Carlfriedrich Claus
(* 4. August 1930 in Annaberg; † 22. Mai 1998 in Chemnitz)
Zum 25. Todestag des Chemnitzer Bild-, Ton- und Sprachkünstlers Carlfriedrich Claus poetologische Notate, ein Sprachblatt und ein (auch poetologisches) Gedicht. Vielleicht schwere Kost. Vielleicht auch mal leichtnehmen?
Aus: Blatt-Tendenzen. Blatt-Werk
Raumgewordene Zeit. Das Raum-Gebilde, aus autonomen Flächen-Momenten entstanden, kann wieder aufgelöst werden. Zeitwerdender Raum.
+
Neukonstellierung. Funktionswechsel der Elemente.
+
Offenheit.
+
Und schließlich, auf anderer Ebene, doch in Arbeit:
Transparente Räume bildende, bildend durch sie schwebende Gedanken auf Glas.
Glasgegliederte Leere, in der Sprache agiert.
Aus Sprungprozeß, vertikal schwebend : Tiefe.
Die dritte Dimension.
Anders.
+
Utopische Konjunktionen: mit Fels etwa, Lichen, Elfenbein, Gewölk, Stadt. Tendenzbewußtes, vorversuchendes Experimentieren an Aufhebung der Entfremdung dazwischen. Dialektik. Schreib-Expansionen auf Körperlichkeit. Diese figurierend; verändernd. Plastik. Architektur. Utopisch aufgeschlagene Landschaft.
+
Ohne aber je die Mikro-Strukturen aus dem Bewußtsein zu verlieren. Hier ja bildet sich primär Prozeß-Materie. Hier, in dem Mikro-Spannungsfeld zwischen Innen und Außen, das zugleich Triebkeimreich ist, der Ursprung jeder Weiterung. Das eigentliche, das blutbildende Knochenmark der Experimente da : in der Mikro-Dramatik der Existenz.


Aus: Carlfriedrich Claus: Notizen zwischen der experimentellen Arbeit – zu ihr. Hrsg. von der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden. Frankfurt/Main: Typos, 1964, S. 29 / Abb. 12 / S. 32.
Robert Creeley
(* 21. Mai 1926 in Arlington, Massachusetts; † 30. März 2005 in Odessa, Texas)
Für Abonnenten der Gedichte des Tages per Mail:
Wenn Sie den Text hierunter nicht sehen, scrollen Sie nach unten
oder klicken Sie auf die Überschrift.
Das Geschenk
Hinunter reicht
er das geschenk
wie aus einer großen
höhe, sein
kostbares
verständnis gehüllt
in himmlische
unerschütterlichkeit. Dies
ist die gabe
der jahrhunderte, alles
trägt in sich selbst
den lohn.
Doch die dame –
voll verach-
tung, ganz
in weiß aus
diesem anlaß – schreit
verdrießlich, ist
das alles, ist
das alles.
Deutsch von Klaus Reichert, aus: Schon mal gelebt? Amerikanische Gedichte des 20. Jahrhunderts. Hrsg. von Hans-Jürgen Heise und Annemarie Zornack. Kiel: Neuer Malik, 1991, S. 102
Hier noch einmal der Text des Gedichts in anderer Formatierung, weil Verse wie in den oben stehenden Blöcken seit neuestem in manchen Mailprogrammen nicht angezeigt werden. / = Absatz, // = Leerzeile, /// = neue Seite. (Für Leser der Mail: die korrekte Formatierung siehe http://lyrikzeitung.com)
Das Geschenk// Hinunter reicht /er das geschenk /wie aus einer großen /höhe, sein//kostbares/verständnis gehüllt /in himmlische /unerschütterlichkeit. Dies//ist die gabe /der jahrhunderte, alles /trägt in sich selbst /den lohn.//Doch die dame –/voll verach-/tung, ganz /in weiß aus//diesem anlaß – schreit/verdrießlich, ist /das alles, ist /das alles./
Odile Kennel
aus: einmal so richtig danebenhaun
[ ]
dies ist ein Gedicht, bei dem ich einmal
so richtig daneben haue, nein, mehrfach
und gerne. Ein Gedicht, das die Tasten
nicht richtig erfasst, sich im Halbton
vergreift, dafür aus dem vollen
Fingerspiel schöpft. Worauf stehen
die Zeichen? Unsicherer Boden.
Scheinen am Ende
mehr als sie sind oder springen
im Dreieck, wissen nicht
ein noch aus zwischen
Darstellung und Stellung
Zufall und Traum
in dem sie Mücken sind
und aus der Ferne
Meergänse auf Schnee
Aus: Odile Kennel: oder wie heißt diese interplanetare Luft. Gedichte. München: dtv, 2013 , S. 106
Hier noch einmal der Text in anderer Formatierung, weil Verse wie in den oben stehenden Blöcken seit neuestem in manchen Mailprogrammen nicht angezeigt werden. / = Absatz, // = Leerzeile, /// = neue Seite. (Für Leser der Mail: die korrekte Formatierung siehe http://lyrikzeitung.com)
aus: einmal so richtig danebenhaun /[ ] // dies ist ein Gedicht, bei dem ich einmal / so richtig daneben haue, nein, mehrfach / und gerne. Ein Gedicht, das die Tasten / nicht richtig erfasst, sich im Halbton / vergreift, dafür aus dem vollen / Fingerspiel schöpft. Worauf stehen / die Zeichen? Unsicherer Boden. / Scheinen am Ende / mehr als sie sind oder springen / im Dreieck, wissen nicht / ein noch aus zwischen / Darstellung und Stellung / Zufall und Traum / in dem sie Mücken sind / und aus der Ferne / Meergänse auf Schnee /
Gleich noch eine Probe aus dem literarischen Bestiarium des Andreas Koziol. Was für ein fulminanter und quasi enzyklopädischer Rundumblick auf die Lyrikszene Ost vor 1990. Leider zu wenig beachtet, wie so vieles halt.
Andreas Koziol
Der Volkerbraun
Der Volkerbraun ist nach hippomorphen Erkenntnissen ein Schimmel, der darunter gelitten haben soll, nicht auf zwei Beinen gehen zu können. Mit der Klage über dieses nicht unzweifelhafte Handicap (die mitunter allerdings sogar fünf- und mehrfüßig ,daherkam‘) setzte er sich vormals kategorisch über die Hürden des abgesteckten Alltags hinweg, ohne den revolutionären Zweifel, der ihn geritten haben soll, aus dem Sattel zu werfen. Jener sprang dem Anschein nach irgendwann von selber ab, um seiner Nachfolgerin, der revolutionären Verzweiflung, Platz zu machen. Diese übernahm mit den Zügeln auch die Pflicht, die revolutionäre Langeweile am Aufsitzen zu hindern. Ein paar Hufeisen diente als Steigbügel – eine der nicht ganz einwandfrei funktionierenden Folgen des volkerbraun’schen Aufbegehrens gegen die Vier- und Bierhebigkeit der Kreatur. Denn so oft sich die jeweils anspornende Kategorie aus dem Sattel erheben wollte, fehlte ihr der nötige Widerstand, die Querverstrebung zwischen den Enden der Eisen. Wir nehmen an, daß eine gewisse Beklemmtheit den gebeutelten Kategorien somit bereits beschieden war, noch ehe sie sich zu Jambus, Blankvers u.ä. behob. Ursprünglich eingespannt für die Idee einer kommunistischen Gesellschaft, zog der Volkerbraun eine Weile ziemlich toll, indem er sich nicht vor die Parteikarre spannen ließ und vor den Toren seiner Genossenschaft so tat, als würde er jeden Augenblick durchgehen. (Es war die Zeit der Wesensspaltung – entweder man schob oder man deichselte ,die Sache des Volkes‘. Beides vergaloppierte sich, und dazwischen gab es nichts als bald nur Steckenpferde.)
Aus: Andreas Koziol: Bestiarium Literaricum. Übermalungen C[ornelia] M. P. Schleime. Berlin: Galrev, 2000, S. 62
Schließe ein Abonnement ab, um Zugriff auf den Rest dieses Beitrags und weitere exklusive Inhalte für Abonnenten zu erhalten.
Heute vor 20 Jahren starb der jüdische deutsche Dichter Moses Rosenkranz.
Moses Rosenkranz
(geboren 20. Juni 1904 in Berhometh am Pruth, Österreich-Ungarn; gestorben 17. Mai 2003 in Kappel, Deutschland)
Für Abonnenten der Gedichte des Tages per Mail:
Wenn Sie den Text hierunter nicht sehen, scrollen Sie nach unten
oder klicken Sie auf die Überschrift.
EINKLANG Im Untergang der Dichtung das Ohr am Schulterblatt fand ich meine Richtung indem ich rückwärts trat Im eignen Erbe ging ich drin auch ein deutsches Teil deutsch an zu summen fing ich gespaltner Brust zum Heil Der Schmerzen Glut entwand ich des Worts durchdringend Licht und so gerüstet fand ich ja fand ich zum Gedicht
Aus: Moses Rosenkranz: Im Untergang. Ein Jahrhundertbuch. München: Südoistdeutsches Kulturwerk, 1986, S. 7
Hier noch einmal der Text in anderer Formatierung, weil Verse wie in den oben stehenden Blöcken seit neuestem in manchen Mailprogrammen nicht angezeigt werden. / = Absatz, // = Leerzeile, /// = neue Seite. (Für Leser der Mail: die korrekte Formatierung siehe http://lyrikzeitung.com)
EINKLANG
Im Untergang der Dichtung /das Ohr am Schulterblatt /fand ich meine Richtung /indem ich rückwärts trat //Im eignen Erbe ging ich /drin auch ein deutsches Teil /deutsch an zu summen fing ich /gespaltner Brust zum Heil //Der Schmerzen Glut entwand ich /des Worts durchdringend Licht /und so gerüstet fand ich /ja fand ich zum Gedicht
Sam Hamill
(* 9.5.1943 in Utah, USA; lebt in Port Townsend, Wash, USA)
Für Abonnenten der Gedichte des Tages per Mail:
Wenn Sie den Text hierunter nicht sehen, scrollen Sie nach unten
oder klicken Sie auf die Überschrift.
Hommage an Trakl
4. An einen Frühverstorbenen
Mein dunkler Engel, mein Umnachteter,
du musst einst Kind gewesen sein,
das mit seltsamem Lächeln jene
steinernen Stufen in Mönchsberg im Herbst
herabgestiegen ist.
Könntest du hören,
was die Steine sangen, könntest du
das Fleisch riechen, das den Wald
begrünte, mit Hoffnung und Tod,
könntest du
die Klage des Rehs vernehmen? Welch purpurne Sonne
starb in den nackten Ästen der Ulme,
welche Blume wurde zu Blut,
als sie auf deiner Zunge blühte?
Die Abendglocken hatten immer dieses Blau
Du hättest sie gemocht, die Sterne, heute Abend,
allein und schweigend wärest du gewandert
unter Ulmen, die das Ufer säumen.
Deutsch von Mitch Cohen und Wolfgang Heyder, aus: Sam Hamill / David Fox: Todbringende Lust. Berlin: Corvinus Presse, 2016, S. 27 (Deutsche Volksausgabe)
Hier noch einmal der Text in anderer Formatierung, weil Verse wie in den oben stehenden Blöcken seit neuestem in manchen Mailprogrammen nicht angezeigt werden. / = Absatz, // = Leerzeile, /// = neue Seite. (Für Leser der Mail: die korrekte Formatierung siehe http://lyrikzeitung.com)
Hommage an Trakl 4. An einen Frühverstorbenen
Mein dunkler Engel, mein Umnachteter, /du musst einst Kind gewesen sein, /das mit seltsamem Lächeln jene /steinernen Stufen in Mönchsberg im Herbst /herabgestiegen ist. /Könntest du hören, /was die Steine sangen, könntest du /das Fleisch riechen, das den Wald /begrünte, mit Hoffnung und Tod, /könntest du /die Klage des Rehs vernehmen? Welch purpurne Sonne /starb in den nackten Ästen der Ulme, /welche Blume wurde zu Blut, /als sie auf deiner Zunge blühte? //Die Abendglocken hatten immer dieses Blau /wie jetzt. Immer sind die Sterne gut. /Du hättest sie gemocht, die Sterne, heute Abend, /allein und schweigend wärest du gewandert /unter Ulmen, die das Ufer säumen.
Die Überschrift dieses Beitrags bildet ein deutsches Wort, das aus dem deutschen und dem arabischen Alphabet oder Abdschad zusammengesetzt wird. Die Buchstabenmischung verweist voraus auf die Wortmischung im heutigen Gedicht. Der aus Syrien stammende, in Leipzig lebende Autor Xoşewîst (gesprochen Khoshewist mit englischem Kh-) bildet eine besondere Art makkaronischer Poesie (Gedichte, die Wörter aus verschiedenen Sprachen kombinieren). In den Gedichten seines ersten Gedichtbands sind es drei bis fünf von diesen: Deutsch, Kurdisch, Arabisch, Englisch und Spanisch. Neben jedem Gedicht steht eine umfangreiche Wortliste, ein Glossar in diesen Sprachen, in dem man „Schlüsselworte“ nachschlagen kann. So sollten Sprecher aller fünf Sprachen imstande sein, die Gedichte zu lesen. Wem es Spaß macht, könnte natürlich auch einzelne Wörter in andere Sprachen setzen, so dass viele, sehr viele mögliche Gedichte entstehen. Wenn man den Code unter dem Gedicht mit dem Handy fotografiert, kann man sich das Gedicht vorlesen lassen (besonders nützlich natürlich, wenn man wie ich die arabischen Wörter nicht lesen kann).
Das Wort in der Überschrift übrigens (es ist auch die Überschrift unseres Gedichts) heißt, wenn ich richtig geraten (und anschließend nachgeschlagen) habe: umarmûng.


Aus: Xoşewîst: Leipzig*t [statt * ein arabischer Buchstabe, den ich nicht nachbilden konnte. Vielleicht kann jemand helfen, siehe Foto unten.]. München: hochroth, 2020. ISBN 978-3-903182-36-3

Heiner Müller
forget the yes + no there is nor king nor queen when we are dead we'll know how stupid we have been
(Vermutlich um 1987)
Aus: Heiner Müller, Warten auf der Gegenschräge. Gesammelte Gedichte. Hrsg. Kristin Schulz. Berlin: Suhrkamp, 2014, S. 330
Hier noch einmal der Text in anderer Formatierung, weil Verse wie in den oben stehenden Blöcken seit neuestem in manchen Mailprogrammen nicht angezeigt werden. / = Absatz, // = Leerzeile, /// = neue Seite. (Für Leser der Mail: die korrekte Formatierung siehe http://lyrikzeitung.com)
forget the yes + no
there is nor king nor queen
when we are dead we’ll know
how stupid we have been
Heute vor 120 Jahren wurde Reinhold Schneider in Baden-Baden geboren.
Reinhold Schneider
(* 13. Mai 1903 in Baden-Baden; † 6. April 1958 in Freiburg im Breisgau)
Für Abonnenten der Gedichte des Tages per Mail:
Wenn Sie den Text hierunter nicht sehen, scrollen Sie nach unten
oder klicken Sie auf die Überschrift.
Wenn schicksalsmüde sich das Volk verirrt, Sein Recht verwirft, vererbtes Gut zerschlägt, Aus falschem Erze Hoheitszeichen prägt Und immer andrer Toren Sklave wird; Wenn jeder Größe Maßstab sich verwirrt, Kein Wert besteht, kein Glaube ruht und trägt, Gepeitschter Wahn des Lebens Stamm zersägt Und durch die Luft der Todesbote schwirrt; Dann kommt der Tag, den ich jetzt kommen sehe, Wo sich das Nichts, das alle in sich nährten, Die Welt vernichtend sichtbar offenbart. Noch bleibt ein Bangen namenlosem Wehe, Die Letzten fallen dann, die sich bewährten; Nichts bleibt von uns und nichts von unsrer Art.
(21.7.1934)
Aus: Reinhold Schneider: Gedichte. Auswahl und Nachwort von Christoph Perels. (Gesammelte Werke 8). Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1987, S. 269
Hier noch einmal der Text in anderer Formatierung, weil Verse wie in den oben stehenden Blöcken seit neuestem in manchen Mailprogrammen nicht angezeigt werden. / = Absatz, // = Leerzeile, /// = neue Seite. (Für Leser der Mail: die korrekte Formatierung siehe http://lyrikzeitung.com)
Wenn schicksalsmüde sich das Volk verirrt, /Sein Recht verwirft, vererbtes Gut zerschlägt, /Aus falschem Erze Hoheitszeichen prägt /Und immer andrer Toren Sklave wird; //Wenn jeder Größe Maßstab sich verwirrt, /Kein Wert besteht, kein Glaube ruht und trägt, /Gepeitschter Wahn des Lebens Stamm zersägt /Und durch die Luft der Todesbote schwirrt; //Dann kommt der Tag, den ich jetzt kommen sehe, /Wo sich das Nichts, das alle in sich nährten, /Die Welt vernichtend sichtbar offenbart. //Noch bleibt ein Bangen namenlosem Wehe, /Die Letzten fallen dann, die sich bewährten; /Nichts bleibt von uns und nichts von unsrer Art./
POESIEPANDEMIE-Preview: 4. Tom de Toys
Exklusive Erstveröffentlichung für die Lyrikzeitung (in gekürzter Version ohne Aufzählung von Synonymen, live vollständig), erscheint im Band 2 der Reihe „UNIFORM UND UNIVERSUM“ (Sommer 2023). Aktuelles Buch: „SYMPTOMFREI OFFLINE“ (45 Neue definierte Gedichte, BoD 2023). De Toys liest am heutigen Freitag, den 12.5.2023 als Vierter+Achter LIVE & CLOSE in der Werstener Zweigstelle der Stadtbücherei Düsseldorf beim Projekt www.LyrikLEBT.de WEITER! (Die gleichnamige Anthologie der 4 Autoren enthält andere Texte)
24.+30.4.2023 © POEMiE™
SPRACHFETISCHISMUS
von meiner person werden sie niemals betrogen (…) aber sollten sie trotzdem das unangenehme gefühl nicht mehr loswerden daß es sich bei diesem gedicht hier um keine ernst gemeinte lyrik handelt sondern ich das land der digitalen dichter dem gespött preisgebe pflaumen sie mich bitte ehrlich an ich werfe dann mit hohlen äpfeln aus dem glashaus zurück und vielleicht können wir sogar gemeinsam einen einzigartigen obstsalat erfinden der ganz anders schmeckt als alle bekannt gewordenen bisherigen aber das wäre wahrscheinlich ein kleines wunder zu viel für den deutschen literaturbetrieb und fällt dann unter die kategorie „gesunde gedichte“ die nicht im lyrikregal da hinten in der ecke stehen sondern da vorne am ausgang auf den großen tischen (…) ich kann gerne mitkommen falls sie sich unsicher sind nein nein das ist gar nicht lächerlich man verläuft sich leicht in einer derart riesigen buchhandlung und es passiert äußerst selten daß überhaupt jemand nach poesie oder so sucht doch doch das können sie mir wirklich glauben ich weiß wovon ich rede!
POESIEPANDEMIE-Preview: 3. Marvin Chlada
Exklusive Erstveröffentlichung für die Lyrikzeitung, erscheint im Band „Hunger & Liebe“ (Sommer 2023). Aktuelles Buch: „Die Melancholie des Teufels“ (Gedichte, Dialog Edition 2021). Chlada liest am morgigen Freitag, den 12.5.2023 als Dritter+Siebter LIVE & CLOSE in der Werstener Zweigstelle der Stadtbücherei Düsseldorf beim Projekt www.LyrikLEBT.de WEITER! (Die gleichnamige Anthologie der 4 Autoren enthält andere Texte)
Für Abonnenten der Gedichte des Tages per Mail:
Wenn Sie den Text hierunter nicht sehen, scrollen Sie nach unten
oder klicken Sie auf die Überschrift.
Musik erraten La la la laaa La la la laaa Und? Erkannt?
Hier noch einmal der Text in anderer Formatierung, weil Verse wie in den oben stehenden Blöcken seit neuestem in manchen Mailprogrammen nicht angezeigt werden.
Musik erraten
La la la laaa
La la la laaa
Und?
Erkannt?
POESIEPANDEMIE-Preview: 2. Harald Kappel
Exklusive Erstveröffentlichung für die Lyrikzeitung. Aktuelles Buch: „nasse Landstrasse nachts“ ( 50 Gedichte, KOVD-Verlag 2022). Kappel liest am Freitag, den 12.5.2023, als Zweiter+Sechster LIVE & CLOSE in der Werstener Zweigstelle der Stadtbücherei Düsseldorf beim Projekt www.LyrikLEBT.de WEITER! (Die gleichnamige Anthologie der 4 Autoren enthält andere Texte)
Für Abonnenten der Gedichte des Tages per Mail:
Wenn Sie den Text hierunter nicht sehen, scrollen Sie nach unten
oder klicken Sie auf die Überschrift.
UNTERTON im gelben Wasser bewegen sich die Hermaphroditen auf seltsame Weise ein Spiel und eine Einbildung zwischen Seepferdchen und Rettungsschwimmern in der Fantasie nimmt ihr Neopren einen mysteriösen Raum ein zwischen oneirisch und paradox doch in den Wellen hat das Drama einen nassen Unterton jeder Gesang verklingt im sauren Bauch der Wale und wenn ich romantisch wäre könnte ich sagen wie es ist und nicht wie man einen Menschen zeichnet ich meine einen richtigen Menschen und nicht seine Antithese das ist was für helle Köpfe und nicht für eine Kreatur im gelben Wasser zwischen Seepferdchen und Rettungsschwimmer
Hier noch einmal der Text in anderer Formatierung, weil Verse wie in den oben stehenden Blöcken seit neuestem in manchen Mailprogrammen nicht angezeigt werden. / = Absatz, // = Leerzeile, /// = neue Seite. (Für Leser der Mail: die korrekte Formatierung siehe http://lyrikzeitung.com)
UNTERTON
im gelben Wasser/ bewegen sich die Hermaphroditen/ auf seltsame Weise/ ein Spiel und eine Einbildung/ zwischen Seepferdchen und Rettungsschwimmern/ in der Fantasie/ nimmt ihr Neopren/ einen mysteriösen Raum ein/ zwischen oneirisch und paradox/ doch in den Wellen/ hat das Drama einen nassen Unterton/ jeder Gesang verklingt/ im sauren Bauch der Wale/ und wenn ich romantisch wäre/ könnte ich sagen/ wie es ist/ und nicht/ wie man einen Menschen zeichnet/ ich meine/ einen richtigen Menschen/ und nicht seine Antithese/ das ist was für helle Köpfe/ und nicht/ für eine Kreatur/ im gelben Wasser/ zwischen Seepferdchen und Rettungsschwimmer/ /

POESIEPANDEMIE-Preview: 1. Boris Kerenski
Exklusive Erstveröffentlichung für die Lyrikzeitung. Aktuelles Buch: „Helden der Krise“ (Stadtlichter Presse 2020, illustriert von Dieter Groß) Kerenski liest am Freitag, den 12.5.2023 als Erster+Fünfter LIVE & CLOSE in der Werstener Zweigstelle der Stadtbücherei Düsseldorf beim Projekt www.LyrikLEBT.de WEITER! (Die gleichnamige Anthologie der 4 Autoren enthält andere Texte)
Beinhart wie’n Dengler
Charlotte wollte ihn und Dengler tat nichts, um das zu verhindern. Als sie ihn nicht mehr wollte, willigte er in die Trennung ein. Für die Zeugung eines Kindes penetrierte er seine Frau. Diesen Beitrag leistete Dengler so anstandslos wie die nun daraus resultierenden Unterhaltszahlungen. Er war nie ein Familienmensch gewesen, weshalb ihn jetzt auch keine Verluste plagen. Nur die turnusmäßigen Abbuchungen, die Reduktion im Kontoauszug auf Empfänger, IBAN, Betrag und Verwendungszweck erinnern ihn für den Bruchteil einer Sekunde an die beiden. Dengler arbeitet als Journalist, exakter als Kunstkritiker der lokalen Kulturseite, die im Mantel einer Regionalzeitung einer Stadt mit D-Lagen-Klassifikation erscheint. Giselingen hat keine 30.000 Einwohner, die Szene ist überschaubar, Dengler somit gut vernetzt und – diametral zu seiner privaten Lethargie – in Angelegenheiten der Kunst ein regelrechter Quirl und strikter Verteidiger der Maxime: „Kunst kommt von Können.“ Manchen Emporkömmling mit Installationen oder gar Performances im Portfolio hat seine Blutgrätsche vom Platz gefegt. Die Verrisse sind so gefürchtet, dass sich mittlerweile fast nur noch Druckgrafiker für eine Ausstellung in der städtischen Galerie bewerben, denn der formal-handwerkliche Aspekt findet Gnade, auch wenn Dengler die Inhalte „impertinent“ findet. (…) / FORTSETZUNG LIVE & CLOSE AM 12.5.2023 (PREMIERE!)
Heute vor 20 Jahren starb der österreichische Schriftsteller Heimrad Baecker.
Heimrad Baecker
(* 9. Mai 1925 in Wien; † 8. Mai 2003 in Linz)
Für Abonnenten der Gedichte des Tages per Mail:
Wenn Sie den Text hierunter nicht sehen, scrollen Sie nach unten
oder klicken Sie auf die Überschrift.
soldat hat seinen zweck erfüllt hat einen dreck geholfen hat sein gewand zerfetzt sich mit schand besudelt hat sich noch hergedreht bedeckt mit schorfen hat sich noch einmal hoch- geworfen
Gefunden hier https://webarchiv.servus.at/hillinger/1996/596/baecker.html
Hier noch einmal der Text in anderer Formatierung, weil Verse wie in den oben stehenden Blöcken seit neuestem in manchen Mailprogrammen nicht angezeigt werden. / = Absatz, // = Leerzeile, /// = neue Seite. (Für Leser der Mail: die korrekte Formatierung siehe http://lyrikzeitung.com)
soldat
hat seinen zweck /erfüllt /hat einen dreck /geholfen /hat sein gewand /zerfetzt /sich mit schand /besudelt /hat sich noch /hergedreht /bedeckt mit schorfen /hat sich noch einmal hoch- /geworfen //
Neueste Kommentare