Gedicht ist, wenn’s wehtut. In diesem Buch von Yevgeniy Breyger tut’s ordentlich weh. Ein längeres Gedicht daraus, lese ganz, wer es aushält. Unbedingt bis zum Schluss lesen!
Yevgeniy Breyger
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schäm dich ich stehe also in der bahnhofshalle magdeburg frauen mit kurzen röcken, männer mit kurzen hosen trotzdem komplett unsexy hässlichste frisuren, stillos gekleidet sogar die linken rechte assis, klassiker MD alles beim alten, aber dann kommen ja die ukrainer*innen dazu immer wenn ich denke, oh, der pulli ist schön, die schuhe sind cool das sind dann auf jeden fall ukrainer*innen aber ich fühle mich selbst seit monaten schlecht, wenn ich mich anschau ertrag meine augen nicht, nase, zähne, bauch vor allem, nur augenbrauen ok ich glaube, ich nehm zu, weil ich einfach zu viel ess und keinen sport mach wills aber aufs weniger rauchen schieben Angerona hat völlig recht, dass wir aufhören sollen, aber ich hab mal wieder null disziplin ist es eigentlich normal, dass die deutschen das hässlichste volk sind? ich meine, die haben so winzige augen, entstellte visagen und keinen humor schweizer noch schlimmer, die österreicher in ordnung, nette menschen neulich wieder offener brief nummer 1000 von irgendwelchen deutschen die sich ernsthaft „intellektuelle" nennen (haha, wie kann man sich so bezeichnen, bescheuert) ukraine solle sich ergeben. danke danke. die alte deutsche tugend, moralisch bodenlos usw. alexander kluge dabei, versteht russland natürlich wieder prima weitere drittklassige autor*innen, alice schwarzer, klar bezeichnet im fernsehn ukraine beim interview zur lage 2 × als ungarn (kein witz) wenn das jemand aus dem fernsehn liest, bitte ladet mich ein egal, welches thema, ich wollt schon immer im fernsehn referiern das macht auch die eltern stolz bestimmt verschluck ich dann wieder die endungen und man muss raten was ich gesagt hab, macht daheim den ton vom gerät unnötig lauter, hilft nix aber ich hätt was zu sagen! guten tag, sie kommen aus der ukraine, sprechen aber gut deutsch – mund halten, markus lanz! ich sprech besser als du! puh ich versteh nicht, weshalb ich überhaupt diese namen kenne Angerona sagt, wir sollten eventuell nach belgien eigentlich bin ich dagegen, weil ich denk ich kann nicht ohne deutsche sprache, ziemlich peinlich deutschland tut, als wärs kulturland und kunst wird gehasst literaturkritiker*innen verstehen grundsätzlich von allem hart wenig vor allem vom schreiben kulturreferate stellen pappschildchen vor ihre veranstaltungen, halten reden in frankfurt neulich „literaturm-festival“ z. B., eh so ein blöder name und welches genie hat sich ausgedacht, das zu eröffnen (große vorreden: es soll dieses jahr um die ukraine gehen, superwichtig, superernst) mit dem russen viktor jerofejew. na wer wars? erstmal paar geiger mit russischer klassik, dann der fejew auf der bühne mit dolmetscherin und junger moderatorin aus der ukraine mein gott, die arme! jerofejew schwafelt blödsinn von wegen russland sei ein land ohne geschichte märchen statt geschichte, große kultur, kein wort vom krieg kein wort von russischen dreckssoldaten kein Wort von toten kein wort von müttern, die vergewaltigt werden vor den augen der kinder der krieg sei entstanden, weil europa russland missversteht die moderatorin macht das sehr gut, hat aber kaum eine chance der russe ist standesgemäß auch vollsexist, unterbricht sie bei jeder gelegenheit sie stelle so blöde fragen, weil auch sie russland nicht verstehe sitzt breitbeinig auf seim stuhl wie die oberratte und die simultandolmetscherin entschärft auch noch, was er sagt dass die deutschen s nicht checken, manchmal macht sie auch einfach fehler miese nummer die moderatorin jedenfalls machts gut, weist auf sachen hin reflektiert die sprechsituation, konfrontiert keine chance, alles lang verloren aber es ist ja nicht seine schuld, was soll der trottel sagen das festival hat dafür schuld! haben wieder nichts verstanden was setzen sie den dahin, ich verstehs nicht schämt euch, wirklich irgendwann halt ichs nicht aus und schrei, der idiot soll seinen mund halten ich kann einfach nicht mehr schreie nochmal rein, renn raus aus dem raum (Angerona war schon vor 15 minuten rausgestürmt) ich seh sie dann draußen auf der straße weinen, es tut mir alles so leid später höre ich, die leute im publikum hätten darüber geredet wer sei der mann gewesen, der raus ist, bestimmt ein böser russ fand bestimmt, sein land wurde zu sehr kritisiert mein gott. mein gott! wie soll man das ganze aushalten wie kann man so leben, wie schauen die leute in den spiegel? verstand? gefühl? schämt euch ich sehne mich nach edenkoben, da ist Robert, da ists schön Angerona und ich sollten ihn bald unbedingt besuchen fahren wirklich, schäm dich. du weißt, dass du gemeint bist
Aus: Yevgeniy Breyger: Frieden ohne Krieg. Berlin: Kookbooks, 2023, S. 20-24.
Yevgeniy Breyger wurde 1989 in Charkiw geboren, damals Sowjetunion, heute Ukraine. Mit 10 Jahren kam er mit seinen Eltern nach Deutschland.
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schäm dich
ich stehe also in der bahnhofshalle magdeburg /frauen mit kurzen röcken, männer mit kurzen hosen /trotzdem komplett unsexy /hässlichste frisuren, stillos gekleidet /sogar die linken rechte assis, klassiker MD /alles beim alten, aber dann kommen ja die ukrainer*innen dazu /immer wenn ich denke, oh, der pulli ist schön, die schuhe sind cool /das sind dann auf jeden fall ukrainer*innen /aber ich fühle mich selbst seit monaten schlecht, wenn ich mich anschau /ertrag meine augen nicht, nase, zähne, bauch vor allem, nur augenbrauen ok /ich glaube, ich nehm zu, weil ich einfach zu viel ess und keinen sport mach /wills aber aufs weniger rauchen schieben /Angerona hat völlig recht, dass wir aufhören sollen, aber ich hab mal wieder /null disziplin /ist es eigentlich normal, dass die deutschen das hässlichste volk sind? /ich meine, die haben so winzige augen, entstellte visagen und keinen humor /schweizer noch schlimmer, die österreicher in ordnung, nette menschen ///neulich wieder offener brief nummer 1000 von irgendwelchen deutschen /die sich ernsthaft „intellektuelle“ nennen /(haha, wie kann man sich so bezeichnen, bescheuert) /ukraine solle sich ergeben. danke danke. die alte deutsche tugend, moralisch /bodenlos usw. /alexander kluge dabei, versteht russland natürlich wieder prima /weitere drittklassige autor*innen, alice schwarzer, klar /bezeichnet im fernsehn ukraine beim interview zur lage 2 × als ungarn /(kein witz) /wenn das jemand aus dem fernsehn liest, bitte ladet mich ein /egal, welches thema, ich wollt schon immer im fernsehn referiern /das macht auch die eltern stolz /bestimmt verschluck ich dann wieder die endungen und man muss raten /was ich gesagt hab, macht daheim den ton vom gerät unnötig lauter, hilft nix //aber ich hätt was zu sagen! /guten tag, sie kommen aus der ukraine, sprechen aber gut deutsch – ///mund halten, markus lanz! ich sprech besser als du! puh /ich versteh nicht, weshalb ich überhaupt diese namen kenne /Angerona sagt, wir sollten eventuell nach belgien /eigentlich bin ich dagegen, weil ich denk /ich kann nicht ohne deutsche sprache, ziemlich peinlich /deutschland tut, als wärs kulturland und kunst wird gehasst /literaturkritiker*innen verstehen grundsätzlich von allem hart wenig /vor allem vom schreiben /kulturreferate stellen pappschildchen vor ihre veranstaltungen, halten reden /in frankfurt neulich „literaturm-festival“ z. B., eh so ein blöder name /und welches genie hat sich ausgedacht, das zu eröffnen (große vorreden: /es soll dieses jahr um die ukraine gehen, superwichtig, superernst) /mit dem russen viktor jerofejew. na wer wars? /erstmal paar geiger mit russischer klassik, dann der fejew auf der bühne /mit dolmetscherin und junger moderatorin aus der ukraine /mein gott, die arme! /jerofejew schwafelt blödsinn von wegen russland sei ein land ohne geschichte ///märchen statt geschichte, große kultur, kein wort vom krieg /kein wort von russischen dreckssoldaten /kein Wort von toten /kein wort von müttern, die vergewaltigt werden vor den augen der kinder /der krieg sei entstanden, weil europa russland missversteht /die moderatorin macht das sehr gut, hat aber kaum eine chance /der russe ist standesgemäß auch vollsexist, unterbricht sie bei jeder gelegenheit /sie stelle so blöde fragen, weil auch sie russland nicht verstehe /sitzt breitbeinig auf seim stuhl wie die oberratte /und die simultandolmetscherin entschärft auch noch, was er sagt /dass die deutschen s nicht checken, manchmal macht sie auch einfach fehler /miese nummer /die moderatorin jedenfalls machts gut, weist auf sachen hin /reflektiert die sprechsituation, konfrontiert /keine chance, alles lang verloren /aber es ist ja nicht seine schuld, was soll der trottel sagen /das festival hat dafür schuld! haben wieder nichts verstanden ///was setzen sie den dahin, ich verstehs nicht /schämt euch, wirklich /irgendwann halt ichs nicht aus und schrei, der idiot soll seinen mund halten /ich kann einfach nicht mehr /schreie nochmal rein, renn raus aus dem raum /(Angerona war schon vor 15 minuten rausgestürmt) /ich seh sie dann draußen auf der straße weinen, es tut mir alles so leid /später höre ich, die leute im publikum hätten darüber geredet /wer sei der mann gewesen, der raus ist, bestimmt ein böser russ /fand bestimmt, sein land wurde zu sehr kritisiert /mein gott. mein gott! wie soll man das ganze aushalten /wie kann man so leben, wie schauen die leute in den spiegel? /verstand? gefühl? schämt euch /ich sehne mich nach edenkoben, da ist Robert, da ists schön /Angerona und ich sollten ihn bald unbedingt besuchen fahren //wirklich, schäm dich. du weißt, dass du gemeint bist /
Lina Atfah
(* 1989 in Salamiyah, Syrien; lebt in Nordrhein-Westfalen)
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Rückkehr Ich komme zu dir zurück aus der unwirtlichen Ferne, aus der endlosen Schlaflosigkeit. Triste Gesichter hielten mich auf, dunkle Striemen auf dem Rücken. Im Weizenfeld hungerte ich nach Brot. Im Regen schmeckte ich Bitterkeit. In der Kälte brannte der Wald. Schmerz um Schmerz um Schmerz. Und nun bin ich an deiner Tür, befreit von allem Groll.
Aus dem Arabischen übersetzt und nachgedichtet von Brigitte Oleschinski und Osman Yousufi, aus: Lina Atfah, Grabtuch aus Schmetterlingen. Gedichte. Bielefeld: Pendragon, 2022, S. 23

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Rückkehr
Ich komme zu dir zurück / aus der unwirtlichen Ferne, / aus der endlosen Schlaflosigkeit. / Triste Gesichter hielten mich auf, / dunkle Striemen auf dem Rücken. / Im Weizenfeld hungerte ich nach Brot. / Im Regen schmeckte ich Bitterkeit. / In der Kälte brannte der Wald. / Schmerz um Schmerz um Schmerz. / Und nun bin ich an deiner Tür, / befreit von allem Groll.
Andreas Reimann
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IN DUNKLEN ZEITEN Darf einer singen, wenn geschütze dröhnen und selbst der nachbar zorn und hass vermischt, und wenn die seuche mit dem schleppnetz fischt, und wenn die leute um die zukunft stöhnen? Da muß er singen! Alle schönheit muß in töne er und wörter übersetzen, sich selbst zu hören, und auf allen plätzen ein lied zu sein: ein sanfter regenguß im überhitzten! Daß da kein gesicht, verschwitzt, verkrampft, dem mörder ähnlich werde: die freundlichkeit ist leicht uns auszutreiben. Doch mensch sein heißt: es bleiben. Andres nicht. – Drum wag ein lied, die zärtliche gebärde: wir müssen für den frieden tauglich bleiben.
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IN DUNKLEN ZEITEN
Darf einer singen, wenn geschütze dröhnen
und selbst der nachbar zorn und hass vermischt,
und wenn die seuche mit dem schleppnetz fischt,
und wenn die leute um die zukunft stöhnen?
Da muß er singen! Alle schönheit muß
in töne er und wörter übersetzen,
sich selbst zu hören, und auf allen plätzen
ein lied zu sein: ein sanfter regenguß
im überhitzten! Daß da kein gesicht,
verschwitzt, verkrampft, dem mörder ähnlich werde:
die freundlichkeit ist leicht uns auszutreiben.
Doch mensch sein heißt: es bleiben. Andres nicht. –
Drum wag ein lied, die zärtliche gebärde:
wir müssen für den frieden tauglich bleiben.
María Paz Guerrero
Aus: Gott ist auch eine Bitch
In Erinnerung an Roberto Burgos Cantor
Aus dem Spanischen übersetzt von Christian Filips und Birgit Kirberg
gott isst schinken
und kriegt davon krebs
gott steht auf würstchen
und ist süchtig nach blätterteig
gott hat alles versucht vegan zu werden zu meditieren keine tiere zu essen sie zu respektieren kein urteil zu fällen zu erkennen dass alles ideologie ist und wie das system uns trennt aber es gibt eine wahrheit und die ist quantisch gott sitzt in uns wir sind kannibalen aber das vergaßen wir bei der geburt wir vergaßen wir waren ein ganzes waren licht ohne leiden und in der schwebe das haben wir gründlich vergessen
jetzt wollen wir helfen etwas beitragen dienst tun uns in einen guru verlieben wir sind depressive lateinamerikaner aber leben in Australien im restaurant bestellen wir keine tierischen produkte wir kennen unsere traumata aus der kindheit genau wir wissen unser leben dreht sich um zwei koordinaten um den mangel und um die schuld wir wissen dass wir auffallen wir sind opfer viele von uns anorexisch fragil wir haben gelernt das leben nicht zu lieben unser leben
gott wird schwach und isst ein sandwich mit mayonnaise
gott will kein vollkorn sondern weißbrot
gott achtet nicht auf seine figur
er ist fett
gott ist 53
und hat falten
gott ist in der menopause
darum kocht er vor wut
er hasst seinen körper der aufquillt
gott ist jetzt ein breiter kühlschrank
gott hat seine kurven verloren
gott ist zeitlich und zeit schlägt auf die figur
gott geht tanzen
in seinem neuen körper
und mit verbrauchtem gesicht
sitzt er in der salsabar am tisch
weil gott zu allem überfluss auch noch
lateinamerikaner ist
(…)
Dios también es una perra
A la memoria de Roberto Burgos Cantor
dios come jamón
y le va a dar cáncer
a dios le gusta la salchicha
es adicto al hojaldre
dios ha intentado ser vegano ir a meditar no comer animales respetarlos no juzgar saber que todo es ideología el sistema te divide pero hay una verdad y es cuántica nosotros tenemos a dios adentro somos caníbales pero lo hemos olvidado al nacer hemos olvidado que éramos un todo éramos luz éramos algo que no sufría éramos algo que flotaba hemos olvidado
ahora queremos ayudar contribuir hacer servicio amar a un gurú somos depresivos y somos latinoamericanos pero vivimos en Australia cuando vamos a un restaurante ordenamos comida sin productos animales conocemos nuestros traumas de infancia sabemos que tenemos dos ejes la carencia y la culpa sabemos que llamamos la atención somos víctimas muchos tenemos anorexia somos frágiles hemos sabido no querer la vida no querer nuestra vida
dios es débil come sánduche con mayonesa
dios no pide pan integral pide pan blanco
dios no cuida su figura
es fofo
dios tiene 53 años
arrugas
dios está menopáusico
le da rabia
odia su cuerpo que se ensancha
dios ahora es una nevera con espalda ancha
dios ha perdido sus curvas
dios es temporal y el tiempo ataca su figura
dios sale a bailar
con su nuevo cuerpo
y su cara ajada
se sienta en la mesa del bar de salsa
porque dios además
es latinoamericano
Aus der soeben erschienen vorletzten Ausgabe der Zeitschrift Mütze, #35, S. 1794-1796.
María Paz Guerrero ist eine kolumbianische Autorin.
Douglas Diegues
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die kühe kapiern nicht mehr warum sie so kuh sind die deppen kapiern nicht mehr warum sie so deppert sind die heuchler kapiern nicht mehr warum sie so heuchlerisch sind die big asses kapiern nicht mehr warum sie so big ass sind die ratten kapiern nicht mehr warum sie so rattig sind die hallodris kapiern nicht mehr warum sie so hallodrig sind die nitpickers kapiern nicht mehr warum sie nits picken müssen die smart asses kapiern nicht mehr warum sie so smart ass sind die nieten kapiern nicht mehr warum so so nietig sind die affen kapiern nicht mehr warum sie so affig sind die menschen kapiern nicht mehr warum sie so menschlich sind die pillepalle kapiern nicht mehr warum sie so pillpall sind weil in den dünen und in der crème del wellenkamm hat keiner mehr trouble im programm
Deutsch von Odile Kennel, aus: Douglas Diegues: hands in the matsch. Gedichte aus dem Wilden Portunjoll. Illustriert von Petrus Akkordeon. hochroth Berlin 2022
las vakas non entendem mais por que son fan vakas los estúpidos non entiendem mais por que son tan estúpidos los hipócritas non entendem mais por que son tan hipócritas los popozudos non entendem mais por que son tan popozudos los ratos non entendem mais por que son tan ratos los trolhas non entendem mais por que son tan tralhas los pedantes non entendem mais por que son tan pedantes los sabetudos non entendem mais por que son tan rolhas los idiotas non entendem mais por que son tan idiotas los macacos non entendem mais por que son tan macacos los humanos non entendem mais por que son tan humanos los ridículos non entendem mais por que son tan ridículos mismo porque en las dunas y cremas de la espuma ninguém mais quer entender puerra ninguma
Hier noch einmal der deutsche Text in anderer Formatierung, weil Verse wie in den oben stehenden Blöcken seit neuestem in manchen Mailprogrammen nicht angezeigt werden.
die kühe kapiern nicht mehr warum sie so kuh sind
die deppen kapiern nicht mehr warum sie so deppert sind
die heuchler kapiern nicht mehr warum sie so heuchlerisch sind
die big asses kapiern nicht mehr warum sie so big ass sind
die ratten kapiern nicht mehr warum sie so rattig sind
die hallodris kapiern nicht mehr warum sie so hallodrig sind
die nitpickers kapiern nicht mehr warum sie nits picken müssen
die smart asses kapiern nicht mehr warum sie so smart ass sind
die nieten kapiern nicht mehr warum so so nietig sind
die affen kapiern nicht mehr warum sie so affig sind
‚die menschen kapiern nicht mehr warum sie so menschlich sind
die pillepalle kapiern nicht mehr warum sie so pillpall sind
weil in den dünen und in der crème del wellenkamm
hat keiner mehr trouble im programm
Das wilde portunjoll ist ein voll komischer sprech, dem grenzn egal sind, ein ländlicher, hässlicher, schöner, voll krasser sprech.
Aus dem zitierten Buch
Gottfried Benn
(* 02.05.1886, Mansfeld, † 07.07.1956, Berlin)
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KOMMT Kommt, reden wir zusammen wer redet, ist nicht tot, es züngeln doch die Flammen schon sehr um unsere Not. Kommt, sagen wir: die Blauen, kommt, sagen wir: das Rot, wir hören, lauschen, schauen wer redet, ist nicht tot. Allein in deiner Wüste, in deinem Gobigraun – du einsamst, keine Büste, kein Zwiespruch, keine Fraun, und schon so nah den Klippen, du kennst dein schwaches Boot – kommt, öffnet doch die Lippen, wer redet, ist nicht tot.
Aus: Gottfried Benn, Gedichte in der Fassung der Erstdrucke. Frankfurt/Main: S. Fischer, 1988, S. 467
Bei Lyrikline kann man das Gedicht vom Autor gelesen hören.
Hier noch einmal der Text des Gedichts im normalen Textformat:
KOMMT
Kommt, reden wir zusammen
wer redet, ist nicht tot,
es züngeln doch die Flammen
schon sehr um unsere Not.
Kommt, sagen wir: die Blauen,
kommt, sagen wir: das Rot,
wir hören, lauschen, schauen
wer redet, ist nicht tot.
Allein in deiner Wüste,
in deinem Gobigraun –
du einsamst, keine Büste,
kein Zwiespruch, keine Fraun,
und schon so nah den Klippen,
du kennst dein schwaches Boot –
kommt, öffnet doch die Lippen,
wer redet, ist nicht tot.
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Margret Kreidl
Es reißt nicht, zerreißt nicht, zerspringt nicht, es schmilzt nicht, es filzt nicht, es ist flauschig, flauschig und rastlos, es zischt und wischt durch die Nacht, es spielt mit dem Feuer, es knallt, der Knall ist aus Baumwolle, ein Baumwoll-Vorfall, ein Baumwollknäuel, das auf Waffendepots und Munitionslager fällt, es setzt alles in Brand, es ist klein, ein Fitzchen, ein Witzchen, es macht aus dem Feind ein Feindlein, das Baumwollstilzchen, ukrainisch: Bavovnyatko. Die ukrainische Künstlerin Svitlana Olsevska hat ein Fabelwesen geschaffen, das russische Militärinfrastruktur angreift.
Aus: Margret Kreidl: Mehr Frauen als Antworten. Gedichte mit Fußnoten. Wien: Edition Korresondenzen, 2023, S. 29
Hinweis: Da die Ursache der Textverluste, die seit ein paar Tagen beim Mailversand der täglichen Gedichte auftreten, offenbar die (wordpresseigene) Formatierung der Gedichte als Vers statt als normaler Textabsatz ist, folgt hier noch einmal der Gedichttext in „normaler“ Formatierung für alle, die es betrifft.
Es reißt nicht, zerreißt nicht, zerspringt nicht,
es schmilzt nicht, es filzt nicht, es ist
flauschig, flauschig und rastlos, es zischt und
wischt durch die Nacht, es spielt mit dem
Feuer, es knallt, der Knall ist aus Baumwolle,
ein Baumwoll-Vorfall, ein Baumwollknäuel, das
auf Waffendepots und Munitionslager fällt, es
setzt alles in Brand, es ist klein, ein Fitzchen,
ein Witzchen, es macht aus dem Feind ein
Feindlein, das Baumwollstilzchen, ukrainisch:
Bavovnyatko.
Die ukrainische Künstlerin Svitlana Olsevska hat ein Fabelwesen geschaffen, das russische Militärinfrastruktur angreift.
Mirela Ivanova
(Мирела Иванова, geboren am 11. Mai 1962 in Sofia)
Nein – Immer mehr wird die Vernunft zur Erdbebenzone, die Risse im Denken sind keine Metapher. – Du übertreibst. – Die Haut reißt auf in gräßlichen Schrunden, wenn die Verzweiflung keinen anderen Ausweg findet. – Was jammerst du! – Ausgeschlossen vom Leben – das ist die Wahrheit – erschlagen wir einander um ein Stückchen Brot. – Hör auf. Ruf die Wahrheit nicht zum Zeugen an. Begreif doch – sie mag die Lebendigen nicht.
Aus dem Bulgarischen von Norbert Randow, aus: Mirela Ivanova: Einsames Spiel. Gedichte. Heidelberg: Wunderhorn, 2000, S. 13.
Wenn Sie diesen Text nicht vollständig lesen können, bitte Nachricht an info@michaelgratz.de. Seit gestern erreichen mich Berichte, dass die Mail an Abonnenten dieser Seite nur aus einer oder zwei Zeilen besteht. Ich muss dazu sagen, dass ich das nicht sehen kann und auch nicht wissen kann, wen und wie viele es betrifft. Ich verschicke keine Mails. Ich schreibe nur die täglichen Nachrichten auf http://lyrikzeitung.com, und das System, also WordPress, verschickt die automatisch an Abonnenten. Abonnementanfragen gingen nicht an mich, sondern direkt an WordPress, ich kenne die Mailadressen nicht. WordPress sagt mir nur, dass 2573 Personen diese Seite abonniert haben. Alle Nachrichten gehen außerdem automatisch an Twitter (@gratz13) und theoretisch an die Lyrikzeitungseite bei Facebook. Letzteres funktioniert seit mindestens einem halben Jahr nicht mehr, obwohl ich täglich die Meldung erhalte, der Link sei an Twitter und Facebook gesendet worden. Sieht für mich so aus, als stecke eine Politik von WordPress dahinter, aber welche? Wollen sie ihre Kunden vergraulen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass die Reichweite der Lyrikzeitung durch diese kafkaesk unsichtbaren Maßnahmen (oder irgendwelche technischen Änderungen) drastisch eingeschränkt wird. – Bis heute habe ich keine Nachricht erhalten, ob sie irgendwelche neuen Bezahlmodelle anbieten wollen oder die technischen Bedingungen ändern. Es wäre hilfreich, wenn alle, die es betrifft und die weiterhin ein tägliches Gedicht per Mail erhalten wollen, mir das per Mail anzeigen.
Edmond Jabès
(* 14. April 1912 in Kairo; † 2. Januar 1991 in Paris)
Mit beiden Händen
IV
Der liebkoste Leib läßt die Hand
erblühn. Der Faust fehlt die Kosung; fehlt auch
die Feder.
– Die Feder lockert die Hand.
Die Hand öffnet sich der Vokabel, öffnet
sich der Distanz.
V
Die Feder ist der Dolch. Die Hand läßt
bluten;
blutet.
Schreibt man mit dem Blut der Vokabel, das
mit dem eignen vermengt ist?
Aus: Edmond Jabès, Das Gedächtnis und die Hand. Aus dem Französischen von Felix Philipp Ingold. Münster: Kleinheinrich, 1992 (unpag.)
Edmond Jabès wurde 1912 in einer frankophonen jüdischen Familie in Kairo geboren. Er studierte in Paris und kehrte nach Ägypten zurück. 1956 wurde er während der Suezkrise als Jude aus seinem heimischen Ägypten ausgewiesen und ging nach Frankreich. 1987 wurde er mit Frankreichs Grand Prix national de la poésie ausgezeichnet.
Alexandra Bernhardt
maelstrom geh dein selbst dich tragen auf dein boot die planken bespringe die bohlen trage die rahen fasse die winde fange zieh ein dich ins gestern den alten nimmerfisch zieh ein an land die gedärme nimm aus dich nimm ein das werg verfüg dich kalfater dich matt verhol und vertäu dich dann kreuz und schere die segel laß killen die kimm sich krümmen bis auf sich neigt die welt am abschott
Aus: Alexandra Bernhardt, Schwellenzeit. Von Honig und Mohn. Wien: Edition Melos, 2022, S. 71
Richard Pietraß
Hundewiese Tag um Tag gehe ich mit meinen Hunden, den Gedichten. An loser Leine tragen sie den pendelnden Maulkorb Den ich ihnen verpasse, erlasse, jagen sich im aufgewirbelten Staub. Reiten, streiten um Liebesknochen. Versuche ich Mein Sinnsüppchen zu kochen, wedeln sie mit den Endreimen. Vers bei Fuß, halte ich sie auf dem Zeilensprung. Sie lecken Mir den Wurstmund, betteln um jeden Bissen. Heben sie Nicht gerade das Bein, graben sie mir Löcher in den Bauch Parieren aufs Wort.
Aus: Ostragehege. Zeitschrift für Literatur und Kunst. Heft 100 (II/2021), S. 79
Richard Anders
(* 25. April 1928 in Ortelsburg, Ostpreußen; † 24. Juni 2012 in Berlin)
Illusion Das Martinshorn bringt mir die Straße ins Zimmer Ich halte mitten in der Zeile an und lasse Blaulicht an meiner Poesie vorbei So nähre ich die Illusion sie nütze etwas wenn es irgendwo brennt
Aus: Richard Anders, Über der Stadtautobahn und andere Gedichte. Berlin: Oberbaum, 1985, S. 9
Wer kennt Karl Lappe? Schiller hat ihn gedruckt, wer kennt Schiller? – Der erfolglose Dichter fällt nach seinem Tode in die Gegend seiner Herkunft zurück. Das gilt sogar für so manchen, der in den Metropolen Erfolg hatte und schnell vergessen wurde. Wie viel mehr noch für den, der die heimische Gegend gar nicht erst verlassen hat.
Karl Gottlieb Lappe wurde am 24. April 1773 in Wusterhusen bei Greifswald geboren, er studierte in Greifswald, lebte in Pütte bei Stralsund und starb am 28. Oktober 1843 in Stralsund. Ein pommerscher Heimatdichter. Zum Vierteljahrtausend habe ich ein paar Stückchen aus den Prosagedichten ausgesucht.
Was ich singe und nicht singe.
(Frei nach Baggesen.)
Ich singe nicht von Kampf und Krieg, nicht von den Heldenthaten des Schlachtfeldes. Meine Muse wird leichenblaß und verkriecht sich vor Schwert und Schild. Wann der Säbel klirrt und die Lanze pfeift, wann der Tod über zerstörtem Leben wandelt, dann schweig‘ ich.
(…)
Ich singe nicht den Preis der Monarchen. Auf meinem niedrigen Standpunkte kenn‘ ich sie kaum, kann über ihren hohen Beruf keines Urtheils mich erdreisten. Ihre Weisheit und Güte wird des Ruhmes nicht ermangeln; meines Weihrauchs begehren sie nicht, darum schweig‘ ich.
(Karl Lappes sämmtliche poetische Werke. Fünfter Theil. Rostock: Oeberg, 1836, S. 67/69)
Für das Vaterland
(…)
Für das Vaterland leben, ist auch Verdienst; doch ist es dunkel und schwer, ein langer bitterer Kampf: täglich und stündlich will der Kelch getrunken sein. Mühe dich ab in herber Pflicht, Tag aus, Tag ein, wie das knechtische Uhrwerk; nimm, was am Lichte dich mühte, mit in die Träume der Nacht; strebe mit redlichem Eifer, fruchtlos, verkannt, verspottet, vergessen. – Wenn dann das Ruhmgeschrei dich umwirbelt, das dankbare Vaterland seine Helden vergöttert, seine großen Männer belohnt: Da lege ruhig die Hand auf dein Herz, und stimme neidlos mit ein, in reiner Liebe deines Vaterlandes.
(Karl Lappes sämmtliche poetische Werke. Vierter Theil. Rostock: Oeberg, 1840, S. 59)
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