153. Haiku in Wien

je müder ich bin
umso lieber
bin ich in wien

Ernst Jandl, aus: dingfest. gedichte. Sammlung Luchterhand 1990 (1. Ausgabe 1973), S. 115

Meine Anthologie: Dingfest

152. Haiku in Wiesbaden

„Die Abendsonne/im Fenster des Nachbarn – ach/nun öffnet er es.“ Eine ganz alltägliche Beobachtung, die Rita Rosen von ihrem Balkon in der Kleiststraße aus machte und in lyrische Form goss. Ein Haiku ist es, das sie daraus gemacht hat: Ein japanisches Gedicht aus 17 Silben, dessen genau festgelegte Form seit Jahrzehnten auch in der westlichen Welt gepflegt wird. Gedichte schreibt die ehemalige Professorin und heutige Kulturbeauftragte der Wiesbadener Fachhochschule schon lange und ist in der Literatenszene der Landeshauptstadt auch sonst keine Unbekannte. Ihr neuestes Projekt ist der Haiku-Kreis, der sich unter ihrer Anleitung seit einem Jahr an jedem ersten Dienstag im Monat bei der „Literaturwerkstatt Caliban“ in der Herderstraße 31 trifft. Der kleine Kreis besteht überwiegend aus Frauen – ein Herr ist auch dabei – und wird sich demnächst zum ersten Mal an die Öffentlichkeit wagen: Am 1. Dezember, 19.30 Uhr werden die eigenen Dreizeiler, begleitet von japanischen Instrumenten – und vor allem auch von Stille – vorgelesen. / Anja Baumgart-Pietsch, Wiesbadener Tagblatt 28.11.

 

151. Rede zur Verleihung des Michael-Lindner-Preises

Textenet

Von Bertram Reinecke

Als wir damit begannen, das Festival textenet.de zu organisieren, war eine der Triebkräfte auch die Neugier auf das, was in den verschiedensten literarischen Szenen gerade getrieben wird. Offenheit für viele Strömungen der Literatur war ja ein Grundanliegen des Festivals. Was lag da näher, als einen Literaturpreis auszuschreiben? Dass es nur ein kleiner im Konzert von Dutzenden verschiedenen sein konnte, war klar. Aber braucht es überhaupt einen weiteren Literaturpreis? Wir meinten: ja, wenn es ein besonderer Preis ist, wenn es ihm gelänge, an einigen Stellen besser oder zumindest anders zu sein als andere Preise. Unbefriedigend findet mancher Autor an verschiedenen Wettbewerben die Berechenbarkeit der Juryergebnisse. Es geht, so könnte man diese Kritik zusammenfassen, oft nicht darum, zu schauen, was es alles für Entwicklungen in der Literatur geben könnte, sondern im Fokus vieler steht es, einen bestimmten Inbegriff von Literatur zu würdigen. Das ist legitim und auch Preise für Haikus oder engagierte Literatur haben natürlich ihr Recht. Bei Preisen, die sich offener geben, weil sie auf solche Eingrenzungen verzichten, Bespiele tun hier nichts zur Sache, werden solche Tendenzen aber ebenfalls festgestellt und hie und da als unbefriedigend empfunden. Solchen Tendenzen wollten wir ausweichen, aber wie? Zunächst entschieden wir uns, den Wettbewerb für Hördateien auszuschreiben. Dadurch konnten Literaturen, die auf dem mündlichen Wort beruhen, besser berücksichtigt werden. Lautpoesie wirkt ja auf dem Papier oft nur wie eine Folge von wirren Buchstaben und erschließt sich erst beim Hören. Slam Poetry nutzt gern und überzeugend das Mittel der Wiederholung. Im geschriebenen Text sind solche Stellen oft blaß. Dies nur zwei Beispiele. Ein solches Auswahlverfahren hat aber auch den Vorteil, dass man es sich überlegen musste, ob man am Preis teilnimmt: Es macht Arbeit! Ewig Unentwegte, die nur auf die Entertaste drücken, um Alles mit ihren fix zusammengeklöppelten Elaboraten zu überschwemmen, blieben der Jury erspart. Auch das ist ja ein Problem: Der Flut der Einsendungen können sich Juroren oft nur erwehren, indem sie die für die weitere Diskussion nicht in Frage kommenden Beiträge schon nach kursorischer Lektüre aussortieren. Texte, die Klischees verwenden, um mit Ihnen zu spielen, fallen da schnell unbeabsichtigt unter den Tisch. Ebenso mitunter Texte, die sich klassischen Erzählstrukturen auf besonders hinterlistige Weise verweigern und so weiter. Außerdem waren Juroren gefordert, die in der Sache streitbar, dennoch konstruktiv in der Zusammenarbeit sind. Auch sollte ihre Sache eine möglichst unterschiedliche sein, ihr Herz möglichst für sehr verschiedene Arten von Literatur schlagen. Solche Juroren haben wir gefunden: ein hartnäckiger experimenteller Ironiker, ein lockerer Spassmacher, der aber mit allen Wassern gewaschen ist, wenn es gilt, einen Text packend für den Leser zu gestalten und ein tiefernster Mann, der sich an den Höhen der klassischen Literatur orientiert: unterschiedlicher kann der Zugriff auf Literatur kaum ausfallen. Die Juroren bewerteten die literarische Qualität der Beiträge, nicht ihre technische. Wer kein Tonstudio zu Hause hat, sollte nicht bestraft werden. Zu guter Letzt war ein Namenspatron gefragt, der das Anliegen des Preises verkörpern kann. Nicht ein großer Name, nicht eine Autorität, vor deren Meriten man die Arschbacken zusammenkneift, sondern ein interessanter Unbekannter, der in sich viele Strömungen seiner Zeit vereint. Michael Lindner, ein Leipziger Renesaincepoet, ist so eine Figur. Ein Schlitzohr, ein Krimineller, wie seine großen Kollegen Franz Villon und Ulrich von Hutten, aber ebenso wie diese ein hochgebildeter Mann, der mit machtvoller Stimme in die ethischen Debatten seiner Zeit eingriff. Einer, der Schwänke, ja Zoten veröffentlicht, um Geld zu machen, aber auch ein massiver Kritiker der kirchlichen Dogmatik seiner Zeit. Und stärker als andere damals spielte er auf der uns heute so modern anmutenden Klaviatur der diskursiven Identitätskonstruktion: Wer bin ich, der etwas sagt und was sage ich besser im Namen eines berühmten Kollegen oder lege es meinen Figuren in den Mund. Soweit die Vorgeschichte. Wir freuten uns über die Vielzahl der Einsendungen, die aufgrund unserer Ausschreibung eingingen. Dennoch bedeutete das auch Probleme, allein wegen der technischen Logistik. Auch die Juroren hatten in kurzer Zeit eine gehörige Portion Arbeit. (Denn die auf der Homepage anzuhörenden und zu lesenden Beiträge waren ja nicht alle, die zu bewerten waren.) Ich bin mit der letzendlichen Lösung der Dreiteilung des Hörkunstpreises zufrieden, auch wenn es so keinem Preisträger zuzumuten war, für den auf diese Weise sehr verringerten Preisanteil eigens anzureisen: Einer der Preisträger kommt aus Sarajevo. Die Sieger zeigen nun, ganz im Geiste des Preises, exemplarisch drei Utopien dessen, was Literatur sein kann. Die erste, eine gewissermaßen klassische Utopie liegt Milenko Goranovics Beitrag „Csárdás für den Alten“ zu Grunde. Literatur soll unseren Horizont erweitern, soll uns auf Ihre Weise etwas über die Welt erzählen und sollte auch unsere ungelösten ethischen Fragen in den Blick nehmen. Dazu muss Literatur glaubwürdig sein. Wir müssen ihr vertrauen können. Alles dies leistet der prämierte Text. Dies spiegelt sich, um es hier einfach und plastisch zu sagen, schon in der Kongruenz zwischen den erzählten Inhalten des Textes und der erzählenden Stimme wieder. Eine hörbar ältere erfahrene Stimme steht für eine Figur ein, die von Haltung und Erlebnishorizont ebenfalls diese Merkmale aufweist. Hinausgehoben über die durchschnittliche Lesebuchgeschichte, denn auch diese entspricht ja oft der angesprochenen Utopie von Literatur, wird der Text durch seine ökonomische Machart. In einfacher allgemein verständlicher Sprache, in nicht einmal 3 Minuten wird ein Riesenhorizont an Welt mit allen ihren Fragen eröffnet. Handelt der Text doch ebenso von der Fragilität unserer Wahrnehmung wie unserer Gesellschaften, thematisisert er doch exemplarisch, welche Möglichkeiten der Einzelne hat, innerlich unabhängig zu sein von einem sich verrohenden Gemeinwesen, aber auch, wie sehr der Mensch auf seine Natur als soziales Wesen, dass auf Mitwesen angewiesen ist, verpflichtet bleibt. Er sagt etwas über den positiven Wert von Traditionen und im selben Atemzug spricht er vom Scheitern dessen, der sich nicht verändert. Er ist nicht zuletzt in diesem Fragehorizont damit aber auch ein Text über Kunst und ihre Möglichkeiten. Und dies alles ganz organisch, aus einem Guss, ohne dass diese wenigen Minuten irgendwie überfrachtet oder heterogen wirkten. Dieter Atts „Poem to make ends meet“, seine Utopie von Literatur, will im Gegensatz dazu gar nicht homogen, nicht organisch sein. Er montiert unterschiedlichste Wirklichkeitsversatzstücke, je heterogener desto besser. Wir wissen längst, auch unsere Wirklichkeit ist fragmentiert. Aber Wirklichkeitsversatzstücke? Sind die zahlreichen Gegenstandbereiche, die diesen Text bedrängen, tatsächlich Wirklichkeiten? Nein: Natürlich sind es Ausschnitte aus Texten. Die Welt, das zeigen die Zitate in einer solchen Zusammenstellung überdeutlich, ist nie so, wie sie in Texten verhandelt wird. Wir sind keine Superhelden, wir sind keine Goetheschen Romantiker. Der fiktive Charakter jeden Erzählens wird herausgestrichen. Der Text kommentiert sich dabei selbst: So ist der Text gemacht. Auch ich bin nicht echt. Ich bin Sprache, aber ist das nicht etwas wunderbares? Aber nur Sprache? Das kann man nicht sagen: Er nähert auch ein altes Mißtrauen: Vielleicht ist nicht nur die Sprache schattenhaft, sondern auch die Welt? Haben wir denn eine Wirklichkeit, auf die wir jenseits der Zeichen verweisen können? Sind nicht Glaubwürdigkeit oder das Subjekt Funktionen des Spieles eben dieser Zeichen, dass man so, aber auch anders spielen könnte? In diesen impliziten Fragen nach den Grenzen unserer Erkenntnis scheint dann plötzlich eine Gemeinsamkeit mit dem erstgehörten Beitrag von Milenko Goranowic auf. Solche hochfliegenden epistemischen und ästhetischen Probleme sind dem Siegerbeitrag von Andre Hermann „Wenns ein Tittel ändern würde“ eher fremd, auch wenn sein Text enorme Weltkenntnis behauptet. Auch wenn in seiner Machart das Wissen des Autors um moderne Textverfahren, wie sie in esoterischen Literaturseminaren verhandelt werden, sichtbar wird. Den Ballast von Theorie jedoch wirft er von sich. Er besteht darauf, dass wir zunächst Subjekte sind, die in der Wirklichkeit handeln, die sich miteinander auseinander setzen müssen, er besteht darauf, dass Sprache vielleicht doch nicht so fragil ist, wie manche glauben mögen, weil sie ja als Werkzeug alltäglich zum Einsatz kommt. Befehlen, Danken, Bitten, aber auch Spotten und Darstellen (nicht zuletzt sich selbst darstellen), das alles kann die Sprache, dazu benutzen wir sie. Literatur ist eine Fortsetzung dieser Praxis. Sage mir, dass die Sprache nicht taugt etwas in ihr darzustellen und dann erzähle, wie Du es mir sagen willst, so möchte man es Andre Hermann in den Mund legen. Den Wirklichkeiten in seinen Texten sollen wir vertrauen, wie wir einem Mitmenschen vertrauen, aber auch manchmal nicht vertrauen.

150. Denken in Oppositionen

Einen großen, fast übergroßen Bogen schlägt Hans-Dieter Schütt, ND 28.11. – vielleicht ja nur, weil er zuviel wegläßt zwischen Superlativen: „Meisterstücke“, „elegantest“, „Genauigkeit und Stimmigkeit“ („verblüffend souverän“ ist da schon fast eine Einschränkung) und, nun ja, schlichtweg „Heiner Müller“. Als sei es ganz selbstverständlich, behandelt er „Schönheit“ (im unausgesprochenen Hintergrund: Hacks) und „Heiner Müller“ als Pole einer Opposition. (Meinen Studenten sage ich, Opposition sei nur sinnvoll zu bilden, wenn man exakt das zugrundegelegte Klassem angibt). Sehen Sie:

In einer Art Nachwort, einem »Brief an einen jüngeren Weggenossen«, benennt Werner Makowski sein Credo: Schönheit sei herstellbar, die Welt verbesserungsfähig, das Leben gestaltbar. »Wenn der Inhalt bitter ist, die klassischen Formen sind heiter.« Und so strahlen diese Gedichte – viele kleine Meisterstücke elegantest gesetzter Genauigkeit und Stimmigkeit – einen verblüffend souveränen Bejahungscharme aus. Kaum verwunderlich, dass dies in Polemik wider Heiner Müller enden muss, »das bietet jedes Magengrimmen/ als Weltschmerz … Der Mensch ist ein Tier,/ sagt das, und zündet die Zigarre./ Ja, sagen wir, aber die Mühe lohnt,/ es kann ein Mensch werden, /trotz furchtbarster Wahrheit,/ jetzt und auch fürderhin«.

Ahja, hier werden alte Schlachten noch einmal geschlagen, vielleicht, offenbar, von beiden, Makowski und Schütt. Beide, der düstere Müller und der glänzende Hacks (so faßt es Volker Braun, aus dem Gedächtnis zitiert), wurden von der DDR ziemlich gleich behandelt, gleichzeitig verboten und dann wieder gespielt und geehrt, und zählten auch in der Bundesrepublik zu den meistgespielten Autoren. Beide auch verabscheuten einander und hatten (und haben) ihre jeweilige Anhängerpartei. Sollen sie! Nur finde ich, zur Rezension zurück, klingen die Zitate aus Makowskis Gedichten, die Schütt anführt, nicht gerade nach „Meisterschaft“ usw., sondern eher beiläufig und gar bemüht. Die weiteren Proben:

Makowski über Hacks:

»Tief im Mißmut weicht/ er aus in Schönheit,/ macht noch unterm Fels/ sich leicht.« Und »jene Sonne, die Homer beschien,/ stand hoch auch über seinem Weg«.

Über „die Zeiten“:

Und noch das Spiel mit Fatalismen des Lebens steigert sich zum zwinkernden Stil eines Eugen Roth: »Wir sind hineingeboren in die Zeiten/ und retten uns in Tätigkeiten.«

??!!

diese Lyrik ist ganz hingerissene Erfahrung eines Ausdrucksvermögens, das am kapitalen Unvermögen der Welt nicht Schaden, sondern aufmunternd Anteil nimmt. Mit Gedichten, »der kleinen Gattung für traurige Zeiten«, und traurige Zeiten sind’s, denn »der Spätkapitalismus hat keine Kunst, weil er keine benötigt«. Wie gesagt: Hacks!, Antiromantik!, stolz darauf sein, nicht zum Ruhme zu gelangen.

[Schütt hymnisch, Makowski dünnlich] Und noch eine Probe:

Über die »Versunkene DDR« heißt es: »Die Dächer warn kaputt, die Menschen heil,/ Hierorten sieht man meist das Gegenteil.« Dort, wo ein Dichter am besten ist, weiß man nie, ob er spottet oder trauert.

Naja, halt so Denken in Oppositionen. Mich haut das nicht vom Stuhl. (Um nicht zu sagen: ich bin da skeptisch).

Am ehesten überzeugend vier Zeilen über seine sogenannte Heimatstadt, Eisleben:

»Mein Städtchen ist ein enges Vaterland./ Der miese Kleingeist füllt es bis zum Rand./ Warum ich hier verharre: Hören Sie,/ wer das besteht, dem stirbt die Menschheit nie.«

(Aber auch hier endets eher schal) – Wie gesagt, es mag an Schütts Auswahl liegen, die weniger von einzelnen Texten als von einer vorhergehenden gedanklichen Opposition bestimmt scheint.

Werner Makowski: Stille Gesellschaft. Gedichte. Verlag André Thiele. 160 S., geb., 16,90 €.

149. HeimatVerlust: Aussaufen im Hahn mit BEST OF „text flex“

ZUM LETZTEN MAL: Fünf Jahre TEXT FLEX im Zeitraffer… Nachrufe, Erinnerungen, Hardcore – mit Bernd Kramer, Papus, Johannes Jansen, scardanelli, Max. P., Tom de Toys (12.30-13.30: LIVE-URAUFFÜHRUNG von „STeiNZeiTLOSe!“), matt grau, Frank-Kirk Ehm-Marks, Frank Sorge, Frank Willmann, Wendy-Xberg, Alfons Kujat, Alfred W. Schwarzmüller, Andy Schmitt-Egenolf, Peter Matzer, Andreas Gläser, Kapaikos (Kapelle), Ambros Waibel, Klausdieter (Kettensäger) sowie Vertretern der Poetry-Slam-Szene. Und Stammgast Thomas Kapielski (eine lebende Legende der Popliteratur, als Pop noch keine Popper-Profilneurose war) wird sehnsüchtig als Ü-Gast erwartet…

Sonntag, 29.11.09 ab 12 h c/o Raststätte „Zum Goldenen Hahn“
Oranienstr.14a (Eckkneipe am Heinrichplatz), Berlin-Kreuzberg
TEXT FLEX CHRONIK: http://www.goldener-hahn-so36.de

Die Lesereihe TEXT FLEX begann am 24.5.2003 im Rahmen der 6. Langen Buchnacht auf der Berliner Oranienstraße: „nicht als semantik überLEBEN“ war der Titel der Brachiallesung von Tom de Toys, Norbert Zähringer, Frank-Kirk-Ehm-Marks, Johannes Jansen und scardanelli. Solitäre mit dionysischen Schnittmengen. Wirtin Inge und die Gäste waren gebannt. Ein dankbares, alkoholinteressiertes Kernpublikum, die Welt der Berliner Literaturen im Blick: Lesebühnenautoren, Boygroups, Selbstdarsteller & Verzweifelte, Heroin & Hoffnungsträger. Literatur vom Rand und aus der sicheren Mitte. Nur Menschen, deren Texte dem Geschmacksdiktat von text flex unterliegen. Einem Wahn, der geteilt sein will… Hier lasen schon Ikonen der Undergroundliteratur wie Hadayatullah Hübsch, dessen Performance (am 5.8.09) von Tom de Toys als Handy-Videomitschnitt verewigt wurde. Hübsch gilt als heißester Anwärter für den 12.NAHBELL-Preis (2011) des G&GN-Instituts, der alljährlich für die „lebenslängliche Unbestechlichkeit im Gesamtwerkprozess unabhängig von Zeitgeist und Trends“ (Zitat Urkunde) eines deutschsprachigen LEBENDEN Dichters vergeben wird, um auf die wirklichen heimlichen Helden des (OFF-)Literatur-Betriebs aufmerksam zu machen… MEHR DAZU UNTER: http://www.naHbellpreis.de

H.HÜBSCH: „We Did It For The Beat“ (5.8.09 LIVE in Berlin)

http://vids.myspace.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&videoid=61566037

H.HÜBSCH: „Ich Lebe Jenseits Der Grenze“ (5.8.09 LIVE in Berlin) =

http://vids.myspace.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&videoid=61568010

G&GN-INSTITUTSQUELLE:
http://knk.punapau.dyndns.org/publisher/site/knk/public/obj/page.php?obj=9802

148. Gedichtbände auf Platz 2 und 8 der SWR-Bestenliste

2. (-) RAE ARMANTROUT: Narrativ. Ausgewählte Gedichte. Zweisprachig. luxbooks.americana. 48 Punkte**

5. (-) VOLKER BRAUN: Werktage. Arbeitsbuch 1977-1989. Suhrkamp. 36 Punkte**

8./9. (-) WALT WHITMAN: Grasblätter. Erstmals vollständig übersetzt von Jürgen Brôcan. Hanser. 25 Punkte**

/ buchmarkt.de

** = „mittelschwere Lektüre“ (was auch immer die sich darunter vorstellen)

147. Adventslesung

Ein Wochenende vor Advent verwandelt sich der romantische Künstlerhof der Fidicinstraße 40 in einen begehbaren Adventskalender. Künstler und Kunsthandwerker öffnen ihre blauen Ateliertüren und zeigen ihre Werke.

Am Sonntag, 17 Uhr: Lesung von Hansjürgen Bulkowski und Lothar Klünner, mit Gitarrenmusik von Steffen Basho Junghans.

146. Spiegel und…

François Villon? Die Kopplung ist mir neu, aber Nerds können alles:

„Spiegel Online“ – wie gerne wären die Jungs und Mädels aus Hamburg die Köpfe hinter dem anspruchsvollen Leitmedium der aktuellen Generation. Doch leider zieht einfach mal Nonsens mehr als Anspruch und der Boulevard ist halt doch wesentlich näher an uns Menschen dran als französische Lyrik des 15. Jahrhunderts!

/ schreibt irgendsoein egoBlog. Den Teufel spürt das Völkchen nie. Nicht den Teufel Havemann meine ich jetzt, sondern ihn, der ihr Urteil sprach:

Man schlage ihnen ihre Fressen
mit schweren Eisenhämmern ein.
Im übrigen will ich vergessen
und bitte Gott, mir zu verzeihn.

(K.L. Ammers Villon, von Brecht beerbt)

Und auch in Punkto Nonsens ist der französische Dichter des 15.. Jahrhunderts nicht leicht zu schlagen:

Schufft euch durch Strombart über Glentz,
Sonst menkelt gartes Lechem ihr,
Ohn‘ Stefung hockt im Brix ihr hier.
Nur linkes Rusch dippt euch der Sentz,
Verkneistet, seid loo zikuß mir,
Beim Hochsentz dolft der Reppler sonst bereit.
Genf nopel Meß im Dorf, Bescheid,
Und troll dich aus der Gleicherey
Der Breger, Stromer weit und breit!
Tut einhar vor der Prinzerey!

François Villon, ins deutsche Rotwelsch übersetzt von Martin Löpelmann

Wörtlich übersetzt: Packt euch durch den Wald, über Feld / sonst eßt ihr hartes Brot / nur faules Stroh gibt euch der Herr / versteht, seid mir nicht blind / beim großen Herrn steht sonst schon der Henker / stiehl ungern Geld im Dorf, Spitzbube / und troll dich aus der Gesellschaft / der Bettler und Landstreicher weit und breit / „macht einen Floh“ (= flieht) vorm Hochgericht.

Was heißt schon Nonsens? Sowas könnte der besagte Spiegel glatt für eine Reportage über Hausbesetzer in Berlin verwenden (die bekanntlich, Spiegelleser wissen mehr, Autos anzünden).

Löpelmann schreibt: „Es ist wohl hier überhaupt das einzige Mal in  der Weltliteratur der Versuch gemacht worden, eine Verbrechersprache für eine Kunstform zu verwenden.“ (Villon, Dichtungen, München o.J. S. 227) Nun: Löpelmann konnte die neuere deutsche Dichtung nicht kennen. Urs Engeler hat Bücher von zwei Autoren verlegt, die dies tun: Bert Papenfuß und Ulf Stolterfoht.

Villons Originaltext:

Plantés aux hurmes voz picons
De paour des bisans si très durs
Et aussi d'estre sur les joncs
Emmahés en coffres en gros murs.
Escharicés, ne soiés point durs
Que le grand Can ne vous face essorer.
Songears ne soiés pour dorer,
Et babignés tousjours aux ys
Des sires pour les desbouser.
Eschec, eschec pour le fardis.

145. Nochmal Wien: Lockstoffe

O Lockstoffe – Literaturabend

Sieben junge AutorInnen aus unterschiedlichsten literarischen Richtungen treffen in dieser wortreichen Performance aufeinander, um gewöhnliches Spartendenken und Lesungsvorstellungen aufzubrechen, neu zu definieren, indem Dialog und Konfrontation gesucht werden. Mithilfe dieses mitreißenden Rhythmus wird keine durchgehende Geschichte erzählt, sondern ein Ausdruck fürs chaotische Ausufern der Welt und der Lust, sich darin zu verirren, gefunden, ohne Zwang eines starren Systems. Die Performance bedeutet Ausuferung – ehrlich, gegenwärtig, kompromisslos – ein Feuerwerk, ein Schwebezustand.

Mit Robert Prosser, Esther Strauss, Thomas Havlik, Magdalena Sturm, Magdalena Woitzuck, Valerie Pachner, Kyrill Sohm

Dschungel Wien, MQ
MO. 07. DEZ. 20:00 / FREIWILLIGE SPENDE

144. Wiener Programm

laut lauter lyrik will die Poesie aus ihrem sprichwörtlichen Elfenbeinturm holen und die jüngeren performativen Formen der Lyrik aus den Clubs und Clubbings:
mit u.a. der Rotten Kinck Schow (Ann Cotten, Monika Rinck, Sabine Scho), dem US-amerikanischen Beatboxer Yuri Lane oder dem Berliner Poeten Bas Böttcher.
Am Übergang von Text- zu Musikperformance operieren der US-amerikanische Spoken Word Poet und Rapstar Saul Williams und das einzigartige Duo Attwenger mit seinem G’stanzlprogramm die Goas.
Die Poetinnennacht versammelt unverwechselbare lyrische Stimmen des Landes, von der jungen oberösterreichischen Dichterin Judith Pfeifer bis zur Grande Dame Friederike Mayröcker.

Heute u.a.:

17 Uhr
Prolog
Bas Böttcher (D)

Podium 2
„Es ist was es ist“
Spielarten der Poesie

Die AutorInnen in Roundtable 2 haben sich neue lyrische Räume erobert (die Straße, Clubs oder sogar Konzertsäle); sie werden über Perspektiven und innovative Formen der poetischen Präsentation sprechen.

Moderation: Josef Haslinger (Autor und Professor für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig)
Mit: Bas Böttcher (D), Ann Cotten (USA/A), Michaela Falkner (A), Yuri Lane (USA), Michael Lentz (D)


19 Uhr
Stimmenkonzert: Poetinnennacht
Moderation: Beatrice von Matt (Kulturpublizistin)
Mit: Elfriede Czurda, Maja Haderlap, Sonja Harter, Friederike Mayröcker, Judith Pfeifer und Angelika Reitzer


21 Uhr
Rotten Kinck Schow IV – Gewalt gegen Dinge
Die Rotten Kinck Schow ist umgeben von einem dichten Blizzard, der, soweit man einem solchen trauen kann, ungefähr im Kreis weht. Sodass man nach dem Ausgang zirka dort zum Stehen kommt, wo man vor dem Eingang war. Man kann sich vorstellen, wie zerrauft eine Schow abläuft, wenn man jenen Umstand in Betracht zieht in Hinblick insbesondere auf den Import-Export, den man aufgrund des Blizzards nicht sieht. (www.rottenkinckschow.de)

Mit: Ann Cotten, Monika Rinck und Sabine Scho

Samstag, 28. November 2009

16 Uhr
Best of ZEBRA
Kurzfilm als Kunstform

Aus dem schlichten Motto „Poesie auf der Leinwand: Kurzfilme adaptieren Gedichte“ hat sich im Rahmen des von der LiteraturWERKstatt Berlin organisierten Berliner Poesiefestivals ein eigenes „Filmfestival der Dichtung“ entwickelt, das sich mit verblüffendem Erfolg zur Aufgabe gemacht hat, den Poetry Kurzfilm als eigenständige Kunstform zwischen Dichtung, Film und Neuen Medien zu etablieren.
Christiane Lange (LiteraturWERKstatt Berlin) bringt eine Schau der besten ZEBRA-Filme erstmals nach Wien.


18 Uhr
Prolog
Oswald Egger (A/D)

Podium 3
„Meine Muse hat Kanten“
Lyrik sucht Leser

Roundtable 3 widmet sich der findigen und erfindungsreichen Kunst der Vermittlung von Lyrik: sei es durch Übersetzung, eigene Publikationsreihen oder Veranstaltungsschwerpunkte.

Moderation: Susanne Schüssler (Leiterin des Berliner Wagenbach Verlags)
Mit Christoph Buchwald (D), Oswald Egger (A/D), Erwin Einzinger (A), Christiane Lange (D)


20 Uhr
Attwenger goes Goas

Das Rolling Stone Magazine nennt die Musik der Attwenger-Masterminds Markus Binder und Hans-Peter Falkner einen „Bastard aus Polka, Elektro und vereinzelt Cajun und Blues“.
Im Rahmen der Lyriktage spielt das eigenwillige Musikerduo mit seinem G’stanzl-Programm die Goas groß auf.


Sonntag, 29. November 2009

 

11 Uhr
Verleihung des Erich Fried Preises 2009 an Esther Dischereit

Die in Berlin lebende Autorin Esther Dischereit erhält den mit 15.000 Euro dotierten Erich Fried Preis 2009 – so hat es in diesem Jahr der alleinige Juror, der mit dem Großen Österreichischen Staatspreis und dem Büchnerpreis ausgezeichnete Autor Josef Winkler, bestimmt.

Musik
African/American/European and me
Harold Bradley (voice) Kofi Asamoah (djembe/voice) Norbert Mattes (sax) Chana Dischereit (djembe) Elisabeth Asamoah (voice/dance)

Josef Winkler in seiner Jurybegründung:
„Esther Dischereit, geboren 1952, gehört zur zweiten Generation, den Kindern der Shoah-Überlebenden. Die Auseinandersetzung mit ihrem Judentum hat die gelernte Schriftsetzerin, aktive Linke und Gewerkschafterin spät zur Schriftstellerin gemacht (Joemis Tisch, 1988).
Sprachempfindlich und -erfinderisch ist sie seither verletzten, abweichenden und ausbrechenden Wahrnehmungen und Erfahrungen auf der Spur, gibt ihnen, immer wieder neu, Raum und Form – anders in den Gedichten, in der erzählenden Prosa, in den Hörstücken, anders in den Texten der streitbaren Essayistin oder den Welt- und Selbst- auskünften ihrer gehaltvollen Interviews. Anzutreffen ist Esther Dischereit dazwischen, am Rand; ständig in Bewegung; zu Hause, wenn überhaupt, in ihrer Sprache; häufig zu Vortragsreisen in den USA; sie wohnt in Berlin.“

http://www.literaturhaus.at/autoren/F/fried/fried_symp_2009_vorschau/

143. Preisträger

In einem Gedicht des mit dem Wilhelm-Lehmann-Preis ausgezeichneten Lyrikers Jan Wagner heißt es, „wir pflückten quitten, wuchteten körbeweise/gelb in die küche.“ Es folgt das Einmachen, „schemenhaft im dampf des entsafters“, schließlich der Blick auf das fertige „gelee, in bauchigen gläsern“, aufbewahrt „in einem keller von tagen, wo sie/leuchteten, leuchten.“

Vermutlich gibt es nicht viele Gedichte, in denen von einem Entsafter die Rede ist. Wagner aber beobachtet gern Alltägliches. „hinter dem tresen gegenüber der tür/das eingerahmte foto der fußballmannschaft“, lautet eine Zeile in „gaststuben in der provinz“, und selbst ein Teebeutel wird zum Gegenstand eines kurzen Gedichts:

„nur in sackleinen gehüllt, kleiner eremit in seiner höhle.
nichts als ein faden
führt nach oben. wir geben
ihm fünf minuten.“

(…)

Nicht nur in der Genauigkeit der Wahrnehmung erinnern Jan Wagners Gedichte an die des großen Lyrikers und Essayisten aus Eckernförde. Wie Lehmann nimmt er die Welt ernst, auf die er schaut. Die Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft ist zur Wahl ihres ersten Preisträgers zu beglückwünschen. / Peter Nicolaisen, shz 27.11.

Von Jan Wagner erschien zuletzt Achtzehn Pasteten. Gedichte. Berlin Verlag, 2009, 2. Auflage

142. Karat-Lyrik

Die Anthologie „Lyrikstimmen – Bibliothek der Poeten“ (Hörverlag) und Marie-Aude Murails „Simpel“ (Hörcompany) sind die Hörbücher des Jahres 2009.

„Lyrikstimmen“ versammelt mehr als 400 Gedichte im O-Ton der Verfasser – für die Juroren ein „Sprachjuwel mit über 400 Karat Lyrik“. / Börsenblatt

Geistige Gummibärchen – ist eine gelegentliche Kolumne zur Poesie des Medienspeak

 

141. „Dichtkunst, die der Mensch versteht“

Diese Lyrik macht Laune: Der Debüt-Band „szene.leben“ von Boris Preckwitz, soeben im Passagen Verlag Wien erschienen, belohnt seine Leserinnen und Leser mit Esprit, Welthaltigkeit und kunstvollen Anspielungen. Die Texte bilden ein schillerndes Panorama von Lebensstilen, Menschentypen, sozialen Rollen und Moden. Diese Lyrik ist absolut gegenwärtig.

Der Berliner Autor Boris Preckwitz legt in seinem ersten Gedichtband „szene.leben“ ein Werk vor, das mit Sprachkunst, Themenfülle und Formenreichtum in der Gegenwartslyrik seinesgleichen sucht: vom Bürgertum bis zu den Betonsilos der Vorstädte, von Szene-Kulturen zu verfallenden Industrierevieren, Impressionen aus dem Inneren der Bonner und Berliner Republik. / Pressemappe Passagen Verlag

140. „Laut lauter lyrik“ im Literaturhaus Wien

Lesungen, Diskussionen und Performances, die über den herkömmlichen Begriff von Lyrik hinausgehen, will das Literaturhaus Wien bei den 11. Erich-Fried-Tagen von Donnerstag bis Sonntag vermitteln.

Nach der offiziellen Eröffnung durch Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) steht der amerikanische Spoken-Word-Poet Saul Williams auf der Bühne.

„Die Freiheit den Mund aufzumachen“ steht am Freitag ab 15.00 Uhr im Zentrum einer Podiumsdiskussion, bei der unter anderem die Autoren Robert Schindel, Barbara Hundegger und der albanische Autor Visar Zhiti der Frage nachgehen, „ob Lyrik nach wie vor eine gesellschaftspolitische oder kritische Instanz zukommt“.

Michaela Falkner, Ann Cotten und Michael Lentz nehmen im Anschluss an der von Josef Haslinger moderierten Diskussion „Es ist was es ist. Spielarten der Poesie“ teil und sprechen über Perspektiven und innovative Formen der poetischen Präsentation. …

Höhe- und zugleich Schlusspunkt ist am Sonntag die Verleihung des mit 15.000 Euro dotierten Erich Fried-Preises 2009 an Esther Dischereit, Juror Josef Winkler hält die Laudatio. / ORF

139. Lochgebet: Transdualismus contra Flachlandspiritualität

Das 15. „TRANSRELIGIÖSE GEBET FÜR DAS 23.JHD.“ als Poetryclip

„Uns allen, vor allem uns Deutschen, ist von Kindheit auf mit jedem Wort unserer Lehrer und unserer großen Dichter eine platonisch-idealistische Grundeinstellung so radikal eingebleut worden, daß sie uns selbstverständlich ist. (…) Auch heute noch blickt der Realist nur nach außen und ist sich nicht bewußt, ein Spiegel zu sein. Auch heute noch blickt der Idealist nur in den Spiegel und kehrt der realen Außenwelt den Rücken zu. Die Blickrichtung beider verhindert sie zu sehen, daß der Spiegel eine nicht spiegelnde Rückseite hat, eine Seite, die ihn in eine Reihe mit den realen Dingen stellt, die er spiegelt: Der physiologische Apparat, dessen Leistung im Erkennen der wirklichen Welt besteht, ist nicht weniger wirklich als sie.“
Konrad Lorenz, in: „DIE RÜCKSEITE DES SPIEGELS“ (1973)

G&GN-INSTITUT BERLIN (New Cologne) / Tom de Toys setzt sich in seiner „perinzendental-präsentOMatischen“ Lyrik schon immer schwernullpunktmäßig mit dem „TOTALEN“ JETZT als „ganzheitliche Leistung“ (Jean Gebser, in: Ursprung und Gegenwart) auseinander, um seine eigenen paranormalen Jugenderfahrungen zu verarbeiten. Nachdem er nun bereits sein allererstes Beispiel für „Direkte“ Dichtung von 1989 (KONTAKT) sowie ein Paradebeispiel für Quantenlyrik von 2003 (RAD incl. der Vorlage PARADIES von 1993) als 10.+11.Poetryclips eingesprochen/verfilmt hat, erweitert er seine interdisziplinären Fusionen nun um ein Genre, in dem er zuletzt 1988 tätig war: die Bildhauerei. Damals schuf er einen handgroßen Schädel aus Ton unter dem Titel SCHATTEN, dem jetzt die neue Skulptur ANTI-SCHATTEN als komplementäre Ergänzung gegenübergestellt wird. Für den 12.Poetryclip „INTEGRALE INZUCHT (KYBERNETISCHES KITZELN)“ vom 24.11.09 filmte De Toys diesen neuen Tonkopf in einer rasanten Weise, die das Thema der Beidseitigkeit bzw. „Keinseitigkeit“ des Tao beleuchtet, das ein Zen-Meditierender durch das Knacken von Koans zu verstehen versucht. Dementsprechend polemisiert der Begleittext zur dazugehörigen neuen Domain „TRANSDUALISMUS.de“ die sprachlichen Schwierigkeiten beim poetischen Versuch, das dualistische Denken zu überwinden:

„(…) Leider werden in der heutigen Flachlandspiritualität die pseudo-mystischen Angebote für die präpersonal non-dualistische Sehnsucht spirituell suchender Menschen gerne als transpersonaler TRANSDUALISMUS vermarktet, obwohl die veraltete dialektische Sprache mit ihren per se redundanten Begrifflichkeiten nur psychistisch konditionierten Anfängern suggeriert, sie würden den klassischen Käfig des „heiligen Hickhack“ transZENdieren (…). Das wirklich postmetaphysisch-kybernetische Moment der anti-hierarchischen „letzten“ Realität zeigt sich erst im ABSOLUTEN ANKOMMEN als „Grundlose Inwesenheit“ (statt des religiös AN- oder AB-wesenden, der sich der kosmischen URNÄHE immer nur asymptotisch frustriert frömmelnd nähert): diese „Ebene“ ist keine eigene Ebene mehr sondern das Gewahrsein aller Ebenen als in sich ruhende Bewegung der leeren Materie. (…)“

Hier der youtube-Poetryclip zum Hören & Sehen:
(=> http://www.youtube.com/watch?v=aXW7RbziZE8 )

Und das gesprochene Lochgebet zum Lesen:

Tom de Toys, 24.11.2009

INTEGRALE INZUCHT (KYBERNETISCHES KITZELN)
[15.TRANSRELIGIÖSES GEBET FÜR DAS 23.JHD.]

diese leere ist keine andere seite
einer angeblich kosmischen medaille
sie quillt aus jeder pore als selbst-
leuchtende spiralwolke OHNE MITTE sie
strömt durch die fülle der struktur
UND liegt weder vor noch hinter der so-
genannten materie die leere ist nur eine
dimension des ineinander verschachtelten
ganZen wie alles andere unendlich UND
ewig durch alle zeiträumlichen
richtungen durch UND durch

was ist innen UND was ist außen
was morgen UND gestern
wenn alles gleichzeitig überall

ist UND NICHT ist

kein impfstoff vernichtet das
unerhörte nichts dieses
bOMbastisch stille ungeheuer

keine schöpfung kein schöpfer
nur wahr nehmendes schöpfen von
stumm platZenden tropfen im ozean
still stehender riesenwellen
elektrisch tanZender nullen als
strudel orchestraler atOMorgien
kein urknall das universum macht mit
sich selber gesetzlose liebe UND
dankt für die aufmerksamkeit einiger
zeugen am urpuls der lautlos
spukenden wahrheit

© 2009 by Trademark POEMiE™, G&GN-Institut Berlin-Neukölln
(in: „LOCHiSMUß LEiCHTGEMACHT“, G&GN-Verlag 2010)

ORIGINALQUELLE DER ERSTVERÖFFENTLICHUNG: http://www.TRANSduALISMUS.de
WEITERE POETRYCLIPS AUF ODER UNTER: http://www.POETryToGo.de