Anthologie ∙ Einzeltitel ∙ Essayband ∙ Zeitschrift
Wird morgen fortgesetzt und abgeschlossen. Nachträge der Leser sind durchaus erwünscht und erbeten und können hier als Kommentar eingetragen werden. Bedenken Sie bitte, daß weder Theo Breuer noch ich 1. alles kaufen, 2. alles lesen und 3. wie Computer alles unter dem richtigen Buchstaben abspeichern können. Bei Googleabfragen können Sie testen, daß die von Theo initiierte und uns zur Verfügung gestellte Liste schon jetzt das Auffinden präziser Information sehr verbessert.
(Ergänzungen bitte unter dem jeweiligen Buchstaben eintragen. Die ergänzten Titel werden in die Liste übernommen, in den Kommentaren können Sie nachlesen, was unserm geballten Sachverstand entgangen war, M.G.)
Neu bei Lyrikwiki (neben ersten Beiträgen aus den Bibliographieaufgaben unserer Grundkurse, aus über 160 vergebenen Aufgaben, siehe Papenfuß, siehe Literaturzeitschriften, deutsche) der Artikel einer Studentin über eine Figur des Kieler Dichters Klavki (dieselbe, Christiane, hatte schon über eine Figur bei Ann Cotten geschrieben). Vielleicht eine Anregung für künftige Beiträge zu unserer unordentlichen Lyrikenzyklopädie.
Am 30. November wurde das Buch „Gedichte aus Mozart’s Land“, eine Auswahl Österreichischer Lyrik in vietnamesischer Sprache, herausgegeben vom Germanisten Ngo Quang Phuc, der unter dem Künstlernamen Quang Chien schreibt, im Büchercafé des Hanoier Kulturzentrums „Ost West“ der Öffentlichkeit vorgestellt.
In dem Band, der mit Unterstützung des Außenministeriums und des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur zustande kam, sind Werke der folgenden österreichischen LyrikerInnen vertreten: Nikolaus Lenau, Rainer Maria Rilke, Ingeborg Bachmann, Erich Fried, Franz Kießling, Ilse Brem, Elisabeth Schawerda, Karl Lubomirski, Peter Turrini, Ernst Jandl und Christian Ide Hintze. Von den Autoren haben zwei einen besonderen Bezug zu Vietnam: Erich Fried durch seine Gedichte über den Vietnamkrieg und Christian Ide Hintze durch seine Lehrtätigkeit an der Dichterschule Nguyen Du in Hanoi Anfang der 90er Jahre. / Österreich Journal
Wenn man sich in heutigen Zeitschriften nach den ästhetischen Erben der historischen Avantgardebewegungen umsehen will, muss man eine Lupe zu Hilfe nehmen. Denn viele Innovationsbemühungen der sogenannten jungen Schriftstellergeneration nehmen sich aus wie matte Stilübungen literarischer Praktikanten. In der typografisch zwar einfallsreichen, textuell eher substanzarmen Zeitschrift für „junge Literatur“ „BELLA triste“, die soeben mit dem Förderpreis der Kurt-Wolff-Stiftung ausgezeichnet worden ist, weht – im Hinblick auf avantgardistische Konzepte – bestenfalls ein laues Lüftchen. Neugierig machen in Heft 31 immerhin die Gedichte von Jan Skudlarek, dessen literarische Referenzfiguren aus der allerjüngsten Gegenwart stammen, wird hier doch in markanter Signalgebung ein „rainaldgoetzgesicht“ aufgerufen.
Sehr viel mehr Abenteuer des Ästhetischen ermöglicht das neue Heft, die Nummer 57 der Leipziger Literaturzeitschrift EDIT. Hier findet man aufregende Essays junger amerikanischer Autoren, etwa von Wayne Koestenbaum über „Heideggers Geliebte“, ein Text, der sich spielerisch-assoziativ durch die deutsche Philosophie schlängelt. Zu den bemerkenswerten Funden in EDIT gehören auch Anagramme und Überschreibungen eines Gedichts von Carl Friedrich Claus, des visionären experimentellen Künstlers und Graphomanen, der seine Texte systematisch in faszinierende Schriftbilder verwandelte. Hier treibt sich auch der sprachverrückteste Dichter der jungen Generation herum, der aus dem Saarland stammende und in Berlin lebende Konstantin Ames, der in wortakrobatischer Vergnügung einige Stilmasken aufsetzt und sprachreflexiv dekonstruierte „Weltwaisen“ zum Besten gibt. „Vor stilfaschisten : barrikaden errichten“, postuliert da beispielsweise ein Text, der verschiedene Dichtergesten parodiert und am Ende in ironischer Verkehrung fordert: „Den jungdichtern ist komplexitätsreduktion zu wünschen = 1. brandrede an die stolterfohtepigonen“. Diese Produktionsanweisung, Gedichte zu ermäßigten hermeneutischen Konditionen zu schreiben, wird jedoch sehr wahrscheinlich von Konstantin Ames nie befolgt werden. / Michael Braun, Poetenladen
BELLA triste, H. 31
Neustädter Markt 3-4, 31134 Hildesheim. 106 Seiten, 5,35 Euro.
Edit Nr. 57
Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig. 130 Seiten, 5 Euro.
Schittkos Texte sind inhaltlich ausgerichtet und zielen vor allem darauf, verstanden zu werden. Dabei fragt sich der Autor beim Verfassen seiner Zeilen in der mitternächtlichen Ruhestörung durch die Nachbarn: Wird dort noch eigenständig / miteinander geschlafen / oder (auch) schon / ein Pornofilm geschaut? Er vergleicht den Durchschnittssex des Deutschen mit der Länge einer Single-Auskopplung, die es in die Musikcharts geschafft hat, und zieht den Schluss, dass sich deshalb der Begriff Popsong entwickelt haben muss. Neben diesen humoristischen Episoden befasst sich das Gros seiner Gedichte mit dem Literaturbetrieb. Dabei stellt er immer wieder das System, die Schreibbedingungen und sich selbst infrage und beantwortet den Zweifel, Warum sich dieses Gedicht nicht durchsetzen wird (zumindest nicht zu Lebzeiten seines Autors), Weil es zu schlecht ist / Weil es weder Liebes- / noch Naturlyrik ist. / Weil es zu politisch, / zu links, / zu anarchistisch, / zu subversiv ist.
Schittkos Kritik hebt darauf ab, dass sich in der übersättigten, schnelllebigen Gesellschaft nur das Neue und Junge durchsetzt – Autoren werden nur dann erfolgreich, wenn sie über die richtigen Kontakte verfügen.
Kai Pohl wiederum siedelt sich stark in der marxistischen Tradition an. Der Autor, Künstler und Grafikdesigner wurde 1964 in Wittenburg geboren und lebt heute in Berlin-Prenzlauer Berg. Seit 2006 ist er Herausgeber der Zeitschrift floppy myriapoda – Subkommando für die freie Assoziation. In diesem Jahr erschienen insgesamt vier kleine Gedichtbände beim Distillery Verlag, bei Sukultur und Fixpoetry.
Seine Gedichte drehen sich vorwiegend um Arbeit, Kapital und Vermögenswerte. das unvermögen der armen / ist das vermögen der reichen / das vermögen der armen / ergo ihr reichtum / begründet das ende der armut. Pohl wirft aber auch einen Blick auf die Berliner Architektur, insbesondere das Schmerzzentrum in der Schönhauser Allee und das Gesundbrunnencenter. Wieder einmal kriegen die Milchkaffeetrinker ihr Fett weg, er drückt seine Abneigung gegen die Tatenlosigkeit aus, „eher gibt es (schon wieder) krieg, / als daß hier jemand den arsch hochkriegt“ / Marion von Zieglauer, Freitag
da kapo mit CS-Gas Kai Pohl/Clemens Schittko, Fixpoetry 2011, 62 S., 10 €
Es sind – wie bei Bobrowski – große, stille Gedichte, in denen das Leben pocht, strömt, rauscht. Die Brüche sind nicht dissonant, sondern fast organisch. Hier spielt einer nicht mit den Erwartungen auf Ruhm und Lorbeerkränze. Hier sucht einer keinen Zirkusapplaus. „Alles geht schlicht vorbei / Wir sind nicht ewig / Wir sind nicht frei. / Glocken tummeln sich munter.“
Das ist so gemessen, dass es natürlich im Getümmel der Eitelkeiten nicht zeitgemäß zu sein scheint. Wer geht denn noch zu Fuß? Wer denkt denn an Vergänglichkeit, wenn es um den Ruhm des Tages geht?
Die wirklich eindrucksvollen Lyriker taten es alle. Und werden es weiter tun. Und ihre Gedichte können auch nach 30 Jahren wieder aufgelegt werden und sie erreichen die Leser. Mit stimmigen Bildern, von denen auch Hoprich wusste, dass sie alt sind. Trotzdem stimmen sie. Immer noch. Selbst dort, wo Hoprich sogar Rilke anklingen lässt wie beiläufig: „… nur musst du langsam wandern / und dich ändern und verschwenden.“ („Fahrt nach Heltau“).
Das ist wohl das Leben. Das eigentliche, dem man so gern davonläuft mit Ausreden wie „Keine Zeit!“ Natürlich nicht. Wer seine Zeit nicht zu verschwenden weiß, der hat keine. Das Leben selbst ist ein rätselhaftes Ding. Hoprich hat’s etwas zu deutlich gesagt für die Richter seiner Zeit. Dabei gibt’s wenige, die es mit soviel Zurückhaltung und Würde gesagt haben.
Nun ist dieser Band da und damit Hopricht auch wieder fassbar für alle, die noch wissen, wie man Gedichte lesen kann abseits der täglichen Eiligkeiten. / Ralf Julke, Leipziger Internet Zeitung
Bäuchlings legt sich der Himmel
Georg Hoprich, Reinecke & Voß 2011, 10,00 Euro
Lesung und Gespräch mit
Michael Braun, Norbert Lange und Henning Ziebritzki
am Freitag, den 16. Dezember 2011, um 19 h 30
Lyrikkalender 2012. Aprèslude
Ausgewählt und kommentiert von Michael Braun
740 Seiten, farbig bedruckt / Format 15×21 cm / Tagesabreißkalender zum Stellen und Hängen / EUR 24,80 / Verlag das Wunderhorn 2011
Zur Lyrikkalender-Finissage am 10.12.2010 in der Schwartzkopffstr. gab Michael Braun einen knappen Rückblick auf die Geschichte des Deutschlandfunk-Lyrikkalenders:
„Gedichte“, so nüchtern sah es Gottfried Benn, sind „eine Art Aktion am Sandsack: einseitig, ergebnislos und ohne Partner – : evoë!“ Der Deutschlandfunk, der Erfinder und Ideengeber des Lyrikkalenders, wollte ab 2006 mit seinem Projekt das Gegenteil beweisen: Gedichte sind nicht ergebnislos, sondern wirkungsvoll, sie sind auch nicht einseitig, sondern erreichen die Aufmerksamkeit – als kleines Denkbild, als Erkenntnisblitz oder Sprachfragment. Sie haben auch einen Partner – den Hörer oder Leser, der mit dem Gedicht in ein Gespräch eintritt. ( …)
Der Lyrikkalender hat fünf Jahre lang diktatorisch mein Leben reguliert: Acht Monate des Jahres waren jeweils dem Kommentieren der 365 Gedichte gewidmet, der Arbeit an einer Zwölf-Zeilen-Essayistik, ein Format mit immensem Komprimierungs-Zwang. Die kalendarische Expedition erstreckte sich über insgesamt 1826 Gedichte und 1826 Kommentare, eine fast fließbandverdächtige Kommentarproduktion…. Am Ende dann, im letzten Jahrgang, geriet die Kommentarproduktion ins Stocken, weil der Körper die weitere Ausübung seiner Pflichten des reibungslosen Funktionierens verweigerte und außer Rand und Band geriet. Inspirierte Geister, vier Kollegen und Freunde, haben mir geholfen, den Lyrikkalender zu Ende zu bringen: Michael Buselmeier aus Heidelberg, Sabine Peters aus Hamburg, Volker Sielaff aus Dresden und Norbert Lange aus Berlin.
So ist der Lyrikkalender am Ende ein Gemeinschaftsprojekt geworden – aus der Aktion am Sandsack ist schon durch das kollektive Kommentieren ein Gespräch geworden: ein Gespräch über Gedichte, zugleich eine Selbstverständigung über das, was uns zum Sprechen und zum Schreiben bringt. (…)“
Nach dem Ende des Projekts im Deutschlandfunk ist für das Jahr 2012 ist noch einmal ein Lyrikkalender entstanden – der „Wunderhorn-Lyrikkalender“ ermöglicht die Wiederbegegnung mit den aufregendsten, überraschendsten und berührendsten Gedichten aus den bisherigen fünf Kalender-Jahrgängen. In der Auswahl trifft man aber auch auf politisch anstößige, motivisch provozierende und ästhetisch widerborstige Gedichte, die in den bisherigen Sammlungen aus unterschiedlichen Gründen keinen Platz gefunden hatten.
Michael Braun (geb. 1958 in Hauenstein/Pfalz) lebt als Literaturkritiker in Heidelberg. In Lesung und Gespräch mit den Dichtern Norbert Lange (geb. 1978 in Gdynia/Polen, lebt in Berlin) und Henning Ziebritzki (geb. 1961 in Wunstorf/Niedersachsen, lebt in Tübingen) präsentiert er in der Aprèslude zu seiner kalendarischen Expedition eine Auswahl der Gedichte aus dem Lyrikkalender 2012.
Ich freue mich auf Euer Interesse und grüße herzlich Karl Piberhofer
Einrtritt frei__ Getränke stehen gegen eine Spende zur Verfügung__Ich bitte um Anmeldung
Veranstaltungsort: pKp – GALERIE / píberhofer K produktíon / Schwartzkopffstr. 3 / 10 115 BERLIN / piberhoferK@web.de / Tel: 030 – 30 36 84 50 ( U-6 / U-Bhf. Schwartzkopffstr. oder S-Bahn / S-Nordbahnhof)
Huang Nubo ist ein Unternehmer eigener Art. In seinem Büro hängen Fotos von den Achttausendern, die er schon bestiegen hat, um dort Gedichte zu schreiben. Im Kern seines Wesens sieht er sich nämlich als Dichter, freilich einen, der weder melancholisch noch selbstmitleidig ist. „Poesie ist die Lösung“, pflegt er zu sagen. Er fördert Lyriker (auch solche, die in China früher verboten waren) und Dichterkongresse in der ganzen Welt, und in der Firmenzentrale kann man nicht nur zahlreichen Affen, Papageien und Katzen begegnen, die er in seiner Nähe hält; es sind dort auch Installationen internationaler Künstler aufgestellt, die seine Gedichte visualisieren. In Island wurde freilich auch mit Argusaugen vermerkt, dass er seine Laufbahn als Funktionär in der Propagandaabteilung der Partei begonnen hatte.
Was hat diese Mischung nun zu bedeuten? Muss man Angst haben oder nicht? / FAZ
Snorri verfasste auch ein Handbuch für Dichter, die «Edda» (die nun in Neuauflage übersetzt von Arthur Häny wieder vorliegt). Sie bot Geschichten von Göttern und Helden, die den Skalden den Stoff für die «Kenningar» lieferten, wie die nach bestimmten Regeln gefügten poetischen Umschreibungen genannt wurden. Eine Schlacht konnte als «Sturm des Rabenweins», also als Blutsturm, bedichtet werden, um ein einfaches Beispiel zu zitieren. Wenn aber der Skalde das «Sohlenblatt des Diebs der Thrud» in seine Strophe einzubauen verstand, ging ein anerkennendes Raunen der Connaisseurs durch den Saal. Ihnen war klar, dass Thrud, eine Tochter des Gottes Thor, von einem Riesen geraubt worden war und dass mit dem Sohlenblatt jener Schild gemeint war, auf den sich der Riese nach einem bekannten Mythos stellte, weil er glaubte, Thor griffe ihn aus der Erde an.
Was eine ordentliche Strophe war, enthielt mehrere «Kenningar». In einem Gedicht stellte Snorri in 102 Strophen ebenso viele Metren vor. Von Erlebnislyrik war dieses hochartifizielle Spiel weit entfernt. Snorri versuchte, altes Wissen in Einklang mit dem christlichen Weltbild zu bringen. Er schrieb gerade auch für die Anhänger von Jesus und Maria. Dichtkunst stand, so gesehen, für Kontinuität in der Geschichte – ähnlich wie in Halldór Laxness Roman «Kirchspielchronik». Die Lyrik, die Laxness‘ neuzeitliche Bauern schätzen, ist so wenig innerlich wie ihre Religion. / Aldo Keel, NZZ
Oskar Gudmundsson: Snorri Sturluson. Homer des Nordens. Eine Biografie. Aus dem Isländischen von Regina Jucknies. Böhlau-Verlag, Köln 2011. 447 S., Fr. 35.50. – Eine Neuauflage der «Prosa-Edda. Altisländische Göttergeschichten» liegt bei Manesse vor (Fr. 25.90).
Bloodaxe Books meldete den Tod von Peter Reading, der am 17.11. nach langer Krankheit starb. Reading wurde 1946 geboren. Zu seinen Gedichtbänden zählt ‚Work in Regress‘ (1997), das für den TS Eliot-Preis nominiert war. Er erhielt u.a. den Whitbread Prize for Poetry (1986) und den Dylan Thomas -Preis (1983). / Poet Library
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Wird in den nächsten 4 Tagen in alphabetischer Folge ergänzt. Nachträge der Leser sind durchaus erwünscht und erbeten und können hier als Kommentar eingetragen werden. (Bitte erst unter dem jeweiligen Buchstaben eintragen, hier also nur Ha – Kr – Die ergänzten Titel werden in die Liste übernommen, in den Kommentaren können Sie nachlesen, was unserm geballten Sachverstand entgangen war, M.G.)
Georg Stefan Troller im Interview mit Henryk M. Broder, Die Welt:
Wer mit 16 Gedichte schreibt, ist ein Kind, wer mit 40 Gedichte schreibt, ist ein Poet. Wenn man mit 16 keine Gedichte schreiben kann, dann braucht man gar nicht an eine literarische Karriere zu denken. Damals strömte es nur so aus mir heraus, bis ich etwa 30 war. Dann hörte es mit den Gedichten auf.
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