ganze Welt ironisch betrachten muss? Da kann ein alter Mann noch so schlechte Manieren haben und sich völlig ungehemmt flegelhaft benehmen, aber ich betrachte das ironisch, gut abgefedert? Wo ziehe ich dann eine Grenze? Mir ist immer etwas unheimlich bei dem Gedanken… mögen mich jetzt viele für humorlos halten. So, nun aber wieder zum Staubsaugen.

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      • Liebe Frau Hefter,
        „ist es also so, dass ich von vornherein eigentlich die ganze Welt ironisch betrachten muss?“ aber nein, wer sagt das. Es ist nur so, daß ich diese Angewohnheit habe, auch wenn sie manchmal nervend sein kann (und ich hab mir abgewöhnt, mich sozusagen dafür zu entschuldigen, daß ich so geworden bin. Konstantin Ames sprach neulich – im aktuellen „Zwischen den Zeilen“ – von Dauerironisierern: hoffentlich hat ers nicht aus Erfahrungen mit mir! aber je nun: er sprach selber höchst ironisch, wie die nächsten 2 Sätze zeigen!)

        Ich hab mal nachgesehen: im alten L&Poe-Archiv 73 Lentz-Nachrichten, hinzu kommen diese aus dem Blog-Format.
        https://lyrikzeitung.wordpress.com/tag/michael-lentz/
        Das sind bestimmt zu über 90% positive: „Wer immer fleißig ist und gut pflicht,/ darf auch mal ironisch sein“, ich zitiere abgewandelt Kito Lorenc. Wenn der eine oder die andere mal nicht einverstanden ist, bitte bitte: sehen Sies mir nach und halten sich an die restlichen 99 oder, okay, 93%!

        Hier Lentz in L&Poe:

        2001 Mrz # Drei Stunden Lyrik im ZDF
        2001 Jul # Das Forum der 13
        2001 Okt # Die Mayröcker -Lektüre
        2002 Aug # Das sechzehnte und letzte Irrenhaussonett
        2002 Sep # Über die Nacht der Literatur
        2003 Mrz # Renaissance der Experimentellen
        2003 Mrz # Physische Poesie
        2003 Apr # Avantgarde, [wieder mal] abschließend
        2004 Nov #22. Museum der experimentellen Poesie
        2004 Nov #95. Lentz in Tutzing
        2004 Dez #74. Wird welken wie Gras
        2005 Jan #9. Windstille in Dunkelland. Michael Lentz zur Lage der Poesie
        2005 Jan #11. Brief zu Lentz
        2005 Jan #32. Der polemische Blitzschlag
        2005 Jan #39. Thesen, Thesen, seid´s gewesen…
        2005 Mrz #74. richtige-literatur.de
        2005 Mrz #86. Preis für Lentz
        2005 Mai #73. Brinkmann, ein Heimatdichter.
        2005 Jun #55. Und sie wiederholt sich doch
        2005 Jun #59. Vertonte Lyrik zum Festival
        2005 Aug #21. Leben als Orgasmus
        2005 Sep #48. Schrift. Zeichen. Geste.
        2005 Okt #15. Ich und die Musik
        2005 Dez #89. Post festum
        2006 Jan #24. Digitale Nachlässe
        2006 Jan #53. „Warten ein Drama“
        2006 Mrz # „Was bleibt, dichtet Stifter“
        2006 Mai #17. Franz Mon wird 80
        2006 Mai #43. Büchnerpreis für Oskar Pastior
        2006 Jun #6. Finalität
        2006 Jun #39. Zauberspruch für Ballacks Wade
        2006 Jul #14. Lyrik und Fußball
        2006 Jul #23. Bis zum Endspiel
        2006 Jul #32. afb – Augsburg feiert Brecht
        2006 Jul #39. Italienische Nachlese
        2006 Jul #76. 20 Celans und kein Brecht
        2006 Okt #77. Flandziu Heft 4 erschienen
        2006 Nov #36. Neu bei lyrikline
        2006 Dez #112. Lass Hören
        2006 Dez #125. Brecht & Benn spukten
        2007 Jan #19. Noch mal Bildungshuber
        2007 Feb #93. Klassiker des 20. Jahrhunderts – ein deutscher Kanon
        2007 Feb #113. Erinnerung an Oskar Pastior
        2007 Mrz #27. Leipzig feiert den 100. Geburtstag des Dichters Georg Maurer
        2007 Mrz #50. Entstehungsgeschichten
        2007 Mrz #119. Wer weiss schon, was ein Gedicht ist?
        2007 Apr #90. In der Frankfurter
        2007 Mai #105. Ausrutscher & Anfälle
        2007 Jun #12. Karl Valentin
        2007 Jun #86. „das Alphabet ist ein Knast!“
        2007 Jul #1. Natürlich, trotz, scheinbar (Evidenzen vs. Epiphanien)
        2007 Jul #3. Denkweite
        2007 Jul #8. Kurswechsel
        2007 Jul #13. Nachlese: Weltklang
        2007 Sep #29. Oskar Pastior ist zurück
        2007 Sep #55. Drei Tage „sprachsalz“ in Hall
        2007 Okt #11. Boxende Schriftsteller
        2007 Dez #124. Tänzeln. Wenn nicht Schreiten
        2008 Feb #4. Lyrik-PROSANOVA
        2008 Apr #48. Literaturfestival PROSANOVA
        2008 Mai #69. PROSANOVA-FESTIVAL: 22.-25. MAI 2008, HILDESHEIM
        2008 Mai #113. Lyrik bei Prosanova
        2008 Jul #3. pastior paßt
        2008 Aug #2. Der Große Conrady
        2008 Aug #75. Literaturfest Niedersachsen
        2008 Dez #50. Wahnsinnswort
        2009 Feb #68. „Boxgesang
        2009 Mrz #58. Frisch aus der Post
        2009 Mrz #66. Unterländisch
        2009 Mrz #99. „Verständliche“ Lyrik
        2009 Jun #35. Tagesschau und Stramm
        2009 Jun #43. Die sperrige Schönheit der Lyrik: Colloquium zur Rezeption aktueller Poesie
        2009 Jul #26. Sprechakte X/treme

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  5. Hier scheint mir gerade, v.a. was Lentz betrifft, ein Personen-Bashing stattzufinden, bei dem ich mich als Leserin (die Lentz bis auf zwei Mal Guten-Tag-Sagen nicht kennt und auch den Gedichtband noch nicht gelesen hat) unbehaglich fühle und das ich nicht ohne Einspruch hinnehmen möchte. Muss man die selbstherrliche Geste MRRs (den einfach so anzurufen scheinbar das größte Sakrileg bedeutet), hier noch einmal wiederholen? Man mag zu den Gedichten von Lentz stehen, wie man will, aber diese Meldung hier so hinzustellen, ist eine gefährliche Verkürzung einer Aussage, die schon selbst sich nicht mit den Gedichten eines Autors auseinandersetzt, sondern auf die Lächerlichmachung einer Person abzielt. Diese Verkürzung verdoppelt das auch noch und trägt die alten bildungbürgerlichen Machtstrukturen ins Netz.

    Ich würde viel lieber weiterhin die vielen sachlichen und interssanten Infos auf Lyrikzeitung lesen als solche Meldungen.

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