CHICAGO — The Poetry Foundation, publisher of Poetrymagazine, is pleased to announce that Poetry’s editors have embarked on a new international collaboration. In partnership with the online magazine and archive Poetry International Web(PIW), the editors of Poetry will be responsible for editing content on the global platform’s USA page. While providingPoetry an opportunity to present the best contemporary American poetry to a global audience, the Poetry and PIWalliance simultaneously allows the magazine to share a virtual space with its international counterparts.
Poetry International Web (www.poetryinternational.org), a site which hosts over 2,400 visitors per day, offers the work of contemporary poets from over 40 countries, including Japan, Morocco, and the Ukraine. Over 20 of these countries maintain their own domains, as in the case of Poetry, which has just begun maintaining the site’s USA domain. Poetry International Web creates a truly international destination for poetry readers to discover news, essays, interviews and discussion, but above all poems. Offered both in the original language and in English translation, Poetry International Web seeks to make good poetry—from as many countries as possible—available to an international readership.
Poetry’s first USA issue on PIW highlights contemporary poets W.S. DiPiero, Ange Mlinko, and Atsuro Riley.
Poet, critic and essayist W.S. Di Piero spent the first 21 years of his life in South Philadelphia before moving to his current home in the Bay area. He travelled to Italy on a Fulbright scholarship in 1972, where he began working as a translator. He has since completed the translations from the Italian for collections written by Giacomo Leopardi, Sandro Penna, Leonardo Sinisgalli and Euripides, as well as many short pieces that have appeared in various literary journals.
A regular contributor to the Nation, Ange Mlinko is the author of two books, Matinées (Zoland Books, 1999) and Starred Wire(Coffee House Press, 2005). She was born in Philadelphia, and currently lives in Beirut. Her poems are about urban life, about language and its failings, about the things we see and do not see. The New Yorker praised her “unique sense of humor and mystery.”
Atsuro Riley grew up in South Carolina and lives in California. His heavily stressed, percussive, consonant-rich, free-verse poems conjure up the elemental images of the lives of people inhabiting a specific, acutely portrayed landscape. His poems are dense with impressions, voices and glimpses of people who have experienced the Vietnam War, rural life, and the South.
L´ AMOUR, L´ AMOUR.
Kurzatmige Rentner in einem Pornokino
Verfolgten ohne rechten Glauben
Die schlecht gefilmten Spiele zweier lasziver Paare;
Eine Handlung gab es nicht.
Da hast du, so dachte ich, das Gesicht der Liebe,
Ihr urechtes Gesicht.
Die einen sind verführerisch; sie verführen immer,
Die anderen schwimmen so mit.
Es gibt weder Schicksal noch Treue,
Nur Körper, die einander begehren.
Ohne jede Zuneigung und vor allem ohne Mitleid,
Man spielt und man zerreißt.
Manche sind verführerisch und daher viel geliebt;
Sie dürfen den Orgasmus erleben.
Doch so viele andere sind müde und haben keinerlei Geheimnis,
Nicht mal Phantasien mehr;
Nur noch Einsamkeit, vertieft durch
Die schamlose Freude der Frauen;
Nur noch eine Gewissheit: »Das ist nicht für mich«,
Ein unscheinbares kleines Drama.
Im Sterben werden sie, das ist sicher, recht ernüchtert sein,
Von poetischen Illusionen befreit;
Sie werden die Kunst des Selbsthasses gründlich beherrschen,
Ganz automatisch.
Ich wende mich an alle, die nie jemand geliebt hat,
Die nie zu gefallen wussten;
Ich wende mich an die, die im befreiten Sex nicht vorkommen,
Im rohen Sinnengenuss.
Fürchtet euch nicht, Freunde, da verpasst ihr kaum etwas:
Die Liebe gibt es nirgendwo.
Das hier ist nur ein grausames Spiel, und ihr seid die Opfer;
Ein Spiel für Spezialisten nur.
L´ AMOUR, L´ AMOUR.
Dans un ciné porno, des retraités poussifs
Contemplaient, sans y croire,
Les ébats mal filmés de deux couples lascifs;
Il n’y avait pas d’histoire.
Et voila, me disais-je, le visage de l’amour,
L’authentique visage.
Certains sont seduisants; ils seduisent toujours,
Et les autres surnagent.
Il n’y a pas de destin ni de fidélité,
Mais des corps qui s’attirent.
Sans nul attachement et surtout sans pitié,
On joue et on déchire.
Certains sont seduisants et partant tres aimés;
Ils connaîtront l’orgasme.
Mais tant d’autres sont las et n’ont rien à cacher,
Même plus de fantasmes;
Juste une solitude aggravée par la joie
Impudique des femmes;
Juste une certitude: «Cela n’est pas pour moi»,
Un obscur petit drame.
Ils mourront c’est certain un peu désabusés,
Sans illusions lyriques;
Ils pratiqueront à fond l’art de se mépriser,
Ce sera mécanique.
Je m’adresse a tous ceux qu’on n’a jamais aimés,
Qui n’ont jamais su plaire;
Je m’adresse aux absents du sexe liberé,
Du plaisir ordinaire.
Ne craignez rien, amis, votre perte est minimé:
Nulle part l’amour n’existe.
C’est juste un jeu cruel dont vous êtes les victimes;
Un jeu de spécialistes.
Aus: Michel Houellebecq: Suche nach Glück. Gedichte. Frz.-Dt. Übertragen von Hinrich Schmidt-Henkel. Köln: DuMont 2000, S. 34-37
Neue FIXative bei fixpoetry.com:
+ FIXativ
„Ein Lied wie ein Gedicht“ eine Interpretation des Gedichtes „Dirindina la malcontenta“ – ein altes Schlaflied aus der Toskana von Frank Milautzcki
++ FIXativ
Gedicht: RATINGER HOF, ZETTBEH (3) von Thomas Kling mit einer Interpretation von Frieder von Ammon – Poetische Psychonautik: Thomas Kling über zum Beispiel den Ratinger Hof
+++ FIXativ
Ursula Homann interpretiert Mascha Kaléko und ihre Lieder „Der Fremde“
++++ FIXativ
Das X als Elementargedicht, das Gedicht „Für das X“ von Christine Marendon, interpretiert von Arne Rautenberg
(Der Originaltitel des toskanischen Volkslieds, „Dirindina la malcontenta“, bringt mir via Wort eine amüsante Erinnerung herauf. Als Student befleißigte ich mich auch des Gedichteschreibens, und so kam ich ins Gespräch mit Dr. Dr. Reinhard Weisbach, Lyriker und Multiwissenschaftler und in Sachen Lyrikgeschichte Anhänger einer harten „Heine-Weerth-Weinert-Linie“ als alleinseligmachende Tradition für die sozialistische Lyrik. Ich freilich mochte Heine, gewiß, aber las lieber Benn, Stramm oder Cummings. Er spürte meine Unzufriedenheit, ich weiß nicht ob aus meinem Bartgesicht oder meinen Texten, und wollte mir helfen. In einem Gespräch, das von Alkohol nicht frei war, setzte er mir die historischen Wurzeln meiner Unzufriedenheit auseinander. Sie lagen im 19. Jahrhundert, französische Intellektuelle waren unzufrieden, sie waren malcontents. Die Unzufriedenheit kam von der Malkontenz. So war das erklärt. M.G.)
Es gibt Gedanken, die aus anderen Gedanken hervorgehen. Einige Menschen überraschen uns. Sie ziehen ein weißes Kaninchen nach dem anderen aus dem Zylinder. Das läßt an die russische Puppe Matrjoschka denken. Man kann sie öffnen. Dann erscheint eine weitere Puppe. Das setzt sich fort, wobei die Puppen immer kleiner werden.
Erst ging es mir nur um ein Bei-Spiel
Zum leeren Strom sagte ich: Frei-NIL
Die Nebenabsicht nannte ich: Bei-Ziel
Mein pencil wog so schwer wie ein Blei-Stiel
Walser, Robert kam aus dem Schweiz-Biel
In Kiel zwei Ringer übten den Freistil
bis einer der beiden vom Kai fiel.
(Wilhelm Fink, Hamburg)
(Dieser Briefmappenfund schlüpft in meine Anthologie, Rubrik Wortfest. Beste Grüße nach Hamburg. Michael Gratz)
Und sogar einem Ereignis wie einer Fussball-WM vermochte sie überraschende Seiten abzugewinnen, die weit über das Toreschiessen hinausgehen: «Fussball-Weltmeisterschaft,/ Urahne, Grossvater, Vater und Kind/ am Fernsehkasten versammelt sind./ Schön leer die Landschaft,/ unterwegs nur der Wind,/ und ein Einzelgänger, der bannt,/ dass auch die Erde ein Ball,/ gejagt und gestossen von Unbekannt,/ ein Ball, der in der Zeit/ durch ein allen verborgenes/ Tor gelangt.»
Die Einzelgängerin Erika Burkart besass so etwas wie einen zweiten Blick: Mensch, Natur, Welt gleichzeitig von innen und aussen zu sehen. Sich ihren Gedichten auszusetzen lohnt sich. / Hans J. Ammann, Bieler Tagblatt
Sechs Jahre später demonstriert sie nun in den neun Zyklen von «Geistersehen», dass Naturdichtung immer nur Distanznahme sein kann und mitnichten das mystische Einssein mit den Dingen stiftet. «Was uns die Sicht verbarg», so formuliert in schöner Paradoxie das Gedicht «Imponderabilien», «war das Sichtbare; und wir / kontemplierten das Ding aus Dunst.» An den klassischen Topoi der Naturpoesie – Bäume, Wind, Wolken, Wasser – wird der Versuch unternommen, das Sichtbare in seiner Fragwürdigkeit zu erfassen. In anderen Kapiteln erkundet der poetische Blick Gemälde und Fotografien, die Bildprogramme der modernen Kunst. Oder er tastet sich an den «winzigen Reservaten romantischer Sehnsucht» entlang, am «Blühbemühen» von Bäumen und Blumen. Auch profane Erscheinungen in Industrielandschaften werden thematisiert, wie der Duisburger Hafen oder die Panoramaplattform eines Fernsehturms.
Aufregend und faszinierend werden diese Gedichte, wenn sie ihre Wahrnehmungsexerzitien und ihre Erkundungen von Naturstoffen in klassischen Formen reflektieren. Insbesondere dem Sonett hat Poschmann neue Energien zugeführt. Das lyrische Ich tritt darin zurück hinter der mächtigen Präsenz der Dinge. In den «Vanitasgedanken am Tag» träumt sich dieses Ich hinein in die Erscheinungen des Diversen: «wär ich ein Knusperhaus, ein weher Fiebertraum, / wär ich ein Kirmesplatz mit einem Autoskooter, / wär ich ein Krippenspiel, wär ich ein Ego-Shooter, / ein Dinosaurus-Park, ein grüner Plüschtier-Flaum; // Modellbau schneebesprüht. die Kunststofftannen steif / in Talkum, Bullrich-Salz, in Glasdiamantin. / mesmerisierter Wind. die Reifenspur darin. / Stadtlichter glühwurmgross. ein Rest Kometenschweif. // das Baukastenprinzip moderner Wohneinheiten / negierte mein Gesicht, entzog mir alle Seiten, / als sei ich nur noch Ort. kaum Ort, nicht Ort genug: // Berührungsenergie, Beschwörungsmaterial, / geheimes Futteral für halbe Rituale, / Identifikation mit Flüstern und Entzug.»
Marion Poschmann hat der zeitgenössischen Dichtung die Erfahrungsnaivität ausgetrieben. / Michael Braun, NZZ 25.5.
Marion Poschmann: Geistersehen. Gedichte. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 2010. 126 S., Fr. 30.90.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
We are sometimes amazed by how well the visually impaired navigate the world, but like the rest of us, they have found a way to do what interests them. Here Jan Mordenski of Michigan describes her mother, absorbed in crocheting.
Crochet
Even after darkness closed her eyes
my mother could crochet.
Her hands would walk the rows of wool
turning, bending, to a woolen music.
The dye lots were registered in memory:
appleskin, chocolate, porcelain pan,
the stitches remembered like faded rhymes:
pineapple, sunflower, window pane, shell.
Tied to our lives those past years
by merely a soft colored yarn,
she’d sit for hours, her dark lips
moving as if reciting prayers,
coaching the sighted hands.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©1995 by Jan Mordenski, and reprinted from “Quiet Music: A Plainsong Reader,” Plainsong Press, 1995, by permission of Jan Mordenski and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Literaturfrühling in Leipzig, und alle kommen. DAS „Spezialorgan für Lyrik und ihre Poetologie“, die von Urs Engeler herausgegebene Zeitschrift „Zwischen den Zeilen“ ist gleich mit allen Autoren der aktuellen Nummer dabei: Konstantin Ames, Michael Fiedler, Andrea Heuser, Kerstin Preiwuß, Bertram Reinecke und Daniela Seel lesen Gedichte, Norbert Lange moderiert: wenn das kein Gipfeltreffen jüngster Lyrik ist!
Und es gibt viel mehr. Norbert Lange und Susanna Mewe übersetzen die amerikanischen Lyriker Kevin Prufer und George Oppen und geben Einblick in ihre Werkstatt. Ulf Stolterfoht stellt Cowboylyrik vor (auch bei Engeler!) und Andreas Reimann liest einen Essay über Georg Maurer, (nicht nur) seinen legendären Lehrer. Meistens ist Musik, manchmal auch Bildende Kunst dabei. Leipzig scheint zwei, drei Reisen wert. Lesen Sie das vollständige Programm hier unten.
19. Sächsischer Literaturfrühling
Do 27. Mai, 19.00 Uhr
Kulturwirtschaft „Waldfrieden“, Bornaische Straße 56
Thomas Renker liest „Dass Du mir bleibst“
Musik: Lutz Heinrich (Eisenheinrich).
Gemeinsam mit Heike May bringt der Autor seine einfühlsamen Verse auf die Bühne. Anschließend geben Heike May und Lutz Heinrich ein Konzert.
Sa 29. Mai, 20.00 Uhr
Galerie KUB, Kantstraße 18
Urs Engelers „Zwischen den Zeilen“
Mit Daniela Seel, Andrea Heuser, Michael Fiedler, Bertram Reinecke, Konstantin Ames, Kerstin Preiwuß
Moderation: Norbert Lange
Musik: Diana Moehrke, Aiko Herrmann
Eintritt: 4/2 Euro.
Die Jahresschrift des Schweizer Kultverlegers Urs Engeler hat sich zu dem Spezialorgan für Lyrik und ihre Poetologie entwickelt. „Die nach wie vor beste deutschsprachige Lyrik-Zeitschrift“ lobt Michael Braun im Saarländischen Rundfunk anlässlich des aktuellen Hefts. Wir führen alle Autoren dieser Nummer in Leipzig zusammen. Gemeinsam Lyrik lesen und über Poesie nachdenken werden so unter anderem die Verlegerin Daniela Seel, mit ihrem Verlag „KOOKbooks“ selber eine der ersten Adressen für zeitgenössische Lyrik, der aktuelle open-mike-Preisträger Konstantin Ames und die Münchner Schriftstellerin Andrea Heuser. Diana Moehrke und Aiko Herrmann bearbeiten einzelne Texte musikalisch.
An der Nachricht #108 gefiel mir, wie Surrealismus und Trotzkismus (nicht überraschend) mit Pfingsten (überraschend) zusammenpassen. Eine fröhliche Vielstimmigkeit aus Morgenland, geeignet, uns mit aus dem Westen reimportierten Stimmen in unserer Sonntagszeitungsruhe von Bildweltfas zu stören. Natürlich unmerklich – wir sind harthörig. Surrealismus und Schlimmeres, hach, gibts ja in Deutschland nicht, außer in faßlichen Portiönchen. Hier ein ägyptisches Beispiel (in der Kunst gibt es keine Ausländer):
Georges Henein
Fabel für eine lange Kindheit
Die Sprache ist das Gegenteil des WORTES. Ich meine, die Sprache dient seit Dutzenden von Jahrhunderten dazu, die vom WORT verursachten Schäden wieder zu heilen.
Das WORT hat eins gemeinsam mit dem Fingernagel, ist es nämlich einmal ins Fleisch eingewachsen, wird es unerträglich.
Sind der Freude die Türen verschlossen, die Städte in Quarantäne, die Schnauze plump und der Blick inspiriert, bedeutet die Fleischwerdung den äußersten Grad von Bösartigkeit, nämlich Weltflucht.
Überall, wo das fleischgewordene WORT herrscht, schämen sich die Menschen ihres Fleisches. Es fällt ihnen schwer, noch einige Rülpser Überraschungsfleisch mit sich herumzutragen (man ist doch immer einer Erektion ausgeliefert, nicht wahr…!). Das Ekzem der Reue flößt ihnen irgendeine stinkende Brühe ein. Sie sind bereit, das Leben billig abzustoßen, wie die Verrückten Golgatha zu spielen, nur um das WORT zu mästen. Übrigens ist das die Zeit, wo sich die Löwen über die Geheimnisse der menschlichen Rasse ernsthaft Gedanken machen.
Sobald ihm nach Fleischwerdung ist, schwingt sich das WORT empor. Die Offenbarung ist die rhetorische Form des Alpinismus. Die Namen dieser Luftkurorte sind bekannt: Sinai, Berchtesgaden, der Ölberg. Ihre Höhenlage ist verschieden, aber eins ist sicher: auf die „gute neue Mär“ folgt unweigerlich ein sagenhaftes Gemetzel. Wenn sich das WORT auch nur ein bißchen von seiner Höhe herabläßt, wenn die Geschichte auch nur ein bißchen im Flachland gemacht wird, lassen die Menschen das Grimassenschneiden wenigstens teilweise bleiben. Sie entdecken ganz einfach die Sprache aufs neue. Die Sprache als Ausdrucksweise der menschlichen Freizeit. Die Sprache als Kunst, klare, genießbare Dinge auszudrücken. Beispiel: die Hostie ist WORT. Das Steak ist Sprache. Und wenn man nach Hinweisen sucht, die das heimliche Lächeln des Schicksals bekräftigen, schlage ich folgendes vor: Niemand ist jemals auf den Gedanken verfallen, zu sagen: „Ich habe Lust auf eine gute Hostie.“
Übers. Brigitte Weidmann
In: Das surrealistische Gedicht. Hrsg. von Heribert Becker, Édouard Jaguer und Petr Král. Dritte, korrigierte und erweiterte Auflage. Zweitausendeins / Museum Bochum, Frankfurt am Main 2000. 1888 S., S. 559-561.
Kaffee Burger präsentiert:
Mi 26.5.
21.00 LITERATUR
EXBERLINER Wednesdays präs.
Julian Gough – Free Sex Chocolate – poems and stories
Eintritt 5 Euro
Free Sex Chocolate is a witty, irreverent, and highly original collection of poems and songs by Julian Gough. An acclaimed novelist, this is his first collection of poetry.
Julian Gough was born in London, to Tipperary parents. When he was seven, the family returned to Tipperary. He was educated by the Christian Brothers, back when throwing a boy across the room was considered healthful exercise for both parties. At university in Galway, he began writing and singing with the underground literary rock band Toasted Heretic. They released four albums, and had a top ten hit in Ireland in 1991 with ‘Galway and Los Angeles’, a song about not kissing Sinéad O’Connor.
22.00 LIVE MUSIK
EXBERLINER Wednesdays präs.
Narrow Bridges
Eintritt 5 Euro
A collaboration between Coloma multi-instrumentalist Alex Paulick and the mysterious vocalist Min Stiller, Narrow Bridges exemplifies its sobriquet, linking Argentinean rhythm to Teutonic Chanson within an electro artpop context. Plus they wear funny hats! Their new album comes out next month on Alesque Recordings: we’d call this EXBERLINER Wednesday at Burger performance a record release party, but they won’t let us.
Tanzwirtschaft KAFFEE BURGER www.kaffeeburger.de www.myspace.com/tanzwirtschaft
Torstraße 60, 10119 Berlin. U-Bahn: Rosa-Luxemburg-Platz
Tel: 280 46 495, E-Mail: tanzwirtschaft@kaffeeburger.de
Mo. bis Do. ab 21/22 Uhr, Fr./Sa. ab 22, So. ab 19 Uhr geöffnet.
Bachir El-Sebaie erhielt den Preis des „Nationalen Übersetzungszentrums“ Ägyptens in Höhe von LE100,000. Er hat bisher 65 Bände aus dem Russischen, Französischen und Englischen übersetzt, von Sachbuch bis Lyrik. Darunter viele Klassiker, er übersetzte u.a. Timothy Mitchell, Alain Gresh und Andre Raymond, Tzvetan Todorof, Charles Baudelaire und den ägyptischen Surrealisten Georges Henein. Sebaie schreibt selber Gedichte, die er in unregelmäßigen Abständen veröffentlicht. Er zählt zu den namhaftesten Intellektuellen seines Landes. Sein unermüdlich betriebenes intellektuelles Projekt ist schöpferische Anstrengung. Die Auswahl der übersetzten Bücher zielt auf das universelle menschliche Bemühen um Ausbreitung von Wissen, Ausräumung von Mißverständnissen und Schaffung weiter Kommunikationsräume.
Er wurde 1944 als Sohn eines Agraringenieurs geboren, der regelmäßig Gedichte veröffentlichte, einen Salon in der Deltastadt Damanhour hielt und eine große Bibliothek besaß. Als sein Hauptziel sieht er es, „fortschrittliche Ideen zu verbreiten“. Als junger Mann wurde er Trotzkist, und er nahm sich vor, die ausländischen Quellen dieser Ideen zu suchen. Strahlend erzählt er, daß das erste Buch, das er übersetzte, „Klassenkampf in Ägypten“ war, ein marxistischer Klassiker, ursprünglich auf Französisch von Bahgat El-Nadi und Adel Rif’a geschrieben, die Bücher unter dem Pseudonym „Mahmoud Hussein“ verfassen. Das Buch – wiewohl von seinen Genossen begrüßt – erfuhr keine weite Verbreitung. Sebaie verlor das Manuskript, als es in libanesischer Übersetzung (sic!) erschien.
Sebaies übersetzerisches Werk hat seiner Dichtung Schranken gesetzt. Er hörte nie auf, Gedichte zu schreiben, aber seit Mitte der 90er Jahre hat er kaum etwas veröffentlicht. Es gibt 3 Sammlungen seiner Gedichte: The Silence Troubadour [Der Troubadour des Schweigens?] (1994), Mirrors of the Intelligentsia [Spiegel der Intelligenzia](1995) und The Hope Principal [Haupthoffnung? Prinzipal Hoffnung??] (1996). Sebaie scheint nicht mehr so erpicht darauf, Lyrik zu übersetzen – eine Leidenschaft seiner Jugend. Doch möchte er kein Prinzip daraus machen: „Die Mehrzahl meiner Übersetzungen war intellektueller Art, aus dem Bereich der Geisteswissenschaften, Geschichte und politischer Philosophie mit Bezug auf Ägypten. Daher war ich nicht hauptsächlich literarischer Übersetzer, aber auf Grund meines Interesses am kulturellen Leben Ägyptens begann ich das Werk frankophoner ägyptischer Autoren zu übersetzen, Dichter wie Georges Henein, Ahmad Rasem und Joyce Mansour, um Lücken in der Literaturgeschichte zu schließen und auf Quellen der Avantgarde hinzuweisen.“ In der Tat kann niemand, der die ägyptische Literatur der letzten zwei Jahrzehnte verfolgt hat, den Einfluß dieser Übersetzungen übersehen. Sie stifteten wichtige Veränderungen während der 90er Jahre, die mit seit den 70er Jahren geltenden Normen brachen, wie u.a. der Kritiker Richard Jacquemond bemerkte. Sebaie spielte auch eine bedeutende Rolle bei der Entdeckung des Erbes der Al-Fann wal-Hurriyya-Gruppe, die in den 40er Jahren auftrat; zusammen mit Hisham Ishtah, Herausgeber der alternativen Zeitschrift Al-Kitaba Al-Ukhra, sorgte er dafür, daß ihre Werke wieder gedruckt wurden. …
„Die Dichter der 90er Jahre pflegten Umgang mit dem, was ich aus dem weithin unbekannten Werk der ägyptischen Surrealisten präsentiert hatte“, sagt Sebaie über den Enthusiasmus, mit dem junge Dichter auf diese vermeintlich altmodischen Texte reagierten, „vielleicht weil es sie inspirierte und ihre Wahl für Erneuerung und Wandel bekräftigte. … Junge Leute bekamen das Gefühl, daß sie Vorläufer finden konnten, die nicht unbedingt Nationalisten waren, und vielleicht glaubten sie, was Georges henein sagte, daß es in Bezug auf Literatur und Kunst keine Ausländer gibt.“
Sebaie bestreitet den Vorwurf, der ihm und dem Dichter Ahmad Taha in den 80er und 90er Jahren häufig entgegengebracht wurde: daß die beiden Dichter nur Nachwuchs für verbotene trotzkistische Organisationen heranziehen wollten. „Der Vorwurf grassierte“, sagt er lachend, „aber er war total unbegründet. Daß sich diese jungen Leute für Trotzki interessierten, liegt daran, daß Trotzki für das absolute Chaos eintrat und jede Beschränkung des Denkens und Schaffens ablehnte. Der Trotzkismus hat keine bevorzugte Ästhetik, sondern ist stets auf der Seite der künstlerischen Ehrlichkeit.“
/ Sayed Mahmoud, Al-Ahram #999
Texte von Georges Henein und Joyce Mansour sind in dem „surrealistischen Pflasterstein“ enthalten:
Das surrealistische Gedicht. Hrsg. von Heribert Becker, Édouard Jaguer und Petr Král. Dritte, korrigierte und erweiterte Auflage. Zweitausendeins / Museum Bochum, Frankfurt am Main 2000. 1888 S., damals DM 50,-
Erfrischend an diesem seltsamen Abend waren allein die Musiker: Der Lyriker Raphael Urweider improvisierte am Flügel, und der junge Slam-Poet Kilian Ziegler brachte in seiner Elegie über die Not des eigenen Gewerbes die Worte zum Tanzen – und das Publikum einschliesslich Peter Bichsels ins Schwärmen. Überhaupt die Musik: Was wären die diesjährigen Literaturtage grau gewesen ohne die Virtuosen der Klänge, seien sie im Mundraum oder im Hallraum der Instrumente entstanden. Die Jazzcombo Kobal verband hitzige Riffs mit den Wallungen der Liebeslyrik von Nicolai Kobus; die Frauengruppe Tittanic wiederum inszenierte ein hinreissendes Wechselspiel zwischen Wortwitz und Musik, das treffsicher und pointenschlau unter jede Gürtellinie zielte.
Mitunter haben die Poeten unter den Schriftstellern in diesem Jahr die stärksten Akzente gesetzt – nüchterner zwar als Jaccottets Gesänge, aber mit nicht weniger Emphase. In einem schönen lyrischen Zwiegespräch warfen sich Donata Berra und Aurelio Buletti die Wortbälle zu: die in Bern lebende Mailänderin in zauberhaften Vokal- und Konsonantenkaskaden, der Luganeser Dichter mit spielerisch in Wortbilder verwandelten Reminiszenzen aus dem Alltagsleben. / Roman Bucheli, NZZ 18.5.
Eines seiner Gedichte ist ein langer, mäandernder Satz: der Titel eines Buches, in dem ein deutscher Tourist gerade liest, wird heraufbeschworen, „Mystik für Anfänger“. Zagajewski dreht und wendet diese drei Worte, ironisiert sie und entdeckt dabei ihren Sinn neu. Bei allem, was jetzt, im Augenblick des Gedichts, um ihn herum zu sehen, zu hören und zu empfinden ist, so der Dichter, könnte es sich um Erscheinungsformen einer „Mystik für Anfänger“ handeln. Mystik für Anfänger: die Schwalben über den Dächern von Montepulciano, die Gespräche der Emigranten, die Konturen mittelalterlicher Häuser, aber auch die Nachtigall und „die Reisen, alle Reisen… ein Einführungslehrgang, Prolegomena / zum Examen, das verschoben wurde / auf später.“ / Volker Sielaff, Dresdner Neueste Nachrichten 22.5.
Adam Zagajewski ist am 27. Mai, 20 Uhr, in der Reihe „Literarische Alphabete“ des Literaturforum Dresden im Deutschen Hygiene-Museum zu Gast
Das poesiefestival berlin präsentiert am 10. Juni 2010 zeitgenössische Dichtung Israels.
Dichtung auf Hebräisch hat eine Jahrtausende alte Tradition – aber Ende des 19. Jhs. wurde diese Sprache radikal erneuert, später auch ihre Dichtung. Das poesiefestival berlin zeigt am 10. Juni 2010 in der Akademie der Künste fünf verschiedene poetische Wege, wie zeitgenössische Dichter Israels mit dieser sowohl alten als auch jungen Sprache umgehen. Mit dabei sind die Lautpoetin Anat Pick, die Singer-Songwriterin Rona Kenan sowie die Lyriker Chedwa Harechawi, Amir Or und Shimon Adaf.
Anat Pick arbeitet an den Grenzen der Sprache und verwendet poetische Texte als Material für ihre Performances. Sie benutzt die Phonetik sowohl von westlichen als auch von östlichen Sprachen für ihre sehr körperbezogenen Performancen.
Amir Or experimentiert in seiner Poesie mit Dialekten des Hebräischen. Er bezieht sich dabei immer wieder auf die Tradition, sowohl auf jüdische Gebetsbücher als auch auf griechische Mythen. Einflüsse und Stilmittel der Popkultur verarbeitet hingegen der Dichter, Liedtexter und Rockmusiker Shimon Adaf. Für ihre visionären, fast obsessiven Werke ist für Chedwa Harechawi die Sprache nicht genug. Neben ihrer Arbeit als Dichterin ist sie auch Malerin.
Andere Wege geht die junge Singer-Songwriterin Rona Kenan; Sie hat sich der Gedichte von Lea Goldberg, Yona Wallach u.a. angenommen und sie vertont. Sie beschließt den Abend mit einem Konzert.
Das poesiefestival berlin findet vom 4. – 12. Juni 2010 statt. Der diesjährige Fokus liegt auf dem Mittelmeer.
Das poesiefestival berlin wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und findet statt in Kooperation mit der Akademie der Künste.
Mit freundlicher Unterstützung der MARITIM Hotels Berlin.
Do 10 Juni 2010, 22.00 Uhr
Poetische Zone Israel
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
Mit: Shimon Adaf, Chedwa Harechawi, Amir Or und Anat Pick
In Konzert: Rona Kenan und Eran Weits
Moderation: Katharina Hacker (Autorin, Berlin)
Do 10. Juni 2010, 18.30 Uhr
Poesiegespräch: Schreiben in Israel
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
Mit: Amir Or und Shimon Adaf
Moderation: Katharina Hacker (Autorin, Berlin)
Matinee im Freien Werkstatt-Theater Zugweg. In der Reihe „Die Sonne umarmen – 1000 Jahre deutschsprachige Lyrik von Frauen“ tritt die Lyrikerin Ulrike Draesner auf.
6. Juni in Köln, 11.30 Uhr
Neueste Kommentare