111. Rudolf Borchardt und Hugo von Hofmannsthal

Dass Borchardt ihn in dem «Brief»-Aufsatz, der die Festschrift «Eranos» zu Hofmannsthals fünfzigstem Geburtstag einleiten sollte, als «die endliche Tuba der Geschichts- und Geisterwelt Habsburgs» ansprach, führte zu jener wütenden Antwort, die beinahe das Ende der Beziehung bedeutet hätte: «Ich bin keine Tuba, will auch keine sein, war nie eine, und werde nie eine werden! und schon gar keine endliche Tuba.» / Manfred Koch, NZZ 16.1.

110. Christian Haller geehrt

Der Aargauer Schriftsteller Christian Haller wird mit dem diesjährigen Kunstpreis des Kantons Aargau ausgezeichnet. Der 71-jährige Schriftsteller und Dramaturg aus Laufenburg erhält den mit 40 000 Franken dotierten Preis «für sein Werk von beeindruckendem Format». Sein Œuvre umfasst zahlreiche Romane, Lyrik- und Erzählbände sowie Essays und Theaterstücke. So habe Hallers «Trilogie des Erinnerns», die den Spuren einer Familie über mehrere Generationen folge, im deutschsprachigen Raum grosse Anerkennung gefunden. Haller habe über viele Jahre die aargauische Theaterszene als Dramaturg bereichert. / NZZ 23.1.

109. Christian Steinbacher, Sprachsammler

Wenn Christian Steinbacher sich einen Mörike-Text vornimmt, bleibt von dem Singsang der Verse nicht viel übrig. «Schön reife Beeren / Am Bäumchen hangen», dichtet da der schwäbische Pfarrer. Und Steinbacher komponiert dazu: «Malz und Heide ade! schallt wie geblockt; / Aal mit Kuss als Motiv nicht unoft lock; / nein, Ei, Ritze und Mus, die wollten Lack – / bis das Je sowieso knüpft‘ uns zusamm‘.» (…)

So wie der bildende Künstler auf die Form der Gedichte antwortet, zeigt uns Steinbacher seine Echos auf sprachliche Materialien, die er im Alltag findet, oder auf die Stücke anderer Dichter und Musiker. Waren es in seinem letzten Gedichtband «Winkschaden, abgesetzt» (2011) unter anderem Materialien aus «Walt Disneys Lustigen Taschenbüchern» oder «Manufactum»-Katalogen, so kommen nun Kinderlieder, psychologische und pharmazeutische Fachbücher oder die Werbesprache der Einkaufscenter hinzu. Wo andere gelangweilt durch die Gänge der Super- und Möbelmärkte streifen, wird Christian Steinbacher zum Sprachsammler. (…)

In seinen Anagrammgedichten zu einem Stück des grossen Lautkünstlers Carlfriedrich Claus wird einmal ein «kleiner Kreml-Kreml aus Antalya» sichtbar, der ein wenig an H. C. Artmann erinnert. Am intensivsten sind aber die «Umschriften» zu Jacob Balde. Genau genommen handelt es sich um mehrfache Überschreibungen. Der Schweizer Literaturwissenschafter Max Wehrli hat Gedichte des auf Latein schreibenden Barockdichters Balde ins Deutsche übertragen. Steinbacher übernimmt das Versmass und die Anzahl der Strophen – und hüpft im Übrigen munter in den Klang- und Bedeutungswelten der Gedichte hin und her. Es ist ein grosses Vergnügen, dem Querlauf der Verse zu folgen. Was die Sprache vermag, wenn sie sich vom Zwang des Benennens löst, zeigen diese Gedichte mit ihren «Salven» und «Düsen» ein ums andere Mal. / Nico Bleutge, NZZ

Christian Steinbacher: Tief sind wir gestapelt. Gedichte. Czernin-Verlag, Wien 2014. 175 S., Fr. 28.40. 

108. Apostel des langen Gedichts

Seit bald dreissig Jahren ist der 1936 in Berlin geborene Paulus Böhmer als Apostel des langen Gedichts durch die Lande gezogen, aber erst jetzt, mit seinem visionären Wasser-Poem, hat er mit dem Peter-Huchel-Preis die Anerkennung erhalten, die er seit langem verdient.

Auf seinem Weg hat ihn stets der kleine Peter-Engstler-Verlag begleitet, der in Ostheim in der hessischen Provinz einen Stützpunkt für deutsche Adepten der Beat-Generation und andere eigensinnige Poeten errichtet hat. Böhmers im besten Sinne ausschweifende Gedichte, die er seit 1987 veröffentlicht, entfalten einen Furor des Diversen. Eine unglaubliche Vokabel-Vielfalt aus unterschiedlichsten Wissensgebieten wird mit Erinnerungsbildern und poetischen Zitatbrocken den Gedichten einverleibt, bis jener poetische Maelstrom in Gang kommt, den der Dichter in seinem Wasser-Poem so aufruft: «bin ein Wasserkopf, / der kaut und kaut, der kaut und kaut, nichts wiederholt, nichts schluckt, / nichts sich einverleibt, sondern kaut, bis jeglicher Sinn / sich zersetzt hat . . .»

Böhmer straft die missmutigen Kritiker, die ihm gerne eine «Ästhetik der Willkür» bescheinigen, Lügen. In seinem Poem zieht er alle Register traditioneller lyrischer Techniken. Sein Gedicht kommt als grosse Litanei daher, gleich einem Gebet, das seine Beschwörungsformeln beständig wiederholt. Er arbeitet ganz kalkuliert mit den Verfahren der Reihung sinnlicher, in der Lautgestalt und Morphologie oft bizarrer Wörter. Und er zelebriert die poetische Metamorphose seiner Hauptfigur. / Michael Braun, NZZ

Paulus Böhmer: Zum Wasser will alles Wasser will weg. Verlag Peter Engstler, Ostheim/Rhön 2014. 236 S., € 35.–.

107. Schweizer Indianer

Er [Eugen Gomringer] ist der Letzte von den grossen Gründergestalten unserer Nachkriegsmoderne, und er sitzt so vergnügt und hellwach da, als hätte er eben einen Preis für seinen Erstling erhalten. Er ist ein Schweizer und ein Indianer und ist im Urwald geboren und wuchs in Zürich auf und lebt in Deutschland und wird gefeiert rund um die Welt. Wie bei allen Köpfen, die das Mittelmass übersteigen, wissen die meisten Schweizer nicht, was sie an ihm haben, und das geschieht ihnen recht. Ignoranz bestraft sich selbst. Sie tut es aber auf humane Art; man merkt nichts davon. / Peter von Matt, NZZ

Die vorliegende Rede wurde am 28. Januar im Zürcher Literaturhaus gehalten im Rahmen einer Feier zum 90. Geburtstag Eugen Gomringers.

106. Deutsch geht gut

Der letzte Schriftsteller in der Reihe der Autoren, die kommende Woche in fünf Schulen im Rahmen von „Deutsch geht gut“ lesen, ist Fouad El-Auwad.

Er übersetzt deutsche Gedichte ins Arabische und arabische Gedichte ins Deutsche. Fouad El-Auwad sieht seine Rolle als Schriftsteller in der Vermittlung zwischen den Kulturen. Der Syrer, der aus Damaskus stammt und in Aachen Architektur studierte, schreibt Lyrik und Erzählungen.

El-Auwad berichtet, dass die klassische deutsche Literatur, von Goethe bis Schiller, sehr wohl im arabischen Raum bekannt ist und gelesen wird. Neuere, moderne Lyrik wird jedoch kaum übersetzt. Auch moderne arabische Literatur wird fast nicht ins Deutsche übertragen. Eine „Brücke zwischen der arabischen und der europäischen Welt“, so der Dichter, soll der deutsch-arabische Lyrik-Salon bilden, den er Ende 2004 gründete und der in verschiedenen Städten gastiert. / Gabriele Szczegulski, Südpresse

Fouad El-Auwad liest mit Selim Özdogan, Ortwin Ramadan, Matthias Nawrat und Tanya Malyarchuk am Mittwoch, 4. Februar, 20 Uhr, in der Otto-Rombach-Bücherei, und am Donnerstag, 5. Februar, 18 Uhr, in der Realschule im Aurain.

Fouad El-Auwad, „mit den Buchstaben unterwegs“, Books on Demand, 8,90 Euro.

105. Literaturpreis für Marica Bodrožić

Marica Bodrožić erhält den mit 15.000 € dotierten Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung 2015. Die 1973 in Svib (im heutigen Kroatien) geborene Schriftstellerin leiste mit ihren epischen und essayistischen Werken einen maßgeblichen kulturellen Beitrag zur Neuordnung Europas nach 1989, so die Begründung der Jury.

Von der Transformation eines Europas der Nationen in eine multipolare Welt und von dem gefährdeten Weg der Freiheit in den südost- und mitteleuropäischen Staaten erzähle sie auf eine eindringliche, realistische und zugleich poetisch-phantasievolle Weise, so in den Erzählungen Tito ist tot (2002) und Der Windsammler (2007), in den Romanen Das Gedächtnis der Libellen (2010), Kirschholz und alte Gefühle (2012) und Mein weißer Frieden (2014) sowie in dem Essay Sterne erben, Sterne färben. Meine Ankunft in Wörtern (2007). Marica Bodrožićs literarischer Blick in die europäische Raum- und Zeitgeschichte durchbreche starre Freund-Feind-Bilder, um dahinter Probleme von Arbeitsmigranten, multiethnische und religiöse Konflikte sichtbar zu machen. Das Schreiben zwischen den Kulturen sei selten so nuancenreich und so bildkräftig praktiziert worden wie in Bodrožićs Büchern.

„Im Prozess des zusammenwachsenden Europas baut Marica Bodrožić auf die integrative Erinnerungs- und Gestaltungskraft der Literatur“, erklärt der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung und Präsident des Europäischen Parlaments a.D., Dr. Hans-Gert Pöttering, der den Literaturpreis am 31. Mai 2015 in Weimar verleihen wird. Die Laudatio auf Marica Bodrožić hält der deutsche Literaturwissenschaftler und Gründungsdirektor des „Center for Anglo-American Cultural Relations“ in London, Prof. Dr. Rüdiger Görner.

Der Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung wird seit 1993 an Autoren verliehen, die der Freiheit das Wort geben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören u.a. Sarah Kirsch, Hilde Domin, Günter de Bruyn, Thomas Hürlimann, Hartmut Lange, Louis Begley, Herta Müller, Wulf Kirsten, Daniel Kehlmann, Ralf Rothmann, Uwe Tellkamp, Cees Nooteboom, Arno Geiger, Tuvia Rübner, Martin Mosebach und Rüdiger Safranski.

Der unabhängigen Jury gehören an: Prof. Dr. Gerhard Lauer (Universität Göttingen) als Vorsitzender, Prof. Dr. Oliver Jahraus (Ludwig-Maximilians-Universität München), Christine Lieberknecht MdL (Ministerpräsidentin a.D. des Freistaats Thüringen), Felicitas von Lovenberg (Leiterin Literatur, Frankfurter Allgemeine Zeitung), Ijoma Mangold (Die Zeit) sowie Prof. Dr. Birgit Lermen (Universität zu Köln) als Ehrenmitglied.

Weitere Informationen zum Literaturpreis unter: www.kas.de/literaturpreis

104. Nationaldichter als Selbstvermarkter

Camõens’s mind was the product of Renaissance classicism and Portuguese imperialism; having served and fought first in Cetua and then to India and elsewhere for sixteen years, he won little and lost an eye, was accused of embezzlement and jailed, freed and sailed home to Portugal. He was a red blooded patriot but a broken-hearted one as well because he thought his country had slid down into luxury and corruption and away from the qualities of valor, sacrifice, and bravery that he hoped to revive through the Lusiads. Like the Aeneid and Odyssey before it, the Lusiads tells of a hero sent far and sundry by storms and angry gods, while covering the history of the Portuguese- the race descended from Lusus, companion of Bacchus who discovered the land of Lusitania.

For me, the most interesting passage comes about halfway through, at the end of Canto V, when the poet reflection on Portugal’s lack of great poets:

“I say it without shame for the reason that none of us stands out as a great poet is our lack of esteem for poetry. He who is ignorant of art cannot value it. For this reason, and not for any lack of natural endowment, we have neither Virgils nor Homers; and soon, if we persist in such a course, we shall have neither pious Aeneases nor fierce Achilles either.”

To some degree, this is standard poetic self-marketing. Of course Camõens has to say this to the king- poetry is not yet about expressing some inner experience; it still has to serve some other purpose. However, he suggests the poet has a unique and special partnership with military leaders. In some sense, the poet creates the warrior both by immortalizing him in poetry and by giving him an impetus to wage war and thus be remembered. Without the poet, nations wouldn’t just lack war propaganda and memorials – they would lack warriors. / Ordinary Times

103. Persischer Phoenix

2002 gründeten die persische Sängerin und Komponistin Cymin Samawatie und Benedikt Jahnel in Berlin das Quartett Cyminology. Seitdem verbindet es persische Lyrik und kammermusikalische zeitgenössische Musik und spielt immer wieder auch mit Jazz, Weltmusik und anderen Einflüssen.

Im Februar erscheint beim Label ECM die neue CD „Phoenix“, auf der vor allem Gedichte der persischen Dichterin Forough Farrokhzaad vertont wurden. / DLR

102. Schreibheft

Außerdem bringt das Schreibheft Nummer 83 brandneue Gedichte des Charkower Schriftstellers Serhij Zhadan aus dem Band „Schuss- und Stichwaffen“, die zeigen, dass es im Osten der Ukraine auch vor der aktuellen Krise ziemlich gewalttätig zuging, und ein Dossier über den 1969 mit gerade 36 Jahren verstorbenen Ost-Berliner Dichter Uwe Gressmann*. Das schönste Gedicht, ja überhaupt der schönste Text in diesem Schreibheft stammt allerdings von Leonid Aronson. Aronson war der abgesehen wieder von Iosif Brodsky vielleicht beste der Leningrader Dichter der späten 60er-Jahre, starb noch jünger als sein Zeitgenosse Griesmann* und wird in Russland seit einigen Jahren wiederentdeckt. Die geniale deutsche Übersetzung von Aronsons Achtzeiler besorgte Jan Wagner. Seine bzw. Aronsons acht Zeilen allein sind es wert, die aktuelle Ausgabe des Schreibheftes zu kaufen:

„Schön ist, Gott, was ich erblicke!, Jedes Mal wie zu Beginn, Und die Schönheit ohne Lücke. Wegzusehen – doch wohin? Weil vom Fluss die Zitterwinde Wehen, sind sie frisch gekühlt. Nichts, was hinter allem stünde. Alles zeigt sich, unverhüllt.“ / Uli Hufen, DLF

Schreibheft. Zeitschrift für Literatur. Nr. 83, 184 Seiten, 13 Euro.

*) Greßmann

100. Zwischenruf

Meinungsfreiheit? Müßte man nicht erst mal eine Meinung haben, bevor man sie frei zu äußern versucht? Ein polnischer Aphorismus sagt es so: „Jeder hat seine eigene Sicht, aber nicht jeder sieht etwas“ (Szymon Winawer).

Wenn Meinungsfreiheit bedeutet, daß jedem jedes Forum offensteht, um seinen Senf oder seine Galle zu verspritzen, dann herrscht hier „Einschränkung der Meinungsfreiheit“. Selbstdarsteller und Trolle unerwünscht. *)

*) Das hat übrigens auch eine politische Seite. Wenn WordPresss nicht einmaliges Freischalten beim ersten Kommentar vorgesehen hätte, hätten wir im letzten Jahr viele antiukrainische Kommentare bekommen. Auch das will ich hier nicht. Das hätte etwa so geklungen (Originalton):

Ich glaube du spinnst? Du glaubst echt den scheiss den man euch hier in deutschland erzählt ? WÄHREND VERFICKTE UKRAINISCHE SOLDATEN AUF IHRE EIGENEN ZIVILISTEN SCHEISSEN DIE MIT ERHOBENEN HÄNDEN LAUFEN ? SAG MAL WER HAT DIR DENN INS GEHIRN GESCHISSEN !!!!

Nicht daß es nicht versucht worden wäre.

 

99. Wutrede

Marcel Beyer, der die mit 20.000 Euro dotierte Ehrung am Montag in der Oberen Rathaushalle erhielt, ging harsch ins Gericht mit den vorgeblich patriotischen Demonstranten in seiner Heimatstadt: „Mit Wollust lassen sie sich einpeitschen, und je vulgärer der Abend wird, desto wohliger glühen ihre Äuglein“, sagte Beyer, der seine Abrechnung mit Versen aus der „Göttlichen Komödie“ illustrierte. Auf diese Weise wurden Dantes horrende Höllenvisionen mit Dresdener Gegenwart aufgeladen: „Denn dumpfes Heulen, grauenvolle Reden und des Zornes Laute sind derzeit nichts Ungewöhnliches auf den Plätzen der Stadt, in der ich lebe.“

Zuvor hatte Beyer in gebotener Drastik das nur bedingt lyriktaugliche Vokabular der Pegida-Anhänger vorgeführt, deren Wirklichkeitsbild sich laut Preisträger aus „Verschwörungstheorieportalen, Fernsehtalkshows und Fantasyromanverfilmungen“ speist. Seine kluge Wutrede im Rathaus war ein sinniger Auftakt der wenig später einen Gedichtbandwurf entfernt anhebenden Demonstration für eine demokratische und weltoffene Gesellschaft.

Am 137. Geburtstag des weltanschaulich ambivalenten Bremer Dichters Rudolf Alexander Schröder, dessen Andenken der Bremer Literaturpreis zugeeignet ist, äußerte Marcel Beyer neben Widerworten auch Fürsprache. Die galt vormaligen Preisträgern, die seine Weltwahrnehmung verändert haben – darunter Paul Celan und Friederike Mayröcker. Mit ihren Werken sei er ebenso aufgewachsen wie „in der selbstverständlichen Annahme, alles deutschnationale Geplärre liege weitgehend hinter uns“. Pegida belehrt ihn eines Schlechteren. / Hendrik Werner, Weser-Kurier

98. In Basel

Jan Wagners Gedicht über Koalas im fernen Australien wird gerade in einem offenen Workshop diskutiert, Freude an und über Worte ausgekostet. »Erst Staunen, dann in Sprache versinken«, schwärmt Wagner über lyrisches Schaffen. Und voller Respekt sagt der Berliner: »Ein Gedicht weiß mehr als sein Autor.« Ein Satz, der bleibt. Auch nach dem Umbau auf dem Podium für den ehrenvollen Punkt des Tagesprogramms.

Gut 50 Hausacher haben sich inzwischen eingefunden, um zu lauschen und zu applaudieren. Denn vorne steht gleich ein Freund von ihnen. José F. A. Oliver erhält an diesem Abend den »Basler Lyrik-Preis«. / Mittelbadische Presse

97. Freilassung

Der internationale PEN ist sehr erfreut über die Nachricht, dass sechs eritreische Schriftsteller und Journalisten unerwartet aus der Haft entlassen wurden. Für den PEN ist die Freilassung ein willkommener Schritt für ein Land mit einer grauenhaften Bilanz in Sachen Meinungsfreiheit. Eine Frau und fünf Männer – Yirgalem Fisseha, Ghirmay Abraham, Bereket Misghina (auch bekannt als Wedi Misghina), Meles Negusse, Petros Teferi (oder auch Wedi Qeshi) und Basilos Zemo – wurden am 21. Januar 2015 nach sechs Jahren Haft ohne einen Prozess oder eine gerichtliche Strafe auf Kaution freigelassen. Sie waren die letzten sechs der etwa 50 Journalisten und Mitarbeiter des in Asmara ansässigen Radiosenders Bana, die am 22. Februar 2009 verhaftet worden waren.

Nachdem sie anfangs im Adi Abito Militärcamp im Nordwesten von Asmara inhaftiert waren, wo es ihnen erlaubt war, Besuch von Familien und Freunden zu empfangen, wurden die Journalisten später in die Nähe von Mai-Sirwa in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt. Alle sechs Journalisten, die entlassen wurden, sind nun nach Hause zurückgekehrt.

„Es ist wundervoll, dass sechs Familien nun nach mehr als sechs Jahren mit geringen Informationen über das Schicksal dieser Journalisten wieder vereint wurden. Wir freuen uns über diesen Schritt der eritreischen Regierung und hoffen, dass dies ein Zeichen für weitere Veränderungen ist“, sagte Carles Torner, Geschäftsführer des internationalen PEN.

„Der PEN hat noch weitere 21 Schriftsteller und Journalisten auf seiner Case-Liste, bei einigen von ihnen wird vermutet, dass sie unter den entsetzlichen Bedingungen der eritreischen Gefängnisse gestorben sind. Ihr Schicksal muss sofort aufgeklärt werden, und sollten einige noch leben, müssen diese schnellstmöglich und bedingungslos freigelassen werden.“

Vier der entlassenen Schriftsteller – Negusse, Misghina, Teferi und Fisseha – werden  vom internationalen PEN als ‘main cases’ behandelt (cm/sf).

Weitere Informationen in englischer Sprache, bereitgestellt vom internationalen PEN:

Ghirmay Abraham is a poet and journalist who worked for the national radio station Dimtsi Hafash as well as freelancing for Radio Bana until his detention.

Yirgalem Fisseha is a well-known poet who at the time of her detention was working as a journalist for Radio Bana.

Bereket Misghina (also known as Wedi Misghina) is a playwright, filmmaker, actor and author who was a staff member at Radio Bana when he was detained.

Meles Negusse is one of the country’s leading poets who used to present a poetry programme on national television. Also one of the founders of Tsigenay newspaper, at the time of his detention he was working as a freelance journalists for Radio Bana and was also a journalist for the Sports Commission.

Petros Teferi (also known as Wedi Qeshi) is a writer and poet who was working as a freelancer for Radio Bana when he was detained.

Basilos Zemo is a journalist who at the time of his detention was head of Radio Bana and the media section of the Ministry of Education’s Department of Adult Education and Media.