»Das ist das Schwerste: sich verschenken / und wissen, daß man überflüssig ist, / sich ganz zu geben und zu denken, / daß man wie Rauch ins Nichts verfließt«, heißt Selma Meerbaum-Eisingers Gedicht Tragik, entstanden Ende Dezember 1941, das sich wie ein Testament liest. Sie fügt hinzu: »Ich habe keine Zeit gehabt, zu Ende zu schreiben. Schade, daß du dich nicht von mir empfehlen wolltest. Alles Gute Selma.« / kulturkurier.de
Iris Berben liest Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger, Schinkelkirche Neuhardenberg
Das Konzept hinter „VERSschmuggel“ verzichtete auf den üblichen Ablauf, nachdem die Dichter ihre Texte einreichen und von einem Übersetzer bearbeiten lassen. Stattdessen bildeten sich fünf Dichterpaare, die einander gegenseitig ins Deutsche bzw. Arabische übersetzten, ohne die jeweils andere Sprache zu beherrschen. In langen und tiefschürfenden Gesprächen tauschte man sich über die Bedeutung der eigenen Verse aus, um dem Gegenüber eine adäquate Nachdichtung zu ermöglichen – was bei zwei so unterschiedlichen Sprachen sicher nicht einfach ist. Neben Schulz und Al-Nabhan nahme Ron Winkler, Mohamad Al-Harthy, Nora Bossong, Nujoom Al-Ghanem, Sylvia Geist, Mohammad Al-Domaini, Gerhard Falkner und Ali Al-Sharqawi an dem literarischen Experiment teil. …
Überhaupt gibt es viel zu entdecken in diesem wundervoll bibliophil gestalteten Band – neben großartigen deutschen LyrikerInnen auch Einblicke in die moderne arabische Dichtung, aus der leider allzu wenig auf deutsch vorliegt. „Das Blau / (des Meeres) wirft meine Worte zurück / wenn es der Welt unter der Haut kribbelt“, heißt es bei Ali Al-Sharqawi; oder in Mohamad Al-Harthys beeindruckendem Gedicht „entschuldige dich beim frühlicht“: „doch immer wieder vergesse ich das frühlicht, / so wie ich vergesse, dass ich den fels des sisyphos zu bewältigen habe / (der stark ramponiert ist, weil man ihn ständig durch bücher wälzt)“.
… VERSschmuggel“ ist ein kleiner, höchst lesenswerter West-Östlicher Divan. / Gerrit Wustmann, cineastentreff 29.5.
VERSschmuggel – Eine Karawane der Poesie
Arabisch- und deutschsprachige Gedichte
Herausgeber: Aurélie Maurin, Douraid Rahhal
Mit 2 CDs
Verlag Das Wunderhorn
141 Seiten, Format: 13.5 x 21 cm, gebunden
Erscheinungsjahr: 2010 | ISBN: 978-3-88423-346-7
Ich bin nicht unbedingt ein Freund von Eva Strittmatters Gedichten; aber gar nicht wenige Verse hängen mir im Kopf. Der trochäische Rotdorn meiner Kinderjahre fällt mir jedes Frühjahr ein, und ein Pasternakgedicht beginnt: „Einer ist hinausgegangen./ Und der Winter fiel auf ihn./ Mit ihm hat es angefangen“, und endet mit einem Pasternakzitat: „Und er schrieb: es schneit, es schneit…“ Es erschien 1980 in dem Band „Zwiegespräch“. Ein weiteres Gedicht aus dem gleichen Band habe ich damals beim Lesen ebenfalls auf Pasternak bezogen (es liegt vielleicht nahe):
Bitte
Sei sanft, wenn du kannst, das Leben
Ist sowieso hart und schwer.
Vielleicht hat es das früher gegeben,
Jetzt gibt es das nicht mehr:
Leicht sein und einfach leben
Ohne Nutzungs- und Musterungsschein.
Wenn wir uns nicht Liebe geben,
Uns umfangen und uns erheben,
Betonieren sie uns ein.
Das gefällt mir immer noch. Es hält die Balance zwischen dem leichten Ton und der Einsicht, daß das Leichtsein, das Einfach leben, das nicht wenige ihrer Gedichte (für mich) zu propagieren scheinen, nicht (mehr) möglich ist. Es hat ein großes Trostpotential, viele Leser und auch ich brauchten und benutzten das.
Eva Strittmatter: Zwiegespräch. Gedichte. Berlin und Weimar: Aufbau 1980, S. 92 (In späteren Ausgaben trägt es den Titel „Bitte II“)
Mit dem sozialistischen Realismus hatte Pasternaks Art zu schreiben nichts zu tun. Er war auf anderes aus:
„Erkenntnisse, Erkenntnisse – die möchte ich in der Kunst sehen, nicht Richtungen, die ich schon erprobt habe und die ich kenne. Und nicht den Kampf zwischen den Richtungen, linken Richtungen und rechten Richtungen. Aber neue Inhalte, bis zu Ende gedacht.“
Mit solchem Programm stand Pasternak im Russland Stalins quer zur Zeit, sodass er, an den äußersten Rand gedrängt, seinen Lebensunterhalt mit Übersetzungen von Goethe, Kleist und Rilke verdienen musste. Er selbst hatte sich zurückgezogen in die Künstlerkolonie Peredelkino bei Moskau.
… am 30. Mai 1960, starb Boris Pasternak an Herzversagen. In dem Gedicht „Wiedersehen“ hatte er geschrieben:
„Schnee begräbt die Wege und überlädt das Dach. Ich trete vor die Schwelle und lauf dir in den Arm. Wer wird nach diesen Zeiten noch wissen, wie es uns ging, wenn Schwätzer sich verbreiten, doch wir schon nicht mehr sind.“ / Christian Linder, DLR (auch als podcast erhältlich)
„Neue Heimat – neue Sprache – neue Literatur?“, fragt die Runde am 3. Juni ab 20 Uhr im Literaturhaus, mit der Rumänin Carmen-Francesca Banciu und dem Iraker Abbas Khider, seit 2000 in Deutschland. „Die ganze Welt im Gedicht“ am 4. Juni ab 20 Uhr im Literaturhaus versammelt den syrischen Poeten Fataj Bayrakdar, den jemenitischen Dichter Mansur Rajih, die iranische Poetin Pegah Ahmadi und den Exil-Kubaner Carlos Aguilera. Ahmadi ist derzeit in Frankfurt Stipendiatin des Netzwerks, Aguilera war zuvor hier Gastautor.
Zuflucht:Literatur!, 1.-4.6., mehr unter www.litprom.de
In der Welt verkündet Alan Posener „die gute Nachricht: Der Buchhandel stirbt nicht, der Untergang des Abendlandes ist auf unbestimmte Zeit verschoben.“
Seit einigen Jahren erlebt ein großer, fast vergessener Dichter eine erstaunliche Renaissance: Stefan George, der als Ästhetizist und Erneuerer der deutschen Lyrik um 1900 begann und sich, umgeben von einem Kreis ihm ergebener junger Männer, zum poetischen Staatsgründer und Kritiker der Moderne wandelte. Im Bewusstsein der literarischen Öffentlichkeit hob die Neugier auf den früh gealterten, eisig von erlesenen Fotos blickenden Meister 2007 mit der vielbeachteten Biografie Thomas Karlaufs an, die durch freimütigen Umgang mit Georges lange tabuisierter Homosexualität einen Nerv traf.
Verblüffend war dann der Erfolg von Ulrich Raulffs jüngst mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichneter Studie „Kreis ohne Meister“, die aus einem Puzzle verblasster Lebensläufe rund um den Tod des von den Nazis umworbenen, 1933 aber stillschweigend in die Schweiz ausgereisten Dichters eine intellektuelle Gegengeschichte der Bundesrepublik entwarf.
Das Bedauerliche an der George-Renaissance war nur: Sie konzentrierte sich auf die Person des Autors, nicht auf sein Werk mit den sperrigen, von steilem Kunstwillen diktierten Gedichten Georges. Hier setzt nun der an der Berliner Humboldt-Universität lehrende Germanist Ernst Osterkamp mit seiner Deutung von Georges letztem Gedichtband „Das Neue Reich“ von 1928 ein. …
Dass sich aber im Werk Georges, besonders in den frühen Bänden und noch in den späten „Liedern“ des „Neuen Reichs“, die Osterkamp nur streift, schlichtweg schöne, durch keine Deutung zu erledigende Versgebilde finden, ist vielleicht die nächste Meldung, die uns die George-Renaissance noch bringen wird. / Norbert Hummelt, Tagesspiegel
Ernst Osterkamp: Poesie der leeren Mitte. Stefan Georges Neues Reich. Hanser Verlag, München 2010. 292 S. 19, 90 €.
In #133 berichtete ich über die neue französische Ausgabe der Moskauer Hefte Ossip Mandelstams. Dort ist als letztes Gedicht ein Liebesgedicht vom Februar 1934 enthalten, das in Ralph Dutlis Ammann-Ausgabe „Moskauer Hefte. Gedichte“ fehlt. Es gibt einen Grund dafür, den Ralph Dutli dankenswerterweise aufklärt. In seiner Ausgabe steht es nicht in den Moskauer, sondern im Folgeband, den Woronescher Heften:
Ossip Mandelstam: DIE WORONESCHER HEFTE. Letzte Gedichte 1935-1937. Aus dem Russischen übertragen und herausgegeben von Ralph Dutli. Ammann Verlag, Zürich 1996, S. 7.
Es hat in seiner Übersetzung folgenden Wortlaut:
Deine Schultern so schmal, rotgepeitscht an der Wand,
Rotgepeitscht an der Wand, und vom Frostwind verbrannt.
Deine kindliche Hand, die das Plätteisen hebt,
Die das Plätteisen hebt, und die Stricke verwebt.
Deine Füße so zart, müssen nackt übers Glas,
Müssen nackt übers Glas, und den Sand blutig-nass.
Als ein Kerzenlicht schwarz, muss ich brennen für dich,
Muss ich brennen für dich, und nicht beten darf ich.
Dutli schreibt:
Die beiden Bände „Mitternacht in Moskau“ und „Die Woronescher Hefte“ habe ich bezüglich der Reihenfolge und Ordnung der Gedichte nach den Aufzeichnungen Nadeschda Mandelstams ediert. Sie wollte das zitierte Gedicht
auf sich beziehen und damit die Woronescher Hefte eröffnen. Allerdings ist diese Entscheidung umstritten, worauf ich auch in meinem Kommentar zum Gedicht auf Seite 258/259 desselben Bandes hingewiesen habe:
„Nadeschda Mandelstam bezieht dieses Gedicht, wenn auch mit einem gewissen Zögern, auf sich; M. habe es aus Angst um sie geschrieben, als sie im Sommer 1934 an Flecktyphus und Dysenterie erkrankt war. Wie bereits die ‚Moskauer Hefte‘, mit dem Anfangsgedicht ‚Die Angst ist bei uns, mit im Bund‘ (30. Oktober 1930), in: MITTERNACHT IN MOSKAU, S. 7, würden somit auch die WORONESCHER HEFTE mit einem – tragischen – Liebesgedicht an Nadeschda Mandelstam eröffnet, mit einem Gedicht voller schrecklicher Vorahnungen.
Doch Nadeschda Mandelstams Sicht wurde aufgrund der Briefe Sergej Rudakows, eines Woronescher Bekannten der Mandelstams, angezweifelt bei Emma Gerstejn, Novoe o Mandel’stame, Paris 1986, S. 168; das Gedicht sei in Wirklichkeit der Dichterin und Übersetzerin Marija Petrowych (1908-1974) zugedacht gewesen. M. war im Winter 1933/1934 in sie verliebt und widmete ihr das letzte Gedicht der ‚Moskauer Hefte‘, ‚Meisterin der schuldbewussten Blicke‘ (Februar 1934), in: MITTERNACHT IN MOSKAU, S. 217. Falls diese Sicht zutrifft, könnte das vorliegende Gedicht ebenfalls bereits um den Februar 1934 entstanden sein und läge damit vor der Woronescher Periode.“
Heute in der Süddeutschen Zeitung (Kleinanzeigen, Verkäufe/Kaufgesuche):
Lyriker sucht Wohnwagen zu leihen od. schenken (zum Leben). 08153/984929
In der Großen Sowjetenzyklopädie hieß es 1934 über ihn: „Er versuchte, sich über das Getümmel der sozialen Kämpfe auf den Gipfel bürgerlicher Kultur zu erheben. Für ihn ist der Sozialismus nur eine Rauchwolke hinter dem Nebel der Theorien und eine Epoche, in der Leute einander ‚verdächtigen’.“ Im gleichen Jahr rief Stalin den sozialistischen Realismus als verbindliche Doktrin für alle Künstler des Staates aus. …
Endgültig in Ungnade fiel Pasternak, als er 1957 den systemkritischen Roman „Doktor Schiwago“ nach Ablehnung durch heimatliche Verlage bei Feltrinelli in Mailand herausbrachte. … Die Stimmung schaukelte sich extrem auf. Vor Pasternaks Haus scharten sich Demonstranten. Auf ihren Schildern stand: „Judas raus!“ Komsomol-Chef Wladimir Semitschastny forderte radikal die Ausweisung des „Feindes“ aus Russland: „Dieser Mann spuckt in das Gesicht unseres Volkes. Ein Schwein scheißt nie dorthin, wo es isst und niemals dorthin, wo es schläft. Man kann Pasternak nicht einmal mit einem Schwein vergleichen, denn ein Schwein würde nie das tun, was er getan hat.“ / Märkische Allgemeine
Biographische Info, Märkische Allgemeine
Argentinien, der Ehrengast der kommenden Frankfurter Buchmesse, stellt sich vor. Oder VOLKER BREIDECKER tut es in der Süddeutschen Zeitung vom 20.5.:
Ihr Ort mag zwar an der Peripherie der Welt liegen, doch nirgendwo ist man Europa aus der Ferne näher – und in der Nähe ferner – als in Buenos Aires. Und schließlich gilt, wozu der Lyriker Daniel Samoilovich im Gespräch rät: Man kann die Weltkarte ja auch schlicht einmal umdrehen. Das lässt viel Raum für Literatur.
Deutsch, Slowenisch, Kroatisch, Englisch, Italienisch, Spanisch und Französisch: In diesen 7 Sprachen findet man die neuen Gedichte des Kärntner Autors Janko Ferk. „10 x 7“, das ergibt 70 Gedichte – oder sind es doch nur 10? Janko Ferk, der selbst auf Deutsch und Slowenisch schreibt, hat für seinen neuen Lyrikband in den zusätzlichen Übersetzern und Übersetzerinnen kongeniale Mitautoren gefunden – ist doch das Übertragen von Lyrik immer auch ein Neuschöpfen! / Ö1
Ein Verlags- und Kulturzentrum aus Rom zu Gast in Berlin
Lesung in deutscher und italienischer Sprache mit Ausstellungseröffnung
Samstag, 29. Mai 2010, 19.30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Mit den Lyrikern Giulio Marzaioli, Michele Zaffarano, Giuliano Mesa sowie dem Direktor von La Camera Verde, Giovanni Andrea Semerano, dem Herausgeber der Lyrik-Reihe felix, Marco Giovenale, und den Übersetzerinnen Elisabetta Mengaldo und Angela Sanmann
Die italienischen Lyriker Giulio Marzaioli, Michele Zaffarano und Giuliano Mesa präsentieren eine Auswahl ihrer poetischen Texte, die sich als experimentelle Suche nach poetischen Ausdrucksformen jenseits traditioneller Gattungsgrenzen verstehen. Ihre Arbeiten sind in der von Marco Giovenale herausgegebenen Reihe felix im Verlag La Camera Verde erschienen.
Neben den Autoren tragen die Übersetzerinnen Angela Sanmann und Elisabetta Mengaldo die eigens für die Lesung angefertigten deutschen Fassungen vor. Außerdem führen sie ein Gespräch mit dem Verleger Andrea Semerano über die Ursprünge und die Perspektiven seines Verlages (in italienischer und deutscher Sprache). Ein zweisprachiges Heft mit den Texten liegt kostenlos aus.
Zugleich: Eröffnung der Foto-Ausstellung von Christian Sanmann berlin. (un)gleichzeitiges zu Gedichten von Angela Sanmann. Der dazugehörige zweisprachige Foto-Lyrikband berliNO allo stesso tempo wurde 2009 bei der Camera Verde veröffentlicht.
Giulio Marzaioli (geb. 1972 in Florenz) lebt in Rom. Er hat neben Gedichten und Prosastücken auch Texte fürs Theater, für Videoinstallationen und zu Fotographien verfasst. Seine Arbeiten wurden in italienischen und ausländischen Zeitschriften, Anthologien und Kunstbüchern veröffentlicht. Seit etwa zehn Jahren arbeitet er mit dem Kulturzentrum La Camera Verde zusammen, bei dem er folgende Titel publiziert hat: Metropolitano, Riflesso, La stanza (Rizoma Tarkovski), Figure di reato, Cavare marmo (Fotoband), La valigia, moduli di prima fase.
Giuliano Mesa (geb. 1957 in Salvaterra in der Emilia Romagna) ist Lyriker, Kritiker und Übersetzer. Neben seinen Gedichtbänden (Auswahl): Schedario (Geiger, 1978), Improvviso e dopo (Anterem, 1997), Nuovola neve (Edizioni d’if, 2003) sind viele seiner Texte in italienischen und ausländischen Zeitschriften erschienen. Zusammenarbeit mit dem Komponist Agostino Di Scipio und dem Videokünstler Matias Guerre für das Werk Tiresia, das lyrische Texte mit elektronischer Musik und Videoinstallationen verbindet. In der Edition der Camera Verde liegen u.a. die Titel 1, 6, 7, Domande. Da Samuel Beckett und Quatr’ in dialèt vor.
Michele Zaffarano, 1970 in Mailand geboren, lebt und arbeitet in Rom. Im Verlag der Camera Verde wurden neben seinen eigenen Texten auch folgende Übersetzungen aus dem Französischen veröffentlicht: Poesie I e Poesie II (Isidore Ducasse), Erodiade (Gustave Flaubert), La saggezza umana (Voltaire). Außerdem sind seine Texte in der Anthologie Prosa in prosa (Le Lettere, 2009) vertreten sowie in zahlreichen Zeitschriften. M. Zaffarano leitet die Reihe chapbooks für zeitgenössische Lyrik des Mailänder Verlags Arcipelago. Zudem ist er Mitbegründer der Internetforums gammm.org für experimentelle Literatur.
Elisabetta Mengaldo, 1977 in Padua (Italien) geboren, lebt in Berlin und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin für deutsche Literatur an der Universität Greifswald. Sie hat eine Dissertation über Georg Trakls Lyrik und Aspekte ihrer Textgenese geschrieben, die in Italien erschienen ist („L’ultimo oro di stelle cadute“. Strutture e genesi testuale della lirica di Trakl, Pisa, Pacini, 2009). Außerdem hat sie verschiedene literaturwissenschaftliche Werke übersetzt und Aufsätze sowohl in deutscher als auch in italienischer Sprache über Friedrich Nietzsche, Georg Trakl und Theodor W. Adorno veröffentlicht.
Angela Sanmann, 1980 in Iserlohn geboren, arbeitet als Übersetzerin und Lyrikerin. Zur Zeit promoviert sie in Berlin und Nantes zu Übersetzungen französischer Lyrik nach 1945. Ihr Gedichtband berlin.(un)gleichzeitiges / berliNO allo stesso tempo ist 2009 bei La Camera Verde in Rom erschienen (mit Fotos von Christian Sanmann). 2007 erschien ihre Übersetzung von Bernard Noëls Monolog La Langue d’Anna bei Matthes & Seitz unter dem Titel Anna – nicht die, die ihr denkt.
Eine gemeinsame Veranstaltung von der Lettrétage und dem Italienischen Kulturinstitut Berlin.
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Lettrétage
Methfesselstr. 23-25
10965 Berlin
Tel. (+49.30) 692.45.38
info@lettretage.de
http://www.lettretage.de
http://www.myspace.com/lettretage
U-Bahn: Platz der Luftbrücke (U6), Mehringdamm (U7)
Im Rahmen eines Freiwilligen Kulturellen Jahres an der KZ-Gedenkstätte beschäftigte sich Lisa Herbst mit der Bedeutung von Lyrik und Musik in den Konzentrationslagern. Einige Ergebnisse ihrer Recherchen wird sie nun einem interessierten Publikum vorstellen. / Neue Nordhäuser Zeitung
Mittwoch, 2.6., 19 Uhr
Die von der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen e.V. geförderte Veranstaltung findet im Kinosaal des Museumsgebäudes der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora statt. Der Eintritt ist frei.
Das poesiefestival berlin setzt die Reihe e.poesie am 7.6.2010 mit zwei Uraufführungen und zwei Deutschen Erstaufführungen fort.
Zum dritten Mal transformiert e.poesie den Eigenklang der Poesie in neue akustische Räume. Am 7. Juni 2010 präsentiert das poesiefestival berlin eine eigene Auftragsproduktion sowie Arbeiten von Gästen des Berliner Künstlerprogramms des DAAD der Sparten Literatur und Musik, die auf unterschiedliche Weise die Übergänge von Sprache in Klang, von Klang in Sprache ausloten.
Die Uraufführung der vom poesiefestival berlin selbst in Auftrag gegebenen, audiovisuellen Poesie-Performance „Constellations“ von Mario Verandi erforscht die Möglichkeiten einer neuen, intermedialen Präsentationsform von Lyrik. Die Performance arbeitet sowohl mit fixierten, auskomponierten Elementen wie mit improvisatorischem Material. Als Grundlage dienen vier Gedichte von Monika Rinck. Die Konstellationen des Kosmos, der Gestirne und Planeten spielen ebenso eine Rolle wie die Konstellationen der Sprache selbst. Dabei steht insbesondere Walter Benjamins Begriff der „ewigen Konstellation“ Pate: „Die Ideen verhalten sich zu den Dingen wie die Sternbilder zu den Sternen. Das besagt zunächst: sie sind weder deren Begriffe noch deren Gesetze. (…) Die Ideen sind ewige Konstellationen und indem die Elemente als Punkte in derartigen Konstellationen erfasst werden, sind die Phänomene mitgeteilt und gerettet zugleich“ (Walter Benjamin, Ursprung des deutschen Trauerspiels).
Der argentinische Komponist Marcelo Toledo befasst sich in seiner „Logomaquia“ mit einem Text der rumänischen Dichterin Nora Iuga. Der kurze Auszug aus Iugas jüngstem Roman Hai să furăm pepeni („Lass uns Wassermelonen stehlen“) ist nicht nur Inspirationsquelle für die musikalische Atmosphäre des Stücks, sondern dient auch ganz konkret – durch die Dichterin selbst gesprochen – als elektroakustisches Klangmaterial.
Von Frédéric Pattar kommt das neue Werk „tresse-ébresztés“ für Gitarre und Violoncello zur Uraufführung, dem Texte des ungarischen Dichters István Kemény zugrunde liegen. Und der in Berlin lebende Stimmband-Artist David Moss (BKP-Gast 1991) unternimmt in seiner neuen Arbeit „HYPERGLYPHYX“ den Versuch, aus dem weltweit flottierenden und nicht stillzustellenden informationellen Codegebrabbel mithilfe von Textfragmenten aus Büchern von Kafka, Melville und Steven Pinker sprechend und singend Puls und Rhythmus unserer prälogischen Proto-Sprache zu rekonstruieren.
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