3. Poetopie

ein Stück Himmel über jedem Kopf, unter jedem Fuß ein Stück Erde

/ Hansjürgen Bulkowski

2. Übersetzt

Gedichte des deutschpersischen Dichters Cyrus Atabay wurden von Bijan Elahi (mit Unterstützung des 1996 gestorbenen Dichters) ins Persische übersetzt und erschienen jetzt in Teheran, meldet IBNA.

1. Zum Tod von Seamus Heaney

Sein Ruhm wuchs ständig und mit ihm die Anerkennung in Form von Preisen. Sie gipfelte im Literaturnobelpreis 1995, sie drückte sich aber auch darin aus, dass er in seiner Heimat, dem vielleicht „literarischsten“ europäischen Land, quasi als Nationaldichter verehrt wird.

In einem Gespräch mit dem Standard vor vier Jahren reagierte er verhalten auf diese Zuschreibung. Irische Dichter hätten immer die Rolle nationaler Barden einnehmen sollen. Aber heute würden sie auf diese Tradition zu Recht „vorsichtig, oft ironisch, manchmal sogar mit Spott“ reagieren. Kein Dichter könne es sich leisten, zum Sprachrohr einer Parteilinie zu werden.

Sehr wohl kann er aber für ungewöhnliche Poesie das Wort ergreifen. So lobte Heaney einmal unter den verwunderten Blicken der anwesenden Philologen die „verbale Energie“ des Rappers Eminem. / Der Standard

Was hören und sehen wir bei ihm? Eine unendliche Fülle von Materie. Das Hämmern des Amboss, Dreck und Schlamm, das Rauschen des Regens, Erdklumpen, die einem ins Gesicht fliegen, landwirtschaftliches Gerät. Vergehende Jahreszeiten, mieses Wetter, Menschen, die sich bücken müssen. Auch wenn man diesen traditionsbewussten, ebenso zupackenden wie nachdenklichen Poeten gern mit W. B. Yeats verknüpft, dem Leitstern der dichterischen Moderne in Irland, erinnert Heaneys lyrische Archäologie in ihrer konkreten Körperlichkeit fast an die amerikanischen Puritaner, deren dichterischer Bildervorrat sich aus Radmachen, Erntearbeit und Bierbrauen speiste. Daneben allerdings gibt es den zweiten Heaney, einen poeta doctusohne Bildungsdünkel, den Gastprofessor in Harvard und anderswo. Hier ist er demütig, erinnert an die Jahrhunderte vor ihm, und erweist sich als Hüter einer poetischen Tradition von Gerald Manley Hopkins bis Ossip Mandelstam. Seine akklamierte Übersetzung des altenglischen „Beowulf“ wurde zum Bestseller der Seminarräume. / Paul Ingendaay, FAZ

Wir erwarten von jedem Gedicht eine Ahnung dessen, was in der Sprache möglich ist, und spüren sofort, wenn es ihm daran ermangelt. Aber sogar ich ändere meine Gewohnheiten und muss Ihnen gestehen, dass ich in den letzten vier oder fünf Jahren zu einem Googler geworden bin: Ich hätte vor unserem Gespräch Ihren Namen googlen sollen. / Heaney im Gespräch mit der FAZ

Gedicht Die Schlammvision /  Digging

Mehr: Die Welt / taz /  Badische Zeitung / Berliner Zeitung / New York Times / Irish News

117. Hoffnung und Geschichte

Als Nordire verfügte Heaney über eine beispiellose menschliche Autorität während des akuten Nordirlandkonflikts. Dabei beschäftigte er sich in der Sammlung «North» mit den versteckten Winkelzügen der Nordiren, die sich so in einer gespaltenen Gesellschaft von einander abgrenzen. Heaney warnte vor «Zungen, die sich wie Dochte unter Flammen krümmen». Im Epos «The Cure at Troy», das in fliessenden Hexametern gehalten war, prägte Heaney den Satz, der den ganzen nordirischen Friedensprozess beleuchtete, als er von Zeiten schrieb, da sich «Hoffnung und Geschichte reimen». Obwohl er technisch ein britischer Staatsbürger war, sah sich Heaney stets als Ire: «Es sei gesagt, dass mein Pass grün ist. Kein Glas wurde je bei uns aufs Wohl der Königin erhoben», schrieb er. / Martin Alioth, Neue Zürcher Zeitung

116. Wie geht es der Lyrik?

Thomas Wohlfahrt im Gespräch mit Christine Watty im DLR. Auszug:

Deutsche Dichtung finde international kaum statt, sagt der Germanist Thomas Wohlfahrt. Ein nationales Zentrum für Poesie solle die deutsche Lyrik im Ausland wieder bekannt machen. Außerdem könnte es alle schon vorhandenen Gedichten sammeln und zugänglich machen.

(…)

Wie geht es eigentlich der Lyrik hierzulande?

Thomas Wohlfahrt: Das ist sicherlich die richtige Frage. Der Bedarf ist da. Der Lyrik in diesem Lande geht es gut, was die Produktion betrifft. Ich glaube Lyrik aus der Bundesrepublik Deutschland – das meint die deutsche, aber natürlich auch die anderssprachige, die hier entsteht – gehört zu den spannendsten in der Welt, weil sie auch eine große Poesiegeschichte hinter sich hat oder darauf zurückgreifen kann, was immer wichtig ist. (…)

Diese beiden anderen literarischen Künste haben ihre Orte, Lyrik hat sie nicht. Andere Länder haben es uns vorgemacht, wie gut es ist, wenn man solche Zentren hat. Das ist ja nicht, um etwas zusammenzupressen, sondern als Transmissionsriemen muss man das bitte verstehen. Da übernimmt man gesamtstaatliche Aufgaben. Das ist ja ganz wichtig in diesem Land, das ja föderal strukturiert ist.

Watty: Die Lyrik hat also diesen Ort nicht, sagen Sie, und sie hat natürlich auch immer noch diesen Nischenbeigeschmack. An dieser Stelle wäre es vielleicht ganz gut, wenn Sie uns noch mal beweisen, wie aktuell und wie nah dran die Lyrik auch sein kann, um vielleicht auch Menschen zu überzeugen, für die das immer nur dieses Tüpfelchen auf dem I, das, was ganz oben steht, ist.

Wohlfahrt: Die Dichterin Monika Rinck hat ein Gedicht geschrieben, das heißt schlicht und ergreifend „Zinsverbot“, spielt an auf das, was ja verboten war bis ins 16. Jahrhundert, überhaupt Zins zu nehmen. Das war unschicklich, gehörte sich nicht, das war dem Juden als dem vorbehalten, der damit Wucher machte. Das hatte natürlich wieder mit jüdischen Diskriminierungen zu tun, und so weiter, und so fort – also, das „Zinsverbot“ von Monika Rinck geht folgendermaßen, und da wird es vielleicht deutlich, was Lyrik alles kann:

Zinsverbot

Da hat doch schon wieder jemand die Milch in der Kuh verkauft.
Die Zukunft steht prinzipiell offen. Moment, das ist mein Euter!
Ihr sollt die Milch nicht im Euter verkaufen. Futures, Terminhandel:
auch das nicht. Und ihr sollt nicht mit unreifen Früchten handeln.
Ihr sollt warten, bis die Reize eine angemessene Größe haben,
groß genug, um damit für Tiernahrung oder Mietwägen zu werben.
Ja, das dauert. Stichwort: Volatilität! Auch sollt ihr die Wolle nicht
auf dem Rücken der Tiere verkaufen. Nicht einmal das. Und Zins
sollt ihr nicht nehmen! Wie? Zins nicht! Ihr habt schon verstanden.
Wenn man euch versehentlich Gelder als Zinsguthaben übereignet,
werdet ihr die präzise atomisieren, zugunsten insolventer Besteller.
Das wäre es, in etwa. Mehr braucht ihr dazu gar nicht zu wissen.
Und es wird euch wohlergehen auf Erden. Ja, ich meine es ernst.

(…)

Was fehlt, ist natürlich der Bereich des internationalen Auftritts. Der deutsche Dichter oder Dichtungen aus diesem Land findet international kaum statt. Das bricht richtig weg, nach Brecht, Benn, Celan das kann man nachweisen. Zum Beispiel gilt Hermann Hesse in aller Welt als der große deutsche Lyriker nach Goethe. Spielt bei uns in dieser Form weniger eine Rolle, ne?

Ein Zentrum hat dafür zu sorgen, dass dieser Austausch organisiert wird, indem man Übersetzungsförderung macht. Wenn ich sage, deutsche Dichtung sollte wieder in der Welt wahrgenommen werden, heißt das auch, ich muss den Gegenverkehr auch zulassen und den auch organisieren. Es geht eigentlich darum, sich auch das Gedächtnis wieder zu organisieren. Wir haben sicherlich Sammelstellen in Marbach, Weimar und wo auch immer, aber die deutschsprachige Lyrik der Gegenwart ist nirgendwo konsequent gesammelt. Das heißt, wir denken an eine Mediathek. Das meint das Buch, natürlich.

Aber Lyrik, das hat mit ihrem Charakter zu tun, existiert eben auch in allen möglichen anderen formalen oder medialen Situationen. Da gibt es das Tape, das große Rundfunkarchiv, das geht bis zum Film, der ganze Bereich der visuellen Poesie. Neuerdings die digitale Poesie, alles da flüchtig, nirgendwo versammelt, der ganze Reichtum sollte erst mal gehoben werden und zusammengeführt werden. Und dazu, dass es so etwas gibt, wie ein, sagen wir mal, digitales Findbuch, das erstmals zusammenführt, was wo wo auch immer alles schon da ist, und verweist, wo man das finden kann.

Und viele Archive, die sammeln, die wissen gar nicht, was sie auch unter lyrischen Aspekten schon haben. Also das mal zusammenzutragen und der Welt zur Verfügung zu stellen, würde, glaube ich, sehr viel bedeuten und sehr viel bewegen für die Dichterinnen und Dichter in diesem Land, und für die ganze Dichterszene.

115. Seamus Heaney gestorben

Der irische Dichter Seamus Heaney, der 1995 den Literaturnobelpreis erhielt, starb heute in Dublin nach kurzer Krankheit, wie seine Familie mitteilt. Er war 74 Jahre alt. / New York Times

114. Fouad EL-Auwad liest

Fouad EL-Auwad (Syrien und Aachen) liest aus seinen Büchern „Das elfte Gebot und Baum des Regens“

Dienstag, 3.9., 20:00 Uhr

Veranstaltung der Reihe „Literarische Alphabete“.

Die Gedichte des 1965 in Damaskus geborene Lyrikers Fouad EL-Auwad sind von einem beeindruckenden inneren Reichtum getragen, schreibt sein Kollege Fouad Rifka. Fouad EL-Auwads Poesie überschreitet das Profane und wendet sich den existentiellen Fragen zu. Mit Patrick Beck spricht der Autor über den Weg des Gedichts zu Herz und Auge und sicher auch über die aktuelle Lage in seinem Land.

Stadtmuseum Dresden
Wilsdruffer Straße 2, 01067 Dresden

113. Leser

Es gibt sie noch, die Lyrikleser. Wie schon Schiller wußte, sind sie meist weiblich. Hier der jüngste Beweis:

Klaus-Peter Wolf, renommierter Krimi-Autor (u.a. mit seinen letzten „Ostfriesen“-Krimis 2013 in den Bestenlisten des STERN, SPIEGEL etc.) erwies der zeitgenössischen deutschsprachigen Lyrik seine Reverenz, in dem in dem Thriller „Neongrüne Angst“ (S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main) eine seiner weiblichen Figuren Lyriker von Matthias Kehle und Jürgen Völkert-Marten lesen lässt.

112. Lyrik leuchtet

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Prosa
Lyrik

3:1 für die Lyrik:

Poetry

Dank an alle aufmerksamen Leser!

111. lyrikline neu

Der Lyrik-Navi: Relaunch lyrikline

Gedichte von mehr als 850 Dichtern in 58 Sprachen gelesen und übersetzt in 55 Sprachen bietet die Website lyrikline schon heute. Seit 1999 ist lyrikline online, damals eine Pioniertat, heute das Weltarchiv der Dichtung mit Partnern in über 40 Ländern. Jetzt wurde sie komplett neu konzipiert und überarbeitet. Am 1.9.2013 geht die neue lyrikline online – mit bislang ungekannten Möglichkeiten, die Welt der internationalen Dichtkunst zu erforschen. Thematische wie formale Kategorien, eine dynamische Suche und etliche Querverweise eröffnen gänzlich neue Zugänge und ermöglichen ein schnelles Auffinden einzelner Gedichte.

Fortan navigieren die Besucher mit neuem Kompass durch die poetischen Welten, und für registrierte Nutzer besteht zudem die Möglichkeit, eine Art Logbuch zu führen, d.h. sich Gedichte zu merken und eigene Listen anzulegen.

Zum Relaunch am 1.9.2013 wird die neue Webseite und ihre neuen Funktionsweisen vorgestellt, live in der c-base Berlin und per livestream überall auf der Welt. Die Präsentation wird begleitet von Videoschaltungen mit internationalen Partnern und Dichtern, Grußbotschaften und Lesungen.

Der Relaunch der Webseite wurde ermöglicht durch eine Förderung der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.

Die Veranstaltung findet statt mit freundlicher Unterstützung durch: c-base, Institut Ramon Llull, Königlich Norwegische Botschaft, Rámus Förlag, Malmö, Schwedische Botschaft Berlin.

So. 1.9.2013, 19.00 Uhr UTC+2
Relaunch lyrikline
Mit Simen Hagerup (Dichter, Norwegen), Els Moors (Dichterin, Belgien), Steffen Popp (Dichter, Berlin), Pedro Sena-Lino (Portugal), Helena Sinervo (Dichterin, Finnland), Jan Wagner (Dichter Berlin)
Ort: c-base – ›Raumstation unter Berlin Mitte‹, Rungestraße 20, 10179 Berlin
Eintritt frei, Anmeldung erforderlich

110. Übersetzer-Seminar

Regeln, was tun?

Sprachenübergreifendes Seminar zum Übersetzen von Lyrik

8.- 12. Dezember 2013 im Literaturhaus München

Leitung: Ulf Stolterfoht und Marie Luise Knott

„Ich weiß nicht, was Gedichte sind“, sagt Oskar Pastior. Und natürlich richtet sich dieser  Satz, weit entfernt von jeder Koketterie, gegen die Anmaßung einer allgemein gültigen Definition für etwas, das doch immer erst in seiner jeweiligen Realisierung zu dem wird, was es dann „tatsächlich“ ist: ein Gedicht. Die Familienähnlichkeit, die uns dazu bringt, von manchen Texten als Gedichten zu sprechen (und von anderen eher nicht), besteht in deren besonderer Strukturiertheit oder besser, in der Organisiertheit dieser Texte: alle sind sie in einem engeren oder weiteren Sinn regelgeleitet.

Die Lyrikgeschichte als Geschichte sich wandelnder Regelsysteme, von Sappho über   Edda- und Skaldendichtung, Barock, deutsche Klassik, frühe Avantgarden, Lautpoesie bis hin zu Oulipo: Regeln, Regeln, Regeln. Und auch wenn diese Korsette unterschiedlich eng sein mögen: Stabreim vs. Endreim, Hexameter vs. Blankvers, Sonett vs. Anagramm – es bleiben Korsette. Hinzu kommen die verdeckten Regeln des Klangs, die ein Gedicht im Hörensagen imprägnieren.

Für Übersetzer enthalten diese Regelbindungen lauter Fragen jenseits des Semantischen.   Was übersetzt man, wenn man ein Gedicht übersetzt? Den Bauplan? Das, was „dasteht“?   Was macht man mit den klanglichen Ereignissen wie Homophonien oder Parallelismen?

All diese Themen wollen wir im Seminar an den Übersetzungen der Teilnehmer diskutieren, und zwar an jedem Gedicht aufs Neue, denn: jedes Gedicht hat seine eigenen Fragen.

Geplant ist, dass jeder Teilnehmer ein Übersetzungsprojekt mitbringt und vorstellt, und dass die unterschiedlichen Ebenen – Semantik, Form und Klang sowie deren Interaktion – ausführlich besprochen werden. Dabei werden verschiedene Ansätze debattiert, wie man das Original im Deutschen reproduzieren kann.

Referenten von außen werden langjährige Erfahrungen beisteuern.

Teilnehmen können: literarische Übersetzer mit einem Poesie-Übersetzungsprojekt; ferner Lyriker, die fremdsprachige Poesie übersetzen oder übersetzen wollen.

Zielsprache: Deutsch

Anzahl der Teilnehmer: max. 12

Dauer: 4 Tage. Termin: 8. – 12. Dezember 2013

Veranstaltungsort Literaturhaus München. Keine Teilnahmegebühr. Die Fahrtkosten werden erstattet. Für Auswärtige stehen Hotelzimmer in der Nähe des Literaturhauses zur Verfügung.

Teilnahmevoraussetzung:

  • die Übersetzung oder Veröffentlichung mind. eines literarischen Werks.
  • ein lyrisches Übersetzungsprojekt

Einzureichen sind:

  1. Eine kurze Bio-Bibliografie
  2. Kurze Beschreibung des lyrischen Übersetzungsvorhabens mit einer Probeübersetzung (mindestens 30 Zeilen) und dem entsprechenden Original. Einsendeschluss: 16. September 2013 (Posteingang); die Auswahl der TeilnehmerInnen erfolgt bis 30. September 2013.

Bewerbungen per Post oder Mail (in Form von PDFs) an:

Deutscher Übersetzerfonds
c/o LCB
Am Sandwerder 5
14109 Berlin
mail@uebersetzerfonds.de

109. Lonely as a cloud

Great moments in the history of English poetry No. 47: William Wordsworth comes home to tea with his sister Dorothy after a walk on the moors in the rain.

Dorothy: „Welcome home, dear William. Where, if I may be so bold as to enquire, have you been?

William: „I have been wandering, my dear Dot. Just wandering.“

D: „Wandering, William? In what manner have you been wandering?

W: „In a manner that I think can best be described as lonely.“

D: „Would that be, I wonder, lonely, in the sense of being on your own, or are you using the word to suggest a need or desire of someone else to share your wander? Explain the nature of your lonely wander if you will, Will.“

W: „It can best be compared to the loneliness of a cloud. For they say loneliness is next to cloudiness.“

D: „I never heard them say that.“

W: „Come to think of it, I have never heard them, whoever they may be, say that either. I must have been mistaken. Yet I do aver that I wandered lonely as a cloud.“

D: „But surely, dear Bro, clouds are not lonely. Indeed, as I look through the window at the sky, I cannot see any cloud at all in the bright blue sky.“

W: „That’s exactly my point dear Sis: If there were a cloud in the sky, it would be the only one there and it would be lonely.“

/ B Comber, Gulf Daily News. The Voice of Bahrain

Und damit jetted das Gedicht in meine Anthologie. Welcome, dear!

I Wandered Lonely as a Cloud
BY WILLIAM WORDSWORTH

I wandered lonely as a cloud
That floats on high o’er vales and hills,
When all at once I saw a crowd,
A host, of golden daffodils;
Beside the lake, beneath the trees,
Fluttering and dancing in the breeze.

Continuous as the stars that shine
And twinkle on the milky way,
They stretched in never-ending line
Along the margin of a bay:
Ten thousand saw I at a glance,
Tossing their heads in sprightly dance.

The waves beside them danced; but they
Out-did the sparkling waves in glee:
A poet could not but be gay,
In such a jocund company:
I gazed—and gazed—but little thought
What wealth the show to me had brought:

For oft, when on my couch I lie
In vacant or in pensive mood,
They flash upon that inward eye
Which is the bliss of solitude;
And then my heart with pleasure fills,
And dances with the daffodils.

Hier mit einer Übersetzung von Walter A. Aue

108. Jorie Graham

und aus dem äußersten Ende der Nacht der blühende Weißdorn aufstand.

Wenn es noch Argumente gebraucht hätte, mit diesem Vers hätte Graham mich gehabt. Im antikisierenden Rhythmus bricht sich einer Erfahrung Raum, die die Enden aus Sinnlichkeit und Reflexion ineinanderbiegt zu einer auf der Seite liegenden Acht, und der blühende Weißdorn ist geradezu zu riechen. Der Vers ist dem langen Gedicht „Chaos“ entnommen, das sich ungefähr in der Mitte des Bandes befindet. Ein Zufall vielleicht, dem Titel entsprechend, aber nach vorn wie nach hinten gebiert der Band Ordnung. Oder etwas, das einer Ordnung ähnelt.

Das erste Lesen war mir ein Rausch. Niemals zuvor war ich in einer so kurzen Zeit durch einen solchen Berg von Gedichten geritten. Atemlos, erschüttert, befreit. Ja, dachte ich immer wieder, so muss man das machen.

Region der Unähnlichkeit. Region of Unlikeness. Allein das Wort Unähnlichkeit, das Abweichende in der Identität, die selbst nicht identisch, flirrende Ränder, die ganze Dialektik in einem Wort. So wie Geschichte in einem Text von Graham zusammenschnurrt. Das ganze zwanzigste Jahrhundert. Rhythmisch, politisch, intellektuell. Als wäre Ordnung möglich. / Jan Kuhlbrodt, Signaturen

Dort ein Beitrag von Jan Kuhlbrodt über den Sammelband „Helm aus Phlox“ und zur Eröffnung eines Diskurses über „Lyrik heute“ ein so überschriebener, bisher unveröffentlichte Kurzessay von Wolfram Malte Fues.

107. Unebene Wahrnehmung

Ihre autobiografische Poesie, in der sie die Traumata ihrer Kindheit verarbeitet, wurde im Nachkriegsdeutschland als Zumutung empfunden. (…)

„Ich wollte eigentlich Lyrikerin werden“, gibt die Germanistikprofessorin zu. „Gedichte sind haltbarer“, weiß die preisgekrönte Literaturwissenschafterin. „Ich wollte sie jetzt ins Licht rücken.“ Gleichzeitig ist sich die Holocaust-Überlebende bewusst, wie schwer manchen Lesern der Zugang zu moderner Lyrik fällt. Nicht selten bleibt da nur ein Kopfschütteln. (…)

Auch ihre Vorliebe für unreine Reime, die aus dem Englischen stamme, kommt hier gut an. „Ich verwende sie gern, weil sie ausdrucksfähiger sind und sich damit besser die Unebenheiten in der Wahrnehmung darstellen lassen“, erklärt die Autorin im Gespräch mit der „Wiener Zeitung“. An dem konventionellen Formtypus, der ihr das Überleben in der Unmenschlichkeit sicherte, hält sie nicht ungebrochen fest. / Luitgard Koch, Wiener Zeitung

106. Meine Anthologie 86: To make a prairie

Emily Dickinson, To make a prairie

To Make a Prairie

To make a prairie it takes a clover and one bee,—
One clover, and a bee,
And revery.
The revery alone will do
If bees are few.

Emily Dickinson  (1830–1886)

To make a prairie . . .

Für eine Wiese braucht es Klee und Biene,
einen Klee und eine Biene
und dazu ein Traumgesicht.
Der Traum genügt,
wo’s keine Bienen gibt.

Deutsch von Felix Philipp Ingold

(Vorletzter Eintrag der Anthologie von 2001)