94. Gedichte über Bäume

Vielleicht muss man sich die Gedichte laut vorlesen, um sie in all ihren Feinheiten würdigen zu können. Wie Hamburger etwa über dunkle O-Laute die massige Eiche tatsächlich auf dem Blatt verwurzelt, ist eine Kunst für sich: ‚On wide floorboards four centuries old, / Sloping, yet scarcely worn, I can walk.‘

Peter Waterhouse hat in seiner Übersetzung immer wieder erstaunliche Lösungen gefunden. Manchmal mag eine Formulierung etwas zu antiquiert klingen, etwa wenn er ‚Fearful because she loved it best‘ in ‚Furchtsam weil ihr Teuerstes‘ verwandelt. Doch kleine Umstellungen im Satzbau oder Wechsel auf andere Lautfelder erlauben es ihm andernorts, nicht nur die rhythmischen Variationen der Verse im Deutschen nachzubilden, sondern auch ihre atmosphärische Kraft. / NICO BLEUTGE, SZ 15.5.

MICHAEL HAMBURGER: Baumgedichte. Zweisprachige Ausgabe. Aus dem Englischen von Peter Waterhouse. Folio Verlag, Wien und Bozen 2009. 63 Seiten, 19,50 Euro.

93. Gedichte mit Wucht

… lautet der Titel der Kritik zum Konzert von Natalie Merchant in der Süddeutschen Zeitung von heute (Münchner Kultur):

Ergreifend: Natalie Merchant in der Freiheizhalle

Natalie Merchant hatte in ihrer Karriere bereits viele Posten inne. Folk-Idol, Labelbesitzerin, Philanthropin und immer auch Ausnahme-Songschreiberin. Letzteres ist mittlerweile obsolet. Denn sämtliche Texte auf ihrem neuen Album „Leave your Sleep“ hat sie geklaut, hat sich zumindest inspirieren lassen. Es sind vertonte Gedichte. Und schnell wird klar, dass es sich hier weniger um ein Konzert als vielmehr um eine Einführungs-Vorlesung in die angelsächsische Lyrik der letzten 200 Jahre handelt – …

92. Geld

Ein besonders inniges Verhältnis zum Geld haben einige Eidgenossen, was der Ostschweizer Josef Ackermann dem Publikum immer wieder beweist. Zuletzt durch seine fast selbstlose Beteiligung an der „Hilfe“ für „die“ Griechen. Seine „verrückte Form“ der „Hilfe“ kostet Ackermann nicht nur nichts, sie bringt ihm mehr Kohle in die Kasse, als er ausgibt für griechische Staatsanleihen, für die die deutsche Bundesbank sich verbürgt, während Ackermann die Zinsen von den griechischen Steuerzahlern kassiert. So dekliniert man „solidarische Hilfe“ auf schweizerisch-finanzkapitalistisch. Null Risiko – ein todsicheres Geschäft.

Was das Verhältnis „der“ Schweizer zum Geldschiebertum betrifft, ist das nur die halbe Wahrheit. Der Schweizer Dichter Charles Ferdinand Ramuz (1878-1947) lebte zeitlebens in Geldnot, aber nach seinem Tod schmückt sein Porträt die 200-Franken-Note. Wiedergutmachung auf schweizerisch. Solche sublime Rache ereilte auch den sehr konservativen Kapitalismuskritiker Jacob Burckhardt (1818-1897). Die Geldherren verewigten ihn zur Strafe auf der 1.000-Franken-Note. / Rudolf Walther, taz 18.5.

91. Poetry Foundation Launches Free POETRY iPhone App

New app turns iPhone into mobile library with hundreds of searchable and sharable poems

CHICAGO — The Poetry Foundation, publisher of Poetrymagazine, is pleased to announce the release of its new POETRY iPhone app (poetryfoundation.org/iphone), making available for the first time on a mobile device a virtual poetry library of more than 1,400 complete poems by classic and contemporary poets from William Shakespeare to César Vallejo to Heather McHugh.

The unique POETRY app offers hundreds of well-known poems by contemporary and classic poets, including T.S. Eliot, Pablo Neruda, Lucille Clifton, Emily Dickinson, and many, many others; easy access to new poems from the pages of Poetrymagazine; a topic-based searchable database of poems to suit any mood or occasion; a folder for saving favorite poems; the capacity to share poems with friends through Facebook, Twitter, or e-mail; and an engaging, user-friendly interface specifically designed for the iPhone.

“The POETRY app, unlike other poetry applications, draws from the best contemporary poems published in Poetry magazine, while also including much-loved poems from the public domain,” said Catherine Halley, editor of poetryfoundation.org. “Given the popularity of the iPhone and the successful launch of the iPad, we think this is an exciting, fun, and practical way to get more people reading poetry. With the POETRY app, great poetry is always accessible—during commutes, for instance, or between appointments.”

POETRY app users can find poems two ways, through the gamelike “Discover Poetry” interface, which allows users to find poems by chance, or through the “Find Poetry” interface, which enables people to search for poetry by keyword, subject, title, or poet.

Adventurous readers might choose the “Discover Poetry” option. Upon shaking the iPhone or pressing the Spin button, the phone becomes a slot machine, spinning through pairs of emotions and subjects such as “insecurity and love” or “nostalgia and youth,” and eventually settling on a list of poems characterized by one of these combinations. Users then try their luck, sliding through emotions or subjects and exploring poems related to various combinations.

The POETRY app is available free in the Apple iTunes Store. For more information or to download the app, visit poetryfoundation.org/iphone.

90. Dichtung aus Griechenland „Zwischen Kalliope und Krise“

Das 11.  poesiefestival berlin präsentiert am 7.6.2010 aktuelle Dichtung aus Griechenland.

In Griechenland erhebt eine neue Generation von Dichtern ihre Stimme. Sie setzt sich ebenso mit der reichen lyrischen Tradition des Landes auseinander wie mit dem aktuellen Geschehen. Von der Möglichkeit der Weltwahrnehmung durch Sprache bis zur Beschreibung der Situation in den Athener Straßen reichen ihre Themen. Am 7.6.2010 präsentiert das poesiefstival berlin zeitgenössische Dichtung aus Griechenland „Zwischen Kalliope und Krise“.

Der aus Tschetschenien stammende Jazra Khaleed (*1979, Grosny) bereichert die griechische Dichtung mit neuen Ideen und Rhythmen. Seine Lyrik ist eine Anklageschrift gegen die Ungerechtigkeiten im heutigen Griechenland.

Dimitra Kotoulas (*1974, Komotini) lyrische Stimme ist frei von Sentimentalität und Ästhetizismus. Ihre Gedichte, oft polyphone Monologe, sind eine andauernde Suche nach den richtigen Begriffen, die die Lücke zwischen Wort und Welt füllen könnten.

Die Gedichte von Yannis Stiggas (*1977, Athen) zeichnen sich ungeachtet seines Alters durch Reife und Klarheit aus, sie überzeugen durch die Kraft ihrer Bilder und starke Rhythmen. Durch die andauernde Gegenüberstellung von Innen- und Außensicht, abstrakten und konkreten Betrachtungen, bewegen sich seine Texte an den Rändern der Wahrnehmung, an den Grenzen der Poesie.

Deutlich älter als diese Dichter ist Titos Patrikios (*1928, Athen): Im Zweiten Weltkrieg war er Widerstandskämpfer und entkam nur knapp der Exekution. Während der Militärdiktatur wurde er politisch verfolgt, musste fliehen und lebte im Exil. Diese Erfahrungen bestimmen sein Leben und Werk. Der engagierte politische Dichter und sensible Erforscher der Wirklichkeit des Alltags und der Gefühle verbindet in seiner Dichtung scharfe, kritische Beobachtungen mit den Wunschträumen eines Menschen, der viel gelitten aber dennoch seinen Mut nicht verloren hat. Er wurde ausgezeichnet mit dem Griechischen Nationalpreis für Literatur.

Das poesiefestival berlin wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und findet statt in Kooperation mit der Akademie der Künste.

Mit freundlicher Unterstützung der MARITIM Hotels Berlin.

Mit freundlicher Unterstützung durch: Griechische Kulturstiftung, Zweigstelle Berlin, Hellenische Republik – Ministerium für Kultur und Tourismus

Mo 7.  Juni 2010, 18.30 Uhr

Poesiegespräch: Solange mich die Erinnerung bewohnt, kehre ich zurück

Akademie der Künste, Hanseatenweg 10

Mit Titos Patrikios (Autor, Athen)  Moderation: Maike Albath (Literaturkritikerin, Berlin)

Mo 7. Juni 2010, 20.00 Uhr

Zwischen Kalliope und Krise

Akademie der Künste, Hanseatenweg 10

Lesung mit Jazra Khaleed, Dimitra Kotoula, Titos Patrikios und Yannis Stiggas  Moderation: Giorgos Lillis (Autor, Bielefeld)

89. Harald-Gerlach-Literaturstipendium für Röhnert

Seit fünf Jahren lebt der Lyriker und Essayist Jan Volker Röhnert mit seiner Familie in Weimar. Der 33-Jährige erhielt gestern in Erfurt das mit 12 000 Euro dotierte Harald-Gerlach-Literaturstipendium. Aus Oberndorf bei Gera stammend, studierte er in Jena und lehrte hier auch sechs Jahre lang. Zuletzt war er als Lektor des Deutschen Akademischen Austauschdienstes an der Uni in Sofia tätig. Die Thüringer Allgemeine sprach mit ihm:

Lyrik wird seltener gelesen.

Ich wundere mich oft darüber. Eigentlich ist ein Gedicht das richtige Medium unserer Tage, wo man oft wenig Zeit hat. Die Vorliebe für die dicken Schwarten hat aber vielleicht etwas mit einem Verlangen nach Kontinuität zu tun. Und viele moderne Gedichte arbeiten wie ein Videoclip. Das macht vielen Probleme. Obwohl das Gleichzeitige unserer täglichen Erfahrung entspricht.

Mehr hier und hier.

Namensgeber des Stipendiums ist der in Erfurt geborene Schriftsteller Harald Gerlach, der vor 9 Jahren starb. Im März erschien aus Anlaß seines 70. Geburtstages ein Sammelband:

Harald Gerlach: So ist alles gesagt. Ausgewählte Texte aus den Jahren 1972-2000, hrsg. von Bettina Olbrich. Nora Verlagsgemeinschaft Dyck & Westerheide, Berlin, 168 S., 15 Euro (Besprechung)

80 Porträtgedichte Gerlachs über Dichter, Künstler, Freunde und Verwandte, darunter jenes über den Anakreontiker Johann Peter Uz, will der Weimarer Wartburg-Verlag im Herbst dieses Jahres vorlegen.

88. Meine Anthologie: Jürgen Dziuk an Li-Tai-Bo

Jürgen Dziuk

an Li-Tai-Bo

in den Büchern steht,
Du bist ertrunken,
als Du den Mond
aus dem See
schöpfen wolltest


doch sag‘,
was nirgendwo steht:
ist es Dir
gelungen?

In: was bleibt ist Ferne. Gedichte. Hrsg. von Àxel Sanjosé und Richard Dove . Weilerswist: Verlag Ralf Liebe 2007, S. 109

Jürgen Dziuk wurde 1960 in Nürnberg geboren, er studierte Amerikanische Kulturgeschichte, Sinologie und Ethnologie in München, bereiste u.a. Taiwan, Nepal und Singapur und übersiedelte 1993 aus beruflichen Gründen nach Malaysia, wo er schon 2004 starb. Sein Werk wurde bis auf wenige Ausnahmen erst postum in dem Band veröffentlicht, aus dem dieses Gedicht stammt.

87. Der letzte Marxist

Der italienische Schriftsteller Edoardo Sanguineti ist am Dienstag (18.5.) in seiner Heimatstadt Genua gestorben. Der Dichter, Kritiker und Übersetzer war Mitbegründer der „Gruppo 63“, einer 1963 in Palermo entstandenen Bewegung junger italienischer Schriftsteller, die in Anlehnung an die deutsche „Gruppe 47“ gegen die damalige Gesellschaft aufbegehrte.* …

Man konnte sich schon mal die Zähne an seinen Gedichten ausbeißen. Da war nichts irgendwie schnell Konsumierbares, weit und breit kein Sonnenuntergang, kein Herz und Schmerz. Reime hasste er. In der Welt so wie sie nun mal ist, reimt sich ja auch nichts und lieblich, rosenumrankt ist schon mal gar nicht. / CARL WILHELM MACKE, Titel-Magazin

In a tribute, President Giorgio Napolitano recalled how he came to know and appreciate Sanguineti when the two were Communist lawmakers in Parliament from 1979-1983. State TV said Sanguineti liked to call himself „the last Marxist.“

Feltrinelli, which published much of his work, hailed him as a „stubborn and intelligent critical conscience of our time, a craftsman of language and formidable poet of provocation and play.“

Sanguineti, who was born in Genoa in 1930, was an expert on Dante, taught literature at several Italian universities, wrote plays and essays as well as poems. / AP

Mehr: Der Standard / Trierischer Volksfreund / La Stampa / la Città di Salerno („La lezione di Sanguineti nella Salerno del ’68“

Ausschnitte aus Berios Laborintus II nach (u.a.) Texten von Sanguineti:

http://www.youtube.com/watch?v=D68nomyXlxs

Volker Sielaff stellte den Autor jüngst in sprache im technischen zeitalter vor:

Polyglotter Spieler, Mystiker leiblicher Ekstase
Der italienische Dichter Edoardo Sanguineti
(aus Heft Nr. 186, S. 134-135)

Vgl. L&Poe 2009 Mrz #80. Renner: „Neue Serie“ ab 2009

* aber in ästhetischer Hinsicht aufgeschlossen zur Avantgarde hin war. Sagen wir: einer Gruppe 47, der Oskar Pastior hätte beitreten können?

86. Edition Rugerup

Rugerup, 17.05.2010

Liebe Freunde der Edition Rugerup,

Ilma Rakusa hat kürzlich in einer sehr schönen Rezension von Innokentij Annenskijs “Wolkenrauch” die Edition Rugerup in der NZZ “verdienstvoll” genannt. Da ging mir auf, daß “verdienstvoll” nichts mit “verdienen” zu tun hat. Was nicht so schlimm wäre, kämen im Herbst nicht eine Anzahl schöne Bücher heraus und somit Kosten auf uns zu.

Wir suchen deshalb Bücherpaten, die ihr Lieblingsprojekt unterstützen. Geplant sind:

“Beredter Norden – schottische Lyrik seit 1900”

65 schottische Dichter werden von 26 herausragenden ÜbersetzerInnen  vorgestellt. Iain Galbraith hat seit über einem Jahrzehnt an dieser außergewöhnlichen Anthologie gearbeitet, die nicht nur eine neue Welt öffnet, sondern auch deutlich Spaß macht.

“So schmeckt ein Stern – norwegische Lyrik des 20. Jahrhunderts”

Klaus Anders und Andreas Struve haben die schönsten norwegischen Gedichte des letzten Jahrhunderts ausgewählt, übersetzt und mit einem Vor- und Nachwort bereichert.

“Legende vom Abholen” – ein neuer (und grandioser) Gedichtband von Thomas Kunst, dessen “Estemaga” wir vor zwei Jahren veröffentlicht haben.

“Das Schachspiel”

Jan Kochanowski (1530 – 1584) war der erste Dichter, der auf polnisch (und nicht etwa auf latein) schrieb und gilt bis heute als Begründer der polnischen Dichtkunst. In diesem erzählenden Gedicht spielen zwei Edelmänner Schach um die Hand der dänischen Prinzessin, einem verhilft sie diskret zum Sieg. Thomas Daiber hat das Gedicht nicht nur in überzeugenden Reimen und Rhythmen übersetzt, sondern auch in einem klugen Nachwort kommentiert. Die Schachpartie kann man nachspielen!

Derek Mahon – Ausgewählte Gedichte

Mahon wird in Irland als einer der großen Dichter aus der Generation von Seamus Heaney geschätzt, viele halten ihn für dem Nobelpreisträger ebenbürtig. Margitt Lehbert und Hans-Christian Oeser stellen sein Werk erstmals auf deutsch umfassend vor.

Ob wir das alles schaffen? Wenn nicht, das Frühjahr 2011 kommt bestimmt! Aber ein wenig zittern wir vor den Druckkosten, das schöne Aussehen unserer Bücher liegt uns sehr am Herzen. Wenn eines dieser Projekte Sie besonders begeistert, können Sie durch eine Patenschaft helfen, das Buch zu ermöglichen.

Es grüßt sehr herzlich Margitt Lehbert

Nimrod Förlag AB Edition Rugerup
Önneköp 8047 24298 Hörby Schweden
tel/fax: +46 415-60337 email: info@rugerup.de
www.rugerup.de

Rugerup in L&Poe

85. Li Bai in Vancouver

Die Gedichte des chinesischen Dichters Li Bai (701-762) wurden am Montagabend in Vancouver gefeiert, als zur Eröffnung des Monats des asiatischen Erbes in der kanadischen Stadt Werke des Meisters in 10 Sprachen vorgelesen wurden.

Die Gruppe World Poetry Extravaganza, die sich vorgenommen hat, das Werk der großen Dichter der Welt zu verbreiten, erzählte die Lebensgeschichte des Dichters aus der Tangdynastie (618-907), die als Gipfelzeit der chinesischen Lyrik gilt, in Richmond, der benachbarten Satellitenstadt, wo Chinesen fast die Hälfte der 193.000 Einwohner darstellen.

Der Sinologe Jan Walls nannte ihn einen der größten chinesischen Dichter neben Du Fu and Wang Wei. Während er über die Zeiten in China immer gelesen wurde, erreichte er den Westen erst 1862 über eine französische Übersetzung. H.A. Giles brachte ihn 1901 ins Englische. Walls sagte, an Li Bai schätze er besonders seinen Humor und seinen Sinn für romantische Stimmungen. Li Bai war ein großer Wanderer, der schrieb, wo immer er sich aufhielt. Er „machte Erlebnisse unvergeßlich in einer einprägsamen Sprache, gleich ob man ihn auf Chinesisch, Englisch oder in irgendeiner anderen Sprache liest.“  / Al Campbell, Xinhua 18.5.

Den Text der französischen Übersetzung, die auch Grundlage für die deutsche Fassung von Hans Bethge war, findet man hier:

Poésies de l’époque des Thang
traduites du chinois et présentées
par le Marquis d’Hervey-Saint-Denys

Zuletzt in L&Poe

Aus dem alten Archiv (oben rechts über „Archiv“ erreichbar):

  • 2002 Nov # Den Beginn einer monumentalen Geschichte
  • 2004 Jan # China setzt sich mit einem Dichter auseinander,
  • 2005 Jan #58. Abschied
  • 2005 Okt #39. Nationales Poesiefestival in Ma’anshan (China)
  • 2005 Nov #6. Erstes „Fest der Dichter“ in Anhui
  • 2007 Jul #40. Der Dichter Li Bai
  • 2008 Mrz #15. WRITING ON THE WALL

84. Gut an Schernikau

… ist, das ich ihn so vorstellen kann, wie er die Schriftstellerin Gertrude Stein vorstellte. Ronald M. Schernikau lebte von 1960 bis 1991, er war ein Deutscher und sehr dünn und ziemlich arm, er lebte in Berlin und Leipzig, er liess sich manchmal den Oberlippenbart kürzer schneiden und er übte den Beruf des Genies aus.

Der Verbrecher Verlag hat jetzt Aufsätze, Reportagen und Gespräche Schernikaus gesammelt. Viele davon sind in der DVZ/die tat, einer ehemaligen, der DKP nahe stehenden Zeitung erschienen. / Stefan Gleser, Berliner Umschau

Ronald M. Schernikau: Königin im Dreck. Texte zur Zeit. Hg. von Thomas Keck. Verbrecher Verlag, Berlin 2009. 304 S. ISBN: 978-3-940426-34-5. 15,00 Euro

83. Asher Reich und SAID

Der heute 62-Jährige, der von 2000 bis 2002 Präsident des deutschen PEN-Zentrums war, ist ein Grenzgänger zwischen zwei Kulturen geblieben. Nur einmal, nach dem Sturz des Schah 1979, versuchte er kurz eine Rückkehr in den Iran, doch das Regime der Mullahs, das sich dort etablierte, stieß ihn ab. Er reiste wieder nach Deutschland. Das Niemandsland, schreibt er, könne man „nur mit Liebe befruchten“.

Jetzt hat sich SAID an einem besonderen Brückenschlag versucht. In dem Buch „Das Haus, das uns bewohnt“, führt er ein poetisches Zwiegespräch mit dem israelischen Dichter Asher Reich.

Der 72-jährige Reich war noch in einem Palästina geboren worden, das unter britischem Protektorat stand. Er wuchs im orthodoxen Stadtviertel Jerusalems auf, das er mit 18 Jahren verließ. Der Journalist wurde mit seinen Gedichten zu einem der bedeutendsten Schriftsteller Israels.

„Das Haus, das uns bewohnt“: Das sind jeweils 40 Gedichte von SAID und Reich, die aufeinander reagieren, sich antworten. / Claus-Jürgen Göpfert, FR 18.5.

Asher Reich und SAID, 18.5., 20 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm, Frankfurt, Waldschmidtstraße 4, 069/24449941

82. Ausgezeichnet

Die österreichische Dichterin Friederike Mayröcker wird am Dienstag (18. Mai, 19.00 Uhr) mit dem Horst-Bienek-Preis für Lyrik der Bayerischen Akademie der Schönen Künste ausgezeichnet. Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung wird der 85-Jährigen in der Münchner Residenz überreicht, wie die Akademie mitteilte. Mayröcker sei eine „der kreativsten und vielseitigsten Sprachkünstlerinnen der Gegenwart“. Ihre „imposante Produktion“ zeichne die „magische Art und Weise“ aus, „wie es ihr gelingt, ihre abgeschlossenen und veröffentlichten Werke, sei es nun Lyrik oder Prosa, immer wieder durch neue Sprach- und Schreibfindungen zu übertreffen“. / Freie Presse

81. American Life in Poetry: Column 269

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

It is enough for me as a reader that a poem take from life a single moment and hold it up for me to look at. There need not be anything sensational or unusual or peculiar about that moment, but somehow, by directing my attention to it, our attention to it, the poet bathes it in the light of the remarkable. Here is a poem like this by Carolyn Miller, who lives in San Francisco.

The World as It is

No ladders, no descending angels, no voice
out of the whirlwind, no rending
of the veil, or chariot in the sky—only
water rising and falling in breathing springs
and seeping up through limestone, aquifers filling
and flowing over, russet stands of prairie grass
and dark pupils of black-eyed Susans. Only
the fixed and wandering stars: Orion rising sideways,
Jupiter traversing the southwest like a great firefly,
Venus trembling and faceted in the west—and the moon,
appearing suddenly over your shoulder, brimming
and ovoid, ripe with light, lifting slowly, deliberately,
wobbling slightly, while far below, the faithful sea
rises up and follows.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2009 by Carolyn Miller, from her most recent book of poems, Light, Moving, Sixteen Rivers Press, 2009. Reprinted by permission of Carolyn Miller and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

80. Poetry-Slam-Landesmeisterschaft in Mannheim

Beim „BW-Slam“ 2010, der ersten Poetry-Slam-Landesmeisterschaft, wurde viel gelacht. …

Der Pokal, Ruhm und Ehre sowie ein Startplatz bei den deutschsprachigen Meisterschaften im Ruhrgebiet gingen an den Heidelberger Lokalmatador Daniel Wagner. / ka-news