Vom 14. bis 17. März 2012 wird Falkensee Gastgeber der Gertrud-Kolmar-Gesellschaft sein. Es ist das zweite Tagung dieser Art – die erste fand vor zwei Jahren in Weimar statt – und wird sich ausschließlich mit den Übersetzungen des Werkes der jüdischen Dichterin Gertrud Kolmar (1894-1943) in fremde Sprachen befassen.
Erwartet werden 20 bis 25 Literaturwissenschaftler und Übersetzer. Die Schirmherrschaft liegt in den Händen von Hinrich Schmidt-Henkel, dem Vorsitzenden des Verbandes deutschsprachiger Übersetzer. / Hiltrud Müller, Märkische Allgemeine
Dalit-Poeten, die beim Hay-Festival im indischen Bundesstaat Kerala auftraten, wurden mit der provokatorischen Frage konfrontiert, warum sie sich selber als „Dalit“, Unberührbare brandmarkten, wo sie auch auf Malayalam schreiben könnten. (Dalit ist die Selbstbezeichnung einer heterogenen Gruppe mit diversen Religionen und Sprachen, siehe unten). „Ihre Gedichte haben viele Leser. Warum sprechen Sie von Dalit-Lyrik? Ist es nicht, als ob Sie sich selbst freiwillig in Ketten legten?“
Dalit-Poeten wie MB Manoj, Vijila Chirappad, MR Renukumar und Sunny M Kappikad nahmen an der Veranstaltung teil. Kappikad sagte, Enttäuschung über seine früheren revolutionären Ideale habe ihn zum Schreiben gebracht. Er sei aktives Mitglied einer revolutionären Partei gewesen, aber als er bemerkte, daß die Dalit-Ideologie aus der Partei verschwunden sei, habe er zu schreiben begonnen. / Times of India
Wikipedia sagt:
Dalit ist die Selbstbezeichnung der Nachfahren der indischen Ureinwohner, die aus rassistischen Gründen als „Unberührbare“ aus dem Kastensystem der kriegerischen indoarischen Einwanderer bzw. Eroberer bis heute oft ausgeschlossenen sind. Der Begriff entwickelte sich aus dem Sanskritwort दल् , dal; er wird übersetzt mit zerbrochen, zerrissen, zerdrückt, vertrieben, niedergetreten, zerstört und Der-Zur-Schau-Gestellte.
In der westlichen Welt, insbesondere im deutschen Sprachraum, werden sie teilweise auch als Paria bezeichnet;Gandhi nannte sie Harijan (im Westen ungenau als Kinder Gottes übersetzt, eigentlich: „Vishnu-Geborene“). Diese Bezeichnung wurde von den Dalits immer abgelehnt, da sie nicht als schützenswerte Kinder, sondern als gleichberechtigte Menschen und Inder gesehen werden wollen. Der im Westen oftmals gebrauchte Begriff „Kastenlose“ ist unpräzise, da die Unberührbaren durchaus einer Kaste (Jati) angehören, wenn auch keiner Varna.
Jyotiba Phule, der Vater der indischen Sozialrevolution, benutzte das Wort Dalit im späten 19. Jahrhundert für die Opfer des Kastensystems.
Die englische Version geht auch auf Dalitliteratur ein:
One of the foremost and earliest dalit scholar is Shri Valmiki, author of the famous epic poem Ramayana.[59] Shri Valmiki is considered to be oldest and greatest poet in Indian history. He is called Maha Kavi or Adi Kavi in Sanskrit.
Das Auktionshaus Sotheby’s versteigert ein unbekanntes Notizheft des berühmten indischen Dichters Rabindranath Tagore aus dem Herbst 1928. Es enthält 12 Gedichte und Liedtexte auf Bengali, darunter einige stark überarbeitete Fassungen zuvor veröffentlichter Texte. Das Buch wird auf $150.000 bis 250.000 geschätzt.
Tagore, der 1913 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, schrieb tausende Gedichte. / artdaily.org
November 17, 2011 by Elaine Castillo
From the Occupy Wall Street People’s Library:
For the past 6 weeks poets from around the world have been sending poems to the People’s Library in an effort to create a living/breathing poetry anthology in solidarity with the Occupy Wall St. movement. All poems are accepted into the anthology. The anthology is updated on a weekly basis. If you’d like a poem added to the anthology email stephenjboyer@gmail(dot)com and please include “occupy poetry” in the subject.
Enjoy. Keep Occupying!
Read the current incarnation of the Occupy Wall Street Poetry Anthology here.
With Masha Tupitsyn, Filip Marinovich, Stephen Boyer, Eileen Myles, Adrienne Rich, Charles Bernstein, Anne Waldman, Martín Espada, Penelope Schott, Marilyn Hacker, Jorie Graham, Anselm Berrigan, Ingrid Feeney, Philomene Long, Lisa Cattrone, Ben Lerner, Carolyn Elliott, Feliz Lucia Molina, Maureen Seaton, Samuel Ace, Wanda Coleman, Lawrence Ferlinghetti, Kevin Killian, D.A. Powell, Rebecca Mertz, Vincent Katz, Jena Osman and many, many, many others.
News from the library today, November 17, Day of Action:
The NYPD seized the People’s Library again tonight. We set up the library again today with 100 books, and the police came over this evening and stood in a line around the books, blocking anyone from reaching the books by creating a fence with their batons. The officers then ordered the Brookfield property sanitation crew to throw them in a trash can. We photographed it all, and video is available on the blog here. The police were asked why they were taking the books and one officer said “I don’t know.”
Den Poetik-Preis [sic, muß heißen Poesie- oder Lyrikpreis] erhielt Nikky Finney für ihre vierte Kollektion, „Head Off & Split“. … Pulitzerpreis-Gewinner John Ashbery wurde für sein Lebenswerk mit dem Ehrenpreis des Abends ausgezeichnet.
Die National Book Foundation vergibt jährlich den mit 10.000 Dollar (rund 7.400 Euro) dotierten Preis an amerikanische Autoren. Der Award gilt in den USA als eine der wichtigsten Literaturauszeichnungen nach dem Pulitzerpreis. Die [sic] Schauspieler und Autor John Lithgow führte vor über 600 Gästen durch den Abend der 62. Verleihung. (APA) Standard
Zwei der fünf Hauptpreise gingen an afroamerikanische Frauen. Der Preis für Erzählliteratur ging an Jesmyn Wards Roman „Salvage the Bones“ über eine Familie, die vom Hurricane Katrina betroffen wurde.
Nikky Finney gewann den Lyrikpreis für den Band „Head Off & Split“ (Northwestern University’s Triquarterly imprint).
Bei der Verleihung am Mittwoch trat auch die Lyrikerin Elizabeth Alexander auf, die bei der Amtseinführung Präsident Obamas 2009 gelesen hatte. Der Dichter John Ashbery, 84, erhielt den Preis für ein Lebenswerk, die Medal for Distinguished Contribution to American Letters. In seiner Dankrede sagte er, seit seinen literarischen Anfängen habe „schwierige Lyrik“ an Anziehungskraft verloren.
Finneys Dankrede verband die Lyrik mit einer großen Diskussion von Rasse, Schreiben und Lesen. „Das war die beste Dankrede, die ich jemals gehört habe“, sagte Lithgow. / Carolyn Kellogg, Chcago Tribuine 17.11.
Hier aus jederzeit gegebenem Anlaß ein Auszug aus meinem „Atlas der Lyrik“, Blatt 476: Irrhain der Gegenwartslyrik. (Nur die Beschriftung ist noch gesperrt, da in beständiger Überarbeitung).

Wie die beiden Jurorinnen des diesjährigen Open Mike Felicitas Hoppe und Kathrin Schmidt dem Wettbewerb publizistisch hinterher treten, ist schon interessant. Erst Felicitas Hoppe, die den zur Preisverleihung anwesenden Journalisten im Grunde folgendes einigermaßen wirre Fazit in die Blöcke diktierte „Handwerklich solide, publikumswirksam vorgetragen, aber alles viel zu solide zu publikumswirksam vorgetragen. Weil uns das sehr verstört hat, haben wir die solidesten und publikumswirksamsten ausgezeichnet“ . Nun gesellt sich Kathrin Schmidt hinzu, die in einem Beitrag auf fabmuc unfertigen Poetiken und schlecht vorgetragenen Lyriklesungen hinterhertrauert. (Sorry für die polemische Reduktion, aber wie soll man das im Kontext sonst verstehen?) „Man ist ja schon froh, wenn einer sich in der Bescheidenheit übt, einfach seine Arbeit vorstellen zu wollen.“
Was Hoppe wie auch Schmidt da machen, ist relativ problematisch. Die Vortragsweise – an der nun wirklich nichts aber auch gar nichts auszusetzen war – wird perfide gegen die Autoren verwendet. Das klingt für mich schon eher nach Generationenkonflikt und eigener Verunsicherung denn nach echter Auseinandersetzung mit dem, was da kam. Im Grunde sagten beide Jurorinnen (insbesondere zum Großteil der Lyrik): ich kann damit nichts anfangen. Weil das aber den eigenen Standpunkt in Frage stellt, muss das, womit man nichts anfangen kann, geschwindelt sein. Deswegen benutze ich das an sich überzogene Wort „perfide“, denn ehrlich gesagt glaube ich, haben sich beide Jurorinnen die Motivation ihrer Äußerungen nicht eingestanden. „Perfide“ ist also nicht so gemeint, dass ich einen Vorsatz erkenne, sondern auf die Auswirkung der Aussagen bezogen.
Der Vorwurf, hier würde eine Vortragskunst mangelnde Qualität zukleistern, den man ja vertreten kann, wenn man die vorgestellte Lyrik nicht mag, wird leider in einen grundsätzlichen Professionalisierungsvorwurf (ist das wirklich ernst gemeint?) verkleidet.
Und ausgezeichnet wurde in der Prosa dann doch ausgerechnet eine Autorin, die eine brillante Inszenierung ihres Textes geradezu verkörperte. Es war eine schiere Freude der Gewinnern Christina Böhm zu lauschen. (So schädlich scheint professionelles Schreiben und Lesen also doch nicht zu sein… was denn nun?)
Bei der Lyrik hat man sich ebenfalls exzellent entschieden. Aber! man hätte durchaus zahlreiche sehr weltgewandte Lyriker zur Verfügung gehabt, die nicht dem anderen Vorwurf gegen die Beiträger entsprochen hätten, sie schrieben privat, zu selbstbezogen oder wie an anderer Stelle gern vorgetragen zu „mild“. Bei aller Wertschätzung für Sebastian Unger, seine Gedichte sind großartig, er ist zurecht ausgezeichnet worden. Allerdings macht die Auszeichnung unter den Vorzeichen solcher Vorwürfe wenig Sinn. Seine Gedichte waren nun gerade eben dies, die Verarbeitung relativ zeitlosen individuellen Leids. Aber dafür dann demütig genug vorgetragen? Will Kathrin Schmidt die Auszeichnung im Nachhinein so begründen? Eine Frechheit gegenüber dem Ausgezeichneten wie gegenüber jenen, die nicht ausgezeichnet wurden.
Mir haben alle ausgezeichneten Texte selbst ausnehmend gut gefallen, ich kritisiere nicht die Preisträger, sondern den Stil der Jury. (An dieser Stelle sei auch angemerkt, dass luxbooks dieses Jahr die Vorauswahl der Lyrikbeiträger vorgenommen hat, dass wir große Freude dabei hatten und es mit durchweg exzellenten, spannenden Lyrikern zu tun hatten, dass ich auch deswegen das Gefühl habe, hier widersprechen zu müssen.)
Felicitas Hoppe hat aus ihrer Rede „an die Autoren“ einen Nachsatz gegen die Autoren des Wettbewerbs gemacht. Damit hat sie dem Preis und den von ihr Ausgezeichneten (man betrachte die Nachberichterstattung, alle machen aus der Bemerkung Hoppes das Grundfazit) mutmaßlich unwillentlich arg geschadet. Dass Kathrin Schmidt dies nun fortführt, stimmt nachdenklich.
Was mich besonders ärgert, ist eigentlich dass der Professionalisierungs-/Handwerklichkeitsvorwurf für nicht Dabeigewesene also für alle, die über den Open Mike in den Medien lesen, die Assoziation „zu glatt“ und „langweilig“ erzeugen muss. (Gemeint war ja eigentlich das Gegenteil, zu sehr auf Marktgängigkeit schielend). Dabei war die Prosa keineswegs immer handwerklich solide, sondern teilweise katastrophal schlecht. Die Lyrik hingegen war alles andere als „glatt“ oder langweilig, sie war kantig, vielseitig, gesellschaftsbezogen und lustvoll vorgetragen. Sie war auch keineswegs privatistisch/irgendwie befindlich wie es an anderer Stelle über die diesjährigen Beiträger hieß. Das konnte man für einen Großteil der Prosa durchaus sagen, wobei das aus meiner Sicht eher Feststellung denn Vorwurf ist. Warum sollen sich Autoren nicht mit sich selbst befassen? Was ist das bitte für ein literarischer Maßsstab? Es ist schlicht Ausdruck eines eigenen Lektürewunsches, also vom Kritiker selbst recht privatistisch gedacht.
Ich empfinde beide Äußerungen als verdammt schlechten Stil. Man stellt sich als Juror eines Wettbewerbs doch nicht hinterher hin und wirft allen Teilnehmern und damit auch den Ausgezeichneten und damit der eigenen Arbeit Dreck hinterher. Dann vergibt man konsequenter Weise keinen Preis. Die Jury will hier gleichzeitig die feuilletonistische Arbeit übernehmen. Dass dann im Nachhinein auch noch ein einzelner Autor von Kathrin Schmidt herausgepickt und ziemlich hässlich angegangen wird, finde ich eine ziemlich leichtfertige Frechheit.
Christian Lux
luxbooks
Aber Stolterfoht wäre nicht Stolterfoht, wenn er authentisches Wissen verbreiten würde. „Alles erfunden“, sagt er. Pseudoautobiografisch sei der Band. So hat der 48-jährige die Sage erfunden, dass die Heslacher Kinder von Hunden aufgezogen wurden, weil ihre Eltern auf Wanderschaft gingen, um die Menschen mit Free Jazz zu unterhalten. Außerdem hat er den Bewohnern eine eigene Sprache angedichtet und das Gerücht in die Welt gesetzt, dass in den Jugendzimmern nicht der banale „Bravo“-Starschnitt von den Bee Gees hing, sondern einer von Helmut Heißenbüttel. Auch dieses gefälschte Relikt hängt jetzt im Literaturhaus. Der Wortkünstler Heißenbüttel lebte damals in Botnang und Stolterfoht verehrte ihn als Schüler des Karls-Gymnasiums. Als zwei Schülerzeitungsredakteure zum Heißenbüttel-Interview aufbrachen, ging er aus lauter Ehrfurcht nicht mit.
„Sie kamen dann mit einem skandalösen Text am Rande der Pornografie zurück“, erzählt er. Und so steht jetzt auf der großen Zitate-Wand unter anderem eben jene Textpassage aus dem Gedicht, in der Stolterfoht diese Begebenheit schildert. Die betextete Wand bildet das Zentrum der Ausstellung. „Ich habe dafür Texte und Fragmente ausgewählt, zu denen es etwas anzumerken gibt“, erklärt der Autor. Die Verweise unter seinen eigenen Texten sind somit Bestandteile des Handapparats. / Sybille Neth, Stuttgarter Zeitung
Ausstellung Handapparat Heslach wird am Freitag, 16 Uhr, im Literaturhaus eröffnet.
Die Ausstellung läuft bis zum 29. Februar 2012.
In Moskau wurde am Mittwoch die Leiche eines tschetschenischen Dichters und Wissenschaftlers aufgefunden. Die Ermittler sprachen von einem Auftragsmord.
Ruslan Achtachanow wurde von einer Kugel in den Kopf getroffen, der Mörder floh in einem Auto.
Menschenrechtsorganisationen werfen dem tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadirow vor, Folter und Massenhinrichtungen gegen islamistische Kämpfer anzuwenden. / Reuters, 20minutes.fr
Der open mike ist als Geschäftstürenöffner gedacht für junge Autoren. Was mir auffiel: Jeder junge Autor scheint über eine ausgearbeitete Poetik zu verfügen, ist ein Vortragsgenie und versucht mitunter, aus Scheiße Bonbon zu machen mit vollendeter Performance. Zwischen der Zeit (und dem Ort, zugegeben) meines Beginns und der heutiger Autoren liegen Welten. Man ist ja schon froh, wenn einer sich in der Bescheidenheit übt, einfach seine Arbeit vorstellen zu wollen. So fertig geben sie sich, die Jungen unter uns, dass mir schwindlig wird. Dabei waren zum Beispiel die Gedichte eines Lyrikers, las man sie, entgegen der ausgestellten Setzung mit Längsstrichen, Zeilenbrüchen, rechts und links im Blocksatz gestellten Blöcken, hintereinander weg, geradezu einfach, um nicht zu sagen schlicht. Umso größer war mein Erstaunen, dass man mir hinterher sagte, man wundere sich, dass dieser Lyriker den Lyrikpreis nicht bekommen habe. Ja, da kommt mir mein Hang zum Konservativen doch seltsam vor, ich fühle mich alt dabei und mag dennoch nicht glauben, dass ich mich grundsätzlich irre. / Kathrin Schmidt, fabmuc
Wie Joan Baez und Biermann die Stasi austricksten, erzählt Norbert Koch-Klaucke im Berliner Kurier.
Die Hamburger Kulturbehörde vergibt jährlich Förderpreise für Literatur und literarische Übersetzungen. In diesem Jahr haben sich etwa 200 Schriftstellerinnen und Schriftsteller an dem Wettbewerb beteiligt und ihre Texte anonymisiert eingereicht. Die unabhängige Jury hat entschieden, dass die mit jeweils 6.000 Euro dotierten Förderpreise für Literatur 2011 an folgende Schriftsteller gehen: Isabel Bogdan, Alexander Häusser, Ulrich Koch, Karen Köhler, Dietrich Machmer und Inga Sawade.
Je einen Förderpreis für literarische Übersetzungen über 2.500 Euro erhalten Ursel Allenstein, Ingo Herzke und Susanne Höbel.
Übersetzt wurden zwei Werke aus dem amerikanischen Englisch und eines aus dem Dänischen.
Die Preise zur Literaturförderung gingen an zwei Romane, zwei der Schriftstellerinnen und Schriftsteller schrieben Lyrik und zwei Kurzprosa. / hamburg.de
Norbert Scheuer ist ein Ethnologe und Orpheus des Dorfs. Bereits 1997 erschien in kleiner Auflage der Lyrikband «Ein Echo von allem». Und diese (mittlerweile vergriffenen) Gedichte sind sämtlich in die «Neuen Heimatgedichte» eingegangen, und mit ihnen die stillgelegten Bergwerke, die Fossiliensammler, die Kiesgrube, die Mauersegler, die sich in der Luft begatten, die Sprudelfabrik und in der dem heiligen Dionysius geweihten Basilika die Sandalen von Jesus. Scheuers Poesie versucht keine formal riskanten Pirouetten. Sie bewahrt die scheinbare Einfachheit von Alltagsnotaten (da und dort klangliche Korrespondenzen oder rhythmisch begründete Leerräume). / Angelika Overath, Neue Zürcher Zeitung 16.11.
Norbert Scheuer: Bis ich dies alles liebte. Neue Heimatgedichte. Verlag C. H. Beck, München 2011. 100 S., Fr. 24.90.
Ihre Texte sind Lyrik-Pflichtlektüre zum Abitur. Bisher sind fünf Bände, ein Essayband und zahlreiche Beiträge für Radio und Feuilleton erschienen.
Zusammen mit dem Pianisten und „Periphär-Instrumentalisten“ Franz Tröger, der es vermag, der Spieluhr nie Gehörtes zu entlocken, ebnet Gomringer den Zuschauern humorvoll und leicht den Weg zur Lyrik. / Deutsche Bahn AG
Am Montag starb Franz Josef Degenhardt in einem Land, das längst einen einseitigen Frieden mit ihm geschlossen hatte. Die linke Verblüffung über die schlichte Zahl der Nachrufe, die von der WELT bis zur F.A.Z. beinahe überall erscheinen, verweist nicht nur auf Rundfunk-Sendeverbote und den SPD-Ausschluss des Kommunisten. Es ist der Hass des kleinen Deutschen – von Degenhardt nicht ohne Stolz in der »Großen Schimpflitanei« nachgesungen – der aufmerken lässt.
Degenhardt hat die bürgerlichen Phantasiewelten des Wirtschaftswunders vermutlich nachhaltiger zerstört als irgendein anderer Künstler – in der Sprache schauderhafter Poesie, nicht des empörten Parolengekeifes! Das gilt besonders für den »Deutschen Sonntag«, aber auch für den eigentlichen Hit des Liedermachers: »Spiel nicht mit den Schmuddelkindern«. Heute nimmt ihm das niemand mehr übel, der bösartige Zynismus ist schließlich künstlerischer Beweis neudeutscher Selbstkritik geworden – selbst Degenhardts eindeutige Parteinahme für Kommunismus, Sowjetunion und DKP verbleiben als streitbares skurriles Detail am Rande. / Beatpunk
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