G&GN-INSTITUT NEUKÖLLE HELAAF / Im Angesichte des permatraumatischen Weltzustandes ist es wohl müßig, nach dem Sinn & Zweck politischer Gedichte zu fragen: Sie bewirken nichts oder zumindest NICHT GENUG („sogar“ Ginsberg konnte die Welt nicht retten), müssen aber trotzdem geschrieben werden, wenn/weil sie seelisch „einfach“ passieren! Im Rahmen seiner „fortgeschrittenen“ Schreibtherapie konnte Herr De Toys nicht verhindern, daß folgende Verse mit Querverweisen auf zwei bereits vorhandene Texte auf ihn niederprasselten, Widerstand war zwecklos…
Tom de Toys, 15.3.2011
(für H.Hübsch, K.Pohl, T.Kunst und H.ToussainT)
PLANET DER ADLIGEN AFFEN
(NEUROPOELITISCHER STREICH)
EIGENTLICH hätte ich an dieser stelle
so richtige lust ein radikales gedicht
zu schreiben in dem ich mich selber
in jeder zeile zitiere um nicht auf
inspirationen zu warten während
woanders millionen unschuldige daran
krepieren daß keiner was ändert bevor
das PASSIERT was uns in einem jahr
von der heiligen filmindustrie als
brandneuer nervenkitzel verkauft wird
um von den einnahmen überdimensionale
grabsteine auf überdimensionalen
betonflächen zu bauen mit inschriften
wie dieser die jedem das wasser wie
säure in die geschminkten augen treibt:
DIE NATUR IST GRAUSAMER ALS
JEDE LITERATUR KEIN WORT KANN
DIE PHYSIK ÄNDERN KEIN TEXT
KANN DEN OZEAN ZÄHMEN
das herz steht fast für 1 sekunde still
und der zuschauer schluckt und dann
schaltet er schnell auf den pornokanal
um sich von seiner eigenen zukunft nur
1 weitere nacht nur 1 einzige nochmal
abzulenken und blättert im foto-album
mit all den omas, opas, onkeln, tanten,
schwestern, brüdern, kindern, enkeln,
eltern, freunden, halbverwandten alle
tot und nie mehr lebend alle ausradiert
und nie mehr da – die straßen leer die
klingelschilder ausgetauscht die möbel
stehen jetzt in fremden häusern aber
wir: wir hatten glück wir sind die alten
die die noch nicht tot sind die noch leben
die noch denken dichten fühlen schreiben
können wenn sie wollen wenn sie spüren
könnten wie verdammt tief dieser schmerz
uns in der mitte direkt in der SEELE trifft
und einen urschrei in den zellen zeugt der
nie mehr nie nie nie verstummt und nie mehr
irgendeinen präsident beim wort nimmt
denn wir leben auf wir leben auf wir
leben auf dem legendären trunkenen planet
der superadligen doppelplusoberaffen wo
alle oberhäupter sich in ihrem selbst
verstrahlten urlaubsdomizil am garantiert
tsunami-echten whirlpool sonnen und nur
darauf warten daß die massenmedien einen
besseren skandal zur kundenwerbung finden
und der abgrund immer wieder zugeschüttet
werden kann die endlosgrube wird gefüttert
dieser schlund aus billiger vergesslichkeit
im hinterschädel dieses schwarze loch der
dumpfheit trägheit selbstgenügsamkeit die
lieber wartet bis es wieder wieder und wieder
passiert was von der heiligen filmindustrie
schon nächstes jahr als nervenkitzel…
aber wir sind NICHT ohnmächtig wir sind nur
der eigenen hypnose als gefährlichste natur-
gewalt in unseren gehirnen ausgeliefert wir
sind die die retten könnten was zu retten ist
wir sind diejenigen die sogar schlimmeres
vermeiden und vorbeugen könnten wenn wir
diesen schmerz nicht erst im nachhinein im
nachhinein im nach und nach hinein hinein
in unser herz hinein nicht erst im nachhinein
nachlassen lassen sondern JETZT in dem moment
wenn wir die lüge spüren und die lage noch
nicht aussichtslos gesetze ändern weil die
seele vollbewußt die seite wechselt aus dem
totenreich des alltagsfanatismus hin zur
gegenwart der gegenwart der gegenwart der
gegenwart der gegengegen gegenwart und gegen
wart und wart das gegenwort zur gegentat
(c) Erstveröffentlichung als „Schmer-ZEN“-Jubiläumsteil 20 (V.10: 15.3.11)
QUELLE: http://poemie.jimdo.com/therapietrip/20-fortsetzung/
ORIGINALAUSZÜGE & QUELLEN DER BEIDEN ZITIERTEN QUERVERWEISE:
1)
„(…) das denken / das gehetzte / denkt nur weitere verletzte / / oh wie er sich / doch verschätzte / als er sprach und dabei / nur die lügen weiterdachte / nach und nach / die möglichkeit vergaß / der dummheit frei zu widersprechen / / MIT DEM GEGENWORT / / trotz alltagsstreß / und freizeitspaß / spürst du / daß etwas anders läuft / seit dieser traum sich angehäuft / im raum gebiert / geschützt / mit offenen gefühlen / urgewärmt (…)“
De Toys, in: FRÜHLINGSSCHOCK (22.4.1994)
(c) Erstveröffentlichung im vergriffenen Frühwerksquerschnitt:
„DIE WELT ALS SCHOCK UND ERWEITERTE TATSACHE“ (G&GN 1995);
wiederveröffentlicht 2008 (und jetzt als kostenloses PDF!) in:
„WARUM HAST DU NICHT ZUR ANDEREN SEITE GESCHAUT?“
NEUE DOWNLOAD-QUELLE: http://poemie.jimdo.com/neuropoesie/
2)
„(…) die natur ist grausamer als jede literatur. kein wort kann die physik ändern. kein text kann den ozean zähmen. der hai frißt alle gedichte. das wasser ertränkt jeden text. zwei hefeweizen sind genug, um nach hause zu kommen. die bar ist total verqualmt. die klamotten werden später stinken. Katrins neuer fortsetzungsroman, zweites kapitel. Kai Pohl heißt jetzt für mich ‚Kein Pardon‘, sein langgedicht war das highlight des abends. highlight heißt jetzt höhensonne oder ‚LSD light‘. höhensonne heißt jetzt hitzeschlag. hitzeschlag heißt jetzt ‚hit the beat‘. hitthebeat heißt eigentlich GINSBERG IST HÜBSCH. hübsch heißt eigentlich heilig. heilig heißt eigentlich geheilt. geheilt heißt eigentlich entlassen. entlassen heißt eigentlich frei. frei heißt eigentlich vogelfrei. vogelfrei heißt eigentlich sichere flugroute. ‚LSD light‘ heißt im grunde verheirateter szenetourist. der Prenzlauer Berg liegt mitten in Neukölln. Neukölln heißt eigentlich NICHTS NEUES AUS NEUKÖLLN. nichts neues heißt eigentlich ewigkeit. also ist Neukölln das paradies auf erden. paradiese kennen keine dunkelziffer. dunkelziffer heißt jetzt schwarzes loch. (…)“
De Toys, in: „Therapietrip: DAS DURCHLEUCHTEN DER MATERIE“, Teil 13 (V.01: 8.2.2011) – QUELLE:
http://knk.punapau.dyndns.org/publisher/site/knk/public/obj/page.php?obj=12784
(c) Gedruckte Erstveröffentlichung in abgewandelter Form *eingebettet bei:
„DAS KÄNGURU VON SONIC YOUTH“ von Kai Pohl
*(eingebettet heißt jetzt angeglichen heißt jetzt zugeschnitten heißt jetzt maßgeschneidert heißt ja EIGENTLICH wie angegossen heißt jetzt lektoriert soll heißen: lesbar gemacht – SOLL HEIßEN: druckreif vom original abweichend könnte bedeuten zielgruppengerecht)
2003 gründete Daniela Seel den Verlag kookbooks, dem es in kürzester Zeit gelang, die deutsche Verlagslandschaft aufzumischen. Ihrem Einsatz ist es wesentlich zu danken, daß eine ganze Schriftstellergeneration plötzlich auch für eine größere literarische Öffentlichkeit sichtbar wurde. Ihr Motto: „kookbooks. Agenten der Schönheit. Labor für Poesie als Lebensform“

Neu im Frühjahr:
L&Poe wird diese Titel in einer Serie zum Frühjahrsprogramm der Lyrikverlage vorstellen.
Ich beginne mit dem russischen Dichter Alexej Parschtschikow. (Auch bei übersetzter Literatur füllen die neuen Verlage unverzeihliche Lücken selbst bei den „großen“ Sprachen wie Englisch oder halt Russisch, siehe auch Luxbooks oder die Edition Rugerup oder vorher Galrev. 1990 erschienen ein paar Gedichte von Parschtschikow [andere Schreibweise: Parstschikow] in einer Anthologie des Oberbaum-Verlags, auch so einer, bei dem ich nach der „Wende“ u.a. Bücher von Richard Anders und Ossip Mandelstam kaufen konnte). Parschtschikow ist in 15 Sprachen übersetzt, aber in Deutschland, wo er mehr als zehn Jahre verbrachte, erst postum.
1954 im äußersten Osten des Riesenreichs in der Nähe von Wladiwostok geboren, aufgewachsen in der Ukraine, wo er Landwirtschaftswissenschaften studiert, um später zur Literatur zu wechseln – die Biographie verzeichnet Literaturstudien am Moskauer Literaturinstitut und in Stanford. 1989 debütiert er in Kiew und wird zu einem wichtigen Vertreter der „Metarealisten“. Seit 1995 lebte er in Köln, wo er im April 2009 starb.
Jetzt erscheint der zweisprachige Band Erdöl · Gedichte. Russisch-Deutsch. Aus dem Russischen von Hendrik Jackson.
Hier mit freundlicher Genehmigung des Verlags eine Probe:
ДЕНЬГИ
I
Когда я шёл по Каменному мосту,
играя видением звёздных войн,
я вдруг почувствовал, что воздух
стал шелестящ и многослоен.
В глобальных битвах победит Албания,
уйдя на дно иного мира,
усиливались колебания
через меня бегущего эфира.
В махровом рое умножения,
где нету изначального нуля,
на Каменном мосту открылась точка зрения,
откуда я шагнул в купюру «три рубля».
I I
У нас есть интуиция — избыток
самих себя. Астральный род фигур,
сгорая, оставляющий улиток.
В деньгах избытка нету. Бурных кур,
гуляющих голландский гульден,
где в бюстах королевская семья,
по счёту столько, сколько нужно людям, —
расхаживают, очи вечности клюя.
Купюры — замеревшие касания,
глаза и уши заместить могли б.
Ты, деньги, то же самое
для государства, что боковая линия для рыб.
Geld
I
Ich lief auf Moskaus Steinbrücke und stellte
mir vor, dass jetzt der Krieg der Sterne sei,
da fühlt ich plötzlich, wie die Luft sich wellte,
voll vielschichtiger Raschelei.
In den globalen Kämpfen siegt Albanien,
und Schwankungen von Ätherwellen drangen
durch mich durch, begannen zuzunehmen,
bis ich auf Grund, in andre Welten sank.
In sich multiplizierend-dichten Schwärmen,
wo nie ein absoluter Nullpunkt existiert,
auf jener Brücke – zeigte sich das Panorama
eines Drei-Rubelscheins, in das ich schritt.
I I
Uns ist Intuition zu eigen, dieses Überfließen
aus sich heraus, in einer Art Astralform,
die verbrennt, doch ohne Spuren von Indizien.
Das Geld kennt keinen Überschuss. Die Hühnerschar
der Gulden: eifrig wandernd, unter Blicken
der alten KoÅNnigsbüsten, grad
so viel, wie nötig sind, im Umlauf, picken
sie Augen einer Ewigkeit, flanieren auf und ab.
Denn Scheine sind Berührungen, doch schon erloschen.
Sie sind für Augen, Ohren ein Ersatz.
Und was den Fischen
die Seitenlinie, bist du, Geld, dem Staat.
Alexej Parschtschikow: Erdöl · Gedichte. Russisch-Deutsch. Aus dem Russischen von Hendrik Jackson
kookbooks _ Reihe Lyrik _ Band 19
ca. 160 Seiten, gestaltet von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, ca. 19.90 Euro, ISBN 9783937445434
erscheint vorraussichtlich 3/2011
Dass und wie die Avantgarde der russischen Gegenwartsdichtung – von Alexei Parstschikow über Sergei Birjukow bis hin zu Wera Pawlowa – mit Vorliebe ausserhalb Russlands operiert, ist durch eine fast 1000-seitige Anthologie dokumentiert, die kürzlich in Moskau unter dem Titel «Der befreite Odysseus» vorgelegt wurde und die poetische Texte von 244 russischsprachigen Autoren aus 26 Ländern zu einem eindrücklichen Panorama zusammenschliesst. / Felix Philipp Ingold, Neue Zürcher Zeitung 17.8. 2005
Moderne russische Poesie seit 1966
Berlin, Oberbaum Verlag, 1990. 401 S.
Ausschreibung
Die Literaturwerkstatt Berlin und die Crespo Foundation schreiben zum 19. Mal den open mike aus. Es werden drei Preise vergeben, ein Preis für Lyrik und zwei Preise für Prosa. Der open mike ist mit insgesamt 7.500 € dotiert.
Teilnehmen können deutschsprachige Autorinnen und Autoren, die nicht älter sind als 35 Jahre (Stichtag: 15.7.2011) und noch keine eigenständige Buchpublikation vorzuweisen haben. Eingereicht werden kann entweder kurze Prosa, ein in sich geschlossener Auszug aus einem Großtext ODER Lyrik. Die Texte dürfen weder veröffentlicht (betrifft auch Internet, Zeitschriften, Anthologien und Dokumentationen jeder Art) noch zu einem anderen Wettbewerb oder Stipendium eingereicht worden sein. Jeder Teilnehmer kann nur eine Bewerbung einreichen.
Der Umfang der eingereichten Texte muss in etwa einer 15-minütigen Lesezeit entsprechen. Deutlich zu lange oder zu kurze Einsendungen kommen nicht in die Auswahlrunde.
Formatvorgabe: A 4-Format, einseitig bedruckt, Schriftgröße 12, Zeilenabstand 1,5. Die Manuskripte müssen in zweifacher Ausfertigung als lose Blätter (ohne Heftung) eingesandt werden. Auf den Manuskriptseiten darf weder der Name des Absenders noch ein Zahlencode, Kennwort o. ä. erscheinen. Eine kurze Biographie mit Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse ist beizulegen. Eine Rücksendung der Manuskripte kann leider nicht erfolgen.
Einsendeschluss ist der 15. Juli 2011 (Datum des Poststempels).
Wettbewerbsablauf:
Weiterlesen
Anders als Raimund Fellinger („pathostrunkener Dilettant“, vgl. #69 vom 11.2.2011) urteilt man im katalanischsprachigen Raum über Thomas Bernhard als Lyriker:
Bernhards Lyrik – insbesondere Unter dem Eisen des Mondes und In hora mortis – hat auch über die literarische Archäologie hinaus einen eigenständigen Wert wegen ihrer Ausdruckskraft, der Kühnheit ihrer Bilder und der Intensität einer poetischen Stimme, die darauf versessen ist, Zeugnis über das Leiden des Menschen in der Welt abzulegen. /ara.cat
Der Artikel bespricht die Präsentation des Bandes Unter dem Eisen des Mondes in der katalanischen Übertragung durch Ramon Farrés (‚Sota el ferro de la lluna‘), erschienen im Verlag Lleonard Muntaner Editor (Mallorca) in der Reihe „L’Obriülls“, die von Arnau Pons herausgegeben wird.
Zum fünften Mal wird heuer der „Literaturpreis Ohrenschmaus“ in den Kategorien Lebensberichte, Prosa und Lyrik vergeben. Bis zum 31. August 2011 können Texte von Menschen mit Lernschwierigkeiten eingereicht werden. …
Bis 31. August 2011 sucht die Jury um Felix Mitterer herausragende Texte, die LeserInnen neue Einblicke ermöglichen und zur Vielfalt der Literaturlandschaft beitragen sollen. Der „Ohrenschmaus“ versteht sich als Förderpreis, der Texte von Menschen mit Behinderungen prämiert und ihnen den Zugang zur Literatur ermöglichen möchte. / OTS
In Libyen, da gehts jetzt zua, und aa bei d Nachbarn is ka Ruah, und de EU, wia a klana Affi, schaut hilflos auf den Herrn Gadaffi. Doch aa der "Yes, we can"-Obama traut si den Kerl ned weggazrama, weu alle sagn, und da wirst hi, mia brauchen doch de Energie! Jagt kana den Diktator fuat? Gehts, tummelts euch, es brennt da Huat! In Japan hat de Erdn bebt, wia des no kana hat erlebt, und dem Tsunami seine Wogen habn s halbe Land dann überzogen, und brennt habn die Raffinerien, a paar Atomkraftwerk san hin. Doch alle sagn, ja, das Atom und s Öl, des brauch ma doch fürn Strom! Und s gibt kan, der dagegn was tuat, weu niemand merkt, es brennt da Huat. / Karlheinz Hackl (Mehr)
„Erschließen und interpretieren Sie das folgende Gedicht! Diskutieren Sie abschließend, ob der Lebenswandel eines Schriftstellers für die Beurteilung seines Werkes von Belang ist.“ / Georg Buschmann, Offenbacher Post
*) Lasen meine Augen at first sight – der erste Blick ist der beste.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Ellery Akers is a California poet who here brings all of us under a banner with one simple word on it.
The Word That Is a Prayer
One thing you know when you say it:
all over the earth people are saying it with you;
a child blurting it out as the seizures take her,
a woman reciting it on a cot in a hospital.
What if you take a cab through the Tenderloin:
at a street light, a man in a wool cap,
yarn unraveling across his face, knocks at the window;
he says, Please.
By the time you hear what he’s saying,
the light changes, the cab pulls away,
and you don’t go back, though you know
someone just prayed to you the way you pray.
Please: a word so short
it could get lost in the air
as it floats up to God like the feather it is,
knocking and knocking, and finally
falling back to earth as rain,
as pellets of ice, soaking a black branch,
collecting in drains, leaching into the ground,
and you walk in that weather every day.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©1997 by Ellery Akers, whose most recent book of poetry is Knocking on the Earth, Wesleyan University Press, 1989. Reprinted from The Place That Inhabits Us, Sixteen Rivers Press, 2010, by permission of Ellery Akers and the publishers. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Spätestens nach dem Ersten Weltkrieg beginnt die serbische Literatur das Schicksal anderer europäischer Literaturen zu teilen: Expressionistische Ambivalenz, avantgardistische Subversivität, moderne Ambitionen, ein hochmoderner Welthorizont bis hin zur postmodernen, skeptischen Verspieltheit. Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahre 1948, brach Tito mit Stalin. Das hatte auch literarische Konsequenzen. Statt „sozrealistischer“ Langeweile wie im Ostblock war der Surrealismus die inoffizielle ästhetische Staatsdoktrin Jugoslawiens. …
Vor allem starke Lyrikerinnen aus mehreren Generationen, alle mit souveräner Stimme und oft mit feministischem Touch, sind auf der serbischen literarischen Szene präsent. Die Tendenz, dass Frauen sich ihren Platz erobern, zeichnet sich klar ab. Die Zukunft der serbischen Literatur wird zu einem großen Teil weiblich sein. Dies bestätigt die Lyrik von Dragana Mladenovic, die am Dienstag zusammen mit Goran Samardžić und Vladimir Pištalo im Literaturhaus Köln lesen wird. Ganz gleich, ob sie das alte Pathos der Lyrik mit neo-dadaistischem Genuss zersetzt oder Langgedichte über gesellschaftliche Tabus – Kriegsverbrechen inklusive – schreibt: ihre Stimme hat bereits einen unverwechselbaren Klang. / Dragoslav Dedovic, Kölner Stadtanzeiger
Man würde gerne die Gedichte von Nicolas Born gesammelt herausgeben. Schöne Idee, fand Familie Born und schlug den einen oder anderen mit der Epoche vertrauten Dichterkollegen als Herausgeber vor. Dafür sei leider kein Geld da, antwortete der Verlag. Vielleicht könne man einen Doktoranden mit der Arbeit betrauen. „Die Vorstellung, dass das irgendein Student macht, fand ich grauenhaft“, erzählt Katharina Born lachend in ihrer lauschigen Wohnung im 18. Arrondissement. Sie entschied sich, die Herausgabe der Gedichte ihres Vaters selbst zu übernehmen. Zwei Jahre widmete sie sich der Aufgabe, „ein Full-time Job“, sagt sie. / Sascha Lehnartz, Welt am Sonntag
Was machen die kleinen Verlage zur Buchmesse? Bei Reinecke & Voß liest man:
Das Profil des Verlages Reinecke und Voß wird geschärft und soll zukünftig auf der Geschichte der modernen Literatur und aktuellen literarischen Entwicklungen liegen.

Das klingt vielversprechend. Pünktlich zur Buchmesse erscheint ein Beitrag zur Geschichte der Moderne:
Aloysius Bertrand: Gaspard de la Nuit – Phantasien in der Manier Callots und Rembrandts. Aus dem Französischen übertragen von Jürgen Buchmann mit einem Nachwort des Übersetzers.
150 Seiten
Paperback 19×12
ISBN: 978-3-9813470-9-8
11,90 Euro
Erscheint am 17.3.11
Aloysius Bertrand (1807-1841) verbrachte sein Leben am Rande der Gesellschaft, besessen von seinem Werk. Gegen den zeitgenössischen Kult des Individuums macht der Gaspard de la Nuit die rätselhafte, beunruhigende Welt der Objekte geltend. Die Übertragung des Dichterphilologen Jürgen Buchmann, der eine kongeniale Neuinterpretation des kühnen Textes beigegeben ist, liest sich bei aller Wortgetreue wie ein Originaltext der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts.
„Dieser wundervolle Ring, der im Tumult der romantischen Wogen wie der der Dogen ins Meer geworfen und verschlungen wurde, kommt heute wieder zum Vorschein, zurückgebracht von den reinen Kämmen der Flut.“
Stéphane Mallarmé
„Das seltene, wenig gekannte Buch, das ehemals Baudelaire zu seinen Prosagedichten anregte und das vielleicht eins der liebenswürdigsten ist, die die ganze französische Romantik hervorgebracht …“
Stefan George
„Bertrand ist Surrealist in der Vergangenheit.“
André Breton
„Aloysius Bertrand zählt zweifellos zu den wichtigsten Autoren der Moderne.“
Helen Hart Poggenburg
Hier zwei Texte aus dem Buch (mit freundlicher Genehmigung des Verlags):
DER ALARM
Kein Mädchen hängt so zärtlich
An des Geliebten Ring,
Als er an seiner Flinte
Und seinem Degen hing.
(Spanische Romanze)
DIE Fenster der Spelunke flammten im fernen Feuer der sinkenden Sonne auf, ein Pfau saß auf dem Dach, und der Pfad schlängelte sich leuchtend ins Gebirge.
***
„Still da! habt ihr nichts gehört?“ fragte einer der Briganten und drückte das Ohr an die Spalte des Fensterladens.
„Mein Maultier hat in der Remise einen fahren lassen“, sagte einer der Treiber.
„Schafskopf!“ rief der Bandit, „ich werde für einen Furz deines Viehs meinen Karabiner laden! – Alarm! Alarm! Eine Trompete! die Gelben Dragoner sind über uns!“
Und mit einem Mal verstummte das Geschepper des Geschirrs, das Gezirp der Gitarren, das Gekicher der Mägde und der Wirrwarr der Stimmen, und ein Schweigen breitete sich aus, in dem man das Summen einer Fliege vernommen hätte.
Aber es war nur das Horn eines Kuhhirten. Die Treiber tranken ihre halbgeleerten Schläuche aus, ehe sie die Tiere säumten, um das Weite zu suchen; und die Banditen, mit denen die feisten Schlampen dieses finsteren Etablissements vergebens anzubändeln suchten, kletterten auf die Hängeböden, gähnend vor Langeweile, Müdigkeit und Schlaf.
(Aus Buch IV: Spanien und Italien)
DAS TOTE PFERD
Der Totengräber: Ich will Euch Bein verhandeln, dass Ihr Knöpfe schafft!
Der Abdecker: Ich will Euch Bein verhandeln,
dass Ihr schmucke Degenknäufe schafft!
DIE WERKSTATT DES SCHWERTFEGERS
DER Schindanger! Und zur Linken, unter Klee und Luzerne, die Gräber eines Kirchhofs; rechts steht ein ausgedienter Galgen und bettelt den Vorübergänger an wie ein Krüppel, dem ein Arm fehlt.
***
Gestern wurde ihm der Garaus gemacht; die Wölfe rissen ihm das Fleisch vom Halse, dass es in langen Streifen herunterhängt; man möchte meinen, er sei für einen Ausritt mit einem Busch roter Bänder geschmückt.
Jede Nacht, wenn der Himmel fahl ist vom Mondlicht, fliegt dieser Kadaver davon, und auf ihm reitet eine Hexe, die ihn mit ihren spitzen Hacken spornt, während der Wind in die Orgel seiner hohlen Rippen bläst.
Und stünde zu dieser verschwiegenen Stunde in einem Grabe des Kirchhofs ein schlafloses Augen offen, es würde sich plötzlich schließen, aus Furcht, ein Gespenst in den Sternen zu sehen.
Selbst der Mond schließt ein Auge und leuchtet mit dem andern nicht mehr als eben genug, wie eine flackernde Kerze diesen mageren streunenden Hund zu bescheinen, der vom Wasser eines Weihers schlappt.
(Aus den Paralipomena zum Gaspard de la Nuit)
Schon öfter hatte ich den Vorsatz, mein Zeit-Abo nach (nun) 2 Jahrzehnten zu kündigen, Gründe finden sich; aber mit der Serie zum politischen Gedicht ist das natürlich erst mal aufgehoben. Bis Jahresende, sagen sie? Na, da haben sie bei mir eine Gnadenfrist. Scheherazade so gesehen. Das will ich keine Woche verpassen, und pünktlich zum Donnerstag lesen.
Wer kein Abo hat, kann jetzt den Einleitungstext und die Gedichte von Monika Rinck, Marion Poschmann und Jan Wagner nachlesen.
*) Ups – da hat mir der Leipziger Spießer einen Streich gespielt: ein garstig Lied, pfui, ein politisch Lied!
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