Veröffentlicht am 18. Dezember 2011 von lyrikzeitung
Ulf Stolterfoht, Urs Allemann, Monika Rinck, Barbara Köhler
Diskussion
Dienstag, 10.01.12, 20.00 uhr
Unter dem Titel TIMBER! Eine kollektive Poetologie hatte Ulf Stolterfoht im vergangenen Jahr elf Lyrikerinnen und Lyriker eingeladen, auf der gleichnamigen Internet-Seite einen Aufsatz zu veröffentlichen, der sich im weitesten Sinn mit dem Verhältnis von Poesie und Politik beschäftigt. Nachdem im Dezember ein Abschlusssymposion mit allen Beteiligten im Berliner Literaturhaus stattgefunden hat, versuchen nun Urs Allemann, Barbara Köhler, Monika Rinck und Ulf Stolterfoht im Rahmen einer Diskussion die Fragen noch einmal zu stellen: Wie Poesie politisch sein kann, ohne dabei hinter ihre Möglichkeiten zurückzufallen? Ob schon die Entscheidung, heute Lyrik zu schreiben, einen politischen Akt darstellt? Ob das Schielen aufs gesellschaftlich Wirksame nicht vielmehr die Ursünde der Literatur darstelllt? Und viele andere mehr. Abschließende Antworten sind gleichwohl nicht zu befürchten. Urs Allemann lebt in Reigoldswil bei Basel, zuletzt erschien der Lyrikband im kinde schwirren die ahnen (Urs Engeler Editor 2008). Barbara Köhler lebt in Duisburg, 2007 erschien im Suhrkamp-Verlag der Band Niemands Frau. Gesänge mit einer CD. Monika Rinck veröffentlicht u.a. bei kookbooks, zuletzt die Bände zum fernbleiben der umarmung (2007) und helle verwirrung (2009), sie lebt in Berlin. Von Ulf Stolterfoht ist zurzeit im Literaturhaus die Ausstellung handapparat heslach zu sehen, unter dem gleichen Titel erschien bei roughbooks vor zwei Monaten ein kleines Begleitbuch. / Literaturhaus Stuttgart
Bisher sind 8 Essays im Netz – Texte von Urs Allemann, Franz Josef Czernin, Michael Donhauser, Barbara Köhler, Benedikt Ledebur, Ferdinand Schmatz, Ulf Stolterfoht, Uljana Wolf.
Veröffentlicht am 17. Dezember 2011 von lyrikzeitung
Von Bertram Reinecke
Siehe L&Poe 2011 Dez #57. Wolkenhändler
Wenn hier mein Name in die Nähe des typischen ignoranten Klavkilesers gerückt wird, dann möchte ich wenigstens, keineswegs ein Klavkikenner, aus meiner Sicht meine Lesehindernisse benennen, die Frage „Was macht, dass er anders liest als ich“ beantworten: „außerdem verbiete ich Menschen vor mir Worte wie ‚Mehlschwitze‘ zu verwenden“ heißt es bei Klavki, und so klingen Klavkis Texte für mich. Oft scheint mir bei Klavki ein untriviales Leben abgegrenzt von einem trivialen, das andere Leute führen. Offensichtlich kann man ihm zu Gute halten, dass er dieses Leben auch authentisch zu verkörpern vermochte, oder besser gesagt: Es gelang ihm, glaubt man seinen Fans, eine konsistente Selbstinszinierung in diese Richtung herzustellen.
Wenn ich in einer weniger günstigen Position nur als Leser nach Signaturen für Glaubwürdigkeit suche, dann werde ich nicht recht fündig. (Wohlgemerkt: Diese Glaubwürdigkeit ist wie das Verbot, Leben in wichtige und unwichtige einzuteilen, zunächst mein Wert und auch eher ein moralpolitischer als ein literarischer.) Der Eindruck von Tiefe und Bedeutsamkeit scheint mir bei Klavki durch Auswahloperationen zu Stande zu kommen: Bedeutende oder in sich bereits interessante Gegenstände werden mit entsprechendem Schmuck behandelt. (Ähnliches kritisiert Czernin auch an Grünbein 1995 im Schreibheft.) Ein resonantes Vokabular tritt hinzu. Das ganze ist oft zugespitzt zu allgemeinen, weitere Gegenstandsbereiche umgreifenden Sentenzen. Die klingen tief. Man kann ihnen zustimmen, aber man weiß noch nicht genau was sie heißen. Wer sie bestritte, ihnen also eine konkrete Interpretation verliehe, würde etwas kleinkariert wirken. Derjenige, der nicht zustimmt, hat keine Möglichkeit sein Befremden in einem Argument zu artikulieren. Das ganze ist in einem Ton vorgetragen, der vom Parlando die Gewohnheit übernimmt, Themenwechsel oder Verrückungen zuzulassen. Eine allgemeine Aussage als Setzung, um zu schauen, wohin man von dort aus kommt, interessiert mich. Hier folgt stattdessen bald die nächste Setzung, die das Feld schon wieder neu definiert. (Etwa im Gegensatz zu den Texten Sven Regeners, wo auch oft allgemeine Sentenzen Schlag auf Schlag folgen, aus diesen Sentenzen sich aber bspw. eine Geschichte erzählt wird, die als Klammer fungiert.) Wenn die Thesen loser verbunden sind, lässt sich mit wenig rhetorischem Aufwand leicht auch etwas behaupten, was dem Gegenteil nahekommt. (Ist vielleicht das die Intention von Ann Cottens Paraphrasen?) Natürlich behält der Text die gleiche Gestimmtheit und sicher ist in einem unkonventionelleren Sinne genau dies die Klavkische Botschaft. Die Texte wollen nicht bedeuten, sondern eine Lebensform ausdrücken.
Durch diese Intensitätsrhetorik fühle ich mich eher überwältigt als überzeugt, auch wenn unter den Erfindungen Klavkis im Einzelnen zahlreiche zu finden sind, die viel Esprit haben. Wenn man seine Lebensform teilt, dann spürt man in dieser Gestimmtheit vielleicht eine Gemeinsamkeit und eine Klammer, die das Ganze dann vielleicht doch unbeliebiger macht als ich es sehe. Nur wundere ich mich dann ein wenig: Von den soziologischen Papierdaten gehöre ich ja zu Klavkis Generation, habe ein ähnliches Umfeld, Studium usw. Warum trägt sein Gemeinschaftsangebot nicht einmal bis zu mir? Richtet es sich sozusagen nur an Katholiken, die noch katholischer werden sollen?
Klavki, das gehört für mich absolut zu den Dingen die Esprit haben, weiß um die Problematik der Tatsache, dass sich mit seinem rhetorischen Material ebensogut dieses wie mit wenigen, fast unmerklichen Veränderungen auch etwas anderes sagen lässt. Und er sagt es offenbar auch noch einen Charakter zitierend, der so völlig anders gestimmt ist: Arno Schmidt. (Im Klavkischen Kontext könnte allerdings etwas passieren, was bei Schmidt nahezu ausgeschlossen ist: Man könnte die Klavkistelle als Affront gegen theoretisches Ressentiment begrüßen.) Ganz ohne Unbehagen kann ich diese Stelle dennoch nicht annehmen, insofern solche Metareflektionen immer auch etwas Absicherndes haben könnten, dem Kritiker das Werkzeug aus der Hand nehmen. Und da entsteht dann eine Fallhöhe: Ich habe den Raum, mich öffentlich darzustellen, und dir wird er versagt. (Siehe oben.) Dieser Spalt, der sich da auftut, kann dann eben von einem halbwegs geschickten Autor mit mit allem möglichen Weiteren aufgefüllt werden: Ich habe den Überblick, ein Schicksal, die Kunst … usw. Das schreckt mich. (Füllungen mittels dieses Momentes der Würde erreichen offensichtlich ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit. So wird Benns Vortrag „Soll die Kunst das Leben bessern“ noch ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod von Literaturdozenten affirmativ zitiert.)
Insofern mir dieser Aspekt der Fallhöhe immer wieder in die Argumentation gerät, kann dieser Text nicht beanspruchen eine kritische Würdigung zu sein, sondern es handelt sich eher um eine Dokumentation meines Ressentiments.
Was die verwendeten Zitiertechniken betrifft, fasse ich auch diese bei Klavki eher als rhetorische Mittel auf, und es gelingt mir nicht eine Eigendynamik darin zu entdecken. Wenn man paraphrasiert, lassen sich Zitate ja leichter zu eigenen Zwecken einhäkeln. Auch wird man ein kürzeres Zitat auch mal unwillkürlicher treffen („Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen“ in Paraphrase leichter als den kategorischen Imperativ wortwörtlich.)
Diese gröberen Mittel, die schnell kommunizieren, leicht riesige Sinnreiche erschließen, lassen auf den ersten Blick den Eindruck entstehen, Klavki habe für einen Vielleser keinen sonderlich erlesenen Geschmack. Man kann es aber eben auch funktionell verstehen: In einen schwierigen Kontext, (Lesebühne: Ablenkung, Zwischengequatsche, tw. nicht literaturinteressiertes Publikum usw.) trug Klavki literarische Verfahren und Themen hinein, ohne dass es sonderlich viele Beispiele gab, an denen man das seinerzeit lernen konnte.
(NB durch Klicken auf die Schlagworte am oberen Rand gelangt man zu anderen Artikeln mit gleichem Schlagwort)
Veröffentlicht am 17. Dezember 2011 von lyrikzeitung
Am 25. November ist in Leipzig eine Auswahl der Gedichte von Georg Hoprich herausgekommen. Am Erscheinungstag waren es noch just vier Wochen bis zum 73. Geburtstag des Dichters (29.12.1938 – 9.4.1969) aus Thalheim/Daia bei Hermannstadt/Sibiu. Nach der unauffällig scheinenden, allerdings fulminanten Gedichtsammlung von Stefan Sienerth (Kriterion Verlag Bukarest 1983, 169 S. 11 Lei) ist diese Auswahl nun die zweite Edition des hinterlassenen Werkes.
Sie stammt von Bertram Reinecke (Jg. 1974). Sein Name steht mit für den Verlag in Leipzig, dazu ebenso für nachhaltiges und sachte wachsendes Interesse an Thalheims Sohn. Der Hermannstädter Literaturkreis hatte ihm 2010 öffentlichkeitswirksam eine Sitzung gewidmet (ADZ berichtete am 24.4. 2010 und 5.5.2010). …
Eine emotionale Reduktion der Texte auf „ein Dokument der poststalinistischen Zwangsverhältnisse“ wäre ebenfalls nicht angemessen. Kann alles stimmen und wird gewiss doch zuerst noch einmal diskutiert werden. Aber gerade deswegen ist diese aktuelle Möglichkeit zu unvoreingenommener Lektüre für eine neue Generation ermutigend und erhellend. Diese neue Generation kann sich von Reineckes höchst professionellem Nachwort und den Verweisen auf Textvarianten im Vergleich zum Buch von 1983 und durch sein Studium auch der handschriftlichen Quellen informieren lassen, mit Entdeckerfreude selbst Streichungen von Hoprichs Hand in beigefügten Faksimiles wahrnehmen, bewegen wird sie die Stimme eines jungen Siebenbürger Sachsen aus Thalheim, die Zuwendung und Liebe, Anerkennung und Gerechtigkeit in eigener Tonlage anspricht und zuspricht.
Hoprich kann uns ebenso an eine vergessene Wahrheit erinnern: Ohne Verklärung, auch wir landlosen Städter kommen alle vom Dorf, und dort ist auch Welt. Da sinken einige Rezeptionshindernisse hin. Eines beseitigt der Herausgeber sogar gleich selbst, indem er für zwei Mundartgedichte hochdeutsche Übertragungen von Klaus F. Schneider beibringt.
Bertram Reinecke sei Dank! Eine künftige Gesamtausgabe des überschaubaren Werkes von Hoprich bleibt ein Wunsch, der gerade angesichts dieses Dankes ausgesprochen werden soll, weil mit der neuen Edition ein vielleicht entscheidender Impuls vorliegt für die gegenwärtige und künftige Wirkung des Thalheimers. / Jens Langer, Allgemeine Deutsche Zeitung
Georg Hoprich: „Bäuchlings legt sich der Himmel“.
Gedichte, Verlag Reinecke & Voß Leipzig
2011, 101 S., 10 Euro, .ISBN 978-3-942901-00-0
Veröffentlicht am 17. Dezember 2011 von lyrikzeitung
Anthologie ∙ Einzeltitel ∙ Essayband ∙ Zeitschrift
Zusammengelesen von Theo Breuer, Mitarbeit Michael Gratz
Letzte Folge. Nachträge der Leser sind durchaus erwünscht und erbeten und können hier als Kommentar eingetragen werden. (Bitte unter dem jeweiligen Buchstaben eintragen). – Die ergänzten Titel werden in die Liste übernommen, in den Kommentaren können Sie nachlesen, was unserm geballten Sachverstand entgangen war, M.G.)
Veröffentlicht am 17. Dezember 2011 von lyrikzeitung
Vor zwanzig Jahren war Mircea Dinescu der berühmteste lebende rumänische Dichter, innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen. Im Frühjahr 1989 hatte er der französischen Tageszeitung Liberation ein Interview gegeben, in dem er unverhohlen mit dem heimischen Regime abrechnete, was ihm postwendend Hausarrest eintrug. Mit seinem Aufruf zum Hungerstreik vom November 1989 stieß er bei seinen Schriftstellerkollegen zwar auf taube Ohren. Doch schließlich war er es, der am 22. Dezember `89, in selbstgestricktem Pullover auf den Fernsehschirmen der Nation erschien. Die Finger zum V-Zeichen erhoben, verkündete er den Sieg der Revolution, wobei seine Zahnlücke zum Vorschein kam, die nur das äußerliche Merkmal der Originalität dieses Dichters, wortgewaltigen Pamphletisten, temperamentvollen Redners, Volkstribunen, Epikureers und großen Jungen Mircea Dinescu ist. Über Nacht war er zum Helden der Nation geworden. …
Und nun geschieht das Eigenartige. Der Held der Nation verstummt als Dichter, und wird, wie weiland Rimbaud, dem er bereits 1984 einen Gedichtbandtitel gewidmet hatte (Rimbaud als Kaufmann) selbst zum Händler. Allerdings heißen Dinescus Waffen: Publizistik und Satire. Er gründet die erfolgreiche Wochenzeitung Academia Catavencu. Es folgt das Hochglanzmagazin Plai cu Boi (etwa: Land mit Ochsen), das nicht nur bereits im Titel auf den Playboy anspielt, sondern neben Essays zu aktuellen und historischen Themen, obszöne Karikaturen und Nacktfotos enthält. Das Konzept des listigen Spötters Dinescu lautet, er wolle die Rumänen so arm, natürlich und nackt zeigen, wie sie eben seien. Bald zieht Dinescu seine Anteile aus dem Satiremagazin Academia Catavencuzurück, um den alten Getreidehafen Port Cetate im Dreiländereck Serbien-Bulgarien-Rumänien am Donauufer zu kaufen und eine Stiftung ins Leben zu rufen, die es bildenden Künstlern gestattet, in den sanierten Hafengebäuden zu arbeiten. / Jan Koneffke, Getidan
Veröffentlicht am 17. Dezember 2011 von lyrikzeitung
Politlyrik:
Zu dieser Bundesregierung passt, dass der Einheitsbericht am letzten Sitzungstag in der letzten Sitzungswoche vor Weihnachten abgefruehstueckt wird. Das ist das stille Eingestaendnis, sich laengst vom Aufbau Ost verabschiedet zu haben. Und wer ihr Maerchenbuch aufschlaegt, findet dort romantische Lyrik von einzigartiger Bedeutungslosigkeit. / SPD Bundestagsfraktion
Veröffentlicht am 16. Dezember 2011 von lyrikzeitung
13 britische Dichter (männlich) ließen sich von Fotografinnen für einen Charitykalender nackt fotografieren, meldet die Presse. Okay, die 2 präsentierten Fotos zeigen nicht viel, aber da die Namen der Dichter drunterstehen, könnte man ihre Gedichte googeln.
Mehr im Guardian
Hier der Dichter Walt Whitman – nackt und mit Bart
Veröffentlicht am 16. Dezember 2011 von lyrikzeitung
Die Bharatiya Janata Party (BJP) [eine rechtskonservative hindunationalistische Partei] im Bundesstaat Karnataka scheint nach Zensur zu schreien. Der Minister für Kultur und die Landessprache Kannada Govind Karjol sagte jetzt, Dichter sollten nicht das Recht haben, Politiker zu kritisieren. „Das Politikerbashing durch Literaten [„litterateurs“ steht im englischen Text] hat jedes Maß überschritten. Wir müssen sie zurückpfeifen. Sie tragen Gedichte vor und äußern abschätzige Kommentare gegen Gesetzgeber und Minister. Wir alle über Parteigrenzen hinweg sollten uns dessen bewußt sein und etwas unternehmen.“
Aber weit gefehlt! Ein Politiker der JD(S)-Partei sagte: „Nur weil ihnen die Regierung Stipendien gibt, sollten sie uns loben? Man darf die Meinungsfreiheit nicht unterdrücken. Das ist das falsche Signal. Die Schriftsteller hüten unser Gewissen.“ / India Today
Veröffentlicht am 16. Dezember 2011 von lyrikzeitung
Erinnert man daran, dass der grosse Ko Un seit Jahren schon auf der Long- und Shortlist des Nobelpreiskomitees steht, so provoziert man in der Regel Erstaunen, wenn nicht gleich die launige Rückfrage: «Ko what?» Deutschsprachige Verlage, die auf koreanische Literatur spezialisiert sind (vor allem Pendragon und die Edition Peperkorn) oder sie zumindest immer wieder im Programm haben (Wallstein, DTV, Suhrkamp, Iudicium), laufen keine Gefahr, Bestseller zu lancieren. Die Subvention durch zumeist koreanische Sponsoren ist unabdingbar. Und die Verständnisschwellen sind weiterhin hoch. Deswegen ist es verdienstlich, dass der Iudicium-Verlag jetzt eine einführende Darstellung der koreanischen Literatur des 20. Jahrhunderts vorlegt, die informativ ist, die Orientierung durch ein Register erleichtert und aus der kaum überschaubaren koreanischen Lyrik zahlreiche Beispiele bietet. / NZZ 13.12.
Lee Namho et al.: Koreanische Literatur des 20. Jahrhunderts. Übersetzt von Jung Youngsun und Herbert Jaumann. Iudicium-Verlag, München 2011. 155 S., Fr. 25.90.
Veröffentlicht am 16. Dezember 2011 von lyrikzeitung
In seinen Versen macht der junge mazedonische Dichter eine Atmosphäre des Übergangs und des nicht Umgrenzten spürbar. Das Ich fühlt sich hier «wie ein Traum, ein Zwischengeschoss», wahlweise auch «wie eine Neonröhre, die in einem leeren / Hausflur flackert». / NZZ 13.12.
Nikola Madzirov: Versetzter Stein. Gedichte. Aus dem Mazedonischen von Alexander Sitzmann. Verlag Carl Hanser, München 2011. 64 S. Fr. 21.90.
Veröffentlicht am 16. Dezember 2011 von lyrikzeitung
Visionen böten allerdings auch keine Antwort, wie der Fall des jahrzehntelang vor allem in Europa hoch bewunderten Ernesto Cardenal zeigt, der – im Grund ein Pablo-Neruda-Epigone – hier ein brüderliches Basis-Christentum predigte und daheim auf der Insel Solentiname seinen eigenen Clan räuberisch schalten und walten liess, derweil er jetzt Ortega des «Verrats» und Machtmissbrauchs zeiht und auf ein unbeflecktes «Vorbild» hinweist – Fidel Castro. / Marko Martin, NZZ 8.12.
Veröffentlicht am 16. Dezember 2011 von lyrikzeitung
Einer der grössten literarischen Küsser, die die Sprache je hervorgebracht hat, scheint jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein. Als Dichter, Maler und Bildhauer verkörperte er das Renaissance-Ideal eines uomo universale und sorgte mit einem Gedichtzyklus für einen Klassiker der erotischen Literatur des 16. Jahrhunderts: Johannes Secundus. In diesem Jahr wird sein 500. Geburtstag gefeiert. …
Jede Erschütterung des Ichs zeichnet er auf, wechselt gemäss der Anzahl der Gedichte neunzehn Mal kunstvoll das Metrum. Dadurch lädt er seine Verse mit ungeheurer Lebendigkeit auf, die modern anmutet – und unverhofft für Aktualität sorgt. In einem der Gedichte erklärt Secundus seine «Basia» kurzerhand zu Keuschgebieten: Nur ums Küssen gehe es ihm, also verschwindet, ihr Unanständigen, ruft er seinem Publikum zu und preist einen Atemzug weiter die Sittsamkeit seiner Geliebten, «die ganz sicher ein Büchlein ohne Schwanz lieber will als einen Dichter ohne Schwanz». So leicht ist der Voyeurismus des Publikums enttarnt. Darauf verstand sich schon Catull, Secundus steht dem Römer in nichts nach. / Christoph W. Bauer, NZZ
Veröffentlicht am 16. Dezember 2011 von lyrikzeitung
In der zweiten Ausgabe des Ballett-Magazins der Rheinoper sagt Martin Schläpfer einen Satz, der den Zugang zum zeitgenössischen Tanz ebnet: „Für mich ist der Tanz – übertragen verstanden – eher Gedicht als Prosa, gehört nicht zum Genre Roman.“ Beim Ballettabend b.07, der am Mittwoch Duisburg-Premiere hatte, standen drei ganz unterschiedliche „Gedichte“ auf dem Programm. / Anne Horstmeier, Der Westen
Veröffentlicht am 16. Dezember 2011 von lyrikzeitung
Die Berliner Autorin Saskia Fischer wird mit dem Verdi-Literaturpreis Berlin-Brandenburg 2011 ausgezeichnet. Sie erhält den Preis für ihren Lyrikband ‚Scharmützelwetter‘, wie die Gewerkschaft mitteilte. ‚In ihren Gedichten verbinden sich Wirklichkeitsnähe und sprachkünstlerisches Können zu seltener Qualität‘, lautete das Urteil der Jury. Die Verleihung soll im April 2012 stattfinden. Fischer wurde 1971 in Schlema geboren und lebt seit 2006 in Berlin.
Der ver.di Literaturpreis wird seit 2004 von der Gewerkschaft ver.di für ein veröffentlichtes Werk der Sparte Lyrik, Prosa oder Kinder- und Jugendbuch verliehen. Die Sparten wechseln jedes Jahr. Der Preis ist Autorinnen und Autoren aus Berlin und Brandenburg vorbehalten und mit 5.000 Euro dotiert. Über die Vergabe entscheidet eine Expertenjury.
2005 (als offenbar die Lyrik dran war) wurde kein Preis vergeben, entweder war das Lyrikjahr in Berlin und Brandenburg zu mager oder die Kasse grad leer. 2008 wurden dafür gleich 2 preiswürdige Autoren ermittelt, die sich die 5 Mille aber teilen mußten: Eva Strittmatter und Richard Pietraß. Der Link zur Zusammensetzung der Jury geht leider ins Leere.
Veröffentlicht am 15. Dezember 2011 von lyrikzeitung
Susanne Eules erhält heute Abend in Köln den Selma Meerbaum-Eisinger Literaturpreis 2011 „Poesie der Lebensfuge. Schreiben in (ab) gebrochener Welt“ in der Synagoge zu Köln.
(Gefunden bei Fixpoetry, wo ein Gedicht der Autorin Gedicht des Tages ist)
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