Ronald M. Schernikau, der Sohn, war zu Beginn der achtziger Jahre eine Hoffnung der deutschen Literatur gewesen. Er vereinte Glamour und Intellekt, Zickigkeit und Menschenliebe mit Formbewusstsein.
RONALD M. SCHERNIKAU: Irene Binz. Befragung. Herausgegeben von Thomas Keck. Mit einem Vorwort von Dietmar Dath und einem Interview zwischen Ellen Schernikau und Claudia Wangerin. Rotbuch Verlag, Berlin 2010. 224 Seiten, mit zahlr. Fotos, 16,95 Euro.
Der eine, Friedrich Hölderlin, preist die Schwäne, die ihre Häupter, trunken von Küssen, in heilignüchternes Wasser tunken. Der andere, Georg Kreisler, feiert den Frühlingsbeginn mit dem Aufruf zum gemeinsamen Vergiften der Tauben im Park. In Bad Homburg wird der Kabarettist dieses Jahr im Zeichen des Dichters geehrt: Am 6. Juni erhält der 1922 in Wien geborene Kreisler im Bad Homburger Kurtheater für sein Lebenswerk den Friedrich-Hölderlin-Preis. / FAZ 24.3.
„Ein Kritiker hat mich bezeichnet als Kabarettisten!“ Georg Kreisler gelingt es, in eine erste Gedichtzeile zwei seiner liebsten Hassworte einzubauen. / Sebastian Fasthuber in Falter : Woche 12/2010 vom 24.3.2010 (Seite 19)
Der Deutsche Nationalpreis 2010 geht an den deutschen Übersetzer und Autor Karl Dedecius und den emeritierten polnischen Erzbischof Alfons Nossol. „Wir zeichnen in diesem Jahr zwei ,Brückenbauer‘ zwischen Deutschland und Polen aus“, sagte Dirk Reimers vom Vorstand der Deutschen Nationalstiftung. „Karl Dedecius hat mit seinen Übersetzungen von polnischer Literatur den Deutschen deren Kultur geöffnet – Erzbischof Nossol verkörpert mit seinem Lebenswerk die Versöhnung der beiden Länder nach dem Krieg“, begründete Reimers die Entscheidung der Stiftung. Der mit 50 000 Euro dotierte Nationalpreis wird im Juni in Hamburg verliehen. / Süddeutsche Zeitung 25.3.
Dem der liest
Unsern Nachbarvölkern dies verkünd ich:
Der Pole ist kein Ganter, ist der Rede kundig!
Schwatz nicht wie andre: Was gehts mich an?
Bedenk wie bald ein Mann geknechtet werden kann!
(1562)
Do tego, co czyta
A niechai narodowie wzdy postronni znają,
iz Polacy nie gęsi, iz swój język mają!
Nie mów tak jako drudzy: – A co mnie do tego?
Bo nie w czas, gdy juz cwiczy niewola kazdego!
Original aus: Sto wierszy polskich. Hundert polnische Gedichte, ausgewählt und übertragen von Karl Dedecius. Kraków: Wydwnictwo Literackie 1989, S. 8. (Die obige deutsche Fassung von Michael Gratz)
Mikolaj Rej (1505-1569), genannt der „Vater der polnischen Literatur“, war einer der ersten Polen, die in ihrer Muttersprache schrieben. Sein Text sprach mich an, weil er auf schlichte und schlagende Weise die „ursprüngliche Geste der Mitteilung“ (Brecht) hat. Ursprünglich auch im Wortsinn einer Ur-Frühe. Der erste kann ganz selbstverständlich für und an alle* sprechen, von Volk zu Volk. Ähnlich in dem Gedicht „Moralia“ von Biernat z Lublina (1522), dessen Anfang in der Nachdichtung von Karl Dedecius so lautet:
Was Fabeln lehren, erfahre!
Damit sagt Äsop das Wahre.
Drum laß dich vom Gleichnis leiten,
Verachte nicht Einzelheiten!
Durch einfache Worte kommen
Wir nämlich näher dem Frommen.
Zum Beispiel, wie kluge Raben
Die Füchse zum Narren haben.
(A.a.O. S. 7)
* alle, soweit sie lesen – das war demnach schon am Anfang klar.
Contemporary Slovenian Poetry (1)
10 Poets born before 1960
Ljubljana: Center for Slovenian Literature
Editor-in-chief: Brane Mozetič
44 großformatige Seiten mit Gedichten von Kajetan Kovič, Veno Taufer, Svetlana Makarovič, Niko Grafenauer, Tomaž Šalamun, Milan Dekleva, Milan Jesih, Boris A. Novak, Tone Škrjanec, Brane Mozetič (jeweils 3 Seiten Gedichte auf Englisch sowie bio-bibliographische Informationen)
Die Lyrik- oder Literaturzeitschrift randnummer scheint eine Erfolgsgeschichte zu sein, in Hamburg und mählich überregional.
Nächste Veranstaltung am 27.03.10, noch vor dem Erscheinen der neuen, zweiten Ausgabe im April. Auf der Homepage findet sich bereits ein Auszug aus dem aktuellen Editorial, die neue Autorenliste soll Freitag online sein.
Ort: POW-Galerie, Haubachstraße 7a, Hamburg
Datum: 27.03.2010
Beginn: 20.oo Uhr
Eintritt: frei
Es lesen: Richard Duraj, Jinn Pogy, Gerald Fiebig, Tom Schulz
Das Titel-Magazin schreibt:
Literaturheft nennt sich diese neue Zeitschrift aus Hamburg, die tatsächlich das angenehme Format jener Hefte hat, in die wir unsere ersten Schriftkringel malten. Handlich ist sie, weder ein dünnes Nichts noch ein einschüchternder Ziegel, und besonders froh stimmt natürlich auch der völlig unelitäre Preis von vier Euro. Ein echtes Angebot nicht nur für Raucher, mal das Rauschmittel zu wechseln, meint GISELA TRAHMS. …
Auf der ebenfalls sehr einladend gestalteten Website sind einige Gedichte auch zu hören – Herbert Hindringer etwa mit „gespenster“, einer sanft-melancholisch schwingenden Klangcollage. Wie ein Kontrastprogramm dazu wirkt Nicolai Kobus’ „container“, ein Fließtext, virtuos und hämmernd vorgelesen und doppelt so eindrucksvoll wie als Wortblock auf dem Papier.
Jan Skudlarek antwortet auf jenen Gang durch die Stadt, der T. S. Eliots „The Love Song of J. Alfred Prufrock“ eröffnet, indem er nicht nur Zitate einstreut, sondern sie durch Wortaustausch verfremdet. In einem anderen Gedicht thematisiert Ron Winkler das nächtliche Gejaule der Rettungswagen, das jedem USA-Reisenden noch lang durch die Gehörgänge gellt und zu überwacher Schlaflosigkeit führt: „wenn wir nicht schlafen können, leuchten wir so / als wäre Dunkelheit Licht.“
Nummer 31 ist soeben erschienen, zum Preis von 10 Euro, mit Texten von Konstantin Ames, Michael Fiedler, Andrea Heuser, Kerstin Preiwuß, Bertram Reinecke und Daniela Seel. Wieder eine Fund- und Pfundgrube. Hier als Appetithäppchen zwei Auszüge aus einem Essay von Bertram Reinecke:
[1.]
Auch von Lesern, deren Urteil ich schätze, wird meine Schreibweise als ambivalent wahrgenommen. Da ich mich nicht als gespaltene Dichterexistenz fühle und meiner Schreibweise in der lichten Ruhe des Arbeitsprozesses immer neu Plausiblität zuwächst, verwirrt mich das.
Auf der anderen Seite lese ich oft von hintersinnigsten Poetiken. Mir fehlt der Glaube. Durch mein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig konnte ich tagaus, tagein Dichter bei öffentlicher Lektüre beobachten. Es ging auch bei Avancierteren geradliniger zu, als ambitionierte Kritiker das mitunter beschreiben. (Zumal man unterstellen darf, dass öffentliche Lektüre intellektuell aufgeputzter daherkommt als ein privates Lesevergnügen.) Mir drängt sich der Verdacht auf, dass Kritiker durch das Erfinden extravaganter Lesehaltungen der Gefahr entgehen wollen, sich bei der Interpretation eines Textes zu verrennen, den sie mit ihrem Besteck nicht gänzlich durchdringen können. (Das Verfahren dient also der Literaturvermeidung.) Weil als klug zu gelten ein hohes Gut im Kampf um mediale Aufmerksamkeit ist, scheint sich in solchem Fall regelmäßig ein geheimes Stillhalteabkommen zwischen dem Kritiker und dem ob seiner Intelligenz geschmeichelten Dichter zu ergeben. Das Erfinden von Lesestrategien, die es noch nicht gibt, kann intellektuell bereichern. Nur sehen moderne Literaturprozesse damit noch stärker wie ein Tun für Spezialisten aus, als sie es ohnehin sein mögen. Und den durch diese Verschiebung frei werdenden Raum besetzen dann triviale Diskurse (z.B. mit Dichtern in Übergröße und Authentizität). …
[2.]
Tiefer als Geniediskurs und verschlankte Schulbildung vermitteln, ist die notorische Praxis des Paraphrasierens und Neuübertragens der alten Texte in der Dichtung gegenwärtig.
Auch Montagetechniken haben bereits Vorlagen im christlichen Diskurs: Die so genannten Evangelienharmonien, welche die verschiedenen Berichte zu einer konsistenten Erzählung zusammenzustellen suchen. Vielen Chorälen liegen Sammelsurien von Bibelstellen zu Grunde, deren einzige Gemeinsamkeit oft zu sein scheint, dass diese Zitate den theologischen Vorlieben des Verfassers entsprachen. Man könnte von Pastiches auf Montagen sprechen. Insofern verwundert es, dass an Schule oder Universität Formen von Montage und Intertextualität oft immer noch wie schwierige Rand- oder Sonderformen dargestellt werden, die uns eine Moderne eingebrockt habe, die wir, ob wir sie lieben oder nicht, akzeptieren müssten.
Wenn auch die meisten Dichter nicht so naiv sind und Kritiker abwinken, wächst doch von solcher Vorbildung den Montageverfahren immer ein Misstrauen zu, und Dichter, die sich ihrer bedienen, haben sich häufiger gegen den Formalismusvorwurf zu wehren, während die, welche auf solche Elemente verzichten, im Gegenzug eher als authentisch gelten.
Man könnte sich leicht entschließen, im Gegensatz dazu z.B. das Gedicht in Alltagssprache für eine problematische Sonderform zu halten. Denn ein wie ambivalentes, fast möchte man sagen hinterhältiges Unternehmen ist das! Wenn die Bedeutung eines Wortes sein Gebrauch in der Sprache ist, dann redet auch das Alltagsgedicht Fremdsprache, verhehlt aber diese Tatsache systematisch. Denn ein Tisch verhält sich im Alltagsgedicht ja nicht wie ein Tisch in der Wirklichkeit: Er steht für Heimeligkeit, für eine Kneipensituation, für eine Distanz zwischen ihm und ihr oder was immer. Reale Tische stehen meist für nichts. Bei ihnen kommt es auf anderes an, ob man z.B. etwas Heißes darauf stellen kann, welche Reinigungsmittel für ihn geeignet sind usw. Ein realer Tisch bezieht sich auch nicht, wie ein Tisch im Gedicht, auf andere Tische. Nur im Kontext von Design und Innenarchitektur können reale Tische symbolische Funktionen annehmen, wie sie Tische in Gedichten haben. (Etwa durch besondere Wertanmutung für die Distinktion seines Besitzers oder den Ruf eines Lokales sprechen.) Die Verwendung der Wörter im Alltagsgedicht ähnelt also den Derivaten der Werbung, die uns eine arme künstliche Symbolwelt für Wirklichkeit vorspiegelt, während Kunstformen, die ihre Künstlichkeit ausstellen, diese Lüge nicht beinhalten.
Hölzerne Säule Eine Säule steht von Holz, Drauf die Stimme sitzt und zieht die Beine hoch; Fragt in alle Winde und verbittet sich die Antwort. Alle Welt liegt rund in Ringen Die sich engen um die Säule Einen langen, langen Stock mit einem kurzgedrungenen Hammer Hält die Stimme in der Hand, Zwischen zwei verwehten Fragen Auf den Ringen mit zu spielen: Bang, kling lang -; bang, kling lang -; Diese Frage werf ich in das Meer. Bang, kling lang -; bang, kling lang -; Diese fiel zu kurz und läuft ein Stück. Bang, kling lang -; bang, kling lang -; Rote Mäuse springen mir vom Mund. Bang, kling lang -; bang, kling lang -; Flüchten über sieben Ringe. Eine schwarze Katze sitzt am Rand der Welt. Bang, kling lang -; bing bing, bang, bing - Alle roten Mäuse rennen ihr ins Maul. Bang, bang, schwarze Katz, Wirst du nimmer satt? Da legt die Katz den Schwanz her um die ganze Welt. Bang, kling lang -; bang, kling lang auf allen sieben Ringen, Der achte ist der Katzenschwanz, Den traf ich mit dem Hammer. Bang, kling lang; miau, mio; die Welt ist voll Musik. Was aber über Ringe läuft, Bang, kling lang -; bing bing, bang, bing -; Den kribbelts untern Sohlen.
1919
aus: Anthologie der Abseitigen. Hg. von Carola Giedion-Welcker, Frankfurt am Main: Luchterhand Literaturverlag 1990, S. 61.
Vor der Folie tödlichen Schweigens musste sie neue kühne Wege gehen. Wäre sie Maler, heißt es in ihren „Briefen aus der Nacht“, würde sie „das Steinerne des Steines malen“, „das Wesen des Leidens in einem Fischauge zwischen Leben und Tod“. „Hingabe ist der neue Pinsel“, meinte sie – Hingabe, um „die Wunde lesbar zu machen“.
Dass sie das zu einer singulären Dichterin machte, zeigen nun die ersten beiden Bände einer Werkausgabe. Sie versammeln alle seit 1940 in Schweden entstandenen Gedichte und Gedichtzyklen in chronologischer Reihenfolge. Unter den von Ariane Huml und Matthias Weichelt kenntnisreich kommentierten Dichtungen sind viele bislang unpublizierte von großer Schönheit.
Hauptherausgeber aller vier Bände – Band III mit den szenischen Dichtungen und Band IV mit Prosa und Übertragungen sind in Vorbereitung – ist der aus Göteborg stammende Autor Aris Fioretos. Er ist auch Kurator der großen Wanderausstellung, die anlässlich des 40. Todestags der Dichterin gestern Abend im Jüdischen Museum Berlin eröffnet wurde. In einer begleitenden Bildbiographie schildert Fioretos Leben und Werk der Dichterin. Das Buch basiert auf umfassenden Archiv-Recherchen sowie Gesprächen mit Freunden. Zusammen mit einer Bibliographie stellt es eine vorzügliche Ergänzung zu den beiden Gedichtbänden dar. / RENATE WIGGERSHAUS, FR 25.3.
Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin: bis 27. Juni, weitere Stationen bis Ende 2011 Stockholm, Zürich und Dortmund.www.nellysachs.com
Nelly Sachs: Gedichte Band 1 u. 2., hrsg. von Aris Fioretos, Ariane Huml u. Mathias Weichelt, Suhrkamp Verlag, Berlin 2010, 344 u. 426 S., je 44 Euro.
Aris Fioretos: Flucht und Verwandlung – Eine Bildbiographie, Suhrkamp Verlag, Berlin 2010, 320 Seiten, 29,90 Euro.
Bei Dao lächelt einigermaßen wehmütig, und weil Chinas bedeutendster Lyriker auch im Alter von 60 Jahren mit seinem leicht ausgefransten schwarzen Ponyschnitt noch ein bisschen an einen späten Studenten erinnert, denken wir sogleich an die Zeilen eines der berührendsten deutschen Exilgedichte: „Ich bin der Weggehetzte. / Nicht der erste, nicht der letzte. // Mein Leib und meine sieben Sinne, / Alles frisch und unversehrt. / Das Leben, das ich nun beginne, / Lebt sich gerade umgekehrt. // Mir ist die Welt ins Herz gesprungen, / Mir, dem großen Lausejungen.“
Der gebürtige Chemnitzer Bernd Jentzsch hatte diese Zeilen 1976 geschrieben, im sicheren Refugium von Bern, von dem aus er nicht mehr in die DDR zurückkehren durfte, nachdem er in einem persönlichen Brief an Erich Honecker gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestiert hatte. Es ist die alte Geschichte, doch wem sie just passieret…
Bei Dao sagt: „Genau in diese Richtung geht es. Als im Juni 1989 in Peking die Panzer rollten, war ich gerade DAAD-Stipendiat in West-Berlin und verfolgte in der Güntzelstraße am Fernseher, was das Regime gerade mit den Studenten tat. Natürlich musste ich reagieren, umso mehr sich ja viele junge Leute auf meine Verse berufen hatten. Ich gab also dem ZDF ein Interview, und mein langes Exil begann. Bis zum heutigen Tag, hier als Literaturprofessor in Hongkong.“ / Marko Martin, Die Welt 20.3.
Bei Dao: Das Buch der Niederlage. A. d. Chin. von Wolfgang Kubin. Hanser, München. 106 S., 14,90 Euro.
Heute nehme ich dies mal als Frühlingsgedicht – auch als solches spukt es mir seit, ts ts, 30, 35 Jahren im Kopf. Als ich es las, dachte ich natürlich an Prag 68 und etwas später Warschau 81. Manchmal, wenn mir die Verse einfielen, zitierte ich die letzte Zeile unabsichtlich so: „Die Kämpfer der Commune und so weiter“. Gruß an Rimbaud. Es ist der Schluß von Nikolaus Lenaus Versepos „Die Albigenser“.
Das Licht vom Himmel läßt sich nicht versprengen,
Noch läßt der Sonnenaufgang sich verhängen
Mit Purpurmänteln oder dunklen Kutten;
Den Albigensern folgen die Hussiten
Und zahlen blutig heim, was jene litten;
Nach Huß und Ziska kommen Luther, Hutten,
Die dreißig Jahre, die Cevennenstreiter,
Die Stürmer der Bastille, und so weiter.
1922 erschien das Gedicht „The Waste Land“ (Das wüste Land) von Thomas Stearns Eliot. Das Werk zählt zu den bedeutendsten Gedichten der 20. Jahrhunderts. Dem Regisseur Dieter Bitterli diente dieses Meisterwerk als Text für sein Theaterstück „Grauses Wagen der Hingabe – ein Augenblick“, das beim Theater im Hof zu sehen ist. / Badische Zeitung
Termine: Kandern-Riedlingen, „Grauses Wagen der Hingabe – ein Augenblick“, Vorpremiere: Do, 25. März, 17 Uhr; Premiere: Sa, 27. März, 17 Uhr; zudem: 30./31. März, 3. und 5. April, jeweils 18 Uhr; Karten: Tel. 07626/972081
Ob als Strafarbeit, als Was-will-mir-der-Dichter-damit-sagen-Frage oder als obligatorisches Muttertagsgeschenk – die ersten Begegnungen mit Lyrik sind häufig mehr mit Frust als mit Lust verbunden und daher für viele oft auch die letzten. Mit „Lust auf Lyrik“ wurde vor fünf Jahren erfolgreich ein Modellprojekt ins Leben gerufen, das einen spielerischen Zugang zur Dichtung jenseits von Lehrplan und Bewertungszwang eröffnen soll: eine von LyrikerInnen betreute Werkstatt, in der die Schülerinnen und Schüler sich mit dem poetischen Gebrauch von Sprache möglichst unbefangen auseinandersetzen können. Dabei geht es nicht um einen der üblichen Creative-Writing-Kurse, sondern um eine Annäherung an Lyrik, in der das eigene Schreiben neben Rezitation, Inszenierung, Übersetzung und medialer Bearbeitung grundsätzlich als Vorgang der aktiven Aneignung poetischer Prinzipien sowie der Auseinandersetzung mit sozialer Wirklichkeit und mit subjektiver Erfahrung verstanden wird.
Die Lyriker Andrea Heuser und Àxel Sanjosé haben diese siebte Staffel des „Lust auf Lyrik“-Projekts zusammen mit Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 12 des Münchner Adolf-Weber-Gymnasiums (Deutschlehrerin: Sabine Schwiese-Liebl) gestaltet; die Ergebnisse werden an diesem Abend im Lyrik Kabinett vorgestellt.
Mittwoch, 24.3.
20:00 Uhr
Amalienstrasse 83
Lyrik Kabinett München
Vom weitverzweigten Metropolengedicht über atmosphärische Skizzen und Momentaufnahmen bis zu überraschenden Zweizeilern birgt der Band von Ron Winkler einen in der Lyrik ungewohnten Abwechslungsreichtum, der zu einer extremen Lesegeschwindigkeit führt: Man will sich die Gedichte einverleiben. Und zwar schnell! Ein großer Rausch.
Ron Winkler, 1973 geboren, ist ein Sprachraumforscher des 21. Jahrhunderts und als solcher einer der wenigen, die diese Bezeichnung auch verdienen. Die unglaubliche Leichtigkeit und Frische, die man schon bei seinem ersten Gedichtband Vereinzelt Passanten (2004) feststellte, setzt sich in seinem neuen Buch fort. Winkler arbeitet mit einer zielgenauen Sicherheit für eine ungewöhnliche Homogenität, die Technizismen, Fachsprachen, Versatzstücke aus der Medienwelt und zeitgenössische Sprechweisen in einen elegant fließenden Mix bringt. / Carsten Klook, Zeit Literatur 3
Zeit-Surfer „graf von bollstatt“ schreibt unter der Überschrift
solch einen schlecht geschriebenen artikel hat ron winklers buch nicht verdient. es ist zu empfehlen, aber doch nicht in dieser art. ich bin entsetzt und schnaube laut auf, was so alles unter dem deckmantel der „ZEIT“ heutzutage sich verbirgt. eine katastrophe!
Neu von Ron Winkler:
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