Er ist der Sänger der verdammten Seelen. Der Prinz der verfluchten Dichter. Der lärmende Inspirator von Verlaine und Rimbaud. „Das ist der Boss der Poesie. Der Bruce Springsteen der 5ten Kunst“, sagt Jean Teulé, der ihm 2006 eine gut recherchierte Biografie widmete. „Ich, François Villon“ wurde gerade als Comic vom italienischen Zeichner Luigi Critone adaptiert. … Das Leben des François de Montcorbier, der im Jahre 1431 in Paris geboren wurde, paßt zu seinem Werk: verrückt, anstößig, stürmisch, ironisch, manchmal pathetisch. Illustriert von Critones meisterlicher Hand gewinnt der Lebenslauf des Autors der „Ballade der Gehängten“ und des „“Wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr“ eine zusätzliche Dimension, wie man sie vom bloßen Lesen kaum erreicht. / L’Indépendant
– Die verfluchten Dichter, Les poètes maudit, Titel eines Buches von Paul Verlaine über Dichter wie Tristan Corbière, Arthur Rimbaud, Stéphane Mallarmé und sich selber (letzteres unter derm Pseudonym Pauvre Lelian, ein Anagramm aus seinem Namen). Villon paßt in Leben und Werk wunderbar in diese Reihe.
Chemnitz, 15. November 20.00 Uhr Theater, Zieschestr. 11
Bertram Reinecke bei
Turboprop Literatur vermittelt bereits im 8. Jahr in Folge junge deutschsprachige Literatur und das Wichtigste aus dem Literaturbetrieb.
Gespickt mit einer großen Menge Beiwerk, wie Live-Lektorat, Filmchen, Quiz, Schreibpreisausschreiben, Torte, Bücher und ähnlich wichtige Nützlichkeiten, bietet turboprop alljenen, die Lesungen in Buchhandlungen nicht besuchen mögen, das entscheidende Mehr an Freude am Buch.
Erst zum dritten Mal in der achtjährigen Geschichte der Reihe ist ein Verleger zu Gast.
Er ist der Sänger der verdammten Seelen. Der Prinz der verfluchten Dichter. Der lärmende Inspirator von Verlaine und Rimbaud. „Das ist der Boss der Poesie. Der Bruce Springsteen der 5ten Kunst“…
Wer ists? Wer räts ohne Googeln? Auflösung heute nacht.
Seit Jahren gehört zu jedem Pausengeplauder beim open-mike-Wettbewerb die etwas abgewetzte Behauptung, dass die vorgetragene Lyrik der Prosa meilenweit vorauslaufe. Für die wie verlangsamt tastenden Metamorphosen in den Gedichten des Lyrik-Preisträgers Sebastian Unger, Jahrgang 1978, mochte das stimmen.
Vielleicht hat die immerzu allgemein erhobene Behauptung aber eher damit zu tun, dass die Dichter wirkungsvoller das Sprachmaterial der Gegenwart zu filetieren vermögen. Auf dem Wettbewerb war vielmals eine Art Dichterjargon zu hören, der seine Effekte zuvörderst daraus zieht, ein Vokabular freizulegen, das aktuell anmutet. Bisweilen konnte das naiv wirken. Wenn immer wieder in einzelnen Gedichten ‚Latte Machiavelli‘ geschlürft oder ‚mit dem arsch in richtung marktsegment‘ gebetet wurde, dann suggerierten diese Kalauer ihre Gegenwärtigkeit lediglich.
Haben also die Handwerksstücke der Shortstory-Schreiberinnen ihre Leichen im Keller, so ringt der Fachsprechwahn der jungen Lyriker manchmal recht mechanistisch um Leben. Das sahen Jury und Publikum ähnlich. ‚Machen Sie doch einfach mal, worauf Sie Lust haben!‘, rief Felicitas Hoppe, und alle applaudierten. / FLORIAN KESSLER, Süddeutsche Zeitung 8.11.
Hingegen erwies sich die Jury beim Lyrik-Preis als mutlos: Der am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studierende Sebastian Unger, Jahrgang 1978, schrieb über erdrückende Gefühle und Alltagsbeschreibungen – so häufig gehört, so langweilig.
Doch die Jurorin und Lyrikerin Kathrin Schmitt [!] überzeugte die beschriebene Melancholie Ungers als „vielfarbig schwarz“.
Lobend erwähnte die Jury immerhin sowohl die Lyrik-Beiträge von Charlotte Warsen und Tristan Marquardt als auch den Romanbeginn von Stefan Köglberger. …
Alles in allem war es ein starker Jahrgang. Die 250 Zuschauer haben unterschiedlich gute Texte gehört: Von epischen Landschaftsbeschreibungen (wie von Anja Kootz) über Operetten-Groteske des Selbstdarstellers Meter Mütze bis hin zu experimenteller Lyrik eines Tristan Marquardt reichte das Spektrum. / Angelo Algieri, Saarbrücker Zeitung 10.11.
Die Lyrik ging in diesem Jahr auffallend in die Breite. Statt Vers-Verdichtung wurden kreuz und quer schießende Assoziationsströme einer hyperreflexiven Empfindsamkeit geboten. Ein hoher Ernst ist am Werk, der Verständlichkeit als banausische Zumutung empfindet. Intermedial angeschlossen und auf der Höhe vielfältiger Diskurse, aber mit dem Rücken zum Publikum geschrieben wird diese neue Lyrik zum Dorfplatz für urbane Eremiten. „Dunkelfarbige Melancholie“ rühmte die Jury an den Gedichten des 1978 geborenen Sebastian Unger, der den Lyrikpreis erhielt. Seine Texte orientieren sich an der Bildlichkeit von Borges‘ „Phantastischer Zoologie“ und stellen das Leben still in Epiphanien von erhabener Müdigkeit. / Wolfgang Schneider, FAZ 8.11.
Mehr verdient hätte den Preis Tristan Marquardt, dessen fragmentarisch-holprige Wortkaskaden für begeisterten Applaus sorgten und der Jury immerhin ein Lob entlockten. Seine Gedichte zeichnen eine Stimmung des gedankenlosen Dahinlebens, das vom Zufall bestimmt scheint, und den Personen nichts weiter lässt, als verwunderte Blicke in die Welt zu werfen – in „das blaue whatever / dürfte der himmel sein“, wie es in seinem Gedicht „fehl am platz am fenster“ heißt. / Julia Kohl, Berliner Zeitung 7.11.
Besonders im Bereich der Lyrik gibt es vielversprechenden Nachwuchs, zum Beispiel Charlotte Warsen und Tristan Marquardt. / blogabsatz.de
Die Publikumsjury durfte sich ja nur einen Sieger aussuchen, und dabei hatten die Lyriker naturgemäß weniger Chancen, doch Tristan Marquardt hätte es fast geschafft, der erste Sieger zu werden, der von der taz-Jury ausgesucht worden wäre. Er riss mit seinem lebendigen Vortrag das Publikum und uns fünf mit, selbst die Autoren-Jury erwähnte ihn deswegen lobend. Tristan Marquardt ist der Dichter der Zehner-Jahre, er lebt seine Lyrik, er lebt seine Texte – ich hoffe und glaube auch, dass er bald viele Preise gewinnen wird. Und natürlich auch gelesen wird! / schmerzwach.blogspot.com
Spielend bewegt sich der Wiener dabei im Referenzuniversum, zitiert scheinbar mühelos den jungen Ambros, Syd Barrett und allerlei schrägen 60er-Jahre-Kram.
Die Texte? Kaum fassbar, stets pendelnd zwischen purem Nonsens, punktgenauen Alltagsbeobachtungen und lyrischen Schrägflügen. Manchmal verläuft diese Lyrik-Flut im Leeren, dann wieder gelingen wahre Song-Perlen wie „Plurabelle“, „Venedig geht unter“ oder „Finnigans Wake“. / Lukas Luger, Oberösterreichische Nachrichten
Nino Mandl alias „Nino aus Wien“: „Schwunder“
Christoph Meckels Erinnerungsbuch an die Nachkriegszeit in der „Russischen Zone“ ist keine der üblichen Autobiografien. …
Meckels Buch ist frei von Larmoyanz und Verbitterung gegen die Russen. Und das Kind, das unter den Bedingungen der Besatzung, trotz innerer Bereitschaft, kein Russisch erlernen sollte, wird als junger Mann zum Liebhaber russischer Literatur – um im Paris der Fünfzigerjahre schließlich Paul Celan zu treffen und im Manuskript seine Nachdichtungen Mandelstams, Bloks und Jessenins zu lesen. Ein versöhnlicher Ausblick am Schluss dieses kleinen Meisterwerks. / Jan Koneffke, Die Presse 12.11.
Neuentdeckte Gedichte Siegfried Sassoons werfen neues Licht auf die Sicht des Autores von scharfen Antikriegsgedichten wie „The Redeemer“ und „Suicide in the Trenches“ auf den ersten Weltkrieg.
Seine Biografin Dr. Jean Moorcroft Wilson entdeckte die Gedichte im Archiv der Universität Cambridge in einem Tagebuch aus dem Schützengraben vom Januar 1916. Sie zeigen, daß der junge Dichter, der im November 1915 zu seinem Batallion in Frankreich gestoßen war, nicht sofort zornige Gedichte über die Schrecken des Krieges schrieb, sondern ihn zuerst als heroisches Abenteuer ansah.
In The Hero erfährt eine Mutter vom Tod ihres Sohnes („Jack fell as he’d have wished“), während der Offizier, der ihr die Nachricht überbringt, daran denkt, „how ‚Jack‘, cold-footed, useless swine, / Had panicked down the trench that night the mine / Went up“. The Redeemer ist die Vision eines Soldaten im Schützengraben als Christus, die so endet: „O Christ Almighty, now I’m stuck!“. In Suicide in the Trenches, schreibt er darüber, wie ein „simple soldier boy … put a bullet through his brain. / No one spoke of him again.“
Nachdem Sassoon 1917 von einem Scharfschützen verwundet wurde, kam er nach England zurück und schrieb weiter an seiner berühmten „declaration against the war“, in der er den Krieg als „a war of aggression and conquest“ entlarvt und erklärt: „I can no longer be a party to prolong these sufferings for ends which I believe to be evil and unjust“.
Ganz anders in den neuentdeckten Gedichten: „You and the winds ride out together / Your company the world’s great weather / The clouds your plume, the glittering sky / A host of swords in harmony / With the whole loveliness of light flung forth to lead you through the fight“. Das erinnere mehr an die idealistischen Kriegsgedichte von Rupert Brooke. / Alison Flood, Guardian 11.11.
Vom Krieg zum Frieden
Sassoon, Siegfried. – Köln: Volker-Verl., 1947
Glück im Sattel
Sassoon, Siegfried. – Kempen-Niederrh.: Thomas-Verl., 1949
In der 4bändigen Anthologie englischer und amerikanischer Dichtung von Horst Meller und Klaus Reichert, C.H. Beck 2000, finden sich zwei Gedichte von Sassoon (wenn auch keins der hier genannten). Vielleicht kennt jemand andere Übersetzungen?
… denn heute ist es soweit:
Am Freitag, 11. November, feiert der Leipziger Dichter Andreas Reimann nicht nur seinen 65. Geburtstag. Im Haus des Buches wird gleichzeitig der erste Band einer Andreas-Reimann-Werkausgabe vorgestellt. „Die Weisheit des Fleischs“ heißt der. Er erschien 1975 in der DDR und hatte ein ähnliches Schicksal wie Thomas Böhmes „Mit der Sanduhr am Gürtel“: Er wurde zu einem Bestseller und zu einer Legende.
Und das Warten auf Band 1 lohnt sich natürlich, denn hier werden seine Gedichte aus den Akten der Stasi auftauchen. Li-Z
Leipzig, 19.30 Uhr, Haus des Buches,
An die Lyrikerin Maria Luise Weissmann (1899–1929) erinnert ein aktueller Eintrag im Autorenlexikon des Literaturblogs Bayern.
Weg im Nebel
Nun wird die Spur der Füße langsam ungetan,
Und aus der Tiefe, aus der tiefen Tiefe steigt
Das Trübe, schwadengrauer Nebel himmelan.
Nun wird der Augen-Aufblick langsam leer,
Und aus der Höhe, aus der hohen Höhe neigt
Die Wolke sich, sinkt Nebel erdwärts schwer.
Nun drängt zu dem verwandten Un-Gesicht
Das Wesenlose aus den fahlen Gründen
Und hebt sich sehnend ins versäumte Licht.
Nun flieht, was war: es fliehen Busch und Baum,
Flieh’n Berg und Tal, die sich zur Flucht verbünden,
Es fliehst du, Herz. Es floh’n die Zeit, der Raum.
Land wurde Meer. Meer wurde schwälend Schaum.
Ihn schlürft, sich fröstelnd zu entzünden,
Das ungelebte Leben und der ungeträumte Traum.
(zitiert nach http://www.wortblume.de/dichterinnen/)
Um das „Alleinsein der Sterbenden“ ging es dem polnischen Dichter, als er 1943 in Warschau sein Gedicht „Campo de Fiori“ schrieb. Um Menschen, denen an der Schwelle zum Tod die Sprache fremd geworden ist. Milosz verknüpft darin die Geschehnisse im Warschauer Ghetto mit dem Schicksal des Philosophen Giordano Bruno, der im Jahr 1600 an der Schwelle zur Neuzeit als letzter großer Denker auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde – auf dem Campo de Fiori in Rom. Rom und Warschau sind dem Dichter gleichermaßen Orte, an denen banales Alltagsleben und das Unfassbare nebeneinander stattfindet, und an denen Sprache versagt. / Märkische Oderzeitung
Die Deutsche Presse-Agentur hat Kurator Politycki mit den Worten zitiert, er spreche sich für eine „neue Unlesbarkeit“ der deutschen Gegenwartsliteratur aus, die nicht jeden „Tausendsassa, die jetzt auch noch ein Buch schreibt“ im Club der Schriftsteller willkommen heißt. / fabmuc.de
Autoren antworten, darunter Andreas Heidtmann:
Es mag sein, dass Erzählungen und Romane, vor allem Debüts, immer wieder eine gewisse Vergleichbarkeit aufweisen, es wird zuweilen wenig erlebt und das wenig Erlebte schlicht beschrieben. Aber die Literaturlandschaft ist viel zu differenziert, als dass man ihr mit allgemeinen Etiketten beikommen könnte. Wir haben, etwa auch in der Lyrik, viele Autoren, die sich gerade von der Alltagslesbarkeit abwenden und mit großer Kenntnis und Intuition mit der Sprache arbeiten, so dass wir alles andere als eine auf Lesbarkeit abzielende Dichtung haben.
oder Alexander Gumz.
Andere sehen die Sache anders, so naturgemäß Hundertsassa Anton G. Leitner, der sich selbst zitiert und von Politycki enttäuscht ist:
Wenn ich mich recht erinnere, haben wir fürs Literaturfest München Lyriker ausgesucht, die eher „lesbare Texte“ produzieren und deshalb beim Vortrag ein Publikum begeistern können. Hat inzwischen ein Paradigmenwechsel stattgefunden?
Wenn ich mich recht erinnere, gibt es in München eine fabelhafte Lyrikbibliothek, auf die Berlin neidisch sein kann.
Der Lyriker, Kritiker und Kunsthistoriker ist indes zunächst vor allem als Bandleader der Plastic People of the Universe berühmt geworden. Er unterzeichnete die Charta 77. Aus politischen Gründen wurde er in den 1970er und 1980er Jahren fünfmal verurteilt und verbrachte insgesamt achteinhalb Jahre im Gefängnis. Nach der Samtenen Revolution wurde Jirous Mitglied des PEN-Klubs. Der Dichter engagierte sich auch weiterhin politisch. Er setzte sich beispielsweise für die Errichtung einer US-amerikanischen Raketenabwehr-Radaranlage in Mittelböhmen ein.
Ivan Martin Jirous, auch bekannt unter seinem Pseudonym Magor (* 23. September 1944 in Humpolec, Protektorat Böhmen und Mähren; † 10. November 2011 in Prag) war ein tschechischer Lyriker, Kritiker und Kunsthistoriker. Er war eine der zentralen Figuren des tschechischen Underground.
Er war der Initiator der Musikgruppe Plastic People of the Universe, deren Verbot durch das Regime einer der Anlässe für die Charta 77 war.
Ivan Martin Jirous (September 23, 1944[1] – November 10, 2011[2]) was a Czech poet, best known for being the artistic director of the Czech psychedelic rock group The Plastic People of the Universe and later one of organizers of Czech underground during the communist regime. He is also known more frequently as Magor, which can be roughly translated as „loony“ or „blockhead“ and is supposedly derived from „phantasmagoria“, author of this nickname is „experimental“ poet Eugen Brikcius.[1] His wife, Věra Jirousová, wrote a good number of the Plastics‘ early lyrics.
Trained as an art historian but unable to work as such under the Communist regime in then Czechoslovakia, Magor/Jirous was a member of the dissident subculture there. His particular contribution to Czech dissidence was his work on the concept of the „Parallel Polis,“ or „Second Culture.“ Magor believed that simply expressing oneself through art could ultimately undermine the totalitarian system.
He was friends with Václav Havel, and is mentioned several times in Havel’s Letters to Olga.
References
External links
The Prague Post Blogs / Ivan Jirous: Madman From the Underground, Prague Post /
Heute neu in poetenladen.de vier Gedichte von Frauke Tomczak, eines davon mit dem Titel »Pan« .
Die in Gedichtform gegossenen Sedativa von befindlichkeitsfixierten Momentaufnahmen werden wohl niemanden aus der Siesta reißen. …
Obwohl Hummelts Texte vor allem die gediegene Ruhe von »pans stunde« wieder in die Lyrik bringen wollen, erahnt man noch den Versuch, Unruhe zu stiften, Widerspruch, Panik. Die Kontraste sind jedoch nur spärlich eingesät. Der Band dümpelt vor sich hin, mittagsfaul und bewegungsunfähig. Welche Dimension Hummelts Gedichte auch hätten bekommen können, welches politische Potential in ihnen vielleicht sogar stecken könnte – es wird verdrängt von klebrigem Pathos und stilisiertem Kitsch. / Kristoffer Cornils, junge Welt 7.11.
Norbert Hummelt: pans stunde. Gedichte. Luchterhand, München 2011, 96 S., 16,99 Euro.
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