81. Eugen Gomringer wird 85

Er gilt als der «Vater der Konkreten Poesie«: Im oberfränkischen Rehau, seinem langjährigen Wohnort, feiert Eugen Gomringer am 20. Januar seinen 85. Geburtstag.

Seit über 50 Jahren bereichert der Schweizer, der in Bolivien geboren wurde, die Lyrik um eine neue Spielart: keine tiefsinnigen Reime, sondern «Konstellationen« sind das Ergebnis – ein raffiniertes Jonglieren mit der Materialität der Schrift und des Schriftbildes. Inspiriert dazu wurde er von der Bildenden, genauer gesagt von der Konkreten Kunst. Deren Prinzipien wollte er auf die Sprache übertragen.

Die ersten Werke dieser Kunstrichtung hatte er bereits als Student der Kunst- und Literaturgeschichte Mitte der 40er Jahre in Zürich gekauft, war damals «erschlagen von der schönen Einfachheit der Kunst«, die es nicht mehr nötig habe, auf etwas zu verweisen, sondern sich selbst genügt. «Es hat mein Leben verändert«, sagt Gomringer über die Begegnung mit diesen Werken. Was ihn daran faszinierte, war die logisch-geometrische Herangehensweise, die radikale Reduktion, die Emotionslosigkeit und Objektivität. Er begann zu sammeln und legte damit den Grundstock für das 1992 in Ingolstadt eröffnete Museum für Konkrete Kunst. / Birgit Ruf, Nürnberger Nachrichten 18.1.

One Comment on “81. Eugen Gomringer wird 85

  1. ich zitiere von oben: „Kunst, die es nicht mehr nötig habe, auf etwas zu verweisen, sondern sich selbst genügt“ und „radikale Reduktion“ auf eine emotionslose „Objektivität“: DAS sind veraltete, oder sagen wir wohlwollend „historisierte Avantgardismen“, die sich PER SE nicht wirklich erfüllen konnten, da sie einem asymptotischen Idealismus verhaftet sind, der nur dank der ÜBERWINDUNG DES DUALISTISCHEN DENKENS ad absurdum geführt werden kann! Denn wenn das sogenannte „Geistige“ nunmal als form-LOS definiert wurde, und dementsprechend JEDE Form als NICHT-100%-konkret (sondern immer als RELATIVISTISCHE optische Erscheinung) empfunden werden muß, dann führt nunmal jede noch so radikale Reduktion in die Inflation statt zu Gott (dem platonischen Überding-„an-sich“), oder wie immer man das metaphysische Moment klassisch nennen mag. Sowohl Kandinskys eher emotionale als auch Malewitsch eher rationale Suche nach einem „letzten“ TOTAL konkreten Bild (was dann fälschlicherweise als „abstrakt“ betitelt wurde) sind Manierismen kreativer Schizophrenie. DAS ist die wahre Ursache der psychischen Kämpfe rund um die Werkbesessenheit vieler „moderner“ Künstler. DAS war ein wichtiges „dekadentes“ Zwischenstadium, das heutzutage phylogenetisch überwunden ist, aber ontogenetisch von jedem einzelnen im kreativen Individuationsprozess NACHVOLLZOGEN werden muß. Auch von Herrn gOMringer. Ohne Respekt vor seinem Alter: da muß JEDER durch! Letztlich stößt man am imaginären Erkenntnisende der inflationären Endlosschleife auf jene MYSTISCHE Grenze, von der schon damals Krolow fast „anti-akademisch“ behauptete:

    „Der verbale Asketizismus hat dann nur noch als einzige Chance das ‚mystische‘ Schweigen, das Yogi=Schweigen…“
    Karl Krolow, in: ‚ASPEKTE ZEITGENÖSSISCHER DEUTSCHER LYRIK‘ (1961)

    aus DIESEM grunde entstand ja auch die QUANTENLYRIK: um buchstaben-konstallationen zu finden, die WIRKLICH „konkret“, sprich: assoziationsfrei sind. Ich erlaube, mich selbst zu zitieren:

    „Sowohl die sogenannte „konkrete“ als auch allgemein „visuelle“ Poesie waren letztlich ebenso UNKONKRET wie der „klassische“ Dadaismus, weil deren magische Sprachspiele (von Silbenquatsch über Wortschöpfungen bis hin zu Nonsenssätzen) immer noch, gemäß der suprematistischen Kritik [1] am prinzipiellen Assoziationspotenzial aller Formen, metaphorisch oder sogar symbolisch auf etwas anderes als sich selbst hindeuten und damit im eigentlichen (von den Kunsttheoretikern damals verdrehten) Sinne ABSTRAKT bleiben anstatt auf die Wahrnehmung wirklich arational „absolut“ zu wirken (…)“
    Tom de Toys, in: ‚DER FEINE UNTERSCHIED ZWISCHEN MAGIE & MYSTIK‘ (26.-31.10.2006)
    (c) QUELLE @ http://www.Echte-Quantenlyrik.de
    [1] = Kandinskys impressionistische Inflation als subtil magiesüchtige Sehnsucht nach metaphysischer Transzendenz: der indische Philosophie-Professor und späterer „Sektenführer“ OSHO [spezialisiert auf Nietzsche & die zu Oshos Lebzeiten aufkommende Postmoderne] traute sich meines Wissens nach bislang als Einziger, den geschwürhaften Größenwahn der modernen Kunst als anti-kreative MENTALE SACKGASSE zu enttarnen…

    P.S. übrigens ist der angeblich „radikale“ Konstruktivismus ein ähnliches Beispiel für diesen Irrtum des Dualismus, der sogar von einem seiner Vertreter (Name entfallen, sorry! hab das suhrkamp-taschenbuch grad nicht zur hand) entlarvt wurde: auch der RK ist nicht so radikal, wie er es gern sein würde, wo er das „Problem“ des Geistigen einfach „ad acta“ legt (ausblendet), ohne es tatsächlich zu überwinden. Aber wir befinden uns zum Glück nicht mehr in der Ära Wittgenstein 🙂

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