89. Gestorben

Der belgische Schriftsteller und Psychoanalytiker Henry Bauchau starb in der Nacht zum Freitag im Alter von 99 Jahren. Er wurde 1913 in Malines (Belgien) geboren. Im zweiten Weltkrieg war er im Widerstand in den Ardennen. Seit 1946 lebte er in Paris (zwischendurch längere Zeit in der Schweiz). 1950 erschien sein erster Gedichtband  „Géologie“. Sein Theaterstück „Gengis Khan“ wurde von Ariane Mnouchkine inszeniert. 1990 wurde er Mitglied der Académie royale de littérature de la Communauté française de Belgique. Seine Bücher sind in viele Sprachen übersetzt.

Zuletzt erschienen: „Poésie complète“ (2009), „Les années difficiles, journal 1972-1983“ (2009), „Déluge, roman“ (2010), „Dialogue avec les montagnes, journal du Régiment noir, 1968-1971“ (mars 2011), „Tentatives de louange“ (novembre, 2011), „L’Enfant rieur“ (novembre, 2011), „Temps du rêve“ (mars 2012). / Le Nouvel Obs

Sein Roman Licht gegen Schatten [Le Boulevard périphérique, 2008, Prix du livre Inter] erschien bei Matthes & Seitz.

88. Hans Bender

Während des gut halbstündigen Gesprächs erzählt Bender, wie er 1968 mit Friede­rike Mayrö­cker und Ernst Jandl im Kölner Café Rei­chert sitzt und durchs Fenster Paul Celan vorbei­hetzen sieht, der ihm im Brief vom 18. Mai 1960 schreibt: Nur wahre Hände schreiben wahre Gedichte. Ich sehe kei­nen prinzipiellen Unter­schied zwischen Händedruck und Gedicht. Benders Arbeit als Ak­zente-Herausgeber kommt zur Sprache. 1965 bringt er, beispiels­weise, erstmals Ge­dichte von Friederike May­röcker… / Theo Breuer schreibt über Hans Bender, KuNo

87. Nichtraucher

Im Jahr 1822 gab der Autor Clement C. Moore das Gedicht „A Visit from St. Nicholas“ heraus, das als traditionelles Weihnachtsgedicht gilt. Doch nun wurde das Werk geändert, denn der Weihnachtsmann darf nicht mehr rauchen.

Auf dem Buchcover des kanadischen Verlages heißt es nun: „Bearbeitet von Santa Claus zum Nutzen der Kinder des 21. Jahrhunderts“. Erich Kästners deutsche Übersetzung der fraglichen Zeilen lautete: „Im Munde, da qualmte ein Pfeifenkopf, und der Rauch, der umwand wie ein Kranz seinen Schopf“, die Zeilen fehlen nun. / ShortNews

Es ist nicht der erste zensierende oder glättende Eingriff. So wird oftmals das Wort „breast“ durch „crest“ (Krone, Scheitel): „The moon on the breast crest of the new-fallen snow“.

Hier die Originalversion Moores.

Hier der Text des Erstdrucks von 1823.

Hier zum Streit um die Urheberschaft. – Deutsche Version fehlt übrigens. Dabei gehts uns an:

The poem, which has been called „arguably the best-known verses ever written by an American“,[1] is largely responsible for the conception of Santa Claus from the mid-nineteenth century to today, including his physical appearance, the night of his visit, his mode of transportation, the number and names of his reindeer, as well as the tradition that he brings toys to children.

86. Der Beginn von etwas

Was der Ajatollah Chomeini sagte:

Ich informiere das stolze muslimische Volk der Welt, dass der Autor des Buches »Die satanischen Verse«, welches sich gegen den Islam, den Propheten und den Koran richtet, sowie alle, die zu seiner Publikation beigetragen haben, zum Tode verurteilt sind. Ich bitte alle Muslime, die Betroffenen hinzurichten…

Rushdie: Ich bin ungeheuer stolz auf dieses Buch. Der Erfolg von Midnight’s Children und Shame hatte mir das Vertrauen gegeben, neues Terrain zu erobern, ich finde, das ist gelungen.

ZEIT: Andere finden, es sei eine respektlose Ironisierung religiöser Themen. Andererseits: War Religion damals nicht – altmodisch?

Rushdie: Genau so war es. Es war eine andere Welt. Der Libanon war eine offene säkulare Gesellschaft. Beirut nannte man das Paris des Ostens. Teheran und Bagdad waren kosmopolitische Städte. Religiösen Fanatismus kannte man nicht.

ZEIT: Eine Meinung, die sich als naiv erwies.

Rushdie: Als Fehler (lacht). Tatsächlich dachte die Generation der sechziger Jahre, Religion sei vorbei. Also, warum hätte man nicht respektlos sein dürfen? Als ich dieses Buch schrieb, hatte ich wirklich keine Vorstellung davon, dass ich meine Sicherheit riskierte. Ich zeigte das Manuskript einigen Freunden, unter ihnen Edward Said…

ZEIT: …dem Autor des Buches Orientalismus!

Rushdie: Er sagte: Stell dich auf Krach ein.

ZEIT: Taten Sie das?

Rushdie: Natürlich. Ich finde, dass ist genau das, was Bücher tun sollten – eine Debatte lostreten. Das ist so gut an Büchern, dass sie Gesellschaften oder Kulturen zwingen können, sich auf eine Unterhaltung einzulassen, die diese gerne vermeiden würden. Man streitet, und vielleicht hat jeder etwas gelernt. (…)

Es war der Beginn von etwas. Wir leben in einer Gesellschaft, deren Plage die Rückkehr der Religionen ist. Nicht nur des Islams. In Amerika sehen Sie die Erstarkung der christlichen Rechten, in Indien eine Erhebung des rechten Hinduismus. Pakistan ist heute ein dunkler Ort.

85. Schaden

Johannes Jansen

WAS......................
...soll..................
......kunst..............
.........ZUR ZEIT........
............soll.........
...............kunst.....
..................SCHADEN

Aus: Was soll Kunst. Umfrage in der Untergrundzeitschrift SCHADEN 13/ Dezember 1986. Wiederabgedruckt in der Anthologie „Vogel oder Käfig sein. Kunst und Literatur aus unabhängigen Zeitschriften in der DDR 1979-1989“. Hg. Klaus Michael und Thomas Wohlfahrt. Berlin: Galrev 1992, S. 394. (Weitere Beiträge u.a. von Gino Hahnemann, Egmont Hesse, Uwe Kolbe, Andreas Koziol, Raja Lubinetzki, Gerd Harry Lybke, Gert Neumann, Lutz Rathenow, Rainer Schedlinski und Christoph Tannert).

Und Zeit ist Zeit. Es ist Zeit, daß es Zeit wird. Es ist Zeit.

84. George Oppen

Das Vorwort zu seinem ersten Gedichtband schreibt ihm kein geringerer als Ezra Pound, der sich damals auch für junge Dichter wie Hilda Doolittle engagiert. Oppen jedoch verstummt nach seinem Auftakt – aus politischen Gründen. Er stellt die Relevanz eines poetischen Sprechens in den Jahren der Weltwirtschaftskrise radikal infrage. (…)

Zur Zeit der „Rohstoffe“ hat George Oppen bereits prägende Erfahrungen hinter sich: der Kriegsdienst in Frankreich bei der Ardennenoffensive, wo er in einem Graben Zitat: „in diesem grausamen Boden“ verschüttet und als einzig Überlebender geborgen wird. „Es gibt ein einfaches Ich in einem Gedicht / Ein Fremdes im Krieg.“ schreibt er. Zu Beginn des Kalten Krieges wird er als Anhänger der kommunistischen Partei in den USA verfolgt, und so ist er gezwungen, zusammen mit seiner Frau ins Exil nach Mexiko zu gehen, wo er acht Jahre lang als Tischler und Bootsbauer arbeiten wird. Oppen ist alles andere als der klassische Stubengelehrte, als er an den „Rohstoffen“ zu arbeiten beginnt, die ein Kondensat dieser Erfahrungen bilden. „Wenig, das er in der Oberfläche seiner Gedichte ruhen lässt“, schreibt Paul Auster im Nachwort der luxbooks-Ausgabe. Und so sind auch die Bedeutungsschichten, die der Lyriker und Übersetzer Norbert Lange in zahlreichen Anmerkungen für den Leser freilegt, eine große Hilfe; nicht nur Anspielungen auf Dichter wie Yeats, Shakespeare, Walt Whitman, Pound, Eliot und Brecht arbeitet Lange heraus, er gibt auch Einblicke in Briefe, und Gedanken, die sich Oppen selbst zu seinen Gedichten macht. Die Übersetzung ist großzügig gerade in ihrer Genauigkeit, sie grenzt nicht vorschnell ein, sondern eröffnet mit biografischen Details und Übersetzungsvarianten die Möglichkeit, Oppens Gedichten nahe zu kommen. / Anja Kampmann, DLF

George Oppen „Die Rohstoffe“
Aus dem Amerikanischen von Norbert Lange, mit einem Nachwort von Paul Auster
luxbooks Verlag, 2012, 147 Seiten, 22,00 Euro

83. Europäische Verfassung in Versen

Die von ihm erwähnte „Europäische Verfassung in Versen“ ist eines der großen Projekte, die der umtriebige flämische Schriftsteller initiiert hat. Vor drei Jahren bat er Autoren aus allen europäischen Ländern jeweils in ihrer Sprache die europäische Verfassung umzuschreiben. Das Ergebnis – Texte voller Hoffnungen, Träume und auch Enttäuschungen – wurde auf die Bühne gebracht.

„Für mich ist der europäische Traum immer noch ein Traum, auch wenn er zur Zeit eher einem Alptraum ähnelt“, sagt David van Reybrouck.

„Es ist doch großartig, dass sich der Frieden in Europa so lang gehalten hat. Aber lasst uns diesen Traum auch weiterträumen und nicht in einen Krampf zurückfallen. Es erschreckt mich, wie wir überall in Europa wieder in Nationalismen zurückfallen.“

David van Reybrouck lebt allein im Brüsseler Stadtteil St. Gilles in einer großzügigen Jugendstilwohnung. Er ist schmal, gepflegt, seinem Gegenüber zugewandt, ein Intellektueller mit feinen Gesichtszügen. Die Literatur liebt er, schreibt Gedichte, Prosa, Essays, aber manchmal, sagt er, werde er politisch und mische sich ein. / Susanne von Schenk, DLR

82. 20. open mike – Internationaler Wettbewerb junger deutschsprachiger Prosa und Lyrik

Der 20. open mike findet vom 9.-11.11. in Berlin statt.

22 junge Autoren – die Namen werden in den nächsten Tagen bekannt gegeben – lesen zwei Tage lang aus ihren Texten und um die Preise des open mike. Aus mehr als 630 Einsendungen wurden sie von sechs Lektoren renommierter Verlage ausgewählt. Beim öffentlichen Finale hat jeder Teilnehmer 15 Minuten Zeit, die Juroren Marcel Beyer, Thomas von Steinaecker und Silke Scheuermann zu überzeugen. Für bis zu drei Gewinner steht eine Preissumme von insgesamt 7500 EUR zur Verfügung. Ein Preis wird für Lyrik vergeben.

Programm

Freitag 9.11. 20:00 Uhr

Der open mike und die Folgen: Debütlesungen.

In Lesung und Gespräch: Vea Kaiser (Wien), Matthias Senkel (Leipzig) und Levin Westermann (Biel)
Moderation: Kolja Mensing (Deutschlandradio Kultur, Berlin)

Ort: Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Straße 141,12043 Berlin

20. open mike – Internationaler Wettbewerb junger deutschsprachiger Prosa und Lyrik

Samstag, 10.11. 2012
ab 14 Uhr: Lesungen 20. open mike

Sonntag, 11.11. 2012
ab 12 Uhr: Lesungen 20. open mike
ca. 16.45 Uhr: Preisverleihung 20. open mike

Der open mike ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation in Kooperation mit dem Heimathafen Neukölln und dem Allitera Verlag. Mit freundlicher Unterstützung des Fachbereichs Kultur des Bezirksamtes Neukölln.

81. Rückkehr der Religionen

Nun wendet sich Rushdie dem Leben unter der Fatwa zu, vor allem, was seine Freunde und Unterstützer mitgemacht haben; er bleibt dabei witzig und ironisch, als erzähle er tatsächlich über einen Dritten. Er erinnert daran, dass sein japanischer Übersetzer ermordet wurde, sein italienischer Übersetzer fast totgeschlagen, und dass sein norwegischer Verleger einen Anschlag mit einem Gewehr nur wie durch ein Wunder überlebt habe. „Ich habe niemals geglaubt, ich sei an der Vorderfront dieses Kampfes“, sagt er. Ganz vorne auch seien die Buchläden gewesen. Es gab Bombenanschläge, nicht nur hier und in England, auch in Australien.

Noch heute bekomme er Briefe. Buchhändler schrieben ihm, dass jemand ihnen mit Gewalt gedroht habe, wenn das Buch nicht verschwinde. „Und die meisten stellen es dann, als Akt des Widerstandes, ins Schaufenster.“ Auch viele Verlagsmitarbeiter seien tapfer gewesen. Im Buch schildert er, wie erboste Moslems bei Lektorinnen anriefen und drohten, sie wüssten, in welche Schulen deren Kinder gehen. (…)

„Und ich finde es geradezu unglaublich, dass keiner meiner Londoner Freunde, eigentlich ein Zirkel, der an Vertratschtheit nicht zu überbieten ist, über Jahre nicht verraten hat, wo ich stecke.“ Deren Solidarität habe ihm damals geholfen, nicht verrückt zu werden. Lieber allerdings wohnt er heute in New York. Das schlimmste, was ihm hier passiert sei, war ein Mann, augenscheinlich aus Indien, der ihm auf der Straße heftig erregt gesagt habe, Vidiadhar Naipaul sei ein zehnmal besserer Schriftsteller als er. (…)

„Der Roman wurde geschützt, jeder kann ihn heute lesen“, sagt er. „Aber es hat Leuten Angst gemacht ein Buch über den Islam zu veröffentlichen, und das wirkt nach. Bei Terrorismus geht es ja darum, Furcht zu verbreiten.“ Und ja, die Kunst sei mächtiger als das Schwert, und werde das Schwert überleben; der Künstler allerdings nicht so sehr. „Wir kennen heute noch die Gedichte von Osip Mandelstam, aber der Poet wurde in Stalins Arbeitslagern ermordet. Federico García Lorca wurden von Franco umgebracht.“ (…) / Eva C. Schweitzer, Die Zeit

Perlentaucher:

Die Zeit, 20.09.2012

Salman Rushdie spricht mit Susanne Mayer darüber, wie die 1989 von Ajatollah Chomeini verhängte Fatwa sein Leben verändert hat. Die religiöse Sprengkraft habe er damals unterschätzt, gibt Rushdie zu, und konstatiert, dass sich die Welt seitdem verändert hat: „Wir leben in einer Gesellschaft, deren Plage die Rückkehr der Religionen ist. Nicht nur des Islams. In Amerika sehen Sie die Erstarkung der christlichen Rechten, in Indien eine Erhebung des rechten Hinduismus. Pakistan ist heute ein dunkler Ort.“

 

80. Gestorben

Louis Simpson, Pulitzer-Preisträger (1964), der in seinen Gedichten typische amerikanische Geschichten von einfachen Leuten erzählte und einen skeptischen Blick auf den Amerikanischen Traum warf, starb am vergangenen Freitag im Alter von 89 Jahren in seinem Haus in Stony Brook, N.Y.

Der Lyriker und Kritiker Edward Hirsch nannte ihn den „Tschechow der amerikanischen Gegenwartslyrik“. In dem Gedicht „On the Lawn at the Villa“ heißt es:

“It’s complicated, being an American, / Having the money and the bad conscience, both at the same time.”

In seinem Band “At the End of the Open Road”, für den er mit dem Pulitzer ausgezeichnet wurde, zeichnet er ein düsteres Bild des amerikanischen Naturells in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Gedichten wie diesem:

In the Suburbs

There’s no way out.
You were born to waste your life.
You were born to this middleclass life
As others before you
Were born to walk in procession
To the temple, singing.

/ Mervyn Rothstein, New York Times 18.9.

79. Kärntner Lyrikpreis

„Vor fünf Jahren war ,Lyrik und Stadtwerke‘ noch kein rundes Thema“, blickte Romed Karre am Dienstag zurück auf die ungewissen Anfänge des bedeutendsten Kärntner Dichterwettbewerbs*. „Aber gerade jetzt“ sei es „ein Thema“, befand der Stadtwerke-Chef weiter, weil „Kärnten ein Land der Dichter und Denker“ sei und weil er sich von diesen erhoffe, dass sie „wieder die positiven Seiten des Landes in den Vordergrund“ rücken könnten. / Kleine Zeitung

*) Nein, nicht Bachmann ist gemeint, sondern der Kärntner Lyrikpreis, mehr hier:

Zum mittlerweile fünften Mal findet im heurigen Jahr schon der Kärntner Lyrikpreis 2012 der Stadtwerke Klagenfurt Gruppe statt. Dabei konnte auch heuer wieder eine hochkarätige Jury für die Beurteilungen gewonnen werden. Neben dem Vorsitzenden Manfred Posch besteht diese aus Büchner-Preisträger Josef Winkler, Egyd Gstättner, Ilse Gerhardt, Richard Götz, Günter Schmidbauer und STW-Pressesprecher Harald Raffer (ohne Stimmrecht).

(…) Insgesamt werden bei der Preisverleihung am Donnerstag, dem 29. November, im Festsaal der Stadtwerke Klagenfurt Gruppe um 18 Uhr 12 Auszeichnungen (1. Preis 3.000 Euro, 2. Preis 1.500 und 3. Preis 800 Euro) und ein Sonder-Preis der Kulturabteilung des Landes Kärnten (2.000 Euro) vergeben. Als Kooperationspartner konnte der ORF Kärnten gewonnen werden.

Zu den Ausschreibungsbedingungen: Erwartet werden bei freier Themenwahl sprachkünstlerisch anspruchsvolle Ausdruckformen lyrischen Sprechens (Mundart ausgeschlossen), Teilnahmeberechtigt sind Kärntner Lyriker sowie in Restösterreich oder im Ausland lebende Kärntner (Beider Landessprachen), Einreichung von maximal vier unveröffentlichten Gedichten in siebenfacher Ausfertigung mit Namen, Alter, Beruf, genauer Adresse, Telefon (evtl. mail-Adresse). Einsendeschluss ist Montag, der 12. November. Alle weiteren Infos: www.stw.at / blick-punkt.at

78. Stuttgarts Dichter

Ein Ingenieur aus Köln, der sich auf die Spuren von Stuttgarts Autoren und Dichtern gemacht hat: Klingt eher ungewöhnlich. Bernd Möbs aber ist diesen Weg gegangen. Und mit dem neuen Band „Unterwegs zu Stuttgarts Dichtern“ können sich nicht nur Literaturfans auf dieselben Spuren begeben und vielleicht auf die ein oder andere überraschende Begegnung freuen. / Stuttgarter Wochenblatt

77. Es ist was es ist

Das Gedicht war einmal eines der bekanntesten deutschen Gedichte eines lebenden Autors.  Erich Fried (1921-1988) hieß er. Es erschien 1983 in dem Band „Es ist was es ist. Liebesgedichte, Angstgedichte, Zorngedichte“, Verlag Klaus Wagenbach. Jetzt ist es neu herausgekommen. Nicht mit anderen Gedichten sondern mit Bildern. 26 Seiten sind es geworden. Die Bilder sind von Mehrdad Zaeri. / Arno Widmann, FR

Erich Fried: Was es ist, illustriert von Mehrdad Zaeri, Büchergilde Gutenberg, in der Reihe Petits Fours, fester Einband, Schuber, 24 Seiten, 6 Euro.

76. Unter Beobachtung

Die Ratingagentur Moody’s droht dem Schriftsteller Günter Grass mit dem Entzug der Bestnote „Aaa“. Grass stehe, wie es in einer Pressmitteilung heißt, „unter Beobachtung“, weil die Ratings seiner jüngsten Gedichte miserabel ausgefallen seien. Aus der engsten Umgebung des Literaturnobelpreisträgers Grass verlautet nun, dass er schärfstens gegen seine Beobachtung und Bewertung durch eine „dahergelaufene“ Ratingagentur protestiere und ihr das Recht aberkenne, ihm die Bestnote zu entziehen. …

Unterdessen zirkulieren neue Gedichte von Grass im Internet. „Wenn es sein muss, lese ich auch / den Hethitern die Leviten sowie den Kabylen“, soll er gedichtet haben. „Und wenn sie nicht hören wollen, / dann müssen sie fühlen“. Züchtigen will Grass alle unbotmäßigen Volksstämme mit einem Interviewboykott und der Schließung sämtlicher Grass-Institute, von denen weltweit rund 21.000 Stück existieren. Sieben soll es allein in Lübeck geben, dreizehn in Wewelsfleth und sechzehn in Gdansk. / Gerhard Henschel, taz

75. Traumreise durch Sachsen

Wir sind ohne es zu bemerken in ein Märchen eingetreten und in eine «zwischenzeit» gelangt, in der Zeit und Raum eines sind und wo der Raum eine «pause» einlegen kann. Fortan hat das, was im Gedicht geschieht, zwei Spuren, eine reale und eine märchenhafte. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, die eine von der andern zu isolieren und gesondert zu beschreiben. Sie ergeben nur zusammen gelesen ein Ganzes, eine Art Traumreise durch eine Gegend in Sachsen und zugleich eine Fahrt durch die Schwärze des Himmels. Der Einfachheit halber schlüpfen wir – die Lesenden – vorübergehend in das Wir, das im Gedicht das Wort führt. Bitte sich anzuschnallen. (…) / Rudolf Bussmann, Tages Woche, über ein Gedicht von Judith Zander