133. Beten darf ich nicht

Nach einer Pause von fünf Jahren, in der er Prosa schrieb, kehrt Mandelstam im Oktober 1930 zur Lyrik zurück. Der Band „Nouveaux poèmes 1930-1934″ versammelt in einer Neuübersetzung durch Christiane Pighetti (nach der von Henri Abril) die Gedichte jener Periode, die mit der Verbannung nach Woronesh endet – darunter das schicksalhafte Epigramm, das zur Verhaftung 1934 führt.

Die Sammlung schließt mit einem Liebesgedicht vom Februar 1934 – einem der schönsten in russischer Sprache –, dessen Intensität das tragische Geschick Mandelstams spiegelt:  „A tes tendres pieds nus d’aller nus sur le verre/d’aller nus sur le verre et le sable sanglant./ Mais à moi en ton nom, cierge noir, de brûler,/ cierge noir, de brûler, et ne pouvoir prier.“* / Monique Petillon, Le Monde 27.5.

*) Das Gedicht fehlt in dem Band „Mitternacht in Moskau. Die Moskauer Hefte. Gedichte 1930-1934“, der 1986 bei Ammann und 1990 als Fischer Taschenbuch erschien. In der Ausgabe des Oberbaum Verlags, Ossip Mandelstam: Wie ein Lied aus Palästina. Gedichte Briefe Dokumente, 1992, lautet es in der Übersetzung von Kay Borowsky / Lydia Titowa: „Deine schmalen Schultern werden die Peitschen röten, / die Peitschen röten, wird der Frost ertöten. // Deine Kinderhände werden Bügeleisen heben, / Bügeleisen heben und Stricke weben. // Deine zarten Füße werden nackt über Glas gehn, / über Glas gehn, wo Blutwinde wehn. // Und ich werd brennen für dich – schwarzes Kerzenlicht, / schwarzes Kerzenlicht, beten darf ich nicht.“

Nouveaux poèmes 1930-1934, d’Ossip Mandelstam. Traduit du russe et présenté par Christiane Pighetti, Allia, 76 p., 6,10 €.

Mandelstam in L&Poe:

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132. Fußballfrust

Claudio Pizarro liest ein Gedicht von Pablo Neruda

Peruaner reagieren sauer. Eine große peruanische Zeitung warf Pizarro vor, damit die Peruaner zu demütigen, die nicht zur Fifa-Fußball-WM dürfen – im Gegensatz zu den Chilenen. Mehr hier.

131. Fragment als Haltung

Vortrag und Lesung von Angelika Janz

(Autorin und Bildende Künstlerin)

Zu der LXVIII.|68.Veranstaltung
der Reihe Personen Projekte Perspektiven

Freitag, den 4. Juni 2010  um 20 Uhr

laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein

Atelierhaus
– Alte Schule –
Äbtissinsteig 6
Essen-S

Fragment als Haltung.

NACH LAGE DER DINGE GIBT ES VERSCHIEBUNGEN. VERWANDTES TRENNT SICH VOM PLAN, PARALLELLAUFENDES WÄCHST ZUSAMMEN. DIE TÄUSCHUNG ENTLARVT, WAS FEHLER BENANNT HABEN. EIN SATZ KRÄUSELT SICH BILDHAFT SCHÖN, JA, EIN WORT,

ZUR LAGE DER DINGE EIN PAARMAL GEWENDET, EIN TRÜMMER, EIN GRUND, EIN STÜCK, DARAUF BAUT SICH DIE REGEL, DAS SPIEL.

Das schreibt Angelika Janz, das Konzept ihrer „Veranstaltung“, einer Text / Bild Montage, skizzierend. Es wird um ihren Text  „Fragment als Haltung“ gehen, den sie – wie auch eine Auswahl ihrer Poems – lesen wird. Ihre Bilder, ihre visuelle Poesie werden als Großprojektion präsent sein. Und in einem Gespräch wird die Autorin und Bildende Künstlerin darauf eingehen, wie und warum sie mehrperspektivisch, auch interdisziplinär arbeitet

Kurzvita: Angelika Janz als Autorin, Bildende Künstlerin und Kunstpädagogin tätig.

Die studierte Germanistin, Kunsthistorikerin und Philosophin war Gründungsmitglied der Jazzband TRILEMMA und mehr als 20 Jahre Mitarbeiterin am Museum Folkwang in Essen. In Essen hatte sie auch – zwischen 1983 und 1993 – ein städtisches Atelier. 1993 siedelte sie von West nach Ost. (Mecklenburg-Vorpommern). Hier organisierte sie Schreib- und Hörspielwerkstätten, baute Jugend- clubs, Kultur- und Kunstwerkstätten auf dem Land auf  und organisierte Kulturfestivals wie  POLNISCHE WOCHE, TANZTENDENZEN und das FESTIVAL NORDISCHER KLANG IN GREIFSWALD. 2005 gründete sie DIE KINDERAKADEMIE IM LÄNDLICHEN RAUM.

Angelika Janz zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen der deutschen Visuellen Poesie.

Nicht nur der experimentelle Umgang mit der Literatur, auch die Verbindung von Wort und Bild durch Bildtextcollagen gehört zum Oeuvre der Künstlerin. Neben Einzelpublikationen ist sie mit zahlreichen Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien vertreten. Darüber hinaus ist ihre Lyrik in die polnische Sprache übertragen worden. Ihre Gedichte, Hörspiele, Aktionen, Performances und Ausstellungen sind mit einer Reihe von Preisen bedacht worden: u.a. erhielt sie 1981 – den nur einmal vergebenen Preis für Experimentelle Literatur der Stadt Düsseldorf. Sie entwickelte 1979 den „FRAGMENTTEXT“, der jetzt fester Lehrstoff am Greifswalder Germanistischen Institut ist.

2008 erhielt sie für ihr außerordentliches Engagement den DEUTSCHEN LOKALEN NACHHALTIGKEITSPREIS  der DEUTSCHEN UMWELTHILFE in Leipzig.

Literatur (Auswahl)

1991 Corridor, Fragmentgedichte, Verlag Scherrer & Schmidt, Köln; 1995 Ein interessantes Frühstück das im Trend zu liegen gehen lernt, Fragmentgedichte von Deut zu Deutung, experimentelle Texte, Hrsg. von Karl Riha, Siegen; 1996 „Schräge Intention“, edition ch, Hrsg. Franzobel, Wien;

2002 „orten vernähte alphabetien“, Lyrik und Prosa, Verlag Wiecker Bote, Greifswald;

Anthologien u.a.: 2002 Anthologie Poetische Sprachspiele vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Hrsg. Klaus Peter Dencker, Reclam Stuttgart; 2006 Jahrbuch der Lyrik, S.Fischer-Verlag;

2009 „An Deutschland gedacht“, Verlag Ralf Liebe, Weilerswist und „Versnetze“ ebda.;

2010 Stimmenwechsel, Klartext Verlag Essen.

Seit 2006 Arbeit an einer Poetologie zum Fragment(gedicht)

Links u.a:

Atelierhaus -Alte Schule- Äbtissinsteig 6  45276 Essen-Steele
Tel.+Fax 0201/515592 – E-Mail doris.schoettler-boll@atelierhaus-essen.dehttp://www.atelierhaus-essen.de
KUNSTRAUM – ALTE SCHULE – e.V.
Wir danken dem Kulturbüro der Stadt Essen und den Freunden des Atelierhauses
für die freundliche Unterstützung dieser Veranstaltungsreihe.

130. Calabash 2010

Seit 10 Jahren findet in Jamaica „Calabash“ statt, ein internationales Lyrikfestival mit hervorragenden Gästen. In diesem Jahr lesen 8 Dichter, darunter Sudeep Sen and Matthew Shenoda. Am kommenden Wochenende findet das Fest statt. „Mit Sen, einem der begabtesten und gefeiertsten jungen Dichter Indiens, und Matthew Shenoda, einem ägyptisch-amerikanischen Dichter haben wir umwerfende (?? „bashical“, das Wort war mir unbekannt und googole dictionary auch) Autoren, raffiniert, ehrgeizig, engagiert und ganz einfach gut“, sagt der Programmdirektor Kwame Dawes. / Jamaica Observer

129. Neue Fusznoten

Die Bettstatt ist ihr zentraler Lebensmittelpunkt und Arbeitsplatz geworden. Hier schläft, liest und schreibt sie. Der ununterbrochene innere Monolog diffundiert in ihre Träume und Halbschlaf-Phantasien. Im Gegenzug träumt sie von Worten und Formulierungen, die sie beim Aufwachen an Ort und Stelle niederschreibt. Träume und Erinnerungen – oft an die Kindheit oder Erlebnisse mit Ernst Jandl –, Lektüre und Geschriebenes wachsen so täglich dichter zusammen. Morgens wacht sie auf dem von Papierfetzen bedeckten Betttuch auf, oder sie findet dort einen grünen Filzstift, der dem Laken seine Spuren eingeschrieben hat.

Dieses reine Geistesleben allein im Denken und Schreiben wird durch die drastischen Beschreibungen des körperlichen Alterungsprozesses konterkariert und durch anarchisch eingestreute Blumenmotive und Naturfragmente poetisch torpediert. / MICHAELA SCHMITZ, Rheinischer Merkur Nr. 21, 27.05.2010

Friederike Mayröcker: ich bin in der Anstalt. Fusznoten zu einem nichtgeschriebenen Werk. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 2010. 190 Seiten, 19,80 Euro.

128. Elke Erb und Greifswald

Einmal, im Frühsommer 1990, verramschten die Greifswalder Buchhändler ihren letzten in der DDR erschienenen Gedichtband „Kastanienallee“ – ein wahrhaft bibliophiles Buch – für 1 Mark der DDR. Sie brauchten Platz für die vielen bunten Bücher, die bald kommen sollten für die harte D-Mark. Immerhin gab es da, zum letzten Mal, Bücher von Elke Erb in Greifswalder Buchhandlungen.

Einmal schrieb sie ein Gedicht mit der Zeile: „Und Greifswalds Vogel ist Greif“.

Einmal sprach ich mit ihr nach einer Lesung im St. Spiritus. Sie versprach mir die Liste der Abweichungen in dem Band „Winkelzüge“ zu schicken. Sie drohte: es werde anstrengend sein, mit ihr über ihre Arbeit zu sprechen.

Sie schickte die Liste nicht, oder schrieb ich ihr nicht. Die Anstrengung fiel aus.

Einmal begann der Greifswalder Verein pom-lit.de einige Monate lang jede Sitzung mit Verlesung eines Gedichts von Elke Erb.

Einmal hielt sie mich im Saal des Koeppenhauses für den einzigen, der ihre Gedichte nicht verstand. Vielleicht hatte sie recht, für den einen Teil der Vermutung. Einmal trug ich einen Koffer fast mit ihrem Gesamtwerk durch die Stadt.

Heute, morgen, wenn Sie nach Greifswald kommen, hängt „Das aktuelle Elke-Erb-Gedicht“ an meiner Tür im Institut für Deutsche Philologie. Wenn Sie mehr wissen wollen, müssen Sie klopfen.

127. Memorial Day

Apropos Kanonerweiterung / -sprengung. Eine Stimme aus Amerika:

Our collection of classic poems of war and remembrance includes works by Li Po, William Shakespeare, Alfred Lord Tennyson, E.B. Browning, Herman Melville, Stephen Crane, Walt Whitman, Thomas Hardy, John McCrae, Carl Sandburg, Wilfrid Owen, Alan Seeger, Robert Frost, Siegfried Sassoon, William Butler Yeats, Thomas McGrath

Bei: about.com.poetry

Darin

Nefarious War
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Li Po (Li Bai, Li-Tai-bo) (c. 750)
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Translated from the Chinese by Shigeyoshi Obata

Last year we fought by the head-stream of the So-Kan,
This year we are fighting on the Tsung-ho road.
We have washed our armor in the waves of the Chiao-chi lake,
We have pastured our horses on Tien-shan’s snowy slopes.
The long, long war goes on ten thousand miles from home.
Our three armies are worn and grown old.

The barbarian does man-slaughter for plowing;
On his yellow sand-plains nothing has been seen but blanched skulls and bones.
Where the Chin emperor built the walls against the Tartars,
There the defenders of Han are burning beacon fires.
The beacon fires burn and never go out.
There is no end to war!—

(Mehr)

126. LITERATURKANON: Weg damit!

titelt die Zeit (nicht von heute. sondern die vorige, die verlorene Zeit. Ich hab sie aber noch und lese erst jetzt.) Aber rennt das nicht offene Türen ein? Jeder Germanistikstudent weiß das doch. Genauso sicher wie er später, wenn er Lehrer wird, den Schulkanon von Autoren, Werken und kanonischen Klischees reproduzieren wird, oder? Haben wir, haben die Schüler dadurch gewonnen, daß sie nicht mehr Horaz, manchenorts nicht mehr Goethe lesen, aber dafür andere Bücher auf die gleiche, schon im Hinblick auf die Prüfungen kanonisierte, kanonisches Wissen erzeugende Weise? Nein, im Gegenteil. Das behindert und verhindert entdeckendes Lesen. Und was wäre der manchmal sogenannte Qualitätsjournalismus ohne das kanonische Wissen, welche Namen zu nennen, zu welcher Preisverleihung zu fahren lohnt. Ach, ihr seid doch viel enger, viel mehr auf eine von euch selber zum Kanon erhobene schmale Basis orientiert als noch vor 15, 20 Jahren. Ich glaube euch nicht.

(Aber lese euch doch, man hofft ja stets.)

Zeit schreibt:

Gibt es Klassiker, die sich überholt haben? Ist Weltliteratur völlig unabhängig von Moden, Zeiten und Geschmack? Junge deutsche Autoren unter 35 prüfen den Literaturkanon.

Die befragten  jungen deutschen Autoren sind Steffen Popp (Grass’ Rättin? Ab auf den Dachboden), Thomas Klupp (Döblins Franz Biberkopf? Lebt nicht!), Clemens Setz (Bachmann? Kaum zu ertragen), Uljana Wolf (Free Kafka now! From the Graben! Free shipping if you order what andere Kunden hier geordert haben.), Paul Brodowsky (Hemingway? Da ist mir zu viel Schweiß), Thomas von Steinaecker (Raymond Carver? Literatur ist mehr als Verkürzung), Tilman Rammstedt (Max Frischs Montauk? Eitles Geraune), Nora Bossong (Brecht? Gedichte, die Lehrer lieben), Leif Randt (Handke? Fühlt sich soft an), Finn-Ole Heinrich (Effi Briest? Dann lieber Punk), Kevin Vennemann (Martin Walser, Böll, Koeppen, Borchert, Grass, Benn …), Daniela Danz (Ich möchte den Kanon nicht entrümpeln. Es soll alles darin bleiben. Wir haben ja das gegenteilige Problem: Wir beschränken uns im kulturellen Bereich immer mehr auf Weniges, das für herausragend gehalten wird.), Susanne Heinrich (Clemens Meyer, du vielleicht?).

Allein wegen dieser Namen und ihrer oft erfrischenden Sätze lohnt die Lektüre. Wenn mir jetzt jemand nachweist, daß die Zeitung oder irgendeine andere die Bücher dieser Autoren alle auch besprochen hat, zitiere, falsch: ziehe ich den Hut. (Hab ohnehin keinen).

125. Geheimnisvergrößerer

Aufgabe des Künstlers sei es, das Geheimnis zu vergrößern, sagte der Maler Francis Bacon. Er hätte damit Oswald Egger meinen können, wenn dieser dichtet: „Ein Lenzen mit Firnrinde auf / dieser reif-vereisten / Moosweide. / Ich säe / Basiliskenkraut / in Kurven / und viele Furchen“. Dieser bäuerliche Tätigkeitsbericht durchzieht auch das soeben erschienene Buch „Die ganze Zeit“. Tirolische Flurnamen, süd- oder oberdeutsche Phänomene wie „Wucht-Gumpen“ werden von Zeitangaben jäh unterbrochen und strukturiert. Es ist immer wieder ein Erlebnis, den Autor selbst lesen zu hören, zu hören, wie er scheinbar zufällig einsetzt, wie er Pausen setzt und das soeben Gesagte mal selbstironisch, mal sprichworthaft nachflackern lässt: „Ich habe ein / Streifenfell / vergoldet, mit / Knöpfchen besetzt“. …

„Mein Leben war eine Feuer-Lilie, die auf Heu blüht“: Eine Feuerlilie betritt als erste das Feld von 742 Seiten. Feuerrot ist auch das Buch, das in einer Auflage von 2500 Exemplaren erscheint, mit einem labyrinthischen grünen Fadenmuster auf dem Leineneinband: Poesie, die trotz ihrer 1200 Gramm wunderbar in der Hand liegt. Sie verheißt ein echtes Abenteuer, wenn man sich auf sie einlässt.

Für sein ungeheures Vorhaben, die Zeit in ihrer Gänze mit den Mitteln der Poesie zu erfassen, beziehungsweise sich diesem Desiderat zu stellen, hat sich Egger des Geleitschutzes zweier prominenter Stewards oder Platzanweiser versichert: Ein Ausschnitt aus den „Confessiones“, den „Bekenntnissen“ des Augustinus führt in das Werk ein. Egger übersetzte selbst die Passagen aus dem Lateinischen neu, in denen Augustinus die Zeit als menschliches Bewusstseinsphänomen definierte. Gut siebenhundert Seiten später weist der spätantike römische Philosoph Boëthius den Weg wieder hinaus. „Wenn wir deshalb den Dingen treffende Namen beilegen wollen“, schrieb Boëthius, „so wollen wir sagen, dass Gott ewig, die Welt aber dauernd ist.“ / KATRIN HILLGRUBER, FR 27.5.

Oswald Egger: Die ganze Zeit. Suhrkamp Verlag, Berlin 2010, 742 Seiten, 44,80 Euro.

124. „Matthias“ BAADER Holst (1962 – 1990)

all die toten albanier meines surfbretts

dada, punk und sinnregime (1982 – 1990)

29. Mai bis 30. Juli 2010

Zur Eröffnung der Ausstellung am Freitag, dem 28. Mai um 19 Uhr, lädt der Beigeordnete für Jugend, Schule, Soziales und kulturelle Bildung der Stadt Halle (Saale), Herr Tobias Kogge, Sie und Ihre Freunde herzlich ein.

Eröffnung mit Peter Wawerzinek (Berlin), „Gedenkminute“

und Jan Möser (Halle) an der Gitarre.

Kuratoren Moritz Götze und Peter Lang

In Zusammenarbeit mit Heinz Havemeister und Tom Riebe.

Besonderer Dank gilt den Eltern Elisabeth und Günther Holst.

Herzlicher Dank geht an Peter Wawerzinek, alle Leihgeber, Unterstützer, Freunde und Freundinnen.

Stadtmuseum Halle, Galerie
Große Märkerstraße 10
06108 Halle (Saale)
Di. bis So. 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr
montags geschlossen
Tel. 0345 / 221 3030

Anläßlich der Ausstellung erscheinen zwei Bücher im Hasenverlag Halle. (www.hasenverlag.de) In Vorbereitung ist ein umfangreiches Materialbuch.

123. Besuch in Meran

Am 06. Mai war es wieder soweit: Studierende des Innsbrucker Germanistik-Instituts verließen gemeinsam mit Prof. Wolfgang Wiesmüller, Prof. Sieglinde Klettenhammer (FB Neuere deutsche Literaturwissenschaft) und Dr. Ruth Esterhammer (FB Angewandte Literaturwissenschaft) Seminarräume und Bibliothek und machten sich auf den Weg nach Meran zur Vergabe des Meraner Lyrikpreises 2010 / uibk 25.5.

122. Junge Poetik: Monika Rinck

So heißt eine Veranstaltung im Rahmen des Frankfurter Literaturm-Festivals

Mi 26. Mai 18.00 Uhr

Moderation Christian Metz (Goethe-Universität Frankfurt)

Poesie und Liebe sind auch in der Gegenwart ein Paar und führen ein unerschöpfliches Gespräch über die immer selben Fragen. Gut, dass sich vor einiger Zeit die in Berlin lebende Autorin Monika Rinck in dieses Gespräch eingeschaltet hat. Mit ihren Gedichtbänden „Verzückte Distanzen“ (2004), „zum fernbleiben der umarmung“ (2007) sowie mit ihrem Essay „Ah, das Love-Ding!“ (2006) denkt Monika Rinck Liebe und Literatur neu. Dabei schreibt sie so „poetisch, ironisch, assoziativ und atemberaubend originell“, dass wohl nicht nur der Literaturkritiker Denis Scheck die Lektüre ihrer Bücher „wie einen schönen Abend in einer Lounge“* empfindet. Rincks Arbeit beschränkt sich jedoch keineswegs auf das „Love-Ding“. Als poetische Archivarin der Gegenwart führt sie seit 1996 ihr „Begriffsstudio“, und ihr enzyklopädischer Lyrikband „Rincks Ding- und Tierleben“ (2009) sorgt für jene „Helle Verwirrung“, die er im Titel trägt.

Ort OpernTurm, 18. OG, Tishman Speyer, Bockenheimer Landstraße 2–4
Eintritt 4 Euro
Anfahrt U6/7 (Alte Oper), alle S-Bahnen außer S7 (Taunusanlage)

Außerdem im Programm Prosa von Lutz Seiler und Ulrike Draesner und:

Do 27.5. 18.00 OpernTurm, 18. OG
Junge Poetik Matthias Göritz

*) schön, poetisch, atemberaubend usw., ja doch! Aber Lounge?? Ach geht mir!

121. Filmpremiere und Lesung am 03.06. in Köln: Urban Electronic Poetry

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht der 2005 komplett im Westen Kanadas gedrehte Film urban electronic poetry. Der Film verschmilzt die Gedichte deutschsprachiger AutorInnen der Gegenwart zu mehreren möglichen urbanen Geschichten.

In einem ausgewogen dramaturgischen Rhythmus werden die Autoren Thorsten Nesch, Stan Lafleur und Kersten Flenter Gedichte live performen sowie ausgewählte Sequenzen aus dem Film zeigen.

Termin: 03.06.2010 Veranstaltungsort: Spielraum in der Wohngemeinschaft, Richard-Wagner-Str. 39, 50674 Köln. Einlass: Ab 19:30 Beginn: 20:00 Uhr, Eintritt: 9 Euro Austritt: Frei

Veranstalter: Das Wortreich
Weitere Infos hier.

/ firmenpresse

120. «Deutscher Geist. Ein amerikanischer Traum»

Amerikanische Bezüge fehlen bei Lessing und Lasker-Schüler, aber zugestehen muss man, dass die strikt alphabetische Ordnung der Exponate kuriose Nachbarschaften stiftet: Ein Typoskript Ingeborg Bachmanns kommt neben Walter Benjamins erster Reinschrift der «Berliner Kindheit um 1900» zu liegen; ein Zettelkasten Hans Blumenbergs, der einen Blick auf Einträge zum Stichwort «Amerika» gewährt, steht zwischen Gottfried Benns auf eine Speisekarte getipptem Gedicht «Astern» und Rudolf Borchardts Übertragung eines Poems von Edna St. Vincent Millay. Gerade Borchardt ist ein interessanter Fall, denn der auf Europas Kultur stolze Schriftsteller hatte grosse Lyrik in Amerika für unmöglich gehalten. Millays Gedichte belehrten ihn eines Besseren. / Joachim Güntner, NZZ 26.5.

«Deutscher Geist. Ein amerikanischer Traum». Literaturmuseum der Moderne, Marbach am Neckar. Bis 3. Oktober. Zur Ausstellung ist ein «Marbacher Magazin» erschienen, zweisprachig deutsch/englisch.

(Die von David Wellbery und Ernst Osterkamp kuratierte Ausstellung war eigentlich für Amerikaner gedacht, aber die Finanzkrise durchkreuzte den Plan. Wir sehen alles ein. Gerade mußten wir den armen Banken mit paar hundert Milliarden aufhelfen, worauf die prompt wieder Milliardengewinne machen, indem sie fröhlich weiterzocken, da capo ad finem. Da kann man nicht gleich paar tausend Euro für Lyrik ausgeben – klar doch!)

119. Meine Anthologie 43: Gedicht mit Kommentar

Ich sage noch ein Wort für die ausgesuchtesten Ohren: was ich eigentlich von der Musik will. Dass sie heiter und tief ist, wie ein Nachmittag im Oktober. Dass sie eigen, ausgelassen, zärtlich, ein kleines süsses Weib von Niedertracht und Anmuth ist … ich werde nie zulassen, dass ein Deutscher wissen könne, was Musik ist. Was man deutsche Musiker nennt, die grössten voran, sind Ausländer, Slaven, Croaten, Italiäner, Niederländer – oder Juden; im andren Falle Deutsche der starken Rasse, ausgestorbene Deutsche, wie Heinrich Schütz, Bach und Händel. Ich selbst bin immer noch Pole genug, um gegen Chopin den Rest der Musik hinzugeben: ich nehme, aus drei Gründen, Wagner’s Siegfried-Idyll aus, vielleicht auch Liszt, der die vornehmen Orchester-Accente vor allen Musikern voraus hat; zuletzt noch Alles, was jenseits der Alpen gewachsen ist – diesseits… Ich würde Rossini nicht zu missen wissen, noch weniger meinen Süden in der Musik, die Musik meines Venediger maëstro Pietro Gasti. Und wenn ich jenseits der Alpen sage, sage ich eigentlich nur Venedig. Wenn ich ein andres Wort für Musik suche, so finde ich immer nur das Wort Venedig. Ich weiss keinen Unterschied zwischen Thränen und Musik zu machen, ich weiss das Glück, den Süden nicht ohne Schauder von Furchtsamkeit zu denken.

An der Brücke stand
jüngst ich in brauner Nacht.
Fernher kam Gesang:
goldener Tropfen quoll’s
über die zitternde Fläche weg.
Gondeln, Lichter, Musik
trunken schwamm’s in die Dämmrung hinaus …

Meine Seele, ein Saitenspiel,
sang sich, unsichtbar berührt,
heimlich ein Gondellied dazu,
zitternd vor bunter Seligkeit.
– Hörte Jemand ihr zu? …
Friedrich Nietzsche, Ecce Homo (1908): Warum ich so klug bin. 7