Große Aufregung um Wörter aus dem Wörterbuch „Österreichisch-Deutsch“, die auf Glastafeln gedruckt am Wiener Flughafen Schwechat die Besucher begrüßen sollen.
Auf den vor Wochen installierten Tafeln befinden sich Wörter wie „Futlapperl“ Schamlippe oder „wischerln“, was soviel wie urinieren bedeutet.
Die unangebrachten Wörter sollen nun durch „Willkommen-Schriftzüge“ ersetzt werden.
http://noe.orf.at/news/stories/2512659/
Dazu ein Kommentar von Christian Ide Hintze:
2. Wer immer die Idee hatte, diese Wörter dem von Astrid Wintersberger unter beratender Mitarbeit von H.C. Artmann herausgegebenen Wörterbuch zu entnehmen: vor den Vorhang! Das Hosen- und Handtaschenbuch mit dem roten Einband ist weder „für“ noch „gegen“ etwas, es propagiert nichts und bekämpft auch nichts, es zählt lediglich einige Wörter auf, gibt ihnen eine literarische, eine augenzwinkernde Note und eignet sich als Türöffner für labyrinthische Sprachspiele jeglicher Art. (…)
4. Wer immer die Idee hatte, die Wörter „Futlapperl“ und „wischerln“ zu zensurieren, mit Packpapier zu verhängen und damit besonders hervorzuheben: vor den Vorhang! Die beiden Wörter sind geradezu prädestiniert für Phantasien über etymologische oder lautmalerische Zusammenhänge.
5. Wer immer die Idee hatte, die Zensurmaßnahme mit dem Argument, es sei „unerlässlich, dafür Sorge zu tragen, dass Passagieren keine potenziell fremdenfeindlichen, diskriminierenden, frauenfeindlichen oder religiöse Gefühle verletzenden Inhalte aufgezwungen werden“ , zu rechtfertigen: runter von der Bühne! Bierernst trifft die Sache ebenso wenig wie die Verwechslung von lexikalischen Begriffen mit Inhaltsangaben oder Botschaften. …
6. Wer immer die Genehmigung zur Aufstellung dieser Wörter gegeben, dann wieder zurückgezogen bzw. beschränkt hat, muss irgendwann einmal – vielleicht zum allerersten Mal überhaupt – angefangen haben, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.
7. Ich ziehe meinen Hut vor Artmanns Fähigkeit, über seinen Tod hinaus das p.t. Publikum, auch das pressesprecherische, mit Fragen zur Sprache zu beschäftigen.
/ DER STANDARD – Printausgabe, 14. Dezember 2011
„Per Vers bekomm ich 1000 Eier“, prahlte einst Robert Gernhardt. Ein australischer Dichter hat es wirklich geschafft. Mark Tredennick gewann den erstmals ausgeschriebenen Internationalen Lyrikpreis von Montreal, mit 50.000 Dollar (37.000 Euro) wohl der höchstdotierte Preis für ein Einzelgedicht. 3200 Gedichte wurden von Lyrikern aus 59 Ländern eingesandt. Der frühere britische Poet laureate Andrew Motion wählte den Gewinner aus einer Shortlist von 44 Gedichten aus. Die Gedichte der shortlist waren anonymisiert. Der Preis wird durch Spenden finanziert und von Freiwilligen organisiert.
Tredennick schrieb das Gedicht kurz nach dem Tsunami in Japan bei einem Spaziergang am Columbiafluß in den Vereinigten Staaten.
Mit dem Preisgeld werde er Schulden begleichen („Dichter leben mit Schulden“), sich Ruhe zum Schreiben erkaufen und vielleicht einen Füllhalter, ein Jackett, einen Laptop für die Tochter, eine Reise zu einem japanischen Tempel zum 50. Geburtstag und die Rückkehr nach Columbia.
Der Text des Gedichts kann auf der Website des Preises nachgelesen werden.
/ nach Susan Wyndham, Sydney Morning Herald
Beim Kramen in seiner Schatzkiste sind traurig-schöne Entdeckungen zu machen. Die von dem Südkoreaner Kim Min’Gi verfasste Hymne der Opposition gegen die Militär-Diktatur mit dem melancholischen Titel „Morgentau“, das Gedicht eines jüdischen Knaben (Franta Bass), der vierzehnjährig in Auschwitz ermordet wurde oder Jiří Suchýs Schlager „Student mit den roten Ohren“, den dieser einst für seine „Leibsoubrette“ Hanna Hegerová schrieb.
Es gibt aber auch Wiederbegegnungen mit bekannten Dichtern wie Shakespeare und seinem berühmten 66. Sonett, das Biermann seit jeher eine Herzensangelegenheit ist, mit Sergej Jessenin und Bulat Okudžava, Bob Dylan oder mit Louis Aragons Gedicht „Glückliche Liebe“, dem Biermann in einer Hass-Liebe verfallen ist. / Carola Wiemers, DLR
Wolf Biermann: Fliegen mit fremden Federn – Nachdichtungen und Adaptionen
Hoffmann & Campe, Hamburg 2011
526 Seiten, 26 Euro
Aber auch bei diesen Schachspielern gibt es einen Moment, in dem das Verfahren beinahe ad absurdum geführt wird und ein Humor auf den Plan tritt, der die metarealen Verbindungen noch glaubwürdiger macht:
Schach – weißer Schacht, in dem du abwärtssaust.
Aufs schwarze Quadrat plumpst eine Fledermaus.
Dieser Gedichtband wird seinem Anspruch gerecht, seinen Autor dem deutschen Publikum vorzustellen und gleichzeitig ein Stück Literaturgeschichte zu präsentieren. Diese Literaturgeschichte wird in den Übersetzungen Hendrik Jacksons lebendig und macht Freude. Und schließlich ist da auch tatsächlich etwas Russisches in den Texten, das durchaus auch mit dem deutschen, romantischen Russland-Bild von langen Bahnreisen korrespondiert. – Russischkenner werden viel von der Zweisprachigkeit haben und bisweilen auch Abweichungen vom Original feststellen. Die Genauigkeit von Hendrik Jacksons Übersetzungen liegt im Flow, der einen förmlich durch die Texte treibt. Und wer kein Russisch kann: Warum sollte man sich nicht über den überschaubaren Umfang freuen und die Gelegenheit nutzen auf Tuchfühlung mit dem Kyrillischen zu gehen. Das Ganze präsentiert sich in der üblichen, opulenten Ausstattung des Kookbooks-Verlags. Viel Spaß damit! / Tillmann Severin, Poetenladen
Alexej Parschtschikow
Erdöl
Gedichte
Übersetzung: Hendrik Jackson
kookbooks 2011
EUR 19,90
Ein von serbischen Politikern jahrelang gerne zitiertes Gedicht des Belgrader Dichters Matija Beckovic – „Kosovo ist das teuerste serbische Wort“ – scheint im ganz konkreten Sinn zur Realität geworden zu sein. Wie Belgrader Medien am Dienstag berichteten, gibt Serbien derzeit für „seine Provinz“ – wie der Kosovo von Belgrad nach wie vor gesehen wird – im Schnitt 960 Euro pro Minute aus. In den vergangenen zwölf Jahren stieg die Summe auf 6,2 Milliarden Euro an, errechnete bereits im Frühjahr des Belgrader Zentrum für praktische Politik. / Standard
Der Abgemahnte hatte das Gedicht über einen Zeitraum von vier Monaten ohne Zustimmung der Autorin auf der werbefinanzierten Internetseite veröffentlicht. Die Autorin hatte außergerichtlich Unterlassung und 606,75 Euro Schadensersatz sowie 546,69 Euro Abmahnkosten gefordert. Gezahlt worden waren aber nur 150,00 Euro. Darauf klagte die Autorin auf die restlichen 1.003,44 € – das Amtsgericht Düsseldorf gab der Klage statt. / anwalt24.de
Nicht nur beim Jazz, auch bei der Lyrik springt der Funke über. Kurt Drechsel liest aus „Rebus“, Enzensbergers aktuellem Gedichtband von 2009. „Eigentlich ist ‚Rebus‘ ein Bilderrätsel. Die ganze Welt kommt Enzensberger wie ein Rätsel vor.
“Anfangs skurril anmutende Themen wie „Gleichgewichtsstörung“ oder „Erste Person Plural“ behandeln doch nichts anderes als das Leben: „Da tickt etwas unter unserer Hirnschale, das als ein Ich registriert wird, aber seine eigene Wirtschaft führt“, fasst Drechsel Enzensbergers Gedicht „Unter der Hirnschale“ treffend in eigene Worte. Mancher Schluss lässt schmunzeln, war man doch auf der falschen Fährte. „Ja, diese ewige Nörglerin geht mir oft auf die Nerven. … Unzertrennlich sind wir, bis dass der Tod uns scheide, meine Psyche und mich.“ Gedichte über die Psyche oder die eng mit Michael Jacksons Tod zusammenhängende chemische Verbindung C12H18O zu schreiben oder gar der Frage nachzugehen, „Wo sich Pilatus die Hände wusch“, erscheinen cool und verrückt zugleich. Dabei klingen selbst unanständige Worte, mit vorgehaltener Hand ausgesprochen, bei Drechsel charmant. / ANDREA BÜCHNER, Südkurier
Die Lyrikerin Mariquita Mullan starb am 4.12. im Alter von 99 Jahren. Sie war die Tochter eines irischen Dichters. 1998 veröffentlichte sie das Büchlein “Rules for Living”, Lebensregeln. Ihre Gedichte erschienen in Anthologien und in Zeitschriften wie „America“ und „Christian Science Monitor“. / Washington Post
Zur Meldung über den mallorquinischen „Inseldichter“ Guillem d’Efak hat Àxel Sanjosé für uns eins seiner Gedichte übersetzt (ich hols aus dem Kommentar).
Guillem d’Efak
AL∙LOT DE FONA
Som fill de foners i maneig la fona;
no hi ha rei com jo si no du corona
Surran de clapers a mi me suraren,
clapers de gegant que els avis alçaren.
Despenj un ocell amb una pedrada,
faig botir un ull a més de cent passes.
Mat, amb un sol tret, les bèsties salvatges.
Bassetja a la mà tenc mals arrambatges.
Me peixà mu mare amb llet i formatge,
amb mel i brossat i amb conill de caça.
Amb so primer bel me donà la fona.
No hi ha rei com jo si no du corona.
Si me veis venir voleiant la bassetja
arraconau-vos a esquerra o a dreta
o amb un cop de roc us faré sa clenxa.
Quan jo prenc el dret no vaig de punyetes
que el meu caminar sol fer retxa dreta
davant de cavalls, davant de sagetes.
La tropa romana o cartaginesa
o lloguen o tasten la meva destresa.
Qui em cerca me troba en molt poca estona
i se’n pot anar a penedir Roma.
Som fill de foners i maneig la fona,
no hi ha rei com jo si no du corona.
Schleuder-Bursche
Ich bin Sohn von Schleudrern und werf mit der Schleuder,
keinen König gibt’s wie mich, trägt er keine Krone.
Bei den Steinhaufen am Feldrand wurd ich großgezogen
bei den Riesensteinen dort, die die Ahnen türmten.
Hol mit einem Steinwurf einen Vogel runter,
lass ein Auge springen aus hundert Schritt Entfernung.
Mit nur einem Schuss töte ich wilde Tiere.
Mit der Schleuder in der Hand ist mit mir kein Spaßen.
Meine Mutter fütterte mich mit Milch und Käse,
mit Honig und Quark und wilden Kaninchen.
Mit dem ersten Schrei gab sie mir die Schleuder.
Keinen König gibt’s wie mich, trägt er keine Krone.
Seht ihr mich schon kommen mit schwingender Schleuder,
dann geht schnell nach links oder rechts in Deckung,
zieh euch sonst den Scheitel mit ‘nem Felsenbrocken.
Nehm ich mir das Recht, fackle ich nicht lange,
wohin ich auch geh, ist die Spur gerade
ganz gleich ob vor Pferden oder ob vor Pfeilen.
Die römischen Truppen und die aus Karthago,
die heuern mein Können oder müssen’s spüren.
Wer mich sucht, der findet mich nach kurzer Weile
und kann dann bis Rom es bereuen gehen.
Ich bin Sohn von Schleudrern und werf mit der Schleuder,
keinen König gibt’s wie mich, trägt er keine Krone.
Aus: El regne enmig del mar [Das Königreich mitten im Meer], 1980
[hab versucht, ein wenig vom originalmetrum (regelmäßige elfsilber, paarreim teils rein, teils assonant, durchgehend weibl. kadenz) durch freie handhabung herüberklingen zu lassen, ohne es – hoffentlich – allzusehr in die form zu zwängen]
Es wird Zeit, dass wir den großen Schriftsteller Andreas Reimann endlich wieder entdecken, schreibt Clemens Meyer in der Welt:
Die Bitternis im Leben des Dichters Andreas Reimann. Geboren 1946. Leipzig. Und dessen Werk (Das ja zum Glück noch in Progress ist) jetzt gesammelt bei der Connewitzer Verlagsbuchhandlung erscheint. Beginnend mit „Die Weisheit des Fleisches“, das, erstmals veröffentlicht 1974 im Mitteldeutschen Verlag, eines von zwei Büchern war, die von Reimann in der DDR erscheinen durften. Nach 1979 schien er zu schweigen, weil er schweigen musste, weiterdichtend, nicht mehr gedruckt. Und nein, der Dichter entschwand nicht. Er ist da, und war immer da und schrieb und harrte aus. Kunstvoll in ihrer Form und weich in ihrer Strenge sind seine Dichtungen. Immer wieder das Sonett, Elegien, Oden, oft eine Trauer in seinen Versen und oft ein bitterer Witz.
„Es tropft in den städten der schnee. Bleib hier. / Die stricher suchen ein winterquartier: / erbärmliche streuner zwischen den gleisen, / die um sich beißen und dennoch den greisen / nachtappen ergeben: wen wärmt schon der stolz? / Bis märz ist geschlossen das unterholz.“ …
Vor Kurzem saß er auf einem Podium einer lokalen Zeitung, „bewohnbarer Stein“, und wirkte seltsam fremd und allein, während er seine Gedichte las:
„Weiß warn die wände, die betten warn weiß, / weiß warn die Laken, patienten und ärzte. / Aber im fernsehen die bilder: schwarz-weiß / am tag als neil armstrong den blässlichen mond / (louis, o wonderful world!) betrat, / während auf eiserner bettstatt / ein anderer häftling, dreifacher mörder, / in mir, dem verfahlten, sich wütend betrieb / und schauerlich zärtlich.“
Er erzählt wenig über diese zwei Jahre Ende der 60er, Anfang der 70er. Hat nie späte Gerechtigkeit eingefordert, öffentlich. Mit seiner Vergangenheit geschachert. Aber in einigen seiner besten Gedichte ist sie so kunstvoll gegenwärtig. Wütend, und schauerlich zärtlich. „Zwei Körper lang die zelle. Breit: drei schritte, / wenn einer kurz tritt. – In des hohlraums mitte / auf einem vielbesessnen schemel hockt / die nummer krumm verängstigt und verstockt.“
Viel wurde in den letzten Jahren über Popliteratur geschrieben. Ein weithin unbeachteter Aspekt ist dabei, daß maßgebliche Impulse für die Entstehung einer Popliteratur vom Rheinland ausgingen. Am Anfang standen die Autoren und Übersetzer Rolf Dieter Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla, die ab Mitte der 1960er Jahre in Köln lebten und von hier aus der amerikanischen Beat- und Untergrund-Literatur deutschlandweite Aufmerksamkeit verschafften.
In Düsseldorf betrieben A. J. Weigoni und Frank Michaelis im Akademie-Umfeld mit der Literatur eine multimediale Hörspielerei zwischen Performance, Theater und Lesung. Bereits 1991 legte dieses Duo die zum Schlagwort gewordenen »Literaturclips« vor. Den Hörbuchpionieren kommt damit das Verdienst zu, die Lyrik nach 400 Jahren babylonischer Gefangenschaft aus dem Buch befreit zu haben.
Diese Literaturclips mögen heiße Luft sein, sind aber angereichert mit purem Sauerstoff. Sauerstoffhappen, eher Häppchen, die den Ohrganismus am Überleben halten. Das frühzeitige Erkennen, daß in der Kürze der einzelnen Beiträge der Erfolg zum langen Atem liegt – beim Produzenten vielleicht, beim Zuhörer gewiss – ist sehr hoch anzurechnen. Mit der Kürze entsteht eine Konzentration auf das Elementare.
Beinahe verschwörerisch rezitiert Weigoni den »Schwebebahn«-Text. Michaelis bläst ein Saxophon, dessen bewußt blecherne Schwüle leicht eine ganze New Yorker U–Bahn–Station unterhalten könnte. Wahrscheinlich haben sich die Artisten deshalb beim Dreh in Wuppertal so heimisch gefühlt.
http://www.vordenker.de/weigoni/schwebebahn.htm
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Fachkraft für Guerillia-Marketing:
http://www.kulturnotizen.de
Da sah ich sie also, Rücken an Rücken gestellt, eng beieinander im Keller. Die alphabetische Ordnung hatte es so gefügt. Nach dem B mit den Bücherbeständen Gottfried Benns kam der Buchstabe C mit der bibliophilen Hinterlassenschaft Celans. Der Unterschied hätte nicht grösser sein können: Es war der von Monokultur und Vielsprachigkeit. Während der eine die Weltliteratur und darunter auch die moderne Dichtung Europas und Amerikas (etwa den stolz auf Augenhöhe beobachteten T. S. Eliot) ausschliesslich in Übersetzungen las, gab es für den anderen nicht nur die eine Dichtersprache. Ein Drittel seines Werkes bestand aus Übersetzungen. Es fanden sich dort die Originalausgaben der Valéry, Ungaretti und Jessenin und mit den Anstreichungen von Celans Hand – für Benn, wie für die meisten von uns, sprachliches Ausland. / Durs Grünbein, NZZ 17.12
Der Boston Globe fragte 3 Experten nach den besten Gedichtbänden 2011. Jeder nennt 10 Titel ohne eine einzige Überschneidung (was mich freut). Hier die Gesamtliste:
Am 14.12. starb der französische Schriftsteller und Schauspieler Roland Dubillard im Alter von 88 Jahren. Er wurde in den 50er Jahren mit radiophonen Sketches unter dem Titel „Grégoire et Amédée“ bekannt, die man häufig als absurd rubrizierte und die es auch sind, absurd à la Dubillard. Man kommt aus seinen Texten mit einem Lächeln auf den Lippen, aber auch irgendwie beunruhigt: Was wenn Dubillard, ohne es sich anmerken zu lassen, einfach alles von allem gewußt hätte?* / Gilles Heuré, telerama.fr 14.12.
* Wenn jemand eine treffendere Übersetzung weiß: „et si Dubillard, mine de rien, avait tout compris de tout?“
Schluss mit dem Politologen-Blick auf Stefan George, fordern Christophe Fricker und Die Welt:
Fricker teilt Georges skeptischen Blick auf die Moderne, schätzt seinen Versuch, auf moderne Weise antimodern zu sein, sich einem Senkblei gleich in die Gegenwart hinabzulassen, um sich gegen deren Zumutungen zu wappnen, gegen Machbarkeitsglauben, entgrenzten Individualismus und die heute wieder so aufgeputzte Rede vom vermeintlich Alternativlosen. Zudem nimmt er George ganz als Dichter wahr. Nur die Gedichte entschieden schließlich darüber, was George uns Heutigen zu sagen hat. Frickers Sicht belebt und erfrischt.
Christophe Fricker: Stefan George – Gedichte für dich. Matthes & Seitz, Berlin. 384 S., 29,90 Euro.
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